|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Schlacht am Little Bighorn | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teil von: Indianerkriege | |||||||
| Schlacht am Little Bighorn River | |||||||
| |||||||
| Konfliktparteien | |||||||
| Lakota, Arapaho, Cheyenne |
United States Army | ||||||
| Befehlshaber | |||||||
| Sitting Bull, Crazy Horse, Gall |
George A. Custer â | ||||||
| TruppenstÀrke | |||||||
| ca. 950â1200 Krieger, ca. 6000 Zivilisten |
31 Offiziere, 566 Soldaten, 35â40 Scouts, 5 Zivilisten | ||||||
| Verluste | |||||||
| ca. 40 Krieger gefallen, ca. 80 Krieger verwundet, ca. 10 Frauen und Kinder getötet[1] |
268 Gefallene 55 Verwundete und Vermisste | ||||||
In der Schlacht am Little Bighorn am 25. Juni 1876 wurde das 7. US-Kavallerieregiment unter George Armstrong Custer von Indianern der Lakota-Sioux, Arapaho und Cheyenne unter ihren FĂŒhrern Sitting Bull, Crazy Horse und Gall am Little Bighorn River im heutigen Montana vernichtend geschlagen.
Es war einer der wenigen gröĂeren indianischen Siege gegen die US-amerikanischen Eindringlinge. Die Niederlage ist laut heutigen Analysen maĂgeblich der SelbstĂŒberschĂ€tzung Custers zuzuschreiben, der nicht damit rechnete, auf ein gewaltiges Kriegslager der Indianer zu treffen, und mit seinen verteilten Truppen auf verlorenem Posten stand.
Inhaltsverzeichnis |
Die amerikanischen StreitkrĂ€fte wurden letztlich aufgrund eines Berichts des Indianer-Inspektors E.C. Watkins vom 9. November 1875 entsandt, dem zufolge einige Hundert Lakota und Cheyenne unter der FĂŒhrung von Sitting Bull, Crazy Horse und Big Foot den Vereinigten Staaten feindlich gesinnt seien.
Dem waren Versuche vorausgegangen, die Sioux zum Verkauf der Black Hills zu bewegen. Die Black Hills waren den Sioux wie auch den Cheyenne heilig und galten ihnen als Mittelpunkt der Welt. Eine vertragswidrige MilitĂ€rexpedition im Jahr 1874 unter General George Armstrong Custer hatte von Goldfunden am French Creek in den Black Hills berichtet, was zu einem Ansturm zigtausender Goldsucher fĂŒhrte. Die Black Hills lagen zwar knapp jenseits der Westgrenze des GroĂen Sioux-Reservats von 1868, gehörten jedoch zu einem riesigen Gebiet, in dem die Sioux ausschlieĂliche Jagdrechte zugebilligt bekommen hatten, âsolange die BĂŒffelbestĂ€nde die Jagd rechtfertigenâ. Nachdem die US-Armee einige halbherzige Versuche unternommen hatte, die Goldsucher aus den Black Hills zu vertreiben, und einzelne Sioux-Trupps Jagd auf die Invasoren machten, begann die US-Regierung Kaufverhandlungen mit den Oglala-Lakota des Reservats. Die Reservatsindianer unter Red Cloud lehnten einen Verkauf jedoch ab. Bestimmte Gruppen unter Sitting Bull, Crazy Horse und Gall hatten den Vertrag von 1868 ohnehin nie anerkannt und hielten sich auĂerhalb des Sioux-Reservats in den nicht abgetretenen Jagdgebieten auf. Im Dezember 1875 beschloss die Regierung, die Black Hills den Indianern mit Gewalt zu entreiĂen. Sie setzte den Indianern ein Ultimatum, mitten im Winter in das Reservat âzurĂŒckzukehrenâ und somit die Black Hills fĂŒr die WeiĂen zu rĂ€umen. Abgesehen davon, dass viele Sioux und Northern Cheyenne gar nicht aus Reservaten stammten, in die sie hĂ€tten zurĂŒckkehren können, wĂ€re es ihnen unmöglich gewesen, dem Ultimatum mitten im tiefsten Winter nachzukommen.
Als der Winter vorbei war, verlieĂen Tausende Indianer heimlich das Reservat, um sich ihren freien Stammesgenossen im Gebiet der Black Hills und am Powder River anzuschlieĂen.
Gleichzeitig schickte sich die United States Army an, in einer dreigliedrigen Zangenoperation die Indianer am Powder River zu schlagen und in das Reservat zu zwingen.
Brigadegeneral George Crook marschierte in nördlicher Richtung von Fort Fetterman in Wyoming zum Gebiet des Powder River. Colonel John Gibbons Infanterie und eine Batterie von Gatling Guns marschierte ostwÀrts von Fort Ellis im westlichen Montana. Die dritte Marschkolonne unter Brigadegeneral Alfred Terry, der auch Custers 7. Kavallerieregiment unterstand, machte sich am 17. Mai von Fort Abraham Lincoln im Dakota-Territorium in Richtung Westen auf den Weg.
Crooks Streitmacht wurde am 16. Juni 1876 in der Schlacht am Rosebud Creek von einer etwa gleich groĂen Streitmacht von Sioux und Cheyenne ĂŒberrascht und in ein stundenlanges Kavalleriegefecht verwickelt. Obwohl die beiderseitigen Verluste eher gering waren und die US-Armee vermutlich weniger MĂ€nner verlor als die Indianer, war Crook von der Schlagkraft der Indianer schockiert und zog sich zurĂŒck, um sich um die Verwundeten zu kĂŒmmern und Nachschub zu besorgen. Damit war der sĂŒdliche Angriffskeil der US-Armee praktisch aus dem Feldzug ausgeschieden.
Terrys Truppe wusste hiervon nichts. Terry schickte Custer mit der 7. Kavallerie entlang des Rosebud-Tals in Richtung Bighorn-River, um die Indianer zu suchen. Seine Befehle an Custer waren sehr auslegungsfĂ€hig. Zum einen wurde von Custer erwartet, dass er nicht ohne die Hauptstreitmacht von Terry gegen die Indianer losschlagen sollte, zum anderen wurde ihm jedoch groĂe Handlungsfreiheit gelassen.
Custers Truppe umfasste etwa 650 Mann. Wie groĂ die Streitmacht der Indianer war, wird sich nie genau feststellen lassen. SchĂ€tzungen in der Vergangenheit sind oft weit ĂŒbertrieben gewesen und gingen bis zu 7000 Kriegern. Heute wird vielfach angenommen, dass das Indianerdorf in seiner anzunehmenden Ausdehnung nicht mehr als 1000 bis maximal 2500 Krieger umfasste. Custer hatte strikten Befehl, die Indianer nicht direkt anzugreifen. Die von Terry angebotene VerstĂ€rkung, das 20th Infantry Platoon mit drei Gatling-RepetiergeschĂŒtzen lehnte er ab. Oft ist angenommen worden, dass er den Ruhm nicht teilen wollte. Heute ist man der Ansicht, dass Custer verzichtete, da er annahm, dass diese vierspĂ€nnig gezogenen Waffen mit ihrer Begleitmannschaft von mehr als dreiĂig nicht berittenen Infanteristen das Vorgehen seiner Kavallerie im unwegsamen GelĂ€nde behindern wĂŒrden.
Am Morgen des 25. Juni 1876 orteten Custers Kundschafter das Dorf im Tal des Little Bighorn River. Sie erstatteten Custer Bericht und informierten ihn ĂŒber eine gewaltige Ăbermacht. Custer ignorierte ihre Warnungen und entschloss sich zum Angriff. Eine wichtige Rolle spielte seine BefĂŒrchtung, dass seine Streitmacht bereits entdeckt war und das Ăberraschungsmoment verloren zu gehen drohte. Einige Soldaten hatten kurz zuvor versucht, auf dem Weg verlorene Essensrationen wieder einzusammeln, als sie auf zwei Indianerjungen stieĂen, die sich bereits ĂŒber den am Boden verstreuten Zwieback hermachten. Einen hatten sie erschossen, der andere war in Richtung Indianerdorf entkommen.
Gegen Nachmittag teilte Custer seine Truppen, um aus verschiedenen Richtungen vorzustoĂen: Hauptmann Frederick W. Benteen erhielt drei Kompanien (H, D und K) unterstellt und den Auftrag, die zur Linken gelegenen Badlands zu durchstreifen; Major Marcus A. Reno bekam ebenfalls drei Kompanien (A, G und M) und den Befehl, durch das Tal flussaufwĂ€rts zu marschieren und die Indianer von der anderen Seite des Flusses am SĂŒdende des Lagers zu attackieren. Custer selbst wĂŒrde mit fĂŒnf Kompanien am Nordende des Lagers angreifen, wenn Renos Angriff begonnen hĂ€tte. Hauptmann McDougall blieb mit einer B-Kompanie zurĂŒck, um den Versorgungszug zu schĂŒtzen.
Um 15:05 Uhr griffen Renos drei Kompanien das sĂŒdliche Ende des Indianerlagers an. Obwohl die Ăberraschung zunĂ€chst glĂŒckte, etwa zehn Frauen und Kinder erschossen wurden und viele Dorfbewohner in Panik die Flucht ergriffen, gelang es den Hunkpapa-Sioux unter FĂŒhrung von Gall schnell, Renos Angriff abzuwehren. Erst eröffneten sie frontal das Feuer auf Renos MĂ€nner, dann begannen sie, seine linke Flanke, die Kompanie M unter Captain Thomas H. French zu umgehen. Reno zog sich in ein am Fluss liegendes Gehölz zurĂŒck. Als seine MĂ€nner auch dort angegriffen wurden, verwandelte sich der RĂŒckzug in eine panische Flucht, einzig die Kompanie M kĂ€mpfte im RĂŒckzug. Einige der Soldaten wurden auf der Flucht durch den Fluss getötet, aber die meisten erreichten das rettende rechte Flussufer und zogen sich auf die dahinter liegenden HĂŒgel zurĂŒck, wo sie sich sammelten. Benteen hatte die Ereignisse zum Teil beobachtet; er begab sich mit seinen drei Kompanien zu Renos Stellung, dem Reno-Benteen Battlefield. Kurz zuvor hatte Benteen durch einen Kurier von Custer noch den Befehl erhalten, so schnell wie möglich zu ihm vorzustossen, um ihn zu unterstĂŒtzen und Munition zu bringen. Er fĂŒhrte den Befehl jedoch nicht aus da er vom ranghöheren Reno den Befehl bekam, ihn mit seinen drei Kompanien gegen die Angriffe der Indianer zu unterstĂŒtzen. Reno war nach den gĂ€ngigen Befehlsregeln berechtigt, den Befehl Custers an Benteen aufgrund der prekĂ€ren Situation vor Ort durch seinen eigenen Befehl zur UnterstĂŒtzung seiner Truppe auĂer Kraft zu setzen. Unmittelbar nach der Ankunft Benteens auf Renos Stellung hörte man vom Norden her, dort wo Custer vermutet wurde, Salven von schwerem Gewehrfeuer. Auch die gegnerischen Sioux hörten dieses Gewehrfeuer. Bis auf einige wenige, die Renos Verteidigungsstellung weiter ĂŒberwachten, ritten sie zu Hunderten in Richtung Norden weg.
Custers Truppen, die Kompanien C, E, F, I und L griffen von ihrem Standpunkt östlich des Flusses aus den HĂŒgel hinab an, doch wegen des schwierigen GelĂ€ndes und des Flusses konnte sich eine typische Kavallerieattacke nicht entwickeln. Ob einige von ihnen ins westlich des Flusses liegende Dorf eindringen konnten, ist unklar. Immer mehr Indianer stĂŒrmten aus dem Dorf und schlugen den Angriff zurĂŒck. Als die Ăbermacht zu groĂ schien, folgte zunĂ€chst ein geordneter RĂŒckzug. Custer schickte die Kompanie F unter Hauptmann George W. Yates und Kompanie I unter Miles W. Keogh zur RĂŒckzugdeckung. Diese Verteidigungsformation kĂ€mpfte abgesessen, wurde aber nach kurzen und harten KĂ€mpfen von aus dem SĂŒden kommenden Indianern ĂŒberrannt. Ob es sich dabei um aus dem Gefecht gegen Reno zurĂŒckkehrende Sioux unter Gall handelte ist unklar. Krieger der Sioux unter Crazy Horse und der Cheyenne unter Two Moon umgingen Custers Stellung im Norden, damit waren die Truppen Custers umzingelt und jeder Ausbruch aus dem spĂ€ter Custer Battlefield genannten Schlachtfeld war unmöglich. Die Indianer, in einer ĂŒberragenden Mehrzahl, ĂŒberrannten eine Kompanie nach der anderen.
ZunĂ€chst kĂ€mpften Custers Soldaten noch in Formation, bald zerfiel diese und die Truppen kĂ€mpften in immer kleineren ungeordneten Gruppen. Custer und ungefĂ€hr 60 seiner MĂ€nner waren die letzten, die getötet wurden, auf einer kleinen Anhöhe, die heute Custers Last Stand genannt wird. Custers fĂŒnf Kompanien wurden restlos vernichtet. AuĂer ihm selbst wurden alle Leichen verstĂŒmmelt und skalpiert, Custers Bruder Tom wurde das Herz herausgeschnitten, Custers Adjutanten, Captain W. W. Cook, wurden seine imposanten BackenbĂ€rte aus dem Gesicht geschnitten. Custer hatte eine Schusswunde in der linken Seite und der linken SchlĂ€fe. Seine Trommelfelle waren durchstochen, und ein Glied des linken kleinen Fingers war abgeschnitten, er wurde jedoch nicht skalpiert. Um 17:30 Uhr war die eigentliche Schlacht vorbei. Einziger Ăberlebender war Comanche, Capt. Miles W. Keoghs Pferd; dieses wurde noch Jahre nach der Schlacht als Maskottchen gesattelt bei Defilees mitgefĂŒhrt.
Nachdem auch McDougall mit seiner Kompanie B und der Versorgungskolonne zu Reno und Benteen gestoĂen war, versuchten, auf Grund des gehörten Gewehrfeuers, Thomas B. Weir und Edward S. Godfrey mit ihren Kompanien den Ort des Geschehens zu erreichen. Obwohl nur toleriert von Reno und Benteen, zweigten auch diese Teile ihrer Truppen zur UnterstĂŒtzung dieses VorstoĂes ab. Am Weir Point angelangt, wurden diese von aus dem Norden anstĂŒrmenden Indianern wieder in ihre ursprĂŒngliche Stellung zurĂŒckgedrĂ€ngt. WĂ€hrend des sich nun fortsetzenden Belagerungszustandes griffen immer mehr Indianer die offene und schwer zu verteidigende Stellung an. Sie töteten oder verwundeten einige Verteidiger mit gezielten SchĂŒssen aus der Entfernung. Reno und Benteen organisierten im Zentrum ihrer Stellung ein Verwundetennest, das mit unterschiedlichem Material und mit Pferdekadavern geschĂŒtzt wurde. Einzelne Freiwillige der in der NĂ€he des Flusses (etwa 300 Meter) liegenden Kompanien H und M versorgten in der Nacht vom 25. zum 26. Juni die Verwundeten, aber auch andere, mit Wasser aus dem Fluss. Dies war ihnen möglich, da sie durch einen GelĂ€ndeeinschnitt, die Water Carrier Ravine einigermaĂen vor feindlichem Feuer geschĂŒtzt waren. Am spĂ€ten Nachmittag des 26. Juni zogen immer mehr Indianer nach SĂŒden ab und zerstreuten sich in kleinere Gruppen. In der Nacht auf den 27. Juni erweiterten Reno und Benteen ihre Stellung nĂ€her an den Fluss. Am nĂ€chsten Morgen trafen dann, aus dem Norden kommend, die Einheiten Terrys und Gibbons ein, auf die Custer eigentlich hĂ€tte warten sollen.
Die Kavalleristen fĂŒhrten einschĂŒssige Springfield Modell 1873 Trapdoor-Karabiner im Kaliber .45, die eine an Karabiner angepasste .45-70 Government-Patrone verschossen. Jeder trug 50 Schuss auf dem Mann, 50 waren zusĂ€tzlich in der Satteltasche, die nicht immer erreichbar war, zahlreiche Pferde waren geflohen. Der Springfield-Karabiner Modell 1873 neigte bei lĂ€ngerem Gebrauch aufgrund der hitzebedingten Ausdehnung der KupferpatronenhĂŒlsen zu Ladehemmungen. Leere HĂŒlsen wurden nicht mehr automatisch ausgeworfen, sie mussten umstĂ€ndlich mit dem Messer entfernt werden, da der Karabiner Model 73 keinen Putzstock hatte. Dies hatte zur Folge, dass die US-Soldaten schlieĂlich nur noch ihre Colt-Revolver mit total 24 Schuss zur Verteidigung hatten. Zudem waren keine SĂ€bel vorhanden, diese in der Situation fĂŒr den Nahkampf wichtigen Hiebwaffen waren bereits vor dem AusrĂŒcken eingezogen worden. Custer hatte befĂŒrchtet, dass das metallische Klappern, das die SĂ€bel beim Reiten verursachen konnten, den Feind wĂŒrde warnen können. Custer selbst war mit einem Paar Bulldog Revolvern und einer Remington Creedmoor Rifle im Kaliber .44 bewaffnet. Auch andere Offiziere hatten, neben dem Colt Single Action, individuelle Waffen. Repetiergewehre waren keine vorhanden.
Ein taktischer Vorteil fĂŒr die angreifenden Indianer bestand darin, dass viele Krieger, man nimmt an etwa 20 Prozent, mit mehrschĂŒssigen Repetiergewehren der Hersteller Spencer, Henry und Winchester bewaffnet waren. Dazu kamen einschĂŒssige Hinterlader, Vorderladergewehre und einige Perkussionsrevolver. Etwa die HĂ€lfte der Indianer war mit Bogen bewaffnet, diese erlaubten den berittenen KĂ€mpfern bis auf mittlere Distanz eine hohe Treffsicherheit bei einer hohen Schussfolge. Dazu kamen die traditionellen Nahkampfwaffen, denen eine groĂe Zahl der Soldaten unter Custers Kommando zum Opfer fielen.
Das 7. Kavallerieregiment verlor wĂ€hrend der KĂ€mpfe am 25./26. Juni 1876 am Little Big Horn 14 Offiziere, einen Assistenzarzt, 247 Soldaten, fĂŒnf Zivilisten und drei Indianer-Kundschafter. 52 wurden verwundet.
Als gesichert gilt, dass auf dem Schlachtfeld erheblich weniger Indianer gefallen waren als US-Soldaten; wie viele Indianer allerdings spĂ€ter ihren Verletzungen erlagen, ist unbekannt. Ăber die indianischen Verluste existiert insgesamt kein Konsens. Angaben ĂŒber getötete Krieger gehen von lediglich 36 Kriegern bis zu 136 Kriegern. Vielfach werden die niedrigsten indianischen Verlustangaben aufgegriffen und etwa 40 tote und etwa 80 verwundete Krieger angenommen. Hinzu kommen etwa zehn Frauen und Kinder, die bei Renos Angriff erschossen wurden. Obwohl die indianischen Verluste im Vergleich zu den Verlusten der Armee somit auffallend niedrig wĂ€ren, stellen auch diese fĂŒr die VerhĂ€ltnisse der Plains-Indianer, deren Völker nur wenige Tausend Menschen zĂ€hlten, ernste Verluste dar, die sie im Gegensatz zu den StreitkrĂ€ften der USA nicht ersetzen konnten. Es herrschte am Abend der Schlacht unter den Indianern daher kaum Siegesstimmung.
Die Nachricht von der Niederlage und Vernichtung von Custers Truppen erreichte die OstkĂŒste der Vereinigten Staaten erst unmittelbar nach der Feier zum 100. Jahrestag der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung am 4. Juli 1876. Auch mit UnterstĂŒtzung von Custers Witwe wurde die Niederlage in der US-Geschichte und zahlreichen Filmen als Kampf eines heldenhaften Generals gegen die Wilden verklĂ€rt. Seit die Behandlung der Indianer bei der Eroberung Amerikas mittlerweile als Unrecht begriffen wird, hat sich zum Ende des 20. Jahrhunderts das Bild der Schlacht am Little Bighorn und das des âGenerals Custerâ gewandelt.
MaĂgeblich dafĂŒr sind auch Berichte von Zeitzeugen, die Custer als militĂ€rischen Karrieristen darstellen, dem â damit allerdings dem damaligen Zeitgeist entsprechend â jedwedes Unrechtsbewusstsein im Kampf gegen die nordamerikanischen Ureinwohner gefehlt habe.
Im Sommer 1926 zum 50. Jahrestag der Schlacht fand als Medienereignis ein âVersöhnungsfestâ auf dem ehemaligen Schlachtfeld statt, zu dem Historiker und in den Reservaten lebende HĂ€uptlinge als GĂ€ste eingeladen wurden. Zuschauer aus allen Teilen des Landes wurden mit ermĂ€Ăigten âGeneral-Custer-Bahn-Ticketsâ gelockt. Ein Spezialgast war der (im Gegensatz zu den meisten Lakota) frei in Kanada lebende Enkel von Sitting Bull. 1926 war fast nichts ĂŒber die Schlacht selbst bekannt, da sich die Lakota in Schweigen hĂŒllten. Vom Enkel Sitting Bulls erhoffte man sich aus Anlass des Jahrestages einige Einzelheiten zum Verlauf. TatsĂ€chlich jedoch war sein Auftritt in Bezug auf die Ăffentlichkeitsarbeit ein Desaster fĂŒr die Veranstalter, das in der Presse keinen Widerhall fand.
Der Enkel Sitting Bulls legte eine Anzahl von Dollarscheinen auf das Rednerpult und sagte folgendes: âDie weiĂen MĂ€nner, die mich hierher geladen haben, haben mich gebeten, einige versöhnliche Worte zu sagen. Ich kann den weiĂen MĂ€nnern, die von mir fĂŒr Dollars versöhnliche Worte zu hören wĂŒnschen, solche Worte nicht sagen. Damit wĂŒrde ich das Andenken meines GroĂvaters schĂ€nden. Ich gebe das Geld zurĂŒck. Es liegt hier. Wer es haben will, kann es sich nehmen. Das sind die Worte eines freien Lakota, der in Kanada wohnt und sein Leben mit seiner HĂ€nde Arbeit verdient.â
Bereits seit 1879 ist der Schauplatz der Schlacht als National Cemetery (Nationalfriedhof) ausgewiesen, seit 1940 untersteht er dem National Park Service, und seit 1946 ist er eine GedenkstĂ€tte vom Typ eines National Monuments. Zwischen 1999 und 2003 wurden im âLittle Bighorn Battlefield National Monumentâ DenkmĂ€ler fĂŒr gefallene Indianerkrieger enthĂŒllt.
Die Schlacht am Little Bighorn ist von besonderer Bedeutung, weil sie ein Fanal in der sonst eher schleichend betriebenen Vernichtung der nordamerikanischen Urbevölkerung darstellt. FĂŒr das Selbstbewusstsein der nordamerikanischen PrĂ€rieindianer hat der Sieg eine ĂŒber Generationen anhaltende prĂ€gende Wirkung.
Auch heute wird noch versucht, durch archĂ€ologische Untersuchungen den Verlauf der Schlacht zu rekonstruieren. Zunehmend erweisen sich die Ăberlieferungen der Nachfahren der beteiligten StĂ€mme als zutreffend. Die Schlacht war eigentlich kein heldenhafter âLast Standâ, wie in unzĂ€hligen Spielfilmen dargestellt, sondern ein verzweifelter, von Panikattacken begleiteter Ăberlebenskampf der Soldaten. Umstritten ist allerdings die Behauptung der Crow-SpĂ€her, die Soldaten hĂ€tten, bevor sie in die Schlacht ritten, Alkohol getrunken.
Die Schlacht wurde in zahlreichen Filmen inszeniert und dabei wurde Custers Rolle sehr unterschiedlich bewertet. HĂ€ufig wird das Motiv Custers, der in dem heldenhaften Kampf fĂ€llt, aufgegriffen. Das eigenmĂ€chtige VorrĂŒcken, das die Niederlage erst ermöglichte, wird mal als mutig, mal als fatale SelbstĂŒberschĂ€tzung gewertet. In dem Film Little Big Man wird Custer am negativsten, als brutal und ignorant dargestellt. Das VorrĂŒcken sei von Custer ein bewusster Schritt gewesen, da er mit einem Sieg ĂŒber die Indianer hoffte, populĂ€r genug zu werden, um als PrĂ€sident kandidieren zu können.
In jedem Film wird der Last Stand Hill gezeigt, in dem Custer als Letzter stirbt, mal heldenhaft, mal zerknirscht und im Film Little Big Man verrĂŒckt dargestellt. 1991 entstand der Fernsehspielfilm Son of the Morning Star. Er bemĂŒht sich um eine authentische Darstellung der Geschehnisse am Little Bighorn und ist eine eher gelungene Version, auch aus der Sicht der Indianer.
45.565-107.428888889Koordinaten: 45° 33âČ 54âł N, 107° 25âČ 44âł W