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Schweizer Armee

SchweizSchweiz Schweizer Armee
Armée suisse (frz.)
Esercito svizzero (ital.)
Armada svizra (rÀt.)

Logo der Schweizer Armee

Logo der Schweizer Armee
FĂŒhrung
Oberbefehlshaber
de jure:
Der Bundesrat (Frieden)

Ein von der Bundesversammlung gewÀhlter Oberbefehlshaber = General (Krieg)

Oberbefehlshaber de facto: André Blattmann, Chef der Armee
Verteidigungsminister: Ueli Maurer, Chef VBS
MilitÀrischer Befehlshaber: Chef der Armee André Blattmann
MilitÀrische StÀrke
Aktive Soldaten: 154'376[1] (1. MĂ€rz 2012)
Reservisten: 31'767[1] (1. MĂ€rz 2012)
Wehrpflicht: 18–21 Wochen Grundausbildung, insgesamt 260 Tage (fĂŒr Soldaten)[2][3]
Wehrtaugliche Bevölkerung: Alter 18–49 Jahre:
1'852'580 MĂ€nner
1'807'667 Frauen[4]
Wehrtauglichkeitsalter: 18–33 Jahre
Haushalt
MilitÀrbudget: 4,4 Mrd. CHF[5][6] (2013)
Ausgabenanteil vom Steueraufkommen: 7,4 %[6]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,0 %[7] (2005)
Geschichte

Die Schweizer Armee (französisch ArmĂ©e suisse, italienisch Esercito svizzero, rĂ€toromanisch Armada svizra, englisch Swiss Armed Forces) ist die Streitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den TeilstreitkrĂ€ften Heer und Luftwaffe. Die Schweiz verfĂŒgt als Binnenstaat ĂŒber keine Marine, die Patrouillenboote auf den (Grenz-)Seen werden von Genietruppen betrieben. Eine Besonderheit der Schweizer Armee ist das Milizsystem. Chef der Armee ist seit dem 1. MĂ€rz 2009 Korpskommandant AndrĂ© Blattmann, der die Funktion bereits seit 21. Juli 2008 ad interim ausĂŒbte.

Inhaltsverzeichnis

Offizielle Bezeichnungen

Bis zum Ende des Jahres 2003 (Armee 61 und Armee 95) wurde von der Schweizerischen Armee gesprochen. Seither ist Schweizer Armee die offizielle Bezeichnung. In den anderen drei Landessprachen hat sich die Bezeichnung nicht verÀndert. Auf Französisch heisst sie Armée suisse, auf Italienisch Esercito svizzero und auf RÀtoromanisch Armada svizra. Auf Englisch tritt die Armee als Swiss Armed Forces auf.

Deutsch, Französisch und Italienisch sind die drei gleichberechtigten Kommandosprachen der Schweizer Armee.

Auftrag

Schweizer Grenadier Folgende Aufgaben sind der Schweizer Armee durch die Bundesverfassung und das MilitĂ€rgesetz ĂŒbertragen:[8][9]

Die Armee hat den Auftrag:
a. zur Verhinderung von Kriegen und Erhaltung des Friedens beizutragen;
b. die Schweiz zu verteidigen und ihre Bevölkerung zu schĂŒtzen;
c. zur Friedensförderung im internationalen Rahmen BeitrÀge zu leisten;
d. bei schwerwiegenden Bedrohungen der inneren Sicherheit sowie insbesondere bei der BewĂ€ltigung von Katastrophen im In- und Ausland die zivilen Behörden zu unterstĂŒtzen, wenn deren Mittel nicht mehr ausreichen.

Verteidigung[10] ist der Kernauftrag der Armee. Die Armee soll das Territorium der Schweiz sichern und verteidigen. Dazu setzt die Schweiz auf die abschreckende Wirkung der stĂ€ndigen Kampfbereitschaft der Schweizer Armee. In diesem Zusammenhang wird der Begriff des „hohen Eintrittspreises“ verwendet, den ein potentieller Angreifer zahlen mĂŒsse, wenn er die Schweiz angreife, das Territorium zu besetzen oder den Durchmarsch zu erzwingen versuche.

UnterstĂŒtzung der zivilen Behörden[10] bildet den Hauptanteil der aktuellen EinsĂ€tze der Armee. Bei Naturkatastrophen kann die Armee Katastrophenhilfebataillone aufbieten. Umstritten ist insbesondere der Dauerauftrag der Botschafts- und Konsulatsbewachungen. Ebenso umstritten sind EinsĂ€tze zugunsten von Grossveranstaltungen wie dem G8-Gipfel, dem Weltwirtschaftsforum in Davos, der Expo.02 oder diversen Sportveranstaltungen.

Friedensförderung[10] ist ein personell sehr kleiner Bereich. Die Schweiz stellt der UNO unbewaffnete MilitĂ€rbeobachter (im Offiziersrang) zur VerfĂŒgung. Daneben gibt es zurzeit nur zwei bewaffnete Einheiten im Ausland: die seit 1999 der KFOR unterstellte Swisscoy mit bis zu 220 Armeeangehörigen und seit Herbst 2004 rund 25 Armeeangehörigen im Rahmen der EUFOR Mission in Bosnien.

Die Gewichtung dieser AuftrĂ€ge unterliegt Änderungen, die sich aus der sicherheitspolitischen Lage ergeben. Im Juni 2007 entschied sich beispielsweise der Nationalrat fĂŒr eine Verdoppelung der MannschaftsstĂ€rken fĂŒr die Friedensförderung. Die Verantwortung fĂŒr Planung, Bereitstellung und FĂŒhrung der friedensfördernden AuslandseinsĂ€tze liegt beim Kompetenzzentrum SWISSINT.

Struktur

Die Schweizer Armee teilt sich in die TeilstreitkrĂ€fte Heer und Luftwaffe auf. Die beiden TeilstreitkrĂ€fte sind fĂŒr ihre LehrverbĂ€nde und weitere untergeordnete VerbĂ€nde wie Brigaden und Dienststellen verantwortlich.

Eine Besonderheit der schweizerischen StreitkrĂ€fte ist das Milizsystem. Es gibt insgesamt nur etwa fĂŒnf Prozent Berufs- und Zeitsoldaten. Alle ĂŒbrigen Angehörigen der Armee (AdA) sind Wehrpflichtige im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, in Stabs- und Spezialfunktionen bis 50 Jahren, die jeweils nur fĂŒr die Dauer des Ausbildungsdienstes ihrer Einteilungsformation einrĂŒcken.

Wegen des Milizsystems, dem im Zweiten Weltkrieg errichteten Reduit und der weltweit einzigartigen Form der Volksbewaffnung, bei der Angehörige der Armee ihre Uniform und ihre persönliche Waffe zu Hause aufbewahren, entstand die Redewendung „Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee!“.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde durch die Armeereformen der Mannschaftsbestand sukzessive reduziert, jedoch hielt man am Milizprinzip und der allgemeinen Wehrpflicht fest, im Gegensatz zu einigen umliegenden europĂ€ischen Staaten, die bereits reine Berufsarmeen geschaffen haben. Der ĂŒberwiegende Teil der Schweizer Bevölkerung befĂŒrwortet die allgemeine Wehrpflicht.

Armee XXI

Struktur der Schweizer Armee nach Abschluss der Armeereform «Armee XXI» 2011

Unter dem Namen Armee XXI lÀuft eine grosse Armeereform, mit der die Schweizer StreitkrÀfte laufend an sich verÀndernde sicherheitspolitische Gegebenheiten angepasst werden. Das dazugehörige neue MilitÀrgesetz nahmen am 18. Mai 2003 Volk und StÀnden nach einer Volksabstimmung an.

Die MannschaftsstÀrke wurde von 400'000 (Armee 95) auf rund 200'000 Armeeangehörige reduziert. Davon sind 120'000 in aktive VerbÀnde und 80'000 in Reserve-Einheiten eingeteilt.

Die 120'000 Aktiven leisten jedes Jahr drei (fĂŒr Soldaten) bzw. vier (fĂŒr Kader) Wochen Wiederholungskurs (FDT, Fortbildungsdienst der Truppe). Die Reserve-Einheiten leisten in der Regel keine Wiederholungskurse, können aber bei verĂ€nderter Sicherheitslage durch Bundesratsbeschluss dazu verpflichtet werden.

Teilweise existiert die AusrĂŒstung dieser Reserve-Einheiten nur auf dem Papier. Zwar verfĂŒgt die Schweizer Armee aufgrund der Halbierung des Bestandes ĂŒber eine Vielzahl an modernem und funktionsfĂ€higem Material, wie Kampfpanzer vom Typ Pz 87 Leopard 2, doch werden bei Neuanschaffungen Reserve-Einheiten nur verzögert oder gar nicht ausgerĂŒstet. Aufgrund der Budget-Begrenzungen sind diese Reserve-Einheiten also nur bedingt einsatzbereit.

Die Schweizer Armee verfĂŒgt aktuell ĂŒber 134 Kampfpanzer vom Typ Leo 2 Panzer (von ursprĂŒnglich 380 beschafften Panzern wurden nur 134 der Werterhaltung im Jahr 2006 unterzogen)[11] und 483 gepanzerte Kommando-, AufklĂ€rungs-, FĂŒhrungs-, Übermittlungs- und Geniefahrzeuge. Die Fahrzeuge sind aufgeteilt auf zwei Panzerbrigaden Ă  10'000 Mann.

Angesichts der Tatsache, dass die Armee 61 noch ĂŒber 625'000 Armeeangehörige verfĂŒgte, stellen die Reformen Armee 95 und Armee XXI eine drastische Reduktion der BestĂ€nde dar. Diese Entwicklung spiegelt die verĂ€nderte Sicherheitslage in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges wider. Diese Reduktion geschah nicht durch eine Senkung der Aushebungszahlen, wobei diese bedingt durch grĂŒndlichere Selektion rĂŒcklĂ€ufig sind, sondern vielmehr durch die KĂŒrzung des Pensums der Diensttage der einzelnen Armeeangehörigen. Dadurch, dass der einzelne Armeeangehörige nun weniger Diensttage absolvieren muss, leistet er weniger Wiederholungskurse und kann so jĂŒnger aus dem aktiven in den Reservedienst und aus dem Reservedienst in den Landsturm versetzt werden, um am Ende seiner Dienstzeit offiziell aus der Armee entlassen zu werden.

Die Rekrutenschule (Grundausbildung) dauert neu nicht mehr 15, sondern je nach Funktion 18 oder 21 Wochen. Wer die kĂŒrzere RS absolviert, leistet spĂ€ter einen zusĂ€tzlichen Wiederholungskurs. Ausserdem leisten nicht mehr alle Armeeangehörigen eine komplette RS.

Mit der Armee XXI wurde es möglich, die gesamte Dienstzeit an einem StĂŒck zu absolvieren. Dieser Dienst als so genannter Durchdiener dauert 300 Tage fĂŒr normale Soldaten, 430 Tage fĂŒr Unteroffiziere, 500 Tage fĂŒr höhere Unteroffiziere und 600 Tage fĂŒr Subalternoffiziere. WĂ€hrend der VBA 2 werden diese Durchdiener vor allem subsidiĂ€r eingesetzt, zum Beispiel zur Botschaftsbewachung. Nach den geleisteten Diensttagen werden die Soldaten in die Reserve entlassen. FĂŒr sie wird der jĂ€hrliche WK hinfĂ€llig, lediglich am obligatorischen Schiessen mĂŒssen sie bis zur definitiven Entlassung aus der Armee mit 30 Jahren (fĂŒr Offiziere höher) teilnehmen.

Neu dĂŒrfen Schweizerinnen jede Funktion in der Schweizer Armee ausĂŒben. FrĂŒher war ihnen der Eintritt in KampfverbĂ€nde nicht möglich. Seit 2007 mĂŒssen Frauen die gleichen physischen Leistungen erbringen wie MĂ€nner[12] (vgl. Österreichisches Bundesheer). Der Frauenanteil betrĂ€gt 0,6 Prozent.[13]

Die Aushebung wurde von einem auf zwei (aber maximal drei) Tage verlÀngert, um eine bessere Selektion zu ermöglichen. KaderanwÀrter werden bereits an der Aushebung vorgemerkt.

Andere Änderungen betreffen die Disziplinarstrafen, die Dienstgrade, die Abzeichen, die Dienstdauer und andere Bereiche.

Gliederung

Schweizer Soldaten auf MilitÀrfahrrÀdern, Basel Tattoo 2011
→ Hauptartikel: Gliederung der Schweizer Armee

Die Verordnung ĂŒber die Armeeorganisation (AO) legt fĂŒr die Schweizer Armee folgende Gliederung fest[14]:

FĂŒr die Ausbildung sind die Truppenkörper und Truppeneinheiten einer Brigade bzw. einem Lehrverband unterstellt.

Truppengattungen, Berufsformationen und Dienstzweige

Nach Art. 7 der Verordnung der Bundesversammlung ĂŒber die Organisation der Armee (AO)[15] sind Truppengattungen „Elemente der Armee, zu deren Ausbildung Rekrutenschulen durchgefĂŒhrt werden. FĂŒr die Dienstzweige werden keine Rekrutenschulen durchgefĂŒhrt“.

Die Schweizer Armee besteht aus

Dienstpflicht

Wehrdienstpflichtig sind alle mĂ€nnlichen in der Schweiz wohnhaften Schweizer BĂŒrger, die nicht DoppelbĂŒrger eines Staates sind, durch den sie von der Wehrdienstpflicht befreit sind. Sie werden frĂŒhestens im Alter von 17 und spĂ€testens mit 25 Jahren zur militĂ€rischen Rekrutierung aufgeboten (Stellungspflicht). Bei den Frauen und Auslandschweizern geschieht dies auf freiwilliger Basis. Etwa 60 Prozent bestehen die militĂ€rische Rekrutierung und sind diensttauglich und damit militĂ€rdienstpflichtig. Dienstuntauglich geschrieben werden Stellungspflichtige, die eine fĂŒr den MilitĂ€rdienst ungenĂŒgende körperliche oder psychische LeistungsfĂ€higkeit aufweisen. Dienstuntaugliche können als schutzdiensttauglich eingestuft werden und leisten Dienst im Zivilschutz. Etwa die HĂ€lfte der Dienstuntauglichen leistet Zivilschutz, dessen Dienstzeit an die Wehrpflichtersatzabgabe angerechnet wird. Denn wer keinen Wehrdienst leistet, hat mit Ausnahme von Invaliden eine jĂ€hrliche Wehrpflichtersatzabgabe von drei Prozent des steuerbaren Einkommens zu bezahlen.

MilitĂ€rdienstpflichtige, die keinen MilitĂ€rdienst leisten wollen, können jederzeit ein Gesuch fĂŒr Zulassung zum Zivilen Ersatzdienst stellen, Stellungspflichtige nach dem Besuch der Orientierungsveranstaltung der MilitĂ€rbehörde. Dieses verfassungsmĂ€ssig garantierte Recht besteht erst seit 1992; davor konnte MilitĂ€rdienst nur verweigert werden (was zwangslĂ€ufig zu einer Verurteilung fĂŒhrte). Wird das Gesuch akzeptiert, ist ein Zivildienst zu leisten, der um die HĂ€lfte lĂ€nger dauert als die militĂ€rische Dienstpflicht. Wird dem Gesuch nicht stattgegeben und verweigert der MilitĂ€rdienstpflichtige den MilitĂ€rdienst, kommt es zur Beurteilung durch ein MilitĂ€rgericht, das eine GefĂ€ngnisstrafe verhĂ€ngen kann.

Alternativen sind der waffenlose Dienst in der Armee oder die Ausmusterung auf dem blauen Weg, aufgrund von Dienstuntauglichkeit (siehe oben).

Rekrutenschule

Mit dem Stgw 90 bewaffneter Soldat. Die weissen Klebestreifen an den Waffen dienen der Versiegelung von Waffen, die zu Übungszwecken auf Menschen gerichtet werden. Sie sind somit als ungeladen gekennzeichnet.
Die Grundausbildung in der Schweizer Armee wird als Rekrutenschule (kurz RS) bezeichnet. Sie wird von allen Dienstleistenden absolviert und dauert 18 oder 21 Wochen. FĂŒr Spezialfunktionen dauert sie wesentlich lĂ€nger, z. B. Grenadiere 25 Wochen.

Die RS ist im Allgemeinen in drei Phasen aufgeteilt. Die allgemeine Grundausbildung dauert drei bis sieben Wochen, die funktionsbezogene Grundausbildung sieben bis zehn Wochen und die Verbandsausbildung fĂŒnf oder acht Wochen.

Allgemeine Grundausbildung

In der allgemeinen Grundausbildung (AGA) werden den Rekruten grundsĂ€tzliche Fertigkeiten in Sachen Dienstbetrieb, persönliche Waffe, u.a. das Sturmgewehr 90, SanitĂ€tsdienst/Kameradenhilfe, ABC-Schutz, Gefechtstechnik beigebracht und ihre körperliche Verfassung wird gestĂ€rkt. Die allgemeine Grundausbildung dauert je nach Truppengattung drei bis sieben Wochen und wird – ebenfalls je nach Lehrverband – durch Zeit- und BerufsmilitĂ€rs geleitet und unterstĂŒtzt. GrundsĂ€tzlich gilt aber das Prinzip „Miliz bildet Miliz aus“.

Nach der AGA werden die Unteroffiziers- und OffiziersanwĂ€rter getrennt von den ĂŒbrigen Soldaten ausgebildet.

Funktionsbezogene Grundausbildung

In der funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA) werden die Rekruten mit der Hauptaufgabe ihrer Funktion vertraut gemacht. Dabei lernt z. B. der Infanterist mit der Panzerfaust, mit dem leichten Maschinengewehr oder mit Sprengstoff umzugehen, der Kanonier sein GeschĂŒtz zu bedienen, der SanitĂ€tssoldat Verletzte zu retten und zu versorgen, der Richtstrahl- und Übermittlungspionier die Richtstrahl- bzw. Funkantennen aufzustellen und die GerĂ€te zu konfigurieren, und viele weitere Funktionen.

Die funktionsbezogene Grundausbildung dauert sieben bis zehn Wochen und wird von Milizkadern gefĂŒhrt, und wie in der die vorigen Phase von Zeit- und BerufsmilitĂ€rs unterstĂŒtzt. Am Schluss dieser Phase werden die verbliebenen Rekruten zu Soldaten befördert. Die Milizkader werden am Schluss der FGA zu ihrem effektiven Kadergrad (Wachtmeister / Hauptfeldweibel / Fourier / Leutnant) befördert.

Verbandsausbildung

Die Zeit ab der 13. Woche bis zum RS-Ende (21. Woche) verbringen die Rekruten, die zu Soldaten befördert worden sind, meist an einem anderen Standort als in den vorangegangenen Phase. In diesen letzten Wochen geht des darum, mit allen Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren, die Leistungen auf Stufe Kompanie und Bataillon zu erbringen. Dabei stehen realistische ÜbungseinsĂ€tze im Vordergrund.

Die Abschlusswoche einer jeder RS besteht darin, die Infrastruktur, das Ausbildungsmaterial und die Fahrzeuge wieder abzugeben und fĂŒr eine nĂ€chste Schule wieder bereit zu machen.

Fortbildungsdienste der Truppe (FDT), vormals Wiederholungskurse (WK)

Jeder Angehörige der Schweizer Armee (AdA) muss nach der Rekrutenschule eine bestimmte Anzahl von Diensttagen leisten. Diese leisten sie im Allgemeinen in jĂ€hrlichen Kursen, die heute als FDT (Fortbildungsdienst der Truppe) bezeichnet, aber zumeist dem frĂŒheren Begriff entsprechend WK (Wiederholungskurse) genannt werden. FDT ist dabei der Oberbegriff fĂŒr Ausbildungsdienste der Formationen (ADF), Besondere Dienstleistungen (Beso DL) und Zusatzausbildungsdienste (ZAD).

FĂŒr Angehörige der Mannschaft (Soldat bis Obergefreiter) dauert der WK nach dem Modell Armee XXI einheitlich drei Wochen. FĂŒr Unteroffiziere hĂ€ngt die Dauer von Funktion und Rang ab. Angehörige des Kompaniekaders (GruppenfĂŒhrer, Feldweibel, Fourier, ZugfĂŒhrer und der Kompaniekommandant selbst) rĂŒcken bis zu einer Woche vor Beginn des regulĂ€ren WKs ein und leisten den sogenannten Kadervorkurs (KVK).

In Ausbildungsdiensten der Formation (ADF) liegt das Schwergewicht der Ausbildung neben der Wiederholung und Festigung der allgemeinen Grundausbildung in der Verbandsausbildung. Deshalb auch die Bezeichnung „Verbandsausbildung 2“, welche teilweise von den BerufsmilitĂ€r unterstĂŒtzt wird.

In Umschulungskursen (UK; gelten als ZAD) können Einheiten bei Bedarf auch auf neue GerĂ€te oder Fahrzeuge umgeschult werden. Daneben dienen die FDT-Wochen auch fĂŒr subsidiĂ€re EinsĂ€tze, wie z. B. fĂŒr die Botschaftsbewachung. Oft werden Truppen aber auch zur UnterstĂŒtzung ziviler Organisationen eingesetzt. Beispiele dafĂŒr sind das Eidgenössische Jodlerfest, das Lauberhornrennen oder in Katastrophenlagen auf Anforderung von Kantonen und Gemeinden.

AusrĂŒstung

Schusswaffe

Taschenmunition

Jeder Soldat ist mit dem Sturmgewehr 90 (SIG 550) als persönlicher Waffe ausgerĂŒstet. Die Ausnahme bilden die Grenadiere der MilitĂ€rpolizei, Spitalsoldaten und die SekretĂ€rsoldaten der FĂŒhrungsunterstĂŒtzung, die eine Pistole 75 (SIG SAUER P220) vom Kaliber 9 mm erhalten. Auch Offiziere und höhere Unteroffiziere sind mit der Pistole 75 ausgerĂŒstet. Sukzessiv erfolgt zudem die Ausstattung mit der Pistole 03 (SIG SP 2009)

Die Angehörigen der Armee können ihre persönliche Waffe zwischen den Dienstleistungen mit nach Hause nehmen. Von 1952 an fasste jedermann ebenfalls die sogenannte Taschenmunition. Diese war dazu bestimmt, dem einzelnen Soldaten im Falle einer Kriegsmobilmachung zu ermöglichen, sich zu seinem EinrĂŒckungsort durchzukĂ€mpfen. 2007 wurde beschlossen, die Taschenmunition einzuziehen und sie nur den Alarmformationen (v. a. militĂ€rische Sicherheit) zu belassen. Die persönliche Waffe kann weiterhin nach Hause mitgenommen werden. Seit 2010 können Armeeangehörige ihre Dienstwaffe kostenlos im Zeughaus hinterlegen und wer nach Dienstpflichtende die Waffe behalten möchte, braucht einen Waffenerwerbsschein.[16]

Die Möglichkeit, dass ausgemusterte Soldaten ihre persönliche Waffe in ihr Eigentum ĂŒbernehmen können, hat mit dazu gefĂŒhrt, dass die Schweiz eine hohe Dichte an Feuerwaffen aufweist. Nach Angaben der Logistikbasis der Armee befanden sich am 30. November 2010 total 654'562 Armeewaffen zu Hause bei den WehrmĂ€nnern/Frauen.[17]

Ein Missbrauch dieser persönlichen Waffen kommt im VerhĂ€ltnis zur grossen Anzahl verfĂŒgbarer Waffen (mit geschĂ€tzten 2,3 bis 4,5 Millionen Waffen in Privatbesitz[18]) relativ selten vor.[19][20] Am hĂ€ufigsten ist der missbrĂ€uchliche Einsatz bei Selbsttötungen. Im Zeitraum zwischen 1996 und 2005 wurden in der Schweiz 3'410 Suizide mittels Schusswaffen begangen.[21] Nach verschiedenen Studien wurden ĂŒber 40 % dieser Schusswaffensuizide mit Armeewaffen verĂŒbt.[22] Das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) kam im „Faktenblatt Suizide“ aufgrund der Auswertung von vier wissenschaftliche Studien auf einen Wert von 49 %.[23] Kurz darauf hat das BAG das „Faktenblatt Suizide“ wieder von der Website entfernt. Das Bundesamt fĂŒr Statistik gibt auf seiner Internetseite an, dass im Jahr 2009 nur 9 % der Schusswaffensuizide mit Armeewaffen (Sturmgewehr und Armeepistole) verĂŒbt worden sind.[24] Um diese Angabe entstand eine Kontroverse, da die Zuordnung der Waffen zu den verschiedenen Kategorien nicht schlĂŒssig erscheint[23][25] und auch das Bundesamt fĂŒr Statistik selbst weist in einem Dokument[26] auf Probleme mit der VollstĂ€ndigkeit und QualitĂ€t der Angaben hin.

Uniform

Die Uniform und AusrĂŒstung weist einen hohen Grad an Einheitlichkeit ĂŒber alle Truppengattungen und Dienstgrade hinweg aus. Vom Rekruten bis zum Korpskommandanten tragen grundsĂ€tzlich alle AdA die gleiche Uniform. Nur bei Spezialisten und in besonderen EinsĂ€tzen werden Teile der Uniform dem Einsatzzweck entsprechend angepasst.

Meist tragen die Soldaten im Dienst den Tarnanzug («TAZ 90»), das sind Hose und Jacke mit Tarnaufdruck. Mechanisierte Truppen tragen im Einsatz einen Einteiler (Combinaison) mit eingenĂ€htem Gurtzeug, das die Bergung aus Fahrzeugen erleichtert. Dazu kommen als Kopfbedeckung eine MĂŒtze oder Helm (mit TarnĂŒberzug), oder das BĂ©ret, dessen Farbe von der Truppengattung abhĂ€ngt.

Das Namensschild sowie die Rang- und Funktionsabzeichen auf dem Kampfanzug sind aus Stoff von oliver Grundfarbe. Sie werden mit Klett an den dafĂŒr vorgesehenen Stellen auf dem Kragen, beziehungsweise auf der linken Brust befestigt. Der Badge, das Verbandsabzeichen (in der Regel der Stufe Bataillon) wird auf dem rechten Ärmel getragen, das Abzeichen des Grossen Verbandes am BĂ©ret.

Die Ausgangsuniform 95 («AusgĂ€nger») besteht einheitlich aus hellgrauem Hemd kombiniert mit dunkelgrauem Jackett und hellgrauer Hose mit einem seitlichen schwarzen Naht-Streifen von etwa 3 mm Breite. Bei Generalstabsoffizieren ist dieser Streifen etwa 5 cm breit. Höhere Stabsoffiziere (ab «1-Sterne-General»/Brigadier) tragen zwei solche breite schwarze Streifen, je einer links und einer rechts der Hosennaht.

Übriges

Das bis 2009 abgegebene Taschenmesser fĂŒr die Schweizer Armee, mit Aluminium- statt Kunststoffabdeckung

DarĂŒber hinaus gehört zur AusrĂŒstung jedes Soldaten:

  • die Grundtrageinheit, eine Art GĂŒrtel mit Munitionstaschen und einer grossen Tasche fĂŒr
  • die Schutzmaske.
  • kleine Taschen fĂŒr den Gehörschutz (Pamir), Taschenlampe, Kompass etc.
  • ein Bajonett, sofern der Soldat mit einem Sturmgewehr ausgerĂŒstet ist.
  • die Erkennungsmarke («Grabstein»)
  • ein Taschenmesser. Jeder Soldat erhĂ€lt das gleiche Modell, ein spezielles Offiziersmesser gibt es nicht. Seit MĂ€rz 2009 wird den Rekruten ein neues Armeemesser abgegeben. Es verfĂŒgt an der Klinge ĂŒber ein spezielles Loch, damit es einfach mit dem Daumen geöffnet werden kann. Ausserdem hat es eine olivgrĂŒne Farbe bekommen.

Geschichte

Entwurf fĂŒr die neuen eidgenössischen Fahnen 1840/41
Eidgenössisches MilitÀrlager in Wohlen 1820
Kantonale Truppen Kanton ZĂŒrich mit eidgenössischer Armbinde 1854
General Guillaume-Henri Dufour und der eidg. Generalstab wÀhrend des Sonderbundskrieges 1847
ScharfschĂŒtzen der Schweizer Armee 1862
General Hans Herzog, 1870, mit eidgenössischer Armbinde
Korpskommandant Ulrich Wille 1909
Ordnungsdienst: Einsatz der Armee gegen streikende Arbeiter in ZĂŒrich 1918
Die nach dem Ersten Weltkrieg eingefĂŒhrten neuen feldgrauen Uniformen mit Stahlhelm, getragen bis in die 1960er Jahre
Kampfanzug der Schweizer Armee 1960er bis 1990er Jahre, sog. «Vierfrucht-Pyjama»
KĂ€ppi von General Henri Guisan. Diese Form der OffiziersmĂŒtze wird im Volksmund «steifer Hut» genannt.

Helvetik und Mediation

Die erste gesamteidgenössische Armee wurde 1798 in der Helvetischen Republik begrĂŒndet. Sie war auf der Basis der allgemeinen Wehrpflicht in ein stehendes Heer, die «Helvetische Legion», und ein Milizheer gegliedert. Daneben war die Helvetische Republik durch einen Allianzvertrag mit Frankreich verpflichtet, der Republik rund 18'000 Mann als Söldner zu stellen (33 Bataillone Infanterie, 3 Schwadrone Kavallerie, 1 Batterie). Die Armee wurde mehrfach im Innern eingesetzt, so 1802 gegen aufstĂ€ndische Kantone unter General Joseph Leonz Andermatt.

Durch die Mediationsakte wurde die Helvetische MilitĂ€rorganisation 1803 aufgehoben. Einzige stĂ€ndige zentrale Instanz war nun der eidgenössische Generalstab, der die von den Kantonen gestellten Kontingente im Falle eines Auszuges koordinieren und fĂŒhren sollte. 1805 wurde das erste eidgenössische Dienstreglement erlassen, das durch eine gewisse Standardisierung des Dienstbetriebs die Zusammenarbeit der kantonalen Truppen verbessern sollte. Auch wĂ€hrend der Mediationszeit blieb die Schweiz durch einen Allianzvertrag mit Frankreich verbunden und stellte vier Regimenter in französischen Diensten, die wĂ€hrend der napoleonischen Kriege vor allem in Spanien und Russland schwere Verluste erlitten. WĂ€hrend der Herrschaft der Hundert Tage nahm die Schweiz am Krieg gegen Frankreich teil und das eidgenössische Heer drang unter General Niklaus Franz von Bachmann in die Freigrafschaft vor. Der Feldzug scheiterte jedoch an der mangelhaften Organisation und Koordination der kantonalen Truppen.

MilitÀrreglement von 1817

Durch den zweiten Pariser Frieden 1815 wurde die schweizerische NeutralitĂ€t von den GrossmĂ€chten anerkannt. Der Bundesvertrag von 1815, der an die Stelle der Mediationsakte trat, sah ebenfalls keine gesamteidgenössische Armee vor, sondern beliess die MilitĂ€rhoheit bei den Kantonen. Die eidgenössische Tagsatzung beschloss 1817 die Schaffung eines Bundesheeres mit einem gemeinsamen MilitĂ€rreglement. Dabei wurde das Milizprinzip festgelegt, nur die Instruktoren waren Berufssoldaten. Der Bestand der eidgenössischen Armee war auf 32'886 Mann festgelegt. Die Armeeteile wurden in den Kantonen rekrutiert, deren Kontingente im Bundesvertrag im § 2 festgeschrieben waren. Im Prinzip war vorgesehen, dass zwei MĂ€nner auf 100 Einwohner gestellt werden sollten. Die Rekruten wurden auf unterschiedliche Weise, meist durch ein Losverfahren bestimmt, wobei die MĂ€nner sich freikaufen oder einen Ersatzmann stellen konnten. Ein General als Oberkommandant wurde durch die Tagsatzung erst im Falle einer Mobilmachung der Bundesarmee gewĂ€hlt.

Als erste dauerhafte MilitĂ€rbehörde schuf die Tagsatzung 1817 die MilitĂ€raufsichtsbehörde im Nebenamt unter Vorsitz des Vorortes, die sich unter anderen aus dem Oberstquartiermeister, dem Oberstartillerieinspektor und dem OberstkriegskommissĂ€r zusammensetzte. Bei einer Mobilisierung der Truppen bildete diese Behörde den sog. Kriegsrat. WĂ€hrend zuerst einzig die Armbinde mit dem Schweizerkreuz als verbindliches Identifikationselement der kantonalen Truppen festgelegt war, wurden Uniformen und AusrĂŒstung mit der Zeit stĂ€rker vereinheitlicht. 1840 ersetzte die eidgenössische Fahne die kantonalen Feldzeichen. Die 1819 gegrĂŒndete eidgenössische MilitĂ€rschule in Thun, gemeinsame Übungslager, gesamtschweizerische Vereine (Offiziersverein, gegrĂŒndet 1833) leisteten einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des schweizerischen Nationalbewusstseins.

In der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts stĂŒtzte sich das schweizerische Wehrwesen noch stark auf die Erfahrungen und die Ausbildung der Offiziere in auslĂ€ndischen Armeen (→Fremde Dienste). Praktisch alle bedeutenden höheren Miliz- und Berufsoffiziere in diesem Zeitraum hatten Erfahrung im Ausland, z. T. auch in Kriegen. Die Bundesverfassung von 1848 verbot allerdings den Kantonen den Abschluss von MilitĂ€rkapitulationen, d. h. es durften keine Schweizerregimenter mehr gebildet werden. Die letzten Schweizer Regimenter wurden in den italienischen Einigungskriegen eingesetzt. Nach der Revision des MilitĂ€rstrafrechts 1927 wurde der Eintritt in «Fremde Dienste» auch dem Einzelnen verboten, wenngleich der Bundesrat Ausnahmen (z. B. fĂŒr die Schweizergarde) aussprechen kann. Seit diesem Zeitpunkt ist es fĂŒr Schweizer nicht mehr möglich, auf legalem Weg militĂ€rische Auslandserfahrung zu machen, wenngleich weiter vereinzelte WehrmĂ€nner, die aus der französischen Fremdenlegion, dem spanischen BĂŒrgerkrieg oder der Waffen-SS zurĂŒckkehrten, ihre Kriegserfahrungen fĂŒr die Ausbildung der Armee nutzbar machten. Es existieren teilweise Sonderregelungen fĂŒr BĂŒrger, die sowohl die Schweizer als auch eine weitere StaatsbĂŒrgerschaft besitzen.[27]

Als am 4. November 1847 die Tagsatzung die gewaltsame Auflösung des Sonderbundes beschloss, wurde der Guillaume Henri Dufour zum General der Bundestruppen ernannt, wĂ€hrend die Sonderbundstruppen Johann Ulrich von Salis-Soglio zum General ihrer Truppen beriefen. Im kurzen Sonderbundskrieg, dem letzten Krieg auf Schweizer Boden, behielt Dufour dank seinem raschen und entschiedenen Vorgehen die Oberhand, so dass nach wenigen Kampfhandlungen der Sonderbund 26 Tage nach Kriegsbeginn kapitulierte. Teile der Sonderbundskantone wurden fĂŒr kurze Zeit mit rund 16'000 Mann aus den liberalen Kantonen besetzt. Die Kriegskosten von rund sechs Millionen Franken mussten von den Sonderbundskantonen getragen werden. Die liberale Mehrheit lehnte 1848 eine BĂŒndnisanfrage von König Karl Albert von Sardinien-Piemont ab, mit einem Hilfsheer von rund 50'000 Mann am Krieg gegen das konservative Kaisertum Österreich in der Lombardei teilzunehmen. So blieb der Sonderbundskrieg der letzte kriegerische Einsatz der Schweizer Armee.

MilitÀrorganisation 1850

Die Bundesverfassung von 1848 bzw. die MilitĂ€rorganisation von 1850 setzte neu die allgemeine Wehrpflicht fest und legte eine gewisse Zentralisierung des Wehrwesens fest. Gleichzeitig behielten die Kantone wichtige Kompetenzen im Wehrbereich. Die MilitĂ€raufsichtsbehörde wurde durch das MilitĂ€rdepartement ersetzt und der Bund ĂŒbernahm den gesamten höheren Unterricht der Offiziere und Unteroffiziere sowie die Ausbildung aller Waffengattungen ausser der Infanterie, die aber den grössten Bestand aufwies. Die Kantone mussten weiter die AusrĂŒstung ihrer Soldaten beschaffen und bezahlen. Die Rekrutierung erfolgte auch nach 1848 im Widerspruch zur Bundesverfassung durch eine Stellungsquote, die gegenĂŒber 1815 jedoch leicht erhöht wurde, so dass der Gesamtbestand der Bundestruppen nun rund 100'000 Mann ergab. Weiter blieb die Rekrutierung in den Kantonen unterschiedlich geregelt. 1862 grĂŒndete der Bund als weitere zentrale Institution die eidgenössische Schiessschule, die 1875 in Walenstadt angesiedelt wurde. 1857 wurde die Stelle eines Oberinstruktors der Infanterie geschaffen, der den Eidgenössischen Stab leitete. 1865 folgte die Einrichtung des Eidgenössischen StabsbĂŒros. Nach der Grenzbesetzung von 1870/71 anlĂ€sslich des Deutsch-französischen Krieges versuchte Bundesrat Emil Welti angesichts der offen zutage getretenen SchwĂ€che der bisherigen Organisationsform eine völlige Zentralisierung des Wehrwesens herbeizufĂŒhren, scheiterte jedoch 1872 mit seinem Vorhaben in der Volksabstimmung.

MilitÀrorganisation 1874 und 1907

Die Revision der Bundesverfassung von 1874 brachte trotzdem eine weitere Zentralisierung des Wehrwesens unter Beibehaltung des Milizsystems. Der Bund hatte nun die alleinige Kompetenz, Gesetze im MilitĂ€rwesen zu erlassen, der Vollzug lag jedoch weiter bei den Kantonen. Das Kontingentsystem wurde abgeschafft, Infanterie und Kavallerie blieben aber in kantonale Truppenkörper gegliedert. Die neue MilitĂ€rorganisation setzte die allgemeine Wehrpflicht durch und beendete die Praxis der Stellungsquoten. Alleine die Tauglichkeit entschied nun ĂŒber die Rekrutierung der MĂ€nner in den regionalen Divisionskreisen. Der Armeebestand stieg dadurch auf rund 215'000 Mann. Das MilitĂ€rwesen blieb jedoch eine Arbeits- und Ausgabenteilung des Bundes und der Kantone. WĂ€hrend der MilitĂ€runterricht zentralisiert wurde und Bewaffnung und AusrĂŒstung der Armee Bundessache wurden, besorgten die Kantone Kleider und persönliche AusrĂŒstung ihrer Soldaten und bewahrten das Korpsmaterial der kantonalen Truppenkörper auf. Die Armee war nun in Friedenszeiten in acht Divisionen bzw. 16 Brigaden bzw. 32 Regimenter eingeteilt. Nach einer verlĂ€ngerten Rekrutenschule mit unterschiedlicher Dauer je nach Waffengattung fanden neu alle zwei Jahre Wiederholungskurse statt. Die Finanzierung der Armee war angesichts der neuen Bundesaufgaben zunĂ€chst problematisch und war erst ab 1878 durch die EinfĂŒhrung einer MilitĂ€rpflichtersatzsteuer gesichert. Weitere Etappen der Modernisierung des Wehrwesens waren die Organisation des Landsturms 1886 und die Einteilung der Armee in vier Korps 1891.

Angesichts der weltweiten militĂ€rischen Entwicklungen kam es in der Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts zu Spannungen innerhalb des Offizierskorps und der Politik ĂŒber die Weiterentwicklung der Armee nach preussischem Vorbild. Dabei stand die Professionalisierung des Offizierskorps und die VerstĂ€rkung der Erziehung der BĂŒrger zu Soldaten durch Drill und Disziplin im Vordergrund. Die Gegner beklagten sich ĂŒber die undemokratische «Verpreussung» der Armee und «Soldatenschinderei» bei der Ausbildung. Die weitere Zentralisierung des Wehrwesens scheiterte allerdings 1895 erneut in der Volksabstimmung und auch die revidierte MilitĂ€rorganisation von 1907 bzw. die Truppenordnung von 1911 wurden von den Arbeiterparteien heftig bekĂ€mpft, besonders wegen der zunehmenden OrdnungsdiensteinsĂ€tzen der Armee gegen streikende Arbeiter. Die Reformen brachten auf Druck der reformorientierten KrĂ€fte im Wesentlichen eine VerlĂ€ngerung der Rekruten- und Kaderschulen sowie der Wiederholungskurse. Die Kantone stellten weiterhin die Kompagnien und Bataillone der Infanterie bzw. die Schwadrone der Dragoner und ernannten deren Offiziere. Die Reorganisation des Aufbaus der Armee sah nun drei Armeekorps mit insgesamt sechs Divisionen bzw. 18 Brigaden bzw. 36 Regimenter vor. Ab der Stufe Brigade galt dabei fĂŒr die Offiziere das Milizprinzip. 1914 wurde die schweizerische «Flugwaffe» und der Motorwagendienst anlĂ€sslich der Grenzbesetzung unter dem Kommando von General Ulrich Wille improvisiert. Auch wĂ€hrend des Krieges kam es zu Spannungen zwischen der Armee und der Arbeiterschaft, besonders anlĂ€sslich des Landesstreiks 1918.

Zweiter Weltkrieg und Armee 61

In der Zwischenkriegszeit wurde die Schweizer Armee durch ungenĂŒgende Finanzmittel, ihre schwerfĂ€llige Organisation und politische KĂ€mpfe zwischen den bĂŒrgerlichen Parteien und den Arbeiterparteien geschwĂ€cht. Erst nach der Verschlechterung der internationalen Lage 1936 konnten diese GrĂ€ben ĂŒberwunden werden und die neuerliche AufrĂŒstung und Modernisierung der Armee in Angriff genommen werden. Die Truppenorganisation von 1938 brachte eine weitere VerlĂ€ngerung der Ausbildungszeiten und einen verĂ€nderten Aufbau. Die drei Korps der Armee erhielten operative Aufgaben, drei selbstĂ€ndige Gebirgsbrigaden wurden gebildet, acht Grenzbrigaden sowie motorisierte VerbĂ€nde. Weiter investierte die Schweiz stark in permanente Befestigungsanlagen. Auf der Basis der drei Festungen St-Maurice, Gotthard und Sargans entwarf General Henri Guisan wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges das Schweizer Reduit als neue Abwehrstrategie. Im Gegensatz zu frĂŒheren ArmeeeinsĂ€tzen anlĂ€sslich von Kriegen in NachbarlĂ€ndern der Schweiz sprach man 1939 bis 1945 nicht mehr von einer «Grenzbesetzung» sondern von «Aktivdienst».

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schweizer Armee massiv aufgerĂŒstet, starke KrĂ€fte innerhalb der Armee strebten sogar die AusrĂŒstung der Luftwaffe mit Atomwaffen an. Als Weiterentwicklung der Reduit-Strategie setzte die Schweizer Armee nun auf Abschreckung (Dissuasion). Die Truppenorganisation von 1961 («Armee 61») schuf neue Heereseinheiten, die den EinsatzrĂ€umen angepasst waren (Grenzdivisionen, Felddivisionen, Mechanisierte Divisionen, Gebirgsdivisionen, Grenzbrigaden, Festungsbrigaden, Reduitbrigaden). Je drei Divisionen ergaben ein Feldarmeekorps bzw. ein Gebirgsarmeekorps. Die neue Einsatzdoktrin der Armee, die TruppenfĂŒhrung 1969, sah fĂŒr den Kriegsfall eine flĂ€chendeckende Rundumverteidigung durch eine Kombination von Verteidigung und Gegenangriff vor, ein Kompromiss zwischen statischer Raumverteidigung und beweglicher KampffĂŒhrung. Der Bestand der Milizarmee stieg dabei durch die VerlĂ€ngerung der Dienstzeit bis auf 880'000 Mann. Unter Einsatz betrĂ€chtlicher Finanzmittel wurde die Schweizer Armee wĂ€hrend des Kalten Krieges mit modernsten Waffensystemen ausgerĂŒstet (z.B. Bloodhound-Luftabwehrlenkwaffen). Auch die FestungsbautĂ€tigkeit wurde fortgesetzt. KostenĂŒberschreitungen bei der Beschaffung von ArmeegerĂ€ten fĂŒhrten dabei wiederholt zu politischen AffĂ€ren. Daneben gab es in der Nachkriegszeit eine neuerliche «Demokratisierung» der Armee mit Abkehr von preussischen Methoden wie Drill, Taktschritt etc. und der EinfĂŒhrung vereinfachter Umgangsformen. Auch die Uniformen wurden den modischen und militĂ€rischen Weiterentwicklungen angepasst.

Armee 95 und Armee XXI

Der Fall der Berliner Mauer 1989 leitete das Ende der Geistigen Landesverteidigung ein. Es begann eine bis heute anhaltende Debatte innerhalb der Armee, der Politik und der Öffentlichkeit ĂŒber die AuftrĂ€ge der Armee, sowie die dazu nötige Bewaffnung und MannschaftsstĂ€rke. Die rund 36 Prozent Ja-Stimmen fĂŒr die Armeeabschaffungs-Initiative in der Volksabstimmung vom 26. November 1989 stĂ€rkten die reformorientierten KrĂ€fte in der Armee. Der «Sicherheitspolitische Bericht 1990»[28] setzte Friedensförderung und internationale Kooperation als neue Aufgabe neben den klassischen Armeeaufgaben fest. Die Armee suchte ihre Existenz auch zu rechtfertigen, indem sie Assistenzdienste in Inland bei KatastrophenfĂ€llen in den Vordergrund stellte. Die auf dieser Basis als Kompromiss zwischen Reformern und Bewahrern eingefĂŒhrte «Armee 95» setzte als Grenze fĂŒr die Wehrpflicht das 42. Altersjahr fest und reduzierte den Armeebestand auf 400'000 Mann. Durch eine VerkĂŒrzung der Dienstdauer lockerte sich der Griff der Armee auf die mĂ€nnliche Bevölkerung etwas. Die Armee passte ihre Organisation verĂ€nderten taktischen Gegebenheiten an und erarbeitete eine neue Einsatzdoktrin, die im Kriegsfall eine dynamische anstelle einer flĂ€chendeckenden Rundumverteidigung vorsah und zu diesem Zweck eine stĂ€rkere Mechanisierung der Armee initialisierte.

Zahlreiche SchwĂ€chen der Armee 95 sowie die fehlende politische Bereitschaft, weiterhin eine so grosse Armee zu finanzieren, fĂŒhrten Ende der 1990er Jahre zu einem weiteren Reformschritt, der nach heftigen WiderstĂ€nden innerhalb der Armee und aus konservativen politischen Kreisen in der sog. Armee XXI umgesetzt wurde. Die Basis dafĂŒr bildete der «Sicherheitspolitische Bericht 2000»[29], der unter anderem festhielt, dass die Sicherheit der Schweiz nur durch internationale Kooperation gewĂ€hrleistet werden könne.

Mobilmachungen

Seit 1907 ist die Bundesversammlung dafĂŒr zustĂ€ndig, den Aktivdienst sowie die Mobilmachung von Teilen oder der gesamten Armee zum Aktivdienst anzuordnen. Nur in dringenden FĂ€llen kann der Bundesrat den Aktivdienst anordnen. Sofern das Aufgebot 4'000 Armeeangehörige ĂŒbersteigt oder lĂ€nger als drei Wochen dauert, muss unverzĂŒglich die Bundesversammlung einberufen werden, die ĂŒber die Aufrechterhaltung des Aktivdienstes entscheidet.

Den Rang und die Bezeichnung General (Vier-Sterne-General) gibt es in der Schweizer Armee nur bei einer Kriegsmobilmachung. Die Vereinigte Bundesversammlung wÀhlt aus den Reihen der Armeeangehörigen (meistens Korpskommandanten, prinzipiell ist auch ein gewöhnlicher Soldat wÀhlbar) einen General als Oberbefehlshaber der Armee. Der Bundesrat bleibt jedoch auch nach der Wahl des Generals die oberste vollziehende und leitende Behörde.

Insgesamt fanden vier Generalmobilmachungen (GMob; auch Kriegsmobilmachung; KMob) zum Schutze der IntegritĂ€t und der NeutralitĂ€t der Schweiz statt. Die erste Generalmobilmachung war 1856 beim Neuenburgerhandel aufgrund einer direkten drohenden Haltung Preussens notwendig. Die zweite Generalmobilmachung fand anlĂ€sslich des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 unter der FĂŒhrung von General Hans Herzog statt. Als Reaktion auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und um einen deutschen oder französischen Durchmarsch durch die Schweiz zu verhindern, beschloss die Vereinigte Bundesversammlung am 3. August 1914 die erneute Generalmobilmachung der Armee und wĂ€hlte den deutschfreundlichen Oberstkorpskommandanten Ulrich Wille zum Oberbefehlshaber und General. Die vierte Generalmobilmachung der Armee fand am 1. September 1939 als Reaktion auf den deutschen Überfall auf Polen statt. Der frankophone Westschweizer Henri Guisan wurde zum General gewĂ€hlt und entwickelte sich in den Kriegsjahren zur Hauptintegrationsfigur der von den AchsenmĂ€chten eingeschlossenen Eidgenossenschaft.

Die Schweizer Armee war im Zweiten Weltkrieg in LuftkĂ€mpfe mit der deutschen Luftwaffe wie auch mit der US-Luftwaffe verwickelt, da die Schweiz keine ÜberflĂŒge amerikanischer Bomber von Italien nach Deutschland dulden wollte. Ansonsten wurde der moderne Schweizerische Bundesstaat seit seiner GrĂŒndung 1848 terrestrisch auf eigenem Territorium nicht mit offenen Angriffen feindlicher KrĂ€fte konfrontiert.

Ordnungsdienst-EinsÀtze im Landesinnern

→ Hauptartikel: Aktivdienst

Die Schweizer Armee wurde wiederholt zur Niederschlagung von Streiks und Demonstrationen im Inland eingesetzt. Die bekanntesten EinsÀtze dieser Art waren:

Kontroversen um die Schweizer Armee

Nachkriegszeit und Kalter Krieg

Bereits in den spĂ€ten 1950er Jahren bildete sich eine Opposition gegen die damals geplante AufrĂŒstung der Schweizer Armee mit Kernwaffen. Eine Initiative aus pazifistischen Kreisen wurde 1962, eine weitere Initiative der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz 1963 von Volk und StĂ€nden abgelehnt. Die Option einer nuklearen Bewaffnung wurde erst ab 1976 mit der Zustimmung des StĂ€nderats zum Atomwaffensperrvertrag endgĂŒltig aufgegeben.

Zur selben Zeit sorgte auch die Mirage-AffĂ€re fĂŒr grosses Aufsehen. Aufgrund von grossen KostenĂŒberschreitungen bei der Beschaffung des Kampfflugzeuges Mirage sah sich die Armee zu einer Reduktion der Bestellung gezwungen, womit die gesamte Konzeption der Armee 61 infrage gestellt war. Eine direkte Konsequenz der Mirage-AffĂ€re war die Ausgliederung der Kriegstechnischen Abteilung aus der Armee in einen Departementsbereich Gruppe fĂŒr RĂŒstungsdienste (ab 1994 Gruppe RĂŒstung, seit 2004 armasuisse). Auch bei spĂ€teren Beschaffungen kam es zu KostenĂŒberschreitungen und öffentlichen Kontroversen, etwa im Fall der Leopard 2-Panzer und der neuen Lastwagen der Firma Saurer.

In der Zeit des Kalten Kriegs wurde oft in Frage gestellt, ob die Armee bei einem zu erwartenden Atomkrieg ĂŒberhaupt etwas ausrichten könne.

Seit 1982 verfolgt die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) das Ziel, die Schweizer Armee abzuschaffen. Auf ihre Volksinitiativen hin konnten die Schweizer bereits zweimal ĂŒber die Auflösung der Armee abstimmen. Bei der ersten Abstimmung 1989 erreichte die GSoA mit 35,6 Prozent Ja-Stimmen einen Achtungserfolg, der massgeblich zu einem Umdenken innerhalb der ArmeefĂŒhrung beitrug. Nach der Reform Armee 95 war das Ergebnis der zweiten Volksabstimmung 2001 zur Abschaffung der Armee mit nur 23,2 Prozent Ja-Stimmen ein klares Votum fĂŒr die Beibehaltung der Armee.

Nach dem kalten Krieg

Als im FrĂŒhjahr 1992 beide Kammern des Parlaments der Beschaffung von 34 Kampfflugzeugen des Typs F/A-18 zugestimmt hatten, gelang es der GSoA nach eigenen Angaben innert 32 Tagen fast 500'000 Unterschriften fĂŒr eine Initiative gegen dieses Vorhaben zu sammeln.[30][31] Armeekreise bekĂ€mpften auch diese zweite GSoA-Initiative. Sie wurde als Armeeabschaffung in Raten bezeichnet. Die zweite GSoA-Initiative wurde am 6. Juni 1993 abgelehnt, allerdings waren 42,9 % der Abstimmenden fĂŒr einen Verzicht auf die Flugzeuge.

Sowohl auf bĂŒrgerlicher als auch auf linker Seite umstritten sind EinsĂ€tze der Schweizer Armee im Ausland. Die Rechte argumentiert mit der NeutralitĂ€t der Schweiz, die Linke mit einem grundsĂ€tzlichen Pazifismus. 2001 vertraten die GSoA und die politische Vereinigung Aktion fĂŒr eine unabhĂ€ngige und neutrale Schweiz die Nein-Parole bei der Referendumsabstimmung zur möglichen Bewaffnung der im Ausland eingesetzten Truppen. Das Volk nahm die Vorlage des Bundesrates mit 51 Prozent Ja-Stimmen an.

Da es im heutigen Europa seit dem Ende des Kalten Krieges fĂŒr die Schweiz und Europa keine direkte militĂ€rische Bedrohung gibt, wird immer wieder in Frage gestellt, ob die Schweiz ĂŒberhaupt eine bewaffnete Streitmacht braucht.

RegelmĂ€ssig gibt die Wehrgerechtigkeit Anlass zur Diskussion. Dabei werden zuweilen hohe, vermeintlich wachsende Untauglichkeitsraten (40 % der Wehrdienstpflichtigen laut einer Meldung auf Tages-Anzeiger-Online vom 12. September 2006[32]) als Argumente ins Feld gefĂŒhrt. Ein Grund dafĂŒr mag sein, dass aufgrund des neuen Rekrutierungsverfahrens, das seit 2004 zur Anwendung kommt, ein höherer Anteil bereits vor der Rekrutenschule fĂŒr militĂ€rdienstuntauglich erklĂ€rt wird (2006: 65 %, im Vergleich zu 2001/2002: 80 %). Der daraus hĂ€ufig gezogene Schluss, die Tauglichkeit sei im RĂŒckgang begriffen, stimmt insofern nicht, wenn die Werte nach der Rekrutenschule beigezogen werden. Hier sind die Werte stabil (2006: 60 %, im Vergleich zu 2001/2002: 58 %).[33] Unter der BerĂŒcksichtigung der Zivilschutztauglichen (2006: 16 %) sind also immer noch gut drei Viertel eines Jahrganges diensttauglich.

Eine weitere Kontroverse betrifft die von den Armeeangehörigen privat aufzubewahrende persönliche Waffe. Nachdem mehrere FĂ€lle von Missbrauch durch die Medien gingen, verlangten linksgerichtete NationalrĂ€te im Jahre 2006, in der Waffengesetzrevision den Armeeangehörigen das Aufbewahren der persönlichen Dienstwaffe zu Hause zu verbieten. Die bĂŒrgerliche Mehrheit verwarf diesen Antrag mit der BegrĂŒndung, eine solche Massnahme wĂŒrde den Auftrag der Armee beeintrĂ€chtigen.[34] Der Kanton Genf erlaubte darauf hin, in einem nicht mit dem VBS abgesprochenen Beschluss, das freiwillige Einlagern der Ordonnanzwaffe im kantonalen Zeughaus.[35] Seit Herbst 2007 wird, basierend auf einem Kompromiss im Parlament, die Taschenmunition nur noch an Angehörige spezieller Formationen abgegeben, die innert Stunden mobilisierbar sind.

Im Jahr 2009 wurde der Brigadier Hans-Peter WĂŒthrich auf Beschluss, des gesamt Bundesrates, zum 31. Dezember 2009, im Alter von 61 Jahren, nach ĂŒber 33 Jahren als Berufsoffizier und höheren Stabsoffizier aus der Funktion entlassen. Sodann grĂŒndete Herr WĂŒthrich die Firma "Hans-Peter WĂŒthrich Education GmbH" ( bietet Coaching, FĂŒhrungsausbildung, Beratung und Mediation an), einer seiner Kunden war die Schweizer Armee. Die max. VergĂŒtung dieses Auftrag durfte 45'000 Franken nicht ĂŒberschreiten. Das Beratungsmandat war nicht ausgeschrieben worden und als Direktmandat an Herrn WĂŒthrich vergeben[36]

Ex-Swisscom-CEO Jens Alder erhĂ€lt als Leiter des Steuerungsausschusses Informatik 200'000 Franken.[37] Dabei soll unter anderem ein von der Firma SAP geliefertes Informatiksystem kriegstauglich betriebsbereit gemacht werden.[38] Das Volumen der externen Berater der Firmen Capgemini[39], BearingPoint[39], SAP[39], Abilita[39] und NOVO Business Consultants[39] umfasst ĂŒber 100 Millionen Franken fĂŒr 2010[39].

Die jÀhrlichen Informatikkosten sollen bis zum Jahr 2012 um 20 Millionen, bis 2013 um 40 Millionen und bis 2014 um 60 Millionen Franken gesenkt werden.[40]

Siehe auch

 Portal: Schweizer Armee – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Schweizer Armee

Weblinks

 Commons: Schweizer Armee â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b „EffektivbestĂ€nde der Armee“, Eidgenössisches Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, abgerufen 27. April 2013
  2. ↑ „Grundausbildung“, MilitĂ€rischen Verbindungsstelle der UniversitĂ€t St. Gallen, 4. MĂ€rz 2008, Abgerufen 15. Dezember 2008
  3. ↑ Dienstleistungspflicht, Abgerufen am 15. Dezember 2008
  4. ↑ «Military Switzerland» (engl), CIA World Factbook, 4. Dezember 2008, abgerufen am 15. Dezember 2008
  5. ↑ Abgerufen am 31. Oktober 2013.
  6. ↑ a b Die Armee in Zahlen, Eidgenössisches Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, 6. Oktober 2008, Abgerufen 15. Dezember 2008
  7. ↑ The World Factbook
  8. ↑ Artikel 51 Schweizerische Bundesverfassung
  9. ↑ Zitiert nach dem Dienstreglement 04
  10. ↑ a b c Auftrag der Armee
  11. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Verkauf von ĂŒberzĂ€hligen Leopard 2 Kampfpanzern an Kanada}} Abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  12. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Gleiche Fitness-Beurteilung fĂŒr Mann und Frau}} Schweizer Armee, {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}} (TFR=Test Fitness Rekrutierung): „Da die Frauen in allen Truppengattungen die gleichen minimalen körperlichen Anforderungen erfĂŒllen mĂŒssen wie die MĂ€nner, werden sie beim TFR jetzt auch gleich beurteilt, wobei der Massstab angepasst ist.“
  13. ↑  Anna Chudozilov: Im MilitĂ€r ECTS-Punkte sammeln. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 4. September 2012 (online, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}).
  14. ↑ Art. 6 AO
  15. ↑ Art. 7 AO
  16. ↑ Waffen ab 2010 gratis im Zeughaus deponieren', Artikel in der NZZ vom 27. November 2009
  17. ↑ Übersicht der WaffenbestĂ€nde (ausgeliehen oder in privates Eigentum ĂŒbergegangen), Angaben auf der Website der Logistikbasis der Armee (LBA): Pistole 49 (Stand: 31. Jan. 2007: 1'360 + 105'620 StĂŒck), Pistole 75 (Stand: 30. Nov. 2010: 26'890 + 92'258 + 1'187 StĂŒck), Sturmgewehr 90 (Stand: 30. Nov. 2010: 181'872 + 23'829 + 17'738 + 28'654 StĂŒck), Sturmgewehr 57 (Stand: 30. Nov. 2010: 4'983 + 168'805 + 1'366 StĂŒck), Summe: 654'562 StĂŒck
  18. ↑ Informationsblatt: HĂ€usliche Gewalt und Tatmittel Schusswaffe (PDF) des Eidgenössisches Departement des Innern EDI vom 11. Oktober 2010
  19. ↑ Übersicht Missbrauch von Armeewaffen ausserhalb des MilitĂ€rdienstes (PDF) VBS, Oberauditorat, Stand 26. Juni 2006, am 11. Januar 2011 abgerufen von der Adresse www.schutz-vor-waffengewalt.ch/fileadmin/pdf/Missbrauch_von_Armeewaffen_1998-2002.pdf, am 24. September 2011 nicht mehr erreichbar
  20. ↑ Schlussbericht der Arbeitsgruppe Ordonnanzwaffen (PDF; 443 kB) Eidgenössisches Departement fĂŒr Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, 20. November 2008, Seite 29 ff.
  21. ↑ Trauriger Rekord: Suizid mit Schusswaffen Artikel auf swissinfo.ch vom 8. Februar 20910
  22. ↑ Thomas Reisch: Die Schweiz im glĂŒcklichen Blindflug (PDF) in: Schweizerische Ärztezeitung, 2011;92: 1/2
  23. ↑ a b Fehlschuss der Statistiker Artikel auf 20Minuten online vom 1. Februar 2011
  24. ↑ Tatmittel Schusswaffe – Suizide nach Vorgehensart und Waffentyp, 2009 (Excel-Datei) Dokument des Bundesamts fĂŒr Statistik, Stand der Datenbank: 9. Februar 2010, (siehe auch Kopie im Artikel von 20Minuten online vom 1. Februar 2011)
  25. ↑ BundesĂ€mter stiften Verwirrung um Armeewaffensuizide Artikel des Tagesanzeigers vom 1. Februar 2011
  26. ↑ Tatmittel Schusswaffe (PDF) Publikation des Bundesamtes fĂŒr Statistik vom Dezember 2010
  27. ↑ DoppelbĂŒrger, Informationsseite auf dem Webangebot der Schweizer Armee, abgerufen am 10. April 2013
  28. ↑ Sicherheitspolitischer Bericht 1990 – «Schweizerische Sicherheitspolitik im Wandel» (PDF)
  29. ↑ Sicherheitspolitischer Bericht 2000 – «Sicherheit durch Kooperation» (PDF; 18 kB)
  30. ↑ Eine kleine Geschichte der Schweizer Kampfflugzeuge
  31. ↑ Niklaus Ramseyer: Der F/A-18 macht Ueli Maurer Mut. In: Tages-Anzeiger vom 16. September 2013
  32. ↑ Artikel Tages-Anzeiger Online vom 12. September 2006, Stand: 19. MĂ€rz 2007
  33. ↑ Armee Aktuell 1/2007
  34. ↑ Dossier Tages-Anzeiger Online „Gewehr im Schrank“. Stand: 4. Mai 2007
  35. ↑ Genf erlaubt das Einlagern der Armeewaffe im Zeughaus
  36. ↑ Darum bekam Brigadier Berater Lohn (Blick, 2010)
  37. ↑ VBS-Chef Maurer verteidigt hohe Beraterhonorare (NZZ, 2010)
  38. ↑ Die SVP fordert Transparenz von Ueli Maurer (Berner Zeitung, 2010)
  39. ↑ a b c d e f Vergebene AuftrĂ€ge 382883 (Simap.ch, 2009)
  40. ↑ news.ch: Armee muss bei Informatik sparen, 4. April 2011, Zugriff am 14. September 2011
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