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| Ripuarisch | ||
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Gesprochen in |
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niederlande, Belgien | |
| Linguistische Klassifikation |
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Ripuarisch – auch Ripwarisch oder Nordmittelfränkisch (Eigenbezeichnung: Ripoarėsch oder einfach Platt) – ist eine kontinentalwestgermanische Dialektgruppe. Es ist eine der drei großen Rheinisch genannten Sprachgruppen, unter denen es räumlich und im Dialektkontinuum des Rheinlandes eine Mittelstellung einnimmt zwischen dem zur niederfränkischen Gruppe zählenden Niederrheinischen am Niederrhein und dem südlich angrenzenden moselfränkischen Dialektraum, welcher wie die ripuarischen Dialekte der westmitteldeutschen Sprachengruppe zugerechnet wird. Sprachgeschichtlich wie phonetisch am nächsten verwandt ist das Limburgische. Das ist eine in Nordbelgien und der südostniederländischen Provinz Limburg sowie einem schmalen Streifen von Heinsberg bis zum Niederrhein in Deutschland verbreitete niederfränkische Varietät. Diese genießt in den Niederlanden den offiziellen Status als Minderheitensprache nach der EU-Charta.
Inhaltsverzeichnis |
Der Name „Ripuarisch“ leitet sich vom Lateinischen „ripa“, Ufer, her. Ripuarier waren in der späteren römischen Zeit die an den Flussufern des mittleren Rheins, der oberen Maas, der niederen Sieg, und von Ahr, Erft und Rur siedelnden germanischen Franken, wörtlich „Freie“[1], und die von ihnen unterworfenen Stämme. Sie eroberten im 5. Jahrhundert Köln, das dann eine Zeit lang ihre Hauptstadt wurde, und beendeten die Vorherrschaft des Lateinischen in diesem Teil Germaniens. Wahrscheinlich wurde wenigstens von den Franken in dieser Zeit noch ein zwischen Frankfurt am Main, Reims und Köln relativ einheitliches Altfränkisch gesprochen, das sich aber dadurch, dass sich zunehmend eine bäuerlich sesshafte Bevölkerung herausbildete, immer stärker regional ausdifferenzierte.
Die Grenzen des Dialektgebietes reichen heute von der Benrather Linie im Norden und Westen, bis Wildberg (Oberberg) im Osten (mit lingualen Einflüssen bis ins nördliche Siegerland), und Eupen im Westen. Im Süden stimmt die Dialektgrenze relativ genau mit der Landesgrenze Nordrhein-Westfalens südlich von Bad Honnef und Hennef überein. Zwei schmale Streifen im Norden von Rheinland-Pfalz werden allerdings noch hinzu gerechnet; zum einen die Region Bad Neuenahr-Ahrweiler und zum anderen die Region Linz am Rhein. Bedingt durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit dieser Territorien zum Kurfürstentum Köln verläuft die Sprachgrenze hier rechtsrheinisch zwischen Leubsdorf und Bad Hönningen. Im Westen, also linksrheinisch, setzt sie sich südlich von Bad Breisig und nördlich von Brohl-Lützing als so genannte Vinxtbachlinie fort. Ripuarisch wird auch im nördlichen Teil des deutschen Sprachgebietes in Belgien gesprochen (das 1920 wieder zu Belgien kam, nachdem es im Jahre 1815 an Preußen abgetreten werden musste) sowie in einigen südostlimburgischen Grenzgemeinden der Niederlande, wie Kerkrade, Bocholtz und Vaals und Umgebung.[2]
Die Sprachen zwischen der Benrather Linie und der weiter nördlich verlaufenden Uerdinger Linie (die sogenannten „niederfränkische ich-Dialekte“), wie zum Beispiel das Düsseldorfer Platt, weisen viele Gemeinsamkeiten mit den ripuarischen Sprachen auf. Auch wenn sie viele niederdeutsche bzw. niederfränkische Eigenarten besitzen, werden sie gelegentlich, je nach Standpunkt, noch dem Ripuarischen zugeordnet. In manchen Gebieten, wie in und um Mönchengladbach oder in der (heutigen) Stadt Velbert[3] vermischen sich die verschiedenen typischen Unterschiede zwischen Ripuarisch und den Nachbardialekten in einem so breiten, stark bevölkerten Gebiet, dass eine präzise Grenzziehung ohnehin schwierig und relativ willkürlich ist.
Vor allem niederländische Autoren betrachten den limburgischen, niederfränkischen und ripuarischen Sprachraum gemeinsam als eine relativ starke sprachliche Einheit.
Am bekanntesten sind die kölschen Dialekte des Ripuarischen, einschließlich der Landkölschen. Die übrigen Dialektvarianten weisen meist die Bezeichnung „Platt“ im Namen auf, so das Öcher Platt, Hommersch Platt, Dürener Platt und Eischwiele Platt, und so fort. Die ripuarischen Sprachen sind mit dem Moselfränkischen verwandt, weisen aber auch Gemeinsamkeiten mit niederrheinischen Dialekten auf, was sie zu Übergangsdialekten macht. Der historisch nächste Verwandte der ripuarischen Dialekte ist das Limburgische in den Niederlanden und in Belgien, welches jedoch durch seiner Lage jenseits der Benrather Linie viel mehr Verwandtschaft mit dem Niederländischen und seinen sonstigen Dialekten aufweist. Im äußersten Südosten der niederländischen Provinz Limburg, beispielsweise in und um Kerkrade, sowie im Norden Ostbelgiens, beispielsweise in und um Eupen, werden aber noch ripuarische Dialekte gesprochen, die dem Öcher Platt sehr ähneln.
Der ripuarische Wortschatz wird beschrieben im Rheinischen Wörterbuch.[4]
Die ripuarischen lokalen Varietäten unterscheiden sich zum Teil gravierend in der Semantik und Lexik, in der Aussprache und einigen grammatikalischen Eigenheiten. Generell ist dabei zu beobachten, dass benachbarte Varianten meist recht ähnlich klingen und eine gute gegenseitige Verständlichkeit besteht, während dies, typisch für ein Dialektkontinuum, bei räumlich weiter auseinanderliegenden durchaus nicht der Fall sein muss, was bis zur gänzlichen Unverständlichkeit reichen kann. Relativierend sollte dazu gesagt werden, daß im Bedarfsfall die „entfernten“ Dialekte, zumindest passiv-verstehend, meist schnell gelernt werden können.
Die ripuarischen Dialekte werden gelegentlich grob eingeteilt in westripuarische im Großraum Aachen und der südwestlichen Eifel, zentralripuarische im Bereich Köln, Bonn, Neuss, sowie die vor allem im südlichen Teil des Bergischen Landes gesprochenen Bergischen Dialekte.[5] Mit dieser Einteilung korrespondiert in vielen Fällen die jeweils übliche Partikel, die entsprechend dem hochdeutschen „nicht wahr?“, dem schweizerdeutschen „oder?“, dem hessischen und teilweise oberdeutschen „gell?“, oder dem Englischen „is it?“, „isn't it?“ an Sätze angehängt wird. Im Westripuarischen ist das überwiegend ein „wa!?“ bis „waach?“ mit sehr schwachem „ch“, im Zentralripuarischen geht dieses von einem „ne“ mit kurzem, fast tonlosen „e“ bis zum „neejet“, während im südlichen Bergischen „woll“ bis „wohl“ vorherrscht, wenn eine solche Partikel überhaupt verwendet wird. Das „woll“-Gebiet setzt sich östlich und nach Norden ins Sauerländische und das übrige Südwestfälische hinein fort.
Allen ripuarischen Sprachen und den angrenzenden limburgischen Sprachen gemein ist, dass sie in moderatem Umfang tonale Anteile enthalten, was sie bedingt zu Tonakzentsprachen macht, und dass sie weitgehend mit einer Art Satzrhythmus gesprochen werden, gekennzeichnet durch stark wechselnde Vokallängen, gelegentlichen winzigen Pausen innerhalb mancher Worte und Silben, dafür starke Liaisonen mit Sandhi, Assimilation über Wortgrenzen, (optionalen) Vokaleinfügungen (meist ein unbetontes e) und/oder Diphthongierungen, echten und unechten Tilgungen. Die ripuarischen Satzmelodien sind deutlich ausgeprägter als die deutschen oder niederländischen und anders als die französischen. Häufig wird die Satzstellung dem 'passenden' Rhythmus und der Satzmelodie untergeordnet, insbesondere, wenn ein Wort mit hohem Tonakzent auf eine unbetonte oder per Satztyp tief zu sprechende Stelle der Satzmelodie treffen würde. In viel stärkerem Umfang als in den benachbarten Hochsprachen werden Satzmelodie, Rhythmus, Tonlage und Betonungen benutzt, um semantische Anteile in der gesprochenen Sprache zu transportieren. Nicht selten existieren von einer Wortfolge bis zu einem Dutzend lediglich unterschiedlich ausgesprochener (intonierter) Varianten, die völlig unterschiedliche Aussagen beinhalten, einschließlich der Gegenteile; diese sind im Hochdeutschen manchmal nur durch zusätzliche Modalwörter nachzubilden oder erfordern eine vollkommen andere Wortwahl.
Obwohl ein erheblicher Schatz an mundartlicher Literatur und Liedguts auf Ripuarisch besteht, gilt es als schwierig, die gesprochene Sprache adäquat niederzuschreiben. Naheliegenderweise gibt es bei weit über hundert unterschiedlichen Dialekten keine einheitliche Schreibweise und es herrscht weitgehend der Zustand wie vor der Vereinheitlichung der deutschen bzw. niederländischen Rechtschreibung, bei dem jedermann schreibt, wie er glaubt, dass es dem Gesprochenen entspräche, in der Hoffnung, die Anderen werden es schon richtig verstehen können. Lediglich für Kölsch hat es in jüngster Zeit unter anderem durch die Akademie för uns Kölsche Sproch verschiedene Versuche einer Festlegung gegeben, die allgemein jedoch bisher wenig Beachtung fanden.
Mit der Rheinischen Dokumenta wurde in den 1980er Jahren eine einfache Lautschrift entwickelt, mit der sich die Ripuarischen Sprachen, und andere, recht getreu notieren lassen. Sie erfasst in der üblicherweise benutzten Weise keine Tonakzente. Sie kann 25 Vokale und 26 Konsonanten darstellen; es fehlen aus einer strikten phonologischen Sicht lediglich ein Vokal (der o-Schwa [ɐ̯]), ein Konsonant (die sch-artige kölsche Variante des „ch“) und der Glottalstop. Trotz einer Reihe von Publikationen wurde sie in der breiteren Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.
Im Ripuarischen, wie im angrenzenden Moselfränkischen, kennt man im normalen Sprachverlauf drei Vokalchroneme, die meist als „kurz“, „lang“ und „überlang“ bezeichnet werden,[6] gelegentlich auch als „kurz“, „mittel“, „lang“, bzw. „gedehnt“. Bei den Konsonanten gibt es zwei Längen, die höchst selten Bedeutungen unterscheiden, oft aber Wörter von Nichtwörtern. Zum Vergleich: Das Deutsche kennt zwei Vokallängen und eine der Mitlaute, die im Ripuarischen häufige Konsonantengemination findet nicht statt.
Der Phonvorrat der ripuarischen Sprachen umfasst etwa den des Hochdeutschen, des Niederdeutschen und des Niederländischen zusammen genommen, dazu weitere, die ungefähr mit den limburgischen übereinstimmen, und einige eigene. Es gibt allerdings im Ripuarischen überwiegend eine kleinere Variationsbreite der Allophone und deutlich weniger Positionsabhängigkeiten als im Standard- und Niederdeutschen oder im Niederländischen. Dass so nahezu jede theoretisch denkbare Lautpaarung auch in Worten vorkommen oder zumindest in Logatomen „realisiert“ werden kann, lässt die ripuarischen Sprachen für die Ohren deutscher Muttersprachler aus entfernteren Dialektgebieten leicht fremdartig klingen.
Die Bedeutung der ripuarischen Mundarten im Alltag ist regional sehr unterschiedlich, jedoch nahezu überall rückläufig. Auf dem Land, wo vor dem Zweiten Weltkrieg noch weitgehend der jeweilige Ortsdialekt die Umgangssprache zumindest der Einheimischen untereinander war, wurde dieser inzwischen durch den rheinischen Regiolekt oder das Standarddeutsche ersetzt. Dennoch ist in nicht wenigen Orten der Dialekt durchaus noch vorhanden. Er wird besonders in der Karnevalszeit, beim Schützenfest, zur Kirmes, aber durchaus auch zu anderen Gelegenheiten sozusagen wieder hervorgeholt. Dabei lassen sich oft merkwürdige öffentliche Diglossien beobachten, zum Beispiel wenn von einer Mundartband eine erklärende Ansage in reinem Hochdeutsch oder bestenfalls im Regiolekt gemacht wird, und danach der ganze Saal mit der Gruppe zusammen das angekündigte Lied in einem ripuarischen Dialekt singt, um sofort danach wieder ins Hochdeutsche zu verfallen.
In der Mundartliteratur und -poesie in professionellen, wie Laientheatern und Spielkreisen, gelegentlich in Mundartvereinen, im karnevalistischen Liedgut wie in der Büttenrede und seit den 68ern verstärkt durch Musikgruppen wird ein Teil der Dialekte weiter lebendig gehalten. Das gelingt sehr unterschiedlich.
Auch in der hochdeutschen Literatur tauchen ripuarische Begriffe oder Sprechweisen auf, naturgemäß meist bei Autoren aus der Region, wo sie gesprochen werden. Als wichtiges Stilmittel beispielsweise in Bölls Novelle „Ende einer Dienstfahrt.“
Mit dem Segen der Erzdiözese feiert man in einigen Kirchen und im Kölner Dom gelegentlich die heilige Messe, mit Ausnahme vorgeschriebener, unantastbarer Riten, teilweise im lokalen Dialekt, Predigten eingeschlossen.
Regionale oder lokale Werbung mit Dialekt-Slogans ist durchaus üblich. „Mer mulle nit, mer fahre mët“ bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Aachen. „Mir mache ons lang für üch“ bei den Stadtwerken Düren. Mit einer der wohl erfolgreichsten plakatierten Werbekampagnen der Nachkriegszeit: „Küppers Kölsch em Köhlschrank is esu jot wie ene eijene Köbes em Hus“ und ähnlichem, eroberte die Wuppertaler Brauerei Wicküler den Kölner Markt. Ebenfalls aus Köln: „Dat Wasser vun Kölle es jot“, welches den lokalen Wasserwerken neben viel Hohn und Spott auch Jahrzehnte währende Aufmerksamkeit bescherte, nicht zuletzt durch Parodien, wie beispielsweise im Lied „Dat Wasser vun Kölle“ [7] der Bläck Fööss, getextet von Hans Knipp; rätselhaft ist dabei, wozu diese Werbung in der Öffentlichkeit dienen soll, da die Kölschen ihr Wasser ja nicht aussuchen können.
Zahlreiche Schilder und Hinweistafeln werden im Dialekt gehalten, etwa „Trick“ und „Däu“ auf den Türen des Kölner Gürzenichs, auch Gaststättennamen wie „beim Jupp“ und „em Büjeliese“ und Inschriften oder Erklärungen, die an historischen Orten, Plätzen, bedeutenden Gebäuden sowie Denkmälern zu finden sind.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg haben einige Wörter aus dem Ripuarischen über ihre Regiolektvariante Eingang und Verbreitung in der Standarddeutschen Umgangs- und teilweise auch Schriftsprache gefunden. Beispiele dafür sind poppen, das Knöllchen, der Flachmann, der Kabänes und der Karnevalsjeck, sowie das Adjektiv „pingelig“.
Im Regiolekt des Rheinlands und teilweise darüber hinaus tauchen über dreitausend Wörter auf, wie „titschen“, „piddeln“, „usselich“, „iggelich“, „Pittermännchen“ und „Flappmann“, deren ripuarischer Ursprung den Einheimischen in aller Regel überhaupt nicht bewusst ist, die deshalb für hochdeutsche Wörter gehalten und entsprechend benutzt werden.[8]
Zwischen diesen beiden Gruppen liegen solche Wörter, deren Herkunft in der Regel bekannt ist, deren Verbreitung inzwischen die ihres ursprünglichen ripuarischen Dialekts weit übersteigt, wie etwa „Lallbacke“, „Köbes“, „Fiese Möpp“ und „(kölscher) Klüngel“, „kölscher Kaviar“, und so weiter.[9]
(Hier nicht aufgeführt: was in eigenen Artikeln über einzelne ripuarische Ortsmundarten genannt ist.)