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Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden.
Nach der Legaldefinition des 1956 von den Vereinten Nationen abgeschlossenen ZusatzĂŒbereinkommens ĂŒber die Abschaffung der Sklaverei bedeutet Sklaverei die Rechtsstellung oder Lage einer Person, an der einzelne oder alle der mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse ausgeĂŒbt werden, und «Sklave» eine Person in einer solchen Rechtsstellung oder Lage.[1]
Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. Die Sklavengesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Sklavenhaltung und des Sklavenhandels; darĂŒber hinaus bestimmten sie auch, welche Rechte den Sklaven zugestanden wurden. In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse RechtsfĂ€higkeit und konnten z. B. die Gerichte anrufen oder Eigentum erwirtschaften, das es ihnen eventuell erlaubte, durch Selbstkauf die Freiheit zu erlangen. Sklaverei konnte erblich sein â d.h. die Nachkommen von Sklaven waren ebenfalls unfrei â, dies war jedoch nicht in allen Sklaven haltenden Gesellschaften der Fall. Unterschieden werden muss auch zwischen lebenslangen und temporĂ€ren Formen der Sklaverei.
In einem weiteren Sinne wird unter Sklaverei auch eine Freiheitsberaubung und Nötigung von Menschen verstanden, die in der Gesellschaft, in der sie sich ereignet, keine gesetzliche Grundlage besitzt.
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Das Wort âSklaveâ hat verschiedene mögliche Wurzeln: Es wird vom griechischen Verb skyleĂșo (âKriegsbeute machenâ, 1. Person Singular skylĂĄo)[2] oder vom lateinischen sclavus fĂŒr die ethnische Gruppe der seit dem Mittelalter so genannten Slawen â rumĂ€nisch Ćchiau â abgeleitet. Einige Autoren neigen dazu, es in den KĂ€mpfen der Ottonen gegen die Slawen im 10. Jahrhundert entstanden zu sehen,[3] zumal bereits bei Widukind von Corvey und in den Quedlinburger Annalen fĂŒr Slawe anstatt âslavusâ âsclavusâ geschrieben wird. So wurde am 11. Oktober 973 einem SklavenhĂ€ndler eine in den Monumenta Germaniae Historica enthaltene Urkunde ausgestellt, in der zum ersten Mal anstatt des lateinischen âservusâ âsclavusâ fĂŒr Sklave erscheint.[4]
Der in mittelalterlichen arabischen Quellen verwendete Begriff Saqaliba Ű”ÙۧÙۚ۩ / áčŁaqÄliba /âSlavenâ bezieht sich ebenfalls auf Slawen und andere hellhĂ€utige bzw. rötliche Völker Nord- und Mitteleuropas. Die Bezeichnung al-áčąaážłÄliba (sing. áčąaážłlabÄ«, áčąiážłlabÄ«) ist dem mittelgriechischen ΣλΏÎČÎżÏ entlehnt, das mit der slawischen Selbstbezeichnung SlovÄnin in Verbindung steht. Wegen der groĂen Zahl slawischer Sklaven hat das Wort in mehreren europĂ€ischen Sprachen die Bedeutung "Sklave" angenommen (engl. slave, it. schiavo, franz. esclave), so auch im Spanien der Umayyaden, wo áčąaážłÄliba alle fremden Sklaven bezeichnete.
Dass sich in bestimmten europĂ€ischen Gegenden zunĂ€chst auch andere Wörter fĂŒr âSklaveâ einbĂŒrgern konnten, zeigte sich ab dem 10. Jahrhundert wĂ€hrend des Verlaufs der Reconquista bis 1492 vor allem im christlichen westlichen Mittelmeerraum, wo die im Kampf erbeuteten und âSarazeneâ / âSarazeninâ oder âMaureâ / âMaurinâ genannten Gefangenen zur Handelsware wurden und Sklavenarbeit zu verrichten hatten.[5]
Auch wenn Sklaverei theoretisch und traditionell von Leibeigenschaft unterschieden wird, sind die UmstÀnde oft nicht im heutigem Sinne des Wortes zu unterscheiden.
Sklaven stammen in der Regel aus anderen LĂ€ndern, werden ihrer Ethnie und ihrer Familie entrissen und in andere ihnen völlig fremde ethnische, sprachliche und soziale Umfelder verpflanzt. Sie stehen auĂerhalb des Rechts, sind zur Ware verdinglicht beziehungsweise entmenschlicht und werden willkĂŒrliche Verkaufs- und WiederverkaufsgegenstĂ€nde.[6] Die Freiheitsberaubung versklavter Menschen geht also in der Regel mit physischer und/oder institutioneller Gewalt einher. Sie kennzeichnet den Sklavenhandel und bedeutet den Verlust aller mit Geburt und Genealogie verbundenen AnsprĂŒche und Identifikationsmöglichkeiten (natal alienation) sowie der MenschenwĂŒrde.[7]
Sklaverei dient dort, wo sie eine Gesellschaftsstruktur bestimmt, meist der wirtschaftlichen Ausbeutung und Aufrechterhaltung einer Klassengesellschaft.
Laut John Locke können Menschen andere Menschen in dem Moment legitim versklaven, in dem letztere einen ungerechten Krieg beginnen und verlieren. Der Sieger hat, um den Krieg zu beenden, in diesem Moment nur die Wahl, seinen Gegner entweder zu töten oder zu versklaven. Bietet aber der Verlierer als Akt der Reue eine angemessene Wiedergutmachung fĂŒr das von ihm verschuldete Unrecht an, so muss der Sieger der Vernunft des Naturgesetzes folgen und den Kriegszustand beenden. Beide Parteien verfĂŒgen nun wieder ĂŒber die absolute Freiheit, die dem Naturzustand inhĂ€rent ist.
In der Gesellschaftstheorie des Marxismus und Leninismus wird unter âSklavereiâ eine ökonomische Gesellschaftsform verstanden, die auf dem Eigentum des Sklavenhalters an den Produktionsmitteln (NutzflĂ€chen, Maschinen usw.) und an den unmittelbaren Produzenten (Sklaven) beruht. Karl Marx, der die Sklaverei fĂŒr die roheste und primitivste Form der Ausbeutung und den Gegensatz zwischen Sklaven und Sklavenhalter fĂŒr einen archaischen Klassengegensatz hielt, bezog den Begriff Sklavenhaltergesellschaft ausschlieĂlich auf die antiken Gesellschaften. Marx beschrieb jedoch auch, wie als ĂberbauphĂ€nomen der Sklaverei politische, juristische und philosophische Anschauungen entstanden, die den Sklavenhaltern als Machtinstrument dienten.[8]
â Hauptartikel: Geschichte der Sklaverei
Die durch Gesetzestexte dokumentierte Geschichte der Sklaverei beginnt in den ersten Hochkulturen des Altertums. Ăblich war dort die Versklavung von Kriegsgefangenen; deren Nachfahren blieben aber ebenfalls unfrei. Weite Verbreitung fand die Sklaverei in Mesopotamien, Ăgypten, PalĂ€stina, Griechenland und Rom. In den griechischen Stadtstaaten, wo Sklaven in groĂer Zahl in der Haus- und Landarbeit eingesetzt wurden, entstand mit dem Aufstieg des Handels die Schuldknechtschaft, bei der nicht zahlungsfĂ€hige Schuldner bei ihrem GlĂ€ubiger in sklavereiĂ€hnliche AbhĂ€ngigkeit fielen. Die Schuldknechtschaft war auch in Rom verbreitet, mit der Ausdehnung der römischen Eroberungskriege wurden dort jedoch in zunehmendem Umfang Kriegsgefangene versklavt. Sowohl in Griechenland als auch in Rom konnten freigelassene Sklaven das BĂŒrgerrecht erlangen.
Im frĂŒhen Mittelalter trieben Turkvölker wie die Chasaren und germanische Völker wie die WarĂ€ger und die Wikinger im europĂ€ischen und orientalischen Raum Handel mit Kriegsgefangenen und Sklaven. In Sachsen und im Ostfrankenreich entstand nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Slawen ein gut organisierter und sehr umfangreicher Handel mit slawischen Sklaven. Mit der Christianisierung ging die Sklaverei in hochmittelalterlichen Mitteleuropa, wo es Christen verboten war, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben, zurĂŒck. SĂŒdlich der Alpen â etwa in den italienischen Seerepubliken, im Schwarzmeerraum, auf dem Balkan und in Ăgypten â wurden Sklaven jedoch weiterhin in groĂem Umfang gehandelt. Auch PĂ€pste und Klöster besaĂen Sklaven. Mittelalterliche Theologen wie Thomas von Aquin begrĂŒndeten unter Berufung auf Aristoteles die RechtmĂ€Ăigkeit und Notwendigkeit der Sklaverei aus dem Naturrecht.[9]
In der Neuzeit nahm die Sklaverei einen erneuten Aufschwung mit der Ausdehnung des europĂ€ischen Seehandels und der Errichtung ĂŒberseeischer Kolonien. Diese waren in vielen FĂ€llen nur dĂŒnn besiedelt, sodass fĂŒr den Aufbau der Wirtschaft afrikanische Sklaven eingefĂŒhrt wurden, auf deren Arbeitskraft die Ăkonomie dieser Kolonien jahrhundertelang weitgehend basierte. Die weltweit fĂŒhrende Sklaven handelnde Nation war bis ins 19. Jahrhundert Portugal. Allein nach Brasilien wurden von portugiesischen Kaufleuten in der Neuzeit mehr als 3 Millionen afrikanischer Sklaven verkauft. Es gab freilich kaum eine europĂ€ische Seehandelsmacht, die am internationalen Sklavenhandel nicht beteiligt war; dies schlieĂt nicht nur spanische, britische, französische und hollĂ€ndische, sondern auch schwedische, dĂ€nische und brandenburgische Kaufleute ein.
In vielen auĂereuropĂ€ischen Kulturen war Sklaverei traditionell verbreitet, beispielsweise bei den Azteken, den nordamerikanischen Indianern und in vielen Teilen Afrikas und Asiens. Hierbei ist auch die Sklaverei im Islam zu nennen, die im 7. Jahrhundert frĂŒhere Formen aufgriff und fortsetzte und deren Geschichte auch in der Gegenwart noch nicht abgeschlossen ist. Deshalb richtete Malek Chebel, französischer Anthropologe und Vertreter eines liberalen Islam,[10] an das Gewissen der muslimischen Herrscher, deren LĂ€nder er besucht hatte, 2007 einen öffentlichen Appell, die bei ihnen vorzufindende Sklavereiformen nicht als ein Tabu, sondern als ein zu verfolgendes Verbrechen anzusehen.[11]
Vom spĂ€ten 18. Jahrhundert an wurde die Sklaverei weltweit allmĂ€hlich abgeschafft. Wesentliche Initiativen dazu gingen fĂŒr den britischen Einflussbereich u.a. von William Wilberforce aus (dargestellt in dem Film Amazing Grace). Mit dem Verbot in Mauretanien bestehen seit 1981[12] in keinem Land der Erde mehr gesetzliche Grundlagen fĂŒr Sklavenhandel und Sklaverei. Die formale Abschaffung der Sklaverei fĂŒhrte jedoch nur in den seltensten FĂ€llen zu einer effektiven gesellschaftlichen Gleichstellung der frĂŒheren Sklaven. Besonders gut dokumentiert ist diese KontinuitĂ€t der AbhĂ€ngigkeit im Falle der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. SklavereiĂ€hnliche Formen der Unterwerfung von Menschen können jedoch immer wieder selbst in solchen Kulturen beobachtet werden, in denen Sklaverei im engen Sinne keine Tradition besitzt; so etwa die Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus.
Obwohl die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt offiziell als abgeschafft gilt, zeigen sich Schwierigkeiten, sich dem Thema zu stellen. Das betrifft nicht nur die islamische Welt, sondern kennzeichnet auch den europĂ€ischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. So stellte der französische MediĂ€vist Jacques Heers fest, dass Sklaverei als offenkundige Tatsache neben der bĂ€uerlichen Leibeigenschaft trotz einiger ihr gewidmeten Studien bezĂŒglich des Mittelmeerraums dennoch in den gegenwĂ€rtigen Mittelalterdarstellungen kaum vorkomme, und dies mehr oder weniger absichtlich.[13] Dies war auch schon in der Epoche der AufklĂ€rung der Fall. So machte der bis 2001 an der Sorbonne lehrende französische Philosoph Louis Sala-Molins anlĂ€sslich des zweihundertsten Jahrestages der Französischen Revolution darauf aufmerksam, dass keinem der AufklĂ€rer â weder Condorcet, Diderot, Montesquieu noch Rousseau â an der Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien gelegen war. Sala-Molins hĂ€lt die Einstellung zur Sklavenfrage und zu den Schwarzen fĂŒr den entscheidenden Schwachpunkt im aufklĂ€rerischen Anspruch auf die als universell propagierten Menschenrechte.[14] Der vor diesem Hintergrund 1685 unter Ludwig XIV. fĂŒr die Kolonien erlassene und dort bis 1848 ohne Unterbrechung fĂŒr 163 Jahre geltende Code Noir fiel der Vergessenheit anheim, bis er von Sala-Molins 1987 als âmonströsester juristischer Text der Moderneâ wiederveröffentlicht wurde.[15]
Der amerikanische Historiker Ira Berlin, zu dessen Hauptwerk zwei Monografien ĂŒber die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten zĂ€hlen, hat darauf hingewiesen, dass die Geschichtsschreibung zwischen zwei grundlegend unterschiedlichen Formen von Sklaverei unterscheiden mĂŒsse, nĂ€mlich zwischen âSklavengesellschaftenâ (engl.: slave societies) und âGesellschaften mit Sklavenâ (engl.: societies with slaves).
Die Gesellschaft der Plantagenbesitzer der amerikanischen SĂŒdstaaten vor dem Sezessionskrieg sei eine typische Sklavengesellschaft gewesen, die sich von Gesellschaften mit Sklaven, wie sie z. B. in der griechischen und römischen Antike bestanden, charakteristisch unterscheide. Erstens beruhen in Sklavengesellschaften die zentralen Produktionsprozesse â im Fall der SĂŒdstaaten der Anbau von Zuckerrohr, Tabak, Reis und Baumwolle â auf der Arbeitskraft von Sklaven, wĂ€hrend in der Ăkonomie von Gesellschaften mit Sklaven die Sklaven nur eine marginale Rolle spielen. Ein zweiter wichtiger Unterschied besteht darin, dass das VerhĂ€ltnis âHerr â Sklaveâ in Sklavengesellschaften Modellcharakter annimmt und auch auf alle sonstigen sozialen Beziehungen (Mann â Frau, Eltern â Kind, Arbeitgeber â Arbeitnehmer) ĂŒbertragen wird; in Gesellschaften mit Sklaven ist dies nicht der Fall. Infolgedessen bilden die Sklavenhalter in Sklavengesellschaften die herrschende Klasse, wĂ€hrend sie in Gesellschaften mit Sklaven nur einen Teil der â umfassenderen â begĂŒterten Elite ausmachten.[16]
Auf Sklaverei beruhende Gesellschaftsformen waren bis zum 19. Jahrhundert weltweit verbreitet. Indessen dauert Sklaverei trotz ihres Verbotes auch im 21. Jahrhundert stellenweise fort. Das kann daran liegen, dass den Sklaven unter unterschiedlichsten Bezeichnungen in verschiedenen Kulturen ein je besonderer Status in den sozialen Umfeldern zukam und zukommt, weil Gesellschaften in sich hochkomplexe Gebilde sind. Der französische Anthropologe und Islamkenner Malek Chebel kommt zum Beispiel in einer neuen Untersuchung zur Sklaverei in der islamischen Welt auf eine SchĂ€tzung von 21 bis 22 Millionen Sklaven, die im Laufe von 14 Jahrhunderten als kriegsgefangene Slawen, Konkubinen, Diener, Sklaven aus Afrika oder im mediterranen Sklavenhandel erbeutete Christen ihre Freiheit verloren. Chebel zĂ€hlt zu den Millionen auch die in den Golfstaaten gegenwĂ€rtig tĂ€tigen Philippinos, Inder und Pakistaner, die dort ihre Menschenrechte verlieren, berĂŒcksichtigt aber zum Beispiel ausdrĂŒcklich nicht afrikanische Minderheiten im Maghreb, in der TĂŒrkei, im Iran oder in Afghanistan.[17]
In fast allen Epochen wurde das Halten von Sklaven auch ideologisch untermauert. Die Griechen teilten die Menschheit in Griechen und Barbaren ein, und es schien nur gut und gerecht, Barbaren zu Sklaven zu machen.
Aristoteles definiert in der griechischen Antike den Sklaven von Natur aus als BesitzstĂŒck[18]. LĂ€sst man die problematische substanzphilosophische und naturrechtliche BegrĂŒndung dieses BesitzverhĂ€ltnisses beiseite, dann charakterisiert Aristoteles die Sklaven weiterhin durch zwei Eigenschaften. Zum einen haben solche BesitzstĂŒcke die Eigenart, ein besonderes Werkzeug zu sein, das viele andere Werkzeuge ersetzen kann. Entsprechend der aristotelischen Teleologie haben Werkzeuge keinen eigenen Zweck, sondern mĂŒssen sich einem Zweck unterordnen, welcher von einem vollkommenen Ganzen her bestimmt wird, von dem sie nur ein unvollkommener Teil sind. [19] Diese menschlichen Werkzeuge besitzen aber im Gegensatz zu anderen unbelebten Werkzeugen eine gewisse antizipatorische FĂ€higkeit. Aristoteles schreibt dazu, dass Sklaven in der Lage sind, von selbst Befehle zu antizipieren und nicht nur auf Befehle anderer hin zu handeln. Als solche vorauseilend gehorchende Werkzeuge haben sie eine Seele, zu deren voller, vernĂŒnftiger Ausbildung sie jedoch nicht fĂ€hig sind. Deswegen sei es besser fĂŒr den Sklaven, ĂŒberlegenen Menschen als Sklaven zu dienen.
Cicero spricht spĂ€ter von Juden und Syrern als âMenschen, die zu Sklaven geboren wurdenâ, und er meint, dass es einigen Nationen gut tue, wenn sie sich in einem Zustand totaler politischer Unterwerfung befinden. Vor allem die Ansichten von Aristoteles wurden auch spĂ€ter benutzt, um der Sklaverei eine ideologische BegrĂŒndung zu geben.
Im Christentum wurde die Sklaverei als Institution erst spĂ€t verurteilt. Schon im Alten Testament wird ein Urvater der Völker verflucht und zum niedrigsten Knecht seiner BrĂŒder bestimmt[20]. Allerdings ist es im Alten Testament nicht erlaubt, Sklaven zu erschlagen[21]. Die neutestamentlichen Schriften gehen von der Existenz von Sklaven als Teil der gottgewollten Ordnung aus, in der die Menschen eben unterschiedliche Status innehaben und sich damit arrangieren mĂŒssen, wollen sie Gottes Willen nicht zuwiderhandeln. Im Mittelalter kam fĂŒr Sklaverei und Sklavenhandel das Argument hinzu, dass damit die Christianisierung von Heiden gefördert werde. Mit den pĂ€pstlichen Bullen Dum Diversas (1452) und Romanus Pontifex (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere Feinde des Christentums zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen.[22]. Im Fall der dalmatischen fante, deren Unfreiheit zeitlich begrenzt war, wurde betont, dass einige Jahre in sklavenĂ€hnlichem ArbeitsverhĂ€ltnis notwendig seien, damit sie ausreichend Zeit zum Lernen hĂ€tten.
1510 wurden die Theorien von Aristoteles zum ersten Mal von dem schottischen Gelehrten John Major auf die amerikanischen Indianer angewendet.[23] Erst 1537 wurde mit der Bulle Sublimus Dei festgestellt, dass andere, nichteuropĂ€ische Ethnien, z. B. Indianer, echte Menschen seien mit der BefĂ€higung, den katholischen Glauben zu verstehen. Nun wurde es verboten, ihnen die Freiheit und ihren Besitz zu nehmen. Doch noch im 19. Jahrhundert wurden entgegengesetzte Ansichten vertreten. George Fitzhugh etwa publizierte 1854 ein Buch, in dem er sagte: âEinige Menschen sind mit einem Sattel auf dem RĂŒcken geboren, und andere sind gestiefelt und gespornt, um diese zu reiten. Und es tut ihnen gut!â[24]
Folgende Formen der Unfreiheit und Ausbeutung werden von der Sklaverei unterschieden:
Im Englischen sind zur deutlicheren Unterscheidung der Sklaverei von Ă€hnlichen Formen der Unfreiheit die AusdrĂŒcke âChattel Bondageâ (Besitz-Knechtschaft) und âChattel Slaveryâ (Besitz-Sklaverei) verbreitet, die ausschlieĂlich solche Formen der Unfreiheit bezeichnen, bei denen eine Person auch im juristischen Sinne â also mit expliziter BestĂ€tigung durch den Gesetzgeber â als das Eigentum einer anderen Person betrachtet wird.[26]
Artikel 4 der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention verbietet Sklaverei. Viele Politiker und Menschenrechtsorganisationen, deren Engagement der BekĂ€mpfung modernen Formen der Unfreiheit â besonders der Zwangsprostitution, der Zwangsarbeit, der Kinderarbeit[27] und der Rekrutierung von Kindern als Soldaten[28] â gilt, bemĂŒhen sich um eine Anerkennung dieser PhĂ€nomene als Sklaverei. Heutzutage soll es mehr Sklaven auf der Welt geben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.[29] In Paragraph 104 des österreichischen Strafgesetzbuches wird Sklavenhandel und die Versklavung anderer mit Freiheitsstrafe von zehn bis zwanzig Jahren bedroht.[30]
Menschenrechtsorganisationen setzen sich dafĂŒr ein, dass die Zwangsprostitution rechtlich als Sklaverei und somit als Menschenrechtsverletzung behandelt wird. Hiervon sind auch die demokratischen Staaten Mitteleuropas betroffen, wo z. T. die bestehenden Rechtsvorschriften unzulĂ€nglich umgesetzt werden.
Der Europarat verurteilt und kriminalisiert jegliche Art der Sklaverei nach Artikel 4 der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention. Doch auch heute noch können Menschen in Situationen gelangen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Ein Beispiel dafĂŒr ist der kriminelle Menschenhandel und das Festhalten von Frauen zur sexuellen Ausbeutung. Insbesondere seit dem Zusammenbrechen des Kommunismus in Osteuropa und der andauernden InstabilitĂ€t im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nimmt die erzwungene Prostitution von Frauen und MĂ€dchen zu.[31].
Im April 2006 veröffentlichte Terre des hommes Zahlen, nach denen mehr als 12 Millionen Menschen als Sklaven betrachtet werden mĂŒssen. Diese Zahlen wurden spĂ€ter von Seiten der Vereinten Nationen bestĂ€tigt. Davon seien etwa die HĂ€lfte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit.[32] In Indien, Bangladesch und Pakistan leben demnach die meisten Zwangsarbeiter. Auch in den IndustrielĂ€ndern leben insbesondere Frauen als Zwangsprostituierte unter sklavenĂ€hnlichen UmstĂ€nden. DarĂŒber hinaus werden im Baugewerbe, in Haushalten und in der Landwirtschaft ArbeitskrĂ€fte illegal ohne Rechte beschĂ€ftigt. In Mitteleuropa sind EinzelfĂ€lle von sklavenĂ€hnlichen ArbeitsverhĂ€ltnissen bekannt. So hielt sich ein jemenitischer KulturattachĂ© in Berlin, der Diplomatische ImmunitĂ€t genoss, jahrelang eine unbezahlte Hausangestellte unter sklavenĂ€hnlichen Bedingungen.[33]
Im nördlichen brasilianischen Bundesstaat ParĂĄ werden regelmĂ€Ăig GroĂgrundbesitzer bei der BeschĂ€ftigung von Sklavenarbeitern gefasst. Kirchliche und Menschenrechts-Vertreter, die diese MissstĂ€nde bekĂ€mpfen, werden mit dem Tode bedroht. In einer jĂ€hrlich in allen Tageszeitungen veröffentlichten schwarzen Liste (Lista Negra) stehen 50 brasilianische, teilweise prominente (GroĂ-) Unternehmen, die Menschen durch unbezahlte Sklavenarbeit ausbeuten. Die Rekrutierung erfolgt ĂŒberregional. Die weite Verbreitung von Feuerwaffen ermöglicht die gewaltsame Hinderung der Flucht von den bis zu einigen tausend Quadratkilometer groĂen Fazendas, auf denen in letzter Zeit heimliche Friedhöfe entdeckt wurden. Durch Korruption werden Gerichtsprozesse be- und teilweise bis zur VerjĂ€hrungsgrenze verhindert. Eine VerfassungsĂ€nderung, die betroffenen Fazendas mit der Enteignung gedroht hĂ€tte, wurde durch eine starke Lobby im Senat verhindert.
Oft werden Sklaven zur Arbeit auf Plantagen benutzt und mĂŒssen so hart arbeiten, dass viele Sklaven Selbstmord begehen. Sklavinnen werden hĂ€ufig misshandelt oder an Bordelle verkauft. Die Sklaven sind der WillkĂŒr ihres Besitzers völlig ausgesetzt. Wenn einem Sklaven die Flucht gelingt, kann er auch nicht zur Polizei gehen, denn diese ist so schlecht bezahlt, dass sie sich von den GroĂgrundbesitzern bestechen lĂ€sst und den GeflĂŒchteten an den GroĂgrundbesitzer verrĂ€t. In vielen FĂ€llen lassen GroĂgrundbesitzer ihre Sklaven töten, wenn sie eine Bezahlung oder die Freiheit verlangen.
In Haiti leben laut einem Bericht der Kindernothilfe im Jahr 2009 etwa 300 000 Kinder beiderlei Geschlechts als Haussklaven, sogenannte âRestavĂšksâ (von franz.: rester avec, deutsch: bei jemandem bleiben) in Familien der Ober- und Mittelschicht vornehmlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie stammen zumeist aus auf dem Land lebenden Familien, die ihre Kinder kaum noch ernĂ€hren können und sie daher in der Regel kostenlos besser gestellten Familien ĂŒberlassen. Dort haben sie tĂ€glich bei freier Kost und Logis, aber ohne Möglichkeit der Schulausbildung und ohne Bezahlung alle anstehenden Arbeiten im Haushalt zu erledigen. Körperliche ZĂŒchtigung und sexueller Missbrauch ohne Straffolgen fĂŒr die TĂ€ter sind an der Tagesordnung. Obwohl in die Verfassung von Haiti nach dem Ende der Sklaverei und der ErklĂ€rung der UnabhĂ€ngigkeit im Jahre 1804 auch einmal ein Passus aufgenommen wurde, der Kindern grundsĂ€tzlich ein âRecht auf Liebe, Zuwendung und VerstĂ€ndnisâ zusichert und auch die âFreiheit der Arbeitâ regelt, werden in der tĂ€glichen RealitĂ€t diese VorsĂ€tze nicht umgesetzt.[34][35]
Nach SchĂ€tzung der Internationalen Organisation fĂŒr Migration (OIM) werden jĂ€hrlich etwa 2000 haitianische Kinder von Schleuserbanden illegal ĂŒber die Grenze in die Dominikanische Republik geschafft und dort als Haussklaven und ArbeitskrĂ€fte in der Landwirtschaft verkauft.[36]
Auch viele in Deutschland erhĂ€ltliche Schokoladenprodukte sind aus Kakao gemacht, der von Kindersklaven angebaut wurde. Laut Anti-Slavery International sollen an der ElfenbeinkĂŒste, von wo 40% der weltweiten Kakaoernte stammen, rund 200.000 laut Greenpeace teils aus NachbarlĂ€ndern stammende Kindersklaven als Erntehelfer eingesetzt werden. Es sind Jungen und MĂ€dchen im Alter von 10 bis 14 Jahren, die zumeist aus Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Togo und Benin stammen und ohne Lohn nur gegen Kost und Logis arbeiten. Sie mĂŒssten dabei zu 90% schwere Lasten tragen und zu zwei Dritteln ungeschĂŒtzt Pestizide versprĂŒhen. Um das Jahr 2000 haben sich Schokoladenhersteller verpflichtet, an diesen ZustĂ€nden etwas zu Ă€ndern. Laut einer Studie des kirchennahen SĂŒdwind-Instituts ist danach aber kaum etwas passiert. Wie oft im internationalen Handel wird ein billiger Einkaufspreis mit so gut wie allen Mitteln vorangetrieben. Deswegen ist in den USA ein Gerichtsverfahren wegen Sklaverei und Verschleppung von Kindern aus Mali gegen NestlĂ© anhĂ€ngig.[37]
Obwohl nach Auslegung einiger Exegeten der Koran in der vierten Sure die Bestrafung von gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen fordert:
Und diejenigen, die es von euch [MĂ€nnern] begehen, strafet beide. Und so sie bereuen und sich bessern, so lasset ab von ihnen. Siehe, Allah ist vergebend und barmherzig (Sure 4, Vers 16).[38]
und obwohl nach aktuellem Gesetz in Afghanistan Geschlechtsverkehr mit Jungen beziehungsweise Jugendlichen unter 18 Jahren und mit MĂ€dchen unter 16 Jahren verboten ist und auch ein GroĂteil der afghanischen MĂ€nner HomosexualitĂ€t in alltĂ€glich öffentlichen GesprĂ€chen als widerwĂ€rtig und abstoĂend ablehnen[39], wird besonders im Norden des Landes noch heute die jahrhundertealte und nach wie vor in weiten Kreisen gesellschaftlich akzeptierte Tradition der sogenannten âBaccha Baaziâ (wörtlich âKnabenspiel"[40]) praktiziert. Bei dieser afghanischen Form der Kinderprostitution, die von einem UN-Mitarbeiter als Kindersklaverei bezeichnet wird[39], tanzt ein als Frau verkleideter Junge (BacchĂĄ) erst vor MĂ€nnern und muss diese hinterher meist auch sexuell befriedigen.[39] Die Tanzjungen sind zwischen 8 und etwa 14 Jahren alt[41], werden oft armen Familien abgekauft, teilweise entfĂŒhrt oder sind Waisen von der StraĂe.[39] Sie werden zunĂ€chst zu TĂ€nzern fĂŒr Sexpartys gleichkommenden Unterhaltungsveranstaltungen ausgebildet, jedoch spĂ€testens nach Einsetzen des Bartwuchses von ihren âBesitzernâ gegen jĂŒngere Knaben ausgetauscht, gĂŒnstigstenfalls mit einer Ă€lteren, nicht mehr jungfrĂ€ulichen Frau verheiratet, gelegentlich auch zusĂ€tzlich mit kleinem Haus und Hof abgefunden[42], meist aber einfach nur entschĂ€digungslos verstoĂen.[39] Nicht wenige âBaccha Baazisâ sind ermordet worden, nachdem sie versucht hatten, ihren âHerrenâ zu entfliehen.[39]
In Nepal werden jedes Jahr tausende minderjĂ€hrige MĂ€dchen meist ab ihrem fĂŒnften, manche sogar ab dem vierten bis zum 15. Lebensjahr verkauft, um in HĂ€usern reicher Grundbesitzer als sogenannte Kamalaris [43] völlig rechtlos und ohne jeden Schutz bis zu 16 Stunden tĂ€glich alle möglichen Arbeiten zu verrichten. 10 Prozent von ihnen wĂŒrden von ihren Besitzern auch sexuell missbraucht.[44][45]