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Die Samaritaner bilden eine Religionsgemeinschaft, die wie das Judentum aus dem Volk Israel hervorgegangen ist. Es gibt heute in Israel und im Westjordanland etwa 700 Samaritaner.
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Unterschieden werden Bewohner von Samaria (hebr. schomronim) und die israelitischen Samaritaner (hebr. שוֹמְרִים schomerim). Der Begriff Schomronim bezeichnet die Bewohner von Samaria. Schomronim leitet sich vom Namen Samaria (hebr. shomron) ab. Die Schamerim hingegen sind eine israelitische Glaubensbewegung. Nicht alle Bewohner von Samaria, nicht alle Schomronim also, sind auch Schamerim (israelitische Samaritaner).
Der hebräische Begriff shamerim bedeutet Bewahrer, Beobachter, Observanten. Die Schamerim (israelitische Samaritaner) verstanden und verstehen sich als Observanten und Einhalter der Satzungen Mose (Tora oder Pentateuch). Sie sehen sich als die Vertreter des alten Israels und vertreten dessen Gottesbild.
Der Ausdruck des Barmherzigen Samariters geht auf ein Gleichnis Jesu im Neuen Testament bei Lukas (10,30–37 EU) zurück. In dieser Erzählung erhält ein Schwerverletzter, den ein jüdischer Priester und ein Levit achtlos liegen ließen, Hilfe von einem Samaritaner. Der Samaritaner versorgte die Wunden des Verletzten, brachte ihn in eine Herberge und bezahlte für seine weitere Pflege. Damals galten den Juden die Samaritaner als fehlgeleitete Abtrünnige, welche geringgeschätzt wurden.
Nach biblischer Darstellung schlossen sich die zehn Stämme im Norden Israels nach der Teilung des Königreichs Israel – durch Auflösung der Personalunion, die unter Saul, David und Salomo bis ca. 926 v. Chr. bestanden hatte – zum Nordreich Israel mit einem Wahlkönigtum zusammen. Ihre Hauptstadt während der Omridendynastie im 9. Jahrhundert v. Chr. war zunächst Sichem, später dann Samaria.
Ein Teil dieser Bevölkerung blieb bei der großen assyrischen Deportation im Jahre 722 v. Chr. in ihrer Heimat, denn es wurden wohl nur die Angehörigen der begüterten Oberschicht der israelitischen Bevölkerung deportiert. Die verbliebenen Samarier bildeten einen Bestandteil des von der assyrischen Großmacht dort angesiedelten Völkergemischs aus dem Osten (Babel, Awa, Hamta, Sefarwajim und Kuta) (2 Kön 17,24 EU). Nach der Stadt bzw. dem Fluss Kuta werden die Samaritaner bei Flavius Josephus und in der rabbinischen Literatur als „Kutäer“ bezeichnet. Sie bewahren eine im Vergleich zum rabbinischen Judentum altertümliche Version des Kults mit eigenem Heiligtum und Liturgie in ihrem samaritanischen Pentateuch. Die Selbstbezeichnung lautet „Schamerim“ (Bewahrer). Die Samaritaner verstehen sich als Nachfahren der (nord)israelitischen Stämme Ephraim und Manasse.
Die Oberschicht des Südreiches (Juda und Benjamin) war 586 v. Chr. von den Babyloniern nach Mesopotamien verschleppt worden. Nachdem die Perser die Herrschaft über Babylonien errungen hatten, durften die Juden nach Israel zurückkehren. In verschiedenen Wellen kehrten sie nach Judäa zurück. Unter Serubbabel, einem Davididen, bauten sie den Tempel in Jerusalem wieder auf (um 520 v. Chr.). Die Samaritaner wollten dabei mithelfen. Ihr Wunsch wurde abgelehnt (Esra 4,3 EU). Man betrachtete sie nicht als rein-israelitisch. Sie seien in Kontakt mit den fünf angesiedelten Völkern und deren Göttern gekommen. Daraufhin errichteten die Samaritaner um 450/430 v. Chr. ein eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim. Größere Umbaumaßnahmen erfolgten im 2. Jahrhundert v. Chr. Dieser Tempel der Samaritaner wurde etwa 128 v. Chr. durch den Hasmonäer Johannes Hyrkanos I. zerstört. Da jedoch noch Münzen späterer Zeit gefunden wurden, dürfte die endgültige Eroberung etwa 112/111 v. Chr. stattgefunden haben.[1]
Etwa um 440 v. Chr. führten Esra und Nehemia eine Religionsreform in Jerusalem und Judäa durch. Anhänger der alten, israelitischen Tradition setzten sich zu der Zeit nach Samaria ab. Eines der Reformanliegen betraf auch die Mischehen (Esra 9 EU und 10 EU). Esra und Nehemia waren gegen Mischehen zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten. Insbesondere Priester und Leviten sollten keine solchen Mischehen führen und bestehende auflösen. Manasseh, der Sohn einer hohenpriesterlichen Familie von Jerusalem, war mit der Tochter des persischen Statthalters von Samaria verheiratet. Wegen dieser Ehe wurde er aus Jerusalem ausgewiesen. Er und gleichgesinnte Priester schlossen sich den israelitischen Samaritanern an. Er organisierte von nun an den Priesterdienst am Heiligtum auf dem Berg Garizim.
Da die Samaritaner keinen Anteil mehr am Tempel in Jerusalem hatten, vertraten sie von nun an die Ansicht, dass der Berg Garizim der richtige Ort für die Verehrung Gottes sei und nicht Jerusalem. Denn vom Berg Garizim sei das Volk Israel gesegnet worden (Dtn 27 EU und Jos 8 EU). Sie beanspruchten deshalb für sich, sie würden die Gottesverehrung des alten Israel vertreten.
Die Samaritaner erwarteten ebenfalls den Gesalbten Gottes, so wie die Juden (siehe Messias). Dieser Gesalbte würde jedoch aus dem Stamm Joseph kommen, nicht aus dem Stamm Juda. Im weiteren Gegensatz zu den Juden erwarteten sie keinen König, sondern einen Propheten, wie Mose einer gewesen war. Sie erwarteten den Wiederhersteller, den Taheb im Aramäischen. Dieser Taheb würde sie alles lehren und den religiösen Zustand des alten Israel wieder herstellen. Sie beriefen sich dabei auf Dtn 18,18 EU.
Im Jahre 36 n. Chr. trat ein priesterlicher Anführer auf. Er war wohl überzeugt, der erwartete Taheb zu sein. Mit einer großen Gefolgschaft zog er Richtung Berg Garizim. Viele waren bewaffnet. Er wollte seiner Gefolgschaft auf dem Berg die heiligen Gefäße zeigen, die Mose dort niedergelegt hätte. Dies sollte als Zeichen verstanden werden, dass er der Tahib sei. Pontius Pilatus ließ diesen Manifestationszug mit brutaler Gewalt unterbinden.[2]
In der Spätantike kam es mehrmals zu vergeblichen Aufständen der Samaritaner gegen die oströmische Regierung, besonders in den Jahren 484 und 529. Während dieser Aufstände wurden die Anführer Justasas und Julian ben Sabar sogar zu Königen gekrönt, bald darauf aber gefangen genommen und getötet.
Waren die Samaritaner im Mittelalter noch ein recht zahlreiches Volk, so sank ihre Zahl im Zuge der Islamisierung extrem. Die Samaritaner praktizieren, auch zu ihrem eigenen Schutz, eine strenge Endogamie. Im Jahre 1918 zählten die Briten im damaligen Mandatsgebiet Palästina 146 Samariter in fünf miteinander verwandten Familien, davon eine Priesterfamilie. Die wohlwollende Einstellung der Zionisten hat wohl die letzten Samaritaner vor dem Untergang bewahrt. Seit 1923 ist den Samaritanern auch die Heirat mit Juden erlaubt, wenn diese zur Religion der Samaritaner übertreten. Daraufhin traten einige Jüdinnen über und heirateten Samaritaner. Seitdem ist ihre Zahl angestiegen und betrug 1996 wieder über 660 Personen.
Die Samaritaner leben heute in Cholon in der Nähe von Tel Aviv sowie in Nablus im Westjordanland. Es gibt nur fünf Familienverbände. Die Trennung in zwei etwa gleich große Gruppen, von denen die eine in Cholon stark von der israelischen Gesellschaft beeinflusst wurde, und eine andere, die ihre arabisch-orientalischen kulturellen Bräuche aufrechterhielt, führte zu gewissen Loyalitäts- und Identitätsproblemen. Die Gruppe in Cholon spricht beispielsweise vorwiegend hebräisch, die Gruppe in Nablus arabisch. Seit Beginn der Intifada wurden mehrmals arabisch sprechende Samaritaner von israelischen Soldaten für Palästinenser gehalten und sehr harsch behandelt, was die Spaltung nur noch verstärkt hat.
Die Samaritaner erkennen als Bibel nur die Autorität der fünf Bücher Mose (Pentateuch bzw. Tora) an. Der samaritanische Pentateuch ist in einer eigenen samaritanischen Schrift geschrieben, die auf der althebräischen Schrift basiert, welche sich aus dem phönizischen Alphabet entwickelt hat. (Die heutige hebräische Schrift hingegen ist ursprünglich eine aramäische Schrift, die von den Juden erst während des Babylonischen Exils übernommen wurde). Darüber hinaus haben sie eine eigene Überlieferungs- und Aussprachetradition ihrer heiligen Schriften und der althebräischen Sprache erhalten können, für Bibelwissenschaftler eine Fundgrube.
Für diese Samaritaner waren die prophetischen Bücher der Juden nicht von Bedeutung. Sie waren der Auffassung, dass sich die Juden, die Abkömmlinge des Südreiches, von der alten israelitischen Gottesvorstellung wegentwickelt hätten, insbesondere während des babylonischen Exils. Die Samaritaner warfen den Juden vor, sie hätten dem Gott Israels menschliche Eigenschaften zugeordnet (prophetische Bücher des AT). Damit hätten sie sich ein Bild von Gott gemacht und sie würden gegen die Gebote Gottes verstoßen.
Die Samaritaner haben auch viele alte Bräuche bewahrt, die sie bisweilen auf die Zeit vor dem babylonischen Exil zurückführen. Beispielsweise kennen sie bis heute das Hohepriestertum und das Tieropfer und feiern ihr Neujahr im Frühling, nicht wie die Juden im Herbst.
Die Samaritaner haben einen eigenen Hohenpriester, der auf dem Berg Garizim residiert.