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Das Internationale Einheitensystem, abgekĂŒrzt SI (von französisch SystĂšme international dâunitĂ©s), ist das heute weltweit am weitesten verbreitete Einheitensystem fĂŒr physikalische GröĂen. Es ist ein kohĂ€rentes, metrisches Einheitensystem.
Das SI ist ein metrisches, dezimales und kohĂ€rentes Einheitensystem. Durch das SI werden physikalische Einheiten zu ausgewĂ€hlten GröĂen festgelegt. Die Auswahl erfolgt â unter BerĂŒcksichtigung der geltenden wissenschaftlichen Theorien â nach praktischen Gesichtspunkten. Nicht-physikalische GröĂen, zum Beispiel wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche GröĂen, werden im SI nicht definiert. Das SI beruht auf sieben, per Konvention festgelegten, Basiseinheiten zu entsprechenden BasisgröĂen.
FĂŒr internationale Regelungen ĂŒber das SI ist das internationale MaĂ- und GewichtsbĂŒro (BIPM) zustĂ€ndig. Als Referenz-Regelwerk gilt die vom BIPM in periodischen AbstĂ€nden (ĂŒblicherweise alle paar Jahre) neu publizierte BroschĂŒre mit dem in das Englische ĂŒbersetzten Titel The International System of Units â deutsch kurz auch als âdie SI-BroschĂŒreâ bezeichnet. Allerdings gilt nur die französische Originalausgabe als Referenz. Dieser Artikel bezieht sich auf die 2006 erschienene 8. Auflage der SI-BroschĂŒre.[1][2]
FĂŒr die nationale Umsetzung des SI sind meist die metrologischen Staatsinstitute (AbkĂŒrzung NMI (national metrological institute)) zustĂ€ndig, in Deutschland ist das die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), in der Schweiz das Bundesamt fĂŒr Metrologie (METAS), in Ăsterreich das Bundesamt fĂŒr Eich- und Vermessungswesen (BEV), in GroĂbritannien das National Physical Laboratory (NPL) und in den USA das National Institute of Standards and Technology (NIST). In der DDR war die zustĂ€ndige Behörde das Amt fĂŒr Standardisierung, MeĂwesen und WarenprĂŒfung (ASMW). Diese nationalen Empfehlungen erhalten rechtliche Bedeutung, d. h. im Wesentlichen eine Anwendungspflicht in manchen TĂ€tigkeitsbereichen, erst durch Gesetze oder Rechtsprechung der einzelnen Staaten.
In der EU ist die Verwendung von Einheiten unter anderem durch die EG-Richtlinie 80/181/EWG[3] weitgehend vereinheitlicht worden. In der EuropĂ€ischen Union (EU), der Schweiz und den meisten anderen Staaten ist die Benutzung des SI im amtlichen oder geschĂ€ftlichen Verkehr gesetzlich vorgeschrieben. Mit der Richtlinie 2009/3/EG[4] wurde die Verwendung von zusĂ€tzlichen Angaben in der EU allerdings unbefristet erlaubt (durch vorhergehende Richtlinien war dies ursprĂŒnglich nur bis zum 31. Dezember 2009 möglich). Dies wird hauptsĂ€chlich damit begrĂŒndet, Exporte von Waren in DrittlĂ€nder nicht zu behindern. In vielen Staaten sind in EinzelfĂ€llen durch nationale Gesetze Ausnahmen von den SI-Regelungen gestattet.
Von den USA, Myanmar und Liberia wurde das SI-System nie offiziell eingefĂŒhrt.[5] In den USA sind metrische Einheiten seit einem Parlamentsbeschluss 1866 und einem Regierungsdekret 1894 anerkannte Einheiten. In den 1970er Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, das SI-System einzufĂŒhren, doch es scheiterte am Willen des Volkes.[6] In vielen Bereichen wie z. B. Wissenschaft, Medizin oder Industrie wird das SI-System parallel oder ausschlieĂlich genutzt. Ansonsten ist in den USA das angloamerikanische MaĂsystem in der Variante der âcustomary unitsâ (die auf einer historischen Form des britischen MaĂsystems beruht) gebrĂ€uchlich.
Meilenstein fĂŒr die internationale Durchsetzung des metrischen Systems war die Unterzeichnung der Meterkonvention 1875 durch 17 Staaten. Dabei wurde auch das Internationale MaĂ- und GewichtsbĂŒro (BIPM) und deren Generalkonferenz fĂŒr MaĂ und Gewicht (CGPM) gegrĂŒndet. Diese beiden Institutionen sind bis heute fĂŒr die internationale Standardisierung des SI zustĂ€ndig.
Das SI ist heute in der ganzen Welt verbreitet. In den meisten IndustrielĂ€ndern ist sein Gebrauch fĂŒr den amtlichen und geschĂ€ftlichen Verkehr gesetzlich vorgeschrieben. In Deutschland geschieht dies durch das Einheiten- und Zeitgesetz und die zugehörige AusfĂŒhrungsverordnung. Gesetze, die die EinfĂŒhrung des SI regelten, traten 1970 in der Bundesrepublik Deutschland, 1973 in Ăsterreich und 1978 in der Schweiz in Kraft; 1978 waren alle Ăbergangsregelungen betreffend Nicht-SI-Einheiten abgeschlossen. In Deutschland sind die meisten LehrbĂŒcher auf SI-Einheiten umgestellt worden. Eine Ausnahme machen die LehrbĂŒcher zur Elektrodynamik und zur Teilchenphysik.
In einigen LĂ€ndern werden neben dem SI weiterhin traditionelle MaĂsysteme verwendet:
In der Luftfahrt verwendet man weiterhin nicht-SI-konforme Einheiten fĂŒr Flughöhe (ft = Feet), Entfernungen (Seemeile = 1852 m) und Geschwindigkeiten (1kt = 1 Knoten = 1 Seemeile pro Stunde).
Im SI gibt es sieben Basiseinheiten. Alle anderen physikalischen Einheiten sind aus diesen Basiseinheiten abgeleitet. Alle physikalischen Einheiten bilden die kohĂ€renten SI-Einheiten, sofern sie nicht zusammen mit SI-PrĂ€fixen (wie Kilo oder Milli) verwendet werden. Eine Ausnahme bildet das Kilogramm, das als Basiseinheit bereits mit dem SI-PrĂ€fix Kilo versehen ist. Durch Verwendung von SI-PrĂ€fixen werden kohĂ€rente SI-Einheiten zu nicht kohĂ€renten SI-Einheiten. Die Gesamtheit all dieser Einheiten, also sowohl die kohĂ€renten als auch die nicht kohĂ€renten SI-Einheiten, bildet die Menge der âSI-Einheitenâ.
Eine SI-Basiseinheit ist immer die kohĂ€rente Einheit der zugehörigen BasisgröĂe. Daneben kann sie auch noch als kohĂ€rente Einheit abgeleiteter GröĂen dienen.
Die Basiseinheiten des SI und die entsprechenden BasisgröĂen des zu Grunde liegenden GröĂensystems ISQ werden nach praktischen Gesichtspunkten willkĂŒrlich durch die CGPM festgelegt. Eine SI-BasisgröĂe kann definitionsgemÀà nicht durch andere BasisgröĂen ausgedrĂŒckt werden. Analog dazu kann eine SI-Basiseinheit nicht als Potenzprodukt anderer Basiseinheiten ausgedrĂŒckt werden.
Die Definitionen der Basiseinheiten sind nicht endgĂŒltig, sondern werden in stĂ€ndiger Arbeit mit dem fortschreitenden Stand der Messtechnik sowie nach revidierten prinzipiellen Ăberlegungen weitergefĂŒhrt. Im internationalen GröĂen- und Einheitensystem werden die sieben BasisgröĂen durch die Basiseinheiten Meter (m), Kilogramm (kg), Sekunde (s), Ampere (A), Kelvin (K), Mol (mol) und Candela (cd) ausgedrĂŒckt und im SI in dieser Reihenfolge definiert. Jeder BasisgröĂe wird eine Dimension mit demselben Namen zugeordnet. Beispielsweise heiĂt die Dimension der BasisgröĂe LĂ€nge ebenfalls LĂ€nge. Das Symbol zur GröĂe wird mit einem kursiv geschriebenen Buchstaben âlâ bezeichnet; jenes zur Dimension mit einem aufrecht stehenden, groĂ geschriebenen Buchstaben âLâ. Die praktische Realisierung einer Dimension erfolgt durch eine entsprechende kohĂ€rente Einheit â im Falle der LĂ€nge durch den Meter.
| BasisgröĂe und Dimensionsname |
GröĂen- symbol |
Dimensions- symbol |
Einheit | Einheiten- zeichen |
Definition der Einheit |
|---|---|---|---|---|---|
| LĂ€nge | l | L | Meter | m | LĂ€nge der Strecke, die das Licht im Vakuum wĂ€hrend der Dauer von 1 / 299.792.458 Sekunde zurĂŒcklegt.[B 1] |
| Masse | m | M | Kilogramm | kg | Das Kilogramm ist gleich der Masse des Internationalen Kilogrammprototyps. |
| Zeit | t | T | Sekunde | s | Das 9.192.631.770-fache der Periodendauer der dem Ăbergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Caesium-Isotops 133Cs entsprechenden Strahlung. |
| StromstĂ€rke | I | I | Ampere | A | StĂ€rke eines konstanten elektrischen Stromes, der, durch zwei parallele, geradlinige, unendlich lange und im Vakuum im Abstand von 1 Meter voneinander angeordnete Leiter von vernachlĂ€ssigbar kleinem, kreisförmigem Querschnitt flieĂend, zwischen diesen Leitern pro Meter LeiterlĂ€nge die Kraft 2âĂâ10â7 Newton hervorrufen wĂŒrde.[B 2] |
| Thermodynamische Temperatur |
T | Î | Kelvin | K | 1 / 273,16 der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunkts von Wasser genau definierter isotopischer Zusammensetzung.[B 3] |
| Stoffmenge (Substanzmenge) |
n | N | Mol | mol | Die Stoffmenge eines Systems, das aus ebenso viel Einzelteilchen besteht, wie Atome in 0,012 Kilogramm des Kohlenstoff-Isotops 12C in ungebundenem Zustand enthalten sind.[B 4] Bei Benutzung des Mol mĂŒssen die Einzelteilchen spezifiziert sein und können Atome, MolekĂŒle, Ionen, Elektronen sowie andere Teilchen oder Gruppen solcher Teilchen genau angegebener Zusammensetzung sein. |
| LichtstÀrke | IV | J | Candela | cd | Die LichtstÀrke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle, die monochromatische Strahlung der Frequenz 540 à 1012 Hz[B 5] aussendet und deren StrahlstÀrke in dieser Richtung 1 / 683 Watt pro Steradiant betrÀgt. |
| |||||
Man kann erkennen, dass nur die drei Basiseinheiten Kilogramm, Sekunde und Kelvin unabhĂ€ngig von anderen Basiseinheiten definiert sind, wĂ€hrend die Definitionen der ĂŒbrigen vier Basiseinheiten AbhĂ€ngigkeiten zu anderen Basiseinheiten aufweisen:
Alle anderen physikalischen GröĂen als die sieben BasisgröĂen des ISQ sind abgeleitete GröĂen. Analog dazu sind alle anderen Einheiten als die sieben Basiseinheiten des SI abgeleitete Einheiten.
Die SI-Einheit einer beliebigen GröĂe Q (steht fĂŒr engl. quantity) kann als Produkt aus einem numerischen Faktor und dem Produkt aus Potenzen (Potenzprodukt) der Basiseinheiten ausgedrĂŒckt werden:
â[Q]â stellt symbolisch den Ausdruck âdie Einheit der GröĂe Qâ dar, in Ăbereinkunft der Regeln gemÀà dem vom Joint Committee for Guides in Metrology herausgegebenen VIM (International Vocabulary of Metrology â Basic and General Concepts and Associated Terms).
Der numerische Faktor 10n (mit ganzzahligem n) reprĂ€sentiert den SI-PrĂ€fix wie Kilo oder Milli. Ist der numerische Faktor gleich eins (also bei n = 0), liegt eine kohĂ€rente SI-Einheit vor. KohĂ€rente SI-Einheiten sind demnach die SI-Basiseinheiten und alle kohĂ€renten abgeleiteten SI-Einheiten. Jede physikalische GröĂe hat nur eine einzige kohĂ€rente SI-Einheit und eine entsprechende Dimension. Eine kohĂ€rente SI-Einheit wird bei Verwendung eines SI-PrĂ€fixes zu einer nicht kohĂ€renten SI-Einheit. Die kohĂ€rente Form obiger Einheitengleichung kann auch als entsprechende Dimensionsgleichung dargestellt werden:
Die Basis jeder Potenz ist in dieser Darstellung die Dimension einer BasisgröĂe. Der Exponent wird Dimensionsexponent dieser BasisgröĂe oder der entsprechenden Basiseinheit genannt. Jeder Dimensionsexponent α, ÎČ, Îł, ÎŽ, Δ, ζ und η ist entweder Null, eine positive oder negative, im Allgemeinen kleine ganze Zahl. âKleinâ bedeutet, dass der Betrag des Exponenten in der Regel kleiner als 10 ist.
Ein Vorteil der ausschlieĂlichen Verwendung kohĂ€renter SI-Einheiten in Gleichungen liegt darin, dass keine Umrechnungsfaktoren zwischen Einheiten benötigt werden.
22 kohĂ€renten abgeleiteten SI-Einheiten wurden eigene Namen und Einheitenzeichen (Symbole) zugeordnet, die selbst wieder mit allen Basis- und abgeleiteten Einheiten kombiniert werden können. So eignet sich zum Beispiel die SI-Einheit der Kraft, das Newton (= kg·m/s2), um die Einheit der Energie, das Joule als Newton mal Meter (N·m) auszudrĂŒcken. Die folgende Tabelle listet diese 22 Einheiten in derselben Reihenfolge wie Tabelle 3 der SI-BroschĂŒre (8. Auflage).
| GröĂe | Einheit | Einheiten- zeichen |
in anderen SI-Einheiten ausgedrĂŒckt |
in SI-Basiseinheiten ausgedrĂŒckt[N 1] |
|---|---|---|---|---|
| ebener Winkel | Radiant[N 2] | rad | 1 | m/m |
| Raumwinkel | Steradiant[N 2][N 3] | sr | 1 | m2/m2 |
| Frequenz | Hertz | Hz | sâ1 | |
| Kraft | Newton | N | J/m | m·kg·sâ2 |
| Druck | Pascal[N 4] | Pa | N/m2 | mâ1·kg·sâ2 |
| Energie, Arbeit, WĂ€rmemenge | Joule | J | N·m; Ws | m2·kg·sâ2 |
| Leistung | Watt | W | J/s; VA | m2·kg·sâ3 |
| elektrische Ladung | Coulomb | C | A·s | |
| elektrische Spannung (elektrische Potentialdifferenz) |
Volt | V | W/A | m2·kg·sâ3·Aâ1 |
| elektrische KapazitĂ€t | Farad | F | C/V | mâ2·kgâ1·s4·A2 |
| elektrischer Widerstand | Ohm | Ω | V/A | m2·kg·sâ3·Aâ2 |
| elektrischer Leitwert | Siemens | S | 1/Ω | mâ2·kgâ1·s3·A2 |
| magnetischer Fluss | Weber | Wb | V·s | m2·kg·sâ2·Aâ1 |
| magnetische Flussdichte, Induktion |
Tesla | T | Wb/m2 | kg·sâ2·Aâ1 |
| InduktivitĂ€t | Henry | H | Wb/A | m2·kg·sâ2·Aâ2 |
| Celsius-Temperatur | Grad Celsius[N 5] | °C | K | |
| Lichtstrom | Lumen | lm | cd·sr | cd |
| BeleuchtungsstĂ€rke | Lux | lx | lm/m2 | mâ2·cd |
| RadioaktivitĂ€t | Becquerel | Bq | sâ1 | |
| Energiedosis | Gray | Gy | J/kg | m2·sâ2 |
| Ăquivalentdosis | Sievert | Sv | J/kg | m2·sâ2 |
| katalytische AktivitĂ€t | Katal | kat | sâ1·mol | |
| ||||
Das Grad Celsius darf â aus Sicht des SI â zusammen mit SI-VorsĂ€tzen benutzt werden. Einheitenzeichen wie m°C mögen ungewohnt erscheinen und in der Praxis selten sein; in Deutschland dĂŒrfen nach Einheitenrecht VorsĂ€tze nicht auf den Grad Celsius angewendet werden.
Neben den SI-Einheiten gibt es (vor allem in der Elektrodynamik, Informatik, im Wirtschaftswesen) noch einige weitere gebrĂ€uchliche Einheiten, die nicht zum SI gehören, insbesondere das sogenannte GauĂsche- oder cgs-System.
| ISO 1000 | |
|---|---|
| Titel | SI-Einheiten |
| Bereich | Messtechnik |
| Regelt | SI-Einheiten, Empfehlungen fĂŒr deren GröĂenordnungen und einige andere Einheiten |
| Erscheinungsjahr | Aktuelle Fassung: 1992/Amd.1:1998 |
| Nationale Ausgaben | DIN 1301-1:2010-10 |
Die ISO 1000:1992 wurde 2009 zurĂŒckgezogen, nachdem die ISO/IEC 80000-1. veröffentlicht wurde. Nationale und Internationale Normen, wie die ISO 1000 oder entsprechende EWG-Richtlinien, haben das SI ĂŒbernommen. In Deutschland wurden die darin festgelegten Einheiten mit dem Gesetz ĂŒber die Einheiten im Messwesen (1969) (das 2008 durch EinfĂŒgung der Bestimmungen des frĂŒheren Zeitgesetzes zum Gesetz ĂŒber die Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung (EinhZeitG) erweitert wurde) fĂŒr den amtlichen und geschĂ€ftlichen Verkehr vorgeschrieben. Die aktuelle AusfĂŒhrungsverordnung von 1985[7] nennt in einer Anlage die zulĂ€ssigen Bezeichnungen und verweist im ĂŒbrigen auf âdie Definitionen und Beziehungen, die in Kapitel I des Anhangs der Richtlinie 80/181/EG vom 20. Dezember 1979 (ABl. L 39 vom 15.2.1980, S. 40) in ihrer jeweils geltenden Fassung aufgefĂŒhrt sind.â Nach § 3 der Verordnung âist die zusĂ€tzliche Verwendung anderer als der gesetzlichen Einheiten nur gestattet, wenn die Angabe in der gesetzlichen Einheit hervorgehoben ist.â Die vorige Verordnung hatte noch etliche Nicht-SI-Einheiten ohne ZusĂ€tze erlaubt, zum Beispiel mmHg (Millimeter-QuecksilbersĂ€ule) fĂŒr den Blutdruck. In der Schweiz ist die Bezeichnung mmHg auch fĂŒr den Druck anderer KörperflĂŒssigkeiten zulĂ€ssig. Das SI-Regelwerk nennt auch seinerseits Nicht-SI-Einheiten, deren Verwendung zusammen mit dem SI akzeptiert ist. Die SI-BroschĂŒre regelt nicht nur die Einheitennamen, sondern gibt auch Formatierungsregeln fĂŒr die Schreibweise von Einheitenzeichen und Zahlenwerten.
Nach ISO sind GröĂensymbole (Formelzeichen) in kursiver Schrift zu schreiben.
GröĂe, Zahlenwert und Einheit können in folgender mathematischer Kurzform geschrieben werden:
mit A als Symbol fĂŒr die GröĂe, {A} als Symbol fĂŒr den Zahlenwert von A und [A] als Symbol fĂŒr die Einheit von A.
Da die Formel fĂŒr die GröĂe als mathematische Formel angesehen wird, darf nach den ĂŒblichen mathematischen Regeln umgeformt werden:
GröĂensymbole (Formelzeichen) sind in kursiver Schrift zu schreiben. Die Zeichen können frei gewĂ€hlt werden â allgemein ĂŒbliche Formelzeichen wie l, m oder t stellen lediglich Empfehlungen dar. Auch DIN-Normen enthalten Empfehlungen fĂŒr Formelzeichen. Die Wahl von Namen und Symbol einer physikalischen GröĂe empfiehlt die SI-BroschĂŒre ohne Assoziation zu einer bestimmten Einheit. Demnach sollen Bezeichnungen wie Literleistung vermieden werden. Die Celsius-Temperatur gehorcht dieser Empfehlung allerdings nicht. Weitere, jedoch nicht so bedeutsame Beispiele der Nicht-Einhaltung dieser Empfehlung sind der Stundenwinkel, die Gradtagzahl und der Heizgradtag.
Die Einheitenzeichen von nicht zusammengesetzten Einheiten sind international einheitlich. UnabhĂ€ngig vom Format des umgebenden Textes sind sie in aufrechter Schrift zu schreiben. Sie werden in Kleinbuchstaben geschrieben, auĂer wenn sie nach einer Person benannt wurden â dann wird der erste Buchstabe groĂ geschrieben. Beispiel: â1 sâ bedeutet eine Sekunde, wĂ€hrend â1 Sâ das nach Werner von Siemens benannte Siemens darstellt. Eine Ausnahme dieser Regel bildet die Nicht-SI-Einheit Liter: Obwohl es nicht nach einer Person benannt ist, kann fĂŒr sein Einheitenzeichen neben dem klein geschriebenen l auch das groĂ geschriebene L verwendet werden. Letzteres ist vor allem im angloamerikanischen Raum ĂŒblich, um Verwechslungen mit der Ziffer âeinsâ zu vermeiden. In der Schweiz ist generell festgelegt, dass die Verwendung des kleinen Buchstabens âlâ in Einheitenzeichen (l, lm, lx) nicht zu Verwechslungen mit der Ziffer âeinsâ fĂŒhren darf.
Ein SI-PrĂ€fix (wie Kilo oder Milli) kann fĂŒr ein dezimales Vielfaches oder einen Teil unmittelbar vor das Einheitenzeichen einer kohĂ€renten Einheit gestellt werden, um Einheiten in unterschiedlichen GröĂenordnungen anschaulicher darzustellen. Eine Ausnahme bildet das Kilogramm (kg), das nur vom Gramm (g) ausgehend mit SI-PrĂ€fixen verwendet werden darf. Beispielsweise muss es fĂŒr 10â6 kg âmgâ und nicht âÎŒkgâ heiĂen.
Einheitenzeichen folgen nach einem Leerzeichen dem Zahlenwert, auch bei Prozent und Temperaturangaben in Grad Celsius. Zur besseren Leserlichkeit und der Vermeidung von ZeilenumbrĂŒchen sollte ein schmales Leerzeichen verwendet werden. Einzig die Einheitenzeichen °, ' und " fĂŒr die Nicht-SI-Winkeleinheiten Grad, Minute und Sekunde werden direkt nach dem Zahlenwert ohne Zwischenraum gesetzt.
Hinweise auf bestimmte Sachverhalte sollen nicht an Einheitenzeichen angebracht werden (als tiefgestellte Zeichen); sie gehören dagegen zum Formelzeichen der verwendeten physikalischen GröĂe oder in erlĂ€uternden Text. Falsch ist Veff als âEinheitâ von Effektivwerten der elektrischen Spannung in Volt, VDC fĂŒr die Angabe einer elektrischen Gleichspannung in Volt, oder %(V/V) fĂŒr âVolumenprozentâ.
Dimensionssymbole werden als aufrecht stehender GroĂbuchstabe in serifenloser Schrift geschrieben.
SprachabhÀngige Schreibweise:
Eine Einheit hat einen ausgeschriebenen Einheitennamen und ein Einheitenzeichen. Je nach Sprache sind unterschiedliche Schreibweisen sowohl fĂŒr Einheitennamen (dt. Sekunde, engl. second, frz. seconde) als auch fĂŒr Einheitenzeichen (dt. Lj, engl. ly) vorgesehen.
Bei Multiplikationen ist der mittige Punkt (·) nur zwischen Einheitenzeichen oder Formelzeichen (Symbolen fĂŒr GröĂen) zulĂ€ssig; fĂŒr Multiplikationen von Zahlen soll nur das Multiplikations-Kreuz (Ă) verwendet werden; diese Empfehlung geht ĂŒber den Stand der DIN-Normung hinaus. Beispiel:
| Richtig: | 2,997â924â58 Ă 108 m·sâ1 |
| Nicht empfohlen: | 2,997â924â58 · 108 m·sâ1 |
Da fĂŒr einige GröĂen wie die Temperatur verschiedene SI-Einheiten möglich sind, ergeben sich in AbhĂ€ngigkeit von der Wahl der Einheit verschiedene Zahlenwerte.
| T = 273,15 K | Temperatur in der Einheit: Kelvin |
| T = 0 °C | Temperatur in der Einheit: Celsius |
Um MissverstĂ€ndnisse in der Interpretation der GröĂe zu vermeiden, gilt die Grundregel:
Da aber aufgrund verschiedener Einheiten unterschiedliche Angaben der GröĂe möglich sind, mĂŒssen diese in eindeutiger Weise angegeben und umgerechnet werden.
Schreibweise fĂŒr den Zahlenwert nach ISO:
Nach ISO ergibt sich fĂŒr den Zahlenwert die Schreibweise: {A} = A / [A] Beispiel Temperatur: {T} = T / [T]= T / K oder {T} = T / [T]= T / °C
Anmerkung:
Die Definition {A} = A / [A] der ISO birgt die Gefahr der Verwechslung des Zahlenwertes mit einer physikalischen Formel.
Beispiele:
Bei rein mathematischer Umformung wĂ€ren auch die folgenden, irrefĂŒhrenden Umrechnungsbeziehungen möglich:
Andere, gebrĂ€uchliche Schreibweisen fĂŒr den Zahlenwert (nicht ISO-konform, aber ohne kursive Schreibung fĂŒr die GröĂe):
In der internationalen, wissenschaftlichen Literatur war es bisher nicht ĂŒblich und bei vereinfachter Schreibweise zum Beispiel an der Tafel ist es nicht immer möglich, eine kursive Schreibung fĂŒr die GröĂe zu wĂ€hlen. Entgegen der ISO schreibt man stattdessen die GröĂe nicht kursiv und setzt beim Zahlenwert einen Index an das GröĂensymbol.
(FĂ€lschlicherweise wird diese Schreibweise auch oft fĂŒr die eigentliche GröĂe verwendet, obwohl die GröĂe unabhĂ€ngig von der Einheit ist:
Beispiel: Angabe der Gefrierpunktstemperatur von Wasser bei Normaldruck: T = 273,15 K = 0 °C
| ISO: | T/K = 273,15 | andere Schreibweise: | TK = 273,15 |
| ISO: | T/°C = 0 | andere Schreibweise: | T°C = 0 |
Umrechnungsbeziehung fĂŒr die Zahlenwerte zwischen Celsius-Temperatur t und thermodynamischer Temperatur T:
In der Si-BroschĂŒre [8] werden in Abschnitt 5.3.4 Dezimaltrennzeichen und Tausendertrennzeichen behandelt:
| Richtig: | 7â654â321,123â4 |
| Falsch: | 7.654.321,1234 |
Kann der Zahlenwert einer GröĂe nur geschĂ€tzt werden, so ist deren Unsicherheit anzugeben. Dabei sind die Richtlinien des vom Joint Committee for Guides in Metrology herausgegebenen Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement (GUM)[9] anzuwenden.
Das folgende Beispiel zeigt anhand des nach CODATA 2010[10] empfohlenen Wertes der Avogadro-Konstante NA die kompakte Schreibweise zur Angabe der Standardunsicherheit:
Diese Ausdrucksform ist gleichbedeutend zur langen Schreibweise der Form:
Wie aus den genannten derzeit gĂŒltigen Definitionen der SI-Basiseinheiten ersichtlich, wurden bisher zwei fundamentale physikalische Konstanten (Naturkonstanten), fĂŒr die es nur einen allgemein empfohlenen SchĂ€tzwert gegeben hat, auf einen exakten Wert festgelegt. Auf Grundlage eines solchen exakten Wertes wurde dann eine SI-Basiseinheit definiert.
ZukĂŒnftig sind weitere Neudefinitionen von SI-Basiseinheiten zu erwarten, die mit einer exakten Festlegung von Naturkonstanten einhergehen.[11]
Mögliche Neudefinitionen von SI-Basiseinheiten werden auf der alle vier Jahre stattfindenden Generalkonferenz fĂŒr MaĂ und Gewicht diskutiert. (zuletzt 2011)