Anders als allgemein bekannt oder vermutet, gab und gibt es in der Schweiz sehr viele Verbindungen. Dazu zählen allerdings nicht nur akademische Korporationen an Hochschulen und Universitäten, sondern auch Pennal- und Mittelschulverbindungen, Berufsvereinigungen, Turn- und Sportvereine, sprachliche, regionale und religiöse Zusammenschlüsse, Abstinenzler und nicht wenige Mädchenverbindungen. Die älteste Studentverbindung in der Schweiz ist die 1806 in Lausanne gegründete Société d’Étudiants de Belles-Lettres.
Artusia Aarau (1910-1912)
Im Helveticus (2000) sind 530 Verbindungen aufgeführt. Viele Zirkel sind ausgesprochen „schwierig“. Der gegenwärtige Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte ist Stephan Aebersold, Mitglied der Berna in Bern.
Dachverbände
Es leben die Füchse und die Jungfrauen!
Die Verbindungen sind oder waren zum Teil in folgenden Dachverbänden zusammengeschlossen:
- Aarburger Cartellverband – ACV[1]
- Abstinente Schweizerische Burschenschaft – ASB
- Aarburger Seniorenconvent – ASC
- Abstinentenverband „Junge Schweiz“ – AVJS
- Falkensteinerbund - FB
- Federazione Goliardica Ticinese – FGT
- Katholischer Deutscher Verband – KDV
- Katholische Deutsche Studentenverbindung – KDStV
- Kartell jüdischer Verbindungen – KJV
- Kösener Senioren-Convents-Verband – KSCV
- Kartellverband katholischer deutscher Studenten - KV
- Ring Katholischer Burschenschaften – RKB
- Ring Katholischer Schweizer Burschenschaften – RKSB
- Schweizerische Akademische Turnerschaft – SAT[2]
- Schweizerischer Bund Abstinenter Mädchen (nach 1926: Iduna) – SBAM
- Schweizerischer Studentenverein – Schw. StV oder StV[3]
- Schweizer Waffenring – SWR
- Weinheimer Senioren-Convent - WSC
Gesamtschweizerische Verbindungen
Postkarte der schweizerischen Studentenverbindung Belles-Lettres, Sektion Lausanne aus dem Jahre 1906 anlässlich des 100jährigen Bestehens.
In der Schweiz besteht die Besonderheit, dass viele Verbindungen nicht nur an einem bestimmten Studienort bestehen, sondern als gesamtschweizerische landesübergreifende Verbindungen exsistieren, die in einzelne sogenannte „Sektionen“ an den jeweiligen Studienorten aufgeteilt sind. Es bestehen und bestanden folgende Gesamtschweizerische Verbindungen:
Schlagende Verbindungen
- Kösener Corps
- Tigurinia Zürich
- Erloschene Corps
- Alamannia Basel
- Rhenania Bern
Schweizerische Verbindungen im Ausland
- Belgien: Löwen
- Böhmen: Prag
- Deutschland: Berlin, Dillingen, Eichstätt, Freiburg i. Br., Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Leipzig, Mainz, Mittweida, München, Münster, Reutlingen, Strelitz, Stuttgart, Tübingen, Würzburg
- Frankreich: Delle, Évians-les-Baines, Paris, Straßburg, Thonon
- Italien: Como, Mailand, Monza, Rom, Turin
- Österreich: Innsbruck, Wien
Literatur
- Lynn Blattmann, Rudolf Braun: Formen sind kein leerer Wahn – Verhaltenskultur der schweizerischen Studentenverbindungen 1880–1920. Zürich 1990/91 (Konstanz 1997)
- Robert Develey: Geschichte der schweizerischen corporierten Studentenschaft im 19. Jahrhundert. 2 Bände, Bern 1995
- Peter Hauser: Das Ostschweizer Kartell. Studentica Helvetica 7 (1991), S. 7-26
- Herbert Lüthy: Waffenstudententum und Corpswesen in der Schweiz. Handbuch des Kösener Corpsstudenten, 4. Ausgabe (1953), S. 125-131
- Peter Platzer: Der Aarburger Cartellverband. Studentica Helvetica. Documenta et Commentarii Nr. 15, Bern 1994
- Peter Platzer, Gottfried Wirth: Helveticus – Verzeichnis Schweizerischer Verbindungen. Bern 2000
- Peter Platzer: Jüdische Studentenverbindungen in der Schweiz, 3. Auflage. Hilden 2009
- Max Richter: Auf die Mensur! Geschichte der schlagenden Korporationen der Schweiz. Beitrag zum Schweizer akademischen Leben und zum Waffenstudententum des Auslandes. Zürich 1978
Einzelnachweise
- ↑ Der ACV ging 1925 ein.
- ↑ Der Wahlspruch aller Schweizer Turnerschaften ist: (Orandum est ut sit) mens sana in corpore sano (Martial)
- ↑ Der Schweizerische Studentenverein ist der Verband zumeist katholischer Mittel- und Hochschulverbindungen in der Schweiz und als solcher der grösste Verband couleurtragender Verbindungen in der Schweiz.
- ↑ Zofingia hat viele Sektionen an Mittel- und Hochschulen.
Weblinks