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Schweizerischer Studentenverein

Der Schweizerische Studentenverein (Abk: Schw. StV [ ˈʃʍeː ʃ ʂəfɐu] oder StV), franz. SociĂ©tĂ© des Étudiants Suisses (SES) ist ein Verein von farbentragenden Studentinnen und Studenten und Dachverband von Studentenverbindungen, die Sektionen genannt werden, an UniversitĂ€ten, Fachhochschulen und Gymnasien in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien. Ehemalige Sektionen bestanden in Belgien, Frankreich und Tschechien. Sein Wahlspruch ist: Virtus, Scientia, Amicitia!

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der StV wurde am 31. August 1841 als Dachverband der katholisch-konservativen, farbentragenden, nichtschlagenden Verbindungen der Schweiz gegrĂŒndet und trĂ€gt seit 1851 ein rot-weiss-grĂŒnes Band und seit 1861 eine Rote MĂŒtze, wobei die Schattierung des Rot und das MĂŒtzenformat den Sektionen freigestellt sind. Die ersten vier Sektionen des StV entstanden 1843. Es sind dies (in chronologischer Reihenfolge) die Sektionen Freiburg im Üechtland (heute GV ZĂ€hringia), Schwyz (GV Suitia), Luzern (AV Semper Fidelis) und Freiburg im Breisgau (AV Helvetia Friburgensis).

Sektionen bestehen nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in der französischsprachigen Schweiz und weiteren LÀndern. Der StV entstand 1841 als politische Sammelbewegung christlich-konservativer Studierenden und damit implizit als Gegensatz zum Schweizerischen Zofingerverein, der eine politisch radikale (das heisst progressiv-liberale) Grundhaltung einnahm. Der StV wollte dementsprechend christliche, konservative KrÀfte gegen Liberalismus und Radikalismus sammeln. Nach dem Sonderbundskrieg 1847 waren es aber Mitglieder des StV, die zur Einigung der Schweiz beitrugen.

Der Studentenverein verstand sich selbst immer als Verein politisch aktiver Mitglieder. Beinahe alle christdemokratischen BundesrÀte stammen aus dem StV. Die politische Ausrichtung auf den katholischen Konservatismus geriet seit 1970 mehr und mehr in den Hintergrund. Heute steht der Verein offiziell nicht mehr nur der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) nahe, das politische Spektrum der Mitglieder hat sich den anderen Parteien geöffnet.

Der Verein wurde 1873 im so genannten Kulturkampf zu einem katholisch-konfessionellen Verein. Seit 1977 ist dieses Prinzip in christlich geÀndert worden, so dass Protestanten wieder Vollmitglied werden können. Seit 1968 nimmt der StV auch Studentinnen auf. Schutzpatron des Vereins ist der heilige Bruder Klaus.

Der StV hat ein Freundschaftsabkommen mit dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen und dem Cartellverband der katholischen österreichischen Studentenverbindungen, das sog. DreiverbÀndeabkommen. Der StV ist auch Mitglied im EuropÀischen Kartellverband der christlichen StudentenverbÀnde (EKV).

Organisation

Der Verein besteht zur Zeit aus 69 Sektionen in der Schweiz, Deutschland (MĂŒnchen, Freiburg im Breisgau und TĂŒbingen), Österreich (Innsbruck) und Italien (Rom, Mailand). FrĂŒher gab es auch eine Sektion in Belgien (Leuven), Frankreich (Paris), Tschechien (Prag) und weitere an verschiedenen deutschen UniversitĂ€ten (zum Beispiel EichstĂ€tt, MĂŒnster, WĂŒrzburg, Heidelberg). Der StV ist damit der grösste Verband farbentragender Studierender der Schweiz und zĂ€hlt rund 1100 Aktive und 7500 Altherren.

Der StV wurde als Zentralverein gegrĂŒndet und entstand nicht aus einem Zusammenschluss einzelner Verbindungen. Darum sind die einzelnen Mitglieder auch direkt und stimmberechtigt Mitglieder des Gesamtvereins. Das oberste Organ des Verbandes ist die Generalversammlung der Mitglieder. Diese Generalversammlung findet alljĂ€hrlich am sogenannten Zentralfest, dem grössten Fest farbentragender Studenten Europas statt.

Die Generalversammlung (GV) wĂ€hlt das fĂŒnfköpfige Zentralkomitee (CC) mit einem ZentralprĂ€sidenten (CP) und einem Zentralaktuar (CA), einem VizeprĂ€sidenten (VCP), einem Fachhochschul-CC (FHCC) und einem Mittelschul-CC (MCC). Die Amtsdauer ist ein Jahr, Wiederwahl ist möglich, aber nicht ĂŒblich. Das CC leitet die GeschĂ€fte des Vereins. Eine Delegiertenversammlung der Sektionsdelegierten ĂŒbernimmt wĂ€hrend des Jahres bestimmte Funktionen der Generalversammlung. StĂ€ndige und spezielle Studienkomissionen unterstĂŒtzen das Zentralkomitee bei seiner Aufgabe. Die Altherren sind im Altherrenbund (AHB) zusammengeschlossen. Dessen Vorstand, der Altherrenbundsvorstand leitet den Verein. Altherrenbundsvorstand und Zentralkomitee bilden den StV-Rat. Im StV-Rat haben Aktive und Altherren je eine Stimme, nach einer Vertagung eines Gegenstandes können sich die Aktiven gegenĂŒber den Altherren durchsetzen.

PrÀsident des Altherrenbundes seit 2004 ist der Wirtschaftswissenschaftler und Alt-Regierungsrat Ernst Buschor. An der GV 2011 in Sursee wurde als CP David Wolf (AV Steinacher) gewÀhlt, weiters als VCP Silvan Weber (AB Glanzenburger), als CA Andreas Ott (AV Notkeriana), als MCC Sabrina Herzig (AV Staufer) und als CC Julien Meuwly (SA Sarinia).[1]

Die wichtigsten Gruppierungen des StVs

Reform (4)

Die Zeit von 1880 an brachte starke AuswĂŒchse, wie z. B. der Heidelbergerstil, es herrschte absoluter Trinkzwang, FrĂŒhschoppen waren obligatorisch, es gab sehr viele BĂ€lle und Kommerse. Die Folgen waren Bummelsemester, viele Austritte, hohe Kosten und ein sehr schlechter Ruf der Couleurstudenten.

Nach 1900 begann eine Zeit der Reform. Viele StVer wandten sich gegen die obengenannten AuswĂŒchse. Neben der Kommentfrage hatte die Reformbewegung vermehrtes politisches und religiöses Engagement und wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Ziel. An der Generalversammlung (GV) in Pruntrut 1911 wurden einige Erleichterungen, besonders beim Trinken, beschlossen. Die GV in Zug von 1916 beschloss dann die Abschaffung jeglichen Trinkzwangs.

In diesem Zusammenhang entstanden nach den Reform-BeschlĂŒssen 1916 auch Reformverbindungen, deren Ziel es war, den Kommentbetrieb auf ein gesundes Mass zu reduzieren, die politische Bildung zu intensivieren und die religiösen AnlĂ€sse zu pflegen. Die ersten Reformsektionen waren:

Diese Verbindungen treffen sich alljÀhrlich in Luzern zur Reform-Innung.

Block (7)

Als Reaktion auf die Reform entstand 1924 der Block, ein Bund akademischer Kommentverbindungen als Zusammenschluss im Sinne einer Beibehaltung von bewÀhrten Traditionen. Das Blockalphabet:

Das VerhÀltnis zwischen Block und Reform war anfÀnglich sehr gespannt. Der Block verweigerte der Reform den Couleurgruss, Reformer mussten beim Block eine neue Fuchsenzeit durchlaufen usw. Im Laufe der Jahrzehnte aber legten sich die Spannungen weitgehend.

Berner Gruppe (12)

1961 sah der Reformverband sein Ziel erreicht und löste sich auf. Der Block besteht heute nur noch zur Wahrung der Interessen des Gesamtvereins, indem er seine Mitglieder zu einem grösseren Engagement verpflichten will. 1965/66 ergriffen die AV Welfen ZĂŒrich die Initiative und versuchten die Reform neu zu beleben. Die Interessengemeinschaft wurde 1968 zugunsten der GrĂŒndung der Berner Gruppe aufgelöst. Anfangs der 70er Jahre hatte die Berner Gruppe ein recht starkes Gewicht im Gesamtverein.

Neben den ersten 4 Reformverbindungen waren ebenfalls die folgenden Verbindungen Mitglieder dieser Gruppe:

Aber auch die Verbindungen der sog. zweiten Reform arbeiteten in der Berner Reformgruppe mit. Das waren:

Theologenverbindungen, die in loser Form mitarbeiteten:

So waren 1967/68 mit Ausnahme der AV Steinacher St. Gallen faktisch alle deutschsprachigen Hochschulverbindungen, die nicht zum Block gehörten, in der Fraktion der Berner Gruppe, um an der Delegiertenversammlung (DV) und Generalversammlung (GV) ein Gegengewicht zum straff organisierten, schlagkrÀftigen Block zu bilden.

Da die Tendenz, sich auf das Verbindungsleben zu beschrÀnken, sich immer mehr durchsetzte, musste die Berner Gruppe 1981 aus Desinteresse aufgelöst werden.

Reformgruppe (7)

Am 9. Juli 1983 trafen sich die sieben GrĂŒndungssektionen der ersten und zweiten Reform in Fribourg und hoben die Reformgruppe (RG) aus der Taufe. Sie wollten den Mitgliedern damit ein Forum schaffen, wo sie sich nĂ€her kennenlernen und engagieren konnten. Die Reformgruppe wurde anlĂ€sslich der GV Appenzell 1993 offiziell aufgelöst.

Fédération romande (8)

Die Fédération romande ist die Gruppierung aller französischsprachigen Verbindungen und ihrer Altherrschaften. Diese AnnÀherung von Aktiven und Altherren ermöglicht es den welschen StVern, sich in einem gemeinsamen Forum zu begegnen und ihre kulturelle IdentitÀt zu pflegen.

Die Fédération romande will aber nicht ein in sich geschlossenes Gebilde bleiben, sondern sie möchte ein Bindeglied sein, das den französischsprachigen Vereinsmitgliedern einen Bezugspunkt zum StV bietet. Ferner ermöglicht die Fédération romande den welschen StVern, ihre Ideen und Positionen innerhalb des Gesamtvereins zu vertreten. Dabei ist eines ihrer Hauptziele, die Zusammenarbeit zwischen den französischsprachigen Sektionen zu stÀrken und ein gemeinsames Vorgehen zu fördern.

Mitglieder sind:

Gymnasia (16)

Seit Mitte der siebziger Jahre besteht mit der Gymnasia eine Gruppierung der deutschsprachigen Mittelschulverbindungen. Diese Gruppierung nimmt die Interessen der Mittelschulverbindungen im Gesamtverein wahr. Das dreiköpfige GymnasiaprÀsidium organisiert den Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedssektionen und organisiert gemeinsame AnlÀsse.

Die vielen Schattierungen im StV sind sicherlich eine Bereicherung und zeigen, dass es letztlich nicht auf Àussere Einzelheiten ankam und ankommt, sondern auf die gemeinsame Grundhaltung.

FH-Bund (5)

  • 1966 FHV Die Habsburger Brugg/Windisch
  • 1984 FHV Die Nothensteiner St. Gallen
  • 1892 FHV Turania Winterthur
  • 1976 FHV Daltonia Muttenz
  • 1900 FHV Die Ruithonen Burgdorf

Lepontia (3)

  • 1931 SA Lepontia Bernensis (Bern)
  • 1885 SA Lepontia Cantonale Locarno (Luzern)
  • 1915 SA Lepontia Friburgensis (Fribourg-Freiburg)

Mitgliedskorporationen

Es gibt insgesamt mindestens 113 Korporationen, die jemals dem SchwStV angehört haben oder ihm nach wie vor angehören.

Sektionen mit Aktivitas und Altherrenschaft (56)

Sektionen ohne Aktivitas aber mit Altherrenschaft (23)

Sektionen ohne Aktivitas und ohne Altherrenschaft (32)

Legende

Legende
  • Predikat der Verbindung:
    • GV = Gymnasialverbindung (SG)
    • AV = Akademische Verbindung (SA), (CA)
    • AKV = Akademische Kommentverbindung
    • FHV = Fachhochschulverbindung (SHE)
    • SAV / SAKV = Semiakademische Verbindung
    • AB = Akademische Burschenschaft
    • RV = Regionalverbindung
  • Art der Verbindung:
    • G = Gymnasialverbindung
    • I = Ingenieursverbindung
    • A = Akademische Verbindung
  • Sprache der Verbindung:
    • d = deutschsprachig
    • f = französischsprachig
    • i = italienischsprachig
  • Status der Verbindungsmitglieder:
    • m = exklusiv mĂ€nnlich
    • w = exklusiv weiblich
    • m/w = mĂ€nnlich und weiblich

Bekannte Mitglieder (Auswahl)

Heilig- oder seliggesprochene Mitglieder

Aus den Reihen des Schw. StV kommt ein Seliger:

Andere

Eine AufzÀhlung bekannter Mitglieder mit eigenem Wikipedia-Eintrag findet sich in der Kategorie:Korporierter im SchwStV.

Siehe auch

Literatur

  • SĂ©bastien GrĂŒter: Histoire de la SociĂ©tĂ© des Étudiants Suisses. Imprimerie de l'ƒuvre de Saint-Paul, Fribourg, 1916
  • Urs Altermatt (Hrsg): Den Riesenkampf mit dieser Zeit zu wagen... Schweizerischer Studentenverein 1841–1991. Maihof-Verlag, Luzern, 1993, ISBN 3952002720

Weblinks

 Commons: Schw. StV â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Zentralkomitee. Schw. StV. Abgerufen am 29. August 2011.
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