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Mat (russisch Mат, Mатерщи́на oder Mа́терный язы́к/ Materschtschina oder Materny jasyk) bezeichnet ein eingeschränktes, aber in der Wortbildung sehr produktives, Register der obszönen Lexik der russischen Umgangssprache. Die Besonderheit dieser russischen Vulgärsprache im Vergleich zu anderen slawischen Sprachen, in welchen auf die gleichen oder sehr ähnliche Wörter zurückgegriffen wird, besteht lediglich in der starken Tabuisierung.
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff bedeutete ursprünglich so viel wie „lautes Geschrei“ (worauf die Redewendung „орать благим матом“ („orat' blagim matom“) schließen lässt).
Der Mat gehört zur russischen Umgangssprache; die Lexik des Mat ist weitgehend tabuisiert.
Seit der Zeit von Glasnost und Perestroika sind einige russische Filme auf den Markt gekommen, in denen Mat gesprochen wird. Solche Filme haben je nach Häufigkeit der Mat-Verwendung eine Altersfreigabe von 16 oder 18 Jahren, werden also Filmen mit Gewalt, Blutvergießen oder expliziten sexuellen Handlungen gleichgestellt. Der Mat hat damit einen ganz anderen Status als der Gebrauch von Schimpfwörtern im deutschsprachigen Raum.
Während Mat in der Literatur früher selten verwendet und dann meist durch Punkte oder Auslassungen „unkenntlich“ gemacht wurde, ist er in den letzten Jahren durchaus auch in dem Massenpublikum zugänglichen Werken vertreten, z. B. bei Eduard Limonow, Wiktor Pelewin oder Wladimir Sorokin.
In einigen Spielarten des Punkrock und Heavy Metal gehört Mat inzwischen zur Normalität, was sich in den Texten von Bands wie Graschdanskaja Oborona, Sektor Gasa oder Leningrad widerspiegelt. Auch das Popduo t.A.T.u. protestierte 2003 mit T-Shirts mit der Aufschrift Chui woine (etwa „fick den Krieg“) gegen den Irak-Krieg und löste damit einen Skandal aus.
Ein Phänomen der letzten Jahre ist die extensive Verwendung des Mats in der relativen Anonymität des Internets, in Weblogs wie LiveJournal und auf speziellen Websites, deren Macher sich der Gegenkultur (russ. Контркультура) zurechnen[1][2], hier oft in Verbindung mit speziellem, oft sexistischem, homophobem, xenophobem oder antisemitischem Slang bzw. absichtlicher Falschschreibung vieler Wörter[3][4].
Der russische Mat greift auf vier Schlüsselbegriffe zurück, die durch Präfixe und Suffixe eine schier endlose Vielzahl an Substantiven, Adjektiven und Verben ergeben:
Diese Begriffe und ihre abgeleiteten Formen können, je nach Zusammenhang, viele verschiedene Bedeutungen annehmen, die mit der Ursprungsbedeutung häufig nichts zu tun haben, z. B. пиздеть (pizdet′) = „lügen“ oder пиздец (pizdec) = etwa „Untergang“, „Katastrophe“, „alles im Arsch“. Es existiert auch eine Vielzahl von Redewendungen, die auf Mat-Schlüsselbegriffen aufbauen, unter anderem der weit über die Grenzen des russischen Sprachraums hinaus berüchtigte „Mutterfluch“
ёб твою мать?/i (job twoju mat; zu Deutsch „ficke deine Mutter“; ursprünglich auch „ich habe deine Mutter gefickt“, da job auch eine veraltete Vergangenheitsform von jebat′ darstellt).
Im engeren Sinne zählen nur diese vier Schlüsselbegriffe sowie die aus ihnen abgeleiteten Wörter und Redewendungen zum Mat. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer Schimpfwörter im Russischen, die manchmal ebenfalls fälschlich dem Mat zugeschrieben werden, weil sie als mehr oder weniger unanständig gelten und daher – zumindest nach Ansicht der etwas prüderen Fraktion – ebenfalls tabuisiert gehören. Dies sind beispielsweise die folgenden Begriffe: