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Robert Edwin Peary (* 6. Mai 1856 in Cresson, Pennsylvania; † 20. Februar 1920 in Washington (D.C.)) war ein US-amerikanischer Ingenieur und Polarforscher. Er behauptete, im Jahre 1909 als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben. Dies wurde jedoch seither immer wieder stark angezweifelt und ist bis heute Gegenstand heftiger Kontroversen.
Inhaltsverzeichnis |
Robert Edwin Peary war der Sohn des Landwirts Charles Peary (1828–1859) und dessen Frau Mary (geborene Wiley, 1827–1900). 1877 graduierte Peary am Bowdoin College,[1] wo er Mitglied der Studentenverbindungen Phi Beta Kappa[2] und Delta Kappa Epsilon war.
Peary trat 1881 in die US Navy als Ingenieur ein und diente mehrere Jahre in Nicaragua. Er entwickelte ein großes Interesse an der Polarforschung und führte in den Jahren 1891–1909 mehrere Expeditionen nach Grönland und auf das arktische Eis durch. Weil der Arktische Ozean gewöhnlich nur im Sommer eisfrei ist, pflegte er im hohen Norden zu überwintern, um dann im Frühjahr ohne Zeitverlust und ausgeruht zu seinen Erkundungen aufzubrechen. Nach dieser Strategie verfuhr Peary bereits bei seiner ersten Expedition von 1891 bis 1893.
Seine Grönlandexpeditionen waren für Peary hochprofitabel: Von den Inuit erhielt er mehr oder weniger freiwillig Elfenbein und Pelze im Austausch gegen Werkzeuge, Geschenkartikel, Eisen und Holz. 1897 brachte er einen großen Meteorit nach New York, den die Ureinwohner seit Generationen als Rohstoffquelle genutzt hatten, bevor Peary ihn in Besitz nahm. Zudem verschleppte er sechs Inuit von Grönland in die USA, die in dem Kellergeschoss des American Museum of Natural History zu anthropologischen Forschungen an lebenden Objekten untergebracht wurden, die der dortige Kurator Franz Boas durchführte. In dem Museumskeller wurden die Inuit wie Haustiere gehalten. Vier der Inuit starben bald darauf an Tuberkulose, einem ermöglichte man die Heimkehr im Sommer 1898, und den erst zehnjährigen Minik Wallace ließ Peary erst zwölf Jahre später in seine Heimat zurückkehren, wo er jedoch nicht mehr heimisch wurde.
Die Körper der Toten wurden ohne Einverständnis präpariert und bis ins späte 20. Jahrhundert in mehreren Museen des Landes ausgestellt. Von den Amerikanern wurde Peary zu Lebzeiten gefeiert, seine Expeditionen vom Präsidenten unterstützt. Dagegen galt er den Inuit als „der große Peiniger“.
Peary war entschlossen, den Nordpol als erster Mensch zu betreten. Auf einer Expedition von 1898 bis 1902 verlor er acht Zehen durch Erfrierung. Mit 84°17′ N kam er aber nicht so weit nach Norden wie Fridtjof Nansen und Hjalmar Johansen 1895. 1905/1906 gelang ihm nach eigenen Angaben ein Vorstoß auf 87°6' nördlicher Breite, womit er nur noch 280 km vom Pol entfernt war, nördlicher als jeder Mensch vor ihm. Bei dieser Expedition wollte er am Horizont vor der Ellesmere-Insel eine noch unbekannte Landmasse gesehen haben, die er Crocker Land nannte.
1908 startete er eine weitere Polarexpedition, nach deren Abschluss er das Erreichen des Nordpols am 6. April 1909 für sich reklamierte. Er will diesen mit seinem Assistenten Matthew Henson und den vier Inuit Egingwah, Seeglo, Ootah und Ooqueah erreicht haben.
Peary war von 1888 bis zu seinem Tod mit seiner Frau Josephine (geborene Diebitsch, 1863–1955) verheiratet. Aus dieser Ehe stammten die Kinder Marie (1893–1978), die im Januar 1899 geborene Francine, die bereits im Alter von sechs Monaten verstarb, und Robert Edwin jr. (1903–1994). Darüber hinaus hatte Peary aus einer außerehelichen Beziehung mit der Inuitfrau Ahlikasingwah die Söhne Anaukaq (1900–1927) und Kali (1906–1986).[3] Peary litt an perniziöser Anämie (Blutarmut), in deren Verlauf er am 19. Februar 1920 ins Koma fiel und am nächsten Tag starb.
Der ehemalige Schiffsarzt der Peary-Expedition von 1891/1892, Dr. Frederick Cook, behauptete Zeit seines Lebens, den Nordpol bereits am 21. April 1908 erreicht zu haben. Mangels entsprechender Beweise und aufgrund seiner ebenfalls umstrittenen Erstbesteigung des Mount McKinley wurde Cook jedoch nur von einigen Experten, unter ihnen sein Freund Roald Amundsen, anerkannt. Cook warf seinem Konkurrenten außerdem u. a. vor, sein Vorratslager geplündert zu haben.
Im Schatten von Cooks vorgeblichem Erfolg wurde Peary zunächst wenig beachtet. Nachdem aber immer mehr Zweifel an Cooks Aufrichtigkeit aufgekommen waren, die Peary mit Hilfe seiner Verbindungen zur Presse und zur National Geographic Society geschürt hatte, rückte Peary immer mehr ins Rampenlicht, wurde vielfach geehrt und gilt auch heute noch in den USA als der Entdecker des Nordpols. Doch im Laufe der Zeit wurden viele Zweifel laut:[4]
Nach Peary sind unter anderem der Peary-Krater in der Nähe des Mond-Nordpols[6] und Pearyland, die nördlichste Halbinsel Grönlands, benannt.[7]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Peary, Robert Edwin |
| ALTERNATIVNAMEN | Peary, Robert E.; Peary, Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Ingenieur und Polarforscher |
| GEBURTSDATUM | 6. Mai 1856 |
| GEBURTSORT | Cresson, Pennsylvania |
| STERBEDATUM | 20. Februar 1920 |
| STERBEORT | Washington, D.C. |