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Rudi Carrell (* 19. Dezember 1934 in Alkmaar, Niederlande; † 7. Juli 2006 in Bremen; eigentlich Rudolf Wijbrand Kesselaar) war ein niederländischer Showmaster. Nach ersten Erfolgen in den Niederlanden debütierte Carrell 1966 im deutschen Fernsehen. In den folgenden 35 Jahren war er mit zahlreichen selbst entwickelten und adaptierten Formaten einer der erfolgreichsten und prägendsten Köpfe der deutschen Fernsehunterhaltung. Rudi Carrell erwarb 1975 das Rittergut Wachendorf, ein parkähnliches Grundstück mit Bauernhof in Syke im Stadtteil Wachendorf, auf dem er bis zu seinem Tod lebte.
Rudolf war das erste von vier Kindern von Andries Kesselaar und seiner Ehefrau Catharina Houtkooper. Sein Vater betätigte sich als Entertainer und trat unter dem Künstlernamen „André Carrell“ bei Tourneen in den ganzen Niederlanden und sogar den niederländischen Kolonien auf. Außer Rudi Carrells Vater André war auch sein Großvater im Showgeschäft tätig – er selbst sprang am 17. Oktober 1953 mit achtzehn Jahren in einem Gastspiel für seinen Vater ein. Danach folgten zahlreiche Bühnenauftritte in ganz Holland und ab 1956 ein festes Engagement beim Rundfunksender AVRO. 1960 versuchte Rudolf sich erstmals als Showmaster.
In den Niederlanden wurde er mit der Rudi Carrell Show, die 1961 startete, sehr schnell populär. Er gewann 1964 die Silberne Rose von Montreux für eine komödiantische Interpretation von Robinson Crusoe für das Fernsehen. Dabei wurde im Studio auf wenigen Quadratmetern eine Sandinsel mit Palme imitiert, die von Wasser umgeben war. „Robinsons“ Begleiter war ein eigens dressierter Affe, der die Rolle des Freitag verkörpern sollte, sowie eine Nixe (die Schauspielerin Esther Ofarim). Diese Interpretation sollte der Türöffner werden für seine späteren Engagements als Entertainer im deutschen Fernsehen. Beim Eurovision Song Contest 1960 trat er für die Niederlande an und erreichte mit dem Lied Wat een geluk den dreizehnten und damit vorvorletzten Platz. Hinter ihm landete Camillo Felgen für Luxemburg.
1983 übernahm Rudi Carrell noch einmal die Moderation einer niederländischen Fernsehsendung: Für drei Monate führte er durch die wöchentliche 1-2-3 Show der Rundfunkgesellschaft KRO. Die stets unter einem bestimmten Motto stehende Musik-, Sketch- und Spielshow war mit einer eigenen Lotterie verbunden.[1]
1965 lief die Rudi Carrell Show bei Radio Bremen zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Seither prägte und beeinflusste er die deutsche Fernsehunterhaltung und stand neben Kollegen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff für die Große Samstagabendshow. Legendäre Auftritte sind unter anderem das „Regen-Duett“[2] zusammen mit Heinz Erhardt sowie die Darbietung einer Variation von „Ein Loch ist im Eimer“ zu Füßen von Heidelinde Weis. Mit Gespür für das Außergewöhnliche ausgestattet, konnte Carrell gelegentlich auch herausragende Künstler aus dem Zirkusbereich mit ihren Darbietungen ins Studio einladen, die sonst der Nachwelt wohl niemals im TV-Format erhalten geblieben wären.
1974 wurde die Rudi Carrell Show durch die Sendung Am laufenden Band (51 Ausgaben zwischen 27. April 1974 und 31. Dezember 1979 gesendet) ersetzt, bei der am Schluss der Gewinner diejenigen Gewinne mit nach Hause nehmen durfte, an die er sich noch erinnern konnte, nachdem sie auf einem Förderband an ihm vorbei transportiert worden waren. Sein Ensemble wurde abgerundet durch den Opernsänger und Komödianten Heinz Eckner, den er zufällig in einer Kantine kennengelernt hatte. 1971 und 1972 war Carrell ein Nachbar des Sängers und Gitarristen Bobbejaan Schoepen. Er spielte zwei Jahre lang in seiner Show im Varieté des Freizeitparks Bobbejaanland.
Rudi Carrell spielte Anfang der siebziger Jahre zusammen mit dem damals 18-jährigen Ilja Richter in verschiedenen deutschen Schlagerfilmen und Komödien wie, Tante Trude aus Buxtehude oder Wenn die tollen Tanten kommen. Carrell und Richter bildeten damals ein erfolgreiches Komikerduo, das immer wieder in Frauenkleidern auftrat.
Auch als Sänger war Carrell erfolgreich. In vielen seiner Shows sang er Lieder und hatte zwei Single-Hits in Deutschland mit Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? 1975 (nach der Melodie von City of New Orleans von Steve Goodman) und Goethe war gut 1978, anschließend noch den nachdenklich-komischen Nachfolgehit Der Herr gab allen Tieren ihren Namen. Bekannt ist auch Mein Dorf, eine textnahe Übersetzung des in den Niederlanden äußerst bekannten Wim-Sonneveld-Klassikers Het dorp. Daneben schuf Carrell mit Du bist mein Hauptgewinn auch das Lied zur ARD-Fernsehlotterie 1977.
1979 erschien seine Autobiografie Gib mir mein Fahrrad wieder. 1981 sendete der WDR Rudi kann’s nicht lassen, im Herbst des gleichen Jahres startete Rudis Tagesshow, eine bei Radio Bremen produzierte Persiflage auf die Tagesschau der ARD. Mehrere Folgen lang machte er sich über den damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm lustig, indem er, in einer Kulisse, an dessen „Haustür“ klingelte und amüsante Gespräche mit der Tochter oder Frau führte. In der letzten Folge öffnete Blüm die Tür persönlich und bedachte Carrell aus „Rache“ mit einem Eimer Wasser.
Ein Skandal mit internationalem Ausmaß und Morddrohungen entstand, als in der Sendung vom 15. Februar 1987 Ayatollah Khomeini mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Der Spot von sechs Sekunden führte zu einer diplomatischen Krise. Deutsche Diplomaten wurden aus dem Iran ausgewiesen und das dortige Goethe-Institut geschlossen. Mehrere Flüge nach Teheran wurden abgesagt. Rudi Carrell wurde genötigt, sich öffentlich zu entschuldigen.
Ab 1984 lief Die verflixte Sieben, eine Show, die an den Erfolg des laufenden Bandes anknüpfen sollte. Jeder Kandidat erhielt und tauschte während der Sendung sieben symbolische Gegenstände. Jeder Gegenstand stand verschlüsselt für einen Gewinn oder eine Niete. Ziel war es, am Schluss das zurückbehaltene, vermeintlich wertvollste Symbol gegen einen Gewinn – der eben auch eine Niete sein konnte – einzutauschen. Zum geflügelten Wort entwickelte sich dabei der in jeder Folge mehrfach vorkommende Ausspruch Das wäre Ihr Preis gewesen!.
Als eine weitere Sendung unter Carrells kreativer und moderierender Führung startete 1987 die Verkupplungsshow Herzblatt. Ein Jahr nach der Uraufführung von Herzblatt übernahm er in dem Film Starke Zeiten die Rolle des Moderators eines ähnlichen Formats und nahm sich und die Kandidaten auf die Schippe. Trotz ihrer Ansiedlung im Vorabendprogramm der ARD, unter zeitweiliger Teilnahme des ORF, konnten das Konzept und der Moderator die Massen an die Fernsehschirme locken und dabei bestens unterhalten. Die Sendung lief im Konzept weitgehend unverändert bis Mitte 2006 und wurde zuletzt von Alexander Mazza, dem siebten Moderator, präsentiert.
1988 bis 1992 moderierte Rudi Carrell eine wiederum als Die Rudi Carrell Show, mit dem Zusatz Laß dich überraschen, bezeichnete Sendung in der ARD (24 Sendungen), in der Menschen aus dem Publikum überraschend ihre Herzenswünsche erfüllt wurden und Imitatoren von Musikstars auftraten. Letztere wurden nach einer kurzen Vorstellung immer mit den Worten „Eben noch in der Werkstatt – […] jetzt auf unserer Showbühne!“ eingeleitet. Den Titelsong Laß dich überraschen sang er selbst. Gelegentlich überraschte Carrell eine besonders engagierte ortsbekannte Person mit einem eigens für sie geschriebenen Rudigramm, eine exklusive Videoproduktion, in der der Showmaster die Person zur Musik eines Evergreens vorstellt und würdigt. In jeder Folge gab es als Überraschung auch eine aufwändig recherchierte Wiederzusammenführung von Familienangehörigen, deren Verbindung schon vor langer Zeit ungewollt abgerissen war.
Das Format der Rudi-Carrell-Show wurde 1996 unter dem alten Zusatztitel Lass dich überraschen von Thomas Ohrner fortgesetzt. Die Wortschöpfung Rudigramm übernahm Stefan Raab für seine Raabigramme.
Zur Einführung der neuen fünfstelligen deutschen Postleitzahlen 1993 moderierte Carrell auf RTL eine neue Show Die Post geht ab!, die diese Änderung den Bürgern näher bringen sollte. Bald wurde das Format eingestellt, auch weil es zu sehr an seine frühere Sendung Am laufenden Band erinnerte. Weitere relativ kurzlebige Projekte Carrells waren in jenen Jahren Rudis Tiershow (ARD, 1992–1994), Rudis Urlaubsshow (RTL, 1994–1996), Rudis Lacharchiv (Radio Bremen, 1995-1996) und Rudis Hundeshow (RTL, 1996).
Seit 1996 produzierte er für den Privatsender RTL die Show 7 Tage, 7 Köpfe, in welcher er auch bis Ende 2002 zur Stammbesetzung zählte. Mit dabei war auch Mike Krüger, mit dem ihn eine langjährige private Freundschaft verband. Der Mitkomiker Kalle Pohl bezeichnete Carrell als einen Workaholic mit einem herausragenden humoristischen Talent.
Im Jahre 2000 sendete die ARD „Rudis Suchmaschine“, in der Carrell Kuriositäten aus der Welt des Internets präsentierte. Ende 2002 zog Carrell sich vom aktiven Dienst vor der Kamera zurück und arbeitete – von Gastauftritten abgesehen – nur noch hinter den Kulissen.
In einem Interview im November 2005 bestätigte der Showmaster gegenüber der Zeitschrift Bunte, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Krank fühle er sich aber trotzdem nicht, so Carrell in dem Gespräch: „Krank sein heißt Fieber, Schmerzen, Übelkeit [… mir sind] all diese typischen Krankheitssymptome bisher, Gott sei Dank, erspart geblieben, aber er habe sich nach 51 Jahren mit bis zu drei Packungen Zigaretten pro Tag endlich das Rauchen abgewöhnt."
Bei der Aufzeichnung der letzten Folge von 7 Tage, 7 Köpfe wirkte Carrell noch einmal selbst mit. Stumm tritt er auf und gibt noch einmal den Running Gag der Show zum Besten: Er schüttet mit Hilfe eines Seiles ein Glas Wasser über die Hose von Harald Schmidt und verschwindet wortlos. Die Sendung wurde am 31. Dezember 2005, der Silvester-Show und letztmaligen Ausgabe von 7 Tage, 7 Köpfe, ausgestrahlt. In einem Interview scherzte Carrell:
„Gags, die wir für ,7 Tage, 7 Köpfe‘ nicht gebrauchen können, hebe ich auf. Und wenn ich in den Himmel komme, werde ich damit etwas nebenbei verdienen.“
Am 2. Februar 2006 freute sich der schwer erkrankte Rudi Carrell sichtlich über die Ehrung für sein Lebenswerk mit der Goldenen Kamera in Berlin. Ihm war seine Krankheit anzusehen, auch seine Stimme klang schwach und heiser. Dennoch konnte er sein Scherzen nicht lassen und sagte:
Und er fügte hinzu:„Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie.“
„Mit so einer Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden.“
Es sollte sein letzter Auftritt im Fernsehen sein.[3] Am 17. März 2006 erschien im Magazin der Süddeutschen Zeitung ein längeres Interview, in dem Rudi Carrell sehr offen über den Tod sprach.[4]
Zum Schluss lebte Rudi Carrell zurückgezogen auf seinem Gutshof in Syke Stadtteil Wachendorf im Landkreis Diepholz. Er starb am 7. Juli 2006 gegen Mittag im Alter von 71 Jahren im Klinikum Bremen-Ost an Lungenkrebs. Am 9. Juli 2006 fand im engsten Familienkreis eine Trauerfeier statt. Carrell wurde am 25. Juli auf dem Friedhof im niedersächsischen Heiligenfelde (Syke) beigesetzt.[5] Aufgrund seines letzten Wunsches wurde die Urne seiner zweiten Ehefrau umgebettet und ruht jetzt neben ihm auf dem Friedhof. Rudi Carrell kündigte kurz vor seinem Tod in einem Interview mit dem „SZ-Magazin“ an, auf eine öffentliche Beerdigung verzichten zu wollen: „Aus Angst vor den Jacob Sisters. Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre. Die waren ja auch bei Moshammer.“[6]
Am 16. Mai 1957 heiratete Rudi Carrell die Niederländerin Truus de Vries (* 1937). Aus dieser Ehe stammen die Töchter Annemieke (* 20. August 1958) und Caroline (* 15. Juli 1962). 1967 trennten sich die Ehepartner, zur Scheidung kam es erst 1973. Am 1. Februar 1974 heiratete er die Bremerin Anke Bobbert (* 1940, † 2000), die Mutter seines Sohnes Alexander (* 3. Juni 1977). Von 1985 bis 2000 war er mit der Drehbuchautorin Susanne Hoffmann (* 1960, † 2003) liiert, wozu er sich 1997 öffentlich bekannte. Bald nach dem Tod seiner Frau Anke am 23. Februar 2000 durch Herzversagen kam es auch zur Trennung von Susanne Hoffmann, die im Alter von 43 Jahren am 6. April 2003 an einem Gehirntumor starb. Den Rechtsstreit mit ihren Erben konnte Carrell durch einen Vergleich beenden. Am 7. Februar 2001 heiratete er in Australien seine dritte Ehefrau, die damals 30-jährige Magdeburger Köchin Simone Felischak (* 8. Mai 1970), die er 1995 beim Golfspiel in Bad Griesbach im Rottal kennengelernt hatte.
| Chartplatzierungen
Erklärung der Daten | ||||||||||||||||||||||||
| Singles | ||||||||||||||||||||||||
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| Vorgängerin | Amt | Nachfolgerin |
| Teddy Scholten | Niederlande beim Eurovision Song Contest 1960 |
Greetje Kauffeld |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carrell, Rudi |
| ALTERNATIVNAMEN | Kesselaar, Rudolf Wijbrand (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Showmaster |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1934 |
| GEBURTSORT | Alkmaar (Niederlande) |
| STERBEDATUM | 7. Juli 2006 |
| STERBEORT | Bremen |