Reitzenhain ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Marienberg im Erzgebirgskreis.
Geographie
Der Ort liegt direkt an der deutsch-tschechischen Grenze in ca. 750 m ü. NN (Messpunkt am Bahnhofsgebäude: 778,223 m) an der Schwarzen Pockau auf dem Erzgebirgskamm. Südöstlich, am rechten Ufer des Grenzflusses befindet sich in Tschechien die Wüstung Pohraniční (Böhmisch Reizenhain).
Nachbarorte
Geschichte
Der Ort wurde 1401 erstmals urkundlich als Reiczenstein erwähnt. Schon damals war Reitzenhain Grenzort zum benachbarten Böhmen. Im Jahr 1551 gehörte der Ort zur Parochie Großrückerswalde. 1607 kam Reitzenhain zur Parochie Kühnhaide, auch die Kinder gingen nach Kühnhaide zur Schule. Aufgrund der militärisch wichtigen Lage des Reitzenhainer Passes war er häufig durch Soldaten besetzt und gesperrt, so im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Straße zwischen Marienberg und Reitzenhain chausseemäßig ausgebaut. Am 23. August 1875 wurde die Bahnstrecke (Flöhatalbahn) von Chemnitz über Marienberg bis nach Komotau (Chomutov) eingeweiht. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1879 gegründet. Ein Schulgebäude wurde 1882 eingeweiht. Ab 1891 begann der Torfabbau.
Mit dem Anschluss des auf tschechischer Seite gelegenen Reizenhain erhält auch der Ortsteil Reißigmühle 1921 einen Anschluss ans Elektrizitätsnetz. Das Rathaus wurde 1924 eingeweiht. Am 1. Oktober 1937 wurde Kühnhaide nach Reitzenhain eingemeindet, erhielt jedoch am 1. April 1948 seine Eigenständigkeit zurück. Bei einem Bombenabwurf im Frühjahr 1945 wurde ein Gebäude zerstört und 14 Menschen getötet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brachen die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Böhmen nach und nach zusammen, was den Niedergang des Ortes einleitete. Bis zum 31. Dezember 1993 war Reitzenhain eine eigenständige Gemeinde. Danach bildete der Ort gemeinsam mit Kühnheide, Rübenau und Satzung die Gemeinde Hirtstein[2] mit Verwaltungssitz in Reitzenhain. Zum 1. Januar 2003 wurde Hirtstein nach Marienberg eingegliedert.[3]
Hier lebte auch das Reitzenhainer Mannl, eigentlich Eugen Georg Schuffenhauer. Er war Gründer der Schuffenhauerschen Bewegung, einer sektenähnlichen Organisation, die im Erzgebirge Verbreitung fand.
Entwicklung der Einwohnerzahl
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| Jahr |
Einwohnerzahl
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| 1890 |
537
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| 1910 |
791
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| 1925 |
854
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| 1939 |
1931
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| Jahr |
Einwohnerzahl
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| 1946 |
1970
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| 1950 |
913
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| 1964 |
781
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| 1990 |
659
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Verkehr
B 174, rechts das Empfangsgebäude des Bahnhofs
Am Grenzübergang nach Sebastiansberg in Tschechien endet die Bundesstraße 174 aus Chemnitz und führt als Nationalstraße 7 auf tschechischem Gebiet weiter nach Chomutov (Komotau).
Früher war Reitzenhain auch Grenzbahnhof an der sächsischen Bahnlinie Chemnitz–Flöha–Pockau–Marienberg–Reitzenhain und der Buschtěhrader Eisenbahn nach Chomutov. Der Personenverkehr wurde 1978 eingestellt, der Güterverkehr folgte 1998.
Literatur
- Landratsamt Mittlerer Erzgebirgskreis, Hrsg.: Zur Geschichte der Städte und Gemeinden im Mittleren Erzgebirgskreis, Eine Zeittafel (Teile 1-3)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ortsteile der Stadt Marienberg auf marienberg.de, abgerufen am 21. Januar 2012
- ↑ Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
- ↑ vgl. Reitzenhain im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen