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| Schlacht um Okinawa | |||||||
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| Teil von: Zweiter Weltkrieg, Pazifikkrieg | |||||||
| Karte der Insel Okinawa | |||||||
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| Konfliktparteien | |||||||
| Japanisches Kaiserreich | |||||||
| Befehlshaber | |||||||
| Simon Bolivar Buckner, Jr. |
Generalleutnant Mitsuru Ushijima | ||||||
| Truppenstärke | |||||||
| ca. 183.000 (Anfang) bis 600.000 (Ende) Soldaten |
ca. 119.000 Mann[1]
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| Verluste | |||||||
| USA: 12.520 Tote 39.000 Verwundete[2] UK: 62 Tote 82 Verwundete[3] |
74.250–107.500 Tote
7400 Gefangene[4] | ||||||
| 122.000 getötete Zivilisten[5] | |||||||
Die Schlacht um Okinawa (Alliierter Codename: Operation Iceberg) begann am 1. April 1945 mit der amerikanischen Invasion der japanischen Insel Okinawa, und endete am 30. Juni 1945. Die Schlacht war Teil der Pazifikkriegkampagne im Zweiten Weltkrieg, und die japanische Verteidigung der Insel war der letzte Versuch, den Vormarsch der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Richtung Mutterland zu stoppen. Mit koordinierten Selbstmordattacken durch Shimpū-Tokkōtai-Einheiten versuchte die japanische Marineluftwaffe der amerikanischen Pazifikflotte einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Den Auftakt zu dieser Schlacht bildeten die alliierten Luftangriffe auf Kyūshū am 18. März 1945. Die Kämpfe auf Okinawa dauerten bis zum 30. Juni an und endeten mit der Eroberung der Insel durch die amerikanischen Truppen. Im Verlauf der Schlacht starben mehr als zwei Drittel der japanischen Verteidiger, und auch unter der Zivilbevölkerung und auf amerikanischer Seite waren hohe Verluste zu beklagen. Es war dennoch das erste und einzige Mal, dass sich japanische Soldaten zu Tausenden ergaben.
Inhaltsverzeichnis |
Okinawa, die größte Insel in der Ryūkyū-Gruppe, 250 Seemeilen von Japan entfernt, etwa 100 km lang und 10 bis 25 km breit, war ab 1900 unter japanischer Verwaltung und wurde von kleineren japanischen Verbänden 1914 besetzt. Als 1941 der Pazifikkrieg mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor ausbrach, wurden die beiden Inseln Okinawa und Taiwan, damals unter japanischer Militärkontrolle, zu starken Marinestützpunkten ausgebaut, wobei die sich auf Taiwan befindlichen Flugplätze den japanischen Flugzeugen ermöglichten, die von den amerikanischen Truppen gehaltenen Philippinen sowie bestimmte Teile des nationalrevolutionären Chinas anzugreifen. Auf Okinawa wurden deshalb auch mehrere Flugplätze erbaut, von denen der bei Naha besonders ausgebaut wurde. Dazu konnten japanische Schiffe, die im Laufe der Kämpfe im Pazifik beschädigt worden waren, in den Werften der Kaiserlich Japanischen Marine in den wichtigsten Häfen Okinawas repariert werden. Die japanischen Schiffe die mit Erdöl und weitere Rohstoffe von Südostasien nach Japan fuhren, konnten in den besetzten Philippinen, in Taiwan oder in Okinawa jederzeit repariert werden. Dazu sicherte die Insel Okinawa die rechte Flanke des japanischen Verteidigungssystems um die beiden südlichen Hauptinseln Kyūshū und Honshū. Für die Japaner war es deshalb entscheidend, die Ryūkyū-Inseln unter ihrer Kontrolle zu behalten, da die amerikanischen Truppen von dort aus die japanischen Verbände im südlichen Pazifik von den restlichen Streitkräften die in Korea, Nordchina und Japan stationiert waren abschneiden konnten. Die Ryūkyū-Inseln könnten von den amerikanischen Truppen, im Falle einer von den Amerikanern bereits geplanten Eroberung der Hauptinseln, als vorgeschobene Operationsbasis benutzt werden und auch als Basis für Luftangriffe gegen japanische Städte dienen. Außerdem war der Archipel für die japanische Wirtschaftsindustrie eine wichtige Quelle für Versorgungsgüter, speziell für Zuckerrohr und Satsuma-Kartoffeln. Strategisch besetzten die Ryūkyū-Inseln für Japan eine Schlüsselposition auf den Seerouten von Borneo und Sumatra, auf denen kriegswichtige Materialien nach Japan transportiert wurden.
Der amerikanische Generalstab der Joint Chiefs of Staff hatte bereits 1944 einen Operationsplan für einen Angriff auf die Ryūkyū-Inseln ausgearbeitet. Dieser sah vor, zunächst die japanischen Verbände im Norden der Insel Okinawa und in der Hauptstadt Naha anzugreifen und sie von der restlichen Garnison im Süden der Insel durch eine amphibische Landung im Zentrum der Insel und eine Durchquerung Okinawas abzuschneiden. Ende 1944 forderte General Douglas MacArthur, dessen Truppen gerade die philippinischen Inseln Leyte und Mindoro angriffen, persönlich den Stab auf, in den Plänen nach der Eroberung Nahas einen endgültigen Vorstoß in Richtung Süden vorzusehen. General Buckner, der mit der Führung der Operation betraut wurde, stimmte diesem Plan ebenfalls zu. Die weiteren Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, die für die Ausführung der Operation gegen Okinawa vorgesehen waren, insbesondere General Roy Geiger, der während der Operation das taktische Kommando der Marineinfanteristen führen und als Stabschef Buckners dienen würde, wurden über diese Entscheidung sofort informiert. Die Verteidiger der Insel wurden auf höchstens 70.000 Mann geschätzt, da der Operationsstab annahm, mehrere tausend Soldaten seien nach Japan oder Korea verlegt worden.
Im Juli 1944 wurden deshalb 20.000 gut bewaffnete und organisierte japanische Soldaten der 32. Armee auf die Insel gesandt. Nach dem Verlust von Iwojima war Okinawa für die Japaner die letzte Bastion im Pazifik. Generalleutnant Mitsuru Ushijima und die unter seinem Kommando stehende 32. japanische Armee erhielt den Befehl, die Insel bis zur letzten Patrone zu verteidigen. 119.000 japanische Soldaten standen im Frühjahr 1945 auf Okinawa, als sie im Zuge des Inselspringens der Amerikaner Ziel eines amphibischen Großangriffs wurden. Zusammen mit rund 450.000 Zivilisten erlebten sie vom 23. März an verheerende Luftangriffe und schweren Artilleriebeschuss von See her.
Am 1. April 1945 begann die 10. US-Armee unter Lieutenant General Buckner mit dem III. Amphibischen Korps unter Major General Roy Geiger und dem XXIV. Armeekorps unter Lieutenant General John R. Hodge, insgesamt 183.000 Mann, den Sturm auf die Insel. Die amerikanische Invasionsstreitmacht bestand zusätzlich aus 20 Schlachtschiffen, 19 Flugzeugträgern mit 1160 Flugzeugen und 13 Schweren Kreuzern. Insgesamt machte die maritime Streitmacht 1500 Schiffe aus.[6]
Nach einer leichten Landung und einem schnellen Vorstoß teilte Buckner seine Kräfte in zwei Keile, die nach Norden und Süden einschwenkten. Schon wenige Tage nach dem Invasionsbeginn waren große Teile der Insel besetzt. Die Japaner stellten sich erst in den Abwehrschwerpunkten zum Kampf: im Norden auf der Halbinsel Motobu, im Süden im Bereich der Hauptstadt Naha und in der mittelalterlichen Festung Shuri. Shuri wurde dabei zum blutigsten Abschnitt für die Amerikaner im Kampf um die Insel. Das Gelände (Dschungel und Gebirge), starke Regenfälle und die oftmals mit Todesverachtung kämpfenden japanischen Truppen führten bei den Amerikanern während der Operation zu schweren Verlusten. Erst im Juni galt der Erfolg der Invasion als gesichert, doch der Guerillakrieg in den Bergen zog sich noch bis Juli hin.
In der Nacht vom 31. März zum 1. April bereitete die US Navy die Invasion mit einem stundenlang andauernden Bombardement ihrer schweren und schwersten Schiffsgeschütze vor. Unterstützt wurde sie von ständigen Wellen von Trägerflugzeugen, die ihre Bomben abwarfen.
In der Morgendämmerung landeten die Amerikaner (die ersten Wellen bestanden hauptsächlich aus Marines) im südlichen Viertel der Insel nahe der Ortschaft Ishikawa, nicht weit entfernt von dem wichtigen Flugplatz Yontan.
Überraschend für die Landungstruppen kam, dass sie nicht wie bisher bei jeder Insellandung mit starkem Abwehrfeuer konfrontiert wurden, auch bei ersten Erkundungstrupps ins Landesinnere waren keine japanischen Truppen zu sehen, abgesehen von vereinzelten Gruppen und ein paar der gefürchteten Baumschützen (Scharfschützen, die getarnt in Baumkronen postiert waren und dort tagelang ausharrten). Schon am ersten Tag fiel der Flugplatz Yontan, der nur von Einheimischen verteidigt wurde, die sich rasch ergaben.
Die 1., 4. und 6. US-Marinedivisionen begaben sich nordwärts, wobei die 4. und 6. auf das Abwehrzentrum Motobu angesetzt wurden, während die 1. Marinedivision den Nordteil der Insel besetzen sollte. Die Sicherung des Mittelteils übernahmen fortan Teile der 22. US-Infanteriedivision, wobei gleichzeitig mit dem Abrücken der Marinedivisionen die 77. US-Infanteriedivision ihre Landung auf Iejima, der kleinen nordwestlich vor der Küste Motobus liegenden Insel in Angriff nahm.
Am 6. April wurden die Japaner über der See aktiv. Mit 355 Maschinen griffen Kamikazeflieger den Vorpostenring der alliierten Flotte an, versenkten 3 Zerstörer, beschädigten 12 schwer und vernichteten 2 Munitionsschiffe und 10 kleinere Fahrzeuge, doch die beabsichtigte Vernichtung der Träger gelang wegen zu starker Abwehr nicht. Ein japanischer Flottenverband im Anmarsch auf Okinawa wurde von einem U-Boot gesichtet, und tags darauf versenkten amerikanische Trägermaschinen das Schlachtschiff Yamato, den leichten Kreuzer Yahagi sowie 4 Zerstörer. Der Verband drehte daraufhin wieder ab.
Um den 10. April wurde für die Japaner das Stichwort „Sho Go“ (Siegesoperation) ausgegeben, das General Yoshijiro Umezu aus dem kaiserlichen Hauptquartier auslöste und damit den Defensivplan für Okinawa in Gang setzte; Verteidigung aus der Tiefe, Halten befestigter Punkte (im Norden Motobu, im Süden Naha und Shuri), Vernichtung der alliierten Flotte durch Kamikazeflieger. Am 12. und 13. April griffen 185 Flugzeuge die Flotte an, trafen jedoch nur kleine Einheiten. Weitere Angriffe von Opferfliegern am 15./16. und von kleinen Gruppen bis 22. Juni brachten nur geringe Erfolge. Nur Mitschers Flaggschiff, der Flugzeugträger USS Bunker Hill und der Träger USS Enterprise wurden beschädigt und ein paar kleine Einheiten versenkt. In drei Monaten Kampf um Okinawa wurden insgesamt 1.900 Kamikaze geopfert, jedoch nur 26 Schiffe (das größte ein Zerstörer) versenkt.
Am 8. April traten die 6. und 29. US-Division im Zentrum der Halbinsel Motobu zum Angriff gegen die befestigten Gebirgsstellungen der Japaner an, während die 4. Division an der Basis abriegelte und die 22. Division zusammen mit der 1. weiter nordwärts stieß, um das letzte Drittel der Insel zu besetzen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Invasionstruppen bereits Ziele erreicht, für die im Plan drei Wochen vorgesehen waren.
Als Mitte April Teile der 29. US-Infanteriedivision den Ort Bise im Südwesten Motobus genommen hatten, gingen das 1. und 2. Bataillon der 4. US-Division auf Suga am Westufer vor und Teile der 22. US-Division stießen südwärts auf Arwa. Den Endstoß gegen die Zentrale der Gebirgsfestung führte die 6. US-Marinedivision. Zu diesem Zeitpunkt waren die amerikanischen Streitkräfte über die Besatzung der Festung informiert: rund 1.200 Elitesoldaten unter Oberst Udo, gegliedert in die 44. gemischte Brigade, 2 Infanteriebataillone und Arbeitsgruppen. Diese Informationen stammten von Gefangenen unter 300 Japanern, die sich ergeben hatten, ein bis dahin noch nicht vorgekommenes Ereignis, denn bisher hatte jeder Soldat bis zum Tod gekämpft und sich keiner ergeben. Selbst als Mitte April Motobu schrittweise erobert wurde, erlitten die Amerikaner große Verluste, als Teile der Fortifikationen von der verbleibenden Besatzung in die Luft gesprengt wurden. Nach der Eroberung der Motobu-Festung begannen Tage und Nächte des Kleinkriegs in den Bergen. Die Geländesäuberung zog sich bis Ende April hin und kostete noch etliche US-Marines und Japaner das Leben.
Am 30. April, genau vier Wochen nach Invasionsbeginn, wurden die 1. und 6. US-Marinedivisionen im Nordabschnitt der Insel durch Infanteriekräfte abgelöst. Die Truppenverbände wurden aufgefrischt, verstärkt, umgruppiert und zum XXIV. Armeekorps nach Süden detachiert, das noch immer an den Gebirgsriegeln vor Naha und Shuri in verlustreiche Stellungskämpfe verwickelt war. Im Südabschnitt hielt die Phase 1 des Angriffsplans ohne sichtbare Erfolge noch immer an: kein Vorankommen, tiefes Verteidigungssystem, fanatischer Widerstand, starke japanische Artilleriekonzentration, Verluste für die Amerikaner.
Bis 11. April konnten die Amerikaner nur geringe Geländegewinne erzielen. Ein zerklüfteter, befestigter und von den Japanern zäh verteidigter Gebirgszug, der auch keinen Panzereinsatz erlaubte, sperrte die Südspitze von Okinawa im Westen von Naha bis Shuri im Osten. Die Angriffskräfte der 7. US-Infanteriedivision (links), der 96. (Mitte) und der 27. (rechts) lagen bis Ende des Monats in der Front und bluteten aus, weshalb der Kommandierende General Buckner umgruppierte, um endlich den entscheidenden Durchbruch zu erreichen.
Der amerikanische Angriffsplan sah folgendes vor: „Am 7. Mai schwenkt das XXIV. Korps ein, der von ihm bisher gedeckte gesamte Westsektor wird vom III. Amphibischen Korps übernommen, wobei die 6. Marinedivision den Abschnitt der 1. übernimmt. Die 1. Division verstärkt die 27.; die 77. wird von le Shima abgezogen und der 96. zugeteilt. Angriffszeit: 10. Mai, 9:00 Uhr. Ab 7:00 Uhr erfolgt der Feuerschlag der Trägermaschinen, der Heeres- und Schiffsartillerie.“
Eine der Schlüsselpositionen der Festung Shuri war das hart umkämpfte Dorf Wana Ridge. Seit dem 4. Mai unterstützte japanische Artillerie die Verteidiger, es gab Angriffe der japanischen Luftwaffe auf amerikanisch besetzte Flugplätze, dazu kamen Anlandungen von See her, die die japanischen Truppen von Shuri verstärkten.
Auch hier erlaubte das Gelände keinen Panzereinsatz, und auch die Flugzeuge konnten keinen großen Schaden anrichten, womit die Hauptlast wieder bei der Infanterie lag. Geschichten berichten, dass altgediente amerikanische Soldaten diese Kämpfe mit der Schlacht um Verdun verglichen, wobei aber eher auf die Meuse-Argonne-Offensive (unter General Pershing) in der Nähe der Stadt Verdun Bezug genommen wurde, da die blutigsten Schlachten bereits 1916 zwischen Franzosen und Deutschen stattfanden, die USA aber erst 1917 in den Krieg eintraten.
Die Amerikaner hatten Wana Ridge zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens achtmal erobert, mussten es aber jedesmal wieder räumen. Erst der Angriff ab 7. Mai sollte das Dorf endgültig in Besitz der US-Truppen bringen, womit der Weg frei war zu einem Angriff von allen Seiten gegen den Hauptteil von Shuri.
Bevor es zum Sturm auf das Innere von Shuri kam, mussten die Amerikaner zuerst einen Weg durch die starken Außenmauern finden. Zu diesem Zweck feuerte das Schlachtschiff USS Missouri mit seinen 40,6-cm-Geschützen tagelang auf die Festung, ohne jedoch sichtbare Erfolge zu erzielen. Daraufhin wurde die USS Mississippi, die mit spezieller panzerbrechender Munition ausgerüstet war, auf die Festung angesetzt. Die Marines wetteten damals, bei welchem Schuss die Festungsmauer zerbersten würde, und im Allgemeinen rechnete niemand mit mehr als 100 Schüssen. Doch die Mauer hielt sehr viel mehr aus als die Amerikaner gedacht hatten, erst nach etwa 10 Stunden und rund 1.500 Granatvolltreffern zerbrach die Festung, doch noch immer standen einzelne Teile und die meisten Kasematten, wohin die Verteidiger sich zurückgezogen hatten.
Entlang des großen Festungsareals mit seinen Erdaufschüttungen, Vorwerken, Wehrtürmen und Wassergräben entbrannte ein heftiger Kampf mit Vorteilen für die Verteidiger. Bereits zu Anfang mussten die Stoßtrupps der Amerikaner empfindliche Verluste hinnehmen, manche Trupps blieben im Abwehrfeuer liegen.
Die Hoffnung der Amerikaner, in der Festung nur noch Trümmer und Tote, äußerstenfalls einen demoralisierten und kampfmüden Gegner anzutreffen, zerschlug sich schnell. Die Japaner bewiesen erneut ihre hohe Kampfmoral und Zähigkeit, als sie sich aus den Trümmern befreiten und erbitterten Widerstand leisteten.
Es gab aber auch Zersetzungserscheinungen auf japanischer Seite, Überläufer, die den Sinn des Todes für eine längst verlorene Sache nicht zu erkennen vermochten und sich gefangen gaben. Das war bei den Inselkämpfen bisher noch nicht vorgekommen. Doch die Überläufer starben oft durch Kugeln aus den eigenen Reihen, wenn ihre Absicht erkennbar wurde, und nur relativ wenigen Japanern gelang es, zum Gegner durchzukommen.
Selbst nach dem erfolgten endgültigen Einbruch in die Festung blieb der Kampf hart. Denn in Erwartung der Invasion hatten die Japaner zusätzliche Maßnahmen im Festungsbereich durchgeführt: Bunkerbau, Feuerstellungen, Grabensysteme. Die zum Teil zerstörten und verschütteten Anlagen wurden von den überlebenden japanischen Soldaten wieder funktionsfähig und einsatzbereit gemacht. Noch tagelang wütete ein gnadenloser Nahkampf um diese Trümmerbastionen, bei dem buchstäblich um jeden Fußbreit Boden gerungen wurde.
Beim letzten Ansturm der Amerikaner auf die Überreste der Festung, um die verbliebenen japanischen Truppen zu vernichten, kam ihnen der Zufall zu Hilfe: Sie hatten einen Abwehrplan der Festung in die Hände bekommen, auf dem viele der geheimen Gänge und Verstecke eingezeichnet waren. Trotzdem blieb der Kampf äußerst hart, denn die Japaner verschanzten sich in vielen Löchern und unterirdischen Verstecken. Trotz des vollen amerikanischen Artillerieeinsatzes kämpften sie verbissen, und viele sprengten sich lieber selbst in die Luft als sich zu ergeben.
Eine ganze Woche lang dauerte dieser mörderische Kleinkrieg im Festungsbereich, den die Amerikaner schrittweise vortrugen.
Am 1. Juni 1945 fiel Naha, die Hauptstadt, nachdem wochenlange Kämpfe um die Gebirgszüge, Schluchten, Flüsse und Kanäle den japanischen Befestigungsgürtel aufgesprengt hatten. Die amerikanischen Säuberungen des Geländes und die zum Teil noch heftigen Guerillakämpfe zogen sich bis zum Juli hin. Am 25. Juni wurden die Reserven der beiden US-amerikanischen Korps auf die Sicherungslinie Naha-Yonabaru in Marsch gesetzt. Versprengte Japaner wurden durch Radioaufrufe zur Einstellung der Kämpfe angehalten; die Aktion verlief wider Erwarten erfolgreich. Beim III. Korps gaben sich bis zum 30. Juni 4.029 Japaner gefangen, beim XXIV. Korps 7.401; bis Mitte Juni waren es insgesamt nur 322 gewesen. Die Schlacht um Okinawa ging Ende des Monats in Plänkeleien mit Versprengten über, der größte Teil des Inselterritoriums war in der Hand der Amerikaner.
Doch die Kämpfe in den zerklüfteten Gebirgen dauerten noch Wochen. Noch als die Abwehrzentren auf Motobu, in Shuri und Naha längst zerstört waren, kämpften versprengte japanische Truppenteile fanatisch weiter. Sie verschanzten sich in unwegsamen Regionen und gaben nicht einmal auf, als sie keine Waffen mehr besaßen. Mit Knüppeln und bloßen Fäusten gingen sie die Amerikaner an und stürzten sich teils lieber massenweise von den Klippen ins Meer und in die Gebirgsschluchten, als dass sie sich gefangen gegeben hätten: Der Opfergang einer Elitetruppe, die nur auf Befehl und Gehorsam gedrillt war. Viele Amerikaner, die den mörderischen Kampf im Schlamm und Regen überstanden hatten, fielen in den schweren Wochen der Säuberungsaktion.
Mit Okinawa verloren die Japaner die letzte wichtige Bastion vor dem Mutterland. Der Preis für diesen amerikanischen Sieg war hoch. Die Amerikaner beklagten 7.374 Tote, 239 Vermisste und 31.807 Verwundete bei den Landungstruppen sowie 4.907 Tote und 5.000 Verwundete bei der Marine. Zusammen also 12.520 Tote und 37.000 Verwundete. Die Materialeinbußen beliefen sich auf 34–36 gesunkene Schiffe, 368 beschädigte Schiffe und 763 verlorene Flugzeuge.
Die britische Trägergruppe (TF 57) verlor 98 Flugzeuge bei 4 beschädigten Schiffen, 62 Toten und 82 Verwundeten.
Die Japaner verloren mindestens 66.000 Soldaten auf Okinawa, 3650 Marinesoldaten auf See und 4600 Kamikaze. 7.830 Flugzeuge gingen verloren, davon 4155 im Kampf. Insgesamt ein Verlust an Mensch und Material, der schwer zu verkraften war. Die Oberkommandierenden der Schlacht um Okinawa fanden in der Endphase dieses Krieges den Tod: General Buckner (USA) fiel durch Artillerietreffer am 18. Juni; General Ushijima (Japan) starb durch Seppuku. Nach der japanischen Kapitulation ergaben sich viele Überlebende japanische Soldaten den amerikanischen Streitkräften. 10.000 japanische Armeeangehörige und 8.000 Angehörige der Marine und der Boeitai, der okinawischen Nationalgarde, überlebten die Schlacht. Weiterhin verlor Japan 16 Kriegsschiffe während der Kämpfe um Okinawa.[2][7]
Mit Okinawa stand nun eine Basis in unmittelbarer Nähe zum Japanischen Festland (ca. 550 km) mit Ankermöglichkeiten und zwei Flugplätzen zur Verfügung. Damit rückte die für November 1945 geplante Invasion des japanischen Mutterlandes (Operation Downfall) in den Bereich des Möglichen.
Möglicherweise auch angesichts des erbitterten japanischen Widerstands auf Okinawa befürchteten das Oberkommando der US Army und Präsident Truman jedoch bis zu 300.000 tote US-Soldaten bei einem Angriff auf die japanischen Kerninseln.
Schließlich entschied man sich gegen eine Invasion. Stattdessen wurde Japan durch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August zur Kapitulation gezwungen.
Aufgrund der hohen Verluste – man spricht von der größten Seeschlacht aller Zeiten – wurde Okinawa als „die Insel des Todes“ bezeichnet (wobei Okinawa stellvertretend für die Schlacht steht).