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In der Mathematik ist die Richtungsableitung einer von mehreren Variablen abhängigen Funktion die momentane Änderungsrate dieser Funktion in einer durch einen Vektor vorgegebenen Richtung.
Eine Verallgemeinerung der Richtungsableitung auf unendlichdimensionale Räume ist das Gâteaux-Differential.
Inhaltsverzeichnis |
Seien <math> {U}\subseteq \mathbb{R}^n </math> eine offene Menge, <math> \vec{x}\in {U} </math> und <math>\vec{v} = (v_1, \ldots, v_n)\in \mathbb{R}^n</math> ein Einheitsvektor (das heißt <math>|\vec{v}| = 1</math>).
Die (beidseitige) Richtungsableitung einer Funktion <math>f\colon {U} \rightarrow \mathbb{R}</math> am Punkt <math>\vec x</math> entlang (oder in Richtung von) <math>\vec{v}</math> ist definiert durch den Limes
falls der Grenzwert existiert.
Eine alternative Formulierung ist folgende:
Durch <math>t \mapsto f(\vec x + t \vec v)</math> ist eine Funktion <math>g_{\vec v} \colon \R \to \R</math> definiert mit <math>g_{\vec v}(0) = f(\vec x)</math>. Ihre Ableitung an der Stelle <math>t=0</math> ist gerade die Richtungsableitung von <math>f</math> im Punkt <math>\vec x</math> in Richtung <math>\vec v</math>.
Verzichtet man auf die Einschränkung <math>|\vec{v}| = 1</math>, so gibt es zwei Möglichkeiten, den Begriff „Ableitung entlang oder in Richtung von <math>\vec v</math>“ zu interpretieren:
Im Folgenden wird der erste Ansatz zu Grunde gelegt.
Statt <math>D_{\vec v} f (\vec x)</math> sind auch die Schreibweisen
üblich, um unter anderem Verwechslungen mit den kovarianten Ableitungen der Differentialgeometrie zu vermeiden.
Ist <math>f</math> total differenzierbar, so kann die Richtungsableitung mit Hilfe der totalen Ableitung dargestellt werden (siehe den Abschnitt Eigenschaften). Schreibweisen dafür sind
Bei allen Formen sind auch Schreibweisen ohne Vektorpfeile üblich und solche, bei denen Punkte und Vektoren durch Fettdruck von Skalaren unterschieden werden.
Die einseitige Richtungsableitung von <math>f\colon {U} \rightarrow \mathbb{R}</math> in Richtung <math>\vec{v}\in\mathbb{R}^{n}</math> ist definiert durch
Die beidseitige Richtungsableitung in Richtung <math>\vec{v}</math> existiert genau dann, wenn
In diesem Fall gilt
= \frac{\partial f}{\partial x_1}(\vec x) \,v_1 + \dots +\frac{\partial f}{\partial x_n}(\vec x)\, v_n </math>
Im eindimensionalen Fall gibt es nur zwei mögliche Richtungen, nämlich nach links bzw. nach rechts. Die Richtungsableitungen entsprechen also den üblichen einseitigen Ableitungen. Die Ableitungen in beide Richtungen dürfen verschiedene Werte annehmen, das bedeutet anschaulich, dass die Funktion einen Knick haben kann. Ein einfaches Beispiel hierfür ist die Betragsfunktion. Sie ist in <math>0</math> zwar nicht differenzierbar, aber die einseitige Richtungsableitung existiert:
<math>D^{+}_{h}{f(0)}=h</math> für <math>h\geq 0</math> und
<math>D^{+}_{h}{f(0)}=-h</math> für <math>h \leq 0</math>
Der Absolutbetrag ist also gleich seiner einseitigen Richtungsableitung in 0 als Funktion von <math>h</math>.