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Seifen (von ahd. seifa âSeife, Harzâ) sind Natrium- oder Kalium-Salze von FettsĂ€uren.[1][2] Als Tenside finden sie Verwendung als Reinigungsmittel, die vor allem zur Körper-, und in gewissem MaĂe auch zur OberflĂ€chenreinigung verwendet werden. Ihre Bedeutung als Waschmittel fĂŒr Textilien haben sie verloren, da sie in hĂ€rterem Wasser unlösliche Calcium- und Magnesium-Salze, die so genannten Kalkseifen bilden. Die FettsĂ€uresalze anderer Metalle nennt man Metallseifen[3][1]; sie haben Bedeutung in verschiedenen Industriezweigen und werden dort beschrieben.
Im Allgemeinen Sprachgebrauch wird unter Seife Feinseife oder Toilettenseife verstanden. Sie sind feste Zubereitungen, die auf Natriumsalzen der FettsÀuren (der Kernseife) basieren.[2]
Erste Hinweise auf Seifenherstellung finden sich bei den Sumerern. Sie erkannten, dass Pflanzenasche (ۧÙÙÙÙŰ© / al-qalya, der Ursprung des Wortes alkalisch; enthĂ€lt Pottasche) vermengt mit Ălen besondere Eigenschaften hat, und schufen die Basis einer Seifenrezeptur. Man vermutet, dass sie den reinigenden Effekt des alkalischen Gemisches ĂŒbersahen und sie als Heilmittel fĂŒr Verletzungen verwendeten. Ăgypter und Griechen ĂŒbernahmen die Anleitung zur chemischen Herstellung, wobei die reinigende Wirkung der Seife erst von den Römern festgestellt wurde. Im alten Testament bei Jesaia wurde der Gebrauch von seifenĂ€hnlichen Produkten aus Fetten und Kaliumsalzen erwĂ€hnt. Plinius beschrieb eine altertĂŒmliche Seife aus Ziegentalk und Holzasche und dass bei den Germanen eine weiche Seifenart im Gebrauch sei. Der Römer Galen fand bei den Galliern einen hĂ€ufigen Gebrauch von seifenĂ€hnlichen Stoffen. Araber verkochten dann im 7. Jahrhundert erstmals Ăl und Lauge miteinander und schufen somit die Seife in ihrer heute bekannten Form. Rasch breitete sich dieses Wissen ĂŒber Europa aus. Frankreich und Spanien gehörten spĂ€ter zu den Zentren der Seifenherstellung weltweit.
Hygiene und Körperpflege waren wichtige Themen. Im Mittelalter war der Besuch des Badehauses sehr beliebt und die Körperreinigung war besser, als gemeinhin angenommen. Erst der Ausbruch von Pest und Cholera fĂŒhrte dazu, dass das Waschen mit Wasser eingestellt wurde. Da die Ăbertragungswege unbekannt waren, war man der Meinung, das Badewasser öffne den Körper fĂŒr die Erreger. Dass es an den dreckigen StraĂen und Rinnsalen vor den HĂ€usern sowie den Ratten lag, erkannte man nicht. Die Trockenreinigung fand ihre Anwendung. Adelskreise verwendeten statt Wasser und Seife Puder und ParfĂŒm. Krankheitserreger, sowie LĂ€use und Flöhe als ĂbertrĂ€ger, konnten sich ungehindert ausbreiten. Bis ins 17. Jahrhundert vertraten Ărzte in Europa die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schade. Kleidung diente als Schutz vor diesen schĂ€dlichen Elementen. Auch das Einpudern erfĂŒllte den Zweck, den Körper nach auĂen hin abzuschlieĂen. UnterwĂ€sche saugte den KörperschweiĂ auf; man dachte, dass der Körper so gereinigt wĂŒrde.
Im 17. Jahrhundert verhalf der französische König Ludwig XIV. der Seife zu neuer BlĂŒte, indem er die besten Seifensieder nach Versailles holte. Er war es auch, der 1688 das noch heute bekannte Reinheitsgebot fĂŒr Seife erlieĂ. Demzufolge galt eine Seife als besonders hochwertig, wenn sie mindestens 72 % reines Ăl enthielt. In der Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden in den französischen StĂ€dten wie Marseille (Stadt mit sehr langer Seifentradition, seit Christi Geburt), Toulon und Lyon gröĂere Seifenfabrikationen. Dem Franzosen Nicolas Leblanc (1742â1806) gelang es erstmals im Jahr 1790, gröĂere Mengen Soda, das die zuvor verwendete Pottasche ersetzen kann, kĂŒnstlich herzustellen. Im Jahr 1829 wurden in Frankreich etwa 4000 Tonnen Seife produziert.[4] Auch in England und Deutschland gab es damals bereits bedeutende Seifenfabrikationen. Damals wurden Seifen auch zur Reinigung von Stoffen, Textilien, Holz verwendet. Auch bei der DampfwĂ€sche von Textilien fand Seife eine Anwendung, nachteilig waren jedoch die Bildung von Kalkseife, daher wurde mit Sodalösung das eingesetzte Wasser vorab kalkfrei gemacht.
1865 entwickelte der Belgier Ernest Solvay das Solvay-Verfahren, das das Leblanc-Verfahren ablöste. So war genĂŒgend Soda fĂŒr die Seifenherstellung vorhanden und Seife wurde zu einem bezahlbaren Produkt. Der Körper konnte nun regelmĂ€Ăig mit Seife gewaschen und von unangenehmen GerĂŒchen befreit werden.
Die traditionelle Seifenherstellung hat in Marseille bis heute Bestand (Savon de Marseille).
Seifen werden in der Regel aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Zur Herstellung von Seifen werden ĂŒblicherweise minderwertige Fette verwendet, die auch durch HeiĂpressungen oder durch Extraktion mit Lösungsmitteln gewonnen sein können. HauptsĂ€chlich werden pflanzliche Fette wie Kokosfett, Palmkernfett, Palmöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Maisöl, Sojabohnenöl und tierische Fette wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen, die bei der Tierverwertung anfallen, verwendet.[1]
Zur Herstellung werden Fette mit einer Lauge (wie Natronlauge oder Kalilauge, frĂŒher auch Pottasche oder Soda) gekocht. Man nennt dieses Verfahren Seifensieden, die chemische Reaktion Verseifung. Die Fette werden dabei in Glycerin und in die Alkalisalze der FettsĂ€uren (die eigentlichen Seifen) zerlegt. Die Herstellung erfolgte frĂŒher in offenen Kesseln. Heute werden Seifen bei groĂtechnischer Herstellung in geschlossenen Anlage im kontinuierlichen Betrieb gewonnen.
Die beim Sieden erhaltene zĂ€hflĂŒssige Emulsion wird Seifenleim genannt und mit Natriumchloridlösung versetzt. Dabei trennt sich die Emulsion (Aussalzen) in den aufschwimmenden Seifenkern, der hauptsĂ€chlich die Natriumsalze der FettsĂ€uren enthĂ€lt und in die Unterlauge, die hauptsĂ€chlich ĂŒberschĂŒssige Lauge, Glycerin und gelöstes Kochsalz enthĂ€lt.[3] Der Seifenkern wird durch Abscheidung von der Unterlauge getrennt und mit reichlich Wasser und etwas Lauge aufgekocht, um die restlichen Verunreinigungen herauszulösen. Erneute Aussalzung fĂŒhrt dann zu der Kernseife.
Alternativ lassen sich Seifen direkt aus freien FettsĂ€uren herstellen (Laugenverseifung), indem sie mit Laugen zu ihren Salzen umsetzt werden. Geeignete FettsĂ€uren sind beispielsweise LaurinsĂ€ure, MyristinsĂ€ure, PalmitinsĂ€ure, StearinsĂ€ure, ĂlsĂ€ure und RicinolsĂ€ure.[1]
Die Konsistenz eines Seifenprodukts hĂ€ngt von der KettenlĂ€nge der FettsĂ€uren ab. Langkettige ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren, wie StearinsĂ€ure oder PalmitinsĂ€ure fĂŒhren zu eher festen Konsistenz. Entscheidend ist jedoch, ob sich Kalium- oder Natriumsalze der FettsĂ€uren gewonnen wurden. Wird aus dem Seifenleim durch Zusatz von Natriumchlorid der Seifenkern gewonnen, bildet sich tendenziell eine festere Seife, die Kernseife. Wird hingegen mit Kalilaugen und Kaliumsalzen gearbeitet, bilden sich Kaliumsalze der FettsĂ€uren, die weich bis schmierig und gut mischbar mit Wasser sind. Man erhĂ€lt Schmierseifen.
Kernseife wird in Blöcken geformt und getrocknet. Zur Herstellung von ToiletteseifenstĂŒcken werden die Blöcke entweder zu Quadern aufgeschnitten oder grob gemahlen, die StĂŒcke mit Farbstoffen und Duftstoffen und FĂŒllstoffen angeteigt, auf WalzenstĂŒhlen kalandriert (um Luft einzuschlieĂen und schönen Glanz zu erzeugen) und ausgewalzt, die BĂ€nder anschlieĂend in einer HeiĂpresse stranggepresst bzw. extrudiert und aus dem Strang Formen gestanzt und gleichzeitig zu SeifenstĂŒcken gepresst.
Seifen sind eine Mischung verschiedener, lĂ€ngerkettigen Alkalisalze der FettsĂ€uren und zĂ€hlen zu den Tensiden, genauer zu den anionischen Tensiden. Die SeifenmolekĂŒle verdanken ihre Eigenschaften der Tatsache, dass sie aus einer langen, wasserabweisenden (hydrophoben) Kohlenwasserstoffkette und einem wasseranziehenden (hydrophilen) Teil, der sogenannten Carboxylatgruppe (âCOOâ) bestehen. Seifen lösen sich nicht richtig in Wasser, sondern bilden sogenannte Mizellen. In reinem Wasser sind die Mizellen (Abb. 1) sehr klein und nicht zu sehen. Im Inneren dieser kleinsten âTröpfchenâ befinden sich die langen, unpolaren Kohlenwasserstoffketten, wĂ€hrend die polaren Enden in das Wasser hinausragen. Durch die Ladungen, die auf den Enden sitzen, wird ein Zusammenballen der Mizellen verhindert.
Seifen senken die OberflÀchenspannung (allgemeiner: GrenzflÀchenspannung) von Wasser, da sie sich auch an der WasseroberflÀche anordnen (Abb. 2). Durch diesen Benetzungseffekt kann das Wasser deutlich intensiver mit OberflÀchen in Kontakt kommen, wodurch sich die eigentliche Reinigungswirkung der Seife und des Wassers an unzugÀnglichen Stellen erst entfalten kann.
Das âLösen von Fettâ (Ăl, Staub, Schmutz) von der zu reinigenden FlĂ€che und die AbfĂŒhrung dieser ĂŒber das Waschwasser ist die eigentliche reinigende Wirkung der Seifen. Die langen Kohlenwasserstoffketten der SeifenmolekĂŒle lösen sich leicht in kleinen Fetttropfen (Abb. 3). Die polaren Enden ragen jedoch in das umgebende Wasser hinaus. Der Fetttropfen wird von den SeifenmolekĂŒlen schlieĂlich vollstĂ€ndig umhĂŒllt und von der zu reinigenden FlĂ€che abgelöst. Die Vielzahl der so mit SeifenmolekĂŒlen ummantelten Fett- und Ăltropfen bildet im Wasser eine sogenannte Emulsion, die am Ende des Waschvorganges durch AbspĂŒlen mit frischem Wasser abgefĂŒhrt werden kann.
In Leitungswasser können regional erhöhte Konzentrationen an Calcium- und Magnesiumionen gegeben sein. Sie machen dieses Wasser âhartâ und blockieren die polaren Enden der Seife. Es bilden sich im Wasser unlösliche Kalkseifen ohne Waschwirkung, die entweder als weiĂe OberflĂ€chenhaut am Wasserspiegel schwimmen und an den RĂ€ndern absetzen oder sich als weiĂlicher Belag auf verchromten Armaturen absetzen.
Leimseifen (Seifenleim) sind homogene Massen, bei denen nach der Verseifung das Glycerin nicht abgetrennt wird und somit im Produkt enthalten bleibt. Kaltgesiedete Seifen werden gelegentlich als Leimseife angeboten. Dabei werden die Fette und die Lauge bei 40 °C verseift und die Masse unmittelbar danach in ein BehÀltnis gegossen. Es werden viele hausgemachte Leimseifen angeboten.
Kernseifen sind feste Seifen und bestehen in der Regel aus den Natriumsalzen von FettsĂ€uren. Sie werden durch das Aussalzen des Seifenleims gewonnen, wobei das Glycerin abgetrennt wird. Kernseifen sind die meisten handelsĂŒblichen Körperseifen, also auch die Feinseifen. Im Handel werden vor allem billigere, unparfĂŒmierte Seifen âKernseifenâ genannt, welche besonders fĂŒr das Waschen oder Filzen verwendet werden.
Schmierseifen sind flĂŒssige oder halbfeste Seifen, die aus preiswerten Fetten oder Ălen durch Verseifen mit Kalilauge hergestellt werden.[5] Sie sind somit ein Gemisch von Kalium-Salzen von höheren FettsĂ€uren. Sie werden auch FlĂŒssigseife oder historisch Fassseife genannt. Als FlĂŒssigkeiten lassen sie sich leicht zu Wasser hinzufĂŒgen und zu Reinigungszwecken z. B. im Haushalt verwenden. Die Bildung von Kalkseifen ist hier besonders nachteilig, da relativ kleine Seifenmengen mit relativ viel und möglicherweise hartem Wasser versetzt werden.
Vor 1859 unter dieser Bezeichnung bereits bekannt, damals hĂ€ufig aus Leinöl, Rapsöl, Hanföl (grĂŒne Seife) zubereitet.
Feinseifen, oder auch Toilettenseifen sind in der Regel Zubereitungen auf der Basis von reinen, geruchsneutralen Kernseifen und werden hauptsĂ€chlich zum Waschen der HĂ€nde verwendet. Sie sind mit pflegenden ZusĂ€tzen, etwa Lanolin (Wollwachs), sowie ParfĂŒmen und Farbstoffen versetzt. Manchmal werden auch Leimseifen als Feinseifen angeboten.
Bereits vor 1859 war Name und Anwendung von Toilettenseifen bekannt, damals diente der Zusatz von ParfĂŒmölen zur GeruchsĂŒberdeckung von Talgresten in der Seife.
In Werbung und Verkauf hört man hĂ€ufig von sogenannten rĂŒckfettenden Seifen. Diese Seifen sollen angeblich beim normalen Waschvorgang â der zur Entfettung der Haut fĂŒhrt â wieder ârĂŒckfettendâ wirken, also Fette an die Haut zurĂŒckgeben. Dazu werden bei den Feinseifen (Hauptbestandteil: Kernseife) oft Fette hinzugefĂŒgt, oder bei den so genannten kaltgesiedeten Seifen bei der Verseifung ein Ăberschuss von Fetten eingesetzt, so dass nicht sĂ€mtliche Fette verseifen, aber die ganze Lauge aufgebraucht wird.
Die rĂŒckfettende Wirkung ist jedoch zweifelhaft, da diese Fette bereits komplett in Seife gebunden sind und sich mit dem Waschwasser wegspĂŒlen lassen. Die angeblich ârĂŒckfettendeâ Wirkung ist eher ein subjektives GefĂŒhl, die eine Seife mit Fettzusatz milder erscheinen lĂ€sst, da die Seife nicht mehr zu hundert Prozent waschaktiv sein kann. Je mehr Fett die Seife bereits gebunden hat, desto weniger aggressiv wirkt sie auf die natĂŒrlichen Körperfette der Haut.
Glycerinseife (Transparentseife) ist eine Seife, die einen hohen Glycerinbestandteil hat. Sie ist trĂŒbe bis glasig durchsichtig. Sie ist auch einfach zu schmelzen (wie viele Wachse) und wird deshalb auch als Bastelseife gebraucht. Glycerinseifen sind auch ohne eingeschlossene Luftblasen in der Badewanne schwimmfĂ€hig.
Bereits vor 1859 war die Transparentseife bekannt, damals löste man die FettsĂ€ure in Alkohol und fĂŒllte die Mischung dann in Formen, wobei sie erstarrte.
Papierseife ist hauchdĂŒnn geschnittene Feinseife. Die StĂŒcke sind so portioniert, dass sie sich zĂŒgig auflösen.
Rasierseife wird mit einem hohen Anteil StearinsÀure gefertigt, damit der Schaum cremig wird und stabil bleibt. ZusÀtzlich wird nicht nur mit Natronlauge, sondern auch mit Kalilauge verseift. Hierdurch wird die Rasierseife geschmeidiger und lÀsst sich besser anschÀumen.
Eine weitere Seife ist die Gallseife, die bei der Vermengung von Seife mit Rindergalle entsteht. Sie enthĂ€lt unter anderem als Emulgator fungierende GallensĂ€uren und dient vor allem der Entfernung von Fett- und EiweiĂflecken aus Textilien.
Als Seifenart bekannt bereits vor 1859, damals wurden die Vorteile dieser Seife zur Fleckentfernung von Gaultier de Claubry geschildert. Diese Seife wurde auch unter den Namen Fleckseife oder Fleckkugeln in den Handel gebracht.
Die so genannten Arztseifen sind Seifen mit angeblich hautschonenden Zusammensetzungen. âArztseifeâ ist nicht unbedingt desinfizierend. HĂ€ufig werden auch reine Glycerinseifen als Arztseifen angeboten. Einige Seifen enthalten bakterienhemmende ZusĂ€tze, wie z. B. Farnesol oder Triclosan. Untersuchungen der UniversitĂ€t von Michigan haben gezeigt, dass spezielle fĂŒr den Hausgebrauch produzierte antibakterielle Seifen Keime nicht besser entfernen als herkömmliche Seife. Es besteht bei diesen Seifen das Risiko, dass die Wirkung der ZusĂ€tze nachlĂ€sst. Nicht untersucht wurden Seifen, welche im medizinischen Sektor verwendet werden und deutlich höhere Konzentrationen von antibakteriellen Mitteln enthalten.[6]
Benzinseife ist ein Fleckenentferner auf Benzinbasis zum Entfernen organischer Verschmutzungen und zur Vorbehandlung bei Verschmutzung durch Schmieröl und -fette auf Textilien.
pH-neutrale FlĂŒssigseifen finden Anwendung zum HĂ€ndewaschen, mehr aber noch als Duschgel, Shampoo und SchaumbĂ€der. Sie sind zwar aus den Schmierseifen hervorgegangen, haben jedoch völlig andere Inhaltsstoffe und andere Eigenschaften.
Als Textilienwaschmittel haben Seifen ihre Bedeutung verloren, da sich durch die WasserhÀrte unlösliche, flockige bis klebrige Calcium- und Magnesiumsalze der FettsÀuren bilden und Seifen nur im basischen Bereich waschaktiv sind, was Textilfasern belasten kann. In heutigen Waschmitteln werden Seifen jedoch in kleinen Mengen eingesetzt. Die sich beim Waschvorgang bildenden Kalkseifen mindern die Schaumentwicklung und wirken als EntschÀumer.
Die Verwendung von Seife als Waschmittel ist vor allem in den IndustrielÀndern gering, da andere Tenside ihr Konkurrenz machen.[7] Seifen in modernen Waschmitteln dienen kaum der Reinigung der WÀsche, sondern sollen durch Bildung von Kalkseifen starkes SchÀumen verhindern.
Die Nachteile der Seife sind:
Vorteile von Seife gegenĂŒber synthetischen Tensiden sind:
In der Kindererziehung vor allem des amerikanischen Kulturraumes fand die Seife bis in die jĂŒngere Vergangenheit Verwendung: Um den Kindern den Gebrauch von Schimpf- und FĂ€kalwörtern abzugewöhnen, wurde deren Mund zur Strafe mit Seife, meist auf einen Lappen aufgetragen, ausgewaschen. Hiermit sollte die âSchmutzigkeitâ bestimmter Begriffe verdeutlicht werden. Der ekelerregende Geschmack sollte die Kinder darauf konditionieren, den Gebrauch dieser Worte zu vermeiden. Dies ist heute jedoch mehr eine Redewendung.
Immer wieder kommt es vor, dass insbesondere Kleinkinder, auch versehentlich, feste oder flĂŒssige Seifen, insbesondere aromatisierte Produkte, verschlucken (Ingestion). Die GefĂ€hrlichkeit bzw. Giftigkeit (ToxizitĂ€t) der Seifen ist gering, jedoch sind diese schleimhautreizend, was heiĂt, dass sie neben dem unangenehmen Geschmack zu Brennen im Hals, Ăbelkeit, WĂŒrgen, Erbrechen, BlĂ€hungen oder auch einmal Bauchschmerzen fĂŒhren können. Gelangen die Seifenprodukte in die Lunge, fĂŒhren sie zu VerĂ€nderungen der OberflĂ€chenproteine in den LungenblĂ€schen und können EntzĂŒndungen und GewebsverĂ€nderungen hervorrufen. Ein versehentliches Einatmen (akzidentielle Aspiration), v. a. bei schĂ€umenden Seifen, Ă€uĂert sich ĂŒblicherweise in Hustenreiz und/oder Atemnot, gelegentlich auch einmal verspĂ€tet mit Atemnot, Fieber und anderen Lungenbeschwerden (pulmonale Beschwerden) oder mit anschlieĂendem Erbrechen. Um ein AufschĂ€umen der Seifen noch im Magen und damit ein mögliches Einatmen zu vermeiden, sollte möglichst bald nach Aufnahme ein âEntschĂ€umerâ (Dimeticon) eingenommen und stilles Wasser oder Tee nachgetrunken werden.
Unter einer Seifenoper (von engl. soap opera, auch im deutschsprachigen Raum hĂ€ufig als Soap-Opera oder missverstĂ€ndlich als âSoapâ (=Seife) bezeichnet), versteht man regelmĂ€Ăig â ein- oder mehrmals wöchentlich (âDaily Soapâ) â gesendete Endlosserien, wie sie vor allem im Fernsehen, aber auch im Hörfunk vorkommen.
Die hauptsĂ€chlich in Marokko und anderen nordafrikanischen Staaten angewandte Tadelakt-Maltechnik bzw. -(Ver)Putztechnik zur AusschmĂŒckung von HausinnenwĂ€nden nutzt den Effekt der Umsetzung von Natrium- und Kaliumseifen mit Kalk zu wasserunlöslichen Kalkseifen. Dazu wird eine Hauswand frisch gekalkt (mit Kalkputz oder Kalkfarbe versehen) und anschlieĂend mit Seife eingerieben. Je nach AusfĂŒhrungsart ergibt das zart schimmernde, teils marmorierte, nach der Fettbasis der Seife (etwa Olivenöl) duftende Anstriche, die wasserunlöslich sind. Anstriche mit Seifen aus unraffiniertem naturbelassenen gelbroten Palmöl duften dabei nach Veilchen, da der dies verursachende Duftstoff Jonon durch Zersetzung des im Ăl enthaltenen Carotins entsteht.