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Samuel Pepys

Samuel Pepys (1666); GemÀlde von John Hayls; National Portrait Gallery, London

Samuel Pepys [piːps] (* 23. Februar 1633 in London; † 26. Mai 1703 in Clapham bei London) war StaatssekretĂ€r im englischen Marineamt (Chief Secretary to the Admiralty), PrĂ€sident der Royal Society und Abgeordneter des englischen Unterhauses, wurde der Nachwelt aber vor allem als Tagebuchautor und Chronist der Restaurationsepoche unter König Karl II. von England bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Denkmal fĂŒr Samuel Pepys in der Londoner City

Pepys wurde in eine Zeit hineingeboren, in der die KĂ€mpfe zwischen dem zunehmend selbstbewusst auftretenden englischen Parlament und dem nach absolutistischer Herrschaft strebenden Stuart-Königtum eskalierten, in die Zeit des aufstrebenden BĂŒrgertums und des beginnenden Kapitalismus.

Er selbst, der sich vom AnhĂ€nger Oliver Cromwells zum ĂŒberzeugten Tory wandelte, war ein typischer Vertreter des neuen BĂŒrgertums, das sich in seiner Lebensart zwar am Adel orientierte, seine Welt aber zunehmend durch eigene, im Protestantismus wurzelnde Vorstellungen von Ehre, ReligiositĂ€t und Moral prĂ€gte, von arbeitsamer Rechtschaffenheit und Gewinnstreben. Die teils gewollte, teils unfreiwillige Komik von Pepys’ Tagebuch ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen seinen AnfĂ€ngen als prĂŒder, lustfeindlicher Puritaner und seiner VerfĂŒhrbarkeit durch die barocken GenĂŒsse der Ära Karls II., die er bald in vollen ZĂŒgen genoss. So schrieb er am 10. MĂ€rz 1666 in sein Tagebuch:

„Die meisten MĂ€nner, die es in der Welt zu etwas bringen, vergessen das VergnĂŒgen wĂ€hrend der Zeit, in der sie ihr Vermögen machen. Sie warten, bis sie es geschafft haben, und dann ist es zu spĂ€t, sich daran zu erfreuen.“

Herkunft und Jugend

Samuel Pepys war das Ă€lteste der vier ĂŒberlebenden von insgesamt elf Kindern des Schneiders John Pepys und dessen Frau Margaret. Die Familie lebte in bescheidenen VerhĂ€ltnissen, hatte aber wohlhabende und einflussreiche Verwandte in der Familie Montagu. Diese gehörte dem Landadel an; ihr Gut Hinchingbroke lag in Huntingdonshire, der Grafschaft, der auch Oliver Cromwell entstammte. Als 1642 der BĂŒrgerkrieg ausbrach, schickte John Pepys seinen neunjĂ€hrigen Sohn dorthin zu seinem Bruder Robert, der als Gutsverwalter der Montagus arbeitete. Wahrscheinlich wurden die reichen Verwandten schon damals auf den jungen Samuel aufmerksam und ließen ihm eine gute Ausbildung angedeihen – zunĂ€chst an der Lateinschule in Huntingdon, dann in der streng puritanisch geprĂ€gten St. Paul's School in London. In dieser Zeit war er nach seinem eigenen, spĂ€teren Zeugnis ein typischer Rundkopf, d. h. ein AnhĂ€nger Cromwells und erlebte die Hinrichtung König Karls I. mit. Von 1650 bis 1653 besuchte er die University of Cambridge, wo er den Bakkalaureusgrad erwarb. Gegen eine Geldzahlung erhielt er 1660 nachtrĂ€glich den Magistertitel zugesprochen.

Möglicherweise war Pepys seinem acht Jahre Ă€lteren Vetter Edward Montagu, dem spĂ€teren Lord Sandwich, schon als Kind erstmals begegnet. Dieser hatte sich im BĂŒrgerkrieg an der Seite Cromwells ausgezeichnet und bekleidete wĂ€hrend der Republik hohe StaatsĂ€mter. Im Ersten Englisch-NiederlĂ€ndischen Seekrieg war er Oberbefehlshaber der Flotte. Nachdem Pepys sein Studium beendet hatte, stellte Montagu ihn als eine Art PrivatsekretĂ€r ein. Als ProtegĂ© seines Vetters begann Pepys’ Aufstieg im Staatsdienst. Offenbar lebte er schon 1655 in halbwegs gesicherten VerhĂ€ltnissen, die ihm eine damals eher seltene Liebesheirat mit einer sieben Jahre jĂŒngeren, weitgehend mittellosen Frau ermöglichten: Die damals erst 15-jĂ€hrige Elisabeth war die Tochter eines verarmten französischen Hugenotten. Am 26. MĂ€rz 1658 unterzog sich Pepys einer Ă€ußerst schmerzhaften und lebensgefĂ€hrlichen Blasenstein-Operation. Den Jahrestag der gelungenen Behandlung feierte er in den folgenden Jahren als seinen zweiten Geburtstag.

Karriere

Pepys’ Förderer Edward Montagu; GemĂ€lde von Sir Peter Lely (1666)
König Jakob II. von England

Auf Vermittlung Montagus erhielt Pepys 1658 eine zusĂ€tzliche Anstellung im Schatzamt unter George Downing. Im September desselben Jahres starb Oliver Cromwell, und nach der kurzen Herrschaft seines Sohnes Richard als Lordprotektor beschlossen die fĂŒhrenden MĂ€nner in Heer und Marine 1660, die Stuart-Monarchie wiederherzustellen. Zu Pepys’ GlĂŒck hatten seine beiden Dienstherren Downing und Montagu maßgeblichen Anteil an dem politischen Wendemanöver von der Republik zur Monarchie. Montagu gehörte einer Delegation an, die Karl II. aus dem niederlĂ€ndischen Exil nach England zurĂŒckfĂŒhren sollte. Er wurde dafĂŒr spĂ€ter als Lord Sandwich in den Peersstand erhoben. Pepys begleitete ihn als SekretĂ€r und erlebte so die RĂŒckkehr des Königs und spĂ€ter seine Krönung in Westminster aus nĂ€chster NĂ€he.

Im gleichen Jahr erhielt Pepys eine weitere Stelle als Schreiber im Marineamt, in dem er in den folgenden Jahren immer weiter aufstieg. Wie seine Vorgesetzten verstand auch er es, sich mit den neuen politischen VerhĂ€ltnissen zu arrangieren. ZunĂ€chst wurde er von Lord Sandwich gefördert, spĂ€ter von Jakob, Herzog von York, dem Bruder des Königs. Pepys war im Marineamt fĂŒr die Beschaffung von Material und Verpflegung verantwortlich, also fĂŒr Bau, Reparatur und AusrĂŒstung der Schiffe der Royal Navy. Da England damals mit Holland um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren kĂ€mpfte, war dies eine einflussreiche Position. Sie gab ihm viele Gelegenheiten zu illegalen Nebeneinnahmen, zum Beispiel zur Annahme von Bestechungsgeldern von Lieferanten. 1665 war Pepys an der Unterschlagung von Prisengeldern gekaperter hollĂ€ndischer Ostindienfahrer beteiligt. Die AffĂ€re wurde publik, und Lord Sandwich als Hauptverantwortlicher musste seine Position als Admiral der Flotte rĂ€umen. Pepys’ Tagebucheintragungen spiegeln seine Furcht wider, vor einem Untersuchungsausschuss ebenfalls belastet zu werden und sein Amt zu verlieren. Da er sich weniger bereichert hatte als andere und sich auf seinen Vorgesetzten berufen konnte, ging er schließlich unbeschadet aus der Angelegenheit hervor. Alles in allem hielt sich Pepys’ Korruption im Rahmen dessen, was damals als selbstverstĂ€ndlich erachtet wurde. Seinen Zeitgenossen galt er als höchst fĂ€higer Verwaltungsbeamter. Die Protektion, die er seit Beginn seiner Laufbahn genoss, rechtfertigte er immer wieder durch Sachkunde, Effizienz, LoyalitĂ€t und ZuverlĂ€ssigkeit. Nach dem frĂŒhen Tod seiner Frau, Ende 1669, widmete er sich ganz seinen beruflichen Aufgaben.

Zu diesen gehörte seit 1662 auch das Amt des Schatzmeisters der englischen Kolonie Tanger, welche die portugiesische Infantin Katharina von Braganza im Jahr zuvor als Mitgift in die Ehe mit Karl II. eingebracht hatte. Als die Kolonie 1683 aufgegeben und die englische Garnison aufgelöst werden sollte, entsandte man dazu Pepys nach Tanger. Es war seine einzige grĂ¶ĂŸere Seereise, und er erlebte dabei einen Angriff algerischer Piraten. Auf der RĂŒckreise lernte er auch Spanien kennen.

Dorthin, nach Madrid, war Lord Sandwich nach der Prisengeld-AffĂ€re als Botschafter abgeschoben worden. Pepys, der sich damals vorsichtig von ihm distanziert hatte, suchte seither die Protektion des Herzogs von York, dessen treuer ParteigĂ€nger er wurde. Der Bruder des Königs war als Lord High Admiral mehrere Jahre lang Oberbefehlshaber der Flotte und damit sein höchster Vorgesetzter. Pepys’ Karriere war seit Mitte der 1670er Jahre aufs engste mit seiner verbunden. 1673 wurde er zum SekretĂ€r der AdmiralitĂ€t (Secretary to the Admiralty Commission) ernannt; im gleichen Jahr wurde er fĂŒr den Wahlkreis Castle Rising in Norfolk ins Unterhaus gewĂ€hlt. 1679 errang er den Parlamentssitz fĂŒr Harwich, den er zehn Jahre lang innehaben sollte. Im gleichen Jahr aber bekam er erstmals die negativen Konsequenzen seiner Verbindung mit dem Herzog von York zu spĂŒren. Da dieser Ende der 1660er Jahre zum Katholizismus ĂŒbergetreten war, kam es zwischen 1678 und 1682 zur so genannten Exclusion Crisis, in der Jakobs protestantische Gegner versuchten, ihn von der Thronfolge auszuschließen. Im Verlauf der Staatskrise geriet Pepys in Verdacht, verrĂ€terische Beziehungen zum katholischen Frankreich zu unterhalten, das er zehn Jahre zuvor mit seiner Frau bereist hatte. Er musste sein Amt als SekretĂ€r der AdmiralitĂ€t niederlegen und wurde von Mai bis Juli 1679 in den Tower gesperrt. 1680 wurden alle Anklagepunkte gegen ihn fallen gelassen.

Karl II. setzte sich in der Exclusion Crisis schließlich gegen das Parlament durch und nach seinem Tod 1685 bestieg der Herzog von York als König Jakob II. den englischen Thron. Damit erreichte auch Pepys’ Laufbahn ihren Höhepunkt. Schon vier Jahre darauf aber, nach der Glorious Revolution von 1688/89 und dem Sturz Jakobs, endete sie abrupt. Bei den Wahlen im Februar 1689 verlor er seinen Parlamentssitz. Wenig spĂ€ter weigerte er sich, den Eid auf den neuen König Wilhelm von Oranien zu leisten, und trat als StaatssekretĂ€r zurĂŒck. Als AnhĂ€nger des geflohenen Königs wurde Pepys erneut zweimal fĂŒr kurze Zeit inhaftiert. Man unterstellte dem Protestanten und ehemaligen AnhĂ€nger Cromwells Sympathien fĂŒr die Jakobiten und den Katholizismus, was fĂŒr ihn als Staatsbediensteten ein Verstoß gegen die Testakte gewesen wĂ€re. Es kam aber auch in diesem Fall nie zu einer offiziellen Anklage oder Verurteilung. Nach seiner letzten Freilassung 1690 widmete sich Pepys nur noch seinen privaten Vorlieben und Studien.

Gesellschaftliches Leben

Das Titelblatt von Newtons Principia Mathematica mit Pepys’ Imprimatur

Samuel Pepys sprach Spanisch, Italienisch und Französisch und interessierte sich fĂŒr Theater, Literatur und Musik. Er musizierte auch selbst und spielte Laute, Geige und Flageolett. Spezielles Interesse zeigte er an den Wissenschaften, insbesondere an der Mathematik. 1673 war er an der GrĂŒndung der Royal Mathematical School am Christ's Hospital, einer Internatsschule, beteiligt. Sie sollte jĂ€hrlich 40 Jungen fĂŒr die Kriegs- und die Handelsmarine in Navigation ausbilden. 1675 wurde er zum Gouverneur von Christ's Hospital ernannt.

Bereits 1665 war Samuel Pepys Mitglied der Royal Society geworden, als deren PrĂ€sident er von 1684 bis 1686 amtierte. Dort erlebte er VortrĂ€ge und Experimente der zeitgenössischen Forscher. Zu seinem großen Freundes- und Bekanntenkreis gehörten unter anderem der Physiker Isaac Newton, der Architekt Christopher Wren und der Dichter John Evelyn. Der Erstdruck von Newtons Hauptwerk Principia Mathematica trĂ€gt auf dem Titelblatt das Imprimatur von Samuel Pepys in seiner Funktion als PrĂ€sident der Royal Society. John Evelyn charakterisierte Pepys nach dessen Tod als „bei aller Welt beliebt, gastfreundlich, großzĂŒgig und gebildet auf vielen Gebieten“.

Ehrungen

In St. Olaves an der Ecke Seething Lane-Pepys Street wurden Samuel Pepys und seine Frau Elisabeth beigesetzt

Nach Samuel Pepys wurden unter anderem die von ihm gestiftete Bibliotheca Pepysiana am Magdalene College der University of Cambridge benannt sowie irrtĂŒmlich eine nicht existierende Phantominsel im Atlantik, Pepys Island. Eine Straße in der Londoner City ganz in der NĂ€he seines ehemaligen Amtssitzes und seiner BegrĂ€bnisstĂ€tte St. Olave's, trĂ€gt heute seinen Namen. 1903 wurde in London der Samuel Pepys Club gegrĂŒndet, der sich der Pflege seines Andenkens widmet. Sein Vorsitzender ist seit 1985 John Edward Hollister Montagu, der 11. Earl of Sandwich[1], ein direkter Nachfahre von Pepys’ Förderer Edward Montagu.

Das geheime Tagebuch

Wenige Jahre nach seinem Tod war Samuel Pepys nur noch Spezialisten fĂŒr britische Marinegeschichte bekannt. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er erst ein Begriff, nachdem 1818 in der von ihm testamentarisch gestifteten Bibliothek an der University of Cambridge seine 3.100 Seiten umfassenden TagebĂŒcher entdeckt worden waren.

Ende 1659 hatte Pepys bei einem PapierwarenhĂ€ndler am Cornhill in der Londoner City sein erstes Tagebuch erworben. Am 1. Januar 1660 begann er mit seinen tĂ€glichen Notizen und fĂŒhrte sie bis zum 31. Mai 1669 fort. Nach seinen eigenen Angaben beendete er die Eintragungen, weil er fĂŒrchtete, wegen eines Augenleidens zu erblinden.

FĂŒr Beamte wie ihn war es durchaus ĂŒblich, Journale als GedĂ€chtnisstĂŒtze zu nutzen, um Dienstereignisse festzuhalten. Pepys aber war einer der ersten, die ĂŒber offizielle Ereignisse hinaus persönliche Erlebnisse und Ansichten niederschrieben. Was ihn dazu bewog, ist bis heute unklar. Als SekretĂ€r Edward Montagus und gut informiertem Zeitgenossen war ihm natĂŒrlich bewusst, dass 1660 große politische VerĂ€nderungen bevorstanden. Möglicherweise war dies ein Anreiz, seine Erfahrungen aus dieser Zeit festzuhalten. Da die TagebĂŒcher sowohl privat als auch dienstlich verfĂ€ngliche Informationen enthielten, hielt Pepys sie zu seinen Lebzeiten streng unter Verschluss. Er muss aber den Wunsch gehabt haben, sie einer ferneren Nachwelt zu ĂŒberliefern, denn er ließ die TagebĂŒcher binden und seiner 3.000 BĂ€nde umfassenden Bibliothek einverleiben. Diese wiederum musste sein Erbe aufgrund einer testamentarischen VerfĂŒgung von Pepys seinerseits der UniversitĂ€t Cambridge vermachen. Samuel Pepys ĂŒberließ es also der Zeit und dem Zufall, wann jemand in der Bibliotheca Pepysiana auf seine nachgelassenen Notizen stoßen wĂŒrde.

Inhalt

Pepys’ Tagebuch erlaubt einen unverstellten Blick auf den Alltag im London des ausgehenden 17. Jahrhunderts und in die Psyche eines Menschen jener Zeit. DarĂŒber hinaus ist es eine herausragende Quelle zu bedeutenden Ereignissen der Restaurationsepoche, etwa zur RĂŒckkehr König Karls II. zur Großen Pest von 1665 oder zum Großen Brand von London im Jahr darauf.

Die Schilderung des Großen Brands von London gehört zu den meistzitierten Passagen aus Pepys’ Tagebuch

Der besondere Reiz des Werks besteht darin, dass sein Autor – unverfĂ€lscht und frei von politischen wie privaten RĂŒcksichten – Staatsaktionen am Hof und im Marineamt ebenso abhandelt wie alltĂ€gliche Erlebnisse. Die Krönungsfeierlichkeiten fĂŒr den aus dem Exil zurĂŒckgekehrten König Karl II. stehen neben Schilderungen von Pepys’ Liebschaften und den Streitereien mit seiner Frau Elisabeth. Betrachtungen ĂŒber Krieg und Außenpolitik gibt der Autor mit ebenso lebhaftem Interesse wieder wie Berichte ĂŒber Theaterbesuche und Hinrichtungen, LektĂŒre, Klatsch und Tratsch, Stimmungen im Volk, Moden, SpeiseplĂ€ne, Preise und vieles mehr.

Die besondere AuthentizitĂ€t, Ehrlichkeit und Unverstelltheit, die Pepys Werk vor den meisten anderen publizierten TagebĂŒchern auszeichnet, ergibt sich nicht nur aus dem gewandten, erzĂ€hlerischen Stil, sondern auch aus der Schreibtechnik des Autors. Er bediente sich einer stenographischen Schrift, welche die meisten seiner Mitmenschen – einschließlich seiner Frau – nicht lesen konnten. Dies ermöglichte es ihm, völlig frei und unverblĂŒmt zu formulieren. Er musste kaum befĂŒrchten, dass seine Aufzeichnungen ihm Ärger einbringen könnten, falls sie je in die falschen HĂ€nde gerieten. Angesichts einiger außerehelicher AffĂ€ren und der KorruptionsfĂ€lle, in die Pepys im Laufe der Jahre verwickelt war, hatte er gute GrĂŒnde zu dieser Vorsicht. Mehr noch als behördliche Untersuchungen fĂŒrchtete Pepys offenbar den Unmut seiner Frau: Um ihr gegenĂŒber ganz sicher zu gehen, verschlĂŒsselte er die Schilderungen seiner SeitensprĂŒnge zudem mit Hilfe eines Sprachgemischs aus englischen, französischen, lateinischen und spanischen Begriffen. Ende 1668 erwischte Elisabeth Pepys ihren Mann jedoch in flagranti mit einem DienstmĂ€dchen, was fĂŒr ihn die grĂ¶ĂŸte Katastrophe seines bisherigen Lebens war. Wenige Monate darauf gab er das Tagebuch auf.

Editionsgeschichte

1825, sieben Jahre nach der Wiederentdeckung der TagebĂŒcher, gelang es dem Theologiestudenten Jonathan Smith, Pepys’ Kurzschrift zu entziffern. Da kurz zuvor das Tagebuch des Dichters John Evelyn, Pepys’ Freund und Zeitgenossen, veröffentlicht worden war, erschien die Edition seines Werks als willkommenes Pendant dazu. Eine Erstausgabe, die aber nur AuszĂŒge aus den TagebĂŒchern enthielt, kam noch 1825 heraus. Sie war von Richard Griffin-Neville, Lord Braybrooke eher nachlĂ€ssig besorgt worden, stieß aber dennoch auf großes Interesse der englischen Leserschaft. Erst Ende des 19. Jahrhunderts brachte Henry Benjamin Wheatley eine Standardausgabe des gesamten Werks in 10 BĂ€nden heraus.

Die heute maßgebliche Ausgabe ist die Latham & Matthews Edition. Sie wurde zwischen 1970 und 1983 von Robert C. Latham, Pepys-Bibliothekar am Magdalene College in Cambridge, und von William Matthews, Professor fĂŒr Englische Literatur an der University of California, Los Angeles, herausgegeben. Sie besteht aus elf BĂ€nden, darunter ein Begleit- und ein Registerband (X und XI). Die ersten neun BĂ€nde umfassen je ein Jahr der TagebĂŒcher. In deutschsprachiger Übersetzung gab es lange Zeit nur AuswahlbĂ€nde der TagebĂŒcher, die sich mitunter auf einzelne Aspekte beschrĂ€nkten wie etwa „Der erotische Pepys“. Erst 2010 erschien eine erste deutschsprachige Gesamtausgabe.

In der englischsprachigen Welt ist die PopularitĂ€t der geheimen TagebĂŒcher seit dem 19. Jahrhundert ungebrochen. Nach William Shakespeare und Dr. Johnson gehört Samuel Pepys zu den am hĂ€ufigsten zitierten englischen Autoren.

Werksausgaben

Englisch

  • Memoirs of Samuel Pepys, Esq. F.R.S. Secretary to the Admiralty in the Reigns of Charles II. And James II. Comprising His Diary from 1659 to 1669, Deciphered By the Rev. John Smith, A.B. From the Original Shorthand Ms., 2 BĂ€nde; Simpkin, Marshall, Hamilton, Kent & Co., London [1825] (die stark gekĂŒrzte Erstausgabe, herausgegeben von Richard Griffin-Neville, Lord Braybrooke)
  • The Diary of Samuel Pepys, 10 BĂ€nde; herausgegeben von Henry B. Wheatley; Cambridge 1893–1899
  • The Diary of Samuel Pepys – A New and Complete Transcription, 11 BĂ€nde; herausgegeben von Robert Latham und William Mattews. Bell & Hyman, London 1970–1983
  • The Shorter Pepys. Bell & Hyman, London 1985 (auf einen Band gekĂŒrzte Fassung der Gesamtausgabe; herausgegeben von Robert Latham)

Deutsche Ausgaben

Gesamtausgabe:

  • Samuel Pepys: Die TagebĂŒcher 1660–1669. Herausgegeben von Gerd Haffmans und Heiko Arntz, ĂŒbersetzt von Georg Deggerich, Michael Haupt, Arnd Kösling, Hans-Christian Oeser, Martin Richter und Marcus Weigelt, 9 BĂ€nde und ein Begleitband, Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, Berlin 2010, ISBN 978-3-942048-18-7[2]

AuswahlbÀnde:

  • Tagebuch. Herausgegeben und ĂŒbersetzt von Helmut Winter. Reclams Universal-Bibliothek 9970. Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-009970-6. Neuausgabe: 2009, ISBN 978-3-15-010693-8.
  • Das geheime Tagebuch, herausgegeben von Anselm Schlösser, ĂŒbertragen von Jutta Schlösser. Insel Verlag Anton Kippenberg, Leipzig 1980, als Lizenzausgabe erschienen bei Insel Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-458-32337-6.
  • Die geheimen TagebĂŒcher. Herausgegeben von Volker Kriegel und Roger Willemsen, ĂŒbersetzt von Georg Deggerich. Eichborn, Berlin 2004, ISBN 3-8218-3742-X.
  • Das Geheimtagebuch des Sir Samuel Pepys 1660–1669. Übersetzt und bearbeitet von Maja Schwartzkopff-Winter. Georg MĂŒller, MĂŒnchen 1931
  • Der erotische Pepys. Herausgegeben von Helmut Krausser und ĂŒbersetzt von Georg Deggerich, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-8218-0772-0.

Literatur

  • Arthur Bryant: Pepys : The Man in the Making 1663–1669. Cambridge University Press, Cambridge 1933, ISBN 0-586-06470-2
  • ders: Pepys : The Years of Peril 1669–1683. Cambridge University Press, Cambridge 1935, ISBN 0-586-06471-0
  • ders: Pepys : The Saviour of the Navy 1683–1689. Cambridge University Press, Cambridge 1938, ISBN 0-586-06472-9
  • Richard Ollard: Pepys : A Biography. Hodder & Stoughton, London 1974, ISBN 0-19-281466-4 (etwa zeitgleich mit der Latham-Matthews-Ausgabe erschienen, profitiert das Werk vom profunden Fachwissen des Autors ĂŒber die Zeit der Stuart-Restauration)
  • Robert Louis Stevenson: Samuel Pepys, in: Essays, English and American, with introductions notes and Illustrations, New York 1910
  • Claire Tomalin: Samuel Pepys : The Unequalled Self. Viking/Penguin, London 2002, ISBN 0-670-88568-1 (mit dem Whitbread-Preis fĂŒr die beste Biographie des Jahres 2002 ausgezeichnet)
  • Maureen Waller: Huren, Henker, Hugenotten. Das Leben in London um 1700. Bergisch Gladbach 2002, ISBN 3-404-64186-8
  • Manfred Klotz: Pepys’ TagebĂŒcher und Hellmuth Karasek, in: Neue Stenografische Praxis 57 (2009) 116–123.
  • Samuel Pepys Companion. Begleitband zur ersten deutschen Gesamtausgabe, Haffmans Verlag bei Zweitausendeins, Berlin 2010

Weblinks

Einzelnachweis

  1. ↑ Biografische Informationen zum Earl of Sandwich
  2. ↑ FAZ vom 31. Dezember 2010, Seite Z5: Der gar nicht alltĂ€gliche Alltag in Merry old England von Martin Mosebach
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