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Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburgs Dissertation

Rosa Luxemburg (* 5. MĂ€rz 1871 als Rozalia Luksenburg in Zamoƛć, Russisches Kaiserreich, heute Polen; † 15. Januar 1919 in Berlin) war eine bedeutende Vertreterin der europĂ€ischen Arbeiterbewegung und des proletarischen Internationalismus.

Sie wirkte vor allem in der polnischen und deutschen Sozialdemokratie als marxistische Theoretikerin und Antimilitaristin. Gegen die KriegsunterstĂŒtzung der SPD grĂŒndete sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 die „Gruppe Internationale“ und leitete mit Karl Liebknecht den daraus hervorgehenden Spartakusbund.

Als politische Autorin verfasste sie zahlreiche zeitkritische AufsĂ€tze und ökonomische Analysen: vor 1914 u. a. in der Leipziger Volkszeitung, bis 1918 auch in der Haft und wĂ€hrend der Novemberrevolution als Herausgeberin der Zeitung Die Rote Fahne. Am Jahreswechsel 1918/19 gehörte sie zu den GrĂŒndungsmitgliedern der KPD, deren Programm sie hauptsĂ€chlich verfasste. Nach der Niederschlagung des Spartakusaufstands wurde sie unter teils ungeklĂ€rten UmstĂ€nden zusammen mit Karl Liebknecht von rechtsradikalen Freikorps-Soldaten ermordet.

Ihre theoretische und praktische Arbeit fĂŒr den Sozialismus, die internationale SolidaritĂ€t der Arbeiterklasse, gegen Militarismus und Krieg wirkte weit ĂŒber ihre Zeit und die Grenzen Deutschlands hinaus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend, Einstieg in die Politik, Studium (1871–1897)

Über Rosa Luxemburgs Geburtsdatum besteht keine letzte Sicherheit, da ihr Geburtsschein spĂ€ter auf den 25. Dezember 1870 „korrigiert“ wurde, sie aber nach ihren eigenen Angaben jĂŒnger war. Seit der Biografie von Peter Nettl wird meist der 5. MĂ€rz 1871 als tatsĂ€chlicher Geburtstag angenommen.

Sie war das fĂŒnfte Kind einer wohlhabenden jĂŒdischen Familie, die in Russisch-Polen lebte. Ihre Eltern waren der HolzhĂ€ndler Eliasz Luxenburg und dessen Frau Line (geb. Löwenstein). Der Familienname wurde noch zu Lebzeiten ihres Vaters durch einen behördlichen Schreibfehler zu Luxemburg, den sie dann beibehielt. Sie war körperlich klein und lebenslang gehbehindert.

Nach dem Umzug der Familie nach Warschau, welches damals zum russischen Zarenreich gehörte, besuchte sie dort seit 1880 das Zweite MĂ€dchengymnasium. Noch in der Schulzeit engagierte sie sich ab 1886 in der polnischen Arbeiterpartei „Proletariat“, einer marxistischen Untergrundbewegung. Diese war 1882 gegrĂŒndet worden und hatte schon im Jahr darauf als erste der europĂ€ischen Arbeiterparteien einen Massenstreik organisiert. Daraufhin wurden vier ihrer AnfĂŒhrer hingerichtet und die Partei aufgelöst. Nur im Untergrund konnten einige Teilgruppen weiterarbeiten. Einer davon schloss sich Rosa Luxemburg an.

1888 bestand sie das Abitur mit Auszeichnung. Im folgenden Jahr drohte ihr die Verhaftung, weil ihre Mitgliedschaft im verbotenen „Proletariat“ bekannt geworden war. Auf Anraten ihrer Parteigenossen floh sie nach ZĂŒrich, dem damaligen Exil vieler russischer und polnischer Intellektueller. Dort beteiligte sie sich sofort an örtlichen Arbeiter- und Emigrantengruppen und gewann rasch einen Ruf als fĂŒhrende Theoretikerin der polnischen Arbeiterbewegung. Sie studierte an der UniversitĂ€t ZĂŒrich Philosophie, Geschichtswissenschaft, Politik, Ökonomie und Mathematik. Ihre Schwerpunkte waren Staatswissenschaften (heute: Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft), Mittelalter, Wirtschafts- und Börsenkrisen.

1893 grĂŒndete sie gemeinsam mit Leo Jogiches und Julian Balthasar Marchlewski die Sozialdemokratie des Königreiches Polen (SDKP, ab 1900 Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauen (Socjaldemokracja KrĂłlestwa Polskiego i Litwy) - SDKPiL) als revolutionĂ€re Alternative zur bestehenden Polnischen Sozialistischen Partei (PPS). Diese strebte Polens UnabhĂ€ngigkeit und seine Umwandlung in eine bĂŒrgerliche Demokratie an. Rosa Luxemburg griff diesen Nationalismus in der Pariser Exilzeitung Sprawa Robotnicza („Arbeitersache“) scharf an und vertrat dagegen die Auffassung, dass Polen nur durch eine Revolution im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und Russland unabhĂ€ngig werden könne. Vorrang mĂŒsse der Kampf gegen Monarchie und Kapitalismus in ganz Europa haben; erst wenn diese ĂŒberwunden seien, könne das Selbstbestimmungsrecht der Völker sich verwirklichen. Diese Überzeugung war Teil ihres spĂ€teren Streits mit Lenin, der die polnische und andere nationale Befreiungsbewegungen als Vorstufe zum Sozialismus ansah und fördern wollte.

1897 wurde Rosa Luxemburg in ZĂŒrich magna cum laude zum Thema Polens industrielle Entwicklung promoviert.

WortfĂŒhrerin der Linken in der SPD (1898–1914)

Gedenktafel vor dem Haus Cranachstraße 58, in Berlin-Schöneberg

Im Jahr darauf heiratete Rosa Luxemburg den 24-jĂ€hrigen Schlosser Gustav LĂŒbeck, um die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft zu erhalten. Sie zog nach Berlin und trat in die SPD ein, die damals innerhalb der Arbeiterbewegung als fortgeschrittenste sozialistische Partei Europas galt.[1]

1890 waren im Kaiserreich nach zwölf Jahren die bismarckschen Sozialistengesetze aufgehoben worden. Dadurch konnte die SPD bei Wahlen weitere Reichstagssitze gewinnen. Das neue Erfurter Programm von 1891 spiegelte dies, indem es die revolutionĂ€re Umgestaltung der Gesellschaft nur noch als Fernziel festschrieb und den Alltagskampf fĂŒr Reformen davon trennte. Daraufhin setzte sich die Mehrheit der SPD-Abgeordneten immer weniger fĂŒr andere ProduktionsverhĂ€ltnisse, sondern immer mehr nur fĂŒr die allmĂ€hliche Erweiterung parlamentarischer Rechte und materiellen Wohlstands ein.

Rosa Luxemburg vertrat dagegen eine konsequent klassenkĂ€mpferische und revolutionĂ€re Haltung. Sie wurde wegen ihrer scharfen Reden und analytischen FĂ€higkeiten rasch zur WortfĂŒhrerin des linken ParteiflĂŒgels. In dieser Rolle griff sie 1899 mit einer Artikelserie in der angesehenen Leipziger Volkszeitung in die sogenannte Revisionismusdebatte ein. Eduard Bernstein vertrat damals die These, dass Interessenausgleich und soziale Reformen die AuswĂŒchse des Kapitalismus mildern und den Sozialismus herbeifĂŒhren wĂŒrden, so dass die SPD sich auf parlamentarische Mittel beschrĂ€nken könne. Dagegen bestand Rosa Luxemburg darauf, dass kommende Wirtschaftskrisen den Gegensatz von Kapital und Arbeit zuspitzen wĂŒrden, so dass Sozialismus nur durch eine MachtĂŒbernahme des Proletariats und eine UmwĂ€lzung der ProduktionsverhĂ€ltnisse zu erreichen sei. Wegen deren Abkehr vom Parteiziel forderte sie den Ausschluss der „Revisionisten“ aus der SPD. Dieser unterblieb, aber die ParteifĂŒhrung unter August Bebel und Karl Kautsky behielt den Marxismus in ihrem Programm. In der Praxis verfolgten sie jedoch einen reformerischen Kurs und versuchten vor allem, ihre Reichstagsfraktion zu vergrĂ¶ĂŸern.

Seit dieser innerparteilichen Auseinandersetzung war Rosa Luxemburg als scharfzĂŒngige und intelligente Gegnerin der so genannten „Revisionisten“ bekannt, geachtet und zum Teil auch gefĂŒrchtet. Als erste Frau ĂŒbernahm sie die Chefredaktion der Leipziger Volkszeitung. Doch nachdem sie einen Redakteur des SPD-Parteiblatts VorwĂ€rts angegriffen hatte und von Intrigen gegen sich erfuhr, trat sie von diesem Amt zurĂŒck. Sie wollte sich den autoritĂ€ren, von MĂ€nnern dominierten Machtstrukturen in der SPD nicht beugen. Fortan nahm sie in zahlreichen Artikeln und Parteigremien zu aktuellen ökonomischen und sozialpolitischen Problemen in Europa Stellung. Sie warnte frĂŒhzeitig vor einem kommenden Krieg der europĂ€ischen GroßmĂ€chte, griff immer stĂ€rker den deutschen Militarismus und Imperialismus an und versuchte, ihre Partei zu einem energischen Gegenkurs zu verpflichten.

Im Reichstagswahlkampf 1903 sagte sie öffentlich ĂŒber Kaiser Wilhelm II.: „Der Mann, der von der guten und gesicherten Existenz der deutschen Arbeiter spricht, hat keine Ahnung von den Tatsachen.“ Darum wurde sie am 16. Januar 1904 wegen „MajestĂ€tsbeleidigung“ zu zwei Monaten GefĂ€ngnis verurteilt[2], von denen sie sechs Wochen verbĂŒĂŸen musste. 1905 reiste sie unter falschem Namen[3] nach Russisch Polen, um die SDKPiL zur Teilnahme an der Russischen Revolution zu bewegen. Sie wurde verhaftet und ausgewiesen. Im folgenden Jahr wurde sie wegen „Anreizung zum Klassenhass“ erneut zu zwei Monaten Haft verurteilt.

Besuch des Parteivorstandes im Jahr 1907 bei der Reichsparteischule der SPD. Dozentin Rosa Luxemburg (stehend vierte von links), August Bebel (stehend fĂŒnfter von links), Friedrich Ebert (links in der 3. Bank der rechten Bankreihe)

Um die „internationale SolidaritĂ€t der Arbeiterklasse“ gegen den Krieg einzuĂŒben, forderte sie nun von der SPD die Vorbereitung des Generalstreiks nach polnisch-russischem Vorbild (Massenstreik, Partei und Gewerkschaften 1906). Zugleich setzte sie ihr internationales Engagement fort und nahm 1907 mit Leo Jogiches am 5. Parteitag der russischen Sozialdemokraten in London teil. Dort lernte sie Wladimir Iljitsch Lenin kennen. Beim folgenden Kongress der Zweiten Internationale in Stuttgart brachte sie erfolgreich eine Resolution ein, die gemeinsames Handeln aller europĂ€ischen Arbeiterparteien gegen den Krieg vorsah.

Ab 1907 unterhielt sie eine mehrjÀhrige Liebesbeziehung zu Kostja Zetkin.[4] Daraus sind etwa 600 Briefe erhalten.[5]

Seit 1907 lehrte sie als Dozentin fĂŒr Marxismus und Ökonomie an der SPD-Parteischule in Berlin. Einer ihrer SchĂŒler war der spĂ€tere SPD-Vorsitzende und erste PrĂ€sident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert. Als die SPD sich beim Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-SĂŒdwestafrika, dem heutigen Namibia, klar gegen den Kolonialismus und Imperialismus des Kaiserreichs aussprach, verlor sie bei der Reichstagswahl 1907 – den sogenannten „Hottentotten-Wahlen“ - rund ein Drittel ihrer Reichstagssitze. Doch den Generalstreik als politisches Kampfmittel lehnten SPD- und GewerkschaftsfĂŒhrung weiterhin strikt ab. DarĂŒber zerbrach 1910 Rosa Luxemburgs Freundschaft mit Karl Kautsky.

1910 reichte Rosa Luxemburgs Bekanntheitsgrad weit ĂŒber Deutschland hinaus. Erstmals ausfĂŒhrlich erwĂ€hnt wurde sie in der New York Times in einem Artikel mit dem Titel „A Fatal Blow at Socialism“ (Ein tödlicher Schlag gegen den Sozialismus) am 23. September 1910.[6] Anlass war der Sozialistenkongress tags zuvor in Magdeburg. Der anonyme Autor fĂŒhrt die hehren sozialistischen Ziele der Redner auf der Veranstaltung ad absurdum, indem er feststellt, jeder hĂ€tte nur 10 Minuten zur VerfĂŒgung gehabt, seine Gedanken vorzutragen; wĂ€hrend aber die MĂ€nner Schwierigkeiten hatten, diese 10 Minuten mit Sinn zu fĂŒllen („Die Zeit reichte fĂŒr die MĂ€nner, selbst das zum Ausdruck zu bringen, was sie dachten, dass sie dachten.“), habe Rosa Luxemburg nach 10 Minuten erst ausgeholt, um weitere 10 Minuten zu sprechen. Sie wurde ausgebuht, „wie man einen Mann ausgebuht hĂ€tte“. Der Autor fand das nicht Gentlemanlike und resĂŒmiert polemisch, die Sozialisten nĂ€hmen den Frauen sogar ihr Grundrecht auf freie MeinungsĂ€ußerung.[7]

Rosa Luxemburg (rechts) mit Clara Zetkin 1910

1912 reiste sie als Vertreterin der SPD zu europĂ€ischen Sozialistenkongressen, u. a. in Paris. Mit dem französischen Sozialisten Jean JaurĂšs sorgte sie dafĂŒr, dass die europĂ€ischen Arbeiterparteien sich feierlich verpflichteten, beim Kriegsausbruch zum Generalstreik aufzurufen. Als der Balkankrieg 1913 fast schon den Weltkrieg auslöste, organisierte sie Demonstrationen gegen den Krieg. In Fechenheim bei Frankfurt am Main rief sie am 25. September 1913 eine Menge von Hunderttausenden zu Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung auf: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen oder anderen auslĂ€ndischen BrĂŒder zu erheben, so erklĂ€ren wir: ‚Nein, das tun wir nicht!‘“. Daher wurde sie der „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit“ angeklagt und 1914 zu einem Jahr GefĂ€ngnis verurteilt. Ihre Rede vor der Frankfurter Strafkammer wurde spĂ€ter unter dem Titel Militarismus, Krieg und Arbeiterklasse veröffentlicht. Vor dem Haftantritt konnte sie Ende Juli noch an einer Sitzung des Internationalen Sozialistischen BĂŒros teilnehmen. Dort erkannte sie ernĂŒchtert: Auch in den europĂ€ischen, vor allem den deutschen und französischen Arbeiterparteien, war der Nationalismus stĂ€rker als das internationale Klassenbewusstsein.

Engagement wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges (1914–1918)

Am 4. August 1914 reagierte die Reichstagsfraktion der SPD auf den Ausbruch des Krieges und stimmte (in Abwesenheit von Karl Liebknecht) einstimmig mit den bĂŒrgerlichen und monarchistischen Fraktionen fĂŒr die Aufnahme von Kriegskrediten. Zwei Tage zuvor hatten sich die Freien Gewerkschaften bereits auf einen Streik- und Lohnverzicht wĂ€hrend des Krieges festgelegt. Hintergrund dieser „Burgfriedenspolitik“ war, dass die SPD-FĂŒhrung unter anderem einem erneuten Parteiverbot als „VaterlandsverrĂ€ter“ vorbeugen, den mĂŒhsam erkĂ€mpften Einfluss im Reichstag bewahren und den Fortbestand der Organisationen der Arbeiterbewegung sichern wollte. Rosa Luxemburg erlebte diesen offenen Bruch der VorkriegsbeschlĂŒsse als persönliche Niederlage und dachte kurze Zeit sogar an Selbstmord. Aus ihrer Sicht hatte der Opportunismus, den sie immer bekĂ€mpft hatte, gesiegt und das Ja zum Krieg nach sich gezogen.

Rosa Luxemburg (ca. 1915)

Am 5. August grĂŒndete Rosa Luxemburg mit sechs anderen Parteilinken, darunter Franz Mehring und Clara Zetkin, die „Gruppe Internationale“, der sich wenig spĂ€ter auch Karl Liebknecht anschloss. Daraus ging 1916 die reichsweite „Spartakusgruppe“ hervor, deren Spartakusbriefe Rosa Luxemburg mit Liebknecht zusammen herausgab. Der Name bezog sich bewusst auf den SklavenanfĂŒhrer Spartacus im antiken römischen Reich. Darin sammelten sich die entschiedensten Kriegsgegner der SPD, die deren Stillhaltepolitik vehement ablehnten. Sie versuchten, die Partei zur RĂŒckkehr zu ihren VorkriegsbeschlĂŒssen zu bewegen und mit dem Generalstreik fĂŒr Frieden auch dem Ziel der internationalen proletarischen Revolution nĂ€herzukommen.

Im Dezember 1914 lehnte Karl Liebknecht als zunĂ€chst einziger SPD-Reichstagsabgeordneter gegen die Fraktionsdisziplin weitere Kriegskredite ab. Er wurde bald darauf zum Kriegsdienst eingezogen. Rosa Luxemburg musste am 18. Februar 1915 die Haftstrafe im Berliner WeibergefĂ€ngnis antreten, die sie fĂŒr die in Frankfurt am Main gehaltene Rede erhalten hatte und wegen Agitation fĂŒr Frieden und eine sozialistische Weltrevolution. Ein Jahr spĂ€ter wurde sie entlassen, aber schon drei Monate spĂ€ter wieder verurteilt, diesmal zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus. Im Juli 1916 begann ihre „Sicherungsverwahrung“. Sie wurde zweimal verlegt, zuerst nach Wronke nahe Posen, dann nach Breslau. Auch Liebknecht wurde wegen Hochverrates inhaftiert, nachdem er am 1. Mai 1916 auf einer Antikriegsdemonstration eine Rede gehalten hatte.

Drei Jahre und vier Monate verbrachte Rosa Luxemburg in der Zeit von 1915 bis 1918 wĂ€hrend des 1. Weltkrieges im GefĂ€ngnis. In ihrer Zelle des GefĂ€ngnisses in Breslau sammelte sie begierig Nachrichten aus Russland, verfasste einige AufsĂ€tze, die ihre Freunde herausschmuggelten und illegal veröffentlichten, darunter Die Krise der Sozialdemokratie unter dem Pseudonym Junius, erschienen im Juni 1916. Darin rechnete sie mit der „bĂŒrgerlichen Gesellschaftsordnung“ und der Rolle der SPD ab, deren reaktionĂ€res Wesen der Krieg offenbart habe. Lenin kannte diese Schrift und antwortete positiv darauf, ohne zu ahnen, wer sie verfasst hatte.

Ihre gesammelten Briefe aus dem GefÀngnis an ihre Freundinnen Mathilde Jacob und Sonja Liebknecht fanden spÀter in der Weimarer Republik eine breite Leserschaft.[8]

Im Februar 1917 weckte der revolutionĂ€re Sturz des Zaren in Russland Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende. Rosa Luxemburg war jedoch skeptisch ĂŒber den blutigen Terror, den die neuen Machthaber Russlands zur Durchsetzung ihrer Diktatur des Proletariats einsetzten. Noch im GefĂ€ngnis schrieb sie:

„Freiheit nur fĂŒr die AnhĂ€nger der Regierung, nur fĂŒr die Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu Ă€ußern. Nicht wegen des Fanatismus der Gerechtigkeit, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hĂ€ngt und seine Wirkung versagt, wenn die Freiheit zum Privilegium wird.“

Die Menschewiki setzten den Krieg gegen Deutschland fort. Dort kam es im MĂ€rz in vielen StĂ€dten zu monatelangen Protesten und Massenstreiks: zuerst gegen Mangelwirtschaft, dann gegen Lohnverzicht und schließlich gegen Krieg und Monarchie. Im April 1917 griffen die USA in den Krieg ein. Nun grĂŒndeten die Kriegsgegner, die die SPD ausgeschlossen hatte, die UnabhĂ€ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die rasch Zulauf gewann. Obwohl der Spartakusbund die Parteispaltung bis dahin abgelehnt hatte, trat er nun der neuen Linkspartei bei. Er behielt seinen Gruppenstatus, um weiterhin konsequent fĂŒr eine internationale sozialistische Revolution werben zu können. Diesem Ziel folgten nur wenige USPD-GrĂŒnder.

WĂ€hrend die SPD-FĂŒhrung erfolglos versuchte, die Oberste Heeresleitung (OHL) zu Friedensverhandlungen mit US-PrĂ€sident Woodrow Wilson zu gewinnen, ermöglichte diese Lenin die Durchreise aus seinem Schweizer Exil nach Sankt Petersburg. Dort gewann er die FĂŒhrung der Bolschewiki und bot den Russen einen sofortigen Separatfrieden mit Deutschland an. Damit gewannen die Bolschewiki eine Mehrheit im Volkskongress, doch nicht in der Duma, dem russischen Nationalparlament. Sie besetzten es, lösten es auf und setzten die ArbeiterrĂ€te (Sowjets) als Regierungsorgane ein.

Rosa Luxemburg ließ sich fortlaufend ĂŒber diese Ereignisse informieren und schrieb dazu den Aufsatz Zur russischen Revolution.[9] Darin begrĂŒĂŸte sie Lenins Oktoberrevolution, kritisierte aber zugleich scharf seine Strategie und warnte vor einer Diktatur der Bolschewiki. In diesem Zusammenhang formulierte sie den berĂŒhmten Satz: „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.“ Doch erst 1922 nach ihrem Tod veröffentlichte ihr Freund Paul Levi diesen Aufsatz.[10] - Trotz ihrer Vorbehalte rief sie nun unermĂŒdlich zu einer deutschen Revolution nach russischem Vorbild auf und forderte eine „Diktatur des Proletariats“, grenzte diesen Begriff aber gegen Lenins Avantgardekonzept ab. Sie verstand darunter die demokratische EigenaktivitĂ€t der Arbeiter im Revolutionsprozess, Betriebsbesetzungen, Selbstverwaltung und politische Streiks bis zur Verwirklichung sozialistischer ProduktionsverhĂ€ltnisse.

Novemberrevolution und KPD-GrĂŒndung (1918–1919)

Nach den MĂ€rzstreiks des Vorjahres kam es im Januar 1918 in vielen deutschen RĂŒstungsbetrieben zum wochenlangen Januarstreik, der erst mit Friedrich Eberts Eintritt in die Berliner Streikleitung beendet wurde. Doch eine Revolution nach russischem Vorbild war nĂ€her gerĂŒckt, da sich in den Betrieben nun eigenstĂ€ndige Arbeitervertreter, die RevolutionĂ€ren Obleute, gebildet hatten.

WĂ€hrend sich immer mehr Deutsche nach Frieden sehnten und den Krieg nicht mehr mitzutragen bereit waren, setzte General Erich Ludendorff nochmals auf einen „Siegfrieden“. Doch seine FrĂŒhjahrsoffensive scheiterte und fĂŒhrte am 8. August zum Durchbruch der Entente an der Westfront. Daraufhin beteiligte die kaiserliche Regierung auf Verlangen der Obersten Heeresleitung (OHL) am 5. Oktober erstmals den Reichstag an ihren Entscheidungen. Max von Baden wurde Reichskanzler, mehrere Sozialdemokraten ĂŒbernahmen in der neuen Regierung Verantwortung. Das neue Kabinett bat die Entente um Waffenstillstandsverhandlungen. Doch die Spartakisten sahen diese VerfassungsĂ€nderung als TĂ€uschungsmanöver zur Abwehr der kommenden Revolution und stellten nun reichsweit ihre Forderungen nach einem grundlegenden Umbau der Gesellschafts- und Staatsordnung.

Nachdem der Kieler Matrosenaufstand die Novemberrevolution ausgelöst und diese am 9. November Berlin erreicht hatte und Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung gezwungen worden war, wĂ€hlte der neu einberufene Berliner RĂ€tekongress am 10. November den sechsköpfigen „Rat der Volksbeauftragten“ mit je drei Vertretern von SPD und USPD als Übergangsregierung. Zu deren Kontrolle wurde ein ebenfalls paritĂ€tisch besetzter Vollzugsrat aus 46 RĂ€ten gebildet. Außerdem wurde ein ReichsrĂ€tekongress geplant, der eine neue Verfassung und Wahlen vorbereiten sollte. Die Umwandlung des Deutschen Reiches in eine sozialistische Demokratie wurde als Vorlage fĂŒr dieses Revolutionsparlament beschlossen.

Am selben Tag traf Rosa Luxemburg, die zwei Tage zuvor aus der Breslauer Haft entlassen worden war, in Berlin ein. Der ebenfalls befreite Karl Liebknecht hatte bereits den Spartakusbund reorganisiert. Beide gaben nun gemeinsam die Zeitung Die Rote Fahne heraus, um tĂ€glich auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen. In einem ihrer ersten Artikel forderte Rosa Luxemburg ĂŒber die Amnestie fĂŒr alle politischen Gefangenen hinaus die Abschaffung der Todesstrafe.

Um den geplanten ReichsrĂ€tekongress zu verhindern, beorderte Ebert zusĂ€tzliches MilitĂ€r nach Berlin. Bereits am Abend des 10. November hatte er sich heimlich mit Ludendorffs Nachfolger, General Wilhelm Groener, auf eine Zusammenarbeit gegen die RevolutionĂ€re verstĂ€ndigt. Am 6. Dezember kam es zu Schießereien. Vier Tage spĂ€ter zog die Garde-Kavallerie-SchĂŒtzen-Division in Berlin ein. Da Rosa Luxemburg Eberts Bestreben vermutete, Reichswehreinheiten gegen Berliner Arbeiter einzusetzen, forderte sie nun alle Macht fĂŒr die RĂ€te, die möglichst gewaltlose Entwaffnung und die Umerziehung der heimgekehrten Soldaten.

Doch der ReichsrĂ€tekongress vom 16. bis zum 20. Dezember fand ohne die Spartakisten statt. Ein Antrag, Luxemburg und Liebknecht als GĂ€sten Rederecht zu gewĂ€hren, wurde mehrheitlich abgelehnt. Die Versammlung stimmte dort fĂŒr parlamentarische Wahlen und die Selbstauflösung der ArbeiterrĂ€te. Eine Kontrollkommission fĂŒr das MilitĂ€r und eine Sozialisierungskommission sollten das Regierungsprogramm noch vor den Wahlen umsetzen und die vielfach geforderte Enteignung kriegswichtiger Großindustrie beginnen.

Bei Eberts Versuch, den Berliner Vollzugsrat zu entmachten und die arbeiterfreundliche Volksmarinedivision aufzulösen, kam es am 24. Dezember erneut zu Schießereien. Daraufhin verließ die USPD fĂŒnf Tage spĂ€ter die Übergangsregierung. Nun beauftragte Ebert Gustav Noske mit der Aufstellung von weiteren Freikorps. Dieser zog immer mehr MilitĂ€r um Berlin zusammen.

Am 1. Januar 1919 grĂŒndeten die Spartakisten und andere linkssozialistische Gruppen aus dem ganzen Reich die KPD. Rosa Luxemburg verfasste deren Programm und trug es auf der Abschlussversammlung der Delegierten vor. Darin betonte sie, dass Kommunisten die Macht niemals ohne erklĂ€rten mehrheitlichen Volkswillen ergreifen könnten und wĂŒrden. Ihre Empfehlung, an den kommenden Parlamentswahlen teilzunehmen, lehnte die Parteitagsmehrheit jedoch ab.

Am 5. Januar begann der einwöchige Spartakusaufstand, der den Linken die entscheidende Niederlage im Revolutionsverlauf beibrachte. Anlass dazu war, dass die SPD-Regierung den Berliner PolizeiprĂ€sidenten Emil Eichhorn, ein USPD-Mitglied, abgesetzt hatte. Daraufhin besetzten Arbeiter auf eigene Initiative das Berliner Zeitungsviertel, um zum Generalstreik und zu Eberts Sturz aufzurufen. Waffen wurden ausgegeben und Straßen verbarrikadiert. Karl Liebknecht trat in den „Revolutionsausschuss“ ein. Zwei Tage lang wurde das Vorgehen beraten; die KPD-Vertreter versuchten vergeblich, die UnterstĂŒtzung einiger Berliner Regimenter zu gewinnen. Die USPD-Vertreter verhandelten mit Ebert, bis bekannt wurde, dass der VorwĂ€rts zur „Stunde der Abrechnung“ aufrief. Dann brach man die GesprĂ€che ab. Daraufhin setzte Ebert die Reichswehr gegen die AufstĂ€ndischen ein. Hunderte von ihnen wurden erschossen: darunter auch viele Unbewaffnete, die sich schon ergeben hatten.

Rosa Luxemburg hatte vor diesen Folgen gewarnt und Liebknecht wegen dieses verfrĂŒhten und dilettantischen Aufstandsversuchs scharf kritisiert. Die SpartakusfĂŒhrer mussten nun untertauchen. FlugblĂ€tter hatten schon seit Dezember 1918 zum Mord an ihnen aufgerufen. Eduard Stadtler hatte damals mit Geldern der deutschen Bank und von Friedrich Naumann eine „Antibolschewistische Liga“ gegrĂŒndet, die auch Gelder aus dem am 10. Januar 1919 gegrĂŒndeten Antibolschewistenfonds der deutschen Wirtschaft erhielt. Damit wurden u. a. die Anwerbung und AusrĂŒstung der Freikorps sowie Belohnungen zur Festsetzung und Ermordung von Spartakisten bezahlt.

Ermordung

Trauerzug im Rahmen der Beisetzung von Rosa Luxemburg

In ihren letzten Lebenstagen ging es Rosa Luxemburg gesundheitlich sehr schlecht, trotzdem verfolgte sie noch aktiv das revolutionĂ€re Geschehen. In ihrer letzten Veröffentlichung in der Roten Fahne bekrĂ€ftigte sie nochmals ihr unbedingtes Vertrauen auf die Arbeiterklasse; sie solle aus ihren Niederlagen lernen und die kĂŒnftige Revolution zum Siege fĂŒhren.

Am 15. Januar 1919 nahm eine „BĂŒrgerwehr“, die ĂŒber genaue Steckbriefe verfĂŒgte, sie und Karl Liebknecht in einer Wohnung der Mannheimer Straße 27 in Wilmersdorf fest und brachte sie in das Hotel Eden. Dort residierte der Stab der Garde-Kavallerie-SchĂŒtzen-Division, der die Verfolgung von Spartakisten in Berlin organisierte. Die Gefangenen wurden nacheinander verhört und dabei schwer misshandelt. Kommandant Waldemar Pabst besprach mit seinen Offizieren, sie zu ermorden; der Mord sollte nach einer spontanen Tat Unbekannter aussehen.

Grab Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs 1919
GrabstĂ€tte von Rosa Luxemburg in der „GedenkstĂ€tte der Sozialisten“ in Berlin, April 2006

Der am Haupteingang bereitstehende JÀger Otto Wilhelm Runge schlug Rosa Luxemburg beim Verlassen des Hotels mit einem Gewehrkolben zweimal bewusstlos. Sie wurde in einen bereitstehenden Wagen geworfen. Der Freikorps-Leutnant Hermann Souchon sprang bei ihrem Abtransport auf das Trittbrett des Wagen auf und erschoss sie mit einem aufgesetzten SchlÀfenschuss. Die Begleiter warfen ihre Leiche in den Berliner Landwehrkanal.

Eine in der Nacht zum 1. Juni 1919 an einer Schleuse im Landwehrkanal geborgene Frauenleiche wurde von den Forensikern Fritz Straßmann und Paul Fraenckel obduziert und als Rosa Luxemburg identifiziert. Am 13. Juni wurde sie neben dem Grab des mit ihr ermordeten Karl Liebknecht auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Die IdentitĂ€t des Leichnams wurde im Mai 2009 von dem deutschen Rechtsmediziner Michael Tsokos angezweifelt.[11]

Gedenktafel am Landwehrkanal

Zum Gedenken an den Ort der Tat wurde am Landwehrkanal ein Kunstwerk und eine Gedenktafel angebracht, auf der es heißt:

„Im Kampf gegen UnterdrĂŒckung, Militarismus und Krieg starb die ĂŒberzeugte Sozialistin Rosa Luxemburg / als Opfer eines heimtĂŒckischen politischen Mordes. / Die Mißachtung des Lebens und die BrutalitĂ€t gegen den Menschen / lassen die FĂ€higkeit der Menschen zur Unmenschlichkeit erkennen. / Sie kann und darf kein Mittel irgendeiner Konfliktlösung sein und bleiben. / Berlin 1987“

Folgen der Morde

Nach den Morden kam es in ganz Deutschland zu bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Unruhen, die bis Ende Mai 1919 anhielten. Gustav Noske ließ sie mit Freikorps und kaiserlichen Truppen gewaltsam niederschlagen; dies forderte einige tausend Tote, darunter im MĂ€rz Leo Jogiches, der die AufklĂ€rung der Morde vorangetrieben hatte.

Nur Runge und Souchon wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, aber ihre Prozesse wurden verschleppt und im Mai 1919 mit geringen Haft- bzw. Geldstrafen durch VerfĂŒgung Noskes eingestellt. Beteiligte Offiziere wurden freigesprochen, Pabst wurde nicht angeklagt, mögliche Auftraggeber wurden nicht gesucht. Dass es sich um Auftragsmorde gehandelt habe, erklĂ€rte Eduard Stadtler in seinen 1935 veröffentlichen Erinnerungen.[12] Pabst notierte in seinem 1970 entdeckten Tagebuch, er habe vor den Morden mit der Reichskanzlei telefoniert und Noskes RĂŒckendeckung dafĂŒr erhalten.[13] Dies gilt wegen Zeugenaussagen als wahrscheinlich.[14]

Politisches Denken und Handeln

Marxismus als selbstkritische Methode der Kapitalismusanalyse

Rosa Luxemburg vertrat energisch die Ideen des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels. Sie fasste deren Theorien jedoch nicht dogmatisch, sondern kritisch auf:

„Marxismus ist eine revolutionĂ€re Weltanschauung, die stets nach neuen Erkenntnissen ringen muss, die nichts so verabscheut wie das Erstarren in einmal gĂŒltigen Formen, die am besten im geistigen Waffengeklirr der Selbstkritik und im geschichtlichen Blitz und Donner ihre lebendige Kraft bewahrt.“

– Die Akkumulation des Kapitals oder Was die Epigonen aus der Marxschen Theorie gemacht haben. Eine Antikritik.[15]

In zwei AufsĂ€tzen ĂŒber Marx aktualisierte sie seine Grundideen ganz verschieden. FĂŒr die Marx-Biografie von Franz Mehring von 1901 schrieb sie eine Zusammenfassung des Kapital. Darin erklĂ€rte sie

  • das Entstehen des Profits aus dem Lohngesetz, das dem Arbeiter immer einen Teil des Gegenwerts seines Produkts vorenthĂ€lt (Band 1);
  • die Konkurrenzgesetze des Marktes, die den Unternehmer zwingen, seinen Profit wiederum gewinnbringend zu „realisieren“, sowie das Kreditsystem, das Produktionsprozess und Warenverkehr in Gang hĂ€lt (Band 2);
  • das Gesetz der „durchschnittlichen Profitrate“, das die Verteilung des gesellschaftlich produzierten Reichtums bedingt und die zwangslĂ€ufig auftretenden „Krisen“ in der kapitalistischen Ökonomie hervorruft (Band 3).

Diese GesetzmĂ€ĂŸigkeiten begrĂŒndeten fĂŒr sie die grundlegende KlassensolidaritĂ€t der Kapitaleigner gegenĂŒber den Produzenten, so dass strukturelle Ausbeutung nur durch die Aufhebung von Lohnarbeit und Klassenherrschaft ĂŒberwindbar sei.

Als Parteidozentin schrieb sie seit 1907, dann 1916 in Haft auch eine allgemeinverstĂ€ndliche EinfĂŒhrung in die Nationalökonomie, die posthum 1925 erschien.

Imperialismustheorie

In ihrem Hauptwerk Die Akkumulation des Kapitals von 1913 entwickelte Rosa Luxemburg ihre Imperialismustheorie. Sie zeigte Ă€hnlich wie frĂŒher schon John Atkinson Hobsons Unterkonsumtionstheorie, dass der Imperialismus „eine historische Notwendigkeit, die abschließende Etappe der kapitalistischen Entwicklung sei“.[16]

In kritischem Bezug auf die Marx'schen AusfĂŒhrungen zum Schema der erweiterten Reproduktion (Kapitalakkumulation) im zweiten Band des „Kapital“, weist sie unter anderem auch mit Bezug auf Engels' Bemerkungen zu Marx' Manuskripten nach, dass Marx diesen Punkt nicht abschließend und widerspruchsfrei ausgearbeitet hat, sondern vielmehr seiner eigenen Lösung an anderer Stelle, nĂ€mlich im dritten Band und in den Theorien ĂŒber den Mehrwert, widerspricht und seine Lösung eine einfache arithmetische Konstruktion ist. Das Problem besteht dabei schon fĂŒr Marx in der Frage, wer den Mehrwert, also den zusĂ€tzlichen Warenberg, bei gesamtgesellschaftlicher Akkumulation realisiert (kauft). Marx hat das Problem unter anderem mit dem von ihm zuvor verworfenem Konzept der erweiterten Geldproduktion (Bergbaukapital fĂŒr Gold) zu lösen versucht, dies an anderer Stelle im Kapital jedoch als „abgeschmackt“ bezeichnet. Rosa Luxemburg zeigt außerdem theoriegeschichtlich, dass bereits die bĂŒrgerliche politische Ökonomie vor Marx intensiv mit diesem Problem gerungen hat und keine Lösung fĂŒr die fehlende Nachfrage nach dem Mehrprodukt im Abschluss der Akkumulation geben konnte, sondern vielmehr im Interesse der Vermeidung der Krisen die WidersprĂŒche irgendwie politisch vermitteln wollte oder schlichtweg geleugnet hat.

Nachdem weder die Arbeiter, noch die Kapitalisten als Konsumenten fĂŒr das Mehrprodukt, also zur Realisierung des Mehrwerts im Marx'schen Schema der erweiterten Reproduktion in Frage kommen, muss nach Rosa Luxemburg der Markt entsprechend erweitert werden. Das kapitalistische Wachstum wird also immer auf Kosten naturwirtschaftlicher und nichtkapitalistischer Produktionsweisen, sowohl innerhalb des eigenen Landes, als auch außerhalb, gewĂ€hrleistet. Diese Erweiterung zeichnet sie anhand der Kolonialgeschichte nach: 1. bei Auflösung der Naturalwirtschaft durch zwingende EinfĂŒhrung von Eigentum an Boden und damit Aufteilung der gemeinschaftlich organisierten natĂŒrlichen Ressourcen, 2. durch EinfĂŒhrung der Warenwirtschaft, 3. durch Auflösung der Bauernschaft und damit verbunden endlich 4. durch EinfĂŒhrung der großkapitalistischen Produktion, vor allem mit dem Kapital der KolonialmĂ€chte. Die mit den Enteignungen verbundenen blutigen kolonialen Konflikte zur Realisierung des Mehrwerts, wie z. B. der Opiumkrieg in China, die Kolonialisierung von SĂŒdafrika, der Sezessionskrieg und die mit ihm verbundenen Steuerlasten oder auch die nordafrikanischen und kleinasiatischen Kolonialbestrebungen des deutschen Kapitals werden von ihr dabei umfangreich als geschichtliches Material herangezogen.

Indem sie die Akkumulation des Kapitals, die dessen einziger Zweck ist, damit fĂŒr nicht systemimmanent lösbar, wie z. B. Akkumulation um der Akkumulation willen, also Wachstum der Maschinenbauindustrie zur gesteigerten Produktion von Maschinen ohne abschließenden Konsum, hĂ€lt, erklĂ€rt sie zusammenfassend am Ende ihrer Betrachtung zur Auflösung der einfachen Warenproduktion:

„Allgemeines Resultat des Kampfes zwischen Kapitalismus und einfacher Warenwirtschaft ist dies: Das Kapital tritt selbst an Stelle der einfachen Warenwirtschaft, nachdem es die Warenwirtschaft an Stelle der Naturalwirtschaft gesetzt hatte. Wenn der Kapitalismus also von nichtkapitalistischen Formationen lebt, so lebt er, genauer gesprochen, von dem Ruin dieser Formationen, und wenn er des nichtkapitalistischen Milieus zur Akkumulation unbedingt bedarf, so braucht er es als NĂ€hrboden, auf dessen Kosten, durch dessen Aufsaugung die Akkumulation sich vollzieht. Historisch aufgefaßt ist die Kapitalakkumulation ein Prozeß des Stoffwechsels, der sich zwischen der kapitalistischen und den vorkapitalistischen Produktionsweisen vollzieht. Ohne sie kann die Akkumulation des Kapitals nicht vor sich gehen, die Akkumulation besteht aber, von dieser Seite genommen, im Zernagen und im Assimilieren jener. Die Kapitalakkumulation kann demnach sowenig ohne die nichtkapitalistischen Formationen existieren, wie jene neben ihr zu existieren vermögen. Nur im stĂ€ndigen fortschreitenden Zerbröckeln jener sind die Daseinsbedingungen der Kapitalakkumulation gegeben.“

und

„Hier beginnt aber die Sackgasse. Das Endresultat einmal erreicht – was jedoch nur theoretische Konstruktion bleibt -, wird die Akkumulation zur Unmöglichkeit: Die Realisierung und Kapitalisierung des Mehrwerts verwandelt sich in eine unlösbare Aufgabe. In dem Moment, wo das Marxsche Schema der erweiterten Reproduktion der Wirklichkeit entspricht, zeigt es den Ausgang, die historische Schranke der Akkumulationsbewegung an, also das Ende der kapitalistischen Produktion. Die Unmöglichkeit der Akkumulation bedeutet kapitalistisch die Unmöglichkeit der weiteren Entfaltung der ProduktivkrĂ€fte und damit die objektive geschichtliche Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus. Daraus ergibt sich die widerspruchsvolle Bewegung der letzten, imperialistischen Phase als der Schlußperiode in der geschichtlichen Laufbahn des Kapitals.“[17]

Indem sie den Kolonialismus als zwingende Notwendigkeit des Kapitalismus nachwies, erweiterte und modifizierte sie, obwohl das nicht direkt ihrer Fragestellung entsprach,[18] damit auch die Marxsche Krisentheorie.[19]

„Es [das marxsche Schema der erweiterten Reproduktion] schließt dagegen den tiefen fundamentalen Widerstreit zwischen ProduktionsfĂ€higkeit und KonsumtionsfĂ€higkeit der kapitalistischen Gesellschaft aus, der sich gerade aus der Kapitalakkumulation ergibt, der sich periodisch in Krisen Luft macht und der das Kapital zur bestĂ€ndigen Markterweiterung antreibt.“[20]

Nur so lĂ€sst sich ihrer Meinung nach ĂŒberhaupt die Geschichte des Kapitalismus im 19. Jahrhundert richtig nachvollziehen.

„Das Schema setzt also eine Bewegung des Gesamtkapitals voraus, die dem tatsĂ€chlichen Gang der kapitalistischen Entwicklung widerspricht. Die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise wird durch zwei Tatsachen auf den ersten Blick charakterisiert: einerseits periodische sprungweise Expansion des ganzen Produktionsfeldes, andererseits höchst ungleichmĂ€ĂŸige Entwicklung verschiedener Produktionszweige. Die Geschichte der englischen Baumwollindustrie, das charakteristischste Kapitel in der Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise seit dem letzten Viertel des 18. bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, erscheint vom Standpunkte des Marxschen Schemas völlig unerklĂ€rlich.“[21]

BekÀmpfung des Reformismus

Auf dem Weg zur Massenpartei wuchs in der SPD seit 1890 eine Schicht von Abgeordneten und Verwaltungsbeamten heran, die von ihren Posten lebten. Als Bernstein ab 1896 seine Artikelreihe zur Revision der Marxschen Zusammenbruchstheorie veröffentlichte, drĂŒckte er auch ihre Interessenlage aus. Er folgerte aus dem zeitweiliges Ausbleiben von Krisen, dass der Kapitalismus sich als unerwartet dauerhaft erwiesen habe. Die SPD mĂŒsse ihre revolutionĂ€ren Ziele daher aufgeben und sich ganz auf Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter konzentrieren:

„Das Ziel ist mir nichts, die Bewegung ist alles.“

Rosa Luxemburgs BroschĂŒre Sozialreform oder Revolution fasste ihre Antwort darauf zusammen:

  • HĂ€tte Bernstein Recht, wĂ€re die Sozialdemokratie ĂŒberflĂŒssig. Auf die automatische gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu warten sei jedoch Utopie und verurteile die SPD wie Don Quichotte zum Scheitern.
  • Kartelle, Trusts, Aktiengesellschaften bewiesen nicht die allmĂ€hliche Selbstkontrolle und Demokratisierung des Kapitals, sondern seien Teil seines Konzentrationsprozesses.
  • Da die ProduktivitĂ€t stĂ€ndig wachse, wĂ€hrend der Weltmarkt natĂŒrliche Grenzen habe, seien Krisen unausweichlich. Deren zeitweiliges Ausbleiben – das deutsche Reich erlebte damals bis 1910 eine lĂ€ngere Hochkonjunktur – widerlege Marx aber nicht.
  • Gewerkschaften könnten nur im Rahmen des Lohngesetzes ein möglichst großes StĂŒck vom „Kuchen“ des Unternehmerprofits abzuschneiden versuchen, aber so die Ausbeutung nie ĂŒberwinden.
  • Die Sozialdemokratie sei in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft nur geduldet, solange sie stillhalte. Erst im Zusammenbruch des kapitalistischen Systems werde man sie an der Macht beteiligen.
  • Deshalb sei und bleibe die Revolution unbedingt notwendig. Die SPD mĂŒsse die FĂŒhrung im Aufbau des nötigen Klassenbewusstseins ĂŒbernehmen und die SelbsttĂ€tigkeit der Arbeiter fördern, nicht blockieren.

Diese SĂ€tze, die einige der kommenden Entwicklungen voraussahen, wurden damals von vielen Partei- und GewerkschaftsfunktionĂ€ren abgelehnt, die sich Anerkennung durch Anpassung im Kaiserreich und Stimmengewinne durch Verzicht auf Revolution erhofften. Rosa Luxemburg stellte die UmwĂ€lzung der ProduktionsverhĂ€ltnisse damit nicht gegen den Alltagskampf fĂŒr bessere Lebensbedingungen, sondern vertrat ein Ineinandergreifen von Reform und Revolution im proletarischen Selbstbefreiungskampf. Reformen sollten auch das politische Bewusstsein der Arbeiter bilden und eine Vereinnahmung der SPD zum Erhalt der Klasse des BĂŒrgertums verhindern.

Kritische SolidaritÀt mit der Oktoberrevolution

Nach dem Sturz des Zaren im MĂ€rz 1917 schrieb Rosa Luxemburg den Artikel Die Revolution in Russland[22]. Darin hob sie die treibende Kraft des russischen Proletariats bei den Ereignissen hervor. Seine Machtentfaltung habe zunĂ€chst die liberale Bourgeoisie an die Spitze der revolutionĂ€ren Bewegung gestoßen. Seine Aufgabe sei nun, den imperialistischen Krieg zu beenden. Dazu mĂŒsse es die eigene Bourgeoisie bekĂ€mpfen, die den Krieg unbedingt brauche und fortsetzen wolle. Dieser habe Russland reif fĂŒr die sozialistische Revolution gemacht. Damit sah sie voraus, dass nur eine weitere Revolution im Russischen Reich den Krieg beenden wĂŒrde.

Denn die Menschewiki wollten wie deutsche und französische Sozialdemokraten weiter Vorteile fĂŒr ihr Land erobern. Aber weil das stĂ€dtische Industrieproletariat in Russland anteilig viel kleiner als das rĂŒckstĂ€ndige lĂ€ndliche Kleinbauertum war, hielt Rosa Luxemburg wie Lenin eine analoge deutsche Revolution fĂŒr unabdingbar, um mit dem Kriegsende zugleich die Voraussetzungen fĂŒr den Sozialismus in beiden LĂ€ndern zu schaffen. Dazu wollte sie die gesamteuropĂ€ische Arbeiterbewegung nach KrĂ€ften praktisch zusammenfĂŒhren.

Um den Separatfrieden durchzusetzen, löste Lenin zunĂ€chst das russische Parlament – die Duma – gewaltsam auf. Rosa Luxemburg bejahte seinen Umsturzversuch, erkannte aber, dass er nicht nur andere Parteien, sondern auch die Demokratie in der eigenen Partei zu unterdrĂŒcken begann. Dies bedrohte die unbedingt nötige Mitwirkung und FĂŒhrung der Arbeiter beim Aufbau des Sozialismus. Darum kritisierte sie nach der Oktoberrevolution die Tendenz der Bolschewiki zur Diktatur mit den berĂŒhmten SĂ€tzen:

„Freiheit nur fĂŒr die AnhĂ€nger der Regierung, nur fĂŒr Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der 'Gerechtigkeit', sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hĂ€ngt und seine Wirkung versagt, wenn die 'Freiheit' zum Privilegium wird.“[23]

Bei der Freiheit des Andersdenkenden denkt Luxemburg allerdings nicht an „Klassenfeinde“, betont der Historiker Heinrich August Winkler. Nicht eine liberale Demokratie, sondern ein sozialistischer Pluralismus habe ihr vor Augen gestanden.[24]

In einer scharfen Auseinandersetzung mit der Diktaturtheorie von Lenin und Trotzki fĂ€hrt sie fort und fĂŒhrt aus, dass diese auf der einen Seite, wie Kautsky andererseits, den Grundfehler begehen, die Diktatur der Demokratie entgegenzustellen. Dabei wĂ€ren es zwei Gegenpole, die gleich weit entfernt von der wirklichen sozialistischen Politik sind.

„Das Proletariat kann, wenn es die Macht ergreift, nimmermehr nach dem guten Rat Kautskys [
] auf die soziale UmwĂ€lzung verzichten und sich nur der Demokratie widmen, ohne an sich selbst, an der Revolution Verrat zu ĂŒben. Es soll und muß eben sofort sozialistische Maßnahmen in energischster, unnachgiebigster, rĂŒcksichtslosester Weise in Angriff nehmen, also Diktatur ausĂŒben; aber Diktatur der KLASSE, nicht einer Partei oder Clique, Diktatur der Klasse, d. h. in breitester Öffentlichkeit, unter tĂ€tigster ungehemmter Teilnahme der Volksmassen, in unbeschrĂ€nkter Demokratie.“[25]

Weiter fĂŒhrt sie aus, dass es weder um den Götzendienst an der formalen Demokratien noch am Sozialismus oder Marxismus gehe, vielmehr mĂŒsse der „herbe Kern der sozialen Ungleichheit und Unfreiheit unter der sĂŒĂŸen Schale der formalen Gleichheit und Freiheit“ mit neuen sozialen Inhalten gefĂŒllt werden. In diesem Sinne definiert sie den marxistischen Begriff der Diktatur des Proletariats:

„Es ist die historische Aufgabe des Proletariats, wenn es zur Macht gelangt, an Stelle der bĂŒrgerlichen Demokratie sozialistische Demokratie zu schaffen, nicht jegliche Demokratie abzuschaffen. [
] Sozialistische Demokratie beginnt zugleich mit dem Abbau der Klassenherrschaft und dem Aufbau des Sozialismus. Sie beginnt mit dem Moment der Machteroberung durch die sozialistische Partei. Sie ist nichts anderes als die Diktatur des Proletariats.
Jawohl: Diktatur! Aber diese Diktatur besteht in der Art der Verwendung der Demokratie, nicht in ihrer Abschaffung, in energischen, entschlossenen Eingriffen in die wohlerworbenen Rechte und wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse der bĂŒrgerlichen Gesellschaft, ohne welche sich die sozialistische UmwĂ€lzung nicht verwirklichen lĂ€ĂŸt. Aber diese Diktatur muß das Werk der Klasse, und nicht einer kleinen, fĂŒhrenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d. h. sie muß auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen, unter ihrer unmittelbaren Beeinflussung stehen, der Kontrolle der gesamten Öffentlichkeit unterstehen, aus der wachsenden politischen Schulung der Volksmassen hervorgehen.“[26]

Das Dilemma, in der sie die russische Revolution im historischen Kontext sah, erklĂ€rte sie aus dem „völlige[n] Versagen des internationalen Proletariats“ – vor allem der SPD – gegenĂŒber dem imperialistischen Krieg.[27] Trotz aller nötigen und berechtigten Kritik bleibe es Lenins Verdienst, die Revolution gewagt zu haben. Damit habe er den welthistorischen Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital international aufgerissen und bewusst gemacht[28]. Dabei rechtfertigte sie auch seine ihr damals erst anfĂ€nglich bekannten Gewaltmaßnahmen:

„Der Sozialismus [
] hat [
] zur Voraussetzung eine Reihe von Gewaltmaßnahmen – gegen Eigentum [
] Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrĂŒmmerten Gliedern am Boden liegenbleiben.“

Nunmehr werde es zur „geschichtlichen Verantwortung“ der deutschen Arbeiter, ebenfalls aufzustehen, um den Krieg zu beenden.[29] Darum begrĂŒĂŸte sie die deutschen Januarstreiks fĂŒr Frieden enthusiastisch und versuchte den Deutschen das aus ihrer Sicht latente historisches Ziel, den internationalen Sozialismus, aus dem GefĂ€ngnis heraus bewusst zu machen.

Als die deutsche Novemberrevolution den Kaiser entmachtet hatte, agitierte sie sofort wieder fĂŒr die proletarische Revolution:

„Die Abschaffung der Kapitalsherrschaft, die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung – dies und nichts Geringeres ist das geschichtliche Thema der gegenwĂ€rtigen Revolution. Ein gewaltiges Werk, das nicht im Handumdrehen durch ein paar Dekrete von oben herab vollbracht, das nur durch die eigene bewusste Aktion der Masse der Arbeitenden in Stadt und Land ins Leben gerufen, das nur durch höchste geistige Reife und unerschöpflichen Idealismus der Volksmassen durch alle StĂŒrme glĂŒcklich in den Hafen gebracht werden kann.“

– Der Anfang[30]

Nach der Entmachtung des „Vollzugsrats“ durch Ebert forderte sie die Arbeiter- und SoldatenrĂ€te am 10. Dezember 1918 zur MachtĂŒbernahme auf. Die RĂ€terepublik sei das natĂŒrliche Programm der Revolution. Doch vom Soldaten – dem „Gendarmen der Reaktion“ – zum revolutionĂ€ren Proletarier sei noch ein weiter Weg. Das MilitĂ€r, das bisher dem „Vaterland“ diente, mĂŒsse erst noch lernen, seine Macht dem Gemeinwohl unterzuordnen, und dazu der politischen Kontrolle der ArbeiterrĂ€te unterstellt werden.

Eberts Geheimpakt mit Reichswehrgeneral Groener verhinderte dies in den Weihnachtsunruhen. Daraufhin grĂŒndeten die radikalen linken Gruppen die KPD. Rosa Luxemburg warb erfolglos fĂŒr deren Teilnahme an den Wahlen zum Weimarer Reichstag, um auch dort auf Fortsetzung der Revolution hinzuwirken.

Dialektik des Klassenkampfs und Aufgabe der Arbeiterparteien

Rosa Luxemburg verstand Geschichte mit Marx als dauernden Klassenkampf. Darin sei eine Tendenz zur Erkenntnis der Ausbeutungsursachen und damit zur revolutionÀren UmwÀlzung der VerhÀltnisse angelegt:

„Die moderne proletarische Klasse fĂŒhrt ihren Kampf nicht nach irgendeinem fertigen, in einem Buch, in einer Theorie niedergelegten Schema; der moderne Arbeiterkampf ist ein StĂŒck in der Geschichte, ein StĂŒck der Sozialentwicklung, und mitten in der Geschichte, mitten in der Entwicklung, mitten im Kampf lernen wir, wie wir kĂ€mpfen mĂŒssen.“[31]

In diesem revolutionĂ€ren Lernprozess trieben SpontaneitĂ€t und Organisation der Arbeiterklasse sich gegenseitig vorwĂ€rts. Beide sind fĂŒr Rosa Luxemburg untrennbare „Momente“ desselben Prozesses, die einander bedingen. Denn ungeplante Aktionen – z. B. wilde Streiks gegen LohnkĂŒrzungen – reagierten auf aktuelle Herausforderungen. In diesem elementaren Kampf wĂŒrden die Arbeiter allmĂ€hlich die historischen Aufgaben und Ziele ihrer Klasse erkennen. Diese Einsicht werde ihren Kampf wiederum auf eine höhere Stufe heben und zur Bildung von Organisationen fĂŒhren, z. B. Gewerkschaften. Diese wĂŒrden ihr Handeln auf langfristig geplante Ziele hin orientieren und bĂŒndeln, z. B. TarifvertrĂ€ge. Die darin enthaltene Tendenz zur Überwindung der Ausbeutung bewusst zu machen und zu fördern, sei Aufgabe der Arbeiterpartei. Sie könne sich dabei nicht von der EigenaktivitĂ€t der Arbeiter abkoppeln:

„Die Arbeiterklasse in allen LĂ€ndern lernt erst im Verlaufe ihres Kampfes kĂ€mpfen
Die Sozialdemokratie
, die nur die Vorhut des Proletariats ist, ein Teil der ganzen arbeitenden Masse, das Blut aus ihrem Blut und Fleisch von ihrem Fleische, diese Sozialdemokratie sucht und findet die Wege und besonderen Losungen des Arbeiterkampfes lediglich im Maße der Entwicklung dieses Kampfes, wobei sie aus diesem Kampf allein die Hinweise fĂŒr den weiteren Weg schöpft.“

– In revolutionĂ€rer Stunde: Was weiter?[32]

Rosa Luxemburg glaubte also: Ohne Organisation hĂ€tten spontane Streiks nur vorĂŒbergehend Erfolg, aber keine dauerhafte, die Gesellschaft insgesamt verĂ€ndernde Kraft und Wirkung. Ohne EigenaktivitĂ€t der Arbeiter wĂŒrden deren Organisationen ihre Stoßrichtung, das politische Ziel des Sozialismus, ebenfalls bald wieder verlieren. Anders als Engels, Kautsky und Lenin sah sie die Arbeiterpartei nicht als reine Wahlpartei noch elitĂ€re Kaderpartei, die aus der „wissenschaftlichen“ Einsicht in den Geschichtsverlauf folgt:

„Die Sozialdemokratie ist nichts anderes als die Verkörperung des Klassenkampfes des modernen Proletariats, der vom Bewusstsein ĂŒber seine historischen Konsequenzen getragen wird. Ihr eigentlicher FĂŒhrer ist in Wirklichkeit die Masse selbst [
] Je mehr sich die Sozialdemokratie entwickelt, wĂ€chst, erstarkt, um so mehr nimmt die aufgeklĂ€rte Arbeitermasse mit jedem Tage ihre Schicksale, die Leitung ihrer Gesamtbewegung, die Bestimmung ihrer Richtlinien in die eigene Hand. Und wie die Sozialdemokratie im ganzen nur die bewusste Vorhut der proletarischen Klassenbewegung ist, die nach den Worten des Kommunistischen Manifestes in jedem Einzelmoment des Kampfes die dauernden Interessen der Befreiung und jedem partiellen Gruppeninteresse der Arbeiterschaft gegenĂŒber die Interessen der Gesamtbewegung vertritt, so sind innerhalb der Sozialdemokratie ihre FĂŒhrer um so mĂ€chtiger, um so einflussreicher, je klarer und bewusster sie sich selbst nur zum Sprachrohr des Willens und Strebens der aufgeklĂ€rten Massen, nur zu TrĂ€gern der objektiven Gesetze der Klassenbewegung machen.“

– Der politische FĂŒhrer der deutschen Arbeiterklasse[33]

Die Partei soll das Proletariat also nicht „vertreten“ oder „fĂŒhren“, sondern nur seine „Vorhut“ sein. Sie war fĂŒr Rosa Luxemburg unmöglich von dessen teils spontaner, teils organisierter Eigenbewegung zu trennen, sondern ging aus ihr hervor und drĂŒckte sie bewusst aus. Sie habe den Arbeitern nur die Einsicht in die Notwendigkeit des Sozialismus voraus, aber nicht die Mittel, diesen ohne sie zu realisieren. Sie könne die Revolution nicht planen und erzwingen, wenn die Arbeiter nicht selbst dazu bereit, fĂ€hig und reif seien. Ihre Aufgabe sei es also, das Bewusstsein der Arbeiter ĂŒber ihre historische Mission zu schulen, bis sie selbststĂ€ndig fĂ€hig seien, die ProduktionsverhĂ€ltnisse umzuwĂ€lzen.

Rosa Luxemburgs marxistische Klassenkampftheorie entstand ihrerseits in Folge realer Prozesse: Um 1900 brachen in Europa, besonders in Russland und Polen immer mehr und grĂ¶ĂŸere Massenstreiks aus. Sie fĂŒhrten zur russischen Revolution von 1905, in deren Verlauf der Zar dem Volk demokratische Rechte wie die GrĂŒndung eigener Parteien zugestehen musste. Diese wiederum bereiteten die nĂ€chste Revolution vor, die 1917 den Zaren stĂŒrzte. Rosa Luxemburg versuchte, diese Kampferfahrungen fĂŒr die deutschen Arbeiter fruchtbar zu machen. Darum verlangte sie seit 1905 von der SPD die entschlossene Vorbereitung des politischen Generalstreiks. Mit dieser Verkoppelung von politischer Parteiorganisation und betrieblicher Arbeiterbildung wollte sie zweierlei abwehren:

  • eine Alltagsarbeit der Arbeiterparteien und Gewerkschaften, die das Ziel der internationalen sozialistischen Revolution verliert und aufgibt („Opportunismus“, „Revisionismus“, „Reformismus“);
  • Organisationsformen, die abheben, nicht mehr die wahren Arbeiterinteressen vertreten und diktatorisch erstarren („Zentralismus“, „BĂŒrokratismus“).

Die SED warf Rosa Luxemburg stets „Spontaneismus“ vor, der angeblich zum Scheitern der Novemberrevolution beitrug. Doch die Selbstorganisation der RĂ€te sollte die Arbeiterparteien stĂ€rken, damit sie das Gesamtinteresse des Proletariats immer wirksamer durchsetzen können. Verlören sie den Kontakt zu ihrer Basis, mĂŒssten sie nach Luxemburgs Ansicht zwangslĂ€ufig scheitern.

Doch sie glaubte daran, dass die inneren WidersprĂŒche des Kapitalismus, der Gegensatz von Kapital und Arbeit, immer wieder die proletarische Revolution auf die politische Tagesordnung setzen wĂŒrden. Diese selbst, nicht die Partei, werde die Massen zu RevolutionĂ€ren schulen: Nur im Vertrauen darauf könnten die Arbeiterparteien ihre kurz- und langfristigen Ziele bestimmen und erreichen.

„Die Geschichte ist die einzige wahre Lehrmeisterin, die Revolution ist die beste Schule des Proletariats. Sie werden dafĂŒr sorgen, dass die ‚kleine Schar‘ der Meistverleumdeten und -verfolgten Schritt um Schritt zu dem wird, wozu ihre Weltanschauung sie bestimmt: zur kĂ€mpfenden und siegenden Masse des revolutionĂ€ren sozialistischen Proletariats.“[34]

BekÀmpfung der falschen Interessenvertretung

Eine Partei, die die Arbeiter in Parlamenten oder einem „PolitbĂŒro“ „vertritt“ und bevormundet, werde zwangslĂ€ufig nicht mehr fĂŒr, sondern gegen sie handeln. Sie werde dann selbst Werkzeug derer, die die Revolution verhindern und ihre Erfolge zurĂŒckdrehen wollten. Dann mĂŒssten die Arbeiter auch eine so genannte „Arbeiterpartei“ bekĂ€mpfen.

So schrieb Rosa Luxemburg in der Roten Fahne vom 21. Dezember 1918:

„In allen frĂŒheren Revolutionen traten die KĂ€mpfer mit offenem Visier in die Schranken
 In der heutigen Revolution treten die Schutzgruppen der alten Ordnung nicht unter eigenen Schildern und Wappen der herrschenden Klassen, sondern unter der Fahne einer sozialdemokratischen Partei in die Schranken. WĂŒrde die Kardinalfrage der Revolution offen und ehrlich: Kapitalismus oder Sozialismus lauten, ein Zweifel, ein Schwanken wĂ€re in der großen Masse des Proletariats heute unmöglich.“

– Rote Fahne vom 21. Dezember 1918

Darum mĂŒssten die Arbeiter den direkten Klassenkampf in der bĂŒrgerlichen Demokratie unbedingt fortsetzen: je nach den UmstĂ€nden in Parlamenten, aber auch gegen sie oder beides zugleich. TatsĂ€chlich verhinderte 1920 nur ein Generalstreik noch einmal eine rechte MilitĂ€rdiktatur, doch in den Folgejahren war die Arbeiterbewegung in zwei verfeindete Lager gespalten, die sich gegenseitig mehr als den gemeinsamen Gegner bekĂ€mpften, so dass sie letztlich nicht in der Lage waren, den Niedergang der Weimarer Republik aufzuhalten.

Glaube an die proletarische Revolution

Am Vorabend ihrer Ermordung schrieb Rosa Luxemburg:

„Die FĂŒhrung hat versagt. Aber die FĂŒhrung kann und muss von den Massen und aus den Massen heraus neu geschaffen werden. Die Massen sind das Entscheidende, sie sind der Fels, auf dem der Endsieg der Revolution errichtet wird. Die Massen waren auf der Höhe, sie haben diese ‚Niederlage‘ zu einem Glied jener historischen Niederlagen gestaltet, die der Stolz und die Kraft des internationalen Sozialismus sind. Und darum wird aus dieser ‚Niederlage‘ der kĂŒnftige Sieg erblĂŒhen. – ‚Ordnung herrscht in Berlin!‘ Ihr stumpfen Schergen! Eure ‚Ordnung‘ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon ‚rasselnd wieder in die Höhe richten‘ und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkĂŒnden: ‚Ich war, ich bin, ich werde sein!‘“[35]

Der letzte Satz zitiert den 1848er RevolutionĂ€r Ferdinand Freiligrath, der die Revolution mit diesem ursprĂŒnglich biblischen Ausdruck[36] als wiederkehrenden „roten Faden" der Geschichte wĂŒrdigte. Ihre damit verbundene Kritik an der FĂŒhrung betraf nicht nur Ebert, sondern auch Hugo Haase (USPD) und Liebknecht (KPD), deren Besetzungsaktion im Januar 1919 miserabel geplant war. Eine riesige Menge wartender Demonstranten war damals bereit, die anrĂŒckenden Soldaten zu blockieren und zu entwaffnen, wurde aber von den Besetzern nicht einbezogen.

Rosa Luxemburg glaubte – anders als Kautsky und der SPD-Parteivorstand – nicht an einen Determinismus der internationalen Revolution im Gefolge der Verelendung und des Zusammenbruchs der Kapitalherrschaft durch den Krieg. Scheitere der Sozialismus, dann drohe der Menschheit ein RĂŒckfall in unvorstellbare Barbarei. Das Bewusstsein dieses Entweder-Oder war die entscheidende Triebfeder ihres Handelns. Dabei hielt sie RĂŒckschlĂ€ge und Niederlagen des arbeitenden Volkes fĂŒr dessen Lernprozess fĂŒr besonders wichtig: Gerade sie könnten das historische Bewusstsein fĂŒr die unvermeidbare Notwendigkeit der Revolution schĂ€rfen. Nicht erst der „Endsieg“, sondern schon der immer neue Versuch, ihn herbeizufĂŒhren, sei daher der „Stolz“ der Arbeiterbewegung.

Rosa Luxemburg vertraute also der stĂ€ndigen LernfĂ€higkeit arbeitender Menschen, ihrer unzerstörbaren FĂ€higkeit, ihre Geschichte selbst zu bestimmen und zu einem Ziel zu fĂŒhren, das alle, nicht nur eine Minderheit, vom Joch der Klassenherrschaft befreie. Dieses Vertrauen schöpfte sie aus den realen historischen AnlĂ€ufen und sozialen Bewegungen zur Erreichung einer gerechten Weltgesellschaft.

Politische Wirkungen

In der Weimarer Zeit

Rosa Luxemburg gewann ihre proletarische Überzeugung in der Zeit der ersten Massenstreiks in Polen und fand sie bestĂ€rkt durch Ă€hnliche Massenstreiks in Russland, Belgien und Nordeuropa um 1905. Sie versuchte, der SPD rechtzeitig den lĂ€nderĂŒbergreifenden Generalstreik als politisches Kampfmittel nahezubringen: Dieser sollte den Raubkrieg im Rahmen der Zweiten Internationale praktisch verhindern. Als dies ausblieb, war sie mit Lenin einig, dass die durch den Krieg zugespitzte Krise zur Revolution fĂŒhren und genutzt werden mĂŒsse. Die neuen Massenstreiks im Kriegsverlauf bestĂ€tigten ihr Vertrauen auf die SpontaneitĂ€t der Arbeiterklasse, die aus ihren Niederlagen lerne: Aus den EnttĂ€uschungen mit der SPD-FĂŒhrung entstanden neue Formen der Selbstorganisation besonders bei den Arbeitern der deutschen RĂŒstungsindustrie.

Die Spartakisten versuchten, USPD und RĂ€tebewegung unter dem Druck der IllegalitĂ€t rechtzeitig auf gemeinsames revolutionĂ€res Handeln hin zu orientieren. Doch in der deutschen Novemberrevolution wirkten SpontaneitĂ€t und Parteiorganisationen nicht aufeinander abgestimmt, so dass im Ergebnis nur die Monarchie gestĂŒrzt und eine bĂŒrgerliche Republik begrĂŒndet wurde, die damals vielleicht mögliche Vergesellschaftung der Produktionsmittel aber blieb aus.

Anfangs verehrte die junge Sowjetunion Rosa Luxemburg als eins ihrer besten Vorbilder und VerbĂŒndeten. Doch 1922 veröffentlichte Paul Levi ihren GefĂ€ngnisaufsatz zur Oktoberrevolution mit der scharfen Kritik an Lenins Partei- und Fraktionsverbot. Zugleich wurde bekannt, dass sie auch Lenins Imperialismustheorie nicht teilte. Dies wurde von deutschen Reformisten nun als antikommunistische Munition benutzt. Stalin schrieb ihr daraufhin 1931 die Erfindung von Trotzkis Theorie der „permanenten Revolution“ zu und unterstellte ihr damit nachtrĂ€glich eine verschwörerische Feindseligkeit gegen Lenins Revolutionsversuch. Trotzki nahm sie dagegen 1932 in Schutz.[37] Fortan wurden ihre Positionen im Staatskommunismus meist ablehnend als „Luxemburgismus“ bezeichnet.

Rosa Luxemburg hatte immer die Einheit und SelbsttĂ€tigkeit der Arbeiterklasse und die AbhĂ€ngigkeit der Arbeiterorganisationen von dieser Basis betont, um deren VerselbststĂ€ndigung zu verhindern. Doch seit 1927 verteufelten Sozialdemokraten und Kommunisten einander zunehmend mit Totalitarismus- bzw. Sozialfaschismus-Thesen. Wegen der engen Bindung der KPD an die Kommunistische Internationale unter FĂŒhrung Stalins wies die SPD ihre spĂ€ten Angebote an eine gemeinsame „Volksfront“ gegen die Harzburger Front der erstarkenden Rechtsparteien 1931 zurĂŒck.

Zugleich verĂ€nderte Stalin den Marxismus zu einer totalitĂ€ren Herrschaftsideologie und Absicherung der Ein-Parteien-Diktatur mit bĂŒrokratisch-feudalistischen ZĂŒgen, Geheimpolizei-Terror, gewaltsam erzwungener Industrialisierung, Personenkult, Arbeitslagern und Deportationen. Mit Hitlers Machtergreifung 1933, der Niederlage der Gegner Francos im Spanischen BĂŒrgerkrieg 1936 und Stalins „SĂ€uberungen“ 1936 bis 1938 waren sĂ€mtliche Chancen fĂŒr einen Demokratischen Sozialismus in Europa, wie ihn Rosa Luxemburg gewollt hatte, nachhaltig zerstört. Die von ihr befĂŒrchtete „Barbarei“ eines neuen Weltkriegs trat ein.

Nach 1945

Gedenken: jĂ€hrlich stattfindende Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin 1978. An der Spitze gingen die ReprĂ€sentanten der Partei- und StaatsfĂŒhrung der DDR

Auch nach 1945 wurden die Auffassungen Luxemburgs von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)[38] und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) [39] weiterhin als Luxemburgismus abgewertet und verfemt. Rosa Luxemburgs Gesamtwerk wurde in der Deutschen Demokratischen Republik erst ab 1970 veröffentlicht. Schriften, die ihre Kritik an Lenin, ihre radikaldemokratische und tendenziell pazifistische Haltung zeigten, wurden dabei stets als „IrrtĂŒmer“ zensiert.[40]

In einigen blockfreien Staaten wie dem frĂŒheren Jugoslawien unter Josip Broz Tito war der Todestag Rosa Luxemburgs ein gesetzlicher Feiertag. In den Demokratisierungsbewegungen und ReformanlĂ€ufen im Ostblock spielte sie oft eine Rolle als Vorbild, auf das man sich gegen die eigenen Chefideologen berufen konnte. Je mehr die Opposition aber einen Systemwechsel anstrebte, desto mehr wurden der Marxismus insgesamt und damit auch Rosa Luxemburgs politische Ideen und Ziele abgelehnt.

Andererseits fand ihr Denken besonders in der „Neuen Linken“ der 1960er Jahre viele begeisterte AnhĂ€nger. Rosa Luxemburg galt, zusammen mit Alexandra Kollontai und Wilhelm Reich als VorlĂ€ufer des antiautoritĂ€ren Sozialismus.[41] Ein solches antiautoritĂ€res Sozialismuskonzept wurde besonders von Rudi Dutschke vertreten.[42] Aber auch RevolutionĂ€re in LĂ€ndern der sogenannten „Dritten Welt“ bezogen sich auf ihren Marxismus, der nicht dem Kreml hörig sein und ihren Völkern eine Perspektive jenseits von Kapitalismus und sowjetischem Stalinismus eröffnen sollte. Auch die maoistische Volksrepublik China hat Rosa Luxemburg neuerdings rezipiert: Im November 2004 fand in Guangzhou ein Kongress zu ihrem Andenken statt.

Die nichtmarxistische Philosophin Hannah Arendt stĂŒtzte sich in ihrer Untersuchung der UrsprĂŒnge und Elemente totaler Herrschaft auf die Imperialismustheorie Rosa Luxemburgs. Sie interpretierte den völkischen Nationalismus als Ausformung des kontinentalen Imperialismus, der den Antisemitismus rassistisch und den Rassismus antisemitisch werden ließ und in der Vernichtung der Juden und Slawen endete. Rosa Luxemburg war fĂŒr Hannah Arendt auch ein positives Beispiel fĂŒr die Weltzugewandtheit des Politischen: FĂŒr Rosa Luxemburg war die Welt von sehr großer Wichtigkeit, und sie interessierte sich ĂŒberhaupt nicht fĂŒr sich selbst. 
 sie konnte sich mit der Ungerechtigkeit in der Welt nicht abfinden.[43]

Die SPD hat ihr VerhĂ€ltnis zu Rosa Luxemburg und zu Eberts Verhalten wĂ€hrend der Novemberrevolution bis heute nicht geklĂ€rt. Mit dem Godesberger Programm schloss sie 1959 viele Hauptziele des Marxismus, die nach 1945 erneut plausibel erschienen waren, aus ihren Parteizielen aus. Willy Brandt und Erhard Eppler vertraten zwar auch einen „demokratischen Sozialismus“, verstanden darunter aber keine „Sozialisierung von Produktionsmitteln“ und internationale Überwindung von Klassenspaltung mehr. Nur die Jungsozialisten haben bis in die 1980er Jahre hinein marxistische Theoreme vertreten und sich dabei auch auf Rosa Luxemburg berufen. Parteilinke wie Peter von Oertzen haben die RĂ€tebewegung der Novemberrevolution grĂŒndlich erforscht und kamen zu dem Ergebnis, dass diese Demokratisierung der Großbetriebe eine ungelenkte, aus der krisenhaften Zuspitzung der VerhĂ€ltnisse geborene spontane Entwicklung war, die Rosa Luxemburgs Thesen von der „SpontaneitĂ€t“ der Arbeiterklasse eindrucksvoll belegt habe.

Briefmarke der Bundespost (1974)

Eine geplante Briefmarke mit dem PortrÀt Rosa Luxemburgs löste 1973 eine Bundestagsdebatte aus.

Rosa Luxemburgs Leninkritik und ihr Satz von der Freiheit des Andersdenkenden wurde sowohl von SED-Dissidenten als auch von BĂŒrgerrechtlern in der DDR verwendet, um die Alleinherrschaft und ReformunfĂ€higkeit der SED zu kritisieren. Er stand am 17. Januar 1988 auf einem Plakat von Demonstranten bei den jĂ€hrlichen offiziellen Feierlichkeiten zu ihrem Todestag, was eine Verhaftungs- und Ausweisungswelle auslöste. Der Vorfall gilt als ein Vorbote der Wende von 1989.[44]

Die 1990 gegrĂŒndete Rosa-Luxemburg-Stiftung sieht Rosa Luxemburg als herausragende Vertreterin demokratisch-sozialistischen Denkens und Handelns in Europa. Sie wurde 1992 von der Partei PDS als parteinahe Stiftung anerkannt und steht heute der Partei Die Linke nahe.

Rosa Luxemburgs Todesdatum wurde seit den 1920er Jahren Anlass der jĂ€hrlich wiederkehrenden Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Berlin, an der heute ein breites Spektrum linksgerichteter Gruppen, Parteien und Einzelpersonen teilnimmt. Auch die Frauen-, die antimilitaristische Friedensbewegung, die Sozialistische Jugend und die Globalisierungskritiker finden in Rosa Luxemburg ein bedeutendes Vorbild. Dabei werden oft Einzelideen aus dem Gesamtkontext ihres Denkens und Handelns herausgelöst. Ihre Vision eines klassenbewussten Internationalismus, der der Selbstvernichtung der Völker im Zwang der Kapitalverwertung wirksam widersteht, gilt ihren AnhĂ€ngern als unverĂ€ndert aktuell und unerfĂŒllt.

Rosa Luxemburg-Denkmal nach Initiative und EntwĂŒrfen von Ralf SchĂŒler und Ursulina SchĂŒler-Witte am Landwehrkanal in Berlin

In der DDR wurden in zahlreichen Orten Straßen und PlĂ€tze nach Rosa Luxemburg benannt, im Weimarer Stadtteil Schöndorf nannte sich ein Wohngebiet Rosa-Luxemburg-Siedlung, seit 1990 gibt es dort den Rosa-Luxemburg-Platz. Dort steht ein Denkmal, an dem bis in die Gegenwart jedes Jahr die Partei Die Linke zum Gedenken an sie einlĂ€dt. Anfang 2010 wurde im Zossener Ortsteil WĂŒnsdorf-Waldstadt eine Straße nach Rosa Luxemburg benannt. Die Leiche der Ermordeten war 1919 im Standortlazarett am WĂŒnsdorfer Parkring obduziert worden.[45]

Film und Theater

1969 produzierten Dieter Ertel und Gustav StrĂŒbel fĂŒr den SĂŒddeutschen Rundfunk das zweiteilige Dokumentarspiel Der Fall Liebknecht-Luxemburg, das die HintergrĂŒnde des Doppelmords an Karl Liebknecht und an Rosa Luxemburg behandelt. FĂŒr die Dokumentation interviewte Dieter Ertel Überlebende von 1919 und konnte auch den frĂŒheren Generalstabsoffizier Waldemar Pabst, der den Geheimbefehl zur Erschießung gegeben hatte, zu einem Interview bewegen.

1986 drehte Margarethe von Trotta den Film Rosa Luxemburg und gewann dafĂŒr den Bundesfilmpreis. Zudem erhielt Barbara Sukowa fĂŒr die Titelrolle den Darstellerpreis auf dem Filmfestival in Cannes.

2008 wurde im GRIPS Theater Berlin ein StĂŒck Rosa ĂŒber Rosa Luxemburg uraufgefĂŒhrt.[46]

Werke

  • Die industrielle Entwickelung Polens. Duncker & Humblot, Leipzig 1898
  • Sozialreform oder Revolution?. Mit einem Anhang: Miliz und Militarismus. Verlag der Leipziger Volkszeitung, Leipzig 1899 (Leipziger Volkszeitung, Februar 1899)
  • Massenstreik, Partei und Gewerkschaften. Erdmann Dubber, Hamburg 1906
  • Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen ErklĂ€rung des Imperialismus. VorwĂ€rts, Berlin 1913
  • Militarismus, Krieg und Arbeiterklasse. Rosa Luxemburg vor der Frankfurter Strafkammer ; ausfĂŒhrlicher Bericht ĂŒber die Verhandlung am 20. Februar 1914. Buchhandlung Volksstimme, Maier, Frankfurt am Main 1914
  • Die Krise der Sozialdemokratie. Anhang: LeitsĂ€tze ĂŒber die Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie Verlag-Dr. Union, ZĂŒrich 1916
  • Rede zum Programm. Gehalten auf dem GrĂŒndungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund) am 29.-31. Dez. 1918 zu Berlin. Verlag „Rote Fahne“, Berlin 1919
  • Die russische Revolution. Eine kritische WĂŒrdigung. Aus dem Nachlass.Hrsg. u. eingel. von Paul Levi. Ges. u. Erziehung, Berlin-Fichtenau 1922
  • Briefe an Karl und Luise Kautsky. Hrsg. v. Luise Kautsky. E. Laub, Berlin 1923
  • Gesammelte Werke. Vereinigte Internatationale Verlags-Anstalten, Berlin 1923–1928
  • AusgewĂ€hlte Reden und Schriften. Hrsg. Marx-Engels-Lenin-Institut beim ZK der SED. Mit einem Vorwort von Wilhelm Pieck. 3 Bde. Dietz Verlag, Berlin 1951
  • Ossip K. Flechtheim (Hrsg.): R.L.: Politische Schriften. 3 Bde., EuropĂ€ische Verlags-Anstalt, Frankfurt/Main 1966
  • Gesammelte Werke. 5 BĂ€nde (in sechs Bden.) Dietz Verlag Berlin 1970–1975
  • Charlotte Beradt (Hrsg.): Rosa Luxemburg im GefĂ€ngnis. Briefe und Dokumente aus den Jahren 1915–1918. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973 (Fischer Taschenbuch 5659) ISBN 3-596-25659-3
  • Gesammelte Briefe. 6 BĂ€nde (Bd. 1-5, Dietz Verlag 1982–1984. Bd. 6 Karl Dietz Verlag, Berlin 1993)
  • Schriften zur Theorie der SpontaneitĂ€t. Reinbek bei Hamburg 1970 (Rowohlt Klassiker 249) ISBN 3-499-45249-9
  • Internationalismus und Klassenkampf. Die polnischen Schriften. Hrsg. u. eingel. v. JĂŒrgen Hentze. Luchterhand, Neuwied, Berlin 1971 (Sammlung Luchterhand 41)
  • Frederik Hetmann (Hrsg.): Rosa Luxemburg. Ein Leben fĂŒr die Freiheit – Reden, Schriften, Briefe. Fischer TB Verlag 3711, Frankfurt am Main, 1980 ISBN 3-596-23711-4
  • Fritz Keller/Stefan Kraft (Hrsg.): Rosa Luxemburg – Denken und Leben einer internationalen RevolutionĂ€rin. Promedia-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85371-232-0.
  • GĂŒnter Regneri (Hrsg.): Rosa Luxemburg. Schriften und Reden heptagon Verlag, Berlin 2006 ISBN 3-934616-83-6 (CD-ROM)

Literatur

Deutschsprachige Biografien

  • Luise Kautsky: Rosa Luxemburg – Ein Gedenkbuch. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung: Berlin 1929
  • Paul Frölich: Rosa Luxemburg – Gedanke und Tat. (Erstausgabe: Éditions Nouvelles Internationales, Paris 1939) EuropĂ€ische Verlagsanstalt: Hannover 1991, ISBN 3-434-45036-X
  • Peter Nettl: Rosa Luxemburg. Frankfurt am Main, Wien, ZĂŒrich 1968
  • Helmut Hirsch: Rosa Luxemburg in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Bildmonographien 158, Reinbek bei Hamburg 1969, ISBN 3-499-50158-9
  • Annelies Laschitza; GĂŒnter Radczun : Rosa Luxemburg.Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz Verlag, Berlin 1971
  • Frederik Hetmann: Rosa L. – Die Geschichte der Rosa Luxemburg und ihrer Zeit. Fischer TB Verlag: Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-596-22132-3
  • Norman Geras: Rosa Luxemburg. KĂ€mpferin fĂŒr einen emanzipatorischen Sozialismus. Olle & Wolter, Berlin 1979
  • Sibylle Quack: Geistig frei und niemandes Knecht. Paul Levi – Rosa Luxemburg. Politische Arbeit und persönliche Beziehung mit 50 unveröffentlichten Briefen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1983
  • Ossip K. Flechtheim: Rosa Luxemburg zur EinfĂŒhrung. Junius Verlag, Hamburg 1985 ISBN 3-88506-818-4
  • Harry Wilde: Rosa Luxemburg. Ich war, ich bin, ich werde sein. (1. Auflage 1970) Heyne TB, MĂŒnchen 1986, ISBN 3-453-55144-3
  • Ernest Mandel/Karl Radek: Rosa Luxemburg. Leben – Kampf – Tod. isp-Verlag: Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-88332-110-9
  • Giselher Schmidt: Rosa Luxemburg. Sozialistin zwischen Ost und West. Göttingen/ZĂŒrich 1988
  • Maria Seidemann: Rosalie. Berlin 1988 (Lizenzausgabe Frankfurt am Main 1990)
  • Max Gallo: Rosa Luxemburg. Eine Biographie. Benziger Verlag: ZĂŒrich 1993, ISBN 3-545-34114-3
  • Kristine von Soden (Hgn.): Rosa Luxemburg. Elefanten Press: Berlin 1995 ISBN 978-3-88520-570-8
  • Annelies Laschitza: Im Lebensrausch, trotz alledem. Rosa Luxemburg. Eine Biographie. Aufbau-Verlag: Berlin 1996, ISBN 3-351-02444-4 (Taschenbuchausgabe Aufbau Berlin 2002 ISBN 3-7466-1648-4)
  • Max Gallo: „Ich fĂŒrchte mich vor gar nichts mehr.“.Rosa Luxemburg. Econ 2001, ISBN 3-548-60124-3
  • Dietmar Dath: Rosa Luxemburg. Suhrkamp Verlag: Frankfurt am Main 2010 ISBN 978-3-518-18235-2

Anderssprachige Biografien

  • Feliks Tych: Luksemburg (Rosalia). In: Polski Slownik Biograficzny. T. III/1. Wroclaw 1973 (polnisch)
  • I. Jashborowskaja, J. Jewserow: Rosa Luxemburg. Biographische Skizze. Moskau 1974 (russisch)
  • Gilbert Badia: Rosa Luxemburg. Journaliste, PolĂ©miste, RĂ©volutionaire. Paris 1975 (französisch) (Rezension)
  • Aleksander Kochanski: RĂłza Luksemburg. Warschau 1976 (polnisch)
  • Richard Abraham: Rosa Luxemburg. A life for the International. Oxford [u. a.] 1989 (englisch)
  • Elzbieta Ettinger: Rosa Luxemburg. Ein Leben. Aus dem Amerikan. von Barbara Bortfeldt, Bonn : Dietz 1990, ISBN 3-8012-0148-1
  • Donald E. Shepardson: Rosa Luxemburg and the Noble Dream. Peter Lang Publications Incorporated, New York 1996, ISBN 0-8204-2739-X

Biografische Einzelstudien

  • Verena Stadler-Labhart: Rosa Luxemburg an der UniversitĂ€t ZĂŒrich 1889–1897. ZĂŒrich 1978
  • Sibylle Quack: Geistig frei und niemandes Knecht. Paul Levi – Rosa Luxemburg. Politische Arbeit und persönliche Beziehung. Mit 50 unveröffentlichten Briefen. Köln 1983
  • Ottokar Luban: Die Â»innere Notwendigkeit, mithelfen zu dĂŒrfen«. Zur Rolle Mathilde Jacobs als Assistentin der SpartakusfĂŒhrung bzw. der KPD-Zentrale. In: IWK 29 (1993) 4, S. 421-470
  • Heinz Knobloch: Meine liebste Mathilde. Geschichte zum BerĂŒhren. (1. Auflage 1985) 5. Auflage Berlin 1995
  • Hans Pfeiffer: Der Selbstmord der Rosa Luxemburg. Historische Phantasien. Leipzig 1997
  • Maria Seidemann: Rosa Luxemburg und Leo Jogiches. Die Liebe in den Zeiten der Revolution. Berlin 1998
  • Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa L., Verlag 1900, Berlin 2002, ISBN 3-930278-02-2
  • Georg Danzer: Rosa Luxemburg - Gut zu sein ist die Hauptsache. In: Elke Pilz: Das Ideal der Mitmenschlichkeit: Frauen und die sozialistische Idee. Königshausen & Neumann, 2005, ISBN 3826030087 (Buchauszug online)

Politische Einordnungen

  • Lelio Basso: Rosa Luxemburgs Dialektik der Revolution. Aus dem Italienischen von Karin Monte, Frankfurt am Main 1969
  • Annelies Laschitza, GĂŒnter Radczun: Rosa Luxemburg. Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz-Verlag, Berlin(Ost) 1971
  • Udo Winkel: Rosa Luxemburg und die deutsche Sozialdemokratie. Gaiganz/Ofr. 1974
  • Georg W. Strobel: Die Partei Rosa Luxemburgs, Lenin und die SPD. Der polnische Â»europĂ€ische« Internationalismus in der russischen Sozialdemokratie. Wiesbaden 1974
  • Iring Fetscher: Rosa Luxemburg. In: Marxistische PortrĂ€ts, S. 111-152, Stuttgart/Bad Cannstatt 1975
  • Raya Dunayevskaya: Rosa Luxemburg. Frauenbefreiung und Marx Philosophie der Revolution. (New Jersey 1982) ĂŒbersetzt von Thomas Laugstien, Berlin/Hamburg 1998
  • Claudio Pozzoli/Lelio Basso/Iring Fetscher: Rosa Luxemburg oder Die Bestimmung des Sozialismus. Suhrkamp Verlag, 1984, ISBN 3-518-10710-0
  • Christel NeusĂŒĂŸ: Die Kopfgeburten der Arbeiterbewegung oder Die Genossin Luxemburg bringt alles durcheinander. Hamburg 1985
  • Georg W. Strobel: Die Legende von der Rosa Luxemburg. Eine politisch-historische Betrachtung. In: IWK 28 (1992) 3, S. 373-394
  • Virve Manninen: Sozialismus oder Barbarei? Der revolutionĂ€re Sozialismus von Rosa Luxemburg 1899–1919. Helsinki 1996
  • Manfred Scharrer,„Freiheit ist immer
“. Die Legende von Rosa & Karl. TRANSIT Buchverlag: Berlin 2002. ISBN 3-88747-172-5
  • Frigga Haug: Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik. Argument, Hamburg 2007, ISBN 3-88619-350-0
  • Ulla Plener: Rosa Luxemburg und Lenin: Gemeinsamkeiten und Kontroversen, Berlin 2009 ISBN 978-3-86557-191-5
  • Eckhard Jesse: Demokratie oder Diktatur? - Luxemburg und der Luxemburgismus, in: Uwe Backes/StĂ©phane Courtois (Hrsg.), „Ein Gespenst geht um in Europa“. Das Erbe kommunistischer Ideologien, Böhlau: Köln u. a. 2002, S. 187-212 ISBN 3-412-15001-0
  • Werner MĂŒller: Bolschewismuskritik und Revolutionseuphorie. Das Janusgesicht der Rosa Luxemburg, in: Mike Schmeitzner (Hg.): Totalitarismuskritik von links. Deutsche Diskurse im 20. Jahrhundert, Göttingen 2007. ISBN 978-3-525-36910-4

Zeitgeschichte

Weblinks

 Commons: Rosa Luxemburg â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Rosa Luxemburg â€“ Zitate
 Wikisource: Rosa Luxemburg â€“ Quellen und Volltexte

Leben

Werke

Studien

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Stiftungen und Institute

Einzelnachweise

  1. ↑ Ossip K. Flechtheim: Rosa Luxemburg, SOAK-EinfĂŒhrungen im Junius-Verlag 18, 1. Auflage 1985, S. 13
  2. ↑ Die Londoner Times zitierte am 18. Januar 1904 ein im Leipziger Tageblatt vom 16. Januar abgedrucktes Telegramm aus Zwickau, wonach „a female Social Democrat agitator, FrĂ€ulein Rosa Luxemburg, has been sentenced by the Criminal Court of Zwickau to two months' imprisonment for lĂšse-majestĂ©.“ („eine Sozialdemokratische Agitatorin vom Strafgericht Zwickau zu zwei Monaten Haft wegen MajestĂ€tsbeleidigung verurteilt wurde.“)
  3. ↑ Der gefĂ€lschte Pass, mit dem Rosa Luxemburg nach Russland eingereist war, war fĂŒr die bĂŒrgerliche Presse typisch fĂŒr „die Sozialisten“, nĂ€mlich betrĂŒgerisch zu handeln. Die Zeitung VorwĂ€rts verteidigte die gefĂ€lschten Papiere als legitime Kriegslist („ruse de guerre“). Zitiert nach der Times vom 4. Juni 1906, Seite 4
  4. ↑ Rosa Luxemburg Stiftung; siehe auch: Rosa Luxemburg Lebensdaten abgerufen am 8. Januar 2010
  5. ↑ Die Zeit 5. Oktober 1984 abgerufen am 8. Januar 2010
  6. ↑ Am 13. Mai 1907 wurde ihr Name ebenda bereits kurz erwĂ€hnt, im Zusammenhang mit dem Sozialistenkongress in London, dessen prominentester Teilnehmer Maxim Gorki war.
  7. ↑ New York Times, A Fatal Blow at Socialism, Ausgabe vom 23. September 1910. Ab hier berichtet die New York Times hĂ€ufiger ĂŒber Rosa Luxemburg. Bis zu ihrer Ermordung im Januar 1919 sind es 25 Artikel.
  8. ↑ Friedrich PfĂ€fflin (Hrsg.): Karl Kraus – Rosa Luxemburg: BĂŒffelhaut und Kreatur. Die Zerstörung und das Mitleiden des Satirikers, Friedenauer Presse, Berlin 2009
  9. ↑ Originaltext Zur russischen Revolution.
  10. ↑ Werke, Bd. 4, S. 359.
  11. ↑ Der Spiegel, 29. Mai 2009: Charitù: Mediziner wollen Leiche Rosa Luxemburgs entdeckt haben
  12. ↑ Eduard Stadtler: Als Antibolschewist 1918–1919, Reihe „Erinnerungen“, Neuer Zeitverlag GmbH, DĂŒsseldorf 1935
  13. ↑ Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal – Die Ermordung der Rosa L. (rezensiert von Christian Barduhn)
  14. ↑ Frederik Hetmann: Rosa L., Fischer, S. 271f
  15. ↑ Zitiert nach Rosa Luxemburg: Gesammelte Werke, Bd. 5. Ökonomische Schriften. 4. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1990, S. 523.
  16. ↑ Paul Frölich: Rosa Luxemburg – Gedanke und Tat. Berlin 1990, S. 212.
  17. ↑ Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 363f (online)
  18. ↑ Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 282 (online)
  19. ↑ Tony Cliff: Studie ĂŒber Rosa Luxemburg; Peripherie 26 (2006), 101/102.
  20. ↑ Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 296 (online)
  21. ↑ Rosa Luxemburg – Gesammelte Werke. Herausgegeben vom Institut fĂŒr Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Band 5, Berlin/DDR. 1975, Die Akkumulation des Kapitals, S. 292 (online)
  22. ↑ „Die Revolution in Russland“, GW 4. (online)
  23. ↑ Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution in: Gesammelte Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin (Ost), 1983, Seite 359, Anmerkung 3; Der Text Zur Russischen Revolution, IV. Kapitel ist auch online verfĂŒgbar
  24. ↑ Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Band I. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2002, S. 357.
  25. ↑ Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution, GW 4, Seite 362 f.
  26. ↑ Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution GW 4, Seite 363
  27. ↑ Rosa Luxemburg: Fragment ĂŒber Krieg, nationale Frage und Revolution, GW 4, Seite 366 ff.
  28. ↑ ebenda, GW 4, S. 366
  29. ↑ Rosa Luxemburg: Die geschichtliche Verantwortung, GW 4, S. 374 ff.
  30. ↑ GW 4, S. 397.
  31. ↑ GW 2, S. 465.
  32. ↑ GW 1.2, S. 554.
  33. ↑ GW 2, S. 280.
  34. ↑ GW 4, S. 478.
  35. ↑ GW 4, S. 536.
  36. ↑ Mit den drei Zeitformen von „sein“ ĂŒbersetzt das rabbinische Judentum den Gottesnamen JHWH nach Ex 3,14 EU. „Schrecken und Posaunenklang“ spielt auf Ex 19,16 EU an: Dieses Motiv bezieht sich in der Bibel bis zu Offb 1,11 EU auf Gottes Endgericht.
  37. ↑ Leo Trotzki: HĂ€nde weg von Rosa Luxemburg!, 1932
  38. ↑ Klaus Kinner, Die Luxemburg-Rezeption in KPD und Komintern, UTOPIE kreativ, H. 129/130 (Juli/August 2001), S. 595-603 (Online, pdf)
  39. ↑ Von Stefan Steinberg, „VorgefĂŒhrt und lĂ€cherlich gemacht“ Wie die PDS auf die Errichtung einer Statue von Rosa Luxemburg reagiert, www.wsws.org, 26. Januar 1999, (Online, pdf)
  40. ↑ Beispiel: Vorwort zu Rosa Luxemburg: Briefe aus dem GefĂ€ngnis, Dietz Verlag Berlin (Ost), 1979
  41. ↑ Rolf Schwendter, Theorie der Subkultur, Kiepenheuer & Witsch, 1971, S. 161
  42. ↑ Richard Faber, Sozialismus in Geschichte und Gegenwart, Königshausen & Neumann 1994, S.18f
  43. ↑ Hannah Arendt, Ich will verstehen S. 82.
  44. ↑ Bundesbeauftragte fĂŒr die Stasi-Unterlagen: „Ich war, ich bin, ich werde sein“. Die SED und das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (Podiumsdiskussion am 15. Januar 2008, Berlin).
  45. ↑ Zossener Straße nach Rosa Luxemburg benannt
  46. ↑ Rosa Schauspiel mit Musik von Volker Ludwig und Franziska Steiof, Premiere am 7. November 2008 im GRIPS Theater
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