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San Gimignano

San Gimignano
Wappen
San Gimignano (Italien)
San Gimignano
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Koordinaten: 43° 28â€Č N, 11° 3â€Č O43.466666666711.05324Koordinaten: 43° 28â€Č 0″ N, 11° 3â€Č 0″ O
Höhe: 324 m s.l.m.
FlĂ€che: 138 kmÂČ
Einwohner: 7806 (31. Dez. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einw./kmÂČ
Postleitzahl: 53037
Vorwahl: 0577
ISTAT-Nummer: 052028
Demonym: Sangimignanesi
Schutzpatron: San Gimignano und Santa Fina (31. Januar)
Website: San Gimignano

San Gimignano ist eine italienische Kleinstadt in der Toskana im oberen Elsatal mit einem mittelalterlichen Stadtkern. Die Stadt liegt in der Provinz Siena und hat 7806 Einwohner (Stand 31. Dezember 2010). Sie gehört neben Florenz, Siena und Pisa zu den von Touristen meistbesuchten Zielen in der Toscana.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

San Gimignano wird auch Mittelalterliches Manhattan oder die Stadt der TĂŒrme genannt. Der historische Stadtkern ist seit dem Jahr 1990 Weltkulturerbe der UNESCO. San Gimignano besitzt noch heute einige der mittelalterlichen GeschlechtertĂŒrme, die in anderen StĂ€dten nur als StĂŒmpfe erhalten blieben. Die reichen Familien im Mittelalter versuchten, sich in der Höhe ihrer TĂŒrme gegenseitig zu ĂŒbertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien ihnen wichtiger zu sein als ein luxuriöses Leben, das in solchen TĂŒrmen natĂŒrlich nicht möglich war. Von den einst 72 GeschlechtertĂŒrmen existieren in San Gimignano heute noch 15.

Geografie

Der Ort erstreckt sich ĂŒber 138 kmÂČ, die Einwohnerdichte betrĂ€gt etwa 51 Einwohner/kmÂČ. Der Ort liegt an der Via Francigena. Die Nachbargemeinden sind Barberino Val d’Elsa (FI), Certaldo (FI), Colle di Val d'Elsa, Gambassi Terme (FI), Poggibonsi und Volterra (PI).

Geschichte

San Gimignano soll bereits um 200-300 v. Chr. von den Etruskern besiedelt worden sein. Das Bestehen als Stadt begann im 10. Jahrhundert. Den Namen erhielt die Stadt von dem heiligen Bischof von Modena, San Gimignano. Es heißt, er habe das Dorf vor den barbarischen Horden des Totila geschĂŒtzt.
Diese Stadt verdankt ihre Existenz der Frankenstraße (Via Francigena). Auf diesem Hauptverkehrsweg des mittelalterlichen Italiens zogen HĂ€ndler und Pilger vom Norden nach Rom. Der Ort bildete sich als MarktstĂ€tte zwischen dem frĂŒhmittelalterlichen Castello und der Pieve, dem VorgĂ€ngerbau der Collegiata. Ein erster Mauerkreis wurde Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts angelegt. Dessen Verlauf markieren drei noch erhaltene Stadttore, im Norden der Arco della Cancelleria, im Osten die Porta Santo Stefano und im SĂŒden der Arco dei Becci.
Vom 11. Jahrhundert an dehnte sich das Stadtgebiet entlang der Frankenstraße in nördlicher und sĂŒdlicher Richtung aus. An die Existenz des frĂŒheren Castello erinnern die Via di Castello, eine der Ă€ltesten Straßen, und die Kirche von San Lorenzo, die bei der ZugbrĂŒcke lag. Seit mindestens dem Jahr 929 gehörte das Kastell den Bischöfen von Volterra. Diese Bischöfe waren es auch, die die Herrschaft ĂŒber die sich ausdehnende Stadt ausĂŒbten. Erst 1199 gelang es den von den BĂŒrgern gewĂ€hlten Konsuln, VertrĂ€ge ohne die Zustimmung des Bischofs zu unterzeichnen. San Gimignano war nie Bischofssitz und gehörte nur zum kirchlichen Verwaltungsbezirk (Diözese) Volterra und erlangte somit auch keine Stadtrechte. Trotzdem verlief die politische Entwicklung der Landkommune in Ă€hnlichen Schritten wie die der großen StĂ€dte.Die Regierung der Konsuln wurde durch den PodestĂ  (ein gewĂ€hlter Administrator) abgelöst. Diesem standen ein kleiner und ein großer Rat zur Seite. Dem großen Rat gehörte eine bemerkenswert hohe Zahl von 1200 Mitgliedern an, obwohl San Gimignano nur 6000 Einwohner hatte.
Die freie Kommune hatte bis ins 14. Jahrhundert mit den Bischöfen von Volterra in langjĂ€hrigen Kriegen um Besitzrechte zu streiten. Sie musste gegen die Nachbarorte Castelfiorentino, gegen Colle und Poggibonsi zu Felde ziehen und nahm auf der Seite des guelfischen Florenz an den großen MachtkĂ€mpfen des 13. Jahrhunderts teil. Auch innerhalb der Stadtmauern setzten sich die KĂ€mpfe zwischen Guelfen (Welfen) und Ghibellinen (Waiblinger) fort. Der Name Ghibellinen ist fĂŒr das mittelalterliche Italien die Bezeichnung fĂŒr die ParteigĂ€nger des Kaisers, benannt nach der heute wĂŒrttembergischen Stauferstadt Waiblingen und dem Kampfruf der Staufer. Bei der entsprechenden Gegengruppierung handelte es sich um die Guelfen, die die Politik des Papsttums unterstĂŒtzten und die sich nach den Rivalen des Stauferhauses, dem Geschlecht der Welfen benannt hatten. Es kam zu blutigen Familienfehden zwischen den Familien der Salvucci (Ghibellinen) und der Ardinghelli (Guelfen).
Im Mai 1300 hielt sich Dante Alighieri (ein italienischer Dichter und Philosoph) in diplomatischer Mission in San Gimignano auf. Vom 15. Juni bis 15. August 1300 amtierte er als eines von 6 Mitgliedern des Priorats, dem höchsten Gremium der Stadt. Im Jahre 1319 versuchte er in seiner Funktion als fĂŒhrender Florentiner Politiker vergeblich, die verfeindeten Parteien zu versöhnen. Eine Kommune wie San Gimignano konnte sich im 14. Jahrhundert nicht mehr neben den GroßmĂ€chten behaupten. Im Jahre 1348 wurde die Stadt neben den Kriegsverlusten und Familienfehden durch die Pest stark geschwĂ€cht. Vier Jahre spĂ€ter im Jahre 1352 begab sich die Stadt unter den Schutz von Florenz.
Die BlĂŒtezeit der Stadt hatte 160 Jahre angedauert, ihr Wohlstand beruhte auf Handel und dem Anbau von Safran, mit dem man Seidenstoffe fĂ€rbte. Die Frankenstraße verlor im SpĂ€tmittelalter allmĂ€hlich an Bedeutung, weil der Handel die bequemeren Wege durch die weitgehend trockengelegten SĂŒmpfe der Ebenen vorzog. Die Stadt, die einst Gesetze gegen ĂŒbertriebenen Luxus erlassen hatte, verarmte.
Hochrenaissance (ca. 1500 bis 1530) und Barock (1575 bis 1770) hinterließen in San Gimignano so gut wie keine Spuren. Die Stadt war niemals ein eigenstĂ€ndiges Kunstzentrum. KĂŒnstler aus Siena und Florenz malten die Fresken und Altartafeln. Die PalĂ€ste und Kirchen zeigen pisanische, sienesische, lucchesische und florentinische Stilmerkmale. In San Gimignano ist die Zeit im Jahr 1563 stehen geblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dĂŒrfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano geblieben, wie es damals war.

Heute lebt die Stadt großenteils von ihrer pittoresken SehenswĂŒrdigkeit, die ihr alljĂ€hrlich den Zustrom Zehntausender von Touristen verschafft.

SehenswĂŒrdigkeiten

  • Der historische Stadtkern auf einem HĂŒgelrĂŒcken ist seit 1990 Weltkulturerbe der UNESCO.
  • Die GeschlechtertĂŒrme haben dem Ort den Beinamen „Manhattan des Mittelalters“ beschert. Die Familien versuchten, sich in der Höhe ihrer TĂŒrme gegenseitig zu ĂŒbertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien ihnen wichtiger zu sein als ein luxuriöses Leben, das in solchen TĂŒrmen natĂŒrlich nicht möglich war. Von den einst 72 GeschlechtertĂŒrmen existieren in San Gimignano heute noch insgesamt 15.
  • Die Piazza della Cisterna verdankt ihren Namen einem mittelalterlichen Brunnen (ital. cisterna) in ihrem Zentrum.
  • Porta San Giovanni aus dem 13. Jahrhundert.
  • Collegiata Santa Maria Assunta mit schönen Fresken
  • Palazzo del Popolo mit Torre Grossa
  • Palazzo del PodestĂĄ
  • Rocca (Burgruine) mit Garten und einer schönen Aussicht.
  • Das Museo della Tortura zeigt, mit welchem grausamen „Ideenreichtum“ im Mittelalter gefoltert wurde.
  • Im Museo d'Arte Sacra ist religiöse Kunst zu sehen. Die AusstellungsstĂŒcke sind aus dem Mittelalter bis hin zum 16. Jahrhundert.
  • Museo Civico ist das stĂ€dtische Museum. Zum Museum gehört der „Torre Grossa“ aus dem 13. Jahrhundert. Der Geschlechterturm ist der einzige in San Gimignano, der besichtigt und bestiegen werden kann.
  • Wanderung ins Tal zur mittelalterlichen Wascheinrichtung mit Blick auf die TĂŒrme in schöner Landschaft.
  • SanGimignano1300: Die Nachbildung der Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Entwicklung und den Glanz des weltberĂŒhmten mittelalterlichen Ortes, Weltkulturerbe der Unesco, kennen und schĂ€tzen zu lernen.

Persönlichkeiten

KĂŒnstler

Söhne und Töchter

  • Filippo Buonaccorsi (lateinisch Philippus Callimachus Experiens) (1437-1497), polnisch-italienischer Humanist und Staatsmann der Renaissance

StÀdtepartnerschaft

Wein

Film

Der Film Tee mit Mussolini (1999) wurde von Franco Zeffirelli u.a. in San Gimignano gedreht und handelt von der Internierung britischer StaatsbĂŒrger unter dem faschistischen Regime im Zweiten Weltkrieg.[2]

Literatur

  • Piero Toriti - Ein Tag in San Gimignano. Die Stadt der GeschlechtertĂŒrme, Bonechi Edizioni, Florenz 2003, ISBN 88-7204-362-X
  • Anthony Brierly et al. - Florenz und Toskana, Dorling Kindersley Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-928044-17-6
  • ZIMMERMANN, K. (2009): Toscana, Das HĂŒgelland und die historischen Stadtzentren.

DuMont Reiseverlag Ostfildern, 7. Auflage

  • SCHULTE-KELLINGHAUS, M., E. SPIEGELHALTER (1998): Reise durch die Toskana.
  • StĂŒtz Verlag WĂŒrzburg

BREMER, T., E. C. VOLLMER (2002): Reisen in Europe – Toskana. Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG MĂŒnchen

Weblinks

 Commons: San Gimignano â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Navigationsleiste „Via Francigena“

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Einzelnachweise

  1. ↑ Statistiche demografiche ISTAT. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica vom 31. Dezember 2010.
  2. ↑ Drehorte fĂŒr Tee mit Mussolini
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