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Romania (Linguistik)

Romania bezeichnet in der Sprachwissenschaft diejenigen Gebiete, in denen romanische Sprachen gesprochen werden. Diese Sprecher werden als Romanen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Einordnung

In Europa gehören Portugal, die Vatikanstadt, Andorra, Monaco, San Marino, der grĂ¶ĂŸte Teil von Italien, Spanien, Frankreich, RumĂ€nien und Moldawien, sowie große Teile von Belgien und der Schweiz zur Romania. Lateinamerika von Mexiko im Norden bis Feuerland im SĂŒden beherbergt die meisten Sprecher romanischer Sprachen. In Afrika sind in den ehemaligen französischen, belgischen, portugiesischen, spanischen und italienischen Kolonien die Sprachen der Kolonialherren hĂ€ufig noch Amtssprachen der Vielvölkerstaaten.

Allgemeine Begriffe

  • Romania submersa: diejenigen Gebiete einstmals römisch-beeinflussten Gebietes, in denen die romanischen Sprachen weitgehend verschwunden oder wesentlich zurĂŒckgegangen sind – z. B. Germanien, Britannien, Nordafrika, aber auch (teilweise) der Balkan.
  • Romania nova: diejenigen Sprachgebiete, die niemals römisch waren, aber spĂ€ter von romanischen Staaten kolonisiert bzw. romanisiert wurden – z. B. Lateinamerika und Frankokanada.
  • Alte Romania oder Romania continua: diejenigen Sprachgebiete (hauptsĂ€chlich auf dem Gebiet des geographischen Europas), in denen sich nach einer Phase der Romanisierung schließlich romanische Sprachen aus dem VulgĂ€rlatein bilden sollten und auch heutzutage noch gesprochen werden.

Unterteilungen der Alten Romania

Unterscheidung nach Amado Alonso

Amado Alonso unterschied die

  • Romania continua: diejenigen Sprachgebiete, die die lateinische bzw. romanische Sprache seit der Antike kontinuierlich bewahrt haben, ohne grĂ¶ĂŸere BrĂŒche in den jeweiligen Sprachen und mit geringeren Divergenzen zum Lateinischen.
  • Romania discontinua: diejenigen Sprachgebiete, in denen poströmische Kontaktsprachen die Entwicklung der entsprechenden romanischen Sprachen nachhaltig und stark beeinflusst haben. Dies sei der Fall des Französischen (durch Kontakt mit dem Germanischen, nĂ€mlich dem FrĂ€nkischen der Galloromania) und RumĂ€nischen (durch Kontakt mit slawischen Sprachen).

Unterteilung nach Tagliavini

Carlo Tagliavini untergliedert die Romania in

Unterteilung nach Bartoli

Nach Matteo Bartoli lĂ€sst sich die Romania topographisch in vier Gruppen (Iberia, Gallia, Italia und Dacia) unterteilen. Iberia und Dacia bilden hiernach die sog. Randromania, wĂ€hrend die Zentralromania sich hiernach aus Italia und Gallia zusammensetzt. Bartolis Unterteilung liegen Studien zugrunde, wonach innovatorische Impulse meist von der Zentralromania ausgingen, wĂ€hrend sich die Randromania sprachlich meist archaischer, bzw. konservativ verhalte. Beispielsweise behalten die spanische und rumĂ€nische Sprache fĂŒr das Wort „Tisch“ Wörter bei, die sich etymologisch vom Ă€lteren lateinischen Wort mensa herleiten (spanisch mesa, rumĂ€nisch masă), wĂ€hrend die jĂŒngere Form tabula das entsprechende italienische (tavola) und französische Wort (table) herausbildete.

Unterteilung nach von Wartburg (1950)

Ost- und Westromania

Walther von Wartburg unterteilte die romanischen Sprachen in Ost- und Westromania. Er machte seine Unterteilung vor allem an den in den jeweiligen Arealen gesprochenen vorrömischen Sprachen (z. B. keltischen) und gewissen gleichsam auftretenden lautlichen PhĂ€nomenen fest. In diesem Zusammenhang ist das IsoglossenbĂŒndel, das von La Spezia an der Riviera nach Rimini an der Adria verlĂ€uft, von Bedeutung, denn nördlich davon (in der Westromania)

  • werden vulgĂ€rlateinisch /p/, /t/, /k/ zwischen Vokalen sonorisiert (z. B. vlat. sapere > sp. saber)
  • wird die Aussprache der lat. Konsonantencluster /kt/ und /ult/ im Wortinneren zum Gaumen hin verschoben
  • bleibt der Laut /s/ am Wortende erhalten.

In der Ostromania sei nach Wartburg jeweils das Gegenteil der Fall.

Nicht-sprachwissenschaftliche Definition

Historische Definition

Ab dem 3. Jahrhundert verdrĂ€ngte in der Umgangssprache „Romania“ die Bezeichnung „Imperium Romanum“, da seit Caracalla alle freien Bewohner des römischen Reiches das römische BĂŒrgerrecht besaßen und es somit nur noch „Römer“ gab. Subjektiv sahen sich seitdem alle Untertanen des römischen Reiches, soweit sie nicht, z. B. aus religiösen GrĂŒnden in Opposition zum Reich standen, als Römer, wobei die lateinischsprachigen Römer die griechischsprachigen BĂŒrger der OsthĂ€lfte des Reiches, die sich selbst (bis ins 19. Jahrhundert, teilweise bis heute) als Römer (RhomĂ€er) bezeichneten, nicht Römer, sondern weiterhin Griechen nannten.

Historisch wird als Romania auch das Lateinische Kaiserreich der Kreuzritter 1204–1260 auf dem Boden des oströmischen (byzantinischen) Reiches bezeichnet, da „Romania“ in seiner griechischen Form auch die Selbstbezeichnung des oströmischen Reiches war, das die Kreuzfahrer in einer lateinisch-westkirchlichen Form fortsetzen wollten.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Romania â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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