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Ein Soldat (nach dem Sold, den er bezieht) ist ein bewaffneter Angehöriger einer Armee oder der Streitkräfte eines Landes, vom höchsten Befehlshaber bis zum Gemeinen, obwohl sich der Sprachgebrauch lange auf Letztere beschränkte.
Soldatinnen (weibliche Soldaten) gibt es in regulären Streitkräften erst seit dem 20. Jahrhundert, siehe Frauen im Militär.
Von den Soldaten abzugrenzen sind Söldner, die nicht Angehörige regulärer Armeen sind, sowie Krieger (etwa früher Stammesgesellschaften), die sich zu einzelnen Kriegszügen sammelten und oft keinen Sold, sondern nur einen Beuteanteil erhielten, sowie heutige Militärbeamte.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort Soldat kam zum ersten Mal im 16. Jahrhundert in Gebrauch, nachdem es zuvor bereits als soldato mit der Bedeutung „Krieger, Gefolgsmann” in den italienischen Sprachraum Einzug hielt. Sein Ursprung liegt im lat. Verb soldare „in Sold nehmen”. Die Synonyme des Lehnwortes Soldat sind noch älteren Ursprungs: Krieger und Kämpfer sind bereits für das Mittelhochdeutsche (Mittelalter) belegt. Dagegen entstand die Bezeichnung Milizionär erst im 17. Jahrhundert aus dem lat. miles „Soldat”, dessen Bedeutung in einigen ehemals sowjetischen Staaten abweicht, da sie dort einen Polizisten bezeichnet.
Der Begriff „Soldat“ ist geschlechtsneutral, obwohl in einigen Sprachen auch eine weibliche Form, beispielsweise im Deutschen „Soldatin“ oder im Französischen „soldate“, existiert. In manchen Sprachen, wie zum Beispiel im Spanischen erfolgt die Differenzierung lediglich durch Voranstellen des geschlechterspezifischen Artikels. Diese Konnotation leitet sich vorwiegend aus patriarchalen Vorstellungen von Beruf und Tätigkeit dessen her, mit dem der Begriff „Soldat“ verbunden ist. Diese Vorstellung verbindet sich nur selten mit mythologischen Narrativen, wie dem der Amazonen, oder mit der Realität in der Moderne.
In der Pressemitteilung des Bundesministeriums fĂĽr Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 11. Oktober 2001 wurde unter anderem festgelegt, dass alle Rechtsvorschriften des Bundes in einer geschlechtergerechten Sprache gefasst werden.[1] Darauf basierend erfolgt derzeit auch die Ăśberarbeitung der Vorschriftentexte fĂĽr die Bundeswehr.
Der Begriff wird über seine militärische Bedeutung hinaus als Metapher für eine Anzahl „kämpferischer“ Tätigkeiten verwendet. So wird wegen seiner Loyalität zu seiner Partei ein entsprechendes Mitglied als Parteisoldat benannt. Ein Pazifist wird für seinen aktiven Einsatz für den Frieden als Soldat für den Frieden oder Friedenssoldat bezeichnet. Relativ hierarchisch organisierte Umweltaktivisten wie Greenpeace werden als Rainbow Warriors bezeichnet.
Die Aussage „Soldaten sind Mörder“ stammt ursprünglich von Kurt Tucholsky in der Zeitschrift Die Weltbühne. Sie wurde in der Kontroverse um den Aufbau der Bundeswehr im Nachkriegsdeutschland als Kampfparole eingesetzt, ohne ihr eine juristisch belegbare Basis zu geben. Mit dem Mittel der Inkriminierung wurde hier vielmehr um die politische Meinungsfreiheit einerseits und den Anspruch juristischer und politischer Korrektheit gestritten.
Im österreichischen Bundesheer wird der Soldat als Wehrmann bezeichnet und ist der unterste Dienstgrad. Auch in der Schweiz wird er häufig als Wehrmann bezeichnet. In den Landstreitkräften der NVA war Soldat zudem der niedrigste Mannschaftsdienstgrad; in der Schweizer Armee ist dies auch heute noch so.
Der bekannteste ideologische Hintergrund für die Erscheinungsform des Soldatentums ist der Militarismus. Die bedeutendste und als zivilisiert betrachtete philosophische Legitimation im sogenannten Westen ist die Philosophie Kants, die er 1795 in seiner Schrift Zum ewigen Frieden veröffentlichte.
Soldaten im eigentlichen Sinne gibt es nach dem Römischen Reich in Europa erst wieder mit der Bildung stehender Heere. Frühere Heere wurden entweder durch feudale Strukturen kurzzeitig verpflichtet oder für den jeweiligen Kriegszug von anderen Landesoberhäuptern oder von „Gewaltunternehmern“ (nach Elwert) angeworben (Söldner) – vgl. Condottiere.
Soldaten fühlten sich zunächst nur an ihren Kommandeur gebunden, der der jeweiligen Einheit oft auch seinen Namen gab. Erst mit dem Übergang von der absolutistischen zur nationalen Staatsidee wandelte sich auch das Bild vom Soldaten, der nun seiner Nation verpflichtet war. Die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr, verstehen ihre Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“, um deutlich zu machen, dass anders als in früheren deutschen Armeen der Soldat weiter in die zivile Gesellschaft eingebunden bleiben soll, jedoch mit bestimmten Vorrechten und Pflichten.
Über den Status des Soldaten (als Befehlsempfänger, Held, Deserteur, Feigling, Fahnenflüchtiger ...) entscheidet die Frage nach dem zuerkannten und tatsächlich vorhandenen Status des Soldaten als Subjekt oder Objekt. Die Untersuchung dieser Frage ist wissenschaftlicher Gegenstand der Soziologie. Die Beantwortung der Frage betrifft vor allem die Themen der gesellschaftlichen und historischen, aber auch der rechtlichen Bewertung des Soldaten und seiner Handlungen.
Ob Soldaten als Subjekte gesellschaftlich anerkannt werden, hängt von verschiedenen Faktoren und Perspektiven ab. Eine gängige gesellschaftliche Wahrnehmung beschreibt sie als willenlose Befehlsempfänger und damit als Objekte und nicht als Subjekte, denen ein Nachdenken über die Situation und ein eigenständiges Handeln zugesprochen wird. Einen ausgesprochenen Subjektstatus erhalten hingegen einerseits diejenigen, „die nicht nur ihre Befehl ausführen, wie dies erwartet wird, sondern mehr tun, als ihre Vorgesetzten von ihnen erwarten“ und „(w)enn dieser unerwartete oder außerordentliche Einsatz von den Vorgesetzten zumindest im Nachhinein begrüßt wird, dann werden diese Soldaten gemeinhin als Helden bezeichnet“.[2] Auf der anderen Seite wird denen ein besonderer Subjektstatus zu gewiesen, die sich den Befehlen verweigern oder widersetzen. Zu dieser letzten Gruppe gehören Deserteure, Fahnenflüchtige, Meuterer, Streikende. Eine entscheidende Rolle spielt hier die Frage, „ob sie die ihnen erteilten Befehle ausführen oder sie verweigern“.[3] Soziologisch gesehen bleiben Soldaten Subjekte, „weil sie als verletzungsoffene leibgebundene Wesen zu intentionalem Handeln fähig sind.“[3] Nach Warburg schließt dies nicht aus, „dass sie Zwängen unterliegen“, jedoch führe dies nicht dazu, „dass sie zu bloßen Werkzeugen in den Händen ihrer Vorgesetzten werden.“[3]
Die Frage nach der Subjektivität in der Militärforschung bestimmt auch die Frage, inwieweit Soldaten durch die Technik ersetzt werden können. Soldaten gelten hierbei als für die Kriegsführung „schlecht konstruiert“. Mit dem Ziel, die Schlagkraft ihrer Verbände zu erhöhen, bemühen sich derzeit viele avancierte Militärmächte um die „Umsetzung einer netzwerkzentrierten Kriegführung, kurz auch NCW genannt (network-centric warfare)“.[4] In diesen modernen Militärstrategien wird trotz Befehlsgebundenheit der Soldaten versucht, „die individuellen Entscheidungs- und Handlungskompetenzen der Soldaten verstärkt zu nutzen“, indem der Versuch unternommen wird, „bestimmte Aspekte der Subjektivität der Soldaten für eine Effektivierung der Schlagkraft der Verbände zu verwenden“.[3] Bei diesen Strategien, deren Autoren wie David S. Alberts sich an den Rationalisierungsprozessen der New Economy (Lean Production, just in time und andere Unternehmenskonzepte) ausrichten oder sich an Subjektivierungskonzepte der Industriesoziologie orientieren, wird „die Subjektivität der Soldaten als eine unverzichtbare Effektivitätsressource“ erachtet.[5]
Die Versuche der Militärforschung, sich an Subjektivierungskonzepte aus der Ökonomie zu orientieren, beantwortet jedoch nicht die Frage, ob Soldaten damit tatsächlich vom Militär als Subjekte anerkannt werden. So machen Soziologen für die Anerkennung des Subjektstatus des Soldaten seitens des Militärs auch von der Frage abhängig, „ob es (das Militär) die Soldaten auch gegen ihren Willen zwingt, Leib und Leben zu riskieren. Wenn Soldaten das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit verweigert wird, wird ihnen ein grundlegendes Menschenrecht vorenthalten und versucht, sie zu Objekten herabzusetzen“.[3] (Warburg) Bedeutung findet diese Frage nach dem Subjektstatus der Soldaten vor dem Hintergrund eingeschränkter Menschenrechte in der Diskussion, ob Deserteuren ein Recht auf Asyl zuerkannt werden soll.[3]
Der Soldat ist als Verteidiger im Rahmen seiner Armee als Erstes ein Garant für die äußere Souveränität seines Landes, durch die latente Drohung, eine Einschränkung der Souveränität durch die Vernichtung von Menschen und deren materiellen Existenzen zu vergelten.
Andererseits ist der Soldat als Angreifer oft auch nur das Mittel zum Zweck aggressiver Mächte andere Länder anzugreifen, zu erobern und/oder sich an den lokalen Ressourcen zu bereichern.
Im Kriegsfall ist das Aufgabenfeld des Soldaten und seiner Armee sehr weit gestreut. Je nach Lage sind folgende Dinge vordringlich:
Soldaten stehen in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis, das auf die Sicherung der ständigen Verteidigungsbereitschaft gegen Angriffe von außen gerichtet ist. Die bürgerlichen Grundrechte können aufgrund der dienstlichen Erforderlichkeit bei Soldaten der Bundeswehr gemäß Art. 17a GG eingeschränkt werden. Die dienstlichen Pflichten des Soldaten sind im Soldatengesetz (SG) geregelt. Die Besoldung der Berufs- und Zeitsoldaten erfolgt analog zu den Beamten.
Das Anwerben und die Verpflichtung fĂĽr den Waffendienst und Heeresdienst wird als Rekrutierung oder Ausheben bezeichnet.
Die meisten Soldaten haben einen Dienstgrad, der ihre Stellung und ihre Befugnisse innerhalb der Streitkraft regelt.
In der Regel untersteht ein Soldat mit einem niedrigen Dienstgrad dem Kommando eines höher gestellten Soldaten, es gibt aber Ausnahmen. Ein einfacher Soldat (in Deutschland: „Mannschaftsdienstgrad“) hat im Gegensatz zu Offizieren oder Unteroffizieren keine Befehlsgewalt, sofern er diese nicht zur Erfüllung besonderer Aufgaben erhalten hat (etwa als stellvertretender Wachhabender, Wachvorgesetzter, Vorgesetzter aufgrund besonderen Aufgabenbereichs, Wahrung der lokalen oder nationalen Sicherheit oder auch bei Aufsicht von Kriegsgefangenen).
| Niedrigerer Dienstgrad --- |
Mannschaftsdienstgrad Soldat |
Höherer Dienstgrad Gefreiter | |
| Einordnung: Mannschaften – Unteroffiziere o.P. – Unteroffiziere m.P. – Leutnante – Hauptleute – Stabsoffiziere – Generale/Admirale Alle Dienstgrade auf einen Blick: Dienstgrade der Bundeswehr · Die Bundeswehruniformen: Uniformen | |||
Soldaten bilden die regulären Streitkräfte eines Staates. Sie erfüllen daher weltweit die Aufträge, die ihnen durch den Souverän erteilt werden. Hierbei wird von den Soldaten interkulturelle Kompetenz im internationalen Umfeld erwartet.
Soldaten werden während ihrer Karriere – auch zu Friedenszeiten – oftmals an andere Standorte im In- und Ausland versetzt. Dies stellt die Familien vor die Herausforderung, Bekannten- und Freundeskreis, Berufstätigkeit des Ehepartners und die schulische Laufbahn der Kinder mit den Dienstortveränderungen in Einklang zu bringen.
Zum Teil sehen sich Soldaten zudem mit einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Militär konfrontiert, was eine zusätzliche Belastung inner- und außerhalb des Dienstes darstellt.
Die besonderen körperlichen Anforderungen des Soldatenberufes haben einen, im Vergleich zur übrigen Bevölkerung, frühen Eintritt in den Ruhestand zur Folge.
Die Erfordernisse, die im Einsatz (sowohl Peacekeeping als auch Krieg) an den Soldaten gestellt werden, setzen, neben den allgemeinen militärischen Fertigkeiten, Fachkenntnisse aus nahezu allen zivilen Berufssparten (zum Beispiel aus den Berufen des Luftfahrzeugmechanikers/der Luftfahrzeugmechanikerin, des Bürokaufmanns/der Bürokauffrau, des Rettungssanitäters/der Rettungssanitäterin, des Schreiners/der Schreinerin, des Mechatronikers/der Mechatronikerin u.v.m.) und gängigen Studienrichtungen (zum Beispiel Informatik, Maschinenbau, Pädagogik u.v.m.) voraus. Viele Armeen bilden daher die benötigten Berufe selbst aus oder führen die akademische Ausbildung an streitkräfteeigenen Universitäten (z.B. Universitäten der Bundeswehr) und Militärakademien (z.B. Westpoint) durch.
FĂĽr Zeitsoldaten, die nicht zum Berufssoldaten ernannt werden, bietet das den Vorteil einer anerkannten Ausbildung, die den Einstieg in das zivile Berufsleben erleichtert.
In Ländern ohne Zentralgewalt, wie etwa in einigen Ländern Asiens oder Afrikas (Afghanistan, Somalia) verdienen sich Kriminelle, welche sich Soldaten nennen, ihren Lebensunterhalt oft durch Plünderungen und Raub unter der Regie von Kriegsherren (englisch: Warlords), die Landesteile kontrollieren.
Auch in Europa waren die eigenen Armeen für die Zivilbevölkerung eines Landes oft verheerend (Dreißigjähriger Krieg, Hundertjähriger Krieg). Es lag an den Heerführern, wo und wie sie die Bezahlung ihrer Truppen erhielten. So gab es in alten Zeiten kaum einen Unterschied, ob ein feindliches oder freundliches Heer durchs Land zog, da der Sold der Soldaten oft nur aus dem bestand, was Land und Bewohnern zu nehmen war.