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Die Rieswarte oder Nikolausberger Warte ist die Ruine eines Wartturms des äußeren mittelalterlichen Landwehrringes der Stadt Göttingen nordöstlich von Nikolausberg.
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Die Rieswarte liegt etwa 2,4 Kilometer nordnordöstlich des Ortskerns von Nikolausberg auf 352 m ü. NN an einem Waldrand des Pleßforstes im Göttinger Wald. Unmittelbar nördlich der Warte ist eine Kreuzung zweier Wirtschaftswege, die Felder südlich der Warte tragen die Flurbezeichnung „Über dem Hevel“, westlich und nördlich der Warte fällt das Gelände zum etwa 500 Meter entfernten oberen Teil der Billingshäuser Schlucht ab. Deppoldshausen liegt 2,2 Kilometer westnordwestlich, die benachbarte Roringer Warte (Berwinkelswarte) liegt 2485 Meter südöstlich auf etwa 325 m ü. NN und der Marktplatz der Stadt Göttingen 6,7 Kilometer südwestlich der Rieswarte.[1] Südlich und östlich der Warte schließt sich das Naturschutzgebiet Bratental an.[2]
Die Warte hatte eine ursprünglich vermutlich etwa 4 Meter hohe trapezförmige Umfassungsmauer mit Zugang im Nordwesten, deren Reste auf drei Seiten noch einen Eindruck der Anlage vermitteln. Der Mauer vorgelagert war ein flacher muldenförmiger Graben und eine Wallhecke. Innerhalb der Mauer sind neben dem Wartturm noch drei ehemalige Gebäude archäologisch nachgewiesen, von denen eines als Stallung, ein weiteres als Wohn- oder Wirtschaftsgebäude und das dritte, in der Mitte der Anlage liegende Gebäude als Arbeitshütte, wahrscheinlich für Textil- und Metallverarbeitung, identifiziert wurde.[3] Der Wartturm steht unmittelbar an der nordwestlichen Mauer, ist im Grundriss annähernd rund angelegt und hat eine Wandstärke von rund 1,20 Meter, ein heute durch ein Gitter verschlossener Zugang befindet sich im Südwesten. Ursprünglich hatte der Turm eine Höhe von etwa 19 Metern, die Oberkonstruktion bestand aus Fachwerk. Heute ist noch der Schaft bis in ungefähr 5 Meter Höhe erhalten. Im Turm war eine Kloake integriert, die sich an der Mauerseite befand, so dass der Unrat nicht innerhalb der Anlage landete.
Nordöstlich der Warte ist am Waldrand noch ein Rest der ehemaligen Landwehr erhalten, die von der unmittelbar an der Warte vorbeiführenden Feld-/Forststraße durchschnitten wird. Der heute im Wald erkennbare Wall mit dahinterliegendem Graben ist auf mehreren hundert Metern Länge unterschiedlich gut erkennbar, der Höhenunterschied zwischen Grabensohle und Wallkrone beträgt noch bis zu 1,50 Meter. Es ist davon auszugehen, dass der Graben früher erheblich tiefer war und dass der Wall als Knick mit undurchdringlichem Dornengebüsch bewachsen war und so durchaus als wirkungsvolle Abgrenzung dienen konnte.
Am 19. Juni 1380 schrieb Herzog Otto der Quade von Braunschweig dem Rat der Stadt Göttingen im Zusammenhang einer längeren Urkunde:
Ok sint we mit on eyndrechtich gheworden, dat se moghen lantwere graven unde graven laten unde warde buwen unde buwen laten, wur on de duncket bequeme unde gud sin, umme de stad to Gottingen unde moghen borchvrede, warde, slaghe unde bome uppe de lantwere setten laten unde de bewaren unde bewachten laten, alse se best moghen, unde dar scholde me uns unde unsere denere ut unde in laten, wanne we dat esschen unde uns des nod is.[4]
(neuhochdeutsch: Auch sind wir [=Herzog Otto, Pluralis majestatis] mit ihnen einig geworden, dass sie um die Stadt Göttingen herum Landwehren graben und graben lassen und Warten bauen und bauen lassen dürfen, wo es ihnen passend und gut zu sein scheint, und Bergfriede, Warten und Schlagbäume auf die Landwehren setzen lassen und sie befestigen und befestigen lassen dürfen, so gut sie können, und dort soll man uns und unsere Diener aus und ein lassen, wenn wir das fordern und es für uns nötig ist.)
Entsprechend dieser Genehmigung begann die Stadt mit der Errichtung von Landwehrlinien, die an wichtigen Straßen und günstigen Beobachtungsstellen durch Warten gesichert wurden. Der Ausbau erfolgte in zwei unregelmäßigen Ringen um die Stadt, später wurde im Süden noch eine dritte Landwehrlinie angelegt. Die Rieswarte bildete den nordöstlichen Eckpunkt der zweiten Landwehrlinie.[5] Sie wurde 1438–42 errichtet und sicherte die Straße über Gillersheim Richtung Harz;[6] deshalb wurde sie nicht als reine Beobachtungs- und Frühwarnstation auf der Berghöhe errichtet, hat aber Sichtkontakt zur benachbarten Roringer Warte. In alten Beschreibungen wird die Warte auch „weiße Warte“ genannt oder nach ihrer Lage als „hoen warde hinder sinte Nicolaes“ bezeichnet. Bereits im 15. Jahrhundert begannen das Landwehrsystem und die Warten zu verfallen. Ursache war wahrscheinlich neben der schwierigeren wirtschaftlichen Situation und den hohen Unterhaltungskosten für die Stadt auch die Weiterentwicklung der Kriegstechnik mit immer weiter verbreiteten und höher entwickelten Feuerwaffen, zudem verlor die Stadt wie auch der Landadel gegenüber der Landesherrschaft immer mehr an Macht. Die Rieswarte wurde wahrscheinlich zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufgegeben.
In den Jahren 1980–82 erfolgten an der Rieswarte archäologische Untersuchungen durch die Stadtarchäologie Göttingen unter Leitung von Sven Schütte, anschließend wurde die Ruine teilrestauriert und gesichert.
http://denkmale.goettingen.de/denkmale/rieswarte.html
51.5794569.996979Koordinaten: 51° 34′ 46″ N, 9° 59′ 49,1″ O