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Internationales Einheitensystem

Das Internationale Einheitensystem, abgekĂŒrzt SI (von französisch SystĂšme international d’unitĂ©s), ist das heute weltweit am weitesten verbreitete Einheitensystem fĂŒr physikalische GrĂ¶ĂŸen. Es ist ein kohĂ€rentes, metrisches Einheitensystem.

Inhaltsverzeichnis

EinfĂŒhrung

Das SI ist ein metrisches, dezimales und kohĂ€rentes Einheitensystem. Durch das SI werden physikalische Einheiten zu ausgewĂ€hlten GrĂ¶ĂŸen festgelegt. Die Auswahl erfolgt â€“ unter BerĂŒcksichtigung der geltenden wissenschaftlichen Theorien â€“ nach praktischen Gesichtspunkten. Nicht-physikalische GrĂ¶ĂŸen, zum Beispiel wirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche GrĂ¶ĂŸen, werden im SI nicht definiert. Das SI beruht auf sieben, per Konvention festgelegten, Basiseinheiten zu entsprechenden BasisgrĂ¶ĂŸen.

FĂŒr internationale Regelungen ĂŒber das SI ist das internationale Maß- und GewichtsbĂŒro (BIPM) zustĂ€ndig. Als Referenz-Regelwerk gilt die vom BIPM in periodischen AbstĂ€nden (ĂŒblicherweise alle paar Jahre) neu publizierte BroschĂŒre mit dem in das Englische ĂŒbersetzten Titel The International System of Units â€“ deutsch kurz auch als „die SI-BroschĂŒre“ bezeichnet. Allerdings gilt nur die französische Originalausgabe als Referenz. Dieser Artikel bezieht sich auf die 2006 erschienene 8. Auflage der SI-BroschĂŒre.[1][2]

FĂŒr die nationale Umsetzung des SI sind meist die metrologischen Staatsinstitute (AbkĂŒrzung NMI (national metrological institute)) zustĂ€ndig, in Deutschland ist das die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), in der Schweiz das Bundesamt fĂŒr Metrologie (METAS), in Österreich das Bundesamt fĂŒr Eich- und Vermessungswesen (BEV), in Großbritannien das National Physical Laboratory (NPL) und in den USA das National Institute of Standards and Technology (NIST). In der DDR war die zustĂ€ndige Behörde das Amt fĂŒr Standardisierung, Meßwesen und WarenprĂŒfung (ASMW). Diese nationalen Empfehlungen erhalten rechtliche Bedeutung, d. h. im Wesentlichen eine Anwendungspflicht in manchen TĂ€tigkeitsbereichen, erst durch Gesetze oder Rechtsprechung der einzelnen Staaten.

In der EU ist die Verwendung von Einheiten unter anderem durch die EG-Richtlinie 80/181/EWG[3] weitgehend vereinheitlicht worden. In der EuropĂ€ischen Union (EU), der Schweiz und den meisten anderen Staaten ist die Benutzung des SI im amtlichen oder geschĂ€ftlichen Verkehr gesetzlich vorgeschrieben. Mit der Richtlinie 2009/3/EG[4] wurde die Verwendung von zusĂ€tzlichen Angaben in der EU allerdings unbefristet erlaubt (durch vorhergehende Richtlinien war dies ursprĂŒnglich nur bis zum 31. Dezember 2009 möglich). Dies wird hauptsĂ€chlich damit begrĂŒndet, Exporte von Waren in DrittlĂ€nder nicht zu behindern. In vielen Staaten sind in EinzelfĂ€llen durch nationale Gesetze Ausnahmen von den SI-Regelungen gestattet.

Von den USA, Myanmar und Liberia wurde das SI-System nie offiziell eingefĂŒhrt.[5] In den USA sind metrische Einheiten seit einem Parlamentsbeschluss 1866 und einem Regierungsdekret 1894 anerkannte Einheiten. In den 1970er Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, das SI-System einzufĂŒhren, doch es scheiterte am Willen des Volkes.[6] In vielen Bereichen wie z. B. Wissenschaft, Medizin oder Industrie wird das SI-System parallel oder ausschließlich genutzt. Ansonsten ist in den USA das angloamerikanische Maßsystem in der Variante der „customary units“ (die auf einer historischen Form des britischen Maßsystems beruht) gebrĂ€uchlich.

Meterkonvention, BIPM und CGPM

Meilenstein fĂŒr die internationale Durchsetzung des metrischen Systems war die Unterzeichnung der Meterkonvention 1875 durch 17 Staaten. Dabei wurde auch das Internationale Maß- und GewichtsbĂŒro (BIPM) und deren Generalkonferenz fĂŒr Maß und Gewicht (CGPM) gegrĂŒndet. Diese beiden Institutionen sind bis heute fĂŒr die internationale Standardisierung des SI zustĂ€ndig.

Geschichte

  • 1790 erhielt die französische Akademie der Wissenschaften von der damaligen Constituante den Auftrag, ein einheitliches System von Maßen und Gewichten zu entwerfen. Sie folgte dabei den Prinzipien, die Grundeinheiten aus naturgegebenen GrĂ¶ĂŸen abzuleiten, alle anderen Einheiten darauf zurĂŒckzufĂŒhren und alle, mit Ausnahme der der Zeit, dezimal zu vervielfachen und zu unterteilen. Als Grundeinheiten wurden gewĂ€hlt: 1 Meter als zehnmillionster Teil des Erdmeridianquadranten, 1 Gramm als Gewicht, spĂ€ter als Masse von 1 cm3 reinem Wasser bei 4°C und einem Druck von 760 mm QuecksilbersĂ€ule, 1 Sekunde als 1/86'400 Teil des mittleren Sonnentages.
  • 1833 hatte Gauß vorgeschlagen, elektromagnetische Einheiten auf mm, mg und s mit gebrochenen Exponenten zurĂŒckzufĂŒhren.
  • 1861-1867 beschĂ€ftigte sich ein Ausschuss der BAAS (=„British Association for the Advancement of Science“) mit der Definition elektrischer und magnetischer Einheiten ausgehend von den Arbeiten von Gauß und Weber, jedoch mit den Basiseinheiten m, g, s. Wegen der Unhandlichkeit dabei erhaltener Einheiten wurden zusĂ€tzlich die praktischen Einheiten Ampere, Volt (ungefĂ€hre Spannung des Daniell-Elementes), Ohm (ungefĂ€hrer Widerstand einer 1 m langen QuecksilbersĂ€ule von 1 mm2 Querschnitt) und das heutige Mikrofarad eingefĂŒhrt und beschlossen, dass diese genaue dezimale Vielfache der Grundeinheiten sein mĂŒssen.
  • 1873 wurde dann anstelle von m das cm als Grundeinheit definiert, was 1881 an einem internationalen Elektrikerkongress in Paris angenommen wurde, so dass sich z.B. 1 Ohm als 109 und 1 Volt als 108 elektromagnetische cgs-Einheiten ergab.
  • 1889 wurden auf der ersten Tagung der CGPM die angefertigten Urmaße fĂŒr das Meter und das Kilogramm anerkannt, von denen sich aber herausstellte, dass das Urmeter um etwa 0,2 mm kĂŒrzer und das Urkilogramm um etwa 0,027 g grĂ¶ĂŸer als nach ursprĂŒnglicher Definition war. Die Urmaße wurden jedoch in dieser Form als bindend erklĂ€rt und damit das MKS-Einheitensystem mit den drei Basiseinheiten Meter (m), Kilogramm (kg) und Sekunde (s) begrĂŒndet.
  • 1901 schlug Giovanni Giorgi ein System vor, welches alle auf A, V, s beruhenden Einheiten mit denen des MKS-Systems zu einem einheitlichen System von Maßeinheiten mit ganzzahligen Exponenten der Grundeinheiten zusammenfasste, was aber zunĂ€chst wenig beachtet wurde.
  • 1935 nahm die Internationale elektrotechnische Kommission auf einer Plenartagung in Scheveningen das Giorgi-System international an, wobei aber zunĂ€chst die Frage nach der vierten Grundeinheit unbeantwortet blieb.
  • 1939 wurde die Erweiterung des MKS-Systems um eine vierte Basiseinheit, das Ampere (A), vorgeschlagen, wodurch der Begriff MKSA-System entstand.
  • 1948 wurde die Basiseinheit Ampere (A) in der heute gĂŒltigen Form definiert.
  • 1954 erst kam das Ampere auf der 10. CGPM offiziell zum MKS-System hinzu, gemeinsam mit der Basiseinheit fĂŒr die thermodynamische Temperatur, die zunĂ€chst als Grad Kelvin (°K) bezeichnet wurde, sowie die Candela (cd).
  • 1960 wurde auf der 11. CGPM dieses erweiterte MKS-System als (französisch) SystĂšme International d’UnitĂ©s (SI) oder Internationales Einheitensystem benannt. Seitdem spricht man von SI-Einheiten.
  • 1968 erhielt an der 13. CGPM die bis dahin als Grad Kelvin bezeichnete Basiseinheit ihren heute gĂŒltigen Namen Kelvin, das Einheitenzeichen wurde von °K zu K geĂ€ndert.
  • 1971 kam schließlich an der 14. CGPM 1971 die siebte und bis heute letzte Basiseinheit, das Mol (mol) hinzu und wurde an die 6. Stelle zwischen Kelvin und Candela eingeordnet.

Verbreitung

Das SI ist heute in der ganzen Welt verbreitet. In den meisten IndustrielĂ€ndern ist sein Gebrauch fĂŒr den amtlichen und geschĂ€ftlichen Verkehr gesetzlich vorgeschrieben. In Deutschland geschieht dies durch das Einheiten- und Zeitgesetz und die zugehörige AusfĂŒhrungsverordnung. Gesetze, die die EinfĂŒhrung des SI regelten, traten 1970 in der Bundesrepublik Deutschland, 1973 in Österreich und 1978 in der Schweiz in Kraft; 1978 waren alle Übergangsregelungen betreffend Nicht-SI-Einheiten abgeschlossen. In Deutschland sind die meisten LehrbĂŒcher auf SI-Einheiten umgestellt worden. Eine Ausnahme machen die LehrbĂŒcher zur Elektrodynamik und zur Teilchenphysik.

In einigen LĂ€ndern werden neben dem SI weiterhin traditionelle Maßsysteme verwendet:

  • In den USA haben sich SI-Einheiten fĂŒr Strecken, FlĂ€chen, Geschwindigkeiten und Temperatur nur in wissenschaftlichem und technischem Kontext durchgesetzt.
  • In Großbritannien sind die traditionellen Einheiten aus vielen Bereichen zurĂŒckgedrĂ€ngt, sie halten sich noch fĂŒr Entfernungs- und Temperaturangaben.

In der Luftfahrt verwendet man weiterhin nicht-SI-konforme Einheiten fĂŒr Flughöhe (ft = Feet), Entfernungen (Seemeile = 1852 m) und Geschwindigkeiten (1kt = 1 Knoten = 1 Seemeile pro Stunde).

SI-Einheiten

Im SI gibt es sieben Basiseinheiten. Alle anderen physikalischen Einheiten sind aus diesen Basiseinheiten abgeleitet. Alle physikalischen Einheiten bilden die kohĂ€renten SI-Einheiten, sofern sie nicht zusammen mit SI-PrĂ€fixen (wie Kilo oder Milli) verwendet werden. Eine Ausnahme bildet das Kilogramm, das als Basiseinheit bereits mit dem SI-PrĂ€fix Kilo versehen ist. Durch Verwendung von SI-PrĂ€fixen werden kohĂ€rente SI-Einheiten zu nicht kohĂ€renten SI-Einheiten. Die Gesamtheit all dieser Einheiten, also sowohl die kohĂ€renten als auch die nicht kohĂ€renten SI-Einheiten, bildet die Menge der „SI-Einheiten“.

Beispiele
  • Die LĂ€ngen-Einheit Meter (m) ist eine SI-Basiseinheit, eine kohĂ€rente SI-Einheit und eine SI-Einheit.
  • Die Masse-Einheit Kilogramm (kg) ist eine SI-Basiseinheit, eine kohĂ€rente SI-Einheit und eine SI-Einheit.
  • Die Kraft-Einheit Newton (N) ist eine abgeleitete SI-Einheit und eine kohĂ€rente SI-Einheit.
  • Die Kraft-Einheit Kilonewton (kN) ist eine abgeleitete SI-Einheit, aber keine kohĂ€rente SI-Einheit.

Eine SI-Basiseinheit ist immer die kohĂ€rente Einheit der zugehörigen BasisgrĂ¶ĂŸe. Daneben kann sie auch noch als kohĂ€rente Einheit abgeleiteter GrĂ¶ĂŸen dienen.

Beispiel
  • Der Meter (m) ist die Basiseinheit der BasisgrĂ¶ĂŸe LĂ€nge. Daneben dient er auch als kohĂ€rente abgeleitete Einheit fĂŒr die Niederschlagsmenge, die als Volumen pro FlĂ€che in mÂł/mÂČ = m ausgedrĂŒckt wird.

SI-Basiseinheiten

Die Basiseinheiten des SI und die entsprechenden BasisgrĂ¶ĂŸen des zu Grunde liegenden GrĂ¶ĂŸensystems ISQ werden nach praktischen Gesichtspunkten willkĂŒrlich durch die CGPM festgelegt. Eine SI-BasisgrĂ¶ĂŸe kann definitionsgemĂ€ĂŸ nicht durch andere BasisgrĂ¶ĂŸen ausgedrĂŒckt werden. Analog dazu kann eine SI-Basiseinheit nicht als Potenzprodukt anderer Basiseinheiten ausgedrĂŒckt werden.

Die Definitionen der Basiseinheiten sind nicht endgĂŒltig, sondern werden in stĂ€ndiger Arbeit mit dem fortschreitenden Stand der Messtechnik sowie nach revidierten prinzipiellen Überlegungen weitergefĂŒhrt. Im internationalen GrĂ¶ĂŸen- und Einheitensystem werden die sieben BasisgrĂ¶ĂŸen durch die Basiseinheiten Meter (m), Kilogramm (kg), Sekunde (s), Ampere (A), Kelvin (K), Mol (mol) und Candela (cd) ausgedrĂŒckt und im SI in dieser Reihenfolge definiert. Jeder BasisgrĂ¶ĂŸe wird eine Dimension mit demselben Namen zugeordnet. Beispielsweise heißt die Dimension der BasisgrĂ¶ĂŸe LĂ€nge ebenfalls LĂ€nge. Das Symbol zur GrĂ¶ĂŸe wird mit einem kursiv geschriebenen Buchstaben „l“ bezeichnet; jenes zur Dimension mit einem aufrecht stehenden, groß geschriebenen Buchstaben „L“. Die praktische Realisierung einer Dimension erfolgt durch eine entsprechende kohĂ€rente Einheit â€“ im Falle der LĂ€nge durch den Meter.

BasisgrĂ¶ĂŸe und
Dimensionsname
GrĂ¶ĂŸen-
symbol
Dimensions-
symbol
Einheit Einheiten-
zeichen
Definition der Einheit
LĂ€nge l L Meter m LĂ€nge der Strecke, die das Licht im Vakuum wĂ€hrend der Dauer von 1 / 299.792.458 Sekunde zurĂŒcklegt.[B 1]
Masse m M Kilogramm kg Das Kilogramm ist gleich der Masse des Internationalen Kilogrammprototyps.
Zeit t T Sekunde s Das 9.192.631.770-fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Caesium-Isotops 133Cs entsprechenden Strahlung.
StromstĂ€rke I I Ampere A StĂ€rke eines konstanten elektrischen Stromes, der, durch zwei parallele, geradlinige, unendlich lange und im Vakuum im Abstand von 1 Meter voneinander angeordnete Leiter von vernachlĂ€ssigbar kleinem, kreisförmigem Querschnitt fließend, zwischen diesen Leitern pro Meter LeiterlĂ€nge die Kraft 2 × 10−7 Newton hervorrufen wĂŒrde.[B 2]
Thermodynamische
Temperatur
T Θ Kelvin K 1 / 273,16 der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunkts von Wasser genau definierter isotopischer Zusammensetzung.[B 3]
Stoffmenge
(Substanzmenge)
n N Mol mol Die Stoffmenge eines Systems, das aus ebenso viel Einzelteilchen besteht, wie Atome in 0,012 Kilogramm des Kohlenstoff-Isotops 12C in ungebundenem Zustand enthalten sind.[B 4] Bei Benutzung des Mol mĂŒssen die Einzelteilchen spezifiziert sein und können Atome, MolekĂŒle, Ionen, Elektronen sowie andere Teilchen oder Gruppen solcher Teilchen genau angegebener Zusammensetzung sein.
LichtstĂ€rke IV J Candela cd Die LichtstĂ€rke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle, die monochromatische Strahlung der Frequenz 540 Ă— 1012 Hz[B 5] aussendet und deren StrahlstĂ€rke in dieser Richtung 1 / 683 Watt pro Steradiant betrĂ€gt.
  1. ↑ Diese Definition legt den Wert der Naturkonstante Lichtgeschwindigkeit im Vakuum auf exakt <math>299\,792\,458 \; \mathrm{m}/\mathrm{s}</math> fest.
  2. ↑ Durch diese Definition wurde die magnetische Konstante (eine Naturkonstante) ÎŒ0 auf exakt 4 · π Ă— 10−7 H/m festgelegt.
  3. ↑ Durch diese Definition wurde die Temperatur des Tripelpunktes des Wassers auf exakt 273,16 K (= 0,01 Â°C) festgelegt. Das Wasser genau definierter isotopischer Zusammensetzung ist das Vienna Standard Mean Ocean Water (VSMOW). Die Beschreibung des Normals erfolgt durch die Internationale Temperaturskala aus dem Jahr 1990 (ITS-90).
  4. ↑ Durch diese Definition wurde die molare Masse von 12C auf exakt 12 × 10−3 kg/mol (= 12 g/mol) festgelegt.
  5. ↑ WellenlĂ€nge: ca. 555 nm

Man kann erkennen, dass nur die drei Basiseinheiten Kilogramm, Sekunde und Kelvin unabhĂ€ngig von anderen Basiseinheiten definiert sind, wĂ€hrend die Definitionen der ĂŒbrigen vier Basiseinheiten AbhĂ€ngigkeiten zu anderen Basiseinheiten aufweisen:

  • Meter von Sekunde
  • Mol von Kilogramm
  • Ampere sowie Candela von Meter, Kilogramm und Sekunde

KohÀrente SI-Einheiten

Alle anderen physikalischen GrĂ¶ĂŸen als die sieben BasisgrĂ¶ĂŸen des ISQ sind abgeleitete GrĂ¶ĂŸen. Analog dazu sind alle anderen Einheiten als die sieben Basiseinheiten des SI abgeleitete Einheiten.

Die SI-Einheit einer beliebigen GrĂ¶ĂŸe Q (steht fĂŒr engl. quantity) kann als Produkt aus einem numerischen Faktor und dem Produkt aus Potenzen (Potenzprodukt) der Basiseinheiten ausgedrĂŒckt werden:

[Q] = 10n·mα·kgÎČ·sγ·AΎ·KΔ·molζ·cdη

„[Q]“ stellt symbolisch den Ausdruck „die Einheit der GrĂ¶ĂŸe Q“ dar, in Übereinkunft der Regeln gemĂ€ĂŸ dem vom Joint Committee for Guides in Metrology herausgegebenen VIM (International Vocabulary of Metrology – Basic and General Concepts and Associated Terms).

Der numerische Faktor 10n (mit ganzzahligem n) reprĂ€sentiert den SI-PrĂ€fix wie Kilo oder Milli. Ist der numerische Faktor gleich eins (also bei n = 0), liegt eine kohĂ€rente SI-Einheit vor. KohĂ€rente SI-Einheiten sind demnach die SI-Basiseinheiten und alle kohĂ€renten abgeleiteten SI-Einheiten. Jede physikalische GrĂ¶ĂŸe hat nur eine einzige kohĂ€rente SI-Einheit und eine entsprechende Dimension. Eine kohĂ€rente SI-Einheit wird bei Verwendung eines SI-PrĂ€fixes zu einer nicht kohĂ€renten SI-Einheit. Die kohĂ€rente Form obiger Einheitengleichung kann auch als entsprechende Dimensionsgleichung dargestellt werden:

dim QLα·MÎČ·Tγ·IΎ·ΘΔ·Nζ·Jη

Die Basis jeder Potenz ist in dieser Darstellung die Dimension einer BasisgrĂ¶ĂŸe. Der Exponent wird Dimensionsexponent dieser BasisgrĂ¶ĂŸe oder der entsprechenden Basiseinheit genannt. Jeder Dimensionsexponent α, ÎČ, Îł, ÎŽ, Δ, ζ und η ist entweder Null, eine positive oder negative, im Allgemeinen kleine ganze Zahl. „Klein“ bedeutet, dass der Betrag des Exponenten in der Regel kleiner als 10 ist.

Beispiele fĂŒr kohĂ€rente SI-Einheiten (n = 0)
  • m (α = 1; alle ĂŒbrigen Dimensionsexponenten gleich 0) als Basiseinheit der LĂ€nge
  • m2 (α = 2; alle ĂŒbrigen Dimensionsexponenten gleich 0) als Einheit der FlĂ€che
  • m·s−1 = m/s (α = 1 und Îł = âˆ’1; alle ĂŒbrigen Dimensionsexponenten gleich 0) als Einheit der Geschwindigkeit
  • m·kg·s−2 = m·kg/s2 = N (α = 1; ÎČ = 1 und Îł = âˆ’2; alle ĂŒbrigen Dimensionsexponenten gleich 0) als Einheit der Kraft
Beispiele fĂŒr nicht kohĂ€rente SI-Einheiten (n â‰  0)
  • mm (n = âˆ’3 â‰  0)

Ein Vorteil der ausschließlichen Verwendung kohĂ€renter SI-Einheiten in Gleichungen liegt darin, dass keine Umrechnungsfaktoren zwischen Einheiten benötigt werden.

Abgeleitete SI-Einheiten mit besonderem Namen

22 kohĂ€renten abgeleiteten SI-Einheiten wurden eigene Namen und Einheitenzeichen (Symbole) zugeordnet, die selbst wieder mit allen Basis- und abgeleiteten Einheiten kombiniert werden können. So eignet sich zum Beispiel die SI-Einheit der Kraft, das Newton (= kg·m/s2), um die Einheit der Energie, das Joule als Newton mal Meter (N·m) auszudrĂŒcken. Die folgende Tabelle listet diese 22 Einheiten in derselben Reihenfolge wie Tabelle 3 der SI-BroschĂŒre (8. Auflage).

GrĂ¶ĂŸe Einheit Einheiten-
zeichen
in anderen SI-Einheiten
ausgedrĂŒckt
in SI-Basiseinheiten
ausgedrĂŒckt[N 1]
ebener Winkel Radiant[N 2] rad 1 m/m
Raumwinkel Steradiant[N 2][N 3] sr 1 m2/m2
Frequenz Hertz Hz s−1
Kraft Newton N J/m m·kg·s−2
Druck Pascal[N 4] Pa N/m2 m−1·kg·s−2
Energie, Arbeit, WĂ€rmemenge Joule J N·m; Ws m2·kg·s−2
Leistung Watt W J/s; VA m2·kg·s−3
elektrische Ladung Coulomb C A·s
elektrische Spannung
(elektrische Potentialdifferenz)
Volt V W/A m2·kg·s−3·A−1
elektrische KapazitĂ€t Farad F C/V m−2·kg−1·s4·A2
elektrischer Widerstand Ohm Ω V/A m2·kg·s−3·A−2
elektrischer Leitwert Siemens S 1/Ω m−2·kg−1·s3·A2
magnetischer Fluss Weber Wb V·s m2·kg·s−2·A−1
magnetische Flussdichte,
Induktion
Tesla T Wb/m2 kg·s−2·A−1
InduktivitĂ€t Henry H Wb/A m2·kg·s−2·A−2
Celsius-Temperatur Grad Celsius[N 5] °C K
Lichtstrom Lumen lm cd·sr cd
BeleuchtungsstĂ€rke Lux lx lm/m2 m−2·cd
RadioaktivitĂ€t Becquerel Bq s−1
Energiedosis Gray Gy J/kg m2·s−2
Äquivalentdosis Sievert Sv J/kg m2·s−2
katalytische AktivitĂ€t Katal kat s−1·mol
  1. ↑ In der Reihenfolge der offiziellen Basiseinheiten-Definitionen (m, kg, s, A, K, mol, cd).
  2. ↑ a b Radiant (rad) und Steradiant (sr) kann alternativ statt der Einheit 1 fĂŒr den ebenen Winkel oder fĂŒr den Raumwinkel verwendet werden, um die Bedeutung des dazugehörigen Zahlenwertes hervorzuheben. Diese beiden Einheiten wurden 1995 (von der 20. CGPM) zu abgeleiteten Einheiten erklĂ€rt; davor bildeten sie eine eigene Klasse â€“ die „ErgĂ€nzenden Einheiten“. Nach dem Einheitenrecht der Schweiz sind Radiant und Steradiant weiterhin (Stand: Oktober 2007) keine „abgeleiteten“, sondern „ergĂ€nzende“ Einheiten.
  3. ↑ In der Lichttechnik wird der Steradiant ĂŒblicherweise ausdrĂŒcklich hingeschrieben, also nicht durch 1 ersetzt.
  4. ↑ Neben Pascal ist laut CGPM auch die Maßeinheit Bar (bar) erlaubt, dabei gilt: 1 bar = 100 000 Pa
  5. ↑ FĂŒr eine Temperaturdifferenz gilt: 1 Â°C = 1 K. FĂŒr die Umrechnung der Celsius-Temperatur t in die thermodynamische Temperatur T gilt:
        t/°C = T/K âˆ’ 273,15

Das Grad Celsius darf â€“ aus Sicht des SI â€“ zusammen mit SI-VorsĂ€tzen benutzt werden. Einheitenzeichen wie m°C mögen ungewohnt erscheinen und in der Praxis selten sein; in Deutschland dĂŒrfen nach Einheitenrecht VorsĂ€tze nicht auf den Grad Celsius angewendet werden.

Nicht-SI-Einheiten

Neben den SI-Einheiten gibt es (vor allem in der Elektrodynamik, Informatik, im Wirtschaftswesen) noch einige weitere gebrĂ€uchliche Einheiten, die nicht zum SI gehören, insbesondere das sogenannte Gaußsche- oder cgs-System.

Schreibweise von GrĂ¶ĂŸen, Zahlenwerten und Einheiten

ISO 1000
Titel SI-Einheiten
Bereich Messtechnik
Regelt SI-Einheiten, Empfehlungen fĂŒr deren GrĂ¶ĂŸenordnungen und einige andere Einheiten
Erscheinungsjahr Aktuelle Fassung: 1992/Amd.1:1998
Nationale Ausgaben DIN 1301-1:2010-10

Die ISO 1000:1992 wurde 2009 zurĂŒckgezogen, nachdem die ISO/IEC 80000-1. veröffentlicht wurde. Nationale und Internationale Normen, wie die ISO 1000 oder entsprechende EWG-Richtlinien, haben das SI ĂŒbernommen. In Deutschland wurden die darin festgelegten Einheiten mit dem Gesetz ĂŒber die Einheiten im Messwesen (1969) (das 2008 durch EinfĂŒgung der Bestimmungen des frĂŒheren Zeitgesetzes zum Gesetz ĂŒber die Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung (EinhZeitG) erweitert wurde) fĂŒr den amtlichen und geschĂ€ftlichen Verkehr vorgeschrieben. Die aktuelle AusfĂŒhrungsverordnung von 1985[7] nennt in einer Anlage die zulĂ€ssigen Bezeichnungen und verweist im ĂŒbrigen auf „die Definitionen und Beziehungen, die in Kapitel I des Anhangs der Richtlinie 80/181/EG vom 20. Dezember 1979 (ABl. L 39 vom 15.2.1980, S. 40) in ihrer jeweils geltenden Fassung aufgefĂŒhrt sind.“ Nach § 3 der Verordnung „ist die zusĂ€tzliche Verwendung anderer als der gesetzlichen Einheiten nur gestattet, wenn die Angabe in der gesetzlichen Einheit hervorgehoben ist.“ Die vorige Verordnung hatte noch etliche Nicht-SI-Einheiten ohne ZusĂ€tze erlaubt, zum Beispiel mmHg (Millimeter-QuecksilbersĂ€ule) fĂŒr den Blutdruck. In der Schweiz ist die Bezeichnung mmHg auch fĂŒr den Druck anderer KörperflĂŒssigkeiten zulĂ€ssig. Das SI-Regelwerk nennt auch seinerseits Nicht-SI-Einheiten, deren Verwendung zusammen mit dem SI akzeptiert ist. Die SI-BroschĂŒre regelt nicht nur die Einheitennamen, sondern gibt auch Formatierungsregeln fĂŒr die Schreibweise von Einheitenzeichen und Zahlenwerten.

ZusammenhĂ€ngende Schreibweise von GrĂ¶ĂŸen, Zahlenwerten und Einheiten

Nach ISO sind GrĂ¶ĂŸensymbole (Formelzeichen) in kursiver Schrift zu schreiben.

GrĂ¶ĂŸe, Zahlenwert und Einheit können in folgender mathematischer Kurzform geschrieben werden:

A = {A} · [A]

mit A als Symbol fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe, {A} als Symbol fĂŒr den Zahlenwert von A und [A] als Symbol fĂŒr die Einheit von A.

Da die Formel fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe als mathematische Formel angesehen wird, darf nach den ĂŒblichen mathematischen Regeln umgeformt werden:

A = {A} · [A]    GrĂ¶ĂŸe
{A} = A / [A]    Zahlenwert
[A] = A / {A}    Einheit

Schreibweise von GrĂ¶ĂŸen

GrĂ¶ĂŸensymbole (Formelzeichen) sind in kursiver Schrift zu schreiben. Die Zeichen können frei gewĂ€hlt werden – allgemein ĂŒbliche Formelzeichen wie l, m oder t stellen lediglich Empfehlungen dar. Auch DIN-Normen enthalten Empfehlungen fĂŒr Formelzeichen. Die Wahl von Namen und Symbol einer physikalischen GrĂ¶ĂŸe empfiehlt die SI-BroschĂŒre ohne Assoziation zu einer bestimmten Einheit. Demnach sollen Bezeichnungen wie Literleistung vermieden werden. Die Celsius-Temperatur gehorcht dieser Empfehlung allerdings nicht. Weitere, jedoch nicht so bedeutsame Beispiele der Nicht-Einhaltung dieser Empfehlung sind der Stundenwinkel, die Gradtagzahl und der Heizgradtag.

Schreibweise der Einheitenzeichen

Die Einheitenzeichen von nicht zusammengesetzten Einheiten sind international einheitlich. UnabhĂ€ngig vom Format des umgebenden Textes sind sie in aufrechter Schrift zu schreiben. Sie werden in Kleinbuchstaben geschrieben, außer wenn sie nach einer Person benannt wurden – dann wird der erste Buchstabe groß geschrieben. Beispiel: „1 s“ bedeutet eine Sekunde, wĂ€hrend „1 S“ das nach Werner von Siemens benannte Siemens darstellt. Eine Ausnahme dieser Regel bildet die Nicht-SI-Einheit Liter: Obwohl es nicht nach einer Person benannt ist, kann fĂŒr sein Einheitenzeichen neben dem klein geschriebenen l auch das groß geschriebene L verwendet werden. Letzteres ist vor allem im angloamerikanischen Raum ĂŒblich, um Verwechslungen mit der Ziffer „eins“ zu vermeiden. In der Schweiz ist generell festgelegt, dass die Verwendung des kleinen Buchstabens „l“ in Einheitenzeichen (l, lm, lx) nicht zu Verwechslungen mit der Ziffer „eins“ fĂŒhren darf.

Ein SI-PrĂ€fix (wie Kilo oder Milli) kann fĂŒr ein dezimales Vielfaches oder einen Teil unmittelbar vor das Einheitenzeichen einer kohĂ€renten Einheit gestellt werden, um Einheiten in unterschiedlichen GrĂ¶ĂŸenordnungen anschaulicher darzustellen. Eine Ausnahme bildet das Kilogramm (kg), das nur vom Gramm (g) ausgehend mit SI-PrĂ€fixen verwendet werden darf. Beispielsweise muss es fĂŒr 10−6 kg „mg“ und nicht „Όkg“ heißen.

Einheitenzeichen folgen nach einem Leerzeichen dem Zahlenwert, auch bei Prozent und Temperaturangaben in Grad Celsius. Zur besseren Leserlichkeit und der Vermeidung von ZeilenumbrĂŒchen sollte ein schmales Leerzeichen verwendet werden. Einzig die Einheitenzeichen °, ' und " fĂŒr die Nicht-SI-Winkeleinheiten Grad, Minute und Sekunde werden direkt nach dem Zahlenwert ohne Zwischenraum gesetzt.

Hinweise auf bestimmte Sachverhalte sollen nicht an Einheitenzeichen angebracht werden (als tiefgestellte Zeichen); sie gehören dagegen zum Formelzeichen der verwendeten physikalischen GrĂ¶ĂŸe oder in erlĂ€uternden Text. Falsch ist Veff als „Einheit“ von Effektivwerten der elektrischen Spannung in Volt, VDC fĂŒr die Angabe einer elektrischen Gleichspannung in Volt, oder %(V/V) fĂŒr „Volumenprozent“.

Dimensionssymbole werden als aufrecht stehender Großbuchstabe in serifenloser Schrift geschrieben.

SprachabhÀngige Schreibweise:

Eine Einheit hat einen ausgeschriebenen Einheitennamen und ein Einheitenzeichen. Je nach Sprache sind unterschiedliche Schreibweisen sowohl fĂŒr Einheitennamen (dt. Sekunde, engl. second, frz. seconde) als auch fĂŒr Einheitenzeichen (dt. Lj, engl. ly) vorgesehen.

Schreibweise von Multiplikationszeichen

Bei Multiplikationen ist der mittige Punkt (·) nur zwischen Einheitenzeichen oder Formelzeichen (Symbolen fĂŒr GrĂ¶ĂŸen) zulĂ€ssig; fĂŒr Multiplikationen von Zahlen soll nur das Multiplikations-Kreuz (×) verwendet werden; diese Empfehlung geht ĂŒber den Stand der DIN-Normung hinaus. Beispiel:

Beispiele fĂŒr Multiplikationszeichen
Richtig: 2,997 924 58 Ă— 108 m·s−1
Nicht empfohlen: 2,997 924 58 Â· 108 m·s−1

Schreibweise von Zahlenwerten

Da fĂŒr einige GrĂ¶ĂŸen wie die Temperatur verschiedene SI-Einheiten möglich sind, ergeben sich in AbhĂ€ngigkeit von der Wahl der Einheit verschiedene Zahlenwerte.

Beispiel fĂŒr die Temperatur
T = 273,15 K Temperatur in der Einheit: Kelvin
T = 0 Â°C Temperatur in der Einheit: Celsius

Um MissverstĂ€ndnisse in der Interpretation der GrĂ¶ĂŸe zu vermeiden, gilt die Grundregel:

Der Zahlenwert einer GrĂ¶ĂŸe darf nie ohne seine Einheit angegeben werden!

Da aber aufgrund verschiedener Einheiten unterschiedliche Angaben der GrĂ¶ĂŸe möglich sind, mĂŒssen diese in eindeutiger Weise angegeben und umgerechnet werden.

1. Die GrĂ¶ĂŸe ist eindeutig. Ihr Symbol ist eindeutig.
2. Zahlenwert und Einheit gehören immer zusammen. Der Zahlenwert wird durch die Wahl der Einheit bestimmt.

Schreibweise fĂŒr den Zahlenwert nach ISO:

Nach ISO ergibt sich fĂŒr den Zahlenwert die Schreibweise: {A} = A / [A]        Beispiel Temperatur: {T} = T / [T]= T / K     oder     {T} = T / [T]= T / Â°C

Anmerkung:

Die Definition {A} = A / [A] der ISO birgt die Gefahr der Verwechslung des Zahlenwertes mit einer physikalischen Formel.

Beispiele:

L = 123 m
T = 0,123 K = 123 mK

Bei rein mathematischer Umformung wĂ€ren auch die folgenden, irrefĂŒhrenden Umrechnungsbeziehungen möglich:

L/m = 123 (m hier weiterhin Meter, da nicht kursiv geschrieben, aber es besteht die Verwechslungsgefahr mit der Formel: LĂ€nge / Masse)
T/m = 123 K (m hier weiterhin milli, da nicht kursiv geschrieben, aber es besteht die Verwechslungsgefahr mit der Formel: Temperatur / Masse)


Andere, gebrĂ€uchliche Schreibweisen fĂŒr den Zahlenwert (nicht ISO-konform, aber ohne kursive Schreibung fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe):

In der internationalen, wissenschaftlichen Literatur war es bisher nicht ĂŒblich und bei vereinfachter Schreibweise zum Beispiel an der Tafel ist es nicht immer möglich, eine kursive Schreibung fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe zu wĂ€hlen. Entgegen der ISO schreibt man stattdessen die GrĂ¶ĂŸe nicht kursiv und setzt beim Zahlenwert einen Index an das GrĂ¶ĂŸensymbol.

A = {A} · [A]        Beispiel Temperatur:  T = TK  Â· [T] = TK  Â· K

(FĂ€lschlicherweise wird diese Schreibweise auch oft fĂŒr die eigentliche GrĂ¶ĂŸe verwendet, obwohl die GrĂ¶ĂŸe unabhĂ€ngig von der Einheit ist:

TK = TK  Â· K    Die GrĂ¶ĂŸe ist nur durch ihre kursive Schreibweise vom Zahlenwert zu unterscheiden. Diese Schreibweise ist falsch.)

Beispiel: Angabe der Gefrierpunktstemperatur von Wasser bei NormaldruckT  = 273,15 K  = 0 Â°C

Beispiele fĂŒr Darstellung von Zahlenwerten
ISO: T/K = 273,15 andere Schreibweise: TK = 273,15
ISO: T/°C = 0 andere Schreibweise: T°C = 0

Umrechnungsbeziehung fĂŒr die Zahlenwerte zwischen Celsius-Temperatur t und thermodynamischer Temperatur T:

ISO: T/°C  = T/K  âˆ’ 273,15        nicht ISO-konform, aber ohne kursive Schreibung:     T°C = TK âˆ’ 273,15
ISO: t/°C  = T/K  âˆ’ 273,15         nicht ISO-konform, aber ohne kursive Schreibung:     t°C = TK âˆ’ 273,15

Dezimaltrennzeichen und Tausendertrennzeichen

In der Si-BroschĂŒre [8] werden in Abschnitt 5.3.4 Dezimaltrennzeichen und Tausendertrennzeichen behandelt:

  • Als Dezimalzeichen ist entweder (je nach Sprache) ein Komma oder ein Punkt auf der Linie zulĂ€ssig â€“ sonst darf Komma oder Punkt nicht innerhalb eines Zahlenwertes verwendet werden.
  • Die Gliederung langer Ziffernfolgen soll, vom Dezimalzeichen ausgehend, in Dreiergruppen mit schmalem Leerzeichen erfolgen.
Beispiele fĂŒr Tausendertrennzeichen
Richtig: 7 654 321,123 4
Falsch: 7.654.321,1234

Unsicherheit in Zahlenwerten

Kann der Zahlenwert einer GrĂ¶ĂŸe nur geschĂ€tzt werden, so ist deren Unsicherheit anzugeben. Dabei sind die Richtlinien des vom Joint Committee for Guides in Metrology herausgegebenen Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement (GUM)[9] anzuwenden.

Das folgende Beispiel zeigt anhand des nach CODATA 2010[10] empfohlenen Wertes der Avogadro-Konstante NA die kompakte Schreibweise zur Angabe der Standardunsicherheit:

NA = 6,022 141 29 (27) Ă— 1023 mol−1

Diese Ausdrucksform ist gleichbedeutend zur langen Schreibweise der Form:

NA = 6,022 141 29 Ă— 1023 mol−1
u(NA) = 0,000 000 27 Ă— 1023 mol−1

ZukĂŒnftige Entwicklungen

Wie aus den genannten derzeit gĂŒltigen Definitionen der SI-Basiseinheiten ersichtlich, wurden bisher zwei fundamentale physikalische Konstanten (Naturkonstanten), fĂŒr die es nur einen allgemein empfohlenen SchĂ€tzwert gegeben hat, auf einen exakten Wert festgelegt. Auf Grundlage eines solchen exakten Wertes wurde dann eine SI-Basiseinheit definiert.

  • Die Definition des Ampere 1948 baute auf der exakten Festlegung der magnetischen Konstante ÎŒ0 = 4 · π Ă— 10−7 H · m−1 = 4 · π Ă— 10−7 m · kg · s−2 · A−2 auf. Anders ausgedrĂŒckt ergibt sich durch die Festlegung dieser Konstanten auf einen Wert der Einheit m · kg · s−2 · A−2 die Einheit der elektrischen Basiseinheit als Ampere. Allgemein ergeben sich die Einheiten aller elektrischen GrĂ¶ĂŸen in einem Einheitensystem durch die festgelegte Einheit dieser Konstante.
  • Die 1983 vorgenommene Neu-Definition des Meter baute auf der exakten Festlegung der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum c0 = 299 792 458 m · s−1 auf.

ZukĂŒnftig sind weitere Neudefinitionen von SI-Basiseinheiten zu erwarten, die mit einer exakten Festlegung von Naturkonstanten einhergehen.[11]

  • Zurzeit wird an einer neuen Definition des Kilogramm gearbeitet, die nicht mehr auf einem Prototyp beruhen soll.
    • Im April 2008 stellte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig ihren Neuansatz der Kilogrammbestimmung vor.[12] Die Wissenschaftler erhoffen sich von einer isotopenreinen Siliziumkugel (28Si) den entscheidenden Durchbruch bei der Bestimmung der Avogadro-Konstanten, also der Zahl der Teilchen in einem Mol Stoffmenge. Damit ließe sich das Kilogramm als eine Menge von Siliziumatomen definieren. Diese als Avogadro-Projekt bezeichnete Unternehmung wird von der PTB und sieben weiteren metrologischen Instituten weltweit durchgefĂŒhrt.
    • Parallel dazu wird die Watt-Waage entwickelt.
  • Eine Neudefinition des Mol könnte mit der exakten Festlegung der Avogadro-Konstante NA einhergehen.
  • Eine Neudefinition des Ampere könnte mit der exakten Festlegung der Elementarladung e einhergehen. Ein Nachteil dieser Vorgangsweise wĂ€re allerdings, dass die magnetische Konstante ihre Exaktheit wieder verliert und so â€“ wie vor 1948 â€“ wieder eine messbare Unsicherheit bekommt.
  • Eine Neudefinition des Kelvin könnte mit der exakten Festlegung der Boltzmann-Konstante k einhergehen.

Mögliche Neudefinitionen von SI-Basiseinheiten werden auf der alle vier Jahre stattfindenden Generalkonferenz fĂŒr Maß und Gewicht diskutiert. (zuletzt 2011)

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ The International System of Units. 8th edition, www.bipm.org, 2006 (die sogenannte „SI-BroschĂŒre“, englisch).
  2. ↑  Das Internationale Einheitensystem (SI). Deutsche Übersetzung der BIPM-BroschĂŒre „Le SystĂšme international d‘unitĂ©s/The International System of Units (8e edition, 2006)“. In: PTB-Mitteilungen. 117, Nr. 2, 2007 (ĂŒbersetzt von Cecile Charvieux) (Online Version (PDF-Datei, 1,4 MB)).</span>
  3. ↑ eur-lex.europa.eu 80/181/EWG vom 21. Dezember 1979, PDF: 234 kb
  4. ↑ iobic.de Richtlinie 2009/3/EG des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates vom 11. MĂ€rz 2009 zur Änderung der Richtlinie 80/181/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten ĂŒber die Einheiten im Messwesen
  5. ↑ Weights and Measures. The World Factbook, abgerufen am 23. Januar 2010 (englisch).
  6. ↑ Einer gegen 290 Millionen NZZ Folio 02, 2005, abgerufen am 23. Januar 2010.
  7. ↑ http://bundesrecht.juris.de/einhv/BJNR022720985.html
  8. ↑ The International System of Units. 8th edition, www.bipm.org, 2006
  9. ↑ ISO 1995: Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement
  10. ↑ CODATA Recommended Values. National Institute of Standards and Technology, abgerufen am 16. Juni 2011. Wert fĂŒr die Avogadro-Konstante
  11. ↑ Bureau International des Poids et Mesures: Report of the 19th meeting of the CCU (2009). Abgerufen am 23. Juli 2010.
  12. ↑ Presseinformation der PTB: Auftritt einer Diva - Mit einer isotopenreinen Siliziumkugel geht das Avogadro-Projekt auf seine letzte Etappe vom 3. April 2008
  • E.Bodea „Giorgis rationales MKS-Masssystem mit DimensionskohĂ€renz“ 2.Aufl. BirkhĂ€user 1949.
  • J.deBoer „Giorgi and the International System of Units“ in C.Egidi (ed) „Giovanni Giorgi and his contribution to electrical metrology“ Politecnico Torino 1990, pp33-39.
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