SelbsterkenntnisSelbsterkenntnis ist die Erkenntnis einer Person über das eigene Selbst. Selbsterkenntnis ist eng verwandt mit Selbstreflexion, dem Nachdenken über sich selbst, und der Selbstkritik, dem kritischen Hinterfragen und Beurteilen des eigenen Denkens, der eigenen Standpunkte und Handlungen.[1] Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis setzt die Existenz von Selbstbewusstsein voraus, welches man als „reflexives, besonnenes Bewusstsein des eigenen Ich“ definieren kann. Selbsterkenntnis setzt aber auch eine gewisse Objektivität der Selbstbeobachtung und des Selbstbildes voraus, das heißt die „richtige Beurteilung der Eigenschaften, Dispositionen, Kräfte, Werte des Selbst, geschöpft aus der Vergleichung der Betätigungen und Reaktionen des Ich im Leben, in der sozialen Gemeinschaft.“[2] Selbsterkenntnis ist eine grundlegende menschliche Fähigkeit, die außer von der Philosophie unter anderem auch von der Psychologie und insbesondere von der Verstehenden Psychologie untersucht wird. Sie ist auch Grundlage der Intersubjektivität, also des Verstehens von anderen Menschen, und damit eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes soziales Zusammenleben. Das Gegenteil von Selbsterkenntnis ist Selbsttäuschung.
Philosophischer BegriffFür den antiken griechischen Philosophen Sokrates ist Selbsterkenntnis die Bedingung für Sittlichkeit.[3] Der unter anderem bei Heraklit überlieferte, oft auch Thales bzw. den Sieben Weisen zugeschriebene Wahlspruch „Erkenne Dich selbst“ schmückte den Eingang des antiken Apollontempels zu Delphi. Die Forderung nach Selbsterkenntnis stellt damit eine der ältesten und nach wie vor wichtigsten Forderungen der Philosophie gegenüber dem Einzelnen dar. Erkenntnistheoretisch beruht die philosophische Struktur von Selbsterkenntnis auf einer Rückwendung des Erkenntnisvorgangs auf die erkennende Person selbst. Anreiz zu diesem Erkennen ist die Überwindung der „Subjekt-Objekt-Spaltung“. Nach Karl Jaspers liegt „Selbstreflexion innerhalb der umfassenden Beziehung des Bewussten und Unbewussten“ (Jaspers 1913). Subjekt-Objekt-Spaltung bestände insofern auch in uns selbst, eben im inneren Gegensatz von bewusst und unbewusst, nicht nur in unserem stets unvollkommenen Bezug zur Außenwelt. PsychoanalyseSelbst bezeichnet im Sinne der Psychoanalyse die Vorstellungen über einen selbst und seine Beziehungen zur Umwelt. Selbsterkenntnis in diesem Zusammenhang ist der Wissenserwerb über die eigenen psychischen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Realitäten. Sie ist Voraussetzung der Selbstverwirklichung. MystikSelbsterkenntnis kann ferner als Ergebnis der Erfahrung von Zeitlosigkeit im Sinne der Mystik angesehen werden. Bei Plotin ist der Zustand der Zeitlosigkeit durch völlige Selbsterkenntnis, Gegenwärtigkeit und das Loslassen von Wünschen und Zukunftsvorstellungen gekennzeichnet. Ähnliche Aussagen finden sich in vielen Schriften von Theologen, Mystikern und der Philosophia perennis wieder. Um die „Gottesgeburt in der Seele“ zu verwirklichen, so lehrt Meister Eckhart, muss man die Vorstellung von Zeit aus dem alltäglichen Leben entfernen. Die Erfahrung der Zeitlosigkeit erfordere die Aufgabe der Identifikation mit Sinneswahrnehmungen, und in einem gewissen Sinne auch mit dem Verstand bzw. Wissen, mithin den Grundlagen der Alltagserfahrung und Wissenschaften. Theoretische ModelleEs stehen zahlreiche theoretische Modelle zur Verfügung, die sich zu einem großen Teil mit Selbsterkenntnis beschäftigen. Hierzu zählen der MBTI und das Enneagramm. Siehe auchLiteratur
Einzelnachweise
Weblinks |