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Die Kulturlandschaft Rheingau erstreckt sich rechtsrheinisch von Walluf bis Lorchhausen und zieht sich als sanft gewelltes Hügelland von den Höhen des Taunushauptkammes hinunter bis zum Rhein, der hier für 30 Kilometer aus seiner allgemeinen Nordrichtung abgelenkt wird und bis zum Binger Loch nach Westen fließt. Dadurch ist die dominierende Geländeform im Rheingau der Südhang. Jedoch ist auch der steile Einschnitt des Rheins in den Taunushauptkamm vom Binger Loch bis Lorch noch Teil dieser Landschaft, wo der Rhein seinen Weg wieder nach Norden nimmt. Naturräumlich wird der Rheingau zum Rhein-Main-Tiefland gezählt und bildet die Haupteinheit 236. Der Rheingau als Landschaft ist Kern des gleichnamigen Weinbaugebietes Rheingau.
Der Rheingau zeichnet sich durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus. Politisch gehört er zum Rheingau-Taunus-Kreis im Bundesland Hessen.
Inhaltsverzeichnis |
Die landschaftlich reizvolle Region ist dreigeteilt:
Das Klima im Rheingau ist geprägt durch trocken-warme Sommer und milde Winter. In den Ortslagen nahe dem Rhein wachsen in den Gärten mediterrane Gehölze (Feigenbäume, Oliven, Aprikosen und Pfirsiche), an den Rhein-Steilhängen herrscht eine an die Trockenheit angepasste Vegetation vor. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen in den Sommermonaten liegen bei über 19 °C, im Winter selten unter 1 °C. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt zwischen 450 mm in einigen Orten am Rhein und über 1000 mm auf der Kalten Herberge.
Der Rheingau umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Böden. Man unterscheidet im Wesentlichen:
Für detaillierte Informationen zu den Böden des Rheingaus: Terroir Hessen / Weinbaustandortviewer des HLUG - Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie.
Im alten Frankenreich war der Rheingau ein Gau, der im Auftrag des Königs von den Rheingrafen verwaltet wurde. In seiner ursprünglichen Ausdehnung umfasste er den späteren Unterrheingau (der in der Folge den Namen Rheingau behielt), den Königssondergau (heute in etwa das Gebiet der Landeshauptstadt Wiesbaden und des westlichen Main-Taunus-Kreises) sowie den Oberrheingau südlich des Untermains. Östlich lagen der Niddagau und der Maingau und nördlich der Lahngau.
Im Jahr 983 nahm der Mainzer Erzbischof Willigis am Reichstag Ottos II. in Verona teil, wo ihm dieser am 13. Juni die sogenannte „Veroneser Schenkung“ machte. Die Schenkung sprach dem Erzbistum Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und Kaub, das Gebiet beiderseits der unteren Nahe sowie den rechtsrheinischen Rheingau als Lehen zu. Sie war Grundlage für einen großen Teil des späteren Kurstaates (Kurmainz), über den der Erzbischof als Landesherr regierte. Er drängte den Einfluss des Rheingrafen nach und nach zurück.
Der Rheingau war 600 Jahre lang bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vom Rheingauer Gebück, einer aus „gebückten“ Buchen bestehenden natürlichen Grenzbefestigung, umschlossen.
Nach Auflösung des Kurstaates ging der Rheingau 1803 an Nassau-Usingen und war zur Zeit des Herzogtums Nassau in die Ämter Eltville und Rüdesheim gegliedert. Nach der Annexion des Herzogtums durch das Königreich Preußen wurde 1867 der Rheingaukreis als Landkreis im Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau geschaffen. Nach einer Teilung des ursprünglichen Großkreises im Jahr 1886 war das verbleibende Gebiet des Rheingaukreises identisch mit dem Rheingau zu kurmainzischer Zeit. Nach der Auflösung des Rheingaukreises im Rheingau-Taunus-Kreis am 1. Januar 1977 ist der Rheingau kein Begriff mehr für eine politische Verwaltungseinheit. Der Rheingau ist jedoch nach wie vor Name einer einzigartigen Kulturlandschaft, deren Bewohner eine besondere historisch gewachsene Verbundenheit bewahrt haben und sich gegenüber Außenstehenden oft als Rheingauer bezeichnen.
Die klimatischen Bedingungen begünstigen den Weinbau, der in der Region schon zur Zeit Karls des Großen betrieben wurde. Rheingauer Weine, insbesondere der Rheingauer Riesling, genießen einen Spitzenruf in aller Welt.
So herausragend der Rheingau unter dem Gesichtspunkt der Qualität auch ist, hinsichtlich seiner Größe gehört er mit seinen 3100 Hektar Rebfläche zu den kleinsten deutschen Anbaugebieten und rangiert an siebter Stelle. Knapp 2,5 % der deutschen Weinernte werden hier erzeugt -insgesamt etwa 20 Millionen Liter Wein pro Jahr, davon 85 % Weißwein. Der Durchschnittsertrag liegt bei 6700 Litern pro Hektar, das ist deutlich weniger als der deutsche Durchschnitt von rund 9500 Litern.
Unter den Rebsorten nimmt der Riesling mit knapp 80 % die unangefochtene Spitzenstellung ein, während auf den Spätburgunder rund 12,5 % und auf den Müller-Thurgau lediglich 2 % entfallen. Die Rieslinge aus dem östlichen und mittleren Rheingau sind, sofern sie von den tiefer gelegenen Lagen auf sandigen Lehmböden stammen, stets voller, kräftiger und im Alter erdiger als jene, die in Rüdesheim auf Schieferverwitterung wachsen. Diese sind eleganter und schillernder. Eine Ausnahme bilden die Weine aus Lorch.
Der Rheingau zeichnet sich als Kulturland durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus, darunter das Niederwalddenkmal, das Kloster Eberbach, die Schlösser Reinhartshausen, Reichartshausen, Johannisberg und Vollrads, der Oestricher Kran sowie die Altstädte von Rüdesheim (Drosselgasse), Eltville mit der kurfürstlichen Burg und Kiedrich. Bei Rüdesheim beginnt das UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrheintal.
Daneben gibt es noch weitere sehenswerte Schlösser und Burgen sowie Klöster und Kirchen.
Oestricher Kran in Oestrich-Winkel, der letzte erhaltene Weinladekran am Rheinufer