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SalzsÀure

Wikipedia:Redaktion Chemie/ausgeblendete Strukturformel
Allgemeines
Name SalzsÀure
Andere Namen
  • ChlorwasserstoffsĂ€ure
  • Acidum hydrochloricum
Summenformel HCl(aq)
CAS-Nummer 7647-01-0
ATC-Code

A09AB03, B05XA13

Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche, stechend riechende FlĂŒssigkeit[1]

Eigenschaften
Molare Masse 36,46 g·mol−1
Aggregatzustand

flĂŒssig

Dichte

1,19 g·cm−3 (37-prozentige Lösung)[1]

Schmelzpunkt

−30 °C (37-prozentige Lösung)[1]

Dampfdruck

190 hPa (20 Â°C, 37-prozentige Lösung)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
05 – Ätzend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 314-335
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 260-​301+330+331-​303+361+353-​305+351+338-​405-​501Vorlage:P-SĂ€tze/Wartung/mehr als 5 SĂ€tze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [2]
Ätzend
Ätzend
(C)

(Konz. ≄ 25 %)

R- und S-SĂ€tze R: 34-37
S: (1/2)-26-45
MAK

2 ml·m−3 bzw. 3,0 mg·m−3 [1]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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SalzsĂ€ure (systematischer Name ChlorwasserstoffsĂ€ure) ist eine wĂ€ssrige Lösung von gasförmigem Chlorwasserstoff, der in Oxonium- und Chloridionen dissoziiert ist. Sie ist eine starke, anorganische SĂ€ure und zĂ€hlt zu den MineralsĂ€uren. Ihre Salze heißen Chloride, das bekannteste ist das Natriumchlorid (NaCl, Kochsalz).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Entdeckung der SalzsĂ€ure wird Maria Prophetissa (2. Jahrhundert) und Geber (9. Jahrhundert) zugeschrieben, so dass sie schon den ersten Alchemisten bekannt gewesen sein dĂŒrfte.

In der ersten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts gewann Basilius Valentinus SalzsĂ€ure durch Reaktion von Halit (Steinsalz) mit Eisenvitriol. Die Herstellung aus Speisesalz und SchwefelsĂ€ure gelang Johann Rudolph Glauber im 17. Jahrhundert. Lavoisier nannte SalzsĂ€ure acide muriatique (lat. muria = Salzlake). Kochsalzhaltige Quellen werden heute noch als muriatische Quellen bezeichnet. In Nordamerika wird SalzsĂ€ure auch muriatic acid genannt.

Vorkommen

In der Natur findet sich SalzsĂ€ure in Vulkangasen und stark verdĂŒnnt in Kraterseen. In freier Form kommt sie im Magensaft der Wirbeltiere vor (0,1 bis 0,5 Prozent Massenanteil). Fast unerschöpflich sind die Vorkommen an Salzen der SalzsĂ€ure, als Steinsalz und gelöst im Meerwasser.

Darstellung und Gewinnung

SalzsÀure wird im Labor aus konzentrierter SchwefelsÀure und Kochsalz (daher der Name) hergestellt:

<math>\mathrm{NaCl + H_2SO_4 \longrightarrow NaHSO_4 + HCl _{(g)}}</math>

Die SchwefelsĂ€ure verdrĂ€ngt den Chlorwasserstoff aus seinem Salz. Da Chlorwasserstoff gasförmig ist, wird es stĂ€ndig dem Gleichgewicht entzogen, welches dadurch nahezu vollstĂ€ndig auf der Seite der Produkte liegt. Das entstandene Natriumhydrogensulfat ist ein saures SchwefelsĂ€uresalz. Das entstandene Chlorwasserstoffgas wird anschließend in Wasser eingeleitet:

<math>\mathrm{HCl + H_2O \longrightarrow H_3O^{+}_{(aq)} + Cl^{-}_{(aq)}}</math>

SalzsĂ€ure mit höheren Massenanteilen Chlorwasserstoff wird auch als rauchende SalzsĂ€ure bezeichnet, da Chlorwasserstoffgas entweicht und mit dem Wasser aus der Luftfeuchtigkeit wieder SalzsĂ€ure entsteht, so dass sich ĂŒber offenen GefĂ€ĂŸen ein weißer Nebel bildet.

In der chemischen Industrie wird hochreiner Chlorwasserstoff durch die Verbrennung von Wasserstoff mit Chlor gewonnen:

<math>\mathrm{Cl_2 + H_2 \longrightarrow 2\,HCl}</math>

Auch hier lÀsst man den Chlorwasserstoff mit Wasser reagieren.

Technisch reine SalzsÀure fÀllt hauptsÀchlich als Nebenprodukt bei der Chlorierung organischer Verbindungen an.

Eigenschaften

% HCl g HCl/l MolaritÀt mol/l Dichte g/cm³
10,5 110 3,06 1,050
15,5 166 4,61 1,075
20,4 224 6,22 1,100
22,3 248 6,89 1,110
24,3 272 7,56 1,120
26,2 296 8,22 1,130
28,2 321 8,92 1,140
30,1 347 9,64 1,150
32,1 372 10,23 1,160
34,2 400 11,11 1,170
36,2 428 11,89 1,180
38,3 456 12,67 1,190
40,4 485 13,47 1,200

Chlorwasserstoffgas löst sich sehr gut in Wasser: Bei 0 Â°C löst 1 Liter Wasser, sofern es dabei noch als flĂŒssige Phase vorliegt, unter WĂ€rmeentwicklung 815 g beziehungsweise 507 Liter Gas. Bei 20 Â°C enthĂ€lt ein Liter gesĂ€ttigte SalzsĂ€ure 720 g HCl.[3] Die KonzentrationsabhĂ€ngigkeit der Dichte <math>\rho</math> ist in nebenstehender Tabelle gezeigt, wobei zwischen ihr und dem prozentualen Gehalt an Chlorwasserstoff zufĂ€llig ein einfacher rechnerischer Zusammenhang besteht: Die verdoppelten Nachkommastellen entsprechen in etwa der Konzentration, z. B. eine SalzsĂ€ure der Dichte 1,10 g·cm−3 einem HCl-Gehalt von 20 Prozent.

<math>\% = 200 \cdot (\rho-1)</math>

Das Schmelz– und Siedeverhalten von SalzsĂ€ure hĂ€ngt stark von der Zusammensetzung ab.[4] In fester Phase werden vier stöchiometrische Hydrate mit definierten Schmelzpunkten gebildet. Das sind ein Monohydrat HCl·H2O mit einem Schmelzpunkt bei −15 Â°C, ein Dihydrat HCl·2H2O mit einem Schmelzpunkt bei −18 Â°C, ein Trihydrat HCl·3H2O mit einem Schmelzpunkt bei −25 Â°C und ein Hexahydrat HCl·6H2O mit einem Schmelzpunkt bei −70 Â°C. Im Phasendiagramm ergeben sich fĂŒr Zusammensetzungen zwischen den stöchiometrischen Hydraten entsprechende eutektische Schmelzen. Diese liegen fĂŒr ein Gemisch aus Mono- und Dihydrat mit einem Massenanteil Chlorwasserstoff von 57,3 % bei −23 Â°C, aus Di– und Trihydrat mit einem Massenanteil von 44,0 % bei −28 Â°C, aus Tri– und Hexahydrat mit einem Masseanteil von 26,6 % bei −73 Â°C und aus Hexahydrat und Eis mit einem Massenteil von 23,0 % bei −75 Â°C. ZusĂ€tzlich wird ein metastabiles Eutektikum zwischen Trihydrat und Eis mit einem Massenanteil von 24,8 % bei −87 Â°C gebildet. Im Konzentrationsbereich von 0 bis 25 % wird somit ein starkes Absinken des Schmelzpunktes beobachtet. Das Dampf-FlĂŒssig-Phasendiagramm zwischen Chlorwasserstoff und Wasser zeigt ein negatives Azeotrop. Das resultierende azeotrope Siedepunktsmaximum liegt bei Normaldruck mit einem Massenanteil von 20,2 % bei 109 Â°C. Bei der Verdampfung von SalzsĂ€urelösungen mit von der Azeotropzusammensetzung abweichender Konzentration wird zunĂ€chst bevorzugt die Überschußkomponente verdampft, d. h. bei SalzsĂ€ure mit einem Massenanteil <20,2 % erfolgt eine Aufkonzentrierung, bei SalzsĂ€ure mit >20,2 % eine Abkonzentrierung, bis die konstant siedende Azeotropzusammensetzung erreicht wird. Die Siedekurve im Phasendiagramm oberhalb der Azeotropzusammensetzung korreliert mit Löslichkeitskurve von Chlorwasserstoff in Wasser. Bei 25 Â°C ergibt sich ein Massenanteil von 42 %, was der „rauchenden“ SalzsĂ€ure entspricht.

In Wasser dissoziiert Chlorwasserstoff vollstĂ€ndig, konzentrierte SalzsĂ€ure (32 %) hat einen pH-Wert von −1. An feuchter Luft bildet Chlorwassrstoffgas einen Nebel aus feinen SalzsĂ€ure-Tröpfchen. VerdĂŒnnte SalzsĂ€ure ist ein guter elektrischer Leiter.

Reaktionen

SalzsĂ€ure löst die meisten Metalle mit Ausnahme der Edelmetalle und einiger anderer (zum Beispiel Tantal und Germanium) unter Bildung von Chloriden und Wasserstoff, sofern diese nicht durch Passivierung geschĂŒtzt sind.

<math>\mathrm{Mg\ +\ 2\ HCl\ \longrightarrow\ MgCl_2\ +\ H_2 \uparrow}</math>

Sie ist sehr gut geeignet zum Entfernen von Oxidschichten auf Metallen, da Metalloxide mit SalzsÀure zu Chloriden und Wasser reagieren:

<math>\mathrm{CuO\ +\ 2\ HCl\ \longrightarrow\ CuCl_2\ +\ H_2O}</math>

Eine Mischung von SalzsĂ€ure und SalpetersĂ€ure wird Königswasser genannt, weil sie auch Gold, den „König der Metalle“, zu lösen vermag. Dazu trĂ€gt neben der oxidierenden Wirkung des Nitrosylchlorids und des nascierenden Chlors auch die Verringerung der effektiven Goldionenkonzentration durch Komplexbildung bei:

<math>\mathrm{Au^{3+}\ +\ 4\ Cl^-\ \longrightarrow\ AuCl_4^-}</math>

Verwendung

SalzsĂ€ure ist eine der wichtigsten Grundchemikalien mit großer Bedeutung in der chemischen Industrie als anorganische SĂ€ure. Sie wird beispielsweise bei der Aufarbeitung von Erzen und Rohphosphat eingesetzt. Sie wird zur Stimulation von Erdöl- und Erdgas-Sonden, im Speziellen in KarbonatlagerstĂ€tten, aber auch in SandsteinlagerstĂ€tten verwendet. Mit ihrer Hilfe werden dort auch z. B. Calciumcarbonat-Anlagerungen an GerĂ€tschaften entfernt und Reinigungen nach Gravel-Pack-Bohrungen und an Bohrlöchern selbst durchgefĂŒhrt. In der Metallverarbeitung wird sie beim Beizen, Ätzen und Löten eingesetzt. Außerdem wird verdĂŒnnte SalzsĂ€ure im Bauwesen zum Entfernen der Mörtelreste am Mauerwerk benutzt – das sog. AbsĂ€uern.

SalzsĂ€ure ist nicht zuletzt ein wichtiges Reagenz in der chemischen Analyse. Sie vermag eine Gruppe von Metallen, die schwerlösliche Chloride bilden, durch FĂ€llung von anderen Metallen abzutrennen. Anschließend können diese getrennt weiter analysiert werden (siehe SalzsĂ€uregruppe). Die Alkalimetrie ist ein weiteres Verwendungsgebiet von SalzsĂ€ure.

Als Lebensmittelzusatzstoff trĂ€gt SalzsĂ€ure die Bezeichnung E 507.

In der Pharmaindustrie wird SalzsĂ€ure benutzt, um basische, in Wasser schlecht- oder unlösliche Arzneistoffe (Beispiele: Ciprofloxacin, Citalopram, Clenbuterol, Clindamycin, Dibenzepin) in besser lösliche Hydrochloride zu ĂŒberfĂŒhren.[5]

Biologische Bedeutung

Bei Mensch und Tier ist die SalzsĂ€ure ein Bestandteil des Magensaftes, wo sie unter anderem die Denaturierung von Proteinen bewirkt, aber auch zum Abtöten von Mikroorganismen vor Eintritt in das weitere Verdauungssystem dient. Außerdem schafft sie das saure Milieu, in dem das Verdauungsenzym Pepsin am wirksamsten ist.

Nachweis

SalzsĂ€ure wird zum einen durch ihren SĂ€urecharakter nachgewiesen. ErgĂ€nzend dazu identifiziert man das Chlorid-Anion in stark verdĂŒnnter Lösung (bei einem Überschuss an Chloridionen bildet sich ein löslicher Dichloroargentat-Komplex) durch Zugabe von Silbernitratlösung, wobei schwer lösliches Silberchlorid ausfĂ€llt:

<math>\mathrm{HCl\ +\ AgNO_3\ \longrightarrow\ HNO_3\ +\ AgCl}</math>

Wenn sich der entstandene weiße Niederschlag in verdĂŒnntem Ammoniakwasser unter Komplexbildung auflöst, ist der Beweis erbracht, dass es sich um Chloridionen handelte:

<math>\mathrm{AgCl\ + 2\ NH_3\ \longrightarrow\ [Ag(NH_3)_2]^+\ +\ Cl^-}</math>
<math>\mathrm{AgCl\ +\ HCl\ \longrightarrow\ [AgCl_2]^-\ +\ H^+}</math>

Wird SalzsÀure mit Mangandioxid (Braunstein) erhitzt, so entsteht Chlor:

<math>\mathrm{4\ HCl\ +\ MnO_2\ \longrightarrow\ Cl_2\ +\ MnCl_2\ +\ 2\ H_2O}</math>

Der SalzsĂ€uregehalt einer Lösung wird durch Titration mit Natronlauge ermittelt (Acidimitrie, Maßanalyse). Fotometrisch lĂ€sst sich diese Bestimmung sowie die von Chloriden mit Hilfe des Quecksilbersalzes der ChloranilsĂ€ure durchfĂŒhren. Den Gehalt an SalzsĂ€ure im Magensaft bestimmt man mit GĂŒnzburgs Reagenz.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Eintrag zu SalzsĂ€ure in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 5. November 2009 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ a b Eintrag zu CAS-Nr. 7647-01-0 im European chemical Substances Information System ESIS (ergĂ€nzender Eintrag)
  3. ↑ Eintrag zu Chlorwasserstoff in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 26. Juni 2011 (JavaScript erforderlich)
  4. ↑ alle Daten aus Gmelins Handbuch der Anorganischen Chemie, Systemnummer 6 Chlor, Verlag Chemie Berlin 1927 und Gmelins Handbuch der Anorganischen Chemie, Systemnummer 6 Chlor, ErgĂ€nzungsband Teil B - Lieferung 1, Verlag Chemie Weinheim 1968.
  5. ↑ Axel Kleemann, JĂŒrgen Engel, Bernd Kutscher und Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances, 4. Auflage (2000), 2 BĂ€nde erschienen im Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9; seit 2003 online mit halbjĂ€hrlichen ErgĂ€nzungen und Aktualisierungen.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: SalzsĂ€ure â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Hydrochloric acid â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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