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SĂ€urekonstante

Die SĂ€urekonstante Ks ist eine Stoffkonstante und gibt Aufschluss darĂŒber, in welchem Maße ein Stoff in einer Gleichgewichtsreaktion mit Wasser unter Protolyse reagiert:

<math>\mathrm{HA + H_2O \ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + A^-}</math>.

Dabei steht HA fĂŒr eine BrĂžnsted-SĂ€ure (nach Johannes Nicolaus BrĂžnsted), die ein Proton H+ an ein Lösungsmittel wie Wasser abgeben kann, wobei ein Anion A- zurĂŒckbleibt.[1] Allgemeiner gilt die BrĂžnsted'sche Definition auch fĂŒr nichtwĂ€ssrige Systeme, hier gilt fĂŒr ein beliebiges, protonierbares Lösungsmittel Y:

<math>\mathrm{HA + Y \ \rightleftharpoons \ HY^+ + A^-}</math>.

Ks ist die Gleichgewichtskonstante dieser Reaktion und damit ein Maß fĂŒr die StĂ€rke einer SĂ€ure. Je stĂ€rker die SĂ€ure, desto mehr ist die Reaktion auf die rechte Seite verschoben; d. h., desto höher sind die Konzentrationen von [HY+] und [A−]. Die Gleichgewichtskonstante wird meist als ihr negativer dekadischer Logarithmus, dem pKs-Wert angegeben (auch pKa, vom engl. acid = SĂ€ure). Das bedeutet: Je kleiner der pKs-Wert ist, desto stĂ€rker ist die SĂ€ure.

Inhaltsverzeichnis

Herleitung der SĂ€urekonstanten

Die SĂ€urekonstante leitet sich als Gleichgewichtskonstante einer chemischen Reaktion aus der Gibbs-Energie G (auch Freie Enthalpie) her. Ist diese bekannt, so gilt fĂŒr die Gleichgewichtskonstante Kth einer beliebigen chemischen Reaktion:

<math>K_{th}=e^{- \frac{\Delta G}{R \cdot T}}</math>

wobei R die Universelle Gaskonstante, T die Temperatur und e die eulersche Zahl ist. Die Formel beschreibt so auch die beobachtbare TemperaturabhÀngigkeit der SÀurekonstanten.

<math>K_{th}</math> ist dabei als Produkt der AktivitĂ€ten definiert und ist eine dimensionslose GrĂ¶ĂŸe. Werden Mischungseffekte vernachlĂ€ssigt, gilt <math>a_i = c_i / c_{i, \text{ref}}</math>. Dies ist in Lösungen bis 1 mmol/l ohne grĂ¶ĂŸere Fehler möglich. Konstanten können daher mit den AktivitĂ€ten wie auch mit den Konzentrationen aufgestellt werden. Sie besitzen jedoch einen anderen Zahlenwert. Bedingt durch die historische Entwicklung der Chemie aus einer praktischen Wissenschaft, werden meist die konzentrationsbezogenen Konstanten angegeben, da diese experimentell vor der thermodynamischen BegrĂŒndung gefunden wurden.

SÀurestÀrke

Die Eigenschaft eines bestimmten Stoffes, als SĂ€ure zu reagieren, ist untrennbar verknĂŒpft mit seiner potentiellen FĂ€higkeit, ein Proton (H+) an einen Reaktionspartner zu ĂŒbertragen. Man nennt eine solche Reaktion Protolyse. Die StĂ€rke einer SĂ€ure beschreibt das Ausmaß dieser FĂ€higkeit. Diese ist jedoch abhĂ€ngig von der FĂ€higkeit eines Reaktionspartners, das Proton aufzunehmen. Soll die SĂ€urenstĂ€rke verschiedener SĂ€uren verglichen werden, ist es sinnvoll, die Wechselwirkung mit einem Standardreaktionspartner zu betrachten. Dieser ist in der Regel das Wasser, das auch in vielen VorgĂ€ngen in der Natur die bedeutsamste Verbindung und Lösemittel ist. Die Reaktionsgleichung einer SĂ€ure HA in und mit Wasser kann so dargestellt werden:

<math>\mathrm{1) \ HA + H_2O \ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + A^-}\,</math>

In dieser Reaktion stellt sich schnell ein Gleichgewicht ein. Hier verfĂŒgt neben HA auch H3O+ ĂŒber die FĂ€higkeit, ein Proton an einen Reaktionspartner zu ĂŒbertragen: Sie sind beide SĂ€uren. H2O und auch A− haben hingegen die FĂ€higkeit, ein Proton aufzunehmen, weswegen man sie beide als Basen bezeichnet. Trennt man gedanklich die Standardreaktionspartner Wasser und H3O+ ab, bleiben HA und A− ĂŒbrig. Da die Konzentrationen dieser Komponenten an ein Gleichgewicht gebunden sind, ist das Ausmaß der FĂ€higkeit von HA, eine SĂ€ure zu sein, gekoppelt an das Ausmaß der FĂ€higkeit von A−, eine Base zu sein. Hat beispielsweise HA ein großes Potenzial, ein Proton abzugeben und A− ein kleines Potenzial, ein Proton anzunehmen, nennt man HA eine starke SĂ€ure. Das Gleichgewicht (1) wĂŒrde auf der rechten Seite stehen. HĂ€tten beide Partner ein hohes oder beide Partner ein niedriges Potenzial, wĂ€re HA eine schwache SĂ€ure. Das Gleichgewicht (1) wĂŒrde in beiden FĂ€llen auf der linken Seite stehen.

Die SĂ€urekonstante (bzw. der pKs-Wert) ist ein Maß fĂŒr die StĂ€rke einer SĂ€ure. Die AciditĂ€t ist umso grĂ¶ĂŸer, je geringer ihr pKs-Wert ist. Der pKs-Wert ist numerisch gleich dem pH-Wert einer Lösung, wenn HA und A− nach Gleichgewicht (1) in gleicher Konzentration vorliegen.

In wĂ€ssrigen Lösungen protolysieren sehr starke SĂ€uren und sehr starke Basen vollstĂ€ndig zu H3O+- bzw. OH−-Ionen. So lassen sich die unterschiedlichen SĂ€urestĂ€rken von Chlorwasserstoff und PerchlorsĂ€ure in Wasser nicht mehr anhand des pH-Wertes unterscheiden. Hier spricht man vom nivellierenden Effekt (v. frz.: niveler = gleichmachen) des Wassers. Um auch sehr starke SĂ€uren bezĂŒglich der SĂ€urestĂ€rke unterscheiden zu können, bestimmt man Gleichgewichtskonstanten in nichtwĂ€ssrigen Lösungen und ĂŒbertrĂ€gt diese annĂ€herungsweise auf das Lösungsmittel Wasser.

Der Standardreaktionspartner Wasser hat eine besondere Eigenschaft, als SÀure und Base reagieren zu können:

<math>\mathrm{2) \ H_2O + H_2O \ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + OH^-}</math>

Diese sogenannte Autoprotolyse erlaubt die Bestimmung das Ausmaß der FĂ€higkeit einer Base, ein Proton vom Wasser zu ĂŒbernehmen, und wird unter Basenkonstante nĂ€her erlĂ€utert.

SĂ€ure-Base-Reaktion

Zwischen einer SĂ€ure HA und ihrer Base A− liegt in wĂ€ssriger Lösung folgende Gleichgewichtsreaktion vor:

<math>\mathrm{HA + H_2O \ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + A^-}</math>
Beispiel: SÀure-Base-Reaktion von EssigsÀure und Wasser

Nach dem Massenwirkungsgesetz wird die Lage des Gleichgewichtes durch die Gleichgewichtskonstante K beschrieben:

<math>\frac{c(\mathrm{H}_3\mathrm{O}^+) \cdot c(\mathrm{A}^-)}{c(\mathrm{HA}) \cdot c(\mathrm{H}_2\mathrm{O})}=K</math>

Da die Konzentration von Wasser (c(H2O)) bei der Reaktion praktisch konstant bleibt, lĂ€sst sich c(H2O) in die Konstante K einbeziehen. Damit ergibt sich schließlich die SĂ€urekonstante Ks mit der Einheit mol/l:

<math>K_\mathrm{s} = \frac{c(\mathrm{H}_3\mathrm{O}^+) \cdot c(\mathrm{A}^-)}{c(\mathrm{HA})}</math>

HĂ€ufig wird der negative dekadische Logarithmus von Ks, der so genannte pKs-Wert angegeben.

<math>\mathrm{p}K_\mathrm{s} = -\lg \left( K_\mathrm{s} \cdot 1 \mathrm{\frac {l}{mol}} \right) = -\lg \left( \frac{c(\mathrm{H}_3\mathrm{O}^+) \cdot c(\mathrm{A}^-)}{c(\mathrm{HA})} \cdot 1 \mathrm{\frac{l}{mol}} \right)</math>

Je kleiner der pKs-Wert, desto stĂ€rker ist die SĂ€ure. So hat zum Beispiel SalpetersĂ€ure (HNO3, Dissoziationsgrad von 96 % bei einer Konzentration von 1 mol/L) den pKs-Wert −1,32, EssigsĂ€ure (Dissoziationsgrad von 0,4 % bei einer Konzentration von 1mol/L) einen pKs von 4,75. Bei Wasser, in dem bei 25 Grad Celsius in einem Liter 10-7 Mol MolekĂŒle dissoziiert sind, betrĂ€gt der pKs-Wert 15,74.

Entsprechend gibt es eine Basenkonstante (pKb-Wert). Je kleiner der pKb-Wert, desto stĂ€rker das Bestreben der Base, Protonen aufzunehmen. Über den pKs-Wert kommt man durch Umrechnung auf die Basenkonstante der korrespondierenden Base:

<math>\mathrm{p}K_\mathrm{s} + \mathrm{p}K_\mathrm{b} = \mathrm{p}K_\mathrm{W} = 14 \ </math>   bzw.
<math>\mathrm{p}K_\mathrm{b} = -\lg K_\mathrm{b} \ </math>.

(bei Standardbedingungen)

Mehrprotonige SĂ€uren

Bei einer mehrprotonigen SĂ€ure besteht eine schrittweise Protolyse. FĂŒr jede Protolysationsstufe liegt eine eigene SĂ€urekonstante bzw. pKs-Wert vor. FĂŒr die einzelnen Protolyseschritte gilt im Allgemeinen: Ks1 > Ks2 > Ks3 (bzw. pKs1 < pKs2 < pKs3), da aus der steigenden Ionenladung des entstehenden SĂ€urerestanions die weiterfĂŒhrende Protolyse weniger energetisch begĂŒnstigt ist. Als Beispiel gilt fĂŒr die PhosphorsĂ€ure:

<math>\mathrm{H_3PO_4 + H_2O \ \rightleftharpoons \ H_2PO_4^- + H_3O^+}</math> <math>K_{\mathrm{s1}}=7{,}4\cdot10^{-3}</math> <math>\mathrm{p}K_{\mathrm{s1}}=2{,}13 \ </math>
<math>\mathrm{H_2PO_4^- + H_2O \ \rightleftharpoons \ HPO_4^{2-} + H_3O^+}</math> <math>K_{\mathrm{s2}}=6{,}3\cdot10^{-8}</math> <math>\mathrm{p}K_{\mathrm{s2}}=7{,}20 \ </math>
<math>\mathrm{HPO_4^{2-} + H_2O \ \rightleftharpoons \ PO_4^{3-} + H_3O^+}</math> <math>K_{\mathrm{s3}}=4{,}4\cdot10^{-13}</math> <math>\mathrm{p}K_{\mathrm{s3}}=12{,}36 \ </math>

Bestimmung von pKs-Werten

Die Bestimmung von pKs-Werten von SĂ€uren mit Werten im Bereich von 4 bis etwa 10 lassen sich ĂŒber SĂ€ure-Base-Titrationen und der Bestimmung des pH-Werts am HalbĂ€quivalenzpunkt bestimmen. Hier liegt die SĂ€ure und ihre korrespondierende Base in gleicher Konzentration vor. An diesem Punkt folgt aus der Henderson-Hasselbalch-Gleichung: pH = pKs.

AciditÀt organischer SÀuren

Bei Organischen SĂ€uren entscheiden vor allem drei Struktureigenschaften ĂŒber die SĂ€urestĂ€rke:

  1. Stabilisierung des entstehenden Anions durch Mesomerie: So sind z. B. CarbonsĂ€uren saurer als Alkohole. Mesomere Effekte spielen hierbei eine entscheidende Rolle: Ein −M-Effekt (etwa einer Nitrogruppe -NO2) erhöht die SĂ€urestĂ€rke, ein +M-Effekt verringert sie.[2]
  2. Hybridisierung des Kohlenstoffatoms: Mit steigendem s-Gehalt nimmt die StĂ€rke zu. So hat Ethin (sp-Hybridorbital) einen niedrigeren pKs-Wert als Ethen (sp2-Hybridorbital) und dieses einen niedrigeren als Ethan (sp3-Hybridorbital), es gilt also fĂŒr den pKs-Wert: sp < sp2 < sp3
  3. Induktive Effekte: Die SĂ€urestĂ€rke steigt, wenn elektronenziehende Gruppen vorhanden sind, z. B. Halogene wie Fluor und Chlor oder Sauerstoff. TrichloressigsĂ€ure ist beispielsweise stĂ€rker als EssigsĂ€ure.

Einige Substituenten besitzen sowohl mesomere als auch induktive Effekte, etwa die Halogene oder Nitrogruppen. Halogene weisen einen starken -I-, aber einen schwachen +M-Effekt auf; die Nitrogruppe wirkt sowohl elektronenanziehend (-I-Effekt) als auch ĂŒber einen -M-Effekt, d. h. beide Effekte wirken in dieselbe Richtung.[2]

pKs- und pKb-Werte einiger Verbindungen

Die folgende Tabelle listet pKs- und pKb-Werte einiger SĂ€uren und Basen bei Standardbedingungen:[3]

SÀurestÀrke pKs SÀure + H2O <math> \ \rightleftharpoons \ </math> H3O+ + Base pKb BasenstÀrke
sehr stark −10 HClO4 ClO4− 24 sehr schwach
−10 HI I− 24
−6 HCl Cl− 20
−3 H2SO4 HSO4− 17
−1,32 HNO3 NO3− 15,32
stark 0,00 H3O+ H2O 14,00 schwach
1,92 HSO4− SO42− 12,08
2,13 H3PO4 H2PO4− 11,87
2,22 [Fe(H2O)6]3+ [Fe(OH)(H2O)5]2+ 11,78
3,14 HF F− 10,86
3,75 HCOOH HCOO− 10,25
mittelstark 4,75 CH3COOH CH3COO− 9,25 mittelstark
4,85 [Al(H2O)6]3+ [Al(OH)(H2O)5]2+ 9,15
6,52 H2CO3 HCO3− 7,48
6,92 H2S HS− 7,08
7,20 H2PO4− HPO42− 6,80
schwach 9,25 NH4+ NH3 4,75 stark
9,40 HCN CN− 4,60
10,40 HCO3− CO32− 3,60
12,36 HPO42− PO43− 1,64
13,00 HS− S2− 1,00
14,00 H2O OH− 0,00
sehr schwach 15,90 CH3CH2-OH CH3-CH2-O− −1,90 sehr stark
23 NH3 NH2− −9
48[4] CH4 CH3− −34

Weblinks

Wikibooks Wikibooks: Tabellensammlung Chemie/ pKs/pKb-Werte â€“ Lern- und Lehrmaterialien

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu SĂ€ure-Base-Konzepte im Lexikon der Chemie, abgerufen am 2. April 2008.
  2. ↑ a b Alfons HĂ€dener, Heinz Kaufmann: Grundlagen der organischen Chemie. 11. ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. BirkhĂ€user, Basel u. a. 2006, ISBN 3-7643-7040-8.
  3. ↑ Gerhart Jander, Karl Friedrich Jahr, Gerhard Schulze, JĂŒrgen Simon (Hrsg.): Maßanalyse. Theorie und Praxis der Titrationen mit chemischen und physikalischen Indikationen. 16. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017098-1, S. 81.
  4. ↑ Jerry March: Advanced Organic Chemistry. Reactions, Mechanisms, and Structure. 3. Auflage. Wiley, New York NY u. a. 1985, ISBN 0-471-88841-9, S. 222.
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