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| Rotfuchs | ||||||||||||
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| Rotfuchs (Vulpes vulpes) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Vulpes vulpes | ||||||||||||
| (Linnaeus, 1758) |
Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Füchse und wird daher meistens als „der Fuchs“ bezeichnet. Er ist in Europa der häufigste Wildhund.
Inhaltsverzeichnis |
Die Körpermaße des Rotfuchses sind geographisch und jahreszeitlich starken Schwankungen unterworfen. Das Körpergewicht liegt durchschnittlich für Männchen im Bereich 5,5 bis 7,5 kg, für Weibchen bei 5 bis 6,5 kg. Schwerere Tiere (bis 14,5 kg) sind selten. Die Körperlänge (ohne Schwanz) beträgt für Männchen 65 bis 75 cm, für Weibchen 62 bis 68 cm, die Schwanzlänge entsprechend 35 bis 45 cm bzw. 30 bis 42 cm (jeweils Durchschnittswerte für europäische Füchse).[1]
Der Rotfuchs weist einige Ähnlichkeiten mit Katzen auf:[2] Er klettert besser als andere Hundeartige und zeigt mit seinem langsamen Anschleichen und dem Mäusesprung[3] ein ähnliches Jagdverhalten wie Katzen. Seine Pupillenschlitze sind senkrecht, die Krallen teilweise einziehbar. Füchse und Katzen gehören zwar verschiedenen Familien an, haben aber aufgrund der gemeinsamen Spezialisierung auf kleine Nagetiere als Beutetiere im Laufe der Evolution eine ähnliche Entwicklung durchgemacht.
Das Fell ist oberseits rötlich, unterseits weiß; der Farbton variiert je nach Verbreitungsgebiet oberseits zwischen rötlichgelb und tiefrotbraun und unterseits zwischen rein weiß und schiefergrau. Die unteren Teile der Beine sowie die Hinterseiten der Ohren sind schwarz gefärbt. Daneben gibt es abweichende Farbvarianten, z. B. den Kreuzfuchs, der einen schwarzen Streifen auf dem Rücken trägt (→ Kreuzfuchsfell). Der Silberfuchs ist dunkelgrau bis schwarz (→ Silberfuchsfell), der Brandfuchs weist eine dunkle Kehle sowie Schulterpartie auf, der Kohlfuchs ist noch dunkler, der Birkfuchs dagegen besonders hell.
Folgende Gangarten treten auf:
Der einzelne Abdruck mit Hauptballen, vier Zehenballen und Krallen ähnelt dem eines kleinen Hundes, unterscheidet sich aber in folgender Merkmalskombination[4][5][6][7]:
Der Abdruck einer (Haus-) Katze ist etwas kleiner, rundlicher und weist meist keine Krallenabdrücke auf.
Füchse verfügen über eine Reihe unterschiedlicher Laute[5] [8]:
Von allen wildlebenden Fleischfressern haben Rotfüchse das größte geographische Verbreitungsgebiet: Sie können sowohl nördlich des Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten leben. In Nordamerika kommen sie von den Aleuten bis Neufundland vor – mit Ausnahme von Arizona, Süd-Florida und einem Streifen von Alberta bis Mexiko. Rotfüchse besiedeln Eurasien von Irland bis zum Beringmeer.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Rotfüchse zur traditionellen Fuchsjagd aus England nach Australien importiert. Die dort heimischen langsamen Beuteltiere waren an die Neubesiedler nicht angepasst und wurden leichte Beutetiere. Heute ist ganz Australien bis auf das Northern Territory und die nördlichen Teile von Queensland von Füchsen besiedelt. 1893 wurden die ersten Kopfgelder ausgesetzt. Die Bekämpfung von Füchsen in Australien erfolgt derzeit unter anderem mit Gift.[5]
Der Nahrungsopportunist Rotfuchs stellt an seinen Lebensraum keine besonderen Anforderungen. Wälder, Grasland, Äcker und in jüngerer Zeit zunehmend auch Siedlungsgebiete sind unterschiedlich geeignete Lebensräume für die Rotfüchse.
Die ersten Stadtfüchse wurden in den 1930ern in Londoner Vororten mit hohem Grünflächenanteil bekannt.[5] Ab den 1980er Jahren traten vermehrt Berichte von Fuchsbeobachtungen in Großstädten auf dem europäischen Festland auf (z. B. in Berlin, Oslo, Zürich), die aber zunächst nur als Einzelfälle gewertet wurden. Inzwischen sind Füchse wahrscheinlich in den meisten Städten präsent, aber nicht überall in hohen Dichten. Die Stadt bietet für Füchse folgende Angebote:
Auch von anderen Wildtieren wie Steinmarder, Elster und Rabenkrähe ist aus ähnlichen Gründen eine Verstädterung bekannt.[9]
Während die Streifgebiete der Füchse in ländlichen Gegenden recht groß sein können (z. B. ca. 115-350 Hektar im Schweizer Jura oder bis 2000 Hektar in Kanada), ist das Revier von Stadtfüchsen deutlich kleiner. Eine Zürcher Studie ermittelte im Schnitt ca. 30 Hektar (20 untersuchte Tiere), die intensiv genutzten Bereiche waren sogar oft nur wenige Hektar groß. Die geringe Größe der Streifgebiete zeigt, dass die Stadt offenbar günstige Lebensgrundlagen bereitstellt. Stadtfüchse sollten nicht gefüttert oder gezähmt (Streichelversuche) werden, da halbzahme Füchse manchmal ein aufdringliches Verhalten zeigen und dann oft geschossen werden.[2]
Der Rotfuchs wird mit etwa 10 Monaten geschlechtsreif.
Füchse paaren sich nur einmal im Jahr in der so genannten Ranzzeit. Da der Rüde von Dezember bis Anfang März befruchtungsfähig ist, die Fähe hingegen nur zwei bis drei Tage im Januar/Februar (/März), folgt der Rüde über einen längeren Zeitraum einer auserwählten Fähe, um ihr Abwehrverhalten genau zu diesem Zeitpunkt überwinden zu können. Mehrere Begattungen erhöhen den Erfolg der Befruchtung; je nach Sozialstruktur der Fuchspopulation paart sich der Rüde auch noch mit anderen Fähen bzw. die Fähen mit mehreren Rüden. Daher kann ein Wurf Jungfüchse verschiedene Väter haben.[8][5]
Füchse und Hunde lassen sich aufgrund verschiedener Chromosomenzahlen (Rotfuchs: 34 bis 38, Haushund: 78 Chromosomenpaare) nicht kreuzen, obwohl beide zur Familie der Hundeartigen gehören.[5]
Der meist umfangreiche Bau besitzt neben der Hauptröhre mehrere Fluchtröhren. Die beim Graben anfallende Erde wird zum Ausgang befördert und dort nach allen Seiten verstreut, so dass sich ein fächerförmiger Wall um den Eingang bildet. Allerdings wird nicht immer ein großer Bau gegraben; Füchse nehmen auch einfache Behausungen unter Gartenhäusern, Baumstümpfen oder Felsspalten für die Jungenaufzucht an. Zudem können sie alte Baue von Dachsen übernehmen; wenn der Bau groß genug ist, kommt es auch vor, dass Fuchs und Dachs gemeinsam darin wohnen (sog. „Burgfriede“,[10] vgl. auch Absatz Beziehungen zu anderen Arten).
Besetzte Fuchsbaue erkennt man an herumliegenden Beuteresten, dem blankem Sandboden und Fußspuren. Der typische Fuchsgeruch wird in der Literatur oft als „durchdringlicher Raubtiergeruch“ oder ähnlich beschrieben. Er kann jedoch auch von Harnmarkierungen am Eingang verursacht sein und bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass sich gerade ein Fuchs im Bau befindet. Nicht markierende Füchse haben einen „kaffeeartig-muffigen“ Geruch, allerdings ist das Empfinden von Gerüchen stark vom Beobachter abhängig.
Nach einer Tragzeit von ca. 50 Tagen gebiert die Fähe durchschnittlich 4 bis 6 Junge. Die Anzahl der Jungfüchse ist abhängig
Nicht jede Fähe bringt jedes Jahr Junge zur Welt. Generell beteiligen sich weniger junge Fähen an der Fortpflanzung als ältere: In Gebieten, wo Fähen in stabilen Familiengruppen leben, dürften die meisten unfruchtbaren Weibchen rangniedrigere Gruppenmitglieder sein. In Bereichen, wo Fähen üblicherweise abwandern, sind dies meist die jüngeren; diese können dann häufig kein Territorium ergattern und ziehen daraufhin keine Jungen auf.[5]
Die ca. 80–160 Gramm schweren Fuchswelpen werden mit geschlossenen Augen geboren und tragen ein wolliges, graubraunes Haarkleid. Nach 12 bis 14 Tagen öffnen die Welpen die Augen. Sie werden vier bis sechs Wochen lang gesäugt und verlassen nach Ablauf eines Monats erstmals den Bau. Zu diesem Zeitpunkt hat bereits ein Fellwechsel stattgefunden; die Jungfüchse haben nun die fuchstypische rötliche Farbe.
Sobald die Milchzähne hervortreten, haben die Jungfüchse ein starkes Bedürfnis, auf geeigneten Gegenständen herumzukauen (bei Stadtfüchsen z. B. Schuhe). Im Alter von etwa 25 Tagen entwickeln sie eine Hierarchie untereinander.
Rüden sind bei der Jungenaufzucht behilflich, indem sie Beute zur Fähe an den Bau bringen. Kommt die Fähe ums Leben, führt manchmal der Rüde die Versorgung der Welpen fort. Teilweise ziehen auch zwei Fähen gemeinsam ihre Jungen in einem Bau auf. Rotfüchse können während der Jungenaufzuchtszeit besonders empfindlich auf menschliche Anwesenheit reagieren und sollten daher vor allem in dieser Zeit nicht gestört werden.
Insbesondere die Rüden verlassen im Zeitraum September bis November das elterliche Revier, während die Fähen manchmal bei den Eltern bleiben und im nächsten Jahr bei der Aufzucht der Jungtiere der Eltern mithelfen. Auch hier gibt es starke Unterschiede in Abhängigkeit vom Aufbau der Sozialstruktur der lokalen Fuchspopulation.[5]
Füchse galten bis in die 1970er Jahre als Einzelgänger, die in Territorien leben und diese gegen Artgenossen verteidigen. Man nahm an, dass sich Fähen und Rüden nur zur Paarung treffen und dann wieder getrennte Wege gehen. Da Füchse sich von kleinen Beutetieren (v. a. Mäusen) ernähren und somit nicht auf ein gemeinsames Erbeuten der Nahrung angewiesen sind (wie etwa Wölfe), schien ein ausgeprägtes Sozialleben nicht notwendig. Ende der 1970er zeigten dann englische Studien bei Oxford[5], dass Füchse dort in Familiengruppen lebten und ein ausgeprägtes Sozialleben zeigten. Ähnliches ist inzwischen aus weiteren Gebieten bekannt geworden (z. B. in Zürich[2]).
Die Familiengruppen sind in einem gemeinsamen Territorium unterwegs, das sie gegen fremde Artgenossen verteidigen. Zu einer solchen Gruppe gehören meist ein Rüde und eine Fähe, die sich fortpflanzen, sowie weitere erwachsene Füchse, oft Schwestern und Töchter der sich fortpflanzenden Fähe. In Zürich hielten sich neben dem Vater aber auch noch weitere Rüden im Gebiet auf.[2] Diese nahen Verwandten sind bei der Jungenaufzucht behilflich: „Tantenrolle“ bei Abwesenheit der Mutter, Bewachen, Säugen bis hin zur Übernahme der vollständigen Elternfunktion bei deren Tod.
Während der Nahrungssuche sind Füchse meist als Einzelgänger unterwegs. Untersuchungen bei Bristol ergaben, dass sich ein Fuchs mit jedem anderen Familiengruppenmitglied durchschnittlich eineinhalb bis zwei Mal in 24 Stunden traf; die meisten dieser Treffen verliefen freundschaftlich. Im Winter fanden Treffen häufiger statt, vor allem nachts. In dieser Zeit können die Auseinandersetzungen zunehmen, da die Paarungszeit (Ranz) in den Winter fällt und auch ein Teil der Jungfüchse abwandert.
Allgemein passen Füchse ihre Sozialstruktur den Lebensbedingungen an. Sind gute Nahrungsressourcen vorhanden, können viele Füchse in einem Gebiet leben, und es kommt zur Bildung von Familiengruppen. Diese sind demnach nicht nur auf Städte beschränkt, sondern können auch in geeigneten ländlichen Gebieten vorkommen (wie im Schweizer Jura[2]).
Der Rotfuchs ist ein relativ anspruchsloser Allesfresser. Er stellt seine Ernährung bei Bestandsschwankungen der Beutetiere kurzfristig um und nimmt generell mit dem Vorlieb, was leicht zu erbeuten ist und einen hohen Energiegehalt bietet (opportunistische Ernährung). Die Nahrungszusammensetzung ist somit lokal stark unterschiedlich. Auf Feldmäuse umgerechnet, beträgt der tägliche Nahrungsbedarf ca. 15 bis 20 Mäuse (Angaben auch im Weiteren nach [8] und [5]).
Eine grobe Einteilung der Nahrungsquellen kann folgendermaßen aussehen:
Bei kurzfristigem Überangebot legen Füchse auch Vorräte an. Hierzu wird in lockerem Boden ein etwa 10 cm tiefes Loch gegraben, die Nahrung hineingelegt und anschließend das Loch mit Erde und Laub wieder der Umgebung angeglichen. Das Versteck wird später mit dem Geruchssinn wiedergefunden.
Manchmal leben Füchse und Dachse im selben Bau. Ein friedliches Zusammenleben ist jedoch nicht immer gegeben, denn die Jungtiere sind vor der jeweils anderen Art nicht sicher. Werden die Jungfüchse älter und lebhafter, fühlen sich die meisten Dachse offenbar gestört und verlassen den Bau; dies hat nichts mit dem Eigengeruch der Füchse zu tun.[8]
In der Stadt begegnen sich Füchse und Katzen häufig, beachten sich in den meisten Fällen aber kaum. Es kann vorkommen, dass ein Fuchs eine Katze zum Spielen auffordert. Als Beutetiere sind Katzen in der Regel zu wehrhaft; zudem wäre in Siedlungsräumen mit großem Nahrungsangebot der Angriff auf eine Katze ein unnötiges Risiko. Nur in außergewöhnlichen Situationen versuchen Füchse, (wenige Wochen alte) Jungkatzen oder durch Krankheit oder Unfall geschwächte Katzen zu erbeuten.[2]
Zum Nahrungsspektrum des Luchses gehören unter Umständen auch Füchse, meistens Jungfüchse. Auch Wölfe jagen Füchse, andererseits sind auch relativ friedliche Beziehungen z. B. aus Alaska bekannt.[8]
Ein Steinadler kann selbst ausgewachsene gesunde Füchse schlagen, bevorzugt jedoch Jungtiere.[13] Der Uhu stellt für ausgewachsene, gesunde Füchse keine ernsthafte Gefahr dar. Jungfüchse können geschlagen werden, aber auch dies geschieht eher selten; bei einer Untersuchung des Nahrungsspektrums von Uhus in Sachsen fanden sich unter 2197 Beutetieren lediglich zwei Jungfüchse.[14] Umgekehrt werden Uhus nur selten von Füchsen erbeutet.[15]
In europäischen Füchsen wurden 55 Wurmarten nachgewiesen mit regional unterschiedlichen Schwerpunkten. Weit verbreitet ist ein Befall mit Bandwürmern, insbesondere mit dem Fuchsbandwurm. Daneben treten Fadenwürmer auf, sowie als Ektoparasiten Flöhe (v. a. Hundefloh), Zecken und Milben. Letztere können die Räude hervorrufen.
Zu den Virusinfektionen zählen die Fuchsencephalitis, Staupe und Tollwut, zu den bakteriellen Infektionen beispielsweise die Leptospirose.
Die Lebenserwartung unterscheidet sich je nach Population und verschiedenen Umweltfaktoren (Grad der Bejagung, Verkehrsdichte u.a.). Bei der Interpretation von Angaben zur Altersstruktur ist zu berücksichtigen, dass diese meist auf Totfunden beruhen und daher ein verzerrtes Bild geben können, da geschossene Füchse wesentlich eher gefunden werden als Krankheitsopfer.
Die meisten Füchse sterben, bevor sie ein Jahr alt werden; häufig sind ca. 95 % der Tiere einer Population nicht älter als vier Jahre.[5] Vor allem im Herbst und im Winter ist die Mortalität der Jungfüchse aufgrund der starken Bejagung und der Wanderung (erhöhte Zahl von Verkehrsopfern) hoch.[8]
In Bristol betrug das Durchschnittsalter der Population vor einem großen Räude-Ausbruch 18 Monate. Die Altersverteilung von 1.628 toten Füchsen war dabei wie folgt: 52 % < 1 Jahr; 24 % 1–2 Jahre; 12 % 2–3 Jahre; 6 % 3–4 Jahre; 3 % 4–5 Jahre; 3 % > 5 Jahre. Ähnlich war die Altersverteilung bei einer Probe von 1.110 toten Füchsen während einer Zeit starker Bejagung aus London, das Durchschnittsalter war hier mit 14 Monaten sogar noch etwas geringer. In ländlichen Regionen Englands waren teilweise bis zu 80 % der getöteten Tiere jünger als 1 Jahr.[16] Die bisher jüngste Population wurde in Iowa dokumentiert, als sieben Jahre lang doppelte Prämien für Fuchsfelle gezahlt wurden: 84 % der erlegten Füchse waren jünger als ein Jahr.[5]
Auch die soziale Stellung kann einen Einfluss auf die Lebenserwartung haben: Dominante Stadtfüchse in Bristol waren mit durchschnittlich 4,5 Jahren älter als subdominante Tiere mit durchschnittlich 2,1 Jahren. In Gefangenschaft können Füchse bis zu 14 Jahre alt werden.[16]
Der Rotfuchs ist eine von zehn Arten der Gattung Vulpes in der Tribus der Echten Füchse (Vulpini) der Familie der Hunde (Canidae).
Es werden mehr als 40 Unterarten[17] angegeben. Zwei Unterarten sind in Japan verbreitet:
Rotfuchsfelle werden für Bekleidungszwecke genutzt, wobei die Nachfrage stark von der jeweiligen Mode und der Akzeptanz von Pelzen abhängt. In Pelztierfarmen werden vor allem seltene Farbschläge wie Silberfüchse und Kreuzfüchse gezüchtet. Insbesondere im Rahmen des Artenschutzes (vgl. Absatz „Arten- und Naturschutz“) gibt es wiederholt Aufrufe, das Tragen von Fuchspelzen als einen Beitrag zum Naturschutz zu sehen und zu fördern.[18] Zudem wird Fuchspelz teilweise als eine nachwachsende Ressource bezeichnet, die man nachhaltig nutzen sollte.[19] In diesem Sinne wird Fuchspelz seit einiger Zeit als „Öko-Fur“ oder „Friendly Fur“ beworben (z. B. [20]).
Fuchsleber wurde in der Volksmedizin als Brechmittel eingesetzt. Bis in das Mittelalter wurde sie auch als Tuberkulosemittel verwendet.[21]
Archäologen haben auf der Orkneyinsel vor der Nordküste Schottlands Hinweise auf die Zucht von Füchsen in der späten Eisenzeit entdeckt. Nach dem Überfall der Wikinger auf Schottland um 800 soll die Zucht eingestellt worden sein.[22]
Zur Verhinderung von Vogelschlag an Flughäfen gibt es Überlegungen, Füchse gezielt mit Kunstbauen zu fördern oder dort nicht zu jagen.[23]
Die Fuchsjagd wird in vielen Staaten legal betrieben. Umstritten ist die Fuchsjagd in Großbritannien, wo vor allem die Art ihrer Durchführung zu Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern und Jägern führte. Seit Februar 2005 ist die Parforcejagd zu Pferde mit Hundemeuten in ganz Großbritannien offiziell verboten, was die Diskussion jedoch nicht beendete.
Für die Fuchsjagd werden oft Kunstbaue angelegt. „Solche Anlagen können viel jagdlichen Erfolg bieten, wozu neben den Füchsen auch gelegentlich eine verwilderte Katze oder ein Marder zu zählen sind. Richtig angelegte künstliche Baue lassen sich gut sprengen“ (Treiben des Fuchses aus dem Bau mit Erdhunden und anschließender Schuss).[24]
In der Bundesrepublik wurde seit Ende der 1960er Jahre bis in die 1970er Jahre hinein eine Baubegasung aller erreichbaren Fuchsbaue durchgeführt, um die Ausbreitung der Tollwut zu stoppen. Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht.
Für die Bestandsabnahmen von Bodenbrütern wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Auerhuhn wird seit einigen Jahren neben der Lebensraumverschlechterung als Hauptursache (vor allem durch intensive Landwirtschaft) auch die Gefährdung („Prädation“) durch den Rotfuchs angegeben. [25]
Dies führte zur Forderung und Durchführung eines Prädatorenmanagements als Artenschutzstrategie,[26] das bei ganzjähriger und intensivster Bejagung auch die gewünschten Erfolge zeigen kann.[27] Früher war das Vorkommen der Wiesenvögel und anderer heute als naturschutzfachlich bedeutsam angesehener Arten ein nicht beabsichtigtes Nebenprodukt der landwirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen. Eine Landwirtschaft, die sich an Marktpreisen orientieren muss, kann die Bedürfnisse dieser Arten (vernässte, extensiv bewirtschaftete Flächen) zumindest nicht mehr großflächig erfüllen. Wegen der aktuell hohen Lebensraumkapazität für Füchse ist mittelfristig nicht mit besseren Bedingungen für viele seltene Bodenbrüter im Sinne einer „Entlastung“ von Prädation zu rechnen. Das Fuchsmanagement tendiert daher zur Daueraufgabe: So wie man eine Beweidung für eine orchideenreiche Fläche durchführt, „mäht“ man auch die Prädatoren, um Brachvögel und Uferschnepfen zu erhalten („zoologische Biotoppflege“[28]). Von besonderer Bedeutung sind dabei wahrscheinlich die Bestandszyklen von Wühlmausarten, die den Prädationsdruck auf gefährdete Bodenbrüter abpuffern können: In „guten“ Wühlmausjahren besteht aufgrund der hohen Mäusedichte kein hoher Prädationsdruck, während Füchse (und andere Prädatoren) in „schlechten“ Mäusejahren verstärkt auf die Bodenbrüter ausweichen.[29]
Einige Autoren fanden allerdings in ihren Untersuchungen keinen stark negativen Einfluss des Fuchses auf Bodenbrüter.[30] Bei einer niederländischen Studie zu den Wirkungen der Prädation auf Wiesenvögel[31] zeigte sich, dass Säugetiere (z. B. Fuchs, Hermelin, Iltis) vor allem die Gelege, Vögel (z. B. Mäusebussard, Graureiher) eher die Küken der Wiesenvögel erbeuteten. Der Fuchs stellte sich in den meisten Fällen als Hauptprädator der Gelege dar. Insgesamt nahm der Prädationsdruck mit zunehmender Offenheit der Landschaft ab. In den Modellierungen der Untersuchung war die Prädation auf Küken für die Population der Wiesenvögel der wirkungsvollste Faktor, während die Wirkung der Gelegeprädation geringer oder vergleichbar zu anderen Faktoren (z. B. Verluste durch Mahd) war. Die Autoren weisen auch auf die Rolle von Nestkontrollen z. B. zum Schutz vor Verlusten durch Mahd (u. a. Markierung der Nester durch Stäbe) hin, durch die möglicherweise manche Prädatoren erst auf ein Nest aufmerksam werden.
Die Durchführung eines Prädatorenmanagements muss nicht immer zu einer Erhöhung der Überlebensrate der Zielarten führen.[32] Bei geringerer Fuchsdichte können Marderartige den Anteil des Fuchses an der hohen Prädationsrate „ersetzen“.[33] Umstritten scheint insbesondere der teilweise[34] geforderte Aufwand der Prädatorenkontrolle für Zielarten, die Deutschland als Randareal besiedeln (z. B. Großtrappe).
Die Folgerung, ein Prädatorenmanagement als Artenschutzstrategie durchzuführen, ist keine wissenschaftliche Konsequenz, sondern eine Bewertung im Spannungsfeld Artenschutz - Tierschutz im Naturschutz. Tierethische Gesichtspunkte bezüglich der Ebene des Individuums werden im deutschsprachigen Raum beim Artenschutz in der Regel nicht berücksichtigt oder als unseriös bezeichnet.[35][36] Vor allem im englischsprachigen Raum wird dagegen seit etwa 15 Jahren das Thema Tierethik auch bei Wildtieren verstärkt diskutiert, insbesondere im Themenbereich Bestandskontrolle von (hochentwickelten) Wirbeltieren[37] [38] [39], auch speziell bei Füchsen[40][41][42], und hat zu lokalen Initiativen für den Rotfuchs geführt.[43][44]
Diese Art wird in der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN geführt. Der weltweite Bestand wird allerdings als nicht gefährdet (Least Concern) bezeichnet.
Die Bezeichnung „Reineke“ basiert auf einem lateinischen Gedicht aus dem Jahr 1150 mit dem Titel „Ysegrimus“, in dem der Fuchs als „Reinardus“ auftritt.[5] Im Jahr 1175 schrieb Pierre Saint den „Roman de Renard“. Diese als eine Parodie auf den höfischen Lebensstil gedachte Geschichte stellt den Fuchs in einer Doppelrolle als Schurken und Helden dar (Details siehe Reineke Fuchs). Im weiteren Mittelalter breiteten sich Geschichten mit „Reineke“ rasch aus. Dabei wird der Fuchs als falsch, rachsüchtig, widerspenstig, schlau und einzelgängerisch dargestellt. Bis ins 20. Jahrhundert dominiert eine negative Darstellung von Füchsen in Märchen und Kinderbüchern: z. B. in Grimms Märchen als listige Figur (KHM 57, 72, 74, 132, 191) oder als Überlisteter (KHM 8, 38, 45, 75, 86), in der Geschichte von Nils Holgersson oder im Kinderlied Fuchs du hast die Gans gestohlen.
Die Erzählung „Vixen – eine Mutter“[45], in der eine Füchsin um ihr von Menschen gefangenes Junges kämpft, nachdem der Vater und die anderen Jungen getötet wurden, enthält für die damalige Zeit (Ende 19. Jahrhundert) einige bemerkenswerte kritische Untertöne, die mehr Respekt gegenüber dem Fuchs fordern. Andererseits finden sich in derselben Geschichte auch die damals üblichen Bewertungsmuster, die den Fuchs als grausames Raubtier darstellen: „Oft brachte sie (die Füchsin) Mäuse oder Vögel lebend nach Haus und vermied mit teuflischer Vorsicht, sie ernstlich zu verletzten, damit die Füchschen sich länger daran belustigen könnten, die armen Opfer zu Tode zu quälen.“ Mangels besseren Verständnisses des Verhaltens wurde hier aus einer korrekten Beobachtung eine negative Einschätzung.
Bei dem im Jahr 1930 erschienenen Kinderbuch „Gideon im Wald“[46] will der Enterich Gideon die schwachen Tiere gegen die starken, bösen Raubtiere (insbesondere Fuchs und Wolf) in Schutz nehmen. Als der Fuchs „Reineke“ gerade ein „unschuldiges Kaninchen“ verdaut, wird er von Ziege und Enterich überwältigt: „Die Ziege (…) machte einen Satz nach vorn und nagelte mit ihren Hörnern die Ohren des Fuchses an den Baum, unter dem er schlief. Reineke schrie vor Schreck, Gideon vor Freude und Aglaja [die Ziege] voller Triumph.“ Der Fuchs muss dann vor den versammelten Hoftieren einige unangenehme Prozeduren über sich ergehen lassen, u. a. bekommt er einen Angelhaken in die Nase. „Von nun an musste er sich von zarten Grashalmen ernähren. Unter solchen Bedingungen verlor er die Hälfte seines Gewichts und litt zunehmend an Anämie. Er wurde so hinfällig, dass er seine schwachen Knochen kaum mehr voranschleppen konnte.“ Schließlich wird der Fuchs vom hungernden Wolf, der eine ähnliche Behandlung hinter sich hat, aufgefressen. „Mit all diesen Taten galt Gideon landauf, landab als großer Held.“
Neuere Kinderbücher weisen den Füchsen mehr positive Eigenschaften zu (siehe Literaturliste), ebenso die Furry-Bewegung. Allerdings erschien noch in den 1980ern in der Pumuckl-Kinderzeitschrift ein Seriencomic mit Waldtieren, wo der Fuchs als Bösewicht dargestellt wurde. In einer Geschichte sammelten alle Waldtiere Müll, um ihn vor dem Fuchsbau abzuladen.
In der Bibel wird der Fuchs als Symbol für Wildnis oder auch für verwüstete, daher von ihm bewohnte Landschaften (Klgl 5,18 EU, Hes 13,4 EU, Neh 3,35 EU) genannt, als Schädling (Hld 2,15 EU), aber auch als Symbol für List und Bosheit (Lk 13,32 EU). Jesus gebraucht den Fuchs, der immerhin einen Bau hat, als Gegenbild zu seiner eigenen Heimatlosigkeit (Mt 8,20 EU, Lk 13,32 EU). Eine Sonderstellung hat der Fuchs im Buch der Richter (Ri 15,4-5 EU), wo erzählt wird, wie Simson Füchse zur Zerstörung gegnerischer Felder missbraucht.
In kirchlichen Werken des Mittelalters tritt er selten in gutem Licht auf.
Auch in Japan spielt der Rotfuchs eine Rolle in Mythologie und Fabel (siehe Kitsune). In China galt er nicht nur als Symbol für Schlauheit und List, sondern auch für erotische Verführung und Dämonie. Zahlreich sind insbesondere die Erzählungen, in denen sich Männer mit einem Fuchsgeist in Gestalt einer schönen Frau einlassen und dabei ihr Verderben finden.
Allgemeine Seiten zum Rotfuchs:
Tierethik, Tierschutz
Sonstiges