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Schlacht um Berlin

Schlacht um Berlin
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Sowjetische Flugzeuge ĂŒber Berlin-Lankwitz
Sowjetische Flugzeuge ĂŒber Berlin-Lankwitz
Datum 16. April–2. Mai 1945
Ort Berlin
Ausgang Besetzung Berlins durch die Rote Armee
Konfliktparteien
Flag of the Soviet Union 1923.svg Sowjetunion
Flag of Poland.svg Polen
Flag of the NSDAP (1920–1945).svg Deutsches Reich
Befehlshaber
Georgi Schukow
Iwan Konjew
Konstantin Rokossowski
Gotthard Heinrici
Helmuth Weidling
Wilhelm Mohnke
TruppenstÀrke
2,5 Millionen Soldaten
6250 Panzer
7500 Flugzeuge
800.000 Soldaten
800 Panzer
>100 Flugzeuge
Verluste
offiziell 352.475 (78.291 Tote, 274.184 Verwundete), plus 8.892 Polen (2.825 Tote, 6.067 Verwundete)[1], 2.156 Panzer, 1.220 - 2000 GeschĂŒtze, 527 - 900 Flugzeuge[2][3] geschĂ€tzt 92.000 tote Soldaten[4]
mind. 200.000 verwundete Soldaten

479.298 Gefangene[3]
zehntausende Zivilisten

Die Schlacht um Berlin war die letzte bedeutende Schlacht des Zweiten Weltkrieges in Europa. Sie dauerte vom 16. April bis zum 2. Mai 1945 und hatte die Besetzung Berlins, der Hauptstadt des Deutschen Reiches, durch die Rote Armee zur Folge. Die KĂ€mpfe forderten SchĂ€tzungen zufolge ĂŒber 170.000 Gefallene und 500.000 verwundete Soldaten sowie den Tod von mehreren zehntausend Zivilisten.

Mit dem Ende dieser Schlacht, das mit dem Selbstmord namhafter Mitglieder der politischen FĂŒhrung des NS-Regimes, namentlich Adolf Hitlers und Joseph Goebbels, einher ging, war das nationalsozialistische Deutschland nach der bereits weitgehend erfolgten Befreiung der vom Deutschen Reich besetzten Gebiete Europas auch auf eigenem Boden militĂ€risch besiegt.

Knapp eine Woche nach der Einnahme Berlins trat am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht mit der Unterschrift von Generaloberst Alfred Jodl, der vom Nachfolger Hitlers als ReichsprĂ€sident, Großadmiral Karl Dönitz, zu deren Unterzeichnung autorisiert worden war, in Kraft. Damit wurde der Zweite Weltkrieg in Europa nach fast sechs Jahren beendet.

Deutschland verlor seine staatliche SouverĂ€nitĂ€t und wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. 1949 wurde die Teilung Deutschlands vollzogen, wobei zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen ideologischen Konzepten konstituiert wurden: am 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland und am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Nach den Schlachten von Stalingrad (Winter 1942/1943) und am Kursker Bogen (Sommer 1943) befand sich die Wehrmacht an der Ostfront in der Defensive. Im SĂŒden und Westen waren mit der Landung der westlichen Alliierten auf Sizilien am 10. Juli 1943 (vgl. Operation Husky) und der Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 (D-Day) zwei neue Fronten entstanden. Zeitgleich zur Invasion in der Normandie erlitt die Wehrmacht im Osten ihre grĂ¶ĂŸte Niederlage durch die Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte. Bedingt durch die fĂŒr das NS-Regime katastrophalen Verluste dieser Schlacht hatte die Wehrmacht ihre operative HandlungsfĂ€higkeit an der Ostfront bereits im Sommer 1944 vollstĂ€ndig verloren. Die im Westen unter britischem, US-amerikanischem und nach der Befreiung Frankreichs wieder mit unter französischem Kommando stehenden Truppen waren bis April 1945 in ihren Landoffensiven an die Elbe, und einzelne amerikanische VerbĂ€nde bis in die NĂ€he Berlins vorgedrungen. Auch ein wichtiger Teil der Donau- und Alpenreichsgaue (Österreich) und Groß-Wien war Mitte April 1945 in die Hand der Anti-Hitler-Koalition gefallen.

Faktisch stand die Kriegsniederlage des Deutschen Reichs, das 1939 den Zweiten Weltkrieg als Eroberungsfeldzug zuerst gegen Polen, dann gegen fast ganz Europa begonnen hatte, schon lange vor dem Beginn der Schlacht um Berlin fest. Bereits im Oktober 1944 hatten LandstreitkrĂ€fte der Westalliierten die linksrheinischen deutschen Gebiete um Aachen eingenommen. Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive im Dezember 1944 war die Wehrmacht nicht mehr zu offensiven Aktionen in der Lage. Bedingt durch die Durchhalteparolen der nationalsozialistischen FĂŒhrung, fĂŒr die eine Kapitulation nicht in Frage kam, wurden die fĂŒr die Deutschen im Grunde aussichtslosen, jedoch noch im letzten Kriegsjahr Millionen von Todesopfern fordernden KĂ€mpfe fortgesetzt.

Im Osten rĂŒckte die Rote Armee bis Mitte Februar 1945 in mehreren Offensiven bis zur Oder vor (mit Ausnahme eines KĂŒstenstreifens zwischen Preußisch Stargard und Danzig, sowie der Provinzhauptstadt Breslau, vgl. Schlacht um Breslau) und besetzte auch die westlich der Oder gelegenen Teile Schlesiens (mit Ausnahme der Grafschaft Glatz). Aus dieser Ausgangslage bereitete sie die Eroberung Berlins vor. Parallel dazu beschlossen die Staatschefs der fĂŒhrenden alliierten MĂ€chte, Churchill (Großbritannien), Roosevelt (USA) und Stalin (Sowjetunion), auf der Konferenz von Jalta (4. bis 11. Februar 1945) unter anderem die Art der anschließenden Besetzung Deutschlands in Form seiner Aufteilung in vier Besatzungszonen. Die so genannten Großen Drei versuchten dabei jeweils fĂŒr sich eine machtpolitisch gĂŒnstige Ausgangsposition fĂŒr die Gestaltung der Nachkriegsordnung zu erlangen.

Zur VerstĂ€rkung einer Panzersperre am S-Bahnhof Hermannstraße in Neukölln graben Volkssturmsoldaten am 10. MĂ€rz 1945 StahltrĂ€ger ein.

Zur Einnahme Berlins konzentrierte die Sowjetunion etwa 2,5 Millionen Soldaten (inklusive nichtkĂ€mpfender Einheiten), 6.000 Panzer, 7.500 Flugzeuge und eine nicht nĂ€her bestimmbare Anzahl von weit ĂŒber 10.000 ArtilleriegeschĂŒtzen. Ihnen standen bereits schwer angeschlagene Einheiten der Wehrmacht, der Waffen-SS und der Allgemeinen SS gegenĂŒber, sowie das letzte Aufgebot Deutschlands: Der Volkssturm, der aus militĂ€risch unerfahrenen und schlecht vorbereiteten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sowie meist mĂ€nnlichen Personen ĂŒber 60 Jahren bestand. Diese – bezogen auf Erfahrung und Motivation â€“ Ă€ußerst uneinheitlichen StreitkrĂ€fte umfassten insgesamt rund eine Million Menschen. Sie waren allerdings mit nur etwa 800 Panzern ausgestattet, mussten faktisch ohne LuftunterstĂŒtzung kĂ€mpfen, und waren aufgrund der schlechten Versorgung mit Treibstoff und Munition in ihrer FlexibilitĂ€t und Wirkungskraft zusĂ€tzlich eingeschrĂ€nkt.

BrÀnde nach Luftangriff auf Berlin 1944

Die Zivilbevölkerung Berlins wurde von den MilitĂ€rbehörden zu Beginn der Schlacht um Berlin auf noch etwa 2,7 Millionen Einwohner geschĂ€tzt, im Vergleich zu 1939 mit 4,3 Millionen ein RĂŒckgang von fast 40 Prozent. Von den verbliebenen Einwohnern waren etwa zwei Drittel Personen weiblichen Geschlechts jeder Altersstufe. Das Drittel der mĂ€nnlichen Zivilbevölkerung machten vor allem Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 Jahren und Ă€ltere MĂ€nner ĂŒber 60 Jahre aus. Ein Großteil der vormaligen Einwohner Berlins war, wenn nicht als Soldaten an verschiedenen Frontabschnitten oder in Kriegsgefangenschaft, dann durch Evakuierungen oder Flucht – in der Regel nach Westen â€“ nicht mehr in der Stadt. In den elf Wochen vor der Schlacht waren zudem etwa 200.000 Menschen durch 85 Luftangriffe, zumeist von britischen oder US-amerikanischen VerbĂ€nden, zur Flucht aus Berlin veranlasst worden oder ums Leben gekommen. Berlin glich bereits zu Beginn der Landoffensive der Roten Armee auf den Großraum der Stadt Mitte April 1945 einer TrĂŒmmerlandschaft.

Einschließung und Eroberung Berlins

Sowjetische Artillerie vor Berlin
Volkssturmmann mit Panzerschreck vor Berlin, April 1945

Die Rote Armee entschloss sich zu einem Zangenangriff auf Berlin, um die Stadt einzukesseln. Entlang der Oder standen die 2. Weißrussische Front unter Marschall Konstantin Rokossowski im Abschnitt OstseekĂŒste bis Schwedt, ab dort bis Guben die 1. Weißrussische Front unter Schukow und die 1. Ukrainische Front unter Iwan Konew im sĂŒdlichen Abschnitt bis Görlitz. Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihre Offensive mit dem stĂ€rksten Artilleriefeuer des Krieges; statistisch kam entlang der Oderfront auf fĂŒnf Meter ein GeschĂŒtz. Dieser Beschuss ging jedoch zum ĂŒberwiegenden Teil ins Leere, da die Deutschen ihre Stellungen zurĂŒckgenommen hatten.

Sofort darauf eröffnete die Rote Armee die Offensive und im sĂŒdlichen Abschnitt schaffte es die 1. Ukrainische Front unter dem Sowjetmarschall Konew schon bald, die deutsche Verteidigungslinie an der Lausitzer Neiße zu durchbrechen. Im nördlichen Abschnitt konnte die 1. Weißrussische Front unter dem Sowjetmarschall Georgi Schukow nach dreitĂ€gigen verlustreichen KĂ€mpfen in der Schlacht um die Seelower Höhen die deutschen Einheiten auf die Hardenberg-Stellung und die Wotan-Stellung zurĂŒckdrĂ€ngen.

An der Umzingelung Berlins nahmen 200.000 polnische Soldaten der 1. und 2. Armee teil. Im Norden schirmte die 1. Polnische Armee den Ă€ußeren FlĂŒgel der 1. Weißrussischen Front gegen die Armeegruppe Steiner ab. Die 2. Polnische Armee kĂ€mpfte im SĂŒden gegen Reste der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Schörner.

Am 21. April 1945 ĂŒberschritten die ersten sowjetischen Einheiten die nordöstliche Stadtgrenze Berlins zwischen Mahlsdorf und Blankenfelde. WĂ€hrenddessen war in der gesamten Stadt bereits die Gas- und Wasserversorgung ausgefallen. Der deutsche Befehlshaber, Generalleutnant Hellmuth Reymann, hatte zuvor angeordnet, Berlin „bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone“ zu verteidigen. Am 23. April ernannte Hitler den General der Artillerie Helmuth Weidling zum Kampfkommandanten von Berlin und entschied sich damit gegen einen Ausbruch aus der Hauptstadt. FĂŒr die Verteidigung des Regierungsviertels war SS-BrigadefĂŒhrer Wilhelm Mohnke zustĂ€ndig.

Die Gefechte gestalteten sich als ein erbitterter HĂ€userkampf. Oftmals wurde verbissen um nur wenige Quadratmeter Boden gekĂ€mpft. Die sowjetischen Einheiten waren im stĂ€dtischen GelĂ€nde stets Hinterhalten durch ScharfschĂŒtzen und PanzerfĂ€uste ausgesetzt. Bei den KĂ€mpfen im Stadtgebiet verlor die Rote Armee etwa 800 Panzer an die mit einfachen Panzerabwehrwaffen ausgerĂŒsteten Einheiten der Wehrmacht, des Volkssturms und der Hitlerjugend. Auf Grund dieser Verluste ging die sowjetische ArmeefĂŒhrung dazu ĂŒber, GebĂ€ude im Vorfeld mit Artillerie anzugreifen. Die Übermacht der Roten Armee aber war zu stark, so dass die deutschen Verteidiger ihre Stellungen nicht lange halten konnten und nach und nach zurĂŒckweichen mussten.

In diesen letzten Kriegstagen kam es zu ungeheuren Zerstörungen an Bauwerken und an der Infrastruktur. So wurde unter nicht geklĂ€rten UmstĂ€nden der Nord-SĂŒd-Tunnel der Berliner S-Bahn unter dem Landwehrkanal gesprengt.

WĂ€hrend dieser Apriltage nutzten fanatische Nationalsozialisten und SS-FĂŒhrer Standgerichte und Exekutionskommandos, um ein WeiterkĂ€mpfen bis zum Ende zu erzwingen. Propagandistisch eingepeitscht wurde die aussichtslose Verteidigung Berlins durch Goebbels, der zusammen mit dem StaatssekretĂ€r des Propagandaministeriums, Werner Naumann, das Kampfblatt fĂŒr die Verteidiger von Groß-Berlin mit dem Titel Der PanzerbĂ€r herausgab. In diesen Mitteilungen wurde Treue zum „FĂŒhrer“ gefordert und gleichzeitig Hoffnung auf einen Endsieg gemacht.

Am 25. April 1945 gelang es den sowjetischen und polnischen Truppen, Berlin vollstĂ€ndig einzukesseln, als die 1. Weißrussische Front und die 1. Ukrainische Front in Ketzin aufeinander trafen und so den Ring um Berlin schlossen. Auf Grund der flĂ€chenmĂ€ĂŸig großen Ausdehnung Berlins gelang es ihnen aber nicht, den Kessel so zu schließen, dass ein Ausbrechen vollstĂ€ndig verhindert werden konnte. So gelang es mehreren vereinzelten Truppen der Wehrmacht gegen Ende der Schlacht, sich vor allem im Spandauer Raum aus dem Kessel und somit der Gefangennahme durch die Rote Armee zu entziehen. Viele deutsche Einheiten kĂ€mpften jedoch teilweise weiter, obwohl ein Entsatz von außen nicht möglich war. Im SĂŒden konnte die deutsche 12. Armee unter General Walther Wenck nochmals bis in den Raum Ferch vordringen und nahm dann Ende April die Reste der aus dem Kessel von Halbe ausgebrochenen deutschen 9. Armee und 15.000–20.000 Soldaten aus dem eingeschlossenen Potsdam auf.

Den Befehl Hitlers zum Durchbruch nach Berlin, der Wenck am 23. April persönlich im Forsthaus „Alte Hölle“ bei Wiesenburg/Mark im FlĂ€ming durch Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, ĂŒberbracht wurde, konnte und wollte Wenck jedoch niemals ausfĂŒhren. Die KĂ€mpfe Wencks zielten vielmehr darauf ab, den zunĂ€chst bei Halbe eingekesselten und sich dann in Richtung Beelitz kĂ€mpfenden deutschen VerbĂ€nden den Weg in die amerikanische Kriegsgefangenschaft offen zu halten.

KĂ€mpfe um das Regierungsviertel und den Reichstag

Am 29. April stießen Einheiten der Roten Armee bis in das Regierungsviertel, in dem sich Hitlers Befehlsstand befand, vor.

Als einzige Formation, die außer der Roten Armee in der deutschen Hauptstadt kĂ€mpfte, nahm an der ErstĂŒrmung des Zentrums von Berlin die 1. Koƛciuszko-Division teil. Die im Mai 1943 in Lenino aufgestellte 1. Infanterie-Division Tadeusz Koƛciuszko unter General Bewziuk griff mit General Spychalski in die StraßenkĂ€mpfe Berlins ein. Sie verfĂŒgte noch von KĂ€mpfen in Warschau bzw. Praga ĂŒber besondere Erfahrungen im Straßenkampf und rĂŒckte im Verband mit der sowjetischen 2. Garde-Panzerarmee des Generals Bogdanow vor. Der 1. Koƛciuszko-Division gelang es entlang der Neuen Kant- und Pestalozzistraße, am Karl-August-Platz, vorzurĂŒcken und die Technische Hochschule, den S-Bahnhof Tiergarten sowie vier weitere U-Bahnhöfe zu besetzen. Weitere KĂ€mpfe wurden entlang der Franklinstraße, der Englischen Straße, bei den Mercedes-Werken sowie in Tiergarten selbst und am hinteren Teil der Reichskanzlei gefĂŒhrt.

Eines der letzten heftigen Gefechte entwickelte sich um das ReichstagsgebĂ€ude, das von Wilhelm Mohnke mit SS-MĂ€nnern bis zum 30. April gehalten wurde. Dann war auch dieser Kampf entschieden, als um 14:25 Uhr zwei Rotarmisten erstmals die sowjetische Flagge aus einem Fenster des deutschen Reichstags hissten. Um 22 Uhr desselben Tages wehte die rote Fahne auf der Kuppel des GebĂ€udes. Der sowjetische Soldat Michail Petrowitsch Minin (1922–2008) hat als erster Rotarmist die sowjetische Fahne auf den Reichstag gehisst.[5] Das berĂŒhmte Photo von Jewgeni Ananjewitsch Chaldej entstand erst wenige Tage spĂ€ter.

Über den Ruinen der Stadt wurde am 2. Mai 1945 um 6.55 Uhr frĂŒh (Moskauer Zeit) auf dem Brandenburger Tor neben der sowjetischen auch die weiß-rote polnische Flagge gehisst. Am 1. Mai kĂ€mpfte die Rote Armee noch gegen zahlreiche deutsche Widerstandsnester, und in den Morgenstunden des 2. Mai kapitulierte General Helmuth Weidling im Divisionsgefechtsstand General Tschuikows in einem GebĂ€ude am Schulenburgring 2 in Berlin-Tempelhof. Bis 15 Uhr waren schließlich alle Kampfhandlungen eingestellt und die meisten der ĂŒberlebenden rund 130.000 deutschen Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft.

Folgen

VerwĂŒstete Straße in Berlin
Deutsche Kriegsgefangene in den Straßen Berlins

Die Schlacht um Berlin steht sinnbildlich fĂŒr die BrutalitĂ€t des gesamten Krieges. Obwohl der Krieg fĂŒr Deutschland schon lange verloren war, hatte Hitler noch am Ende befohlen, Widerstand bis zum letzten Mann zu leisten. Mit dem Volkssturm wurden tausende Jugendliche und alte MĂ€nner in den letzten Wochen des Krieges geopfert. Deserteure oder Zivilisten, die sich kritisch Ă€ußerten, wurden auch noch in den letzten Tagen des Krieges von der SS und der Feldgendarmerie erschossen. Auch Stalin opferte Tausende sowjetische Soldaten, indem er die Eroberung Berlins so bald wie möglich forderte, um den Amerikanern zuvorzukommen, und so auch einen propagandistischen Sieg fĂŒr die Sowjetunion zu verzeichnen. So verlor die Rote Armee allein in den Anfangstagen der Offensive ca. 80.000 Mann und viele beim HĂ€userkampf in Berlin. Im Überblick betrachtet existieren jedoch ĂŒber die Verluste beider Seiten, sowohl unter den Soldaten als auch den Zivilisten, keine genauen Zahlen. In unterschiedlichen Quellen variieren die geschĂ€tzten Angaben ĂŒber die Anzahl der in unmittelbarer Folge der Schlacht um Berlin ums Leben gekommen Menschen erheblich; nach neuesten seriösen Forschungen verlor die Wehrmacht insgesamt ĂŒber 100.000 Mann an Gefallenen in und um Berlin (einschließlich der Schlacht um die Seelower Höhen und im Kessel von Halbe).[4] Noch Jahrzehnte nach der Schlacht wurden oft durch Zufall bei Bauarbeiten noch verschollene Tote gefunden, die teilweise in MassengrĂ€bern verscharrt worden waren[6]. Die in diesem Artikel angegebenen Zahlen spiegeln lediglich einen Mittelwert der SchĂ€tzungen wider.

Die militĂ€rische Moral der noch andernorts verbliebenen deutschen Truppen sank weiter. Zudem konnte das Deutsche Reich in den letzten Kriegstagen nicht mehr von Berlin aus regiert und verwaltet werden. Hitlers Nachfolger, Großadmiral Dönitz, trat sein Amt, das im Grunde nur noch die Abwicklung des NS-Staates bis zur Kapitulation wenige Tage spĂ€ter beinhaltete, in der NĂ€he von Flensburg an.

Aus Angst vor der Roten Armee und aus Verzweiflung vor allem bei ĂŒberzeugten Nationalsozialisten kam es in den letzten Tagen zu vielen Selbstmorden, so verzeichnete alleine der Bezirk Pankow 215 Selbsttötungen.[7]

Die FĂŒhrung der Roten Armee befĂŒrchtete, dass es in der Euphorie des Sieges, gefördert durch Alkohol, zu Gewalttaten an der deutschen Zivilbevölkerung kommen wĂŒrde. Deshalb gab Marschall Rokossowski einen Tagesbefehl heraus, nach dem PlĂŒnderern und Vergewaltigern das Kriegsgericht oder die unverzĂŒgliche Erschießung drohte. Obwohl sich auch andere Offiziere der Roten Armee darum bemĂŒhten, Racheakte der Soldaten zu verhindern, entluden sich nach der Einnahme von Berlin der Schmerz ĂŒber die zahlreichen sowjetischen Verluste, den Opfern des ideologisch motivierten Vernichtungskriegs seitens des Deutschen Reiches, die allgemeine Abstumpfung und die Verrohung der Soldaten durch die KriegsumstĂ€nde in zahlreichen PlĂŒnderungen und Vergewaltigungen. Hierzu schreibt Karl Bahm, der an der UniversitĂ€t von Wisconsin Geschichte lehrt: „[
] natĂŒrlich fĂŒhrten sich nicht alle so auf, aber eine nicht zu kleine Minderheit tat es.“[8] In verschiedenen Quellen, die hauptsĂ€chlich auf den vieldiskutierten, teilweise umstrittenen Dokumentarfilm der Feministinnen Helke Sander und Barbara Johr und deren nachfolgendem Buch BeFreier und Befreite zurĂŒckgehen, wird von mindestens 100.000 (teils mehrfach) vergewaltigten Berliner Frauen ausgegangen, wobei es allerdings eine hohe Dunkelziffer gibt.[9] Cornelius Ryan schreibt in seinem Buch Der letzte Kampf, dass nach SchĂ€tzungen der Ärzte, mit denen er sprach, zwischen 20.000 und 100.000 Frauen vergewaltigt worden seien.[6]

Zitate

„Am 30. April 45 hat sich der FĂŒhrer selbst entleibt und damit uns, die wir ihm Treue geschworen hatten, im Stich gelassen [
] Jede Stunde, die ihr weiterkĂ€mpft, verlĂ€ngert die entsetzlichen Leiden der Zivilbevölkerung Berlins und unserer Verwundeten. Jeder, der jetzt noch im Kampf um Berlin fĂ€llt, bringt seine Opfer umsonst [
]“

– Kapitulationsbefehl von General Helmuth Weidling am 2. Mai 1945

„Hat der Lump verspielt. Schade, dass wir ihn nicht lebend erwischt haben.“

– Stalins Reaktion, als Schukow ihm am 1. Mai telefonisch die Aussagen deutscher Gefangener zu Hitlers Selbstmord mitteilte

„Die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk wird es immer geben. Josef Stalin“

– Spruch von Propagandaplakaten, die in Berlin aufgehĂ€ngt wurden, um zu verdeutlichen, dass die Sowjetunion keine RachegefĂŒhle gegenĂŒber dem deutschen Volk hege[10]

Literatur

  • Karl Bahm: Berlin 1945. Die letzte Schlacht des Dritten Reichs, Kaiser Verlag, Klagenfurt 2002, ISBN 3-7043-5032-X
  • Antony Beevor: Berlin 1945. Das Ende, Goldmann, 2005, ISBN 3-442-15313-1
  • Joachim Fest: Der Untergang. Hitler und des Ende des Dritten Reiches, Berlin 2003, ISBN 3-8286-0172-3
  • Guido Knopp: Der verdammte Krieg, Das Ende 1945, C. Bertelsmann Verlag, MĂŒnchen, 1995, ISBN 3-570-12153-4
  • Tony LeTissier: "Der Kampf um Berlin 1945. Von den Seelower Höhen zur Reichskanzlei" BechtermĂŒnz Verlag (Lizenz Ullstein) 1997
  • Rolf-Dieter MĂŒller: Kriegsende 1945. Die Zerstörung des Deutschen Reiches, Fischer, Frankfurt 1994, ISBN 3-596-10837-3
  • Cornelius Ryan: Der letzte Kampf, Droemersche Verlagsanstalt MĂŒnchen/ZĂŒrich 1966
  • Helke Sander und Barbara Johr (Hrsg.): BeFreier und Befreite, Fischer, Frankfurt a.M. 2005, ISBN 3-596-16305-6
  • Wilhelm Tieke: Das Ende zwischen Oder und Elbe – Der Kampf um Berlin 1945, Stuttgart 1992, ISBN 3-87943-734-3
  • Earl F. Ziemke: Die Schlacht um Berlin, Pabel/Moewig, Rastatt, 1982, ISBN 3-8118-4318-4

Filme

Weblinks

 Commons: Schlacht um Berlin â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ G. F. Krivosheev (1997): Soviet Casualties and Combat Losses in the Twentieth Century, 2007, S.219f.
  2. ↑ http://www.hrono.ru/sobyt/1900sob/1945berlin.html
  3. ↑ a b http://wwii-soldat.narod.ru/OPER/ARTICLES/039-berlin.htm
  4. ↑ a b MĂŒller, R.-D. u.a. (Hg.): Das deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 10/1, 2008, S.673
  5. ↑ weltwoche.ch Sowjetfahne auf dem Reichstag in Berlin, aus Ausgabe 03/08 (Deutsch)
  6. ↑ a b Cornelius Ryan: Der letzte Kampf, Seite 419; Lizenzausgabe der BĂŒchergilde Gutenberg 1968
  7. ↑ Karl Bahm: Berlin 1945. Die letzte Schlacht des Dritten Reichs. Klagenfurt 2002, S. 160.
  8. ↑ Karl Bahm: Berlin 1945. Die letzte Schlacht des Dritten Reichs. Klagenfurt 2002, S. 159f.
  9. ↑ Helke Sander und Barbara Johr (Hrsg.): BeFreier und Befreite, Fischer, ISBN 3-596-16305-6.
  10. ↑ Am 22. Februar 1942 hatte Stalin anlĂ€sslich des GrĂŒndungsjubilĂ€ums der Roten Armee erklĂ€rt, dass „die ‚Hitler‘ kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt“. DHM Chronik 1942
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