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Rudolf Kinau

Rudolf Kinau (* 23. März 1887 in Finkenwerder; † 19. November 1975) war ein niederdeutscher Schriftsteller, auch bekannt als Rudl Kinau.

Kinau kam als fünftes von sechs Kindern zur Welt. Sein Geburtsort Finkenwerder war damals noch eine eingedeichte Insel „weit weg von Hamburg“ und eine eigene Welt. Seit der Sturmflut 1962 veränderten Elbsand und Stadtplanung den Stadtteil vollkommen – Grund genug für ihn, wenigstens seine geliebte Muttersprache und die Erinnerung an seine Heimat sein Leben lang zu bewahren und weiterzugeben. Die Fischerei war Tradition in Finkenwerder – und auch die Verluste, die damit verbunden waren. Kinaus Großvater und ein Onkel fanden 1864 vor Warnemünde den Seemannstod. Sein Vater Heinrich fischte in der Nordsee auf eigenem Ewer, sein ältester Bruder Johann, genannt Jann, war als Schiffsjunge dabei. Die Verhältnisse zuhause waren karg, das Leben auf der stets von Sturm bedrohten Halbinsel hart. In der Schule kam Kinau zum ersten Mal mit dem Hochdeutschen in Berührung; es blieb ihm immer fremd, doch über seine Schulzeit hat er später schöne Geschichten verfaßt. Kurz nach der Konfirmation lernte Rudolf zwei Jahre lang die Fischerei auf dem Ewer des Nachbarn Jann Fock; schwere Arbeit für den 14jährigen, und die Zeiten wurden nicht leichter: 1908 mußte der Vater seinen Ewer verkaufen und auf einer Schute im Hamburger Hafen arbeiten, die Mutter verdiente mit Näharbeiten dazu. Im gleichen Jahr erwarb Rudolf sein Steuermannspatent für große Fahrt und ging als Freiwilliger zur Kriegsmarine. Nach seiner Dienstzeit 1910 war die Wirtschaftslage in der Seeschiffahrt nach wie vor schlecht, Kinau nahm eine Stelle als Schreiber in der Hamburger Fischhalle an und kam nur noch sonntags nach Finkenwerder. Dort heiratete er 1913 seine erste Frau Julie. Ein Jahr später, zu Beginn des 1. Weltkrieges, wurde er eingezogen und diente als Reservist und Obergast; im Einsatz als Späher in Verdun wurde er verwundet. Sein Bruder Jann, damals schon ein bekannter Schriftsteller unter dem Künstlernamen Gorch Fock, fiel 1916 in der Skagerrak-Schlacht. Um die falschen Pressemeldungen über Jann zu korrigieren, schrieb Rudolf Kinau die kleine Geschichte „Achtern Diek“ (hinter dem Deich), die sofort abgedruckt wurde und 1917 mit weiteren Geschichten die Grundlage für sein erstes Buch „Steernkiekers“ bildete. Ein zweites Buch folgte, im September 1918 gab er seine erste Lesung in Cuxhaven, arbeitete ab 1919 wieder in der Fischhalle und nach Feierabend an weiteren Geschichten und Gedichten. Nach der Gründung des Hamburger Rundfunks NORAG, später NWDR bzw. NDR, war Kinau mit seinen plattdeutschen Geschichten von Anfang an dabei, und sein Erfolg wuchs. 1932, nach Fertigstellung seines 10. Buches, gab er seinen bürgerlichen Posten am Fischmarkt auf und konzentrierte sich auf die Schriftstellerei, ausschließlich auf Niederdeutsch; nur für die Unkundigen gab es 1939 und 41 zwei Bücher auf Hochdeutsch. Bei einer Lesung in Holland lernte er seine zweite Frau Maria kennen; sie heirateten 1942 und bekamen zwei Kinder, Ulli und Hinnik. 1944 wurde Rudolf Kinau wieder eingezogen. In der Nachkriegszeit war er zunächst auf Gelegenheitsarbeit wie Apfelpflücken angewiesen. Seine Arbeit beim Rundfunk kam erst 1952 wieder in Gang, zunächst mit der 10-min-Reihe „De bunte Brück“ mit Heidi Kabel, danach „Hör mal’n beten to“ (bis 1971 über tausend Sendungen; von diesen Ansprachen erschienen in Buchform unter anderem Kamerad und Kameradin), dazu Schulfunk, Schallplatten, unter anderem auch für die überregionalen Reihen Wort und Stimme und Niederdeutsche Stimmen, 16 Hörspiele und 7 Theaterstücke – zumeist fürs Ohnsorg-Theater. Bis zu seinem Tod hat er 33 Bücher geschrieben. Bis 1974 war Kinau von Herbst bis Frühjahr in ganz Norddeutschland mit Lesungen unterwegs - doch im Sommer ging er mit dem Segelboot auf Fahrt in Nord- und Ostsee und nahm seine Kinder als Besatzung mit. Am 19. November 1975 starb Rudolf Kinau im Alter von 88 Jahren in seinem Holzhaus auf Finkenwerder. (Quelle: Dat grote Rudl Kinau Book, Quickborn-Verlag Hamburg 1986)

Neben einer Anzahl literarischer Auszeichnungen, wie z. B. dem Fritz-Reuter-Preis 1962, wurde er mit dem Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. In seinem Geburtsort Finkenwerder ist die Rudolf-Kinau-Allee, im Stormarner Ahrensburg die Rudolf-Kinau-Straße, in Ostrhauderfehn ebenfalls die Rudolf-Kinau-Straße und im schleswig-holsteinischen Wedel der Rudolf-Kinau-Weg nach ihm benannt. In Strande (Kieler Bucht) gibt es neben der Gorch-Fock-Straße den Rudolf-Kinau-Weg.

Werke

Einzelnachweise

  1. Hörspielhinweis bei NDR 1

Das Hörspiel wurde u. a. am 1. Juli 1985 auf NDR 1 wiederholt (siehe Programmempfehlung "TV" Juli 1985. Lt. damaliger Ansage stammt das Hörspiel von 1961. Vgl. auch hoerdat.de. Angaben auf der RB-Seite offensichtlich falsch.

Weblinks

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