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| Robben | ||||||||||||
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| Ein pazifisches Walross | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Pinnipedia | ||||||||||||
| Illiger 1811 | ||||||||||||
| Familien | ||||||||||||
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Die Robben (Pinnipedia) sind eine Gruppe zum Wasserleben ĂŒbergegangener Raubtiere (Carnivora). Der wissenschaftliche Name leitet sich aus dem Lateinischen von pinna, âFlosseâ und pes, âFuĂâ her, bedeutet also FlossenfĂŒĂer. Unter diesem Namen oder als Wasser-Raubtiere findet man sie manchmal auch in der Fachliteratur, am bekanntesten aber sind sie als Robben.
Inhaltsverzeichnis |
Robben sind mittelgroĂe bis groĂe SĂ€ugetiere, die LĂ€ngen zwischen 1,20 und 6 Metern erreichen können. Das Gewicht schwankt zwischen den Arten extrem und liegt zwischen 25 Kilogramm bei Weibchen der Antarktischen SeebĂ€ren (Arctocephalus gazella) und mehr als 4 Tonnen bei mĂ€nnlichen SĂŒdlichen See-Elefanten (Mirounga leonina). Oft lĂ€sst sich ein auffĂ€lliger Sexualdimorphismus feststellen: See-Elefanten-MĂ€nnchen wiegen oft bis zu viermal mehr als ihre Weibchen.
Der Robbenkörper hat eine torpedoförmige Gestalt: Der abgeflachte Kopf ist durch einen dicken Hals nur undeutlich vom Rest des Körpers abgesetzt, der Schwanz nur noch als Rudiment erhalten. Die GliedmaĂen sind zudem bis zum Ellbogen beziehungsweise Knie in den Körper eingebettet, so dass nur Unterarm und -schenkel frei liegen. Alle diese Eigenschaften setzen den Strömungswiderstand herab und dienen so der Anpassung an das Leben im Wasser.
Im RobbenschĂ€del ĂŒberlappt das vordere Hinterhauptsbein, der Supraokzipitalknochen mit dem SchlĂ€fenbein, dem Parietalknochen; die Augenhöhlen sind vergröĂert, wĂ€hrend das Rostrum, also die âSchnauzeâ des Tieres, stark verkĂŒrzt ist. Statt des typischen Raubtiergebisses haben die meisten Robben ein gleichförmigeres Fischfressergebiss. Es existieren meist ein bis zwei Paar untere SchneidezĂ€hne, kegelförmige, meist wenig betonte EckzĂ€hne und zwölf bis vierundzwanzig einfache, homodonte, also gleichartig aufgebaute BackenzĂ€hne. Letztere besitzen zwei Wurzeln und sind zugespitzt; sie sind somit weniger zum Kauen als zum Festhalten der Beute geeignet. ReiĂzĂ€hne wie bei den anderen Raubtieren kommen bei Robben nicht vor. Allerdings gibt es zahlreiche Abweichungen, vor allem bei jenen Robbenarten, die andere ErnĂ€hrungsweisen pflegen: Bei Walrossen sind die EckzĂ€hne etwa als StoĂzĂ€hne ausgebildet, wĂ€hrend bei Krabbenfressern die ZĂ€hne kompliziert gebaute Höcker besitzen, die bei geschlossenem Kiefer ein engmaschiges Sieb bilden, mit dem die Tiere ihre Nahrung, Krill, erbeuten.
Je nach Familie sind unterschiedliche Teile der WirbelsĂ€ule verstĂ€rkt, dies hĂ€ngt mit der unterschiedlichen Fortbewegung der Tiere zusammen. Bei Ohrenrobben, bei denen die Vorderflossen im Mittelpunkt stehen, sind die Hals- und Brustwirbel deutlich verstĂ€rkt, wĂ€hrend bei Hundsrobben, die sich mithilfe ihrer Hinterflossen fortbewegen stattdessen die Lendenwirbel vergröĂert sind. ZusĂ€tzlich sind bei ihnen die GelenkfortsĂ€tze der Wirbel stark reduziert, so dass diese nicht so starr miteinander verbunden sind wie bei anderen SĂ€ugetieren. Durch diese FlexibilitĂ€t kommt die groĂe Wendigkeit des Robbenkörpers zustande. Diese wirkt sich durch das fehlende SchlĂŒsselbein (Clavicula) und den kleinen, parallel zur WirbelsĂ€ule ausgerichteten BeckengĂŒrtel auch auf die Bewegungsfreiheit der GliedmaĂen aus.
Alle vier Beine wurden im Laufe der Evolution zu Flossen umgewandelt, die HinterextremitĂ€ten wurden dabei ans Ă€uĂerste Körperende verlagert. Oberarmknochen (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius) sind im Vergleich zu anderen Raubtieren kĂŒrzer, aber krĂ€ftiger ausgeprĂ€gt, auch der Oberschenkelknochen (Femur) ist flach und breit, so dass eine effektive KraftĂŒbertragung im Wasser ermöglicht wird. Jede der Flossen endet in fĂŒnf langen, abgeflachten Zehen, die durch SchwimmhĂ€ute miteinander verbunden sind; oft sind die erste und die fĂŒnfte Zehe verlĂ€ngert. Eine weitere Spezialisierung der Flossen wurde vermutlich nur durch die fortbestehende Notwendigkeit, sich an Land fort zu bewegen, verhindert.
Geboren werden Robben meistens mit einem dichten Fell, das beim Ălterwerden verschwindet und durch ein kurzes Haarkleid ersetzt wird. Nur die SeebĂ€ren behalten auch als Alttiere ein auffĂ€lliges Pelzkleid, das aus einem dichten Unterfell und darĂŒber herausragenden steifen Grannenhaaren besteht; Walrosse sind dagegen praktisch haarlos. Bei Ohrenrobben wird das Fell zusammen mit der obersten Hautschicht ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg erneuert, der bis zu einem Monat betragen kann, wĂ€hrend Hundsrobben diesen HĂ€utungsprozess meist verhĂ€ltnismĂ€Ăig abrupt innerhalb weniger Tage vollziehen.
Zum Schutz vor AuskĂŒhlung befindet sich unterhalb der Haut eine bei manchen Arten bis zu zehn Zentimeter dicke Fettschicht, die daneben als NĂ€hrstoffspeicher und Auftriebshilfe fungiert. Sie ist bei Hundsrobben und Walrossen besonders ausgeprĂ€gt. Allerdings schĂŒtzt sie nicht die durch eine besonders groĂe Zahl von BlutgefĂ€Ăen versorgten Flossen.
Der Robbenmagen ist ein einfacher lĂ€nglicher Schlauch und darauf eingerichtet, als Ganzes verschluckte Beute aufzunehmen. Sehr aufwendig und lang ist dagegen der DĂŒnndarm, der bei MĂ€nnchen der SĂŒdlichen See-Elefanten (Mirounga leonina) eine LĂ€nge von ĂŒber 200 Metern erreichen kann; alle anderen Darmabschnitte sind dagegen verhĂ€ltnismĂ€Ăig kurz.
Nicht mehr Ă€uĂerlich sichtbar, weil weitgehend ins Körperinnere verlagert, sind die Hoden der MĂ€nnchen; eine Ausnahme stellen lediglich die Walrosse dar, bei denen die Geschlechtsorgane besonders in der Paarungszeit gut zu erkennen sind. Auch die Zitzen der Weibchen liegen nicht mehr auf der OberflĂ€che: Da Jungtiere die Zitzen so nicht mehr mit dem Maul umfassen können, muss das Muttertier die Milch bei Bedarf aktiv ins Maul seines Jungen spritzen.
Die Sinnesorgane der Robben mĂŒssen sowohl unter Wasser als auch an Land funktionieren und sind daher einander widerstrebenden Anforderungen ausgesetzt.
Die Augen sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂ und ermöglichen eine gute Unterwassersicht. An die oft geringe LichtintensitĂ€t unter Wasser sind sie durch eine stark vergröĂerte Anzahl an StĂ€bchen in der Netzhaut angepasst, die im Gegensatz zu den Zapfen zwar keine Farbsicht ermöglichen, dafĂŒr aber wesentlich lichtempfindlicher sind. Das Empfindlichkeitsspektrum variiert mit dem Lebensraum: Das Maximum liegt bei tieftauchenden Arten wie zum Beispiel See-Elefanten (Mirounga) im blauen Bereich, ist aber etwa bei Seehunden (Phoca vitulina), die sich vornehmlich in KĂŒstengewĂ€ssern aufhalten, in Richtung GrĂŒn verschoben. Farbsicht ist bei Robben durch die eingeschrĂ€nkte Zapfenanzahl nur in eingeschrĂ€nktem AusmaĂ möglich. Eine weitere Anpassung an die geringen LichtverhĂ€ltnisse ist das Tapetum lucidum, eine hinter der Netzhaut gelegene reflektierende Schicht, die Licht, das die Netzhaut durchquert hat, zurĂŒckwirft: So besteht die Möglichkeit, Licht, das beim ersten Passieren nicht wahrgenommen wurde, beim zweiten Mal zu registrieren.
Dem Leben im Wasser ist nicht nur eine oft geringe LichtintensitĂ€t zu eigen, sondern auch eine andere Lichtbrechung: So hat die Hornhaut nahezu die gleiche Brechzahl wie Wasser und fĂ€llt daher unter Wasser als Bestandteil des Abbildungsapparats aus. Als Ausgleich ist bei Robben die Augenlinse nahezu kugelförmig ausgebildet und besitzt daher eine wesentlich höhere Brechkraft. Weil in Luft Linse und Hornhaut lichtbrechend wirken, sind Robben hingegen an Land, wo der Sehsinn eine geringere Bedeutung hat, stark kurzsichtig. DafĂŒr sind sie in der Lage, die hohen LichtintensitĂ€ten, die etwa von sonnenbeschienenen EisflĂ€chen ausgehen, zu tolerieren, in dem sie die Pupille zu einem engen senkrechten Schlitz verengen. Die Hornhaut bildet den Ă€uĂeren Abschluss des Auges. Sie wird bestĂ€ndig mit TrĂ€nenflĂŒssigkeit benetzt, um Fremdkörper abzuwaschen und den direkten Augenkontakt mit Salzwasser zu verhindern. Anders als ihre nahen Verwandten besitzen Robben jedoch keine TrĂ€nenkanĂ€le.
Obwohl der Sehsinn auch fĂŒr Robben eine groĂe Bedeutung einnimmt, ist er nicht unersetzlich: Bei Seelöwen und SeebĂ€ren, deren MĂ€nnchen oft blutige RevierkĂ€mpfe durchfĂŒhren, kommt es nicht selten zum Verlust des Augenlichts; die Tiere sind durch ihre Blindheit aber anscheinend wenig eingeschrĂ€nkt und kommen relativ problemlos zurecht.
ĂuĂerlich sind die Ohren der Robben verkĂŒmmert oder nicht mehr existent; falls vorhanden werden sie beim Tauchen verschlossen. Dennoch besitzen Robben ein exzellentes Gehör. Das Innenohr steht bei ihnen nur mit je einem einzigen SchĂ€delknochen in Verbindung, wodurch die unterschiedslose Ăbertragung von Schallwellen durch den ganzen SchĂ€del unterbunden wird; erst dadurch wird auch unter Wasser Richtungshören möglich. Die Auskleidung des Hörkanals und des Mittelohrs erlaubt beim Tauchen die Anpassung des Innendrucks.
Der wahrgenommene Frequenzbereich unterscheidet sich je nach Medium: Im Wasser können Robben wesentlich höhere Töne wahrnehmen als der Mensch; dafĂŒr ist das Gehör an Land bei etwa gleichem Wahrnehmungsspektrum weniger empfindlich.
Der Geruchssinn ist wie bei den meisten Landraubtieren sehr gut entwickelt; da die schlitzartigen Nasenöffnungen unter Wasser geschlossen sind, funktioniert er aber nur an Land. Er spielt insbesondere bei Begegnungen mit Artgenossen eine Rolle: So wird die Mutter-Kind-Beziehung oft durch den Geruchssinn aufrechterhalten; bei vielen Ohrenrobben dient er den MÀnnchen dazu, die EmpfÀngnisbereitschaft der Weibchen zu ermitteln.
FĂŒr die Orientierung im Wasser ist ein weiterer Sinn bedeutsam: der hoch entwickelte Tastsinn der in horizontalen LĂ€ngsreihen auf der âSchnauzeâ angeordneten Barthaare (Vibrissae). Jedes dieser Haare entspringt in einer reich mit Nervenendigungen und BlutgefĂ€Ăen versorgten Bindegewebekapsel. Vibrissae können Druck- und StrömungsĂ€nderungen erspĂŒren und dienen den Tieren vermutlich auch zum AbschĂ€tzen ihrer Geschwindigkeit. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Tasthaare besonders empfindlich gegenĂŒber niederfrequenten Schwingungen sind, die von der Bewegung von Beutetieren herrĂŒhren. TatsĂ€chlich können Robben, die ihre Tasthaare verloren haben, selbstĂ€ndig keine Fische mehr fangen und mĂŒssen daher verhungern. SchlieĂlich werden Vibrissae zur Kommunikation etwa bei Rangordnungskonflikten eingesetzt â aufgestellte Tasthaare signalisieren hĂ€ufig die Bereitschaft zur Aggression.
Wie alle SĂ€ugetiere sind Robben homoiotherm, das heiĂt, ihr Körper weist eine nahezu konstante Innentemperatur auf. Um eine AuskĂŒhlung im Wasser und zugleich eine Ăberhitzung an Land zu vermeiden, haben die Tiere zahlreiche Anpassungen entwickelt.
Bereits die KörpergröĂe, die jene der landlebenden Raubtiere meist um ein Vielfaches ĂŒbertrifft, verringert durch das wesentlich gĂŒnstigere VerhĂ€ltnis von wĂ€rmeproduzierendem Körpervolumen zu wĂ€rmeabgebender KörperoberflĂ€che eine AuskĂŒhlung und kann als Adaptation an das Medium Wasser gewertet werden. Die bereits erwĂ€hnte Fettschicht direkt unter der Haut ist wegen ihrer geringeren WĂ€rmeleitfĂ€higkeit zudem ein guter, von der Wassertiefe unabhĂ€ngiger Isolator. Daneben tritt bei den SeebĂ€ren das wasserdichte Fell, das vor allem durch darin gelöste LuftblĂ€schen wĂ€rmerĂŒckhaltend wirkt. Die isolierende Luftschicht wird allerdings durch den mit der Wassertiefe zunehmenden Druck komprimiert und verliert daher bei tiefen TauchgĂ€ngen ihre Wirksamkeit.
Robben sind auch in der Lage, den Blutfluss in ihre GliedmaĂen zu regulieren. So können sie die Energieabgabe ĂŒber die Flossen unter kalten Bedingungen so minimieren, dass die Temperatur knapp oberhalb der Gefriertemperatur bleibt. Spezielle Querverbindungen zwischen arteriellen und venösen GefĂ€Ăen, die arteriovenösen Anastomosen (AVA), erlauben umgekehrt in warmer Umgebung einen verstĂ€rkten Blutfluss in oberflĂ€chennahen Hautschichten. Bei SeebĂ€ren sind sie nur in den Flossen vorhanden und der WĂ€rmeverlust ĂŒber diese GliedmaĂen ist somit die einzige AbkĂŒhlungsmöglichkeit. An Land schlagen die Tiere daher oft zusĂ€tzlich mit den Flossen, um den Energieaustausch mit der Umgebung durch den erzeugten Luftstrom zu maximieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Flossen mit Urin zu benetzen, um dem Körper so durch die VerdunstungskĂ€lte Energie zu entziehen.
Sowohl Hundsrobben als auch Walrosse besitzen dagegen ĂŒber die ganze KörperoberflĂ€che hinweg arteriovenöse Anastomosen, so dass sie die Blutzirkulation und damit die WĂ€rmeabgabe oder -aufnahme gezielt regulieren können. Auf diese Weise sind die Tiere in der Lage, sich selbst bei niedrigen Lufttemperaturen durch die bei der Absorption von Sonnenstrahlung freiwerdende Energie aufzuwĂ€rmen. Bei sonnenbadenden Walrossen lĂ€sst sich dieser Effekt wegen der fehlenden Behaarung anhand der rosaroten HautfĂ€rbung besonders deutlich erkennen.
Daneben greifen manche Robben auch auf verhaltensbasierte Thermoregulation zurĂŒck: Bei drohender Ăberhitzung begeben sich etwa Mönchsrobben (Monachus) zurĂŒck ins Wasser. Dazu zĂ€hlt auch die Tatsache, dass die energieintensive HĂ€utung, die mit vermindertem AuskĂŒhlungsschutz verbunden ist, meist an Land stattfindet, wobei sich oft zahlreiche Tiere hautnah aneinanderlegen, um die WĂ€rmeabgabe an die Umgebung zu vermindern.
Im Wasser spielen Robben die Vorteile ihres Körperbaus aus. Der Vortrieb wird dabei bei den Ohrenrobben von den Vorder- und bei Walrossen und Hundsrobben von den Hinterflossen erzeugt. Obwohl Robben zum Luftholen an die OberflĂ€che kommen mĂŒssen, können sie eine betrĂ€chtliche Zeit unter Wasser bleiben. Beim Tauchen kollabieren dazu die Lungen, die darin enthaltene Luft wird durch Mund oder Nase ausgestoĂen. Auf diese Weise befindet sich beim Tauchen kaum freies Gas im Robbenkörper und kann daher auch nicht wie bei menschlichen Tauchern beim Auftauchen zur Bildung von Blasen im Blut fĂŒhren. Der gesamte Sauerstoff liegt in gebundener Form vor; die Zahl der roten Blutkörperchen ist bei Robben ebenso erhöht wie deren Gehalt an dem Atemprotein HĂ€moglobin, so dass gröĂere Mengen dieses Atemgases gespeichert werden können. Daneben verlangsamt sich der Stoffwechsel beim Tauchen erheblich; so kann sich die HerzaktivitĂ€t von normalen hundert SchlĂ€gen je Minute auf bis zu vier SchlĂ€ge verringern; gleichzeitig wird die Blutversorgung nicht unmittelbar lebensnotwendiger Organe eingeschrĂ€nkt und die Körpertemperatur herabgesetzt, so dass der Sauerstoffverbrauch verringert wird. Das Muskelgewebe der Tiere ist zudem gegenĂŒber LandsĂ€ugetieren deutlich mit dem sauerstoffspeichernden Protein Myoglobin angereichert und toleriert auĂerdem groĂe Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO2).
Manche Robben wie See-Elefanten können durch diese Anpassungen bis zu zwei Stunden am StĂŒck unter Wasser bleiben, ohne auftauchen zu mĂŒssen und dabei Tiefen von bis zu 1.500 Metern erreichen. Die meisten Arten erreichen allerdings nicht solche Rekordwerte und sind zudem insbesondere nach lĂ€ngeren TauchgĂ€ngen auf vergleichbar lange Erholungszeiten angewiesen. See-Elefanten bilden auch hier eine Ausnahme: Sie benötigen zwischen Unterwasserzeiten von jeweils bis zu einer halben Stunde oft nur wenige Minuten zum Auffrischen ihrer Sauerstoffreserven â dies hĂ€ngt in erster Linie mit dem gröĂeren Körpervolumen und der dadurch gröĂeren SpeicherkapazitĂ€t fĂŒr Sauerstoff zusammen.
An Land wirken Robben dagegen eher unbeholfen. Hier bestehen Unterschiede zwischen den Ohrenrobben und Hundsrobben. WĂ€hrend erstere krĂ€ftige HinterextremitĂ€ten behalten haben, mit denen sie den Körper stĂŒtzen und auch AktivitĂ€ten wie Körperpflege durchfĂŒhren können, sind die Hinterbeine der Hundsrobben an Land weitgehend nutzlos, so dass sie auf dem Bauch ârobbenâ und sich vorwĂ€rts ziehen mĂŒssen.
Nahezu alle Robben bewohnen das Meer. Da sie zu vielen TĂ€tigkeiten immer wieder an Land kommen mĂŒssen, entfernen sie sich aber nicht allzu weit von der KĂŒste und sind daher nicht auf hoher See anzutreffen. Eine kleine Zahl von Robben findet man auch im SĂŒĂwasser, die Baikalrobbe ist die einzige Robbenart, die ausschlieĂlich dort zu finden ist. Der gemeine Seehund, fĂŒr gewöhnlich ein Meerestier, lebt in Kanada an Seeufern, zwei Unterarten der Ringelrobbe findet man im russischen Ladogasee und im finnischen Saimaa-See (Saimaa-Ringelrobbe).
Der GroĂteil der Robben lebt in polaren und subpolaren Breiten. Die Meere der Arktis und Antarktis haben einen bemerkenswerten Arten- und Formenreichtum. Hier bilden viele Robben groĂe Kolonien an den KĂŒsten unbewohnter Inseln. Hingegen nimmt die Artenzahl zu den gemĂ€Ăigten Meeren hin schnell ab, und in den Tropen gibt es fast keine Robben. Auch hier gibt es allerdings Ausnahmen, zum Beispiel die Mönchsrobben und den GalĂĄpagos-SeebĂ€r. GroĂregionen, in denen es ĂŒberhaupt keine Robben gibt, sind die KĂŒsten des tropischen Afrikas, die asiatischen KĂŒsten des Indischen Ozeans und die Inselwelt des westlichen Pazifik. Kennzeichnend fĂŒr fast alle Verbreitungsgebiete ist, dass die Wassertemperatur ganzjĂ€hrig unterhalb von 20 °C bleibt; die Mönchsrobben bilden die einzige Ausnahme von dieser Regel.
An den KĂŒsten von Nord- und Ostsee gibt es nur drei Robbenarten: den Seehund, die Kegelrobbe und die Ringelrobbe. Der Seehund ist in der Nordsee allgegenwĂ€rtig, in der Ostsee aber eine extreme RaritĂ€t; Kegelrobben-Kolonien findet man auf deutschem Boden auf dem Jungnamensand westlich von Amrum sowie auf Helgoland, auĂerhalb der Jungenaufzucht an allen NordseekĂŒsten sowie selten an vorpommerschen OstseekĂŒsten; die Ringelrobbe lebt im Finnischen und Bottnischen Meerbusen der Ostsee und gelangt nicht an deutsche KĂŒsten.
Im Gegensatz zu Walen und SeekĂŒhen, die vollkommen zum Wasserleben ĂŒbergegangen sind, fĂŒhren Robben eine amphibische Lebensweise. Die Paarung und die Jungenaufzucht findet an Land statt. Obwohl Robben auch an der WasseroberflĂ€che schlafen können, kommen sie oft zum Ruhen an die KĂŒste.
Alle Robben sind Fleischfresser. Die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrzahl der Arten ernĂ€hrt sich dabei von Fischen. Einige haben aber besondere Lebensweisen entwickelt: So bildet Krill die Nahrungsgrundlage des Krabbenfressers, das Walross sucht den Meeresgrund nach Schnecken und Muscheln ab, Tintenfische bilden einen Teil der Nahrung von See-Elefanten, wĂ€hrend der Seeleopard Jagd auf Pinguine und kleinere Robben macht. Kleine Beutetiere werden meist bereits unter Wasser als Ganzes verschluckt, wĂ€hrend gröĂere Nahrung an die WasseroberflĂ€che gebracht wird, wo gegebenenfalls einzelne StĂŒcke abgebissen werden. Besonders Jungtiere sind auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen, da sie aufgrund ihrer geringeren KörpergröĂe ein ungĂŒnstiges VerhĂ€ltnis von KörperoberflĂ€che zu -volumen haben und daher stĂ€rkere WĂ€rmeverluste ausgleichen mĂŒssen. Gesunde ausgewachsene Tiere sind dagegen nicht zuletzt durch ihre unter der Haut gelegene Fettschicht in der Lage, auch lĂ€ngere Fastenzeiten zu ĂŒberstehen.
Gastrolithen sind aus den MÀgen von verschiedenen Robben- und Seelöwenarten bekannt. Die Funktion der Magensteine ist noch weitgehend unklar, plausibel sind sowohl die Zerkleinerung der Nahrung im Magen als auch die Verringerung des Auftriebs im Wasser.
Die meisten Robben leben gesellig. EinzelgĂ€ngerische Arten wie die Ross-Robbe sind die Ausnahme. Vor allem zur Jungenaufzucht finden sich Robben zu Kolonien zusammen, die in der GröĂe von einigen Individuen (Kegelrobbe) bis zu mehreren Millionen Tieren (SĂŒdliche SeebĂ€ren) reichen können. Allerdings sind sehr groĂe Kolonien infolge der massenhaften Abschlachtungen voriger Jahrhunderte selten geworden.
Die Fortpflanzungszeit liegt typischerweise im FrĂŒhling oder FrĂŒhsommer. Bei den meisten Arten etablieren die MĂ€nnchen Territorien, von denen sie Konkurrenten fernzuhalten versuchen. Bei den dabei auftretenden RivalenkĂ€mpfen haben schwĂ€chere MĂ€nnchen unweigerlich das Nachsehen, so dass ein dominantes MĂ€nnchen meist mehrere Partnerinnen fĂŒr sich reklamieren kann.
Die meist vom Vorjahr trĂ€chtigen Weibchen treffen manchmal um Wochen spĂ€ter als die MĂ€nnchen in der Kolonie ein. Sie suchen sich dort die besten PlĂ€tze fĂŒr die Aufzucht ihres Nachwuchses aus, die in der Regel von den durchsetzungsstĂ€rksten MĂ€nnchen besetzt sind; dort bringen sie ihr Junges zur Welt. Hundsrobben sĂ€ugen es je nach Art fĂŒr einige Tage oder mehrere Wochen und paaren sich dann nach der Entwöhnung mit dem Besitzer des Territoriums. Die Beziehung zwischen Mutter und Jungtier ist zu diesem Zeitpunkt praktisch beendet. Bei Ohrenrobben bleibt der Kontakt dagegen ĂŒber die Paarung der Mutter hinaus bestehen, die meist etwa eine Woche nach der Geburt ihres Nachwuchs stattfindet. Dieser wird erst nach etwa vier bis sechs Monaten selbststĂ€ndig, kann aber gelegentlich sogar noch nach der Geburt des nĂ€chsten Jungen mit Muttermilch versorgt werden.
Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo nur bis zum Blastozysten-Stadium, einer noch undifferenzierten Hohlkugel aus Zellen. Erst nach einer Periode der Keimruhe nistet sich die Blastozyste in der mĂŒtterlichen GebĂ€rmutterwand ein und bildet eine Plazenta aus. Nur durch dieses System können Robbenweibchen Geburt und erneute Befruchtung in demselben Zeitabschnitt bewerkstelligen.
Die Tragzeit betrĂ€gt bei Robben je nach Art acht bis fĂŒnfzehn Monate. Alle Arten bringen in der Regel ein Junges zur Welt, das entweder mit dem Kopf oder mit dem Schwanz voraus geboren wird. Zwillingsgeburten kommen vor, sind aber sehr selten; die Milch der Mutter reicht dann auch fast nie zur Aufzucht beider Tiere. Neugeborene besitzen ein spezielles flaumiges Geburtsfell, das Lanugo genannt wird und sich oft von der Fellfarbe der erwachsenen Tiere unterscheidet. Einige Hundsrobben-Arten wechseln es allerdings bereits in der mĂŒtterlichen GebĂ€rmutter, wĂ€hrend die meisten Ohrenrobben erst mit zwei bis drei Monaten ihr Jungenkleid ablegen. Alle Jungtiere haben noch keine ausreichende Fettschicht, um Auftrieb und Wasserabweisung zu gewĂ€hrleisten. Obwohl sie theoretisch von Anfang an schwimmen könnten, gehen sie daher erst im Alter von einigen Wochen erstmals ins Wasser. Da die Jungtiere am Anfang ihres Lebens weitgehend schutzlos sind, geht das Wachstum sehr schnell vonstatten.
Zu den Feinden der Robben gehören vor allem Haie und Schwertwale. Letztere haben sich in Patagonien so auf die Robbenjagd spezialisiert, dass sie sich sogar auf den Strand werfen, um die fliehenden Robben zu erbeuten. In der Arktis tritt der EisbÀr als wichtiger Feind der Robben in Erscheinung, in der Antarktis der Seeleopard, der selbst eine Robbenart ist, die sich auf die Jagd auf ihre Verwandten spezialisiert hat.
Die meisten Arten haben eine Lebenserwartung von etwa dreiĂig Jahren. Das Walross wird oft Ă€lter als vierzig, viele Ohrenrobben nicht Ă€lter als zwanzig Jahre. Bei den in Herden lebenden Robben sterben die MĂ€nnchen oft sehr viel frĂŒher als die Weibchen, weil sie sich bei den RevierkĂ€mpfen verausgaben oder schwere Verletzungen zuziehen. Auch die kleineren Robbenarten haben theoretisch eine hohe Lebenserwartung â die Seehunde zum Beispiel ĂŒber 30 Jahre â die sie aber wegen natĂŒrlicher Feinde und menschlicher EinflĂŒsse selten ausschöpfen können.
Traditionell wurden Robben entweder als eine eigenstĂ€ndige Ordnung angesehen oder sie wurden als Unterordnung der Wasserraubtiere den Landraubtieren gegenĂŒbergestellt. Zumindest die letztere Einordnung ist heute unĂŒblich. Die Robben haben sich aus Landraubtieren entwickelt, genauer gesagt aus Hundeartigen; sie sind daher auch innerhalb der Hundeartigen anzusiedeln.
Aufgrund morphologischer Untersuchungen gingen manche Zoologen noch in den 1990ern davon aus, dass die Robben zwei verschiedene Entwicklungslinien bilden. So meinte man, dass die Ohrenrobben von bÀrenÀhnlichen Ahnen und die Hundsrobben von otterartigen Vorfahren abstammten. Demnach hÀtten sich die beiden Robbengruppen unabhÀngig voneinander entwickelt. Dieser Hypothese folgend wÀren Robben polyphyletisch, also ein reines Formtaxon, das keine Berechtigung als systematische Gruppe der SÀugetiere hÀtte.
In molekulargenetischen Analysen wurde allerdings seit den 1990ern diese Hypothese zurĂŒckgedrĂ€ngt. Olaf R. P. Bininda-Emonds und A.P. Russell fĂŒhrten 1996 starke Belege fĂŒr eine Monophylie der Robben an; spĂ€tere Studien haben ihre Ergebnisse bestĂ€tigt.
Seit dem 19. Jahrhundert wird eine Verwandtschaft der Robben mit den BĂ€ren und ihren Verwandten fĂŒr wahrscheinlich gehalten. Allerdings ist die genaue Position der Robben im zoologischen System noch unklar, so dass auch die Schwestergruppe der Robben noch nicht zweifelsfrei bekannt ist.
Bei Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell tauchen die Robben als Schwestergruppe der BĂ€ren auf und dies innerhalb eines ĂŒbergeordneten Taxons Ursida:
| Ursida |
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Die Amphicyonidae sind eine ausgestorbene Gruppe, die vom EozĂ€n bis zum MiozĂ€n lebte; die Ursoidea umfassen die BĂ€ren und die ebenfalls ausgestorbenen Hemicyonidae (EozĂ€n bis PliozĂ€n); und Phocoidea ist der von Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell synonym fĂŒr Pinnipedia verwendete Begriff. Die hier gezeigte Hypothese ist am weitesten verbreitet, doch gibt es auch widersprechende Ansichten, in denen beispielsweise die Marder oder der Kleine Panda als Schwestergruppen der Robben angesehen werden.
Aus dem spĂ€ten OligozĂ€n vor etwa 27 bis 25 Millionen Jahren ist erstmals ein Taxon robbenartiger Tiere fossil erhalten, dessen Angehörige als Enaliarctidae bezeichnet werden. Diese lange Zeit rĂ€tselhafte Gruppe wurde in jĂŒngerer Zeit durch Funde vollstĂ€ndiger Skelette besser bekannt. Die Tiere der Gattungen Enaliarctos und Pacificotaria waren bereits robbenĂ€hnlich, hatten aber noch zum Laufen an Land geeignete Vorder- und Hinterbeine. Ob die Enaliarctidae oder die ebenfalls ausgestorbenen Tiere der Gattung Pteronarctos bereits echte Robben waren, ist eine Frage der Definition. A. Berta und A. R. Wyss verneinten dies 1994 und fassten Robben und Enaliarctidae zu einem höheren Taxon Pinnipedimorpha zusammen:
| Pinnipedimorpha |
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Der biogeografische Ursprung der Robben lag sehr wahrscheinlich im Nordpazifik, vermutlich an der WestkĂŒste des nordamerikanischen Kontinents. Aus diesem Gebiet stammen vermutlich auch die modernen Taxa der Ohren- wie Hundsrobben, die erstmals im MiozĂ€n auftraten. Durch Fossilien ist dies allerdings nur fĂŒr die Ohrenrobben und Walrosse belegt, deren frĂŒheste Arten allesamt aus nordpazifischen FundstĂ€tten stammen; die ersten Hundsrobben-Fossilien sind dagegen erst aus ehemals atlantischen GewĂ€ssern vor der OstkĂŒste der USA bekannt.
Die heute lebenden 34 Robbenarten werden traditionell in drei Familien eingeteilt:
Die Ohrenrobben werden wegen ihrer sichtbaren Ă€uĂeren Ohren gelegentlich als die âprimitivereâ Gruppe angesehen, doch ihre fossilen Belege sind ebenso alt wie die der Hundsrobben.
Ohrenrobben und Walrosse werden meistens als eng verwandte Kladen angesehen, obwohl die Walrosse in zahlreichen Merkmalen zwischen beiden Gruppen vermitteln. Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell haben in Widerspruch zu dieser weit verbreiteten Ansicht die Walrosse als Unterfamilie der Hundsrobben eingestuft. Dies ist jedoch eine Minderheitensicht, denn die meisten Zoologen sehen starke Belege fĂŒr ein gemeinsames Taxon von Ohrenrobben und Walrossen, manchmal Otarioidea genannt:
| Robben (Pinnipedia) |
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Siehe auch Systematik der Robben
Die Beziehung zwischen Menschen und Robben ist stark von der Region abhĂ€ngig, in der sich eine menschliche Kultur befand. Sie begann sehr wahrscheinlich schon in der Altsteinzeit, aus der Gravuren in Robbenknochen und -zĂ€hnen bekannt sind. Aus der Inuit-Kultur sind Robben bis heute kaum wegzudenken, bilden sie doch nicht nur eine bedeutende Nahrungsquelle, sondern liefen auch Haut fĂŒr Leder und das Robbenfell fĂŒr Pelze. FrĂŒher wurden auch Knochen zur Werkzeugherstellung, Sehnen fĂŒr Bogen und Fett fĂŒr wĂ€rme- und lichtspendende Ăllampen genutzt.
Auch andere Völker pflegten enge Beziehungen zu Robben. So erlegten die MÄori der SĂŒdinsel Neuseelands und die Aborigines australischer SĂŒdkĂŒsten SeebĂ€ren und nutzten sie in Ă€hnlich vielfĂ€ltiger Weise. SeebĂ€ren waren auch eine beliebte Beute der Ureinwohner des sĂŒdamerikanischen Feuerland.
Dagegen hatten die antiken Reiche des Mittelmeerraums wenig BerĂŒhrung mit Robben, da hier nur eine Art, die Mittelmeer-Mönchsrobbe, beheimatet ist, die wahrscheinlich schon im Altertum eine Seltenheit war. Aristoteles lieferte eine Beschreibung dieser Robbe, die somit der frĂŒheste in schriftlicher Ăberlieferung erhaltene Vertreter der Tiergruppe ĂŒberhaupt ist. Dass an KĂŒsten liegende Mönchsrobben die Vorlage fĂŒr die Sirenen der griechischen Mythologie waren, ist denkbar, bewegt sich aber im Bereich der Spekulation.
Keine der angesprochenen Subsistenz-Jagden hatte vermutlich einen wesentlichen langfristigen Einfluss auf die BestÀnde der betroffenen Robbenpopulationen.
Die groĂe Zeit der RobbenjĂ€ger begann im spĂ€ten 18. Jahrhundert, obwohl schon seit dem 16. Jahrhundert Schiffe einzig zum Zweck des Schlachtens von Robben ausgesandt wurden. Im gesamten 19. Jahrhundert waren im Nord- und SĂŒdpolarmeer Schiffe unterwegs, die an Inseln anlegten, um die dort in Kolonien lebenden GroĂrobben zu erschlagen. Besonders betroffen waren dabei die SeebĂ€ren, deren Fell man als besonders wertvoll erachtete. Die Robbenjagden erreichten ein AusmaĂ, das unter den Ausrottungen im Tierreich seinesgleichen sucht. So lagerten an den Juan-Fernandez-Inseln in jedem Sommer etwa fĂŒnfzehn Schiffe gleichzeitig, deren Besatzungen jĂ€hrlich 250.000 an den KĂŒsten lagernde SeebĂ€ren erschlugen und somit eine der gröĂten Tierkolonien der Welt binnen fĂŒnfzehn Jahren restlos vernichteten. Der Antarktische SeebĂ€r, der zu etlichen Millionen Tieren an den KĂŒsten subantarktischer Inseln beheimatet war, wurde von kreuz und quer durch das SĂŒdpolarmeer fahrenden RobbenjĂ€gern zwischen 1800 und 1830 beinahe ausgerottet. Die SĂŒdlichen Shetlandinseln wurden beispielsweise erst 1819 entdeckt, doch schon zwei Jahre spĂ€ter waren die fĂŒnfhunderttausend hier lebenden SeebĂ€ren bis auf das letzte Exemplar getötet. Dass bei diesen Ausrottungsexzessen nur eine Art, die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis), ausgestorben ist, ist eine erstaunliche Tatsache. Allerdings sind fast alle Robben in ihrem Bestand stark zurĂŒckgegangen, und manche Arten, die frĂŒher gewaltige Kolonien bildeten, leben heute nur noch in winzigen GrĂŒppchen an den KĂŒsten.
Heute werden meistens andere Robbenarten getötet, denn die letzten verbliebenen SeebĂ€ren stehen gröĂtenteils unter Schutz. Es ist vor allem die Sattelrobbe, deren Jungtiere zur Gewinnung des Fells getötet werden. Diese Tötungen werden alljĂ€hrlich von Protesten von TierschĂŒtzern begleitet, die öffentlichkeitswirksam mit den Gesichtern von Robbenbabys werben. Die traditionelle Jagd erwachsener Tiere durch die Inuit wird im Gegensatz dazu meist auch von NaturschĂŒtzern akzeptiert[1]. Die BefĂŒrworter rechtfertigen die Notwendigkeit zur Dezimierung der Robben unter anderem mit dem Argument, dass eine nicht kontrollierte Robbenpopulation die FischbestĂ€nde plĂŒndere; Meeresbiologen gehen allerdings davon aus, dass der RĂŒckgang der FischschwĂ€rme nicht von den wenigen verbliebenen Robben, sondern von den Hochseeflotten der Industriestaaten verursacht wird.
1972 wurde als Zusatzprotokoll zum Antarktisvertrag das Ăbereinkommen zur Erhaltung der Antarktischen Robben (Convention on the Conservation of Antarctic Seals), kurz (CCAS) geschlossen.
Am 5. Mai 2009 verabschiedete das Europaparlament ein Handelsverbot fĂŒr zahlreiche aus Robben hergestellte Produkte wie Robbenfelle sowie unter Verwendung von Robbenöl hergestellte Omega-3-Kapseln. Eng begrenzte Ausnahmen gestatten einen Handel mit durch Inuit erlegten Robben, fĂŒr die ein Herkunftsnachweis erforderlich wird. Das Verbot sollte vor der nĂ€chsten Jagdsaison 2010 in Kraft gesetzt werden. Ein Hauptargument ist dabei nicht die wirtschaftliche Nutzung der RobbenbestĂ€nde an sich, sondern die als nicht tierschutzgerecht eingestufte Art und Weise, in der die Tiere erschlagen werden. Die hauptsĂ€chlich am Handel mit diesen Produkten beteiligten Staaten Kanada und Norwegen legten bei der Welthandelsorganisation Beschwerde dagegen ein und erreichten damit, dass das Embargo mindestens bis zum 7. September 2010 ausgesetzt ist.[2][3]
Auch in Zoos und gelegentlich noch in Zirkussen werden Robben gehalten. Oft sind im Zoo die FĂŒtterungen der Robben besondere Zuschauermagneten. BerĂŒhmt geworden ist das Walross Antje aus dem Tierpark Hagenbeck, das zum Logo des NDR wurde. In Zirkussen, Delfinarien und anderen Tiershows wird bevorzugt der Kalifornische Seelöwe gezeigt, der sich zu KunststĂŒcken mit BĂ€llen und Reifen dressieren lĂ€sst.
Viele TierschĂŒtzer zweifeln allerdings daran, dass sich Robben im Zoo artgerecht halten lassen â dies gilt vor allem fĂŒr die hĂ€ufig in Zoos gehaltenen Ohrenrobben, die in freier Wildbahn in groĂen Kolonien leben und bei denen RevierkĂ€mpfe zum Verhaltensrepertoire gehören. Insbesondere die Wasserbecken, in denen die Tiere gehalten werden, gelten als zu flach, um den Tieren annĂ€hernd natĂŒrliche Begebenheiten zu bieten; daneben ist das Wasser oft gechlort.
Relativ neu sind die BemĂŒhungen der US-amerikanischen Marine, dressierte Seelöwen in die militĂ€rische Planung einzubeziehen. Die Tiere werden darauf trainiert, Seeminen aufzuspĂŒren, vor feindlichen Tauchern zu warnen und in tiefem Wasser verloren gegangene Objekte wiederzubeschaffen. Ăhnliche Experimente fĂŒhrte die schwedische Marine im Zweiten Weltkrieg durch.[4]
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Dieser Artikel wurde am 14. Juli 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |