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Der Samaritanische Pentateuch ist eine besondere hebräische Fassung des Pentateuchs bzw. der Tora für die Samaritaner. Er entstand spätestens nach der Zerstörung ihres Heiligtums auf dem Garizim (127 v. Chr.), die ihre Trennung vom Jerusalemer Tempelkult besiegelte. Da sie nur die Tora als Heilige Schrift anerkannten, schufen sie eine eigene Fassung davon für ihren Kult.
Inhaltsverzeichnis |
Die erste Handschrift dieser bis dahin unbekannten Toraversion wurde 1616 in Damaskus entdeckt. Sie ist geschrieben in samaritanischer Schrift, eine mit dem althebräischen Schrift verwandten Konsonantenschrift, die nur wenige Vokalzeichen enthält. Die Handschrift wurde anfangs als dem angenommenen biblischen Urtext nahestehend aufgefasst, seit einem Verdikt von Wilhelm Gesenius 1815 jedoch als fast wertlos für die biblische Textkritik erachtet.
Dieses Urteil hat sich erheblich differenziert, seit 1860 in der Geniza von Kairo etwa 400 Jahre ältere Handschriften des Samaritanischen Pentateuchs entdeckt wurden. Seine älteste bekannte Handschrift in Buchform (Kodex) wurde nach einer Eigennotiz 1149 gekauft und kann ein bis zwei Jahrhunderte zuvor geschrieben worden sein. Paul Kahle und andere haben diese Handschriften erforscht.
Die Abischa-Rolle enthält Teile der Tora (Num 35-Dtn 34), die in das 11. Jahrhundert datiert werden. Sie stellt alte und jüngere Fragmente dieses Pentateuchs zusammen und wird bis heute in der Samaritanergemeinde von Nablus - dem biblischen Sichem - als ihre Heilige Schrift verehrt.
Bruchstücke und einzelne Inschriften aus dem Samaritanischen Pentateuch stammen aus dem 3. bis 6. Jahrhundert.
Die erste und bisher einzige kritische Ausgabe der Handschriften wurde von 1914 - 1918 von dem Orientalisten und Theologen Prof. Dr. August Freiherr von Gall herausgegeben[1].
In etwa 6000 Fällen weicht der Text vom Masoretischen Text ab, der heutigen wissenschaftlichen Bibelausgaben zugrunde liegt. Ein Großteil dieser Fälle betrifft nur die Orthografie oder andere formale Unterschiede, nicht inhaltliche Aussagen.
Etwa 1900 dieser Abweichungen stimmen mit denen der griechischsprachigen Septuaginta überein. Sie werden als Beleg für alte hebräische Textfassungen gedeutet, die beiden Bibelversionen vorlagen und von denen des Masoretentextes unabhängig entstanden sind.
Ein kleiner Teil der Abweichungen erklärt sich aus dem Interesse der Samaritaner, ihren Kult als den rechtmäßigen gegenüber dem Jerusalemer Tempelkult darzustellen. Dies gilt für ein hinter (Ex 20,17 EU) eingefügtes Gebot, ein Heiligtum auf dem Garizim zu errichten, und für etwa 20 Verse im Deuteronomium, die die Erwählung des heiligen Ortes nachträglich auf Sichem beziehen. Die begrenzte Zahl dieser Eingriffe wird heute nicht mehr als Entwertung des gesamten Textes aufgefasst, da ihnen sonst große Übereinstimmung sowohl mit dem Masoretentext als auch der Septuaginta gegenübersteht.
Viele Unterschiede zum Masoretentext sind sprachlicher Natur: Sie vereinfachen altertümliche und komplizierte Formulierungen, um die Verständlichkeit für palästinische Juden, die bereits seit 539 v. Chr. überwiegend Aramäisch sprachen, zu erhöhen. Diese Anpassungen wurden nach dem Aufkommen von aramäischen Bibelübersetzungen, den Targumim, überflüssig. Sie verweisen daher auf ein hohes Alter des samaritanischen Toratextes, der somit nicht von der den Targumim überwiegend vorliegenden proto-masoretischen Texttradition abhängig gewesen sein kann. [2]
Unter den Schriftrollen vom Toten Meer fanden sich Pentateuchtexte von etwa 200 v. Chr., die der Sprache des Samaritanischen Pentateuchs ähneln, ohne seine besonderen, auf den Garizimkult bezogenen Einfügungen zu kennen. Sie erwiesen das hohe Alter der ihm zugrundeliegenden Textüberlieferung.
Nur in Randnotizen und Zitaten nachgewiesen ist eine griechische Übersetzung des Samaritanus, das so genannte Samareitikon. Es gibt auch aramäische und arabische Übersetzungen davon.