|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| |
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
| Sizilianisch (sicilianu) | ||
|---|---|---|
|
Gesprochen in |
Italien (Sizilien sowie in Teilen Kalabriens, Apuliens und Kampaniens) | |
| Sprecher | </small>ca. 10 Millionen | |
| Linguistische Klassifikation |
| |
| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | - | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
- | |
| ISO 639-2: |
scn | |
| ISO 639-3: |
scn | |
Sizilianisch (Eigenbezeichnung: Lu sicilianu, ital.: Lingua siciliana) wird von etwa fünf Millionen Sprechern in Sizilien selbst und einigen weiteren in den Regionen Apulien, Kalabrien und Kampanien gesprochen. Hinzu kommt eine schwer abzuschätzende Zahl an Auswanderern in aller Welt. Insgesamt wird hierbei eine Zahl zwischen fünf und zehn Millionen Sprechern angenommen.
Inhaltsverzeichnis |
Vor allem in der italienischen Sprachwissenschaft wird das Sizilianische gewöhnlich als italienischer Dialekt betrachtet. Gelegentlich findet sich aber auch eine Einordnung als Einzelsprache, die vor allem auf dem starken sprachlichen Abstand zum Italienischen basiert, z. B. kennt das Sizilianische keine Futurformen. Es verfügt über eine lange Tradition als Literatursprache. Ethnologue klassifiziert das Sizilianische als Sprache und hat ihm den SIL-Code SCN zugewiesen.
Auf Grund der verbreiteten Auswanderung, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte, wurde das Sizilianische ĂĽber die Grenzen Italiens hinweg exportiert. So finden sich heutzutage vor allem in Australien, Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Kanada und den USA zahlreiche Sizilianisch sprechende Personen.
Obwohl es mehrere Millionen Sprecher des Sizilianischen gibt, von denen ein Großteil es sogar als Muttersprache spricht, spielt es heutzutage nur eine untergeordnete Rolle im öffentlichen Leben. Sizilianisch wird nicht in der Schule gelehrt, ist nicht Amtssprache in Sizilien und wird außerhalb des familiären Umfeldes praktisch kaum benutzt. Trotzdem ist Sizilianisch laut UNESCO in absehbarer Zeit nicht vom Aussterben bedroht. Die junge sizilianische Generation wächst hauptsächlich mit der italienischen Sprache auf. Dies hat zur Folge, dass sie die orthografischen und grammatischen Regeln des Sizilianischen kaum beherrscht. An den Universitäten selbst werden keinerlei Vorlesungen auf Sizilianisch gehalten; es gibt lediglich Kurse, die dialettologia, also den „Dialekt“, lehren.
Wie viele andere Sprachen auch hat das Sizilianische eigene Dialekte. Die sind im Einzelnen:
Auf Grund der wechselhaften Geschichte Siziliens, bedingt durch die zentrale Lage im Mittelmeer, hat das Sizilianische zahlreiche Einflüsse anderer Sprachen erfahren und bis heute beibehalten. Hervorzuheben sind die griechische, arabische, französische, spanische (Kastilisch) und die italienische Sprache.
| sizilianisches Wort | griechischer Ursprung | deutsche Ăśbersetzung |
| babbiari | babazo | herumalbern |
| carusu | kouros | Junge; Kind |
| babbalucia | boubalĂ kion | Schnecke |
| tuppuliari | typtĹŤ | klopfen |
| appizzari | (eks)èpeson | Aufhängen |
| naca | nake | Wiege |
| nicu | nicròs oder micròs | Klein |
| sizilianisches Wort | arabischer Ursprung | deutsche Ăśbersetzung |
| dammusu | dammūs | Decke |
| cassata | qashatah, qas'at | sizilianische Torte |
| zuccu | suq | Baumstamm |
| sizilianisches Wort | französischer/normannischer Ursprung | deutsche Übersetzung |
| accatari | acheter/acater | kaufen |
| bucceri/vucceri | bouchier | Metzger |
| foddi | fou, fol(le) | verrĂĽckt |
| largasìa | largesse | Großzügigkeit |
| travagghiari | travailler/travaller | arbeiten |
| sizilianisches Wort | spanischer Ursprung | deutsche Ăśbersetzung |
| arricugghirisi | arrecogerse | zurĂĽckkehren |
| capezza | cabeza | Kopf |
| là stima | lástima | Last |
| pignata | piñata | Topf |
| sulitĂ /sulitati | soledad | Einsamkeit |
Auffällig ist dem Sizilianischen, dass es meist nur die drei Vokale „a“, „i“ und „u“ aufweist, was ihm eine unverkennbare Eigenheit verleiht. Das in anderen romanischen Sprachen vorhandene „e“ geht, falls unbetont, in ein „i“ über; ein „o“ wird in der Regel als „u“ geschrieben und ausgesprochen. Die obigen Beispiele verdeutlichen dies.
Normalerweise haben das Italienische und das Sizilianische dieselbe Endung für weibliche Substantive und Adjektive, nämlich das „-a“ (z. B. casa (Haus), porta (Tür)). Allerdings gibt es auch Ausnahmen, z. B. soru (Schwester) und matri (Mutter). Anstelle eines „-o“ benutzt das Sizilianische ein „-u“ als Endung für männliche Substantive und Adjektive (z. B. omu (Mann), libbru (Buch), nomu (Name)). Die Endung „-i“ kann in beiden Geschlechtern auftreten.
Im Gegensatz zur italienischen Sprache enden Substantive im Plural im Regelfall auf „-i“, d.h. sie weisen keine geschlechtsspezifische Endung mehr auf (z. B. casi (Häuser), nomi (Namen), tà uli (Tische), òmini (Männer)). In unregelmäßigen Fällen enden sie jedoch auf „-a“ (z. B. libbru – libbra (Buch – Bücher), jòcuru – jòcura (Spiel – Spiele), vrazzu – vrazza (Arm – Arme)), was auf die Pluralbildung der Neutra im Lateinischen zurückgeht (z.B.: templum - templa)
Bei den allermeisten Wörter lateinischen Ursprungs, die mit einem „i“ beginnen, fällt dieser Anfangsbuchstabe weg. Eine ähnliche Tendenz, obgleich sie nicht ganz so stark ist, existiert auch bei den Anfangsbuchstaben „a“, „e“ und „o“. Demzufolge ist es nicht ungewöhnlich, wenn viele sizilianische Wörter mit Doppelkonsonanten beginnen.
Beispiele:
| sizilianisches Wort | italienische Ăśbersetzung | deutsche Ăśbersetzung |
| mpurtanti | importante | wichtig |
| gnuranti | ignorante | ungebildet, unwissend |
| ntirissanti | interessante | interessant |
| mmĂ ggini | immagini | Bilder |
| miricanu | americano | amerikanisch; Amerikaner |
| ngrisi | inglese | englisch; Engländer |
| talianu | italiano | italienisch; Italiener |
Es gibt auch Wörter, bei denen ein Konsonant am Wortanfang entfällt, z. B. bei ranni (ital. grande, dt. groß).
Im Unterschied zur italienischen und französischen Sprache kennt das Sizilianische nur ein Hilfsverb, nämlich aviri (haben). Diese Eigenschaft weisen auch die katalanische, spanische und die rumänische Sprache auf. Des Weiteren existiert eine grammatische Form um einen Zwang zu formulieren, die mit aviri + a konstruiert wird, ähnlich wie im Englischen und Spanischen:
Das Sizilianische hat im Laufe der Zeit Einflüsse auf das italienische Vokabular gehabt. Sie beschränken sich jedoch in erster Linie auf die sizilianische Kultur. Diese Begriffe sind heute Teil der italienischen Sprache, wenngleich sich manche Bedeutungsverschiebungen feststellen lassen.
| italienisches Wort | sizilianischer Ursprung | deutsche Bedeutung |
| arancino | arancinu | Arancino (frittiertes Reisbällchen) |
| canestrato | ncannistratu | typischer sizilianischer Käse |
| cannolo | cannolu | Cannolo (frittierte Teigrolle) |
| cassata | cassata | Cassata (Schichttorte) |
| cirneco | cirnecu | Cirneco (Hunderasse) |
| dammuso | dammusu | Dammuso, typisches Steinhaus auf Pantelleria |
| marrobbio | marrubbiu | plötzliche Anstieg des Meeresspiegels |
| minchia | minchia | Interjektion, vgl. „Scheiße!, wörtlich "Schwanz" |
| scippo | scippu | Handtaschenraub |
| stidda | stidda | Stidda (kleinere Mafia-Organisation) |
siehe auch: Sizilianische KĂĽche
Untenstehend finden sich einige Beispiele der geschriebenen Sprache. Die AuszĂĽge stammen von drei berĂĽhmten Dichtern Siziliens Antonio Veneziano, Giovanni Meli und Nino Martoglio.
Celia, Lib. 2 (um 1600)
Don Chisciotti e Sanciu Panza (um 1800)
Briscula 'n Cumpagnia („Briscola (ein ital. Kartenspiel) unter Freuden“, um 1900)
Seit 1987 wird in Belpasso der Nino Martoglio International Book Award verliehen. Dieser Literaturpreis wĂĽrdigt sizilianische Schriftsteller, die sich fĂĽr den Erhalt der Sizilianischen Sprache einsetzen. Bisher wurden unter anderem Giuseppe Bonaviri, Gesualdo Bufalino, Andrea Camilleri und Vincenzo Consolo ausgezeichnet.