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Rudi Dutschke

Rudi Dutschke

Alfred Willi Rudi Dutschke, Rufname Rudi (* 7. MĂ€rz 1940 in Schönefeld bei Luckenwalde; † 24. Dezember 1979 in Aarhus, DĂ€nemark), war ein deutscher marxistischer Soziologe. Er gilt als bekanntester WortfĂŒhrer der westdeutschen und West-Berliner Studentenbewegung der 1960er Jahre.

Dutschke war mit Gretchen Dutschke-Klotz verheiratet, mit der er drei Kinder hatte. Er starb an den SpÀtfolgen eines Attentats, bei dem er schwere Hirnverletzungen davongetragen hatte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Studium

Rudi Dutschke, vierter Sohn eines Postbeamten, verbrachte seine Jugendjahre in der DDR. Er war in der evangelischen Jungen Gemeinde von Luckenwalde aktiv, wo er seine „religiös sozialistische“ GrundprĂ€gung erhielt. Als Leistungssportler (Zehnkampf) wollte er zunĂ€chst Sportreporter werden. Um seine Chancen fĂŒr eine entsprechende Ausbildung in der DDR zu erhöhen, trat er 1956 in die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein.[1]

Gedenktafel vor dem Luckenwalder Gymnasium

Durch den Ungarischen Volksaufstand im selben Jahr wurde Dutschke politisiert. Er ergriff Partei fĂŒr einen Demokratischen Sozialismus, der sich gleichermaßen von den USA und der Sowjetunion distanzierte. Der SED stand er ebenfalls ablehnend gegenĂŒber. Im Gegensatz zum antifaschistischen Anspruch ihrer Staatsideologie sah er die alten Strukturen und MentalitĂ€ten im Osten ebenso fortdauern wie im Westen.[2]

1957 trat er öffentlich gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft und fĂŒr Reisefreiheit ein. Er verweigerte den (damals freiwilligen) Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee und rief andere dazu auf, es ihm gleichzutun. Nach seinem Abitur 1958 und nochmals nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann in einem Luckenwalder Volkseigenen Betrieb verwehrten die DDR-Behörden ihm daher das gewĂŒnschte Sportjournalistikstudium.[3]

Daraufhin pendelte Dutschke regelmĂ€ĂŸig nach West-Berlin und wiederholte dort zunĂ€chst sein Abitur an der Askanischen Oberschule Berlin, da ein DDR-Abitur im Westen nicht als Hochschulreife anerkannt wurde. Nach bisheriger Quellenlage soll er nebenher Sportreportagen, unter anderem fĂŒr die B.Z. aus dem Axel-Springer-Verlag, geschrieben haben. Im Verlag gibt es darĂŒber aber keine Unterlagen. Stattdessen könnte er sich von Januar bis August 1961 in Chemnitz (damals: Karl-Marx-Stadt) aufgehalten haben.[4] 1961, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer, siedelte er nach West-Berlin ĂŒber, um Soziologie, Ethnologie, Philosophie und Geschichtswissenschaft an der Freien UniversitĂ€t (FU) zu studieren. Ihr blieb er bis zu seiner Promotion 1973 verbunden.

ZunĂ€chst studierte Dutschke den Existentialismus Martin Heideggers und Jean-Paul Sartres, bald aber auch Marxismus und die Geschichte der Arbeiterbewegung: Er las die FrĂŒhschriften von Karl Marx, Werke der marxistischen Geschichtsphilosophen Georg LukĂĄcs und Ernst Bloch sowie der Kritischen Theorie (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse). Angeregt durch die Begegnung mit der US-amerikanischen Theologiestudentin Gretchen Klotz – seiner spĂ€teren Frau – las er auch Werke von Theologen wie Karl Barth und Paul Tillich. Aus seinem christlich geprĂ€gten wurde nun ein marxistisch fundierter Sozialismus. Dabei betonte er jedoch immer die Entscheidungsfreiheit des Individuums gegenĂŒber den gesellschaftlichen VerhĂ€ltnissen.[5]

Studentenbewegung

Dutschke verband sein Studium schon frĂŒh mit praktischem Engagement. So gab er etwa die Zeitschrift Anschlag heraus, in der Kritik am Kapitalismus, die Probleme der Dritten Welt und neue politische Organisationsformen thematisiert wurden. Das Blatt galt wegen seiner „aktionistischen“ Ausrichtung im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) damals als „anarchistisch“.[6]

1962 grĂŒndete Dutschke mit Bernd Rabehl eine Berliner Gruppe der MĂŒnchner „Subversiven Aktion“, die sich als Teil der Situationistischen Internationale verstand. Im Dezember 1964 organisierte er anlĂ€sslich des Staatsbesuchs des kongolesischen Premierministers MoĂŻse TschombĂ© mit einem Dritte-Welt-Kreis eine Demonstration, an der auch der Berliner SDS teilnahm, in dem Dutschke und seine Gruppe im Januar 1965 Mitglieder wurden; im Februar 1965 wurde er in den politischen Beirat gewĂ€hlt und bestimmte die politische Richtung im SDS fortan mit.[7]

Ab 1966 organisierte Dutschke mit dem SDS zahlreiche Demonstrationen fĂŒr Hochschulreformen, gegen die Große Koalition, die Notstandsgesetze und den Vietnamkrieg. Die wachsende Studentenbewegung verknĂŒpfte diese Themen und die Kritik an der mangelnden Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit miteinander und verstand sich nun als Teil einer Außerparlamentarischen Opposition (APO).[8]

Am 23. MĂ€rz 1966 heiratete Dutschke Gretchen Klotz. Im Mai 1966 bereitete er den bundesweiten Vietnamkongress in Frankfurt am Main mit vor. Hauptreferate dort hielten bekannte Professoren der Neuen Linken (u. a. Herbert Marcuse, Oskar Negt) und der eher „traditionalistischen“ Linken außerhalb der SPD (Frank Deppe, Wolfgang Abendroth).[9]

In jenem Jahr wollte Dutschke mit einer Arbeit ĂŒber LukĂĄcs bei Professor Hans-Joachim Lieber, dem damaligen Rektor der FU, promovieren. Nach Auseinandersetzungen um das politische Mandat des Berliner AStA und die Nutzung von UniversitĂ€tsrĂ€umen fĂŒr Aktionen gegen den Vietnamkrieg verlĂ€ngerte Lieber Dutschkes Assistentenvertrag an der FU Berlin nicht. Damit schied eine akademische Laufbahn fĂŒr ihn vorerst aus.[10]

Nachdem der Polizist Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien erschossen hatte, riefen Dutschke und der SDS bundesweit zu Sitzblockaden auf, um die AufklĂ€rung der TodesumstĂ€nde zu erzwingen. Zudem forderten sie den RĂŒcktritt der Verantwortlichen fĂŒr den Polizeieinsatz und die Enteignung des Verlegers Axel Springer. Die Studenten machten die kampagnenartige Berichterstattung der Zeitungen seines Verlags fĂŒr Ohnesorgs Tod mitverantwortlich. Ihre Sicht wurde nun auch erstmals von etablierten Medien – dem Spiegel, der Frankfurter Rundschau und der Zeit – aufgegriffen. Jedoch solidarisierten sich nur wenige Professoren, darunter Dutschkes Freund Helmut Gollwitzer, mit den protestierenden Studenten.[11]

Nach der Beisetzung Benno Ohnesorgs nahm Dutschke am Kongress „Bedingung und Organisation des Widerstands“ in Hannover teil.[12] Podiumsdiskussionen und Interviews, u. a. mit Rudolf Augstein, Ralf Dahrendorf und GĂŒnter Gaus, machten Dutschke nun auch bundesweit bekannt.[13] Wichtiger war ihm jedoch der Kontakt zu jungen Arbeitern. Dies zeigte er z. B. bei einem im Februar 1968 von Jungsozialisten im Ruhrgebiet organisierten StreitgesprĂ€ch mit Johannes Rau, damals Fraktionsvorsitzender der SPD im nordrhein-westfĂ€lischen Landtag, zum Thema „Sind wir Demokraten?“ Auf fĂŒr ihn typische antiautoritĂ€re Art zeigte sich Dutschke unangepasst und respektlos, kritisierte parlamentarische Rituale und Institutionen und forderte eine „Einheitsfront von Arbeitern und Studenten“. Dieses Ziel behinderte er jedoch hĂ€ufig selbst durch seine akademisch-soziologische Ausdrucksweise.

Sein Auftreten polarisierte die Öffentlichkeit; er erfuhr zunehmend auch Ablehnung und Hass. Die Zeitungen des Springerverlags und viele Regionalzeitungen setzten ihn – wie die 68er insgesamt, als deren Symbolfigur er nun galt – u. a. mit Hinweisen auf sein „ungepflegtes Äußeres“ und seine DDR-Herkunft herab. Als er bei einem „Go-in“ im Weihnachtsgottesdienst 1967 der Berliner Kaiser-Wilhelm-GedĂ€chtniskirche versuchte, eine Diskussion ĂŒber den Vietnamkrieg herbeizufĂŒhren, schlug ein wĂŒtender Gottesdienstbesucher ihn nieder und verletzte ihn.[14] Im Februar 1968 zitierte die Berliner Morgenpost den CSU-Bundestagsabgeordneten Franz Xaver Unertl, der den „SDS-Ideologen Dutschke” als „ungewaschene, verlauste und verdreckte Kreatur” bezeichnete.[15]

1966 entwickelte Dutschke das Projekt einer GegenuniversitĂ€t von FU-Studenten und Jungarbeitern. Sie sollten nach dem Vorbild Ă€hnlicher Versuche an den UniversitĂ€ten von Berkeley und Paris eigene Vorstellungen basisdemokratischen Lernens umsetzen und mit dem Aufbau einer fĂŒr SchĂŒler und Arbeiter offenen „GegenuniversitĂ€t“ beginnen.[16] Der letzte Versuch dieses Projekts, das an die Tradition der "Marxistischen Arbeiterschulung" (MASCH) von Karl A. Wittvogel, Karl Korsch und Hermann Duncker in der Weimarer Republik anknĂŒpfen und die AnstĂ¶ĂŸe der kalifornischen "free universities" aufnehmen sollte, war das im FrĂŒhjahr 1968 von Rudi Dutschke und Gaston Salvatore gegrĂŒndete "Internationale Nachrichten- und Forschungs-Institut" (INFI). Die - unabhĂ€ngig davon - am 1. November 1967 trotz Verbots des Akademischen Senats im Auditorium maximum der FU gegrĂŒndete „Kritische UniversitĂ€t“ wurde auf einer Sitzung der Hochschulpolitiker des Berliner SDS am 18. Juni 1967 im Clubhaus der FU vorbereitet, fĂŒr die Wolfgang Nitsch eine Vorlage "Argumente fĂŒr eine von Studenten selbstorganisierte 'Kritische UniversitĂ€t' in der FU (Freies Studienprogramm der Studentenschaft)" erarbeitet hatte.[17] Im Wintersemester 1967/68 fĂŒhrten etwa 400 West-Berliner Studenten in Eigenregie 33 Arbeitskreise durch. Die drei Hauptaufgaben umriß die BroschĂŒre der KU so: "1. Permanente Hochschulkritik und praktische Studienreform; 2. Verbreiterung und Intensivierung politischer Praxis ...; 3. Vorbereitung der Studenten auf die Praxis der Wissenschafts- und Gesellschaftspolitik in ihren kĂŒnftigen Berufen und UnterstĂŒtzung der kritischen Intelligenz in diesem Berufsbereich". Zwei Arbeitskreise thematisierten „Wirtschaftskrise und Sozialpolitik in Westberlin“ oder „Rechtsstaat und Demokratie in Deutschland“.

Nach Ablehnung durch den Akademischen Senat der FU fand am 17. und 18. Februar 1968 an der Berliner TU der Vietnamkongress mit einigen tausend Studenten statt. Dutschke bereitete ihn im Internationalen Nachrichten- und Forschungs-Institut maßgeblich mit vor. An der Abschlussdemonstration nahmen ĂŒber 12.000 Menschen teil.[18] Dabei rief Dutschke zur massenhaften Desertion US-amerikanischer Soldaten und zur „Zerschlagung der NATO“ auf. Die von ihm ursprĂŒnglich geplante, vom Innensenator Kurt Neubauer verbotene Demonstrationsroute nach Berlin-Lichterfelde zur McNair-Kaserne und deren Besetzung hatte er nach GesprĂ€chen mit GĂŒnter Grass, Landesbischof Kurt Scharf und Heinrich Albertz aufgegeben, da die US-MilitĂ€rs fĂŒr diesen Fall Schusswaffengebrauch angekĂŒndigt hatten.[19]

Bei einer vom Berliner Senat mit organisierten „Pro-Amerika-Demonstration“ am 21. Februar 1968 trugen Teilnehmer Plakate mit der Aufschrift „Volksfeind Nr. 1: Rudi Dutschke“. Ein Passant wurde mit Dutschke verwechselt, Demonstrationsteilnehmer drohten ihn totzuschlagen.[20]

Ende MĂ€rz 1968 reiste das Ehepaar Dutschke nach Prag, wo er den Prager FrĂŒhling begrĂŒĂŸte.

Attentat

Gedenktafel fĂŒr Rudi Dutschke am Tatort vor dem Haus KurfĂŒrstendamm 141

Am 11. April 1968 schoss der junge Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor dem SDS-BĂŒro am West-Berliner KurfĂŒrstendamm dreimal auf Dutschke. Er traf ihn zweimal in den Kopf, einmal in die linke Schulter. Dutschke erlitt lebensgefĂ€hrliche Gehirnverletzungen und ĂŒberlebte nur knapp nach einer mehrstĂŒndigen Operation.[21]

Bachmann hatte Ausschnitte aus der National-Zeitung bei sich, darunter die Titelzeile „Stoppt den roten Rudi jetzt“ und Fotos von Dutschke. In seiner Wohnung hing ein selbstgemaltes PortrĂ€t Adolf Hitlers.[22] Man vermutete daher rechtsextreme Motive eines EinzeltĂ€ters.[23] Bachmann hatte in seiner Heimatstadt Peine seit 1961 Kontakte zu Neonazis. Von ihnen hatte er die Tatwaffe gekauft, an ihren SchieĂŸĂŒbungen teilgenommen und bereits zuvor ein Attentat auf Walter Ulbricht mit ihnen ins Auge gefasst.

Diese HintergrĂŒnde, die erst 2009 aus Unterlagen der DDR-Staatssicherheit und der West-Berliner Polizei öffentlich bekannt wurden, hatte Bachmann bei seiner Vernehmung offen zugegeben. Die Ermittler waren der Möglichkeit, dass Bachmann das Attentat mit anderen geplant haben könnte, nicht nachgegangen.[24]

1968 machten viele Studenten die Springerpresse fĂŒr das Attentat verantwortlich, da diese zuvor monatelang gegen Dutschke und die demonstrierenden Studenten agitiert hatte. Die Boulevardzeitung Bild schrieb z. B. am 7. Februar 1968: „Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern ĂŒberlassen.“ Sie rief Tage vor dem Attentat zum „Ergreifen“ der „RĂ€delsfĂŒhrer“ auf.[25] Bei den folgenden Ausschreitungen – den bis dahin schwersten – wurden das GebĂ€ude des Springerverlags angegriffen und Auslieferungsfahrzeuge fĂŒr seine Zeitungen angezĂŒndet.[26]

Dutschke eignete sich Sprache und GedĂ€chtnis in monatelanger Sprachtherapie mĂŒhsam wieder an. Zur Genesung hielt er sich ab 1969 in der Schweiz, Italien und Großbritannien auf. Nach vorĂŒbergehender Ausweisung von dort konnte er 1970 ein Studium an der UniversitĂ€t Cambridge beginnen. Nach dem Regierungswechsel 1970 wurde seine Aufenthaltserlaubnis jedoch aufgehoben. Daraufhin zog er nach DĂ€nemark, wo ihn die UniversitĂ€t Aarhus als Soziologiedozenten anstellte.[27]

Bachmann wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dutschke nahm brieflich Kontakt mit ihm auf, erklĂ€rte ihm, er habe keinen persönlichen Groll gegen ihn, und versuchte, ihm ein sozialistisches Engagement nahezubringen. Bachmann beging jedoch am 24. Februar 1970 im GefĂ€ngnis Selbstmord. Dutschke bereute, ihm nicht öfter geschrieben zu haben: „[
] der Kampf fĂŒr die Befreiung hat gerade erst begonnen; leider kann Bachmann daran nun nicht mehr teilnehmen [
]“[28]

SpÀtzeit

Rudi Dutschke (vorn links) auf der Anti-AKW-Demonstration am 14. Oktober 1979 in Bonn

Ab Mai 1972 bereiste Dutschke wieder die Bundesrepublik. Er suchte GesprÀche mit Gewerkschaftern und Sozialdemokraten, darunter Gustav Heinemann, dessen Vision eines blockfreien, entmilitarisierten Gesamtdeutschlands er teilte.[29] Im Juli 1972 besuchte er mehrmals Ost-Berlin und traf dort Wolf Biermann, mit dem er fortan befreundet blieb. Auch mit anderen SED-Dissidenten wie Robert Havemann und Rudolf Bahro nahm er spÀter Kontakt auf.[30] Am 14. Januar 1973 redete er auf einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in Bonn erstmals nach dem Attentat wieder öffentlich.

Im gleichen Jahr kehrte Dutschke nach Berlin zurĂŒck, um seine unter dem Titel „Zur Differenz des asiatischen und europĂ€ischen Weges zum Sozialismus“ begonnene Dissertation abzuschließen, an der er seit 1971 schrieb.[31] Die Arbeit wurde von den Soziologen Urs Jaeggi und Peter Furth betreut. Mitte 1973 wurde Dutschke zum Dr. phil. promoviert, das Buch erschien im August 1974 in leicht ĂŒberarbeiteter Form im Wagenbach-Verlag als „Versuch, Lenin auf die FĂŒĂŸe zu stellen“.[32] Der neue Titel variiert den bekannten Ausspruch von Marx, er wolle „Hegel vom Kopf auf die FĂŒĂŸe stellen“. Die Arbeit löste nicht die von Dutschke erhoffte Grundsatzdebatte ĂŒber das VerhĂ€ltnis der Linken im Westen zum real existierenden Sozialismus aus. Auch eine wissenschaftliche Karriere im Anschluss an seine Promotion, auf die Dutschkes Freunde gehofft hatten,[33] kam nicht zustande. 1975 erhielt er zwar ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der FU Berlin,[34] doch schloss er keines seiner verschiedenen Buchprojekte mehr ab. Stattdessen wandte er sich wieder verstĂ€rkt der Politik zu.[35]

Im Februar 1974 leitete er eine Podiumsdiskussion ĂŒber Solschenizyn und die Linke, in der er fĂŒr Menschenrechte in der Sowjetunion und im Ostblock eintrat.[36] Seit 1976 war er Mitglied im Sozialistischen BĂŒro, einer „undogmatischen“ linken Gruppe, die beim Zerfall des SDS entstanden war. Hier engagierte er sich fĂŒr den Aufbau einer Partei, die grĂŒn-alternative und linke Initiativen ohne die K-Gruppen vereinen sollte.[37]

Ab Januar 1976 nahm Dutschke Kontakt zu Atomkraftgegnern auf, besuchte Walter Moßmann und nahm an Großdemonstrationen gegen Atomkraftwerke in Wyhl am Kaiserstuhl, Bonn und Brokdorf teil.[38] 1977 wurde er freier Mitarbeiter verschiedener linksgerichteter Zeitungen und Gastdozent an der UniversitĂ€t Groningen in den Niederlanden.[39] Er unternahm Vortragsreisen ĂŒber die Studentenbewegung und nahm am „Internationalen Russell-Tribunal“ gegen Berufsverbote teil. Er begann einen Briefwechsel mit dem Schriftsteller Peter-Paul Zahl, besuchte ihn am 24. Oktober 1977 in dessen Haft und verabredete ein gemeinsames Buchprojekt mit ihm.[40]

Nachdem Rudolf Bahro in der DDR zu acht Jahren Haft verurteilt worden war, organisierte und leitete Dutschke im November 1978 den Bahro-SolidaritĂ€tskongress in West-Berlin.[41] 1979 wurde er Mitglied der Bremer GrĂŒnen Liste und beteiligte sich an ihrem Wahlkampf. Nach ihrem Einzug in das Stadtparlament wurde er zum Delegierten fĂŒr den fĂŒr Mitte Januar 1980 geplanten GrĂŒndungskongress der Partei Die GrĂŒnen gewĂ€hlt.[42]

Am 24. Dezember 1979 ertrank Dutschke in seiner Badewanne infolge eines epileptischen Anfalls, einer SpĂ€tfolge des Attentats.[43][44] Am 3. Januar 1980 wurde er auf dem St.-Annen-Kirchhof in Berlin-Dahlem feierlich beigesetzt. Der Theologe Martin Niemöller hatte ihm sein Grab ĂŒberlassen, nachdem dort zunĂ€chst kein Grabplatz frei war.[45] Etwa 6000 GĂ€ste begleiteten den Trauerzug, Helmut Gollwitzer hielt die Traueransprache.[46] Die EhrengrabstĂ€tte befindet sich in der Reihe 28.

Dutschkes zweiter Sohn Rudi-Marek wurde im April 1980 in DÀnemark geboren. Sein erster Sohn, Hosea Ché, war 1968, seine Tochter Polly Nicole 1969 geboren worden.[47]

Denken

Grundposition

Dutschke verstand sich seit seiner Jugendzeit als demokratischer Sozialist. In seiner Studienzeit entwickelte er sich zu einem ĂŒberzeugten revolutionĂ€ren Marxisten, der sich in die freiheitlichen Traditionen der Arbeiterbewegung stellte und sich sowohl vom Reformismus wie vom Stalinismus abgrenzte.[48]

Dutschkes Ziel war die „Abschaffung von Hunger, Krieg und Herrschaft“[49] durch eine „Weltrevolution“. Damit knĂŒpfte er an den christlichen Sozialismus seiner Jugend an:[50]

„Christentum habe ich insofern bis zu meinem Abhauen aus der DDR nie als Staatskirche, nie als Herrschafts-Opium kennengelernt. Es ging immer darum, die Liebe und Hoffnung auf bessere Zeiten nicht untergehen zu lassen.“

1964 zum Karfreitag schrieb er in sein Tagebuch ĂŒber „der Welt grĂ¶ĂŸten RevolutionĂ€r“:[51]

„Jesus Christus zeigt allen Menschen einen Weg zum Selbst – diese Gewinnung der inneren Freiheit ist fĂŒr mich allerdings nicht zu trennen von der Gewinnung eines Höchstmaßes an Ă€ußerer Freiheit, die gleichermaßen und vielleicht noch mehr erkĂ€mpft sein will.“

1978 erklÀrte er bei einem Treffen mit Martin Niemöller:[52]

„Ich bin ein Sozialist, der in der christlichen Tradition steht. Ich bin stolz auf diese Tradition. Ich sehe Christentum als spezifischen Ausdruck der Hoffnungen und TrĂ€ume der Menschheit.“

Ausdruck dafĂŒr waren die lebenslange Freundschaft zu Helmut Gollwitzer und der Doppelname seines ersten Sohnes „Hosea-ChĂ©â€œ, der auf den biblischen Propheten Hosea und den argentinischen Guerilla-KĂ€mpfer Che Guevara anspielte.

Ökonomische Analyse

Dutschke versuchte, die marxsche „Kritik der politischen Ökonomie“ auf die Gegenwart anzuwenden und weiterzuentwickeln.[53] Er sah das Wirtschafts- und Sozialsystem der Bundesrepublik als Teil eines weltweiten komplexen Kapitalismus, der alle Lebensbereiche durchdringe und die lohnabhĂ€ngige Bevölkerung unterdrĂŒcke. Die soziale Marktwirtschaft beteilige das Proletariat zwar am relativen Wohlstand der fortgeschrittenen IndustrielĂ€nder, binde es dadurch aber in den Kapitalismus ein und tĂ€usche es ĂŒber die tatsĂ€chlichen MachtverhĂ€ltnisse hinweg.

ReprĂ€sentative Demokratie und Parlamentarismus waren daher fĂŒr Dutschke Ausdruck einer „repressiven Toleranz“ (Herbert Marcuse), die die Ausbeutung der Arbeiter verschleiere und die Privilegien der Besitzenden schĂŒtze. Diese Strukturen sah er als nicht reformierbar an; sie mĂŒssten vielmehr in einem langwierigen, international differenzierten Revolutionsprozess umgewĂ€lzt werden, den er als „Marsch durch die Institutionen“ bezeichnete.

In der Bundesrepublik erwartete Dutschke nach dem Wirtschaftswunder eine Periode der Stagnation: Die Subventionierung unproduktiver Sektoren wie Landwirtschaft und Bergbau werde kĂŒnftig nicht mehr finanzierbar sein. Der dadurch absehbare massive Abbau von ArbeitsplĂ€tzen im SpĂ€tkapitalismus werde eine Strukturkrise erzeugen, die den Staat zu immer tieferen Eingriffen in die Wirtschaft veranlassen und in einen „integralen Etatismus“ mĂŒnden werde: Dieser aus einer Analyse Max Horkheimers von 1939 ĂŒbernommene Begriff beschreibt einen Staat, der die Wirtschaft lenke, aber das Privateigentum formal beibehalte.[54] Dieser Zustand sei nur mit Gewalt gegen die aufbegehrenden Opfer der Strukturkrise zu stabilisieren.

Im technischen Fortschritt sah Dutschke Ansatzpunkte fĂŒr eine grundlegende GesellschaftsverĂ€nderung: Automatisierung, Computerisierung und Nutzung der Atomkraft zu friedlichen Zwecken ließen die Notwendigkeit der Lohnarbeit zunehmend wegfallen.[55] Damit werde Arbeitszeit freigesetzt, die gegen das „System“ aktiviert werden könne. FĂŒr den nötigen Umsturz fehle der Bundesrepublik jedoch ein „revolutionĂ€res Subjekt“. GestĂŒtzt auf Marcuses Der eindimensionale Mensch glaubte Dutschke, ein „gigantisches System von Manipulation“ stelle „eine neue QualitĂ€t von Leiden der Massen her, die nicht mehr aus sich heraus fĂ€hig sind, sich zu empören.“ Die deutschen Proletarier lebten verblendet in einem „falschen Bewusstsein“ und könnten die strukturelle Gewalt des kapitalistischen Staates daher nicht mehr unmittelbar wahrnehmen. Eine „Selbstorganisation ihrer Interessen, BedĂŒrfnisse, WĂŒnsche“ sei damit „geschichtlich unmöglich geworden“.[56]

VerhÀltnis zum Parlamentarismus

Dutschke lehnte die reprÀsentative Demokratie in den 1960er Jahren ab, weil er das Parlament nicht als Volksvertretung ansah. In einem Fernsehinterview erklÀrte er am 3. Dezember 1967:[57]

„Ich halte das bestehende parlamentarische System fĂŒr unbrauchbar. Das heißt, wir haben in unserem Parlament keine ReprĂ€sentanten, die die Interessen unserer Bevölkerung – die wirklichen Interessen unserer Bevölkerung â€“ ausdrĂŒcken. Sie können jetzt fragen: Welche wirklichen Interessen? Aber da sind AnsprĂŒche da. Sogar im Parlament. Wiedervereinigungsanspruch, Sicherung der ArbeitsplĂ€tze, Sicherung der Staatsfinanzen, in Ordnung zu bringende Ökonomie, all das sind AnsprĂŒche, die muss aber das Parlament verwirklichen. Aber das kann es nur verwirklichen, wenn es einen kritischen Dialog herstellt mit der Bevölkerung. Nun gibt es aber eine totale Trennung zwischen den ReprĂ€sentanten im Parlament und dem in UnmĂŒndigkeit gehaltenen Volk.“

Um diese Entfremdung zwischen Regierenden und Regierten zu ĂŒberwinden, strebte Dutschke eine RĂ€terepublik an.[58] In einem „GesprĂ€ch ĂŒber die Zukunft“ im Oktober 1967 im Kursbuch entwarf er „das Modell einer RĂ€terepublik in Westberlin“. Wie in der Pariser Kommune sollten sich auf der Basis selbstverwalteter Betriebe Kollektive von höchstens dreitausend Menschen bilden, um ihre Angelegenheiten im herrschaftsfreien Diskurs, mit Rotationsprinzip und imperativem Mandat ganzheitlich selbst zu regeln. Polizei, Justiz und GefĂ€ngnisse wĂŒrden dann ĂŒberflĂŒssig. Auch werde man nur fĂŒnf Stunden tĂ€glich arbeiten mĂŒssen:[59]

„FrĂŒher war der Betrieb die Ebene, wo das Leben totgeschlagen wurde. Indem die Fabrik unter eigene Kontrolle genommen wird, kann sich in ihr Leben entfalten. Arbeit kann dann Selbsterzeugung des Individuums bedeuten statt Entfremdung.“

Als Keimzellen solcher Kollektive schlug er politische „Aktionszentren“ vor, die das studentische Milieu mit der Lebenswelt der Arbeiter vermitteln und andere Formen des Zusammenlebens ausprobieren sollten. Dies fand er spĂ€ter in den BĂŒrgerinitiativen, der Alternativ- und Ökologiebewegung teilweise realisiert.

Der Faschismus wirkte fĂŒr Dutschke auch in seiner Gegenwart fort. In seiner Rede vor dem Vietnam-Kongress vom 18. Februar 1968 sagte er:[60]

„Der heutige Faschismus ist nicht mehr manifestiert in einer Partei oder in einer Person, er liegt in der tagtĂ€glichen Ausbildung der Menschen zu autoritĂ€ren Persönlichkeiten, er liegt in der Erziehung, kurz in der entstehenden TotalitĂ€t der Institutionen und des Staatsapparats.“

Mit Bezug auf Erich Fromms Sozialpsychologie und die 1950 erschienene Studie Theodor W. Adornos und anderer zur autoritÀren Persönlichkeit schrieb er 1968:[61]

„Diese Persönlichkeitsgrundlage des Faschismus wurde auch durch die Ă€ußerliche Niederlage des Faschismus in Deutschland nicht ĂŒberwunden, konnte vielmehr im wesentlichen ungebrochen in Antikommunismus transformiert werden.“

Vor wie nach dem Attentat grenzte er sich von fast allen bestehenden Parteien ab und suchte stĂ€ndig nach neuen, unmittelbar wirksamen Aktionsformen. Zugleich fand er im italienischen Eurokommunismus Geistesverwandte und erwog schon frĂŒh die GrĂŒndung einer neuen Linkspartei. Doch seine Skepsis gegen eine verselbstĂ€ndigte „revisionistische“ Partei-Elite ĂŒberwog.

Seit 1976 engagierte Dutschke sich fĂŒr den Aufbau einer ökosozialistischen Partei, die die neuen außerparlamentarischen Bewegungen bĂŒndeln und parlamentarisch wirksam werden lassen sollte. Ab 1978 setzte er sich mit anderen fĂŒr eine grĂŒnalternative Liste ein, die an den kommenden Europawahlen teilnehmen sollte. Im Juni 1979 gewann Joseph Beuys ihn fĂŒr gemeinsame Wahlkampfauftritte. Mit seinem Eintritt in die Bremer GrĂŒne Liste, die als erster grĂŒner Landesverband die FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde ĂŒbersprang, hatte er sich schließlich dem Parlamentarismus zugewandt.

Auf dem Programmkongress der GrĂŒnen in Offenbach am Main trat Dutschke in Verbindung mit der „Deutschen Frage“ fĂŒr das Selbstbestimmungsrecht der Nationen und damit fĂŒr ein Widerstandsrecht gegen die MilitĂ€rblöcke in West wie Ost ein. Dieses Thema warf sonst niemand auf, da es der strikten Gewaltfreiheit widersprach, auf die sich die Mehrheit dann festlegte: Die GrĂŒnen verstanden sich damals als streng pazifistische Antiparteienpartei.[62]

Antiimperialistische Gewalt und antiautoritÀre Provokation

Dutschke glaubte wie viele seiner Mitstreiter im SDS, der Vietnamkrieg der USA, die Notstandsgesetze in der Bundesrepublik und die stalinistischen BĂŒrokratien im Ostblock seien Teilaspekte der weltweiten autoritĂ€ren Kapitalherrschaft ĂŒber die entmĂŒndigten Völker.[63] Jedoch seien die Bedingungen fĂŒr die Überwindung des weltweiten Kapitalismus in den reichen Industriestaaten und der „Dritten Welt“ verschieden. Anders als Marx es erwartete, werde die Revolution nicht im hochindustrialisierten Mitteleuropa beginnen, sondern von den verarmten und unterdrĂŒckten Völkern der „Peripherie“ des Weltmarkts ausgehen.

Im Vietnamkrieg sah Dutschke den Beginn dieser revolutionĂ€ren Entwicklung, die auch auf andere Dritte-Welt-LĂ€nder ĂŒbergreifen könne. Er bejahte die MilitĂ€rgewalt des Vietcong:[64]

„Dieser revolutionĂ€re Krieg ist furchtbar, aber furchtbarer wĂŒrden die Leiden der Völker sein, wenn nicht durch den bewaffneten Kampf der Krieg ĂŒberhaupt von den Menschen abgeschafft wird.“

Dutschke teilte hier die antiimperialistische Theorie von Frantz Fanon im Anschluss an Lenin, wonach der von „revolutionĂ€rem Hass“ geleitete Befreiungskampf der Völker zuerst die „schwĂ€chsten Glieder“ in der Kette des Imperialismus zerreißen werde und dies unterstĂŒtzt werden mĂŒsse: Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnams! Er unterschied also „befreiende“ von „unterdrĂŒckender“ Gewalt und rechtfertigte erstere im Kontext nationaler BefreiungskĂ€mpfe in der Dritten Welt.[65] Die SolidaritĂ€t mit diesen KĂ€mpfen hielt er auch deshalb fĂŒr notwendig, um wirksame Widerstandsformen in den „Metropolen“ zu finden:[66]

„Die volle Identifikation mit der Notwendigkeit des revolutionĂ€ren Terrorismus und des revolutionĂ€ren Kampfes in der Dritten Welt ist unerlĂ€ĂŸliche Bedingung fĂŒr [
] die Entwicklung der Formen des Widerstands bei uns.“

Auch fĂŒr die Bundesrepublik lehnte er gewaltsamen Guerillakampf nicht prinzipiell, aber in der gegebenen Situation ab. Sein Aktionskonzept war seit 1965 auf „subversive“, „antiautoritĂ€re“, auch illegale Regelverletzung ausgerichtet:[67]

„Genehmigte Demonstrationen mĂŒssen in die IllegalitĂ€t ĂŒberfĂŒhrt werden. Die Konfrontation mit der Staatsgewalt ist zu suchen und unbedingt erforderlich.“

Die Protestformen der APO – Sitzstreiks, „Go-Ins“, TomatenwĂŒrfe und „Pudding-Attacken“ auf Staatsbesucher und Herrschaftssymbole, Unterlaufen von Demonstrationsverboten, Verlassen vorgeschriebener Demonstrationsorte und -routen usw. – sollten „die reprĂ€sentative 'Demokratie' [
] zwingen, offen ihren Klassencharakter, ihren Herrschaftscharakter zu zeigen, sie [
] zwingen, sich als 'Diktatur der Gewalt’ zu entlarven“.[68] Die RegelverstĂ¶ĂŸe des antiautoritĂ€ren Protests sollten also die Gewalt, auf der die bĂŒrgerliche Gesellschaft Dutschkes Ansicht nach beruhte, sinnlich erfahrbar machen und so breitenwirksam ĂŒber sie aufklĂ€ren.[69]

Benno Ohnesorgs Erschießung verstĂ€rkte bundesweite Proteste und damit die PlausibilitĂ€t von Dutschkes Aktionskonzept. Er wollte die zugespitzte Lage nutzen, um eine erfolgreiche Revolution herbeizufĂŒhren, deren objektive Bedingungen seines Erachtens bereits vorlagen:[70]

„Die Entwicklungen der ProduktivkrĂ€fte haben einen Prozeßpunkt erreicht, wo die Abschaffung von Hunger, Krieg und Herrschaft materiell möglich geworden ist. Alles hĂ€ngt vom bewußten Willen der Menschen ab, ihre schon immer von ihnen gemachte Geschichte endlich bewußt zu machen, sie zu kontrollieren, sie sich zu unterwerfen [
].“

Zuvor hatte JĂŒrgen Habermas gemahnt:

„Diese Welt ist von Gewalt besessen, wie wir wissen. Aber die Befriedigung daran, durch Herausforderung die sublime Gewalt in manifeste Gewalt umzuwandeln, ist masochistisch, keine Befriedigung also, sondern Unterwerfung unter eben diese Gewalt.“

Nun ergĂ€nzte er: Die Revolution nur von der Entschlossenheit der RevolutionĂ€re abhĂ€ngig zu machen, statt wie Marx auf die Eigenentwicklung der ProduktionsverhĂ€ltnisse zu setzen, sei eine „voluntaristische Ideologie“, die er „linken Faschismus“ nenne. Dutschkes Vorhaben werde faschistische Tendenzen in Staat und Volk wecken, statt sie zu verringern.[71] Dieser glaubte dagegen:[72]

„H[abermas] will nicht begreifen, dass allein sorgfĂ€ltige Aktionen Tote, sowohl fĂŒr die Gegenwart als auch noch mehr fĂŒr die Zukunft 'vermeiden' können. Organisierte Gegengewalt unsererseits ist der grĂ¶ĂŸte Schutz, nicht 'organisierte Abwiegelei' a la H[abermas]. Der Vorwurf der 'voluntaristischen Ideologie' ehrt mich.“

Habermas relativierte seinen Vorwurf des „linken Faschismus“ seit Juli 1967 und nahm ihn im Mai 1968 zurĂŒck.[73]

Im Juli 1967 nannte Dutschke in einem SPIEGEL-Interview Beispiele fĂŒr die geforderte „direkte Aktion“: UnterstĂŒtzen streikender Arbeiter durch SolidaritĂ€tsstreiks und Information ĂŒber ihre objektive Rolle etwa in RĂŒstungsbetrieben, die die US-Armee belieferten, Verhindern der Auslieferung von Springerzeitungen, verbunden mit einer Enteignungskampagne, GrĂŒnden einer Gegen-UniversitĂ€t zur umfassenden AufklĂ€rung der Bevölkerung: ĂŒber Konflikte in der Dritten Welt und ihren Zusammenhang mit innerdeutschen Problemen ebenso wie ĂŒber Rechtsfragen, Medizin, SexualitĂ€t usw. Das Werfen von Eiern, Tomaten und Steinen hielt er nicht fĂŒr wirksamen Protest, lehnte es aber auch nicht generell ab. Er bezog sich dabei auf Mario Savio, den AnfĂŒhrer der Studentenproteste in Berkeley.[74]

In seinem mit Hans-JĂŒrgen Krahl verfassten „Organisationsreferat“ beim Bundeskongress des SDS am 5. September 1967 rĂŒckte Dutschke die Organisation der Proteste in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und bezog sich auf Begriffe aus der Fokustheorie Che Guevaras:[56]

„Die ‚Propaganda der SchĂŒsse‘ (Che Guevara) in der ‚Dritten Welt‘ muß durch die ‚Propaganda der Tat‘ in den Metropolen vervollstĂ€ndigt werden, welche eine Urbanisierung ruraler Guerilla-TĂ€tigkeit geschichtlich möglich macht. Der stĂ€dtische Guerillero ist der Organisator schlechthinniger IrregularitĂ€t als Destruktion des Systems der repressiven Institutionen.“

Die „sinnliche Erfahrung“ dieser sonst „latenten“ staatlichen Gewalt und AufklĂ€rung darĂŒber sollten gemeinsam das „falsche Bewusstsein“ aufheben und die tatsĂ€chliche Unfreiheit zunĂ€chst bei den Akteuren, dann auch bei deklassierten Arbeitern und Arbeitslosen transparent machen. Der RevolutionĂ€r revolutioniere sich damit gleichsam selbst: Dies sei die „entscheidende Voraussetzung fĂŒr die Revolutionierung der Massen“.

1968 nannte Dutschke weitere Aktionsziele:[75]

„Die Durchbrechung der Spielregeln der herrschenden kapitalistischen Ordnung fĂŒhrt nur dann zur manifesten Entlarvung des Systems als ‚Diktatur der Gewalt‘, wenn wir zentrale Nervenpunkte des Systems in mannigfaltiger Form (von gewaltlosen offenen Demonstrationen bis zu konspirativen Aktionsformen) angreifen (Parlament, SteuerĂ€mter, GerichtsgebĂ€ude, Manipulationszentren wie Springer-Hochhaus oder SFB, Amerika-Haus, Botschaften der unterdrĂŒckten Nationen, Armeezentren, Polizeistationen u. a. m.).“

Dutschke unterschied Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Personen; letztere lehnte er zwar nicht prinzipiell, aber fĂŒr die bundesdeutsche Situation ab.[76]Auch an Gewalt gegen Sachen beteiligte er sich nicht aktiv, wenn er auch SprengstoffanschlĂ€ge auf einen Sendemast des amerikanischen Soldatensenders AFN oder ein Schiff mit VersorgungsgĂŒtern fĂŒr die US-Armee in Vietnam mit vorbereitete. Beide AnschlĂ€ge blieben unausgefĂŒhrt.[77][78] Er lehnte bewaffnete Gegengewalt in Westeuropa und den USA aber weiterhin ab:[79]

„Wir haben eine prinzipielle Differenz in der Anwendung der Methoden in der Dritten Welt und in den Metropolen.“

Doch er hielt auch in Deutschland eine Situation fĂŒr möglich, die bewaffnete Gegengewalt erfordere: so im Fall einer Beteiligung der Bundeswehr an NATO-EinsĂ€tzen gegen Dritte-Welt-Revolutionen. In einem Fernsehinterview im Dezember 1967 antwortete er in auf die Frage, ob er notfalls selbst mit der Waffe in der Hand kĂ€mpfen wĂŒrde:[80]

„WĂ€re ich in Lateinamerika, wĂŒrde ich mit der Waffe in der Hand kĂ€mpfen. Ich bin nicht in Lateinamerika, ich bin in der Bundesrepublik. Wir kĂ€mpfen dafĂŒr, daß es nie dazu kommt, daß Waffen in die Hand genommen werden mĂŒssen. Aber das liegt nicht bei uns. Wir sind nicht an der Macht. Die Menschen sind nicht bewußt sich ihres eigenen Schicksals, und so, wenn 1969 der NATO-Austritt nicht vollzogen wird, wenn wir reinkommen in den Prozeß der internationalen Auseinandersetzung – es ist sicher, daß wir dann Waffen benutzen werden, wenn bundesrepublikanische Truppen in Vietnam oder in Bolivien oder anderswo kĂ€mpfen – daß wir dann im eigenen Lande auch kĂ€mpfen werden.“

In weiteren Interviews um die Jahreswende 1967/68 bekrÀftigte Dutschke:[81]

„Wir dĂŒrfen [
] von vornherein nicht auf eigene Gewalt verzichten, denn das wĂŒrde nur einen Freibrief fĂŒr die organisierte Gewalt des Systems bedeuten. [
] Aber die Höhe unserer Gegengewalt bestimmt sich durch das Maß der repressiven Gewalt der Herrschenden. Wir sagen ja zu den Aktionen der AntiautoritĂ€ren, weil sie einen permanenten Lernprozeß der an der Aktion Beteiligten darstellen.“

In diesem reziproken Sinn verlangte er beim Vietnamkongress im Februar 1968 damals verstĂ€rkte, zielgerichtete und auch illegale Aktionen, um den Vietcong indirekt zu unterstĂŒtzen:[82]

„Wenn sich dem Viet-Cong nicht ein amerikanischer, europĂ€ischer und asiatischer Cong zugesellt, wird die vietnamesische Revolution ebenso scheitern wie andere zuvor. [
] Wir wagen es schon, den amerikanischen Imperialismus politisch anzugreifen, aber wir haben noch nicht den Willen mit unserem eigenen Herrschaftsapparat zu brechen, militante Aktionen gegen Manipulationszentren, z.b. gegen die unmenschliche Maschinerie des Springer-Konzerns durchzufĂŒhren, ...“

Dabei wies er auf die Gefahr solcher Aktionen hin:[83]

„Das Problem revolutionĂ€rer Gewalt [ist] der Umschlag von revolutionĂ€rer Gewalt in eine Gewalt, die die Ziele der Gewalt – die Emanzipation des Menschen, die Schaffung des neuen Menschen â€“ vergißt.“

Er selbst rief in der Bundesrepublik stationierte US-Soldaten öffentlich und mit FlugblĂ€ttern, die nachts ĂŒber die KasernenzĂ€une katapultiert wurden, zur massenhaften Desertion auf; diese Aufrufe hatte er 1967 vorgeschlagen. Sie wurden seit Januar 1968 vom SDS, spĂ€ter auch von der Gewerkschaftsjugend und einigen UniversitĂ€tsdozenten ĂŒbernommen.[84] Im RĂŒckblick sah Dutschke die damaligen Aktionen als wirksam an:[85]

„Nach dem Vietnam-Kongress war der Höhepunkt der faschistoiden Tendenz bald beseitigt.“

Nach dem Attentat auf ihn hielt er diese Position durch, betonte nun aber stĂ€rker das ihm zugeschriebene Konzept vom „Marsch durch die Institutionen“, das er als „Kulturrevolution“ verstanden wissen wollte. 1971 erklĂ€rte er selbstkritisch:[86]

„Einige von uns hatten die Illusion, daß es [1968] eine revolutionĂ€re Situation war.“

VerhÀltnis zum Realsozialismus

FĂŒr Dutschke waren Demokratie und Sozialismus seit seiner Jugendzeit untrennbar. Deshalb solidarisierte er sich mit dem Aufstand des 17. Juni 1953 und dem Ungarischen Volksaufstand 1956:[87]

„Die ArbeiterrĂ€te spiegelten die Untrennbarkeit von Demokratie und Sozialismus wider.“

Seither grenzte er sich bewusst vom Marxismus-Leninismus der Sowjetunion und der von ihr beherrschten Staaten ab. Wie Rosa Luxemburg kritisierte er Lenins Diskussions- und Fraktionsverbote innerhalb der Bolschewiki und wollte mit der VerfĂŒgung der Arbeiter ĂŒber die Produktionsmittel die BĂŒrgerrechte bewahren:[88]

„Rosa Luxemburg bestand auf der Erbschaft der bĂŒrgerlichen Revolution, um proletarische Demokratie ermöglichen zu können.“

Er sah die Ideologie der Kommunistischen Internationale als doktrinĂ€ren „Legitimationsmarxismus“, den jeder kritische Marxist als Ausdruck alter und neuer KlassenverhĂ€ltnisse kritisieren mĂŒsse. Darum fragte er beim Moskaubesuch des SDS im Sommer 1965 nach dem KronstĂ€dter Matrosenaufstand 1921. Dessen gewaltsame Niederschlagung sah er als Abkehr Lenins vom echten Marxismus zu einer neuen „bĂŒrokratischen“ Herrschaftsform an.[89]

Im SDS setzte er sich seit 1965 intensiv mit den DDR-Sympathisanten und „Traditionalisten“ und ihrem an Lenins Konzept einer Kaderpartei angelehnten RevolutionsverstĂ€ndnis auseinander. Ein Spitzel im SDS meldete daraufhin dem Ost-Berliner Ministerium fĂŒr Staatssicherheit, Dutschke vertrete „eine völlig anarchistische Position“; der IM Dietrich Staritz meldete im Dezember 1966: Dutschke spricht ausschließlich vom Scheißsozialismus in der DDR.[90]

1966 begrĂŒĂŸte Dutschke Mao Zedongs Kulturrevolution als Beitrag zur erhofften EntbĂŒrokratisierung des Staatskommunismus und zur Überwindung der „Asiatischen Produktionsweise“. Doch schon im Dezember 1966 ĂŒbernahm er Ernest Mandels Kritik am Maoismus:[91]

„'Echte SelbsttĂ€tigkeit der Massen ist bei Mao nicht gestattet’ – eine verdammt kritische Bemerkung.“

Seit dem 17. Juni 1967 forderte und erwartete Dutschke auch im Ostblock eine durchgreifende Revolution zu einem selbstbestimmten Sozialismus. Den von der Bevölkerung getragenen reformkommunistischen Kurs Alexander Dubčeks im Prager FrĂŒhling begrĂŒĂŸte er vorbehaltlos. Bei seinem Pragbesuch verlangte er am 4. April 1968 trotz Redeverbots bei einer Veranstaltung der Christlichen Friedenskonferenz eine „internationale Opposition [
] gegen alle Formen autoritĂ€rer Strukturen“ und fuhr fort:[92]

„Ich denke, daß es in der Tschechoslowakei eine große Aufgabe gibt: neue Wege zu finden, um Sozialismus, wirkliche individuelle Freiheit und Demokratie miteinander zu verbinden, nicht im bĂŒrgerlichen Sinn, sondern in einem wirklichen sozialrevolutionĂ€ren Sinn. Wir wollen die bĂŒrgerliche Demokratie nicht abschaffen, aber wir wollen sie sehr ernsthaft mit einem neuen Inhalt fĂŒllen.“

Dies konkretisierte er am Folgetag bei einer Vorlesung in der Karls-UniversitĂ€t als „Produzentendemokratie der Betroffenen in allen Lebensbereichen“.

Nach dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei im August 1968 ĂŒbte Dutschke Selbstkritik, weil der SDS mit der FDJ gegen den Vietnamkrieg zusammengearbeitet hatte:[93]

„Sind wir gar einem riesigen Fremd- und Eigenbetrug anheimgefallen? [
] Warum geht eine SU (ohne Sowjets), die sozialrevolutionĂ€re Bewegungen in der Dritten Welt unterstĂŒtzt, imperialistisch gegen ein Volk vor, welches selbstĂ€ndig unter FĂŒhrung der kommunistischen Partei die demokratisch-sozialistische Initiative ergriff? [
] Ohne Klarheit an dieser Ecke ist ein sozialistischer Standpunkt der konkreten Wahrheit, GlaubwĂŒrdigkeit und Echtheit unmöglich, werden gerade die UnterdrĂŒckten, Ausgebeuteten und Beleidigten in der BRD und der DDR im besonderen nicht bereit sein, ĂŒber LohnkĂ€mpfe hinaus in den politischen Klassenkampf einzusteigen.“

Von den 1968 entstehenden K-Gruppen, die sich kritiklos an die Volksrepublik China oder Albanien anlehnten, distanzierte sich Dutschke ebenfalls. Im Vorfeld der ParteigrĂŒndung der GrĂŒnen versuchte er, den Einfluss von K-Gruppen-Vertretern zurĂŒckzudrĂ€ngen.[94]

Dutschkes 1974 erschienene Dissertation erklĂ€rte die Ursachen der sowjetisch-chinesischen Fehlentwicklung im Gefolge Karl August Wittfogels mit der marxistischen Gesellschaftsanalyse. Er vertrat hier die Ansicht, dass die Voraussetzungen fĂŒr eine sozialistische Revolution in Russland nie bestanden hĂ€tten: Es habe weder eine feudalistische noch eine kapitalistische Produktionsweise vorgeherrscht, sondern eine „asiatische“. Aus ihr habe sich notwendig als Staatsform die „asiatischen Despotie“ entwickelt, die in ungebrochener KontinuitĂ€t von Dschingis Khan bis zu Josef Stalins Zwangskollektivierung und Zwangsindustrialisierung bestanden habe. WĂ€hrend Lenin 1905 noch fĂŒr die Entfaltung des Kapitalismus in Russland plĂ€diert habe, damit dort eine echte Arbeiterklasse heranwachsen könne, sei schon der „Oktoberputsch“ bzw. die „Machtergreifung der Bolschewiki“, wie er die Oktoberrevolution nannte, die als RĂŒckfall in die „allgemeine Staatssklaverei“ anzusehen. Die Erziehungsdiktatur, die die Bolschewiki errichtet hĂ€tten, sei notwendig gewesen, um der rĂŒckstĂ€ndigen Bevölkerung den Sozialismus nahezubringen. Von ihr und Lenins Parteien- und Fraktionsverbot sei die Entwicklung zu Stalin eine logische Folge gewesen. Stalins Versuch, die ProduktivitĂ€t der Sowjetunion durch brutale Zwangsindustrialisierung zu steigern, habe ihre AbhĂ€ngigkeit vom kapitalistischen Weltmarkt nie beseitigen können. Er habe nur einen neuen Imperialismus hervorgebracht, so dass militĂ€rische UnterstĂŒtzung von Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und UnterdrĂŒckung von selbstbestimmten Sozialismusversuchen im Ostblock eine logische Einheit darstellten. FĂŒr die westliche Linke könne die Entwicklung zur Sowjetunion kein Modell sein, da sie aus völlig unterschiedlichen sozialökonomischen Voraussetzungen resultiert sei.[95]

Der Stalinismus sei manifester „Anti-Kommunismus“, der eine „MonopolbĂŒrokratie“ geschaffen habe, die nicht minder aggressiv sei als die „Monopolbourgeoisie“, die Stalin fĂŒr den deutschen Faschismus verantwortlich machte. Somit sei es kein Zufall, dass seine Gulags und Konzentrationslager nach 1945 aufrechterhalten worden seien. Diesen systembedingten, nicht als „Entartung“ der Politik Lenins zu begreifenden Charakter der Sowjetunion hĂ€tten auch Leo Trotzki, Bucharin, Karl Korsch, Rudolf Bahro, JĂŒrgen Habermas und andere marxistische Kritiker und Analytiker nicht voll erkannt.

Der isolierte „Sozialismus in einem Land“ sei eine „antidynamische Sackgassenformation“, die sich nur noch durch Kredite und Importe aus dem Westen am Leben erhalten könne. Alle ihre scheinbaren inneren ReformanlĂ€ufe seit Chruschtschow und dem XX. Parteitag der KPdSU von 1956 seien nur Mittel zum Überleben der ZK-BĂŒrokratie gewesen:[96]

„Von pseudo-linker, gutgemeinter moralisch-romantischer Position kann man es gutheißen, Produktionsweisen zu 'ĂŒberspringen', mit einem sozialistischen Standpunkt hatte (und hat) die Moskauer Position desgleichen wie die Pekinger nie etwas zutun.“

Aufgrund dieser eindeutigen Haltung galt Dutschke fĂŒr die DDR-Staatssicherheit bis 1990 als Autor jenes „Manifests des Bundes Demokratischer Kommunisten“, das „Der Spiegel“ im Januar 1978 veröffentlichte. Es forderte wie seine Dissertation den Übergang von der asiatischen Produktionsweise des bĂŒrokratischen „Staatskapitalismus“ zur sozialistischen Volkswirtschaft, von der Einparteiendiktatur zu Parteienpluralismus und Gewaltenteilung. Erst 1998 stellte sich Hermann von Berg, ein Leipziger SED-Dissident, als Autor heraus.[97]

VerhÀltnis zum Terrorismus

Dutschke grenzte sich als antiautoritĂ€rer Marxist stets von allen „Kader“-Konzepten ab, die sich von der Bevölkerung isolierten und deren Bewusstwerdung verhinderten. Ebenso ablehnend stand er auch dem „Individualterror“ gegenĂŒber, den verschiedene linksradikale Gruppen wie die „Tupamaros Westberlin“ oder die Rote Armee Fraktion nach dem Zerfall des SDS seit 1970 verĂŒbten.

Am 9. November 1974 starb das RAF-Mitglied Holger Meins an einem Hungerstreik im GefĂ€ngnis. Bei seiner Beerdigung rief Dutschke mit erhobener Faust: „Holger, der Kampf geht weiter!“ Auf die heftige Kritik antwortete er nach dem Mord an GĂŒnter von Drenkmann in einem Leserbrief:[98]

„‚Holger, der Kampf geht weiter‘ – das heißt fĂŒr mich, dass der Kampf der Ausgebeuteten und Beleidigten um ihre soziale Befreiung die alleinige Grundlage unseres politischen Handelns als revolutionĂ€re Sozialisten und Kommunisten ausmacht. [
] Die Ermordung eines antifaschistischen und sozialdemokratischen Kammer-PrĂ€sidenten ist aber als Mord in der reaktionĂ€ren deutschen Tradition zu begreifen. Der Klassenkampf ist ein Lernprozess. Der Terror aber behindert jeden Lernprozess der UnterdrĂŒckten und Beleidigten.“

In einem Privatbrief an den spĂ€teren SPD-Bundestagsabgeordneten Freimut Duve vom 1. Februar 1975 erklĂ€rte Dutschke sein Auftreten an Meins’ Grab fĂŒr zwar „psychologisch verstĂ€ndlich“, politisch aber „nicht angemessen reflektiert“.

Am 7. April 1977 wurde Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordet. Dutschke notierte in sein Tagebuch:[99]

„Der Bruch der linken KontinuitĂ€t im SDS, die verhĂ€ngnisvollen Auswirkungen werden erkennbar. Was tun? Die sozialistische Partei wird immer unerlĂ€sslicher!“

Er sah nun eine ParteigrĂŒndung links von der SPD auch als notwendige PrĂ€vention gegen Terrorismus an.

Im Deutschen Herbst 1977 wurde vielen Linksintellektuellen vorgeworfen, sie hĂ€tten den „geistigen NĂ€hrboden“ der RAF geschaffen. In der „Zeit“ vom 16. September gab Dutschke diesen Vorwurf an die „herrschenden Parteien“ zurĂŒck und distanzierte sich vom RAF-Terrorismus:[100]

„Der individuelle Terror ist der Terror, der spĂ€ter in die individuelle despotische Herrschaft fĂŒhrt, aber nicht in den Sozialismus. Das war nicht unser Ziel und wird es nie sein. Wir wissen nur zu gut, was die Despotie des Kapitals ist, wir wollen sie nicht ersetzen durch Terrordespotie.“

Dennoch griff ihn z. B. die Stuttgarter Zeitung vom 24. September des Jahres persönlich als Wegbereiter der RAF an:

„Es ist Rudi Dutschke gewesen, der [
] gefordert hatte, das Konzept Stadtguerilla mĂŒsse hierzulande entwickelt und der Krieg in den imperialistischen Metropolen entfesselt werden.“

Dagegen meinte Dutschke, das Attentat auf ihn habe ein „geistiges, politisches und sozialpsychologisches Klima der Unmenschlichkeit“ hervorgerufen[101] und betonte in einem RĂŒckblick auf seine Entwicklung im Dezember 1978 nochmals:[102]

„Individueller Terror aber ist massenfeindlich und antihumanistisch. Jede kleine BĂŒrgerinitiative, jede politisch-soziale Jugend-, Frauen-, Arbeitslosen-, Rentner- und Klassenkampfbewegung in der sozialen Bewegung ist hundertmal mehr wert und qualitativ anders als die spektakulĂ€rste Aktion des individuellen Terrors.“

VerhÀltnis zur deutschen Nation

Die Teilung Deutschlands war fĂŒr Dutschke schon seit seiner DDR-Jugend ein Anachronismus:[103]

„Der Faschismus ist weg, warum wird Deutschland nun auch noch gespalten?“

Seine Weigerung, Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee zu leisten, begrĂŒndete er 1957 auch damit, dass er nicht auf Landsleute schießen wollte.[104] In einem nach 1990 in seiner Staatssicherheitsakte entdeckten Brief an seinen Schuldirektor schrieb er:[105]

„Was uns dieser FĂŒhrer und dieses Reich gebracht haben, sehen wir erst heute, da an eine Einheit Deutschlands noch nicht wieder zu denken ist. Es soll nicht noch einmal heißen: 'Gefallen.' Meine Mutter hat uns vier Söhne nicht fĂŒr den Krieg geboren. Wir hassen den Krieg und wollen den Frieden. Wenn ich auch an Gott glaube und nicht zur Volksarmee gehe, so glaube ich dennoch, ein guter Sozialist zu sein.“

1968 erklÀrte er dazu:[106]

„Ich bekannte mich zur Wiedervereinigung, bekannte mich zum Sozialismus, wie er betrieben wurde, und sprach mich gegen den Eintritt in die Nationale Volksarmee aus. Ich war nicht bereit in einer Armee zu dienen, die die Pflicht haben könnte, auf eine andere deutsche Armee zu schießen, in einer BĂŒrgerkriegsarmee, und zwar in zwei deutschen Staaten, ohne wirkliche SelbstĂ€ndigkeit auf beiden Seiten, das lehnte ich ab.“

Am 14. August 1961 versuchte er ein TeilstĂŒck der Berliner Mauer einzureißen und wurde dafĂŒr in West-Berlin inhaftiert.[107]

Nach der Forderung einer sozialistischen Revolution im Ostblock am 17. Juni 1967 trug Dutschke am 24. Juni zunĂ€chst im engsten Freundeskreis, ab Juli im „Oberbaumblatt“ in einer Auflage von 30.000 StĂŒck seinen Plan zu einer RĂ€te-Revolution in West-Berlin vor, die auf die DDR ausstrahlen und so langfristig die Spaltung Deutschlands beenden sollte:[108]

„Ein von unten durch direkte RĂ€tedemokratie getragenes West-Berlin [
] könnte ein strategischer Transmissionsriemen fĂŒr eine zukĂŒnftige Wiedervereinigung Deutschlands sein.“

Im Oktober 1967 vertiefte er diese Idee einer Wiedervereinigung unter sozialistischen Vorzeichen in einem GesprÀch:[109]

„Wenn sich Westberlin zu einem neuen Gemeinwesen entwickeln sollte, wĂŒrde das die DDR vor eine Entscheidung stellen: entweder VerhĂ€rtung oder wirkliche Befreiung der sozialistischen Tendenzen in der DDR. Ich nehme eher das letztere an.“

Danach trat dieses Thema in seinen Äußerungen zurĂŒck. Erst 1977 griff er es mit einer Artikelserie wieder auf und fragte:[110]

„Warum denken deutsche Linke nicht national? Die sozialistische Opposition in der DDR und in der Bundesrepublik mĂŒssen zusammenarbeiten. Die DDR ist zwar nicht das bessere Deutschland. Aber sie ist ein Teil Deutschlands.“

Um die westdeutsche Linke fĂŒr die von ihr vernachlĂ€ssigte „nationale Frage“ zu interessieren und die Behandlung dieses Themas nicht den Nationalisten zu ĂŒberlassen, verwies er auf den von Karl Marx selbst betonten dialektischen Zusammenhang mit der sozialen Frage:[111]

„Unter solchen Bedingungen fĂ€ngt der linke Deutsche an, sich mit allem möglichen zu identifizieren, aber einen Grundzug des kommunistischen Manifestes zu ignorieren: Der Klassenkampf ist international, in seiner Form aber national.“

Diese Ansichten stießen jedoch damals auf fast einhellige Ablehnung und manchmal Empörung.[112]

Rezeption

Nachrufe

Nach Dutschkes Tod erschien eine große Zahl positiver Nachrufe.[113] Helmut Gollwitzer erinnerte in seiner Trauerrede an das letzte Telefonat Dutschkes an seinem Todesabend. Der Anrufer Heiner Brandt habe ihn an seine AnfĂ€nge bei der christlichen Gemeinde in Luckenwalde erinnert: „Rudi, du hast nie verlassen, wovon du ausgegangen bist...“ Dem habe Dutschke zugestimmt. Er habe nicht „FĂŒhrer, Chefideologe, AutoritĂ€t“ sein wollen, aber zu den RevolutionĂ€ren gehört, die „auf dieser Erde nicht alt geworden sind“.[114]

JĂŒrgen Habermas bezeichnete Dutschke als „wahrhaften Sozialisten“. Er sei „
 Charismatiker einer Intellektuellenbewegung, der unermĂŒdliche Inspirator, ein hinreißender Rhetor, der mit der Kraft zum VisionĂ€ren durchaus den Sinn fĂŒrs Konkrete, fĂŒr das, was eine Situation hergab, verbunden hat.“[115]

Wolf Biermann sang in seinem Trauerlied am 3. Januar 1980 mit Bezug auf persönliche Begegnungen:[116]

„Mein Freund ist tot, und ich bin zu traurig, um große GemĂ€lde zu malen – sanft war er, sanft, ein bißchen zu sanft wie alle echten Radikalen.“

Dieses Bild bestimmte fortan die Wahrnehmung Dutschkes bei vielen Zeitgenossen. So meinte Walter Jens 1981:[117]

„Dutschke war ein friedliebender, zutiefst jesuanischer Mensch.“

FĂŒr Ulrich Chaussy begann die „Konstruktion eines Mythos“ schon zu Dutschkes Lebzeiten. Dieser habe seiner Idolisierung zu widerstehen versucht und nur Tage vor dem Attentat auf ihn fĂŒr einen geplanten Fernsehfilm von Wolfgang Venohr seinen RĂŒckzug aus der Studentenbewegung angekĂŒndigt, um der Personalisierung gesellschaftlicher Konflikte entgegenzuwirken. Chaussy erklĂ€rt das Misslingen dieser Absicht wie folgt:[118]

„Fast alle ehemaligen Genossen hatten SchuldgefĂŒhle, weil Rudis Tod, weil die Kugeln im Kopf soviel Stellvertretendes hatten, weil jede und jeder spĂŒrte: alle, die in dieser Revolte aufbegehrten, waren gemeint. [
] Das passiert den frĂŒhen Toten eben, den Popstars wie den RevolutionĂ€ren und so auch Rudi Dutschke. Sie selbst können sich nicht mehr einmischen.“

Diskurs um die Gewaltfrage

Seit den 1970er Jahren wird besonders Dutschkes VerhÀltnis zu revolutionÀrer Gewalt und dessen möglicher Einfluss auf den Terrorismus der RAF intensiv diskutiert.

1986 stellte JĂŒrgen Miermeister Dutschkes politische Entwicklung anhand von Selbstzeugnissen dar. Er zeigte, dass Dutschke jede Aktionsform reflektierte und mit einer politischen Situationsanalyse verknĂŒpfte. Dieser habe theoretisch auch Attentate auf Tyrannen fĂŒr legitim gehalten, aber nur als unmittelbaren Auslöser fĂŒr eine Volksrevolution. Wegen dieser fehlenden Voraussetzung habe er AnschlagsplĂ€ne auf Diktatoren ebenso wie Terror fĂŒr die Bundesrepublik abgelehnt. Im Ergebnis urteilte Miermeister:[119]

„Vor Gewalt gegen Menschen schreckt er – zwar kein Pazifist, aber in letzter Konsequenz weder Anarchist noch putschistischer Marxist-Leninist, sondern Christ – zurĂŒck.“

1987 dokumentierte der Hamburger Sozialwissenschaftler Wolfgang Kraushaar in seiner dreibĂ€ndigen Chronik der westdeutschen Studentenbewegung auch Dutschkes und Krahls „Organisationsreferat“ von 1967. Er betonte:[120]

„Dennoch wĂ€re es verfehlt, hier im nachhinein von einer intellektuellen Vorwegnahme der Roten Armee Fraktion (RAF) zu sprechen. Nicht nur weil es in einem konkret historischen Sinn falsch wĂ€re, sondern auch weil es zwischen dem Aufruf vom Herbst 1967 und der Praxis der RAF eine unĂŒbersehbare qualitative Differenz gibt. Stadtguerilla wird von Dutschke und Krahl noch als Element einer Bewusstseinsstrategie definiert. Der Stellenwert der Militanz ergibt sich aus ihrer propagandistischen Funktion, nicht umgekehrt.“

In ihrer 1996 erschienenen Biografie stellte Gretchen Dutschke-Klotz auch Dutschkes widersprĂŒchliche Haltung zu bewaffneter Gewalt dar:[121]

„Anfang 1969 war auch Rudi bereit, in den Untergrund zu gehen, falls die Bedingungen dafĂŒr gegeben waren. [
] Die IllegalitĂ€t schien Rudi notwendig, wenn es ĂŒberhaupt gelingen sollte, neue Strukturen im herrschenden System aufzubauen. Doch es war eine ungelöste Frage, wie diese IllegalitĂ€t aussehen sollte. Rudi gelang es nicht, legitime Formen der Gewalt sauber von illegitimen zu trennen.“

Er habe AngriffsplĂ€nen mit Molotowcocktails auf eine britische Fluggesellschaft damals nicht widersprochen, nur eigene Teilnahme abgelehnt. Klar sei fĂŒr ihn gewesen, dass auch illegaler Widerstand nicht von der Bevölkerung isolieren und keine Menschen gefĂ€hrden sollte.

In seiner 2001 erschienenen Studie Mythos ’68. Die Gewaltphilosophie des Rudi Dutschke meinte Gerd Langguth, Dutschke habe theoretisch und praktisch zur „Enttabuisierung“ von Gewalt in der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahren beigetragen.[122]

2003 gab Gretchen Dutschke-Klotz die TagebĂŒcher Dutschkes heraus, die neue Einblicke in seine politische Entwicklung ermöglichten. Im selben Jahr veröffentlichte Michaela Karl die Monographie Rudi Dutschke. RevolutionĂ€r ohne Revolution. Stationen seines Denkens, in der sie sein gewandeltes VerhĂ€ltnis zu revolutionĂ€rer Gewalt in verschiedenen Lebensphasen nachzeichnete und aus dem jeweiligen historischen Kontext erklĂ€rte.[123]

Rudolf Sievers gab 2004 PrimĂ€rtexte von „68ern“ heraus: darunter den kaum bekannten Aufsatz Dutschkes Die geschichtlichen Bedingungen fĂŒr den internationalen Emanzipationskampf, in dem dieser auch die Rolle von revolutionĂ€rer Gegengewalt erörterte.[124]

Wolfgang Kraushaar spitzte Langguths These 2005 in seinem Aufsatz Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf zu. Er kritisierte, Zeitgenossen hĂ€tten Dutschke als „Ikone“ und „grĂŒn angehauchten, christlichen Pazifisten“ dargestellt. Dies sei im Blick auf zuvor unveröffentlichte Aussagen Dutschkes in seinem Nachlass unhaltbar. Er sei der „Erfinder des Konzepts Stadtguerilla in Deutschland“ gewesen, habe dieses konsequent bis 1969 vertreten und SprengstoffanschlĂ€ge mit vorbereitet, obwohl diese unausgefĂŒhrt blieben und er sich vom spĂ€teren RAF-Terrorismus distanzierte.[125]

Dies löste eine erneute breite Diskussion aus. Thomas Medicus folgerte aus Kraushaars Beispielen, „dass Dutschke propagierte, was Baader und die RAF praktizierten“.[126] Lorenz JĂ€ger begrĂŒĂŸte Kraushaars Aufsatz als Infragestellung einer „Dutschke-Legende“. Vor allem Erich Fried habe das Bild eines „pazifistischen RevolutionĂ€rs“ aufgebracht, der Ulrike Meinhof vom Weg in die IllegalitĂ€t abgehalten hĂ€tte, wenn sie lĂ€nger Kontakt gehabt hĂ€tten. Doch Dutschke habe „mehrere Gesichter“ gehabt: Er sei schon vor Beginn der Studentenbewegung gewaltbereit gewesen. Seine „Sprengstoff-Episoden“ seien Ausdruck und Folge seines Aktionskonzepts gewesen.[127]

JĂŒrgen Treulieb zufolge wurde Dutschke weder bei seiner Beerdigung noch bei der Gedenkveranstaltung in der Freien UniversitĂ€t Berlin am 3. Januar 1980 als Ikone und Pazifist dargestellt. Diese Sicht sei vielmehr ausdrĂŒcklich auch von denen abgelehnt worden, die an Dutschkes frĂŒhen christlichen Pazifismus erinnert hĂ€tten. Diese Nachrufe ĂŒbergehe Kraushaar.[128]

Rainer Stephan warf Kraushaar vor, Begriffe wie antiautoritĂ€r, außerparlamentarisch, Bewegung, Revolte, direkte Aktion, Stadtguerilla usw. nicht zu definieren, so dass mögliche Bedeutungsunterschiede nicht sichtbar wĂŒrden. Es sei nicht plausibel, dass schon der frĂŒhe Dutschke die Theorie fĂŒr den Terror geliefert haben solle, von dem er sich spĂ€ter scharf abgrenzte:[129]

„Kraushaars eigene, höchst unsystematisch vorgefĂŒhrte Zitate demonstrieren, dass Welten zwischen Dutschkes Überlegungen zu einer „Stadtguerilla“ und der vollkommen apolitischen Terrorpraxis der RAF liegen.“

Klaus Meschkat erinnerte an Kraushaars frĂŒhere Unterscheidung zwischen Dutschkes und Baaders VerstĂ€ndnis von Stadtguerilla und kritisierte:[130]

„Wenn in den nachgelassenen Dokumenten ein Wort wie „Stadtguerilla“ auftaucht, so fragt er heute nicht mehr nach dessen Bedeutung im jeweiligen Zusammenhang, ihn interessiert nur das Indiz fĂŒr eine angenommene Bereitschaft zum bewaffneten Kampf Ă  la RAF. Ansonsten werden bekannte Anekdoten detailreich nacherzĂ€hlt, mit denen sich Rudi Dutschke mindestens als potentieller Terrorist zu erkennen geben soll...“

Kraushaars „kriminalistische EnthĂŒllungsĂŒbungen“ hĂ€tten mit keinem Wort die historische Situation berĂŒcksichtigt, aus der Dutschkes Haltung sich erklĂ€re. Diesen Kontext zu erklĂ€ren sei aber eigentlich „die Pflicht eines gewissenhaften Zeithistorikers“. Gewalt seitens der Studenten zu verurteilen, ohne an den Vietnamkrieg zu erinnern, habe Oskar Negt schon 1972 als Heuchelei erklĂ€rt.[131]

Claus Leggewie stellte eine verÀnderte Forschungslage fest:[132]

„Die Erkenntnisse, die Kraushaar aus dem Dutschke-Nachlass und anderen, lĂ€ngst publizierten Quellen [
] ausgebreitet hat, gebieten, den Mythos des ökopazifistischen, geradezu jesusartigen SDS-FĂŒhrers endgĂŒltig zu verabschieden. Diese Idolisierung zum „sanften Radikalen“ war fĂŒr Zeitgenossen, die Dutschke in den 1960er-Jahren, aber auch spĂ€ter aus der NĂ€he erlebt haben, ohnehin unglaubwĂŒrdig.“

Susanne Kailitz zufolge hatte Dutschke kein in sich schlĂŒssiges Gewaltkonzept. Zum einen habe er antiautoritĂ€re Gewalt als PrĂ€ventionsmittel verstanden, um einen vermeintlich gewaltsamen Charakter des Staates aufzudecken, zum anderen als Reaktion auf erwartete staatliche UnterdrĂŒckung. Einerseits habe er vertreten, diese Repression werde die Revolution beinahe naturgesetzlich herbeifĂŒhren, andererseits, diese sei vom Willen der revolutionĂ€ren Avantgarde, nĂ€mlich der demonstrierenden Studenten, abhĂ€ngig. Kailitz folgert aus dieser Ambivalenz, Dutschke habe Terror und bewaffneten Kampf in den Metropolen nur „aus strategischen GrĂŒnden“ abgelehnt.[133]

Diskurs um die nationale Frage

Dutschkes Aussagen zur deutschen Nation werden heute verschieden bewertet. Sein ehemaliger Mitstreiter Bernd Rabehl stellt ihn seit 1998 im Sinne seiner eigenen Hinwendung zur Neuen Rechten als „NationalrevolutionĂ€r“ dar[134] und bekrĂ€ftigte diese Deutung in seiner fachlich einhellig abgelehnten Dutschkebiografie 2002.[135] Kraushaar dagegen nannte Dutschke 2000 einen „nationalen Linken“, der diese Haltung aus RĂŒcksicht auf eine Tabuisierung alles Nationalen in der westdeutschen Linken öffentlich meist zurĂŒckgehalten habe.[136] Tilman P. Fichter und Siegward Lönnendonker arbeiten in ihrer deutschlandpolitischen Streitschrift "Dutschkes Deutschland" heraus, daß die charismatische FĂŒhrungspersönlichkeit des SDS leidenschaftlich fĂŒr die Wiedervereinigung Deutschlands eintrat und belegen dies mit z.T. bisher unbekannten Dokumenten.[137]

Gretchen Dutschke-Klotz betonte 2003 gegen beide:[138]

„Rudi wollte die UnterwĂŒrfigkeit als Persönlichkeitsmerkmal der deutschen IdentitĂ€t abschaffen. [
] Er war kein „NationalrevolutionĂ€r“, sondern ein internationalistischer Sozialist, der im Gegensatz zu anderen begriffen hatte, dass es politisch falsch war, die nationale Frage zu ignorieren. [
] Er suchte etwas ganz Neues, das nicht anschloss an die autoritĂ€re, nationalchauvinistische deutsche Vergangenheit.“

AktualitÀt

FĂŒr Klaus Meschkat besteht Dutschkes bleibende Bedeutung in seiner Suche nach wirksamen Widerstandsformen:[139]

„Wenn Millionen friedlicher Demonstranten in ganz Europa einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nicht verhindern konnten – sollten wir nicht erst einmal mit Interesse und Sympathie auf die Versuche Rudi Dutschkes und seiner Freunde zurĂŒckblicken, die amerikanische Kriegsmaschine zum Halten zu bringen?“

2006 erschien der Band Dutschke und Du mit gesammelten AufsĂ€tzen aus der taz. Darin blickte Stefan Reinecke auch auf die Gewaltdebatte des Vorjahres zurĂŒck: Warum Dutschke nicht Vordenker der RAF war.[140]

FĂŒr Ralf Dahrendorf hatten Dutschkes theoretische EntwĂŒrfe und gesellschaftswissenschaftliche Forschungen 2008 keine öffentliche Bedeutung mehr:[141]

„Er war ein konfuser Kopf, der keine bleibenden Gedanken hinterlassen hat. Worauf man zurĂŒckblickt, ist die Person: ein anstĂ€ndiger, ehrlicher und vertrauenswĂŒrdiger Mann. Aber ich wĂŒsste niemand, der sagen wĂŒrde: Das war Dutschkes Idee, die mĂŒssen wir jetzt verfolgen.“

Straßenbenennungen

Die Umbenennungsfeier am 30. April 2008

Am 30. April 2008 wurde ein Teil der Kochstraße in Berlin offiziell zur Rudi-Dutschke-Straße umbenannt. Sie grenzt direkt an die Axel-Springer-Straße.[142] Der Umbenennungsvorschlag von 2005 löste einen jahrelangen öffentlichen Konflikt aus. Mehrere Klagen von Anwohnern sowie vom in der Kochstraße ansĂ€ssigen Axel Springer Verlag wurden abgewiesen.[143]

An Dutschkes 68. Geburtstag, dem 7. MÀrz 2008, wurde der Vorplatz des stillgelegten Bahnhofs in seinem Geburtsort Schönefeld (Nuthe-Urstromtal) in Rudi-Dutschke-Platz umbenannt.[144]

Auf dem Campus der Freien UniversitÀt Berlin in Berlin-Dahlem verlÀuft der zu seinen Ehren nach ihm benannte Rudi-Dutschke-Weg.

Filme

Mit Rudi Dutschke beschĂ€ftigten sich mehrere Dokumentarfilme, so etwa die Arbeit der Regisseurin Helga Reidemeister aus dem Jahr 1988 Aufrecht gehen, Rudi Dutschke – Spuren oder der Film Dutschke, Rudi, Rebell seines Biographen JĂŒrgen Miermeister, der im April 1998 im ZDF ausgestrahlt wurde.

Rainer Werner Fassbinders Spielfilm Die dritte Generation von 1979 verwendet Archivaufnahmen, auf denen Dutschke zu sehen ist. In dem Spielfilm Der Baader Meinhof Komplex des Regisseurs Uli Edel aus dem Jahr 2008 wird Dutschke von Sebastian Blomberg dargestellt.

Der Regisseur Stefan Krohmer entwickelte zusammen mit Drehbuchautor Daniel Nocke das Doku-Drama Dutschke (2009), das Interviewpassagen und mit inszenierte Szenen aus dem Leben Rudi Dutschkes verbindet. Christoph Bach wurde dafĂŒr 2010 mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Schauspieler ausgezeichnet.

Werke

  • Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben.Die TagebĂŒcher 1963–1979. Hrsg. v. Gretchen Dutschke. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, ISBN 3-462-03224-0.
  • Rudi Dutschke: Geschichte ist machbar. Texte ĂŒber das herrschende Falsche und die RadikalitĂ€t des Friedens. Hrsg. von JĂŒrgen Miermeister. Klaus Wagenbach, Berlin 1991, ISBN 3-8031-2198-1.
  • Rudi Dutschke: Lieber Genosse Bloch 
 Briefe Rudi Dutschkes an Karola und Ernst Bloch. 1968–1979. Hrsg. von Karola Bloch und Welf Schröter. Talheimer Verlag, Mössingen 1988, ISBN 3-89376-001-6.
  • Rudi Dutschke: Aufrecht gehen. Eine fragmentarische Autobiographie. Herausgegeben von Ulf Wolter, eingeleitet von Gretchen Dutschke-Klotz, Bibliographie: JĂŒrgen Miermeister. Olle und Wolter, Berlin 1981, ISBN 3-88395-427-6, Lizenzausgabe BĂŒchergilde Gutenberg, auszugsweise ĂŒber das „Spiegel“ Archiv erhĂ€ltlich.  Aufrecht gehen zu lernen ist nicht leicht. In: Der Spiegel. Nr. 44, 1981 (online).</span> Schwedische Ausgabe bei Symposion, Stockholm 1983, ISBN 91-7696-025-0.
  • Rudi Dutschke: Mein langer Marsch. Reden, Schriften und TagebĂŒcher aus zwanzig Jahren. Hrsg. von Gretchen Dutschke-Klotz, Helmut Gollwitzer und JĂŒrgen Miermeister. Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-14718-1
  • Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.), Wolf Biermann (Mitarb.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 95–135, ISBN 3-463-00718-5.
  • Rudi Dutschke: GekrĂŒmmt vor dem Herrn, aufrecht im politischen Klassenkampf: Helmut Gollwitzer und andere Christen. In: Andreas Baudis u. a. (Hrsg.): Richte unsere FĂŒĂŸe auf den Weg des Friedens. FĂŒr Helmut Gollwitzer zum 70. Geburtstag. Christian Kaiser, MĂŒnchen 1978, S. 544–577, ISBN 3-459-01186-6.
  • Rudi Dutschke, Manfred Wilke (Hrsg.):Die Sowjetunion, Solschenizyn und die westliche Linke. Rororo, Band 1875, rororo aktuell. Rowohlt, Reinbek 1975, ISBN 3-499-11875-0.
  • Frank Böckelmann (Hrsg.), Herbert Nagel (Hrsg.): Subversive Aktion. Der Sinn der Organisation ist ihr Scheitern. Neue Kritik, Frankfurt am Main 1976, 2002, ISBN 3-8015-0142-6.
  • Rudi Dutschke: Versuch, Lenin auf die FĂŒĂŸe zu stellen. Über den halbasiatischen und den westeuropĂ€ischen Weg zum Sozialismus. Lenin, LukĂĄcs und die Dritte Internationale. Politik, Band 53. Klaus Wagenbach, Berlin 1974, ISBN 3-8031-1053-X. Ausgabe 1984: ISBN 3-8031-3518-4. (Dissertation unter dem Titel: Rudi Dutschke: Versuch, Lenin auf die FĂŒĂŸe zu stellen. Über den Unterschied halbasiatischen und des westeuropĂ€ischen Weges zum Sozialismus. Freie UniversitĂ€t Berlin, Berlin 1974. [145]
  • Rudi Dutschke: Zur Literatur des revolutionĂ€ren Sozialismus von K. Marx bis in die Gegenwart. sds-korrespondenz sondernummer. Berlin 1966, Paco Press, Amsterdam 1970 (diverse Reprints), ISBN 3-929008-93-9.
  • Uwe Bergmann, Rudi Dutschke, Wolfgang LefĂšvre, Bernd Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition. Eine Analyse. Rororo-Taschenbuch, Band 1043, rororo-aktuell. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1968.
  • Rudi Dutschke: Wider die PĂ€pste. Über die Schwierigkeiten, das Buch von Bahro zu diskutieren. Ein offener Brief an den Stasi Chef. In: Ulf Wolter (Hrsg.): Antworten auf Bahros Herausforderung des „realen Sozialismus“. Olle & Wolter, Berlin 1978, ISBN 3-921241-51-0.

Tondokumente

  • Rudi Dutschke: Das Problem der Revolution in Deutschland - Reden, StreitgesprĂ€che und Interviews. CD 1: Rudi Dutschke, GĂŒnter Gaus: Zu Protokoll: Rudi Dutschke. CD 2: Rudi Dutschke: Das Problem der Revolution in Deutschland. CD 3: Rudi Dutschke: Vortrag an der KarlsuniversitĂ€t Prag. CD 4: Rudi Dutschke: GesprĂ€ch mit Brigitte und Helmut Gollwitzer und Interview mit Ulrich Chaussy, Produktionen des SĂŒdwestrundfunks SWR2, Hrsg. U. Chaussy, Quartino GmbH, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-86750-033-3.

Literatur

  • Ulrich Chaussy: Die drei Leben des Rudi Dutschke. Eine Biographie. Pendo-Pocket, Band 32. Pendo, ZĂŒrich 1999 (1983Âč, ISBN 3-472-86576-8), ISBN 3-85842-532-X.
  • Rudi-Marek Dutschke: Spuren meines Vaters. KiWi, Band 638, Paperback. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-03038-8.
  • Gretchen Dutschke: Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02573-2.
  • Gretchen Dutschke (Hrsg.): Rudi Dutschke â€“ Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die TagebĂŒcher 1963–1979. 1. Auflage. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003, ISBN 3-462-03224-0.
  • Michaela Karl: Rudi Dutschke – RevolutionĂ€r ohne Revolution. Verlag Neue Kritik, Frankfurt a. M. 2003, ISBN 3-8015-0364-X.
  • Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. In: Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland, Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.): Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF. Hamburger Edition, Hamburg 2005, ISBN 3-936096-54-6.
  • Gerd Langguth: Mythos ’68. Die Gewaltphilosophie von Rudi Dutschke – Ursachen und Folgen der Studentenbewegung. Olzog, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-7892-8065-8.
  • Gerd Langguth: Propaganda der Tat – Wer war Rudi Dutschke.] In: FAZ, 14. November 2006, Nr. 265, S. 7. gerd-langguth.de
  • JĂŒrgen Miermeister: Ernst Bloch, Rudi Dutschke. EVA-Duographien, Band 7. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Hamburg 1998, ISBN 3-434-50207-6.
  • JĂŒrgen Miermeister: Rudi Dutschke. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlts Monographien, Band 349. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986 (und weitere Auflagen), ISBN 3-499-50349-2.
  • Bernd Rabehl: Rudi Dutschke – RevolutionĂ€r im geteilten Deutschland. Reihe Perspektiven, Band 6. Edition Antaios, Dresden 2002, ISBN 3-935063-06-7.
  • Siegward Lönnendonker, Bernd Rabehl, Jochen Staadt): Die antiautoritĂ€re Revolte. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund nach der Trennung von der SPD. Band 1: 1960-1967, Opladen, Wiesbaden 2002, ISBN 3-531-13301-2
  • Rainer Rappmann (Hrsg.), Joseph Beuys: Denker, KĂŒnstler, RevolutionĂ€re. Beuys, Dutschke, Schilinski, Schmundt: vier Leben fĂŒr Freiheit, Demokratie und Sozialismus. FIU-Verlag, Wangen 1996, ISBN 3-928780-13-1.
  • Friedrich-Wilhelm Marquardt Rudi Dutschke als Christ. Theologischer Verlag TĂŒbingen 1996, ISBN 3-929128-17-9
  • Tilman P. Fichter, Siegward Lönnendonker Kleine Geschichte des SDS. Der Sotialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke. Klartext Verlag Essen 2008, ISBN 978-3-89331-868-1
  • Tilman P. Fichter, Siegward Lönnendonker Dutschkes Deutschland. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund, die nationale Frage und die DDR-Kritik von links. Klartext Verlag Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0481-1

Weblinks

 Commons: Rudi Dutschke â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Rudi Dutschke â€“ Zitate
Biografisches
Texte, VortrÀge und Interviews Dutschkes
Tagebuch-Rezensionen 2003
Gewaltdebatte 2005
Nationaldebatte
Videos

Einzelnachweise

  1. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Rudi Dutschke. Eine Biographie, Kiepenheuer und Witsch, 4. Auflage 1996, S. 25
  2. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 98
  3. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 26ff
  4. ↑ Peter Horvath: Die inszenierte Revolte. S. 186
  5. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 38ff; S. 53ff
  6. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 54
  7. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 58–63
  8. ↑ Siegward Lönnendonker, Bernd Rabehl, Jochen Staadt): Die antiautoritĂ€re Revolte. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund nach der Trennung von der SPD. Band 1: 1960-1967, Opladen, Wiesbaden 2002, ISBN 3-531-13301-2
  9. ↑ Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, Pahl-Rugenstein, Köln 1977, S. 183
  10. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 101
  11. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 132–136
  12. ↑ Klaus Mlynek, in: Stadtlexikon Hannover, S. 611f.
  13. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 168ff
  14. ↑  Sache der Elenden. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1968, S. 39 (online).</span>
  15. ↑ "Strauß zum Thema Radikalismus". Berliner Morgenpost, 29. Februar 1968, abgerufen am 17. Januar 2010.
  16. ↑ Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, Pahl-Rugenstein, Köln 1980, S. 253–265
  17. ↑ Tilman P. Fichter, Siegward Lönnendonker: ‘‘Kleine Geschichte des SDS. Der Sotialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke. Mit einem Vorwort von Wolfgang Kraushaar und einem Bildteil von Klaus Mehner, Lizenzausgabe fĂŒr die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2008, Klartext Verlag Essen 2008, ISBN 978-3-89331-868-1
  18. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 184ff
  19. ↑ Jacques Schuster: Heinrich Albertz. Der Mann, der mehrere Leben lebte. Eine Biographie. Fest, Berlin 1997, S. 253ff.; Peter Schneider: Als die Weltrevolution nach Berlin kam. In: Die Zeit, Nr. 26/2009, S. 19.
  20. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 188ff.
  21. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 197ff.; Rudi Dutschkes Lebensretter
  22. ↑ Marcus Heumann (Deutschlandradio, 11. April 2008): Anschlag auf die „Permanente Revolution“. Vor 40 Jahren: Das Attentat auf Rudi Dutschke
  23. ↑ JĂŒrgen ElsĂ€sser (Neues Deutschland, 11. April 2008): Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
  24. ↑ „Er sollte sterben.“ In: Spiegel Online, 5. Dezember 2009; EinzeltĂ€ter-These erschĂŒttert Dutschkes AttentĂ€ter und die Nazis. In: taz, 6. Dezember 2009
  25. ↑  Eine ,Bild'-Schlagzeile ist mehr Gewalt als ein Stein am Polizisten-Kopf. In: Der Spiegel. Nr. 19, 1968 (Eine Dokumentation ĂŒber die Oster-Unruhen und ihre Ursachen: die Rolle des Verlagshauses Axel Springer, online).</span>
  26. ↑ Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, Pahl-Rugenstein, Köln 1980, S. 96ff.
  27. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 200–210; 214–218; 245f; 256
  28. ↑ Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die TagebĂŒcher 1963–1979, btb-Verlag, Köln 2005, S. 122
  29. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 278f.
  30. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 283; 380; 471f.
  31. ↑ Auch zum Folgenden Ulrich Chaussy, Die drei Leben des Rudi Dutschke, Darmstadt 1983, S. 310 ff.
  32. ↑ Rudi Dutschke, Versuch, Lenin auf die FĂŒĂŸe zu stellen. Über den halbasiatischen und den westeuropĂ€ischen Weg zum Sozialismus. Lenin, LukĂĄcs und die Dritte Internationale,Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1974
  33. ↑ Georg Wolff, Wo ist die Revolution, in: Der Spiegel vom 19. August 1974 (online, Zugriff am 10. August 2011)
  34. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 327; 334ff.
  35. ↑ Susanne Kailitz: Von den Worten zu den Waffen. Frankfurter Schule, Studentenbewegung und RAF, VS-Verlag, Wiesbaden 2007, S. 230
  36. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 342ff.
  37. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 372f; 434; 449f.
  38. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 384–389
  39. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 409
  40. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 430–433
  41. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 435–439
  42. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 467–470
  43. ↑ ĂŒber seinen Tod von Dutschkes Sohn Hosea In: Spiegel Online
  44. ↑ Natalie Muntermann: Planet Wissen Artikel
  45. ↑ Kerstin Hack: Radikalleben in Berlin
  46. ↑ Grab von Rudi Dutschke (1940–1979), St. Annen Kirchhof, Dahlem-Dorf
  47. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 172f., 227, 459 u.ö.
  48. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.), Wolf Biermann (Mitarb.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 101; Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 39ff und 426f
  49. ↑ Rudi Dutschke beim Ohnesorg-Kongress 9. Juni 1967, zitiert nach Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 135
  50. ↑ Rudi Dutschke: GekrĂŒmmt vor dem Herrn, aufrecht im politischen Klassenkampf: Helmut Gollwitzer und andere Christen. In: Festschrift zum 70. Geburtstag Helmut Gollwitzers, Christian Kaiser Verlag, MĂŒnchen 1978, S. 551f
  51. ↑ Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu Leben, TagebĂŒcher 1963–1979, 27. MĂ€rz 1964, S. 20
  52. ↑ zitiert nach Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 429
  53. ↑ Auch zum Folgenden s. Rudi Dutschke: Die WidersprĂŒche des SpĂ€tkapitalismus, die antiautoritĂ€ren Studenten und ihr VerhĂ€ltnis zur Dritten Welt, in: Rudi Dutschke, Uwe Bergmann, Wolfgang LefĂ©vre, Bernd Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition, rororo aktuell, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 33–94
  54. ↑ Volker Paulmann, Die Studentenbewegung und die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik, in: ders., Stephan Alexander Glienke, Joachim Perels (Hrsg.): Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgeschichte im langen Schatten des Nationalsozialismus. Wallstein, Göttingen 2008, S. 203ff
  55. ↑ Hans-Christian Ströbele auf taz.de; zur WertschĂ€tzung des Computers durch den SDS Hans Magnus Enzensberger: Ein GesprĂ€ch ĂŒber die Zukunft mit Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler. In: Kursbuch 14: Kritik der Zukunft, August 1968, S. 146–174 (online)
  56. ↑ a b apo/67dutschke.html Rudi Dutschke, Hans-JĂŒrgen Krahl: Das Sich-Verweigern erfordert Guerilla-MentalitĂ€t. Organisationsreferat auf der 22. Delegiertenkonferenz des SDS, September 1967
  57. ↑ GĂŒnter Gaus im Fernsehinterview mit Rudi Dutschke (gesendet am 3. Dezember 1967 in der Sendereihe der ARD „Zu Protokoll“)
  58. ↑ Meike Vogel: „Außerparlamentarisch“ oder „antiparlamentarisch“? Mediale Deutungen und BenennungskĂ€mpfe um die APO. In: Ute Frevert und Heinz-Gerhardt Haupt (Hrsg.): Neue Politikgeschichte. Perspektiven einer historischen Politikforschung. Campus Verlag 2005, S. 148.
  59. ↑ Hans Magnus Enzensberger: Ein GesprĂ€ch ĂŒber die Zukunft mit Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler, in: Kursbuch 14: Kritik der Zukunft. August 1968, S. 146–174 (online)
  60. ↑ Peter Schneider: Als die Weltrevolution nach Berlin kam. In: Die Zeit, Nr. 26/2009, S. 19. Susanne Kailitz: Von den Worten zu den Waffen. Frankfurter Schule, Studentenbewegung und RAF, VS-Verlag, Wiesbaden 2007, S. 132
  61. ↑ Rudi Dutschke: Vom Antisemitismus zum Antikommunismus, in: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition. Eine Analyse von Uwe Bergmann, Rudi Dutschke, Wolfgang Levùvre, Bernd Rabehl, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 58
  62. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996,, S. 472f
  63. ↑ Kai Hermann: Die Revolte der Studenten, Wegner Verlag, 1967, S. 69
  64. ↑ Ernesto Che Guevara: Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam, hrsg. und ĂŒbersetzt von Gaston Salvatore & Rudi Dutschke, Oberbaumpresse, Berlin 1967, ISBN 3-926409-21-5 (Vorwort; siehe Einleitung zu CHE GUEVARA)
  65. ↑ Susanne Kalitz: Von den Worten zu den Waffen? – Frankfurter Schule, Studentenbewegung, RAF und die Gewaltfrage, VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, 2007, S. 139
  66. ↑ Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf, in: Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland und Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.): Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburger Edition, Hamburg 2005, S. 45
  67. ↑ zitiert nach Michael Frey: Der 2. Juni 1967 – Beginn der Studentenrevolte. Wie es zum Ausbruch kommen konnte (Magisterarbeit an der RuhruniversitĂ€t Bochum, 7. Januar 2002)
  68. ↑ Rudi Dutschke: Die WidersprĂŒche des SpĂ€tkapitalismus, die antiautoritĂ€ren Studenten und ihr VerhĂ€ltnis zur Dritten Welt, in: Rudi Dutschke, Uwe Bergmann, Wolfgang LefĂ©vre, Bernd Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition, rororo aktuell, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 82
  69. ↑ Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. In: Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland, Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.): Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF. Hamburger Edition, Hamburg 2005, S. 39
  70. ↑ zitiert nach Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996,, S. 135f
  71. ↑ Gerhard Bauß, Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, Pahl-Rugenstein, Köln 1977, ISBN 3-7609-0320-7, S. 64
  72. ↑ Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben, 10. Juni 1967, S. 45
  73. ↑ Gerhard Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, Pahl-Rugenstein, Köln 1980, S. 64, Anmerkungen 108 und 109
  74. ↑  WIR FORDERN DIE ENTEIGNUNG AXEL SPRINGERS. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1967 (SPIEGEL-Interview mit Rudi Dutschke zum Thema „Direkte Aktion“, online).</span>
  75. ↑ Rudi Dutschke: Vom Antisemitismus zum Antikommunismus, in: Rudi Dutschke, Uwe Bergmann, Wolfgang LefĂ©vre, Bernd Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition, rororo aktuell, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 84
  76. ↑ Wolfgang Kraushaar: Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburger Edition, Hamburg 2006, S. 761; dass Dutschke ĂŒber eine stringente Gewalttheorie verfĂŒgte, wird bestritten von Susanne Kailitz, Von den Worten zu den Waffen. Frankfurter Schule, Studentenbewegung und RAF, VS-Verlag, Wiesbaden 2007, S. 151
  77. ↑ Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf, in: Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland und Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.): Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburger Edition, Hamburg 2005, S. 22–28
  78. ↑ Willi Winkler, Die Geschichte der RAF, Rowohlt, Reinbek 2007, S. 105
  79. ↑ zitiert nach Herbert Marcuse: Das Ende der Utopie, Berlin 1967, S. 148
  80. ↑ GĂŒnter Gaus im Fernsehinterview mit Rudi Dutschke, gesendet im Ersten Deutschen Fernsehen am 3. Dezember 1967 in der Sendereihe „Zu Protokoll“)
  81. ↑ zitiert nach Gerd Langguth: Rudi Dutschke stand fĂŒr Gewalt (Tagesspiegel, 26. Januar 2005)
  82. ↑ zitiert nach Gerd Langguth: Mythos ’68 – Die Gewaltphilosophie von Rudi Dutschke – Ursachen und Folgen der Studentenbewegung. Olzog, 2001, S. 61
  83. ↑ SDS Westberlin, INFI: Der Kampf des vietnamesischen Volkes und die Globalstrategie des Imperialismus, Internationaler Vietnam-Kongreß, 17./18. Februar 1968, S. 38; zitiert bei Freia Anders und Ingrid Gilcher-Holtey: Herausforderungen des staatlichen Gewaltmonopols – Recht und politisch motivierte Gewalt am Ende des 20. Jahrhunderts, Campus, 2006, S. 215
  84. ↑ Niels Seibert: Vergessene Proteste, Unrast Verlag, ISBN 978-3-89771-032-0, S. 127
  85. ↑ Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die TagebĂŒcher 1963–1979, btb, 1. Auflage 2005, S. 189 (Tagebucheintrag 4. MĂ€rz 1974)
  86. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 177; 241f
  87. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 102
  88. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978,
  89. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 104
  90. ↑ zitiert nach Hubertus Knabe: Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen, 2. Auflage 2001, Ullstein und PropylĂ€en Verlag, ISBN 3-549-05589-7, S. 205
  91. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 108f
  92. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 192
  93. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 105
  94. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 448f
  95. ↑ Rudi Dutschke, Versuch, Lenin auf die FĂŒĂŸe zu stellen. Über den halbasiatischen und den westeuropĂ€ischen Weg zum Sozialismus. Lenin, LukĂĄcs und die Dritte Internationale,Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1974
  96. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin, S. 130
  97. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: Rudi Dutschke; S. 424f
  98. ↑ zitiert nach JĂŒrgen Treulieb: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. Einspruch gegen eine unseriöse Legendenbildung. (Kommune, Forum fĂŒr Politik, Ökonomie, Kultur 5/2007)
  99. ↑ Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die TagebĂŒcher 1963–1979, btb-Verlag, Köln 2005S. 285
  100. ↑ zitiert nach JĂŒrgen Treulieb: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. Einspruch gegen eine unseriöse Legendenbildung. (Kommune, Forum fĂŒr Politik, Ökonomie, Kultur 5/2007)
  101. ↑ Nachlass, 2. August 1978
  102. ↑ Rudi Dutschke: GekrĂŒmmt vor dem Herrn, aufrecht im politischen Klassenkampf. In: Richte unsre FĂŒĂŸe auf den Weg des Friedens, Festschrift fĂŒr Helmut Gollwitzer zum 70. Geburtstag, Christian Kaiser Verlag, MĂŒnchen 1978, S. 575f
  103. ↑ Rudi Dutschke: Warum ich Marxist bin – doch Marx sagte: „Ich bin kein Marxist“. In: Fritz Raddatz (Hrsg.): Warum ich Marxist bin, Kindler, MĂŒnchen 1978, S. 97
  104. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 27
  105. ↑ zitiert nach Ulrich Chaussy: Rudi Dutschke – Ein kurzes und doch nachhaltiges Leben oder: Der kurze Marsch zum langen Mythos (aus: Kalaschnikow – Das Politmagazin, Ausgabe 10, Heft 1/98)
  106. ↑ zitiert nach Wolfgang Kraushaar: 1968 als Mythos, Chiffre und ZĂ€sur, Hamburger Edition, 2000, S. 93
  107. ↑ Ulrich Chaussy: Die drei Leben des Rudi Dutschke, Darmstadt 1983, S. 30
  108. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S.142
  109. ↑ Hans Magnus Enzensberger, Ein GesprĂ€ch ĂŒber die Zukunft mit Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler, in: Kursbuch 14: Kritik der Zukunft, August 1968, S. 146–174), online verfĂŒgbar bei infopartisan.net
  110. ↑ Rudi Dutschke, Die Deutschen und der Sozialismus, das da/avanti, Nr. 6, 1977
  111. ↑ Allgemeines Deutsches Sonntagsblatt vom 5. Juni 1977
  112. ↑ Wolfgang Kraushaar: 1968 als Mythos, Chiffre und ZĂ€sur, Hamburger Edition, 2000, S. 90
  113. ↑ gesammelt bei Peter Bernhardi (Hrsg.): Rudi Dutschke, Arbeitskreis Karl Liebknecht, Frankfurt am Main 1987
  114. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 482
  115. ↑ JĂŒrgen Habermas: Zum Tode von Rudi Dutschke: Ein wahrhafter Sozialist. In: Die Zeit, Nr. 2/1980.
  116. ↑ zitiert nach Knut Nevermann: Rudi Dutschke. Ein sanfter Radikaler. Der Heros der Studentenrevolte in Aufzeichnungen und Schriften. In: Die Zeit, Nr. 6/1982.
  117. ↑ zitiert nach Walter Jens: Dutschke und die „68er“-Bewegung in Deutschland (Goethe-Institut online)
  118. ↑ Ulrich Chaussy: Rudi Dutschke – Ein kurzes und doch nachhaltiges Leben oder: Der kurze Marsch zum langen Mythos (aus: Kalaschnikow – Das Politmagazin, Ausgabe 10, Heft 1/98)
  119. ↑ JĂŒrgen Miermeister: Rudi Dutschke, Rowohlt, Hamburg 1986, S. 83
  120. ↑ Wolfgang Kraushaar: AutoritĂ€rer Staat und AntiautoritĂ€re Bewegung, in: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Frankfurter Schule und Studentenbewegung, Band 3, Hamburg 1998, S. 23
  121. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: ‘‘Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie.’’ Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 237ff
  122. ↑ Gerd Langguth: Mythos ’68. Die Gewaltphilosophie des Rudi Dutschke – Ursachen und Folgen der Studentenbewegung. Olzog, 2001, S. 58
  123. ↑ Michaela Karl: Rudi Dutschke. RevolutionĂ€r ohne Revolution. Stationen seines Denkens, Verlag Neue Kritik, 2003, ISBN 3-8015-0364-X
  124. ↑ Rudolf Sievers (Hrsg.): 1968. Eine EnzyklopĂ€die. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, 490 S., ISBN 3-518-12241-X
  125. ↑ Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. In: Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland, Jan Philipp Reemtsma (Hrsg.): Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF. Hamburger Edition, Hamburg 2005, S. 13–50 (gekĂŒrzte Fassung bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 20. August 2007)
  126. ↑ Thomas Medicus: Machterfahrung Gewalt. Der tödliche Wunsch der RAF nach dem nicht entfremdeten Leben, in: Frankfurter Rundschau, 28. Januar 2005.
  127. ↑ Lorenz JĂ€ger: Rudi Dutschkes Freunde und Helfer, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Januar 2005.
  128. ↑ JĂŒrgen Treulieb: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf. Einspruch gegen eine unseriöse Legendenbildung. Nachdruck aus Kommune, Forum fĂŒr Politik, Ökonomie, Kultur 5/2007
  129. ↑ Rainer Stephan: Die RAF oder der Versuch einer AufklĂ€rung, in: SĂŒddeutsche Zeitung, 4. April 2005.
  130. ↑ Klaus Meschkat: Rudi Dutschke und die Gewalt, 5. MĂ€rz 2005
  131. ↑ Klaus Meschkat, Deutschlandradio, 14. MĂ€rz 2005
  132. ↑ Claus Leggewie: Entmystifiziert euch! Über Voraussetzungen und Chancen einer konsequenten Historisierung der 68er-Bewegung (taz 3. Mai 2005)
  133. ↑ Susanne Kailitz: Von den Worten zu den Waffen? Frankfurter Schule, Studentenbewegung, RAF und die Gewaltfrage, VS Verlag, Berlin 2007, S. 138ff (PDF)
  134. ↑ Bernd Rabehl: Ein Volk ohne Kultur kann zu allem verleitet werden. In: Junge Freiheit, Nr. 52–53, 18. Dezember 1998
  135. ↑ Bernd Rabehl: Rudi Dutschke. RevolutionĂ€r im geteilten Deutschland, Edition Antaios, Dresden 2002, ISBN 3-935063-06-7
  136. ↑ Wolfgang Kraushaar: 1968 als Mythos, Chiffre und ZĂ€sur, Hamburger Edition, 2000, S. 95 und S. 182ff
  137. ↑ Tilman P. Fichter, Siegward Lönnendonker: Dutschkes Deutschland. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund, die nationale Frage und die DDR-Kritik von links, Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0481-1
  138. ↑ Gretchen Dutschke-Klotz: Rudi und die deutsche Frage, in: Rudi Dutschke, TagebĂŒcher 1963–1979, Nachwort, S. 400
  139. ↑ Klaus Meschkat: Rudi Dutschke und die Gewalt, 5. MĂ€rz 2005
  140. ↑ Thilo Knott, Peter Unfried: Dutschke und Du. VerĂ€ndern, kĂ€mpfen, leben: Was wir von Rudi Dutschke lernen können. TAZ Journal 2006/01, taz Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-937683-04-6
  141. ↑ Interview mit Ralf Lord Dahrendorf in der taz vom 5./6. April 2008, tazmag, S. II: Der Minirock wurde nicht 1968 erfunden
  142. ↑ Heute: Kreuzberg bekommt endgĂŒltig Dutschke-Straße, in: Berliner Zeitung, 22. April 2008
  143. ↑ Hinterbliebene weihen Rudi-Dutschke-Straße ein, in: Der Spiegel 30. April 2008.
  144. ↑ Rudi Dutschke gibt Halt, Die Tageszeitung 10. MĂ€rz 2008.
  145. ↑ Permalink Freie UniversitĂ€t Berlin, FU-Katalog.
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