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Als Regierungsviertel wird in der Landeshauptstadt Düsseldorf ein nicht genau begrenzter Bereich in der Umgebung des Landtags Nordrhein-Westfalen bezeichnet, in dem sich eine Reihe von Behörden der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und weitere Einrichtungen konzentrieren, die die räumliche Nähe von Parlament und Regierung nutzen.
Das Regierungsviertel erstreckt sich zu beiden Seiten der Rheinkniebrücke am rechten Rheinufer in den Stadtteilen Hafen, Unterbilk und Carlstadt. Der städtebauliche Übergang zum Medienhafen im Stadtteil Hafen ist fließend. Durch Architektur, Städtebau und Denkmalschutz im Regierungsviertel drückt das Land Nordrhein-Westfalen sein Selbstverständnis als Staat und seine Haltungen in Fragen der Baukultur aus.
Inhaltsverzeichnis |
Folgende Gebäude bilden den Kern des Regierungsviertels:
Einrichtungen, die die räumliche Nähe von Regierung und Parlament nutzen, sind unter anderem:
Gebäude, Anlagen und Flächen, die das Regierungsviertel im Weiteren räumlich, baulich oder verkehrlich prägen, sind:
Am 2. Oktober 1988 wurde der Landtag Nordrhein-Westfalen im Bereich des früheren Berger Hafens am Rhein eingeweiht. Das Gebäude und seine Nutzung gaben fortan den Anstoß zu einer weitgehenden Umgestaltung der Umgebung.[1] Mit der Wahl seines Bauplatzes in einer beherrschenden Lage am Rhein stellte sich der Landtag in die Reihe bedeutender anderer Parlamentsbauten, die durch eine Position an einem großen Fluss einen imposanten Auftritt erzielen, zum Beispiel die Parlamente in London und Budapest. Spiritus rector der Idee eines Landtag-Neubaus am sogenannten Rheinknie war der Architekt und Stadtplaner Edmund Spohr.
Die 1911 erbaute neoklassizistische Villa Horion am heutigen Johannes-Rau-Platz hatte bereits den Landeshauptmännern der Rheinprovinz als Residenz und ab 1961 einigen Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens als Amtssitz und Staatskanzlei gedient, doch war von einem Regierungsviertel dort noch lange nicht die Rede. Scherzhaft wurde der Amtssitz des Ministerpräsidenten vielmehr als das Pförtnerhäuschen von Mannesmann tituliert, weil die benachbarten Verwaltungsgebäude der Mannesmann AG weitaus eindrucksvoller erschienen. Im sogenannten Behrens-Bau des Unternehmens Mannesmann, Mannesmannufer 2, hatten die ersten Ministerpräsidenten vom August 1946 bis zum 1. April 1953 ihren Amtssitz und ihre Staatskanzlei gehabt, danach bis 1961 in den früheren Verwaltungsgebäuden der Provinzialversicherungsanstalt in der Elisabethstraße 5 sowie 8–11.[2] Im 1. Obergeschoss des nördlichen Anbauflügels des Gebäudes Elisabethstraße blieb bis zum Ausbau und zur Einlagerung im Jahr 2008 der erste Kabinettsaal Nordrhein-Westfalens erhalten. Das hochwertige Interieur dieses Raums war 1953 nach dem Entwurf des Architekten Karl Monerjan in modernistischen Formen der 1950er Jahre eigens für Zwecke der Landesregierung konzipiert worden.[3]
In größerer Entfernung vom ersten Amtssitz des Ministerpräsidenten, im Ständehaus, dem Gebäude des preußischen Provinziallandtages der ehemaligen Rheinprovinz, hatte der Landtag von 1949 bis 1988 seinen ersten Sitz.
Seitens der Stadt Düsseldorf war in der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg daran gedacht, die Berliner Allee als Regierungsstraße zu entwickeln. Allerdings ging dieser Gedanke rasch unter, als sich die Ministerien des jungen Landes Nordrhein-Westfalens über das Stadtgebiet Düsseldorfs zu verteilen begannen.
Lange zurück lag das historische Regierungsviertel Düsseldorfs. Es hatte seit dem Ende des 18. Jahrhunderts am Mühlenplatz und in der Mühlenstraße, der Verbindung zwischen dem Düsseldorfer Schloss und dem Hofgarten, seinen Standort gehabt, nachdem zuvor der Marktplatz mit dem Rathaus und der Alten Kanzlei das Verwaltungszentrum in der Stadt gewesen war. In der Alten Kanzlei waren zeitweise auch die Kanzlei und das Kreisarchiv des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises untergebracht. An der Mühlenstraße, die sich seit dem 17. und 18 Jahrhundert immer stärker als die Hauptachse höfischer Einrichtungen etabliert hatte, lagen bzw. liegen die Kurfürstliche Kanzlei für die Herzogtümer Jülich-Berg, die später als Regierungsgebäude des Großherzogtums Berg diente, ferner das Statthalterpalais und die Hofkirche St. Andreas mit dem Mausoleum für die Düsseldorfer Wittelsbacher des Fürstenhauses Pfalz-Neuburg.
Bereits unter dem Erbprinzen und späteren Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg hatte es seit Ende des 17. Jahrhunderts Pläne für den Bereich des heutigen Regierungsviertels gegeben. Nach Entwürfen aus der Zeit um 1700, die dem kurpfälzischen Festungsingenieur Cagnon zugeschrieben wurden, sollte hier eine beträchtliche Stadterweiterung („Extension“) mit einem neuzeitlichen Befestigungssystem angelegt werden, um durch ein Angebot unentgeltlicher Bauplätze Kaufleute und andere Neubürger in die Stadt zu holen. Weil aber der Zustrom Bauwilliger sich in Grenzen hielt, wurde der Plan einer befestigten Stadterweiterung fallengelassen. Es bildete sich nur ein kleiner Siedlungsansatz an der Neusser Straße, der die Bezeichnung Neustadt trug. Im Schrifttum wird vermutet, dass Johann Wilhelm zeitweise erwogen haben soll, einen großen barocken Schlossbau aus der Feder seines Hofarchitekten Matteo Alberti im Bereich des heutigen Polizeipräsidiums zu verwirklichen.[4]
1701 begann in der Neustadt die Errichtung einer Infanteriekaserne für 4000 Soldaten. 1735 entstand dort ferner eine bis 1803 genutzte Kavalleriekaserne.[5] Auch im 19. Jahrhundert war der Bereich ein Kasernenstandort, wie die Stadtpläne aus dieser Zeit bezeugen. In den 1920er und 1930er Jahren überplante die Stadt dieses Gebiet als Verwaltungsstandort; die Gebäude des Polizeipräsidiums und der Oberfinanzdirektion entstanden.
Im Zuge der Konzentration und des Neubaus von Landesministerien im Bereich der Villa Horion, mit der Eröffnung des neuen Landtaggebäudes im Jahre 1988 und mit der bis 1995 andauernden Umgestaltung des Umfeldes durch Rheinufertunnel, Rheinuferpromenade und Rheinpark Bilk entstand beiderseits des Fußes der Rheinkniebrücke ein städtebaulich gestalteter Raum mit einer gewissen Aufenthaltsqualität, die den Gedanken an ein nordrhein-westfälisches Regierungsviertel plausibel machte.
Das Ständehaus, der vormalige Sitz des Landtags, stand von 1988 bis 1996 zunächst leer. Ein Konzept, darin die Staatskanzlei und den Sitz des Ministerpräsidenten unterzubringen, wurde in dieser Zeit entwickelt, aus Kostengründen aber wieder verworfen. 1996 wurde dann ein Plan zum Umbau des Ständehauses als Ausstellungsgebäude der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Nach diesem Plan war der große, glasüberdachte Innenhof auch als repräsentativer Rahmen für staatliche Veranstaltungen des Landes Nordrhein-Westfalen gedacht. Das Gesamtkonzept fand die Zustimmung des Landes und wurde in den Jahren 1996 bis 2002 realisiert.
Auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement mietete das Land Nordrhein-Westfalen seit 1999 Räume im Bürohochhaus Stadttor an, um den Amtssitz des Ministerpräsidenten und die Staatskanzlei dorthin zu verlegen.
2007 bezog das damalige Ministerium für Bauen und Verkehr, das 2010 in das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr integriert worden ist, das zuvor sanierte Atlantikhaus der früheren, heute aufgelösten Oberfinanzdirektion Düsseldorf am Jürgensplatz 1. Dieser zwischen 1936 und 1939 für die Behörde des Oberfinanzpräsidenten errichtete Backsteinbau liegt zwischen dem gestalterisch ähnlichen Polizeipräsidium Düsseldorf, der Hubertusstraße, der Neusser Straße und dem Jürgensplatz (vormals Kavalleriestraße). Durch die pathetisch-funktionale Formensprache, die für die Architektur im Nationalsozialismus typisch ist, wirkt das Gebäude wie eine Kaserne. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Anlage vorübergehend von britischen Streitkräften genutzt worden. Zwischen 1949 und 1952 war das Gebäude der Sitz der Internationalen Ruhrbehörde gewesen, deren Aufsicht über die Montanindustrie an Rhein und Ruhr 1952 durch die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl obsolet wurde.
Am 14. Januar 2004 beschloss die Stadt Düsseldorf den Rahmenplan „Hochhausentwicklung in Düsseldorf“ als Grundlage ihrer Stadtentwicklung. Darin ist im Bereich des Regierungsviertels auf dem Areal am heutigen Innenministerium an der Haroldstraße 5 ein etwa 100 m hoher Büroturm für das Umweltministerium eingeplant. Im Übrigen klassifiziert dieser Plan große Teile des Regierungsviertels als Hochhausentwicklungsbereich der „Zone 2“, wo die verträgliche Bauhöhe eines Vorhabens nach bestimmten städtebaulichen Kriterien im jeweiligen Einzelfall untersucht werden soll.[6]
Am 23. August 2010 berichtete der Online-Dienst der Rheinischen Post, dass unter anderem der an das Regierungsviertel angrenzende Gebäudekomplex des Unternehmens Vodafone vom landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb gekauft worden sei, um dort weitere Ministerien zu konzentrieren. Das Gebäude des Innenministeriums an der Haroldstraße 5 sei asbestbelastet und könne nur noch abgerissen werden. Verschiedene Landtagsabgeordnete würden die geplanten Umzüge von Ministerien in die neu erworbenen Gebäude begrüßen. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dirk Elbers, würde zustimmen, weil es reizvoll sei, alle Ministerien in Landtagsnähe zu zentrieren und den gesamten Bereich städtebaulich neu zu planen.[7]
Ebenfalls am 23. August 2010 schaltete sich die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen mit einer Presseerklärung in die Diskussion über die Neugestaltung eines Regierungsviertels ein. Sie forderte darin als Grundlage für ein „Gesamtkonzept“, einen „großen Wurf“ und eine „Weichenstellung für die städtebauliche Entwicklung der Landeshauptstadt“ die Auslobung eines internationalen städtebaulichen Wettbewerbs.[8]
Am 10. Dezember 2010 wurde das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs zur Erweiterung und Instandsetzung des am Rande des Regierungsviertels gelegenen Polizeipräsidiums Düsseldorf öffentlich präsentiert. Demnach soll der weiteren Planung ein Entwurf des Büros HPP Architekten zugrunde gelegt werden. Dieser Entwurf sieht die Verlegung der Stellplatzanlage auf dem Jürgensplatz in eine zweigeschossige Tiefgarage, die Schaffung einer öffentlichen Platzfläche auf dem Jürgensplatz sowie eine öffentliche Wegeverbindung zwischen dem Jürgensplatz und der Neusser Straße vor. Das 1929 bis 1933 errichtete, heute denkmalgeschützte Polizeipräsidium soll längs der Wegeverbindung durch Anbauten mit knapp 5.100 m² Büroflächen erweitert werden. Im Gegensatz zu den massiven, kasernenartigen Backsteinbauten des bestehenden Polizeipräsidiums, das neoklassizistische Züge trägt und in seinen strengen Formen zur Architektur des Nationalsozialismus überleitet, sollen die Anbauten Glasfassaden erhalten. Die Wegeverbindung, die den Komplex zwischen Jürgensplatz im Osten und der Neusser Straße im Westen durchquert, ist Teil einer seitens der Stadt langfristig geplanten Wegeverbindung zwischen dem Ständehaus am Kaiserteich und dem Landtag Nordrhein-Westfalen am Rheinknie.[9] Die gesamte Baumaßnahme soll 2012 beginnen und 2016 fertig gestellt werden.[10]
Am 11. Mai 2011 wurde von ersten Überlegungen des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs berichtet, einen Neubau einer Staatskanzlei auf dem Grundstück des jetzigen Innenministeriums an der Haroldstraße 5 zu errichten. Der Mietvertrag für die Staatskanzlei im Gebäude des sogenannten Stadttors laufe 2021 aus und das jetzige, asbestbelastete Gebäude des Innenministerium aus den frühen 1980er Jahren solle nach Umzug des Innenministeriums in den bald frei werdenden Vodafone-Komplex, die vormaligen Bürogebäude der Mannesmann AG an der Rheinuferpromenade, abgerissen werden. Nach diesem Abriss könne dann der Neubau der Staatskanzlei an der Haroldstraße 5 erfolgen. Endgültige Entscheidungen über dieses Konzept liegen aber noch nicht vor.[11]
Im Juli 2011 meldete sich das Maklerunternehmen Jones Lang LaSalle zu Wort. Unter anderem schlug es das Regierungsviertel als Ort weiterer Hochhausentwicklungen in Sinne eines Central Business Districts vor, um insbesondere für ansiedlungswillige Firmen aus Asien neue und adäquate Bürokapazitäten zu schaffen.[12][13] Der Planungsdezernent der Stadt Düsseldorf verwies hierzu auf den bestehenden Hochhausrahmenplan von 2004, wonach das Areal des heutigen Innenministeriums durchaus eine deutlich höhere bauliche Nutzung vertrage.[14]
Nach Berichten der Rheinischen Post vom August 2011 erwarten die Staatskanzlei und die Fraktionen des Landtages Nordrhein-Westfalen als nächsten Schritt, dass die Stadt Düsseldorf als Trägerin der Planungshoheit ein städtebauliches Konzept für das Regierungsviertel im Sinne einer „großen Lösung“ erarbeitet und vorstellt. Hierbei würde eine Nachfolgenutzung für das Grundstück des jetzigen Innenministeriums im Mittelpunkt der planerischen Betrachtungen stehen müssen. Aus Sicht befragter Makler dienen diese Entwicklungen einer weiteren Profilierung der Landeshauptstadt als Dienstleistungsmetropole. Dabei bestehe auch ein Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung des Medienhafens sowie des Bereichs am Südende der Königsallee und der Friedrichsstadt.[15][16]
Ebenfalls im August 2011 berichtete die Rheinische Post, dass Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg mit Unterstützung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Dirk Elbers den Plan verfolge, in der Villa Horion ein Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens einzurichten. Im Herbst 2011 wolle er zur Erarbeitung eines entsprechenden Ausstellungskonzepts eine Expertenkommission einberufen.[17][18]