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| Riesenkalmare | ||||||||||
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| Riesenkalmar Architeuthis dux | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Architeuthis | ||||||||||
| (Steenstrup, 1857) | ||||||||||
| Arten | ||||||||||
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Die Riesenkalmare (Architeuthis; oftmals irrtümlich als Riesenkraken bezeichnet) sind die einzige Gattung der gleichnamigen Familie innerhalb der Kopffüßer. Wie alle Kalmare besitzen sie zehn Arme, die um die Mundöffnung gruppiert sind, wovon zwei zu Tentakeln umgebildet sind. Aus diesem Grund werden sie den Zehnarmigen Tintenfischen oder Decabrachia zugeordnet. Die genaue Stellung innerhalb des Systems ist gegenwärtig noch unklar.
Die Riesenkalmare sind weltweit verbreitet. Besonders häufig werden sie an den Küsten Norwegens, Großbritanniens, Neufundlands, bei Japan, vor Australien und Neuseeland sowie vor Südafrika gefangen. Wahrscheinlich leben sie in einer Tiefe von über 300 Metern (nach anderen Angaben 500 bis 1000 m tief) unterhalb des Meeresspiegels. Aus diesem Grund sind auch erst seit dem Beginn der Tiefseefischerei mit Schleppnetzen häufigere Fänge der Tiere bekannt geworden, teilweise wurden auch Überreste in Walmägen gefunden.
Inhaltsverzeichnis |
Selbst heute finden sich in Fachbüchern vielfach falsche Angaben zur Größe. Ein Problem bei der Messung von Längen bei Riesenkalmaren ist die enorme Dehnfähigkeit der Arme, weshalb in der Regel die nur wenig veränderliche Mantellänge als Kriterium zur Betrachtung der tatsächlichen Größe herangezogen wird. Hier sei etwa das im Jahre 1887 in Lyall Bay (Wellington) am Strand angespülte Exemplar genannt. Es hatte eine Gesamtlänge von 18,3 m, während die Mantellänge nur 1,8 m betrug, was bei einem Exemplar mit natürlich langen Tentakeln einer Gesamtlänge von etwa 10,7 m entspricht. Die größte belegte Mantellänge für Architeuthis beträgt 2,25 m, wobei Riesenkalmare in Ausnahmefällen eine Standardlänge (die Kopf und Fangarme einschließt) von 5 m erreichen. Der größte Teil der Gesamtlänge wird durch die beiden langen dünnen Tentakel ausgemacht, und tatsächlich konnte nie ein Riesenkalmar nachgewiesen werden, der mit ungedehnten Tentakeln eine Länge von 13 m überschritt.
Riesenkalmare scheinen zu den langlebigsten Vertretern der Kopffüßer zu gehören und 3–5 Jahre alt zu werden, was bedeutet, dass sie ihre Größe in sehr kurzer Zeit erreichen.
Allgemein gilt der Riesenkalmar Architeuthis als der größte Kopffüßer. Allerdings erreicht der weitaus weniger bekannte und kompakter gebaute „Koloss-Kalmar“ Mesonychoteuthis hamiltoni (der nicht zu dieser Familie, sondern zu den Gallertkalmaren gehört) noch deutlich größere Ausmaße mit Mantellängen bis zu 4 m.
Die Riesenkalmare orientieren sich wahrscheinlich vor allem durch ihre Augen, die zu den größten im ganzen Tierreich zählen. Lediglich die Augen des Koloss-Kalmars werden noch größer. Die riesigen Augen weisen auch auf den Lebensraum hin – Meerestiefen, in die nur noch eine äußerst geringe Menge Licht vordringt. Über die Nahrung der Tiere ist wenig bekannt. Magenuntersuchungen brachten vor allem Reste von Kalmaren (auch der eigenen Art) und Fischen (zum Beispiel Langschwanzseehecht) zum Vorschein. Bisher wurde vermutet, dass der Riesenkalmar eher ein Lauerjäger als ein ausdauernd jagendes Tier sei. Die ersten Aufnahmen eines lebenden Tieres ließen jedoch Zweifel an dieser These aufkommen. Die Theorie, dass auch Pottwale auf seinem Speiseplan stehen, ist abwegig. Wahrscheinlich ist, dass der Pottwal der einzige wirkliche Fressfeind großer ausgewachsener Riesenkalmare ist, wie Saugnapfnarben auf dem Körper von Walen und Reste von Architeuthis in Pottwalmägen zeigen. Pottwale ernähren sich hauptsächlich von diversen Kalmar-Arten und unternehmen während der Jagd sehr lange und tiefe Tauchgänge. Mit Tauchtiefen von über 1000m (gelegentlich bis 3000m) können sie Kalmare fangen, die nur in der Tiefsee vorkommen und sonst von keinem anderen Säugetier erreicht werden können. Gigantische Saugnapfnarben auf der Walhaut förderten auch die Legende von ggf. über 60 m großen Kalmaren. Wie man aber inzwischen weiß, wachsen die Narben mit der Walhaut mit – d. h. eine tiefe Narbe, die ein Pottwal einst als Jungtier erhielt, dehnt sich mit dem Wachstum des Tieres mit aus. Sie erreicht beim erwachsenen Tier eine Größe, die das Wachstum des Wales, aber nicht die Größe des Tintenfischs, der die Narbe einst verursachte, widerspiegelt. Kleinere Exemplare werden aber auch von verschiedenen Fischen und Haien gefressen, sehr kleine Exemplare an der Oberfläche sogar von Hochseevögeln wie Albatrossen. Mittelgroße Exemplare fallen auch großen Grauhaien oder neben Pottwalen auch anderen größeren Zahnwalen zum Opfer, die in der Tiefsee nach Kopffüßern jagen.
Durch den Austausch des Natriumkations des Meerwassers gegen Ammonium in ihrem Muskelgewebe erhalten die Riesenkalmare wie auch einige andere Kalmare den notwendigen Auftrieb, um im Salzwasser zu schweben.[1] Die Ammoniumchloridlösung macht sich durch starken Geruch bemerkbar, den die Tiere verströmen. Das zähe Fleisch der Riesenkalmare ist aus diesem Grunde für den Menschen ungenießbar.
Noch weniger als über die Ernährung ist über die Paarung und die Entwicklung der Tiere bekannt. Ganz offenbar implantiert das Männchen während der Paarung Spermatophoren unter die Haut der Partnerin. Man fand mehrere weibliche Tiere mit implantierten Spermatophoren, wie diese jedoch die Eier letztlich befruchten, ist bisher unbekannt. Wie US-Forscher jüngst herausfanden, bemühen sich Riesenkalmare offenbar nicht, das Geschlecht anderer Riesenkalmare zu erkennen. Demnach versuchen Männchen sich mit jedem anderen der seltenen Riesenkalmare zu paaren. Entsprechende Spermadefunde belegen diese These. Damit verstoßen die Riesenkalmare gegen eine der Grundthesen der Biologie, nach der die Paarung mit nicht fruchtbaren Partnern nachteilig sein müsste. Die Riesenkalmare scheinen sich aufgrund ihrer Seltenheit jedoch in Richtung einer Strategie der breiten genetischen Streuung entwickelt zu haben.[2]
Im Stralsunder Meeresmuseum ist seit dem 16. Januar 2005 ein präpariertes Exemplar ausgestellt, das von neuseeländischen Fischern gefangen worden ist. Das mit 49 Kilogramm Gewicht und über 6 Meter Länge (von Mantel- zu Tentakelspitze) unterdurchschnittlich große Tier weist am hinteren Ende des Mantels eine Besonderheit auf: Dort wurden implantierte Spermatophoren gefunden, deren Herkunft gegenwärtig nicht geklärt ist.
Riesige Tintenfische galten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Seemannsgarn. Obwohl seit Jahrhunderten über Sichtungen von Riesenkalmaren und Begegnungen mit diesen Tieren berichtet wurde, wurden die Erzählungen meist ins Reich der Legenden und der Kryptozoologie verwiesen. Selbst die Funde gestrandeter Kalmare mit Längen von weit über 10 Metern wurden von der Zoologie nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass es diese Tiere tatsächlich gibt.