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Unter Schattenwirtschaft (engl. underground economy) ist die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zu verstehen, die von der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht erfasst wird, weil sie von den Produzenten aus Geheimhaltungsgründen einer Erfassung entzogen wird oder nach den international vereinbarten Abgrenzungskonventionen nicht einbezogen wird, die aber prinzipiell auch von einer anderen Person erbracht werden kann und nicht primär zum Zwecke des unmittelbaren Konsums ausgeführt wird. Nicht zur Schattenwirtschaft zählen Tätigkeiten, die nach geltenden Gesetzen als solche bereits illegal sind.[1]
Abweichende Definitionen mit unterschiedlicher Abgrenzung je nach Untersuchungszweck sind möglich:
Schattenwirtschaft im weitesten Sinne umfasst auch bedarfsorientierte Wirtschaftsaktivitäten der privaten Haushalte, die in der Regel nicht monetär entlohnt werden, wie z. B. Hausarbeit, selbst geleistete Heimwerkerarbeit, Nachbarschaftshilfe und die Selbstversorgungswirtschaft.
Ein großer Teil der schattenwirtschaftlichen Aktivitäten fließt auch in die Berechnungen von Bruttoinlandsprodukt (BIP)und Bruttonationaleinkommen (BNE) ein. Dies gilt auch in allen übrigen EU-Mitgliedsländern und resultiert daraus, dass in den Regeln des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 1995) schattenwirtschaftliche Aktivitäten unter den Produktionsbegriff gefasst wurden. Demnach sind auch solche Produktionstätigkeiten im BIP zu erfassen, die illegal ausgeübt werden, aber den Steuer-, Sozialversicherungs-, Statistik- oder anderen Behörden verborgen bleiben.
Wirtschaftstheoretisch weicht ein Wirtschaftsteilnehmer dann in die Schattenwirtschaft aus, wenn die staatlichen Steuern und Abgaben oder die Regulierungshürden als so hoch empfunden werden, dass ein Ausweichen als vorteilhaft erscheint. Auch ein nicht mehr funktionierendes wirtschaftliches oder soziales System kann die Ursache sein.
Ausdrücklich verbotene wirtschaftliche Aktivitäten müssen sich per Definition komplett in der Schattenwirtschaft abspielen. Hier gibt es keine Alternative für das Wirtschaftssubjekt (außer dem Verzicht auf die entsprechende Aktivität).
Der Umfang der Schattenwirtschaft kann nur geschätzt werden. In der Regel werden Schätzungen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) veröffentlicht. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung erfasst die Schattenwirtschaft, indem sie schattenwirtschaftliche Aktivitäten mit geschätzten Zuschlägen in ihre Berechnungsmethoden einbezieht.
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Typische Erscheinungsformen der Schattenwirtschaft sind:
Negative Folgen der Schattenwirtschaft sind sinkende Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge. Diese werden jedoch zu einem Teil kompensiert: Durch die Umgehung der Steuern und Abgaben ist der relative Preis eines Gutes in der Schattenwirtschaft billiger als in der offiziellen Wirtschaft. Dadurch kann unterhalb des herrschenden Marktpreises eine zusätzliche Nachfrage abgeschöpft und befriedigt werden. Die Einnahmen aus schattenwirtschaftlichen Aktivitäten fließen zum Teil wieder in die offizielle Wirtschaft, wo sie für steuer- und abgabenpflichtige Transaktionen verwendet werden.
Der Umfang der Schattenwirtschaft hat in Deutschland seit 1970 (lediglich 2,7%-3,0% des offiziellen BIP) deutlich zugenommen. Anfang der 90er Jahre betrug er bereits mehr als 12% des BIP und erreichte 2003 einen Höhepunkt mit 17,1%. In den Jahren darauf nahm er wieder etwas ab und betrug 2005 noch 15,4% des BIP. Auch für 2006 wird ein weiterer Rückgang auf 14,7% erwartet, da die gesetzlichen Änderungen zur steuerlichen Absetzbarkeit von Reparaturdienstleistungen, Kinderbetreuung und Pflegediensten sich darauf bereits auswirken sollen. Im Jahr 2010 konnte ein leichter Rückgang der Schattenwirtschaft auf rd. 4,2 Mrd. Euro festgestellt werden. Das Gesamtaufkommen der Schattenwirtschaft wird mit ca. 347,6 Mrd. Euro quantifiziert, das entspricht einem Verhältnis Schattenwirtschaft zu offiziellem BIP von 13,91 %. Für das Jahr 2011 wird ein Gesamtaufkommen von rd. 345,8 Mrd. Euro prognostiziert, das entspricht einem Rückgang von rd. 1,8 Mrd. Euro.[2]
Im Vergleich mit den OECD-Ländern, für die für das Jahr 2006 ein durchschnittlicher Umfang von 14,5% geschätzt wird, liegt Deutschland damit im Mittelfeld. An der Spitze liegen Griechenland (26,2%, neueren Quellen zufolge sogar 30 - 40%[3]), Italien (23,2%), Spanien (20,2%) und Portugal (20,1%). Die USA (7,5%) und die Schweiz (8,5%) haben einen deutlich geringeren Anteil der Schattenwirtschaft am jeweiligen BIP zu beklagen.