SklavereiSklaverei ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden, um Zugriff auf ihre Arbeitskraft zu erlangen. In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften bildeten Sklavenarbeit und Sklavenhandel einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Gesetze, die Sklaverei zulassen, bestehen heute in keinem Land der Erde mehr. Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. Die Sklavengesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Sklavenhaltung und des Sklavenhandels; darüber hinaus bestimmten sie auch, welche Rechte den Sklaven zugestanden wurden. In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse Rechtsfähigkeit und konnten z. B. die Gerichte anrufen oder Eigentum erwirtschaften, das es ihnen eventuell erlaubte, durch Selbstkauf die Freiheit zu erlangen. Sklaverei konnte erblich sein – d.h. die Nachkommen von Sklaven waren ebenfalls unfrei –, dies war jedoch nicht in allen Sklaven haltenden Gesellschaften der Fall. Unterschieden werden muss auch zwischen lebenslangen und temporären Formen der Sklaverei. In einem weiteren, gelegentlich umgangssprachlichen Sinne wird unter Sklaverei auch eine Freiheitsberaubung und Nötigung von Menschen verstanden, die in der Gesellschaft, in der sie sich ereignet, keine gesetzliche Grundlage besitzt.
BegriffEtymologieDas Wort „Sklave“ hat verschiedene mögliche Wurzeln: Es wird vom griechischen Verb skyleúo („Kriegsbeute machen“, 1. Person Singular skyláo)[1] oder vom lateinischen sclavus für die ethnische Gruppe der seit dem Mittelalter so genannten Slawen – rumänisch şchiau – abgeleitet. Einige Autoren neigen dazu, es in den Kämpfen der Ottonen gegen die Slawen im 10. Jahrhundert entstanden zu sehen,[2] zumal bereits bei Widukind von Corvey und in den Quedlinburger Annalen für Slawe anstatt „Slavus“ „Sclavus“ geschrieben wird. DefinitionsansätzeSklaven stammen in der Regel aus anderen Ländern, werden ihrer Ethnie und ihrer Familie entrissen und in andere ihnen völlig fremde ethnische, sprachliche und soziale Umfelder verpflanzt. Sie stehen außerhalb des Rechts, sind zur Ware verdinglicht beziehungsweise entmenschlicht und werden willkürliche Verkaufs- und Wiederverkaufsgegenstände.[4] Die Freiheitsberaubung versklavter Menschen geht also in der Regel mit physischer und/oder institutioneller Gewalt einher. Sie kennzeichnet den Sklavenhandel und bedeutet den Verlust aller mit Geburt und Genealogie verbundenen Ansprüche und Identifikationsmöglichkeiten (natal alienation) sowie der Menschenwürde.[5] Sklaverei dient dort, wo sie eine Gesellschaftsstruktur bestimmt, meist der wirtschaftlichen Ausbeutung und Aufrechterhaltung einer Klassengesellschaft. Marxistisch-leninistische BegriffsauslegungIn der Gesellschaftstheorie des Marxismus und Leninismus wird unter „Sklaverei“ eine ökonomische Gesellschaftsform verstanden, die auf dem Eigentum des Sklavenhalters an den Produktionsmitteln (Nutzflächen, Maschinen usw.) und an den unmittelbaren Produzenten (Sklaven) beruht. Karl Marx, der die Sklaverei für die roheste und primitivste Form der Ausbeutung und den Gegensatz zwischen Sklaven und Sklavenhalter für einen archaischen Klassengegensatz hielt, bezog den Begriff Sklavenhaltergesellschaft ausschließlich auf die antiken Gesellschaften. Marx beschrieb jedoch auch, wie als Überbauphänomen der Sklaverei politische, juristische und philosophische Anschauungen entstanden, die den Sklavenhaltern als Machtinstrument dienten.[6] GeschichteGeschichte der Sklaverei→ Hauptartikel: Geschichte der Sklaverei Die durch Gesetzestexte dokumentierte Geschichte der Sklaverei beginnt in den ersten Hochkulturen der Antike. Üblich war dort die Versklavung von Kriegsgefangenen; deren Nachfahren blieben aber ebenfalls unfrei. Weite Verbreitung fand die Sklaverei in Mesopotamien, Ägypten, Palästina, Griechenland und Rom. In den griechischen Stadtstaaten, wo Sklaven in großer Zahl in der Haus- und Landarbeit eingesetzt wurden, entstand mit dem Aufstieg des Handels die Schuldknechtschaft, bei der nicht zahlungsfähige Schuldner bei ihrem Gläubiger in sklavereiähnliche Abhängigkeit fielen. Die Schuldknechtschaft war auch in Rom verbreitet, mit der Ausdehnung der römischen Eroberungskriege wurden dort jedoch in zunehmendem Umfang Kriegsgefangene versklavt. Sowohl in Griechenland als auch in Rom konnten freigelassene Sklaven das Bürgerrecht erlangen. Im frühen Mittelalter trieben Turkvölker wie die Chasaren und germanische Völker wie die Waräger und die Wikinger im europäischen und orientalischen Raum Handel mit Kriegsgefangenen und Sklaven. In Sachsen und im Ostfrankenreich entstand nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Slawen ein gut organisierter und sehr umfangreicher Handel mit slawischen Sklaven. Mit der Christianisierung ging die Sklaverei in hochmittelalterlichen Mitteleuropa, wo es Christen verboten war, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben, zurück. Südlich der Alpen – etwa in den italienischen Seerepubliken, im Schwarzmeerraum, auf dem Balkan und in Ägypten – wurden Sklaven jedoch weiterhin in großem Umfang gehandelt.[7] In der Neuzeit nahm die Sklaverei einen erneuten Aufschwung mit der Ausdehnung des europäischen Seehandels und der Errichtung überseeischer Kolonien. Diese waren in vielen Fällen nur dünn besiedelt, sodass für den Aufbau der Wirtschaft afrikanische Sklaven eingeführt wurden, auf deren Arbeitskraft die Ökonomie dieser Kolonien jahrhundertelang weitgehend basierte. Die weltweit führende Sklaven handelnde Nation war bis ins 19. Jahrhundert Portugal. Allein nach Brasilien wurden von portugiesischen Kaufleuten in der Neuzeit mehr als 3 Millionen afrikanischer Sklaven verkauft. Es gab freilich kaum eine europäische Seehandelsmacht, die am internationalen Sklavenhandel nicht beteiligt war; dies schließt nicht nur spanische, britische, französische und holländische, sondern auch schwedische, dänische und brandenburgische Kaufleute ein. In vielen außereuropäischen Kulturen war Sklaverei traditionell verbreitet, beispielsweise bei den Azteken, den nordamerikanischen Indianern und in vielen Teilen Afrikas und Asiens. Hierbei ist auch die Sklaverei im Islam zu nennen, die im 7. Jahrhundert frühere Formen aufgriff und fortsetzte und deren Geschichte auch in der Gegenwart noch nicht abgeschlossen ist. Deshalb richtete Malek Chebel, französischer Anthropologe und Vertreter eines liberalen Islam,[8] an das Gewissen der muslimischen Herrscher, deren Länder er besucht hatte, 2007 einen öffentlichen Appell, die bei ihnen vorzufindende Sklavereiformen nicht als ein Tabu, sondern als ein zu verfolgendes Verbrechen anzusehen.[9] Vom späten 18. Jahrhundert an wurde die Sklaverei weltweit allmählich abgeschafft. Seit 1968 bestehen in keinem Land der Erde für Sklavenhandel und Sklaverei mehr gesetzliche Grundlagen. Die formale Abschaffung der Sklaverei führte jedoch nur in den seltensten Fällen zu einer effektiven gesellschaftlichen Gleichstellung der früheren Sklaven. Besonders gut dokumentiert ist diese Kontinuität der Abhängigkeit im Falle der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Sklavereiähnliche Formen der Unterwerfung von Menschen können jedoch immer wieder selbst in solchen Kulturen beobachtet werden, in denen Sklaverei im engen Sinne keine Tradition besitzt; so etwa die Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus. GeschichtsaufarbeitungObwohl die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt offiziell als abgeschafft gilt, zeigen sich Schwierigkeiten, sich dem Thema zu stellen. Das betrifft nicht nur die islamische Welt, sondern kennzeichnet auch den europäischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. So stellte der französische Mediävist Jacques Heers fest, dass Sklaverei als offenkundige Tatsache neben der bäuerlichen Leibeigenschaft trotz einiger ihr gewidmeten Studien bezüglich des Mittelmeerraums dennoch in den gegenwärtigen Mittelalterdarstellungen kaum vorkomme, und dies mehr oder weniger absichtlich.[10] Dies war auch schon in der Epoche der Aufklärung der Fall. So machte der bis 2001 an der Sorbonne lehrende französische Philosoph Louis Sala-Molins anlässlich des zweihundertsten Jahrestages der Französischen Revolution darauf aufmerksam, dass keinem der Aufklärer – weder Condorcet, Diderot, Montesquieu noch Rousseau – an der Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien gelegen war. Sala-Molins hält die Einstellung zur Sklavenfrage und zu den Schwarzen für den entscheidenden Schwachpunkt im aufklärerischen Anspruch auf die als universell propagierten Menschenrechte.[11] Der vor diesem Hintergrund 1685 unter Ludwig XIV. für die Kolonien erlassene und dort bis 1848 ohne Unterbrechung für 163 Jahre geltende Code Noir fiel der Vergessenheit anheim, bis er von Sala-Molins 1987 als „monströsester juristischer Text der Moderne“ wiederveröffentlicht wurde.[12] FormenDer amerikanische Historiker Ira Berlin, zu dessen Hauptwerk zwei Monografien über die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten zählen, hat darauf hingewiesen, dass die Geschichtsschreibung zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Formen von Sklaverei unterscheiden müsse, nämlich zwischen „Sklavengesellschaften“ (engl.: slave societies) und „Gesellschaften mit Sklaven“ (engl.: societies with slaves). Die Gesellschaft der Plantagenbesitzer der amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg sei eine typische Sklavengesellschaft gewesen, die sich von Gesellschaften mit Sklaven, wie sie z. B. in der griechischen und römischen Antike bestanden, charakteristisch unterscheide. Erstens beruhen in Sklavengesellschaften die zentralen Produktionsprozesse – im Fall der Südstaaten der Anbau von Zuckerrohr, Tabak, Reis und Baumwolle – auf der Arbeitskraft von Sklaven, während in der Ökonomie von Gesellschaften mit Sklaven die Sklaven nur eine marginale Rolle spielen. Ein zweiter wichtiger Unterschied besteht darin, dass das Verhältnis „Herr – Sklave“ in Sklavengesellschaften Modellcharakter annimmt und auch auf alle sonstigen sozialen Beziehungen (Mann – Frau, Eltern – Kind, Arbeitgeber – Arbeitnehmer) übertragen wird; in Gesellschaften mit Sklaven ist dies nicht der Fall. Infolgedessen bilden die Sklavenhalter in Sklavengesellschaften die herrschende Klasse, während sie in Gesellschaften mit Sklaven nur einen Teil der – umfassenderen – begüterten Elite ausmachten.[13] VerbreitungAuf Sklaverei beruhende Gesellschaftsformen waren bis zum 19. Jahrhundert weltweit verbreitet. Indessen dauert Sklaverei trotz ihres Verbotes auch im 21. Jahrhundert stellenweise fort. Das kann daran liegen, dass den Sklaven unter unterschiedlichsten Bezeichnungen in verschiedenen Kulturen ein je besonderer Status in den sozialen Umfeldern zukam und zukommt, weil Gesellschaften in sich hochkomplexe Gebilde sind. Der französische Anthropologe und Islamkenner Malek Chebel kommt zum Beispiel in einer neuen Untersuchung zur Sklaverei in der islamischen Welt auf eine Schätzung von 21 bis 22 Millionen Sklaven, die im Laufe von 14 Jahrhunderten als kriegsgefangene Slawen, Konkubinen, Diener, Sklaven aus Afrika oder im Mittelmeerraum erbeutete Christen ihre Freiheit verloren. Chebel zählt zu den Millionen auch die in den Golfstaaten gegenwärtig tätigen Philippinos, Inder und Pakistaner, die dort ihre Menschenrechte verlieren, berücksichtigt aber zum Beispiel ausdrücklich nicht afrikanische Minderheiten im Maghreb, in der Türkei, im Iran oder in Afghanistan.[14] Ideologische BegründungenIn fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen. Aristoteles definiert in der griechischen Antike den Sklaven von Natur aus als Besitzstück[15]. Lässt man die problematische substanzphilosophische und naturrechtliche Begründung dieses Besitzverhältnisses bei Seite, dann charakterisiert Aristoteles die Sklaven weiterhin durch zwei Eigenschaften. Zum einen haben solche Besitzstücke die Eigenart ein besonderes Werkzeug zu sein, das viele andere Werkzeuge ersetzen kann. Entsprechende der aristotelischen Teleologie haben Werkzeuge keinen eigenen Zweck sondern müssen sich einem Zweck unter ordnen, welcher von einem vollkommenen Ganzen her bestimmt wird, von dem sie nur ein unvollkommener Teil sind. [16] Diese menschlichen Werkzeuge besitzen aber im Gegensatz zu anderen unbelebten Werkzeugen eine gewisse antizipatorische Fähigkeit. Aristoteles schreibt dazu, dass Sklaven in der Lage sind von selbst Befehle zu antizipieren und nicht nur auf Befehle anderer hin handeln. Als solche vorauseilend gehorchende Werkzeuge haben sie eine Seele, zu deren voller, vernünftiger Ausbildung sie jedoch nicht fähig sind. Deswegen sei es besser für den Sklaven, überlegenen Menschen als Sklaven zu dienen. Cicero spricht später von Juden und Syrern als „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch später benutzt, um der Sklaverei eine ideologische Begründung zu geben. Im Christentum wurde die Sklaverei als Institution erst spät verurteilt. Die neutestamentlichen Schriften gehen von der Existenz von Sklaven als Teil der gottgewollten Ordnung aus, in der die Menschen eben unterschiedliche Status innehaben und sich damit arrangieren müssen, wollen sie Gottes Willen nicht zuwiderhandeln. Im Mittelalter kam für Sklaverei und Sklavenhandel das Argument hinzu, dass damit die Christianisierung von Heiden gefördert werde. Mit den päpstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen.[17]. Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenähnlichem Arbeitsverhältnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hätten. 1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[18] Erst 1537 wurde mit der Bulle Sublimus Dei festgestellt, dass andere, nicht europäische Ethnien, z. B. Indianer, echte Menschen seien mit der Befähigung, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen. Doch noch im 19. Jahrhundert wurden entgegengesetzte Ansichten vertreten. George Fitzhugh etwa publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: „Einige Menschen sind mit einem Sattel auf dem Rücken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!“[19] Sklaverei und andere Formen der menschlichen UnfreiheitBegriffsabgrenzungFolgende Formen der Unfreiheit und Ausbeutung werden von der Sklaverei unterschieden:
Im Englischen sind zur deutlicheren Unterscheidung der Sklaverei von ähnlichen Formen der Unfreiheit die Ausdrücke „Chattel Bondage“ (Besitz-Knechtschaft) und „Chattel Slavery“ (Besitz-Sklaverei) verbreitet, die ausschließlich solche Formen der Unfreiheit bezeichnen, bei denen eine Person auch im juristischen Sinne – also mit expliziter Bestätigung durch den Gesetzgeber – als das Eigentum einer anderen Person betrachtet wird.[21] Anerkennung moderner Formen der Unfreiheit als SklavereiArtikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention verbietet Sklaverei ("Wehrdienst", also staatliche Zwangsrekrutierung zum Militärdienst oder Zivildienst ist jedoch von der Begrifflichkeit der Sklaverei explizit ausgenommen). Viele Politiker und Menschenrechtsorganisationen, deren Engagement der Bekämpfung modernen Formen der Unfreiheit – besonders der Zwangsprostitution, der Zwangsarbeit, der Kinderarbeit[22] und der Rekrutierung von Kindern als Soldaten[23] – gilt, bemühen sich um eine Anerkennung dieser Phänomene als Sklaverei. Heutzutage soll es mehr Sklaven auf der Welt geben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.[24] In Paragraph 104 des österreichischen Strafgesetzbuches wird Sklavenhandel und die Versklavung anderer mit Freiheitsstrafe von zehn bis zwanzig Jahren bedroht.[25]
Menschenrechtsorganisationen setzen sich dafür ein, dass die Zwangsprostitution rechtlich als Sklaverei und somit als Menschenrechtsverletzung behandelt wird. Hiervon sind auch die demokratischen Staaten Mitteleuropas betroffen, wo z. T. die bestehenden Rechtsvorschriften unzulänglich umgesetzt werden. Der Europarat verurteilt und kriminalisiert jegliche Art der Sklaverei nach Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Doch auch heute noch können Menschen in Situationen gelangen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Ein Beispiel dafür ist der kriminelle Menschenhandel und das Festhalten von Frauen zur sexuellen Ausbeutung. Insbesondere seit dem Zusammenbrechen des Kommunismus in Osteuropa und der andauernden Instabilität im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nimmt die erzwungene Prostitution von Frauen und Mädchen zu.[26]. Moderne Formen der Sklaverei und sklavereiähnliche AbhängigkeitenIm April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden müssen. Diese Zahlen wurden später von Seiten der Vereinten Nationen bestätigt. Davon seien etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.[27] In Indien, Bangladesch und Pakistan leben demnach die meisten Zwangsarbeiter. Auch in den Industrieländern leben insbesondere Frauen als Zwangsprostituierte unter sklavenähnlichen Umständen. Darüber hinaus werden im Baugewerbe, in Haushalten und in der Landwirtschaft Arbeitskräfte illegal ohne Rechte beschäftigt. In Mitteleuropa sind Einzelfälle von sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bekannt. So hielt sich ein jemenitischer Kulturattaché in Berlin, der Diplomatische Immunität genoss, jahrelang eine unbezahlte Hausangestellte unter sklavenähnlichen Bedingungen.[28] BrasilienIm nördlichen brasilianischen Bundesstaat Pará werden regelmäßig Großgrundbesitzer bei der Beschäftigung von Sklavenarbeitern gefasst. Kirchliche und Menschenrechts-Vertreter, die diese Missstände bekämpfen, werden mit dem Tode bedroht. In einer jährlich in allen Tageszeitungen veröffentlichten schwarzen Liste (Lista Negra) stehen 50 brasilianische, teilweise prominente (Groß-) Unternehmen, die Menschen durch unbezahlte Sklavenarbeit ausbeuten. Die Rekrutierung erfolgt überregional. Die weite Verbreitung von Feuerwaffen ermöglicht die gewaltsame Hinderung der Flucht von den bis zu einigen tausend Quadratkilometer großen Fazendas, auf denen in letzter Zeit heimliche Friedhöfe entdeckt wurden. Durch Korruption werden Gerichtsprozesse be- und teilweise bis zur Verjährungsgrenze verhindert. Eine Verfassungsänderung, die betroffenen Fazendas mit der Enteignung gedroht hätte, wurde durch eine starke Lobby im Senat verhindert. Oft werden Sklaven zur Arbeit auf Plantagen benutzt und müssen so hart arbeiten, dass viele Sklaven Selbstmord begehen. Sklavinnen werden häufig misshandelt oder an Bordelle verkauft. Die Sklaven sind der Willkür ihres „Besitzers“ völlig ausgesetzt. Wenn einem Sklaven die Flucht gelingt, kann er auch nicht zur Polizei gehen, denn diese ist so schlecht bezahlt, dass sie sich von den Großgrundbesitzern bestechen lässt und den Geflüchteten an den Großgrundbesitzer verrät. In vielen Fällen lassen Großgrundbesitzer ihre Sklaven töten, wenn sie eine Bezahlung oder die Freiheit verlangen. HaitiIn Haiti leben laut einem Bericht der Kindernothilfe im Jahr 2009 etwa 300 000 Kinder beiderlei Geschlechts als Haussklaven, sogenannte „Restavèks“ (von franz.: rester avec, deutsch: bei jemandem bleiben) in Familien der Ober- und Mittelschicht vornehmlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie stammen zumeist aus auf dem Land lebenden Familien, die ihre Kinder kaum noch ernähren können und sie daher in der Regel kostenlos besser gestellten Familien überlassen. Dort haben sie täglich bei freier Kost und Logis, aber ohne Möglichkeit der Schulausbildung und ohne Bezahlung alle anstehenden Arbeiten im Haushalt zu erledigen. Körperliche Züchtigung und sexueller Missbrauch ohne Straffolgen für die Täter sind an der Tagesordnung. Obwohl in die Verfassung von Haiti nach dem Ende der Sklaverei und der Erklärung der Unabhängigkeit im Jahre 1804 auch einmal ein Passus aufgenommen wurde, der Kindern grundsätzlich ein „Recht auf Liebe, Zuwendung und Verständnis“ zusichert und auch die „Freiheit der Arbeit“ regelt, werden in der täglichen Realität diese Vorsätze nicht umgesetzt. [29] [30] Dominikanische RepublikNach Schätzung der Internationalen Organisation für Migration (OIM) werden jährlich etwa 2000 haitianische Kinder von Schleuserbanden illegal über die Grenze in die Dominikanische Republik geschafft und dort als Haussklaven und Arbeitskräfte in der Landwirtschaft verkauft.[31] LiteraturFachliteraturGeschichte
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