Roskilde-Festival
Das jährlich Ende Juni in der Stadt Roskilde in Dänemark stattfindende Roskilde-Festival gehört mit bis zu 115.000 Teilnehmern zu den größeren Musikfestivals Europas. Das musikalische Hauptaugenmerk liegt auf weniger bekannten internationalen und skandinavischen Musikern aus verschiedenen Genres, hauptsächlich Rock, Pop, Metal, Electronic und Weltmusik, ergänzt durch wenige bekannte "Headliner". Das Festival wird fast vollständig von unbezahlten Freiwilligen organisiert, betreut und aufgebaut - während der Festivaltage sind es bis zu 25.000. Der gesamte Gewinn des Festivals fließt an den Foreningen Roskildefonden, welcher das Geld an humanitäre, kulturelle und andere gemeinnützige Organisationen (wie amnesty international, Ärzte ohne Grenzen, Human Rights Watch und viele dänische Organisationen) weitergibt.
GeschichteDas erste Roskilde-Festival fand im August 1971 unter dem Namen "SOUND FESTIVAL" statt. Es war inspiriert durch Festivals und Jugendversammlungen wie Newport, Isle of Wight und Woodstock. Es war vor allem durch schlechtes Management und großen Enthusiasmus gekennzeichnet. Es gab nur eine Bühne, auf der etwa 20 Bands aus den Bereichen Folk, Jazz, Rock und Pop auftraten. Das Festival dauerte zwei Tage und hatte etwa 10.000 Besucher pro Tag. Veranstalter waren damals ein Musikagent aus Kopenhagen und eine Gruppe aus lokalen Gymnasiasten. Aufgrund der harten Arbeit in Zusammenhang mit dem Festival hatten diese aber kein Interesse, das Festival im darauf folgenden Jahr wieder zu veranstalten. „Fantasy“ und Freiwillige Die lokale Organisation „Foreningen Roskildefonden“ arbeitete seit den 30er Jahren, in der Umgebung um Roskilde, an der Etablierung von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche und an der Organisation von Stadtfesten. Dieser Verband wurde vom Stadtrat gebeten, die Idee von einem Festival in Roskilde zu übernehmen und in Zusammenarbeit mit einer Aktiengesellschaft, die extra für diesen Zweck gegründet wurde, das Festival zu organisieren. 1972 wurde das Festival unter dem Namen „Fantasy“ also erneut abgehalten. Das Festival dauerte diesmal drei Tage und zog etwa 15.000 Besucher pro Tag an. Es gab eine Bühne auf der 25 Bands auftraten. Das Festival wurde überwiegend von Freiwilligen Helfern organisiert. Im Laufe der 70er entwickelte sich das Festival. Eine Basisstruktur entstand, in der die freiwilligen Helfer die wichtigste Arbeitskraft werden sollte. Das Festival sammelte Erfahrung und gewann an Qualität. Das Roskilde Festival ist daher ein nicht profitorientiertes Festival, so werden jedes Jahr alle Überschüsse humanitären Zwecken gespendet. Canopy-Szene - Roskilde Festivals Symbol und Logo 1978 nahm das Festival eine größere Stufe auf der Leiter der Entwicklung. Man kaufte von dem britischen Unternehmen Revelation Staging die orange Canopy Scene, mit der die Rolling Stones auf Europatournee waren. Seitdem macht die Canopy Scene mit ihren charakteristischen Bögen das weltbekannte Symbol und Logo des Festivals aus. Das Festival begann verstärkt junge Bands von internationaler Bekanntheit einzuladen. So spielten 1978 Bob Marley and The Wailers zusammen mit 40 weiteren Bands auf mittlerweile drei Bühnen, vor einem Publikum von bis zu 36.500 Besuchern pro Tag. Neue Elektronische Klänge In den 90er Jahren wurden neue Töne auf dem Festival etabliert. So wurde 1991 das erste Mal der „Club Roskilde“ veranstaltet. Mit dem eine Szene geschaffen wurde, wo die Festivalbesucher an einem Abend des Festivals zu elektronischer Musik tanzen konnten. 1995 bekam die Elektronische Musik dann eine eigene Bühne und das Festival wurde um eine Szene reicher. So klangen 1995 Grooves und Beats über alle Tage des Festivals aus dem neuen Deeday-Zelt. In den darauf folgenden Jahren wurde durch die Etablierung der chill-out-Zone und der Roskilde Lounge noch mehr Raum für elektronische Musik geschaffen. Seitdem traten Künstler wie Fatboy Slim, The Prodigy, Basement Jaxx und Chemical Brothers auf der großen „Orange Scene“ auf. 25 Jahre Roskilde Festival In den 90er Jahren wurde die Anzahl der zum Kauf angebotenen Tickets begrenzt und später sogar reduziert. Durch die stetig steigende Beliebtheit des Festivals war die Teilnehmerzahl auf bis zu 125.000 gestiegen. Neben 90.000 verkauften Eintrittskarten kamen noch ca. 25.000 freiwillige Helfer, 5.000 Medienleute und 3.000 Künstler hinzu. Um die Qualität des Festivals zu wahren, entschied die Festivalleitung, die Teilnehmerzahl zu begrenzen. Die Entfernung von dem hintersten Teil des Campingareals zu den Bühnen schien der Festivalleitung unzumutbar geworden zu sein. Das Festival war so groß geworden, dass die Festivalleitung 1994 beschloss, das Festivalareal Richtung Westen zu erweitern. Fortan wurde das Festivalgelände durch die Bahnstrecke in zwei Teile geteilt. 1996 bekam das Festival eine eigene Bahnstation, welche die Anreise der Besucherströme erheblich vereinfachen sollte. Im Jahre 1997 kam ein weiteres Zelt namens Roskilde Ballroom dazu. Jahr Null – das Unglück im Jahre 2000 Am 30. Juni 2000 kam es auf dem Roskilde-Festival während des Auftritts der Band Pearl Jam zu einem Unglück, bei dem neun Menschen starben. Sie verloren auf matschigem Untergrund den Halt, stürzten und schafften es durch die nachdrängende Menge nicht mehr, wieder aufzustehen, was zum Ersticken führte. Die Festivalleitung entschied nach Absprache mit der Polizei, das Festival fortzusetzen. Es schien unverantwortlich, die 90.000 schockierten Menschen einfach nach Hause zu schicken, noch dazu ohne zu wissen, ob Freunde unter den Toten waren. Es schien sinnvoller, eine gemeinsame Verarbeitung der Geschehnisse zu ermöglichen. So wurde vor der „Orange Scene“ eine Gedenkzeremonie mit dem Bischof Jan Lindhardt aus Roskilde abgehalten. Schwere Vorwürfe aufgrund von Sicherheitsmängeln wurden erhoben. Pearl Jam haben daraufhin beschlossen, nicht mehr auf Festivals aufzutreten - 2007 trat die Band jedoch unter anderem auf dem Hurricane Festival wieder open air auf. Mehrere Bands, u.a. die Pet Shop Boys und The Cure, sagten ihren Auftritt kurzfristig ab, andere reagierten zum Teil sehr persönlich in ihren Konzerten auf die traurigen Ereignisse. Heute erinnern auf dem Festivalgelände neun Birken und ein Gedenkstein mit der Aufschrift "How fragile we are" an das Unglück. Roskilde galt zum Zeitpunkt des Unglücks bereits als eins der sichersten Festivals Europas. Seit dem Unfall wurden die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal deutlich verbessert: Unter anderem wurden abgesperrte Sicherheitszonen vor den beiden größten Bühnen eingerichtet, größere Teile des Platzes vor der Hauptbühne wurden asphaltiert, die Crowd Safety Guards wurden verstärkt und besser unterwiesen, es wurden Merkblätter ans Publikum herausgegeben und Sicherheitshinweise auf den Monitoren eingeführt. Außerdem beteiligt sich das Festival auf nationaler und internationaler Ebene an der Entwicklung von Sicherheitskonzepten für Festivals und Konzerte. 2000 bis heute Im neuen Jahrtausend entschied die Festivalleitung auf die immer früher anreisenden Festival-Besucher zu reagieren, indem ein viertägiges „warm-up“ eingeführt wurde. Bei dem „warm up“ wird das Campingareal schon vier Tage vor dem eigentlichen Festivalgelände geöffnet und verschiedene Attraktionen werden angeboten. So gibt es unter anderem eine Skatebahn, ein Kino, eine Camping-Bühne und zahlreiche Events. 2006 sind außerdem noch ein Badesee und ein Angelsee hinzugekommen. Festival nach Jahren
BühnenKonzert auf der Roskilde-Arena-Szene Das Festival hat heute sechs Bühnen.
Während des „warm-up“ ist die Bühne „Roskilde Pavilion“ schon für die Besucher zugänglich, allerdings noch unter dem Namen „Pavilion Junior“. Hier kommen die Festivalgäste dann in den Genuss von skandinavischen Untergrundbands. Weblinks
55.616388888912.0813888889 Koordinaten: 55° 36′ 59″ N, 12° 4′ 53″ O
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