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Somalia

Dieser Artikel behandelt den ehemaligen Staat Somalia. FĂŒr den danach benannten Himmelskörper siehe Somalia (Asteroid).
Jamhuuriyadda Federaalka Soomaaliya (Somali)
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ÇŠumhĆ«riyyat aáčŁ-áčąĆ«māl al-Fidirāliyya (arab.)
Bundesrepublik Somalia
Flagge Somalias
Wappen Somalias
Flagge Wappen
Amtssprache Somali und Arabisch[1]
Hauptstadt Mogadischu
Staatsform parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem parlamentarisches System
Staatsoberhaupt PrÀsident
Hassan Sheikh Mohamud
Regierungschef Premierminister
Abdiweli Sheikh Ahmed
FlĂ€che 637.657 kmÂČ
Einwohnerzahl 7,5 bis 12,9 Millionen (2009)(*)
Bevölkerungsdichte 13,90 Einwohner pro kmÂČ
WĂ€hrung Somalia-Schilling (SOS)
GrĂŒndung
  • 1. Juli 1960 Republik Somalia
    Vereinigung des bis dahin Italienischen Treuhandgebietes mit dem ehemaligen Britisch-Somaliland
  • 21. Oktober 1969
    Demokratische Republik Somalia
  • ab Januar 1991 in Auflösung
    (siehe Übergangsregierung Somalias)
  • 25. August 2012
    Bundesrepublik Somalia
  • UnabhĂ€ngigkeit 1. Juli 1960 (der SĂŒden von Italien)
    26. Juni 1960 (der Norden vom Vereinigten Königreich als State of Somaliland).
    Nationalhymne Qolobaa Calankeed
    Datei:QolobaaCalankeed.ogg
    Zeitzone UTC+3
    Kfz-Kennzeichen SO
    ISO 3166 SO, SOM, 706
    Internet-TLD .so
    Telefonvorwahl +252
    ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaLesothoSwasilandMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalMadeiraSpanienKanarenKap VerdeMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenÎles ÉparsesMadagaskarSão Tomé und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeschVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarAntarktikaSüdgeorgien (Vereinigtes Königreich)ParaguayUruguayArgentinienBolivienBrasilienFrankreich (Französisch-Guayana)SurinameGuyanaKolumbienKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBarbadosBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldawienUkraineMazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandSomalia on the globe (Africa centered).svg
    Über dieses Bild

    Somalia (Somali Soomaaliya; arabisch ‏Ű§Ù„Ű”ÙˆÙ…Ű§Ù„‎, DMG aáčŁ-áčąĆ«māl) oder Bundesrepublik Somalia bezeichnet einen föderalen Staat im Ă€ußersten Osten Afrikas am Horn von Afrika. Der Name ist vom Volk der Somali abgeleitet, das die Bevölkerungsmehrheit bildet und auch in den NachbarlĂ€ndern ansĂ€ssig ist.

    Somalia entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 („Afrikanisches Jahr“) gemeinsam unabhĂ€ngig wurden. Das Staatsgebiet grenzt an den Indischen Ozean im Osten, den Golf von Aden im Norden, Dschibuti und Äthiopien im Westen und Kenia im SĂŒden. Nach dem Sturz der autoritĂ€ren Regierung unter Siad Barre 1991 existierte aufgrund des noch andauernden BĂŒrgerkrieges mehr als 20 Jahre lang keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die ab dem Jahr 2000 unter dem Schutz der internationalen Staatengemeinschaft gebildeten Übergangsregierungen blieben weitgehend erfolglos; sie vermochten zeitweise kaum die Hauptstadt unter ihrer Kontrolle zu halten. Weite Teile des Landes fielen in die HĂ€nde lokaler Clans, Kriegsherren, radikal-islamistischer Gruppen oder Piraten.

    Auf dem Staatsgebiet haben sich verschiedene De-facto-Regimes gebildet. Von diesen strebt jedoch nur Somaliland im Nordwesten seit 1991 nach internationaler Anerkennung als eigenstĂ€ndige Nation. Die ĂŒbrigen, darunter Puntland, Galmudug und Azania, beanspruchten zwar Autonomie als selbstverwaltete Teilstaaten, haben die Idee des gemeinsamen somalischen Staates aber nicht aufgegeben. Mit Inkrafttreten der neuen Verfassung am 1. August 2012 sind diese autonomen Teilstaaten nun Mitglieder der neuen Bundesrepublik Somalia (zuvor Republik Somalia). Erfolge gegen die radikal-islamistischen Milizen im Jahr 2012 ermöglichten es, im September 2012 erstmals auch wieder eine gemeinsame somalische Regierung zu wĂ€hlen und mit der Reorganisation staatlicher Strukturen zu beauftragen, die zunehmend von anderen Staaten und internationalen Organisationen als Vertretung Somalias anerkannt wird.

    Inhaltsverzeichnis

    Geografie

    → Hauptartikel: Geografie Somalias
    HĂŒgel in Nordsomalia/Somaliland

    Somalia liegt im Osten des afrikanischen Kontinents, am Horn von Afrika auf der Somali-Halbinsel. Der nördliche Teil des Landes ist grĂ¶ĂŸtenteils bergig und liegt im Somali-Hochland durchschnittlich 900 bis 2100 m ĂŒber dem Meeresspiegel; der höchste Berg ist der Shimbiris (2460 m). Nach SĂŒden hin erstreckt sich ein Flachland mit einer durchschnittlichen Höhe von 180 m. Die FlĂŒsse Jubba und Shabeelle entspringen in Äthiopien und fließen durch den SĂŒden Somalias und damit durch die Somali-WĂŒste in den Indischen Ozean. Die KĂŒstenlinie ist 2720 km lang.

    Somalia wird durch Monsunwinde, ein ganzjĂ€hriges heißes Klima, unregelmĂ€ĂŸige RegenfĂ€lle und stetig wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst. Außer in den Berg- und KĂŒstenregionen liegt die durchschnittliche Maximaltemperatur am Tag zwischen 30 und 40 °C. Der sĂŒdwestliche Monsun sorgt in der Gegend um Mogadischu in den Monaten von Mai bis Oktober fĂŒr ein relativ mildes Klima. Zwischen Dezember und Februar bringt der nordöstliche Monsun ein Ă€hnliches mildes Klima. In der sogenannten Tangambili-Periode zwischen den beiden Monsunen (Oktober bis November und MĂ€rz bis Mai) ist es heiß und feucht.

    Umwelt

    Erosion und die Ausbreitung der WĂŒste sind die wesentlichen Umweltprobleme Somalias. Ursachen sind Überweidung und die Abholzung der verbleibenden WĂ€lder, da Holz die Hauptenergiequelle des Landes ist und seit Ausbruch des BĂŒrgerkrieges in grĂ¶ĂŸerem Umfang Holzkohle in die Staaten der Arabischen Halbinsel exportiert wird.

    Die Mangrovengebiete zwischen Kismaayo und der kenianischen Grenze im SĂŒden des Landes und die Korallenriffe am Golf von Aden und nahe Kenia sind ebenfalls von Bodendegradation und SchĂ€digung betroffen.

    In Abwesenheit einer wirksamen KĂŒstenwache wird vor der KĂŒste des Landes illegale AtommĂŒll- und GiftmĂŒllentsorgung (Verklappung) betrieben,[2] und auslĂ€ndische Fangflotten ĂŒberfischen unkontrolliert die GewĂ€sser.[3]

    Bevölkerung

    Somalische Kinder

    Die Einwohner Somalias heißen Somalier. Gelegentlich wird auch unprĂ€zise die Bezeichnung Somali verwendet, die jedoch nur die ethnischen Somali einschließt, also die Nicht-Somali-Minderheiten im Land nicht umfasst.

    Zur Einwohnerzahl Somalias gibt es sehr unterschiedliche Angaben, abhĂ€ngig davon, auf welchen statistischen Grundannahmen zu Bevölkerungswachstum, Migration usw. seit der letzten VolkszĂ€hlung in den 1980er Jahren sie basieren. Die Angaben von Berechnungen fĂŒr die Jahre 2009 bzw. 2010 reichen von 9.832.017[4] bis 13.183.884[5] Einwohnern. Die Vereinten Nationen gehen hingegen von nur 7,5 Mio. Einwohnern aus.[6]

    Heute leben 60 Prozent aller Somalier teilweise oder vollstĂ€ndig als Nomaden. 25 Prozent der Menschen leben als Bauern, die sich in der fruchtbarsten Region des Landes zwischen den FlĂŒssen Shabeelle und Jubba niedergelassen haben. Der ĂŒbrige Teil der Bevölkerung (15 bis 20 Prozent) lebt in stĂ€dtischen Gebieten. Ende 2007 waren ĂŒber eine Million Somalier intern vertrieben.[7]

    Ethnien

    Somalia galt lange als eines der ethnisch homogensten LĂ€nder und als „einziger Nationalstaat“ Afrikas, da die große Mehrheit der Bevölkerung zum Volk der Somali gehört. Dieses Bild hat sich gewandelt, seit im BĂŒrgerkrieg die Differenzen zwischen den verschiedenen Clans der Somali sowie zwischen Somali und ethnischen Minderheiten vor allem in SĂŒdsomalia deutlicher wurden.[8]

    Somali-Clans

    Karte der Somali-Clans

    Die anteilmĂ€ĂŸig bei weitem bedeutendste Ethnie sind die Somali, deren Siedlungsgebiet sich auch auf Ost-Äthiopien (Somali-Region), Dschibuti und Nordost-Kenia erstreckt und die nach heutiger Kenntnis von kuschitisch-afrikanischer und teilweise arabisch-persischer Abstammung sind.

    Von großer Bedeutung fĂŒr Gesellschaft und Politik Somalias ist das Clansystem der Somali, das wahrscheinlich von der Stammesgesellschaft der Araber beeinflusst wurde. Jeder Somali gehört ĂŒber seine vĂ€terliche Abstammungslinie einem Stamm oder Clan an. Die fĂŒnf großen Clanfamilien (qaabiil) sind:

    Dabei gelten die traditionell nomadisch lebenden Dir, Darod, Isaaq und Hawiye als „echte Somali“ oder Samaal, wĂ€hrend die sesshaft-bĂ€uerlichen Rahanweyn als „unechte Somali“ oder als Sab bezeichnet werden. Sie gelten, ebenso wie diverse ethnische Minderheiten, aus Sicht eines Teils der Samaal als nicht gleichberechtigt und unterliegen traditionell einer gesellschaftlichen Benachteiligung.

    Jede dieser Clanfamilien zerfĂ€llt in eine große Zahl Subclans und „Geschlechter“ (Somali: reer, was „Leute aus“, „Nachkommen von“ bedeutet). Diese umfassen jeweils einige Hundert bis Tausend MĂ€nner, die das fĂŒr Verbrechen fĂ€llige Blutgeld (diya, mag) gemeinsam bezahlen bzw. erhalten. Dieses System verschafft dem einzelnen Somali traditionell Schutz fĂŒr Leben und Eigentum, fĂŒhrt jedoch auch zu Blutfehden, die sich nicht nur auf einzelne Verbrechen beziehen, sondern auch Auseinandersetzungen um Wasser- und Weiderechte und um die politische Macht umfassen.

    Minderheiten

    Bantu-BĂ€uerinnen bei Kismaayo, 1993

    Nicht-Somali-Minderheiten machen etwa 15 % der Bevölkerung aus. Zu diesen gehören verschiedene schwarzafrikanische Volksgruppen in SĂŒdsomalia, die von den Somali zusammenfassend als Jarir („harthaarig“ oder „kraushaarig“) bezeichnet werden. Ein Teil von diesen stammt von Sklaven ab, die im 19. Jahrhundert durch den ostafrikanischen Sklavenhandel aus Tansania, Malawi, Mosambik und Kenia nach Somalia gebracht wurden und sich nach ihrer Flucht oder Freilassung grĂ¶ĂŸtenteils im Tal des Jubba niederließen. Sie sind seit den 1990er Jahren als Somalische Bantu bekannt. FĂŒr andere Jarir-Gruppen wie etwa die Shidle gilt die Herkunft bis heute als ungeklĂ€rt; möglicherweise stammen sie von einer Bevölkerung vor den Somali ab.

    Weitere Minderheiten sind Angehörige der Swahili-Gesellschaft und Gruppen von gemischter Herkunft an der KĂŒste (z. B. Bajuni, Brawanesen, Benadiri/Reer Hamar), im ganzen Land verbreitete Gruppen wie die Yibir und Midgan, die auf bestimmte Berufe beschrĂ€nkt sind, sowie einige Tausend Araber und einige Hundert Inder und Pakistaner.

    Sprachen

    Hauptsprache Somalias ist das Somali (Eigenbezeichnung Af-ka Soomaali-ga) – eine ostkuschitische Sprache aus dem Sprachzweig der kuschitischen Sprachen und damit Teil der afroasiatischen Sprachfamilie –, das heute von etwa 12 Millionen Menschen in Somalia und angrenzenden Gebieten gesprochen wird. Die Sprache des Somali-Volkes wird in Somalia auch von allen Minderheiten verwendet.

    Gedicht von Mohammed Abdullah Hassan in im lateinischen Alphabet geschriebenem Somali

    Als Handels- und Bildungssprachen werden auch Arabisch und – als Erbe der Kolonialzeit – Italienisch und Englisch genutzt. Ein kleiner Teil der somalischen Bantu hat die Bantusprache Zigula beibehalten. An der KĂŒste sprechen kleine Minderheiten (die Bajuni in und um Kismaayo und die Brawanesen in Baraawe) Dialekte des Swahili.

    Als einziger afrikanischer Staat neben Tansania entwickelte sich Somalia nach seiner UnabhĂ€ngigkeit weg vom Gebrauch der europĂ€ischen Kolonialsprachen. Somalische Nationalisten strebten nach einer Standardisierung und Verschriftung des Somali. Diese wurde 1972 unter Siad Barre verwirklicht und zur Amtssprache gemacht. Somali setzte sich daraufhin rasch in Verwaltung, Bildungswesen und Medien durch, wĂ€hrend Italienisch, Englisch und Arabisch entsprechend an Bedeutung verloren.[9] Als Basis fĂŒr das Standard-Somali diente die vor allem im Norden gesprochene Variante Maha Tiri (Maxaa Tiri); die andere Hauptvariante ist das im SĂŒden verbreitete Maay, daneben gibt es weitere Dialekte.

    Die somalische Übergangsverfassung von 2004 legt als offizielle Sprachen Somali (Maay und Maha Tiri) und Arabisch fest. Italienisch und Englisch haben einen Status als SekundĂ€rsprachen.[1]

    Religion

    Mond und Minarett in Merka

    Die Bevölkerung Somalias gehört zu fast 100 % dem sunnitischen Zweig des Islam an. Davon sind etwa 80 % Schafiiten und 20 % Hanafiten. Die einzigen Nicht-Muslime in Somalia sind einige hundert Christen, die fast sĂ€mtlich auslĂ€ndischer Herkunft sind. Die wenigen christlichen Somalier gehören der Ă€thiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Einzelne Missionierungsversuche und der Bau einer Kathedrale mit angeschlossenem katholischem Kloster in Mogadischu in der Kolonialzeit blieben ohne grĂ¶ĂŸere Wirkung. Beide wurden wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs zerstört. Damit löste sich auch das römisch-katholische Bistum Mogadischu faktisch auf. Der letzte Bischof war bereits 1989 in der Kathedrale erschossen worden.

    Die traditionelle AusĂŒbung des Islam in Somalia ist in den Dörfern und unter Nomaden eher gemĂ€ĂŸigt und vermischt mit dem Gewohnheitsrecht der Clans. Dort sind die durch missionierende Scheichs verschiedener Sufi-Orden im 19. Jahrhundert verbreiteten Glaubenschulen im Alltag prĂ€sent. Die Ă€lteste und grĂ¶ĂŸte dieser Bruderschaften ist die Qadiriyya, gefolgt von der Salihiyya im Norden. Kleinere Gruppen sind die Dandarawiyya, der Ende des 19. Jahrhunderts von Muhammad ibn Ahmad al-Dandarawi gegrĂŒndete, am weitesten verbreitete Zweig der Idrisiyya, und die Rifaiyya, ein Ableger der Qadiriyya, der unter arabischen Einwanderern in Mogadischu populĂ€r ist. Seit den 1970er Jahren gibt es vor allem in den StĂ€dten radikale wahabitische Strömungen, die wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs ebenso wie die Religion insgesamt an Bedeutung gewonnen haben.

    Seit Ausbruch des BĂŒrgerkrieges gehören islamische Einrichtungen zu den wenigen Institutionen, die Bildung, medizinische Versorgung oder auch Rechtsprechung anbieten. Auf die Lage der Frauen wirkt sich der wachsende Einfluss des Islam unterschiedlich aus: Das islamische Recht bringt ihnen gegenĂŒber dem Gewohnheitsrecht gewisse erbrechtliche Verbesserungen, und einige Geistliche sprechen sich heute auch gegen die weit verbreitete MĂ€dchenbeschneidung aus; andererseits werden Frauen zunehmend gedrĂ€ngt, sich stĂ€rker zu verhĂŒllen oder ganz aus dem öffentlichen Raum zurĂŒckzuziehen.[10] Al-Shabaab setzt in SĂŒd- und Zentralsomalia eine strenge Auslegung der Schari’a durch. Sie hat auch Verbindungen zu al-Qaida und hat Dschihadisten aus dem Ausland in ihren Reihen.

    Die Verfassung der Übergangsregierung bestimmt den Islam als offizielle Religion der Republik Somalia und legt fest, dass die Gesetzgebung auf der Schari’a basieren soll.[1] Auch die Verfassung des einseitig fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rten Somaliland erklĂ€rt den Islam zur Religion der Nation und verbietet das „Propagieren“ – darunter fĂ€llt bereits die öffentliche AusĂŒbung – anderer Religionen in Somaliland.[11] Der Abfall vom Islam wird mit drakonischen Strafen, u. a. durch Auspeitschung bestraft.[12]

    Soziale Lage

    Bildung

    → Hauptartikel: Bildungssystem in Somalia
    Klassenzimmer in Hargeysa

    SchĂ€tzungsweise 13 % der Jungen und 7 % der MĂ€dchen besuchen eine Schule. Unterricht findet heute in Abwesenheit eines offiziellen Bildungssystems hauptsĂ€chlich in Koranschulen und privaten Einrichtungen statt. Im faktisch autonomen Somaliland wurde das Bildungswesen seit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung ausgebaut.

    Gesundheit

    MangelernĂ€hrung und Infektionskrankheiten sind verbreitet. 70 % der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Die Kinderzahl pro Frau liegt bei durchschnittlich 6,1.[13] Die MĂŒttersterblichkeit liegt bei 1200 auf 100.000 Geburten. Die Kindersterblichkeit ist hoch: Vor dem 1. Geburtstag sterben 108 und vor dem 5. Geburtstag 180 von 1000 lebend geborenen Kindern.[14] Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird mit 50,7 bis 51,2 Jahren angegeben.[15][16]

    Die VerstĂŒmmelung weiblicher Genitalien wird in Somalia an etwa 98 %[17] der MĂ€dchen vorgenommen, meist in der besonders invasiven Form der Infibulation. Diese Tradition war unter der Regierung Siad Barres gesetzlich verboten worden, blieb jedoch weit verbreitet. Im faktisch autonomen Puntland beschloss das Regionalparlament 1999 ein Verbot.[18] Am 8. MĂ€rz 2004 begann eine landesweite Kampagne, in deren Rahmen der damalige PrĂ€sident der Übergangsregierung, Abdikassim Salat Hassan, von einem Verbrechen gegen die Religion und gegen die Menschlichkeit sprach. Am 26. Oktober 2005 veröffentlichten islamische Geistliche in Mogadischu eine Fatwa, die sich gegen die MĂ€dchenbeschneidung richtet. Darin wird diese in Afrika weit verbreitete traditionelle Praxis als „unislamisch“ verurteilt.[19]

    Der Anteil von HIV-Infizierten wird auf 0,5 %[13] geschĂ€tzt und ist damit im afrikanischen Vergleich sehr niedrig. BegrĂŒndet wird dies mit der islamischen Religion und damit, dass seit Kriegsausbruch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenige Menschen von außen in das Land kamen. Das Wissen um Übertragungswege und PrĂ€vention von HIV/Aids ist kaum verbreitet.

    2008 vermeldete die Weltgesundheitsorganisation, dass durch großangelegte Impfkampagnen das KinderlĂ€hmung verursachende Poliovirus in Somalia ausgerottet worden sei. Das Land war bereits 2002 poliofrei geworden, doch wurde das Virus zwischenzeitlich aus Nigeria wieder eingeschleppt.[20]

    Auf der anderen Seite gibt es auch Berichte ĂŒber einen starken Anstieg von Fehl- und Missbildungen bei Neugeborenen und kleinen Kindern. Bei der Suche nach Ursachen wird ein Zusammenhang mit der illegalen Verklappung von Atom- und GiftmĂŒll vor der KĂŒste angenommen.[2] Aber die diagnostischen Möglichkeiten der KrankenhĂ€user reichen zu einer Ermittlung der Ursachen nicht aus und die weiterhin politisch unsichere Lage, vor allem in von islamistischen al-Shabaab-Milizen kontrollierten KĂŒstengebieten, erlaubt keine nĂ€here Untersuchung bereits angespĂŒlter FĂ€sser auf einen radioaktiven oder giftigen Inhalt.

    Geschichte

    → Hauptartikel: Geschichte Somalias
    Teil der Höhlenmalereien in Laas Geel

    Die Ă€ltesten bekannten Spuren von Menschen im heutigen Somalia wurden in Buur Heybe in SĂŒdsomalia gefunden. Es handelt sich um Skelette, die mit der Radiokohlenstoffdatierung auf bis zu 6.000 v. Chr. datiert wurden. Höhlenmalereien in Laas Geel bei Hargeysa stammen aus der Zeit von 4.000 bis 3.000 v. Chr.

    Die Vorfahren der Somali wanderten um 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. aus dem sĂŒdlichen Ă€thiopischen Hochland ein und vermischten sich – insbesondere in den HandelsstĂ€dten an der KĂŒste, wie Zeila, Hobyo und Mogadischu – mit arabischen und persischen Einwanderern, welche ab dem 7. Jahrhundert auch den Islam einfĂŒhrten. Es entstanden muslimische Sultanate und Stadtstaaten. Im 16. Jahrhundert gerieten die StĂ€dte an der NordkĂŒste unter tĂŒrkische bzw. Ă€gyptische Herrschaft, jene an der sĂŒdlichen BenadirkĂŒste kamen im 17. Jahrhundert unter die Oberhoheit Omans bzw. im 19. Jahrhundert Sansibars.

    Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr das von Somali bewohnte Gebiet seine bis heute nachwirkende Aufteilung. Der Norden des heutigen Somalia wurde von Großbritannien als Britisch-Somaliland, der SĂŒden und Osten als Italienisch-Somaliland von Italien kolonialisiert. Am 1. Juli 1960 wurden die beiden Kolonien gemeinsam als Somalia unabhĂ€ngig. Erster PrĂ€sident des Landes wurde Aden Abdullah Osman Daar, ihm folgte 1967 Abdirashid Ali Shermarke.

    Das VerhĂ€ltnis zu den Nachbarstaaten war wegen der von Somalia gestellten GebietsansprĂŒche (siehe Groß-Somalia), insbesondere auf die heute Ă€thiopische Region Ogaden, gespannt. Auch innenpolitische Spannungen zwischen dem Norden und dem SĂŒden und Osten, zwischen Clans und Parteien bestanden weiter. 1969 wurde PrĂ€sident Shermarke von einem LeibwĂ€chter getötet, woraufhin pro-sowjetische MilitĂ€rs unter Siad Barre die Macht ĂŒbernahmen.

    Barre lehnte sich zunĂ€chst an die Sowjetunion an, versuchte einen „wissenschaftlichen Sozialismus“ einzufĂŒhren und den traditionellen Einfluss der Clans einzuschrĂ€nken. 1977/78 fĂŒhrte er den Ogadenkrieg gegen Äthiopien, den Somalia verlor. Weil die Sowjetunion in diesem Krieg das gegnerische, kommunistische Derg-Regime Äthiopiens unterstĂŒtzte, wandte sich Siad Barre wirtschaftlich und politisch von der Sowjetunion ab und den USA zu. Im Inneren regierte er zusehends diktatorisch, verschiedene Clans waren Repressionen ausgesetzt. Mehrere Rebellengruppen begannen einen bewaffneten Kampf gegen die Barre-Regierung, was 1991 zu deren Sturz fĂŒhrte.

    BĂŒrgerkrieg

    → Hauptartikel: Somalischer BĂŒrgerkrieg

    Die siegreichen Rebellengruppen konnten sich jedoch nicht auf eine Nachfolgeregierung einigen. Der am Sturz Barres fĂŒhrend beteiligte United Somali Congress zerbrach infolge des Machtkampfes seiner FĂŒhrer Mohammed Farah Aidid und Ali Mahdi Mohammed. Somalia zerfiel in umkĂ€mpfte Machtbereiche von Clans und Kriegsherren. Der Norden des Landes erklĂ€rte sich als Somaliland einseitig fĂŒr unabhĂ€ngig, ohne hierfĂŒr internationale Anerkennung zu erreichen.

    Bewaffnete auf einem Technical in Mogadischu

    FĂŒr die Bevölkerung hatten die KĂ€mpfe und PlĂŒnderungen eine Verschlechterung der Versorgungs- und Sicherheitslage bis hin zur Hungersnot im SĂŒden des Landes zur Folge. Ab 1992 sollte deshalb die UN-Mission UNOSOM unter US-amerikanischer FĂŒhrung die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe sichern und den Frieden wiederherstellen. Nach den Ereignissen der „Schlacht von Mogadischu“ im Oktober 1993 zogen die USA jedoch ihre Truppen wieder aus dem Land ab. 1995 musste sich auch die UNOSOM II ohne Erfolg zurĂŒckziehen. Die Kampfhandlungen gingen weiter, wenn auch weniger intensiv. Im praktisch autonomen Somaliland blieb es seit 1996 weitgehend friedlich. Nach diesem Vorbild grĂŒndete der Harti-Darod-Clan in Nordostsomalia die autonome Region Puntland. Die Rahanweyn versuchten in SĂŒdwestsomalia ebenfalls, eine Regionalregierung zu etablieren, scheiterten jedoch, weil SĂŒdwestsomalia wie auch Jubaland umkĂ€mpft blieb. In der Hauptstadt Mogadischu bekĂ€mpften sich verschiedene Kriegsherren und Milizen der Hawiye.[21]

    2000 wurde nach Friedensverhandlungen in Dschibuti eine nationale Übergangsregierung fĂŒr Somalia unter PrĂ€sident Abdiqasim Salad Hassan gebildet. Sie war den moderaten Islamisten in Somalia gegenĂŒber freundlich gesinnt, wurde aber von den mĂ€chtigen Warlords im Land abgelehnt. Die nationale Übergangsregierung konnte keine Macht in Somalia gewinnen und zerfiel 2003. Auf einer Friedenskonferenz in Kenia wurde 2004 eine neue föderale Übergangsregierung unter PrĂ€sident Abdullahi Yusuf Ahmed etabliert. Sie hatte nicht die UnterstĂŒtzung der Islamisten und der meisten Hawiye, die Mogadischu kontrollierten. Diese neue Übergangsregierung ließ sich daraufhin in Baidoa nordwestlich von Mogadischu nieder. Mitte 2006 eroberte die Union islamischer Gerichte Mogadischu und weite Landesteile von den bis dahin dort herrschenden Kriegsherren, setzte ein gewisses Maß an — unterschiedlich streng gehandhabter — Ordnung nach der Scharia durch und kĂ€mpfte an den Grenzen der beiden Machtbereiche gegen die Übergangsregierung.

    Das benachbarte Äthiopien fĂŒhlte sich von der Union bedroht, da es eine islamistische Vereinnahmung seiner eigenen muslimischen Bevölkerung fĂŒrchtete und Teile der Union zum Dschihad zur Eroberung des heute Ă€thiopischen, mehrheitlich von Somali bewohnten Gebietes Ogaden aufgerufen hatten. Am 24. Dezember 2006 erklĂ€rte Äthiopien der Union offiziell den Krieg, marschierte in Somalia ein und konnte in wenigen Tagen die Union verdrĂ€ngen. Die Übergangsregierung versuchte sich mit militĂ€rischer UnterstĂŒtzung Äthiopiens in Mogadischu und im ĂŒbrigen Land zu etablieren,[22] stieß jedoch auf erheblichen Widerstand von Islamisten, verschiedenen Clans und weiten Teilen der Bevölkerung, die die Ă€thiopische MilitĂ€rprĂ€senz ablehnten.[23]

    2007 und 2008 lieferten sich regierungstreue Truppen und deren diverse Gegner vor allem in Mogadischu heftige KĂ€mpfe, die Hunderttausende in die Flucht trieben.[24] Tausende Zivilisten wurden getötet, und ĂŒber eine Million mussten zeitweise aus ihren HĂ€usern vor allem in Mogadischu fliehen. Anfang 2009 zogen die Ă€thiopischen Truppen wieder aus Somalia ab. Die militanten Islamisten waren nicht besiegt worden, sondern waren im Gegenteil deutlich stĂ€rker geworden. Im Kampf gegen die brutale Ă€thiopische Besatzung hatten sie in den Augen vieler Somalier (auch in der Diaspora) an LegitimitĂ€t gewonnen.[25] Der gemĂ€ĂŸigte Islamist Sheikh Sharif Sheikh Ahmed wurde neuer PrĂ€sident der Übergangsregierung, die jedoch weiterhin von der radikaleren al-Shabaab bekĂ€mpft wird. 2009 verloren die Regierungstruppen fast ĂŒberall im Land an Einfluss. Vor allem in SĂŒdsomalia ĂŒbernahmen die islamistischen Gruppierungen al-Shabaab und Hizbul Islam die Macht und bekĂ€mpften sich auch gegenseitig.[26]

    Die USA unterstĂŒtzen die somalische Übergangsregierung politisch, durch finanzielle Hilfen und mit Waffen. Sie stufen die radikalislamische Miliz al-Shabaab als Terrororganisation ein, die mit al-Qaida zusammenarbeitet. Die USA haben auch mehrmals gezielte Luftangriffe auf Einrichtungen der Islamisten durchgefĂŒhrt. Die EuropĂ€ische Union unterstĂŒtzt finanziell die Übergangsregierung und die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AMISOM) zu ihrem Schutz.

    Die Kampfhandlungen waren auch 2009 und 2010 vornehmlich auf Mogadischu konzentriert. Hier starben weiter tausende Menschen oder wurden zu FlĂŒchtlingen. Die militanten Islamisten, besonders al-Shabaab, kontrollierten bis Ende 2010 den Großteil SĂŒd- und Zentralsomalias. Die Übergangsregierung unter Sheikh Sharif Sheikh Ahmed musste sich in Teilen Mogadischus verschanzen und wurde tĂ€glich von mehreren tausend AMISOM-Soldaten beschĂŒtzt. Al-Shabaab unterwarf die Bevölkerung strikten Regeln, denen eine extreme Interpretation des Islam zu Grunde lag. Jede Zuwiderhandlung sowie der bloße Verdacht, mit dem Feind zusammenzuarbeiten, wurden hart bestraft. Es gab aber durchaus auch Somalier, die al-Shabaab zugute hielten, dass sie Ruhe und Ordnung herstellte und die KriminalitĂ€t wirksam bekĂ€mpfte.

    Mitte August 2010, zu Beginn des Fastenmonats Ramadan, starteten al-Shabaab und Hizbul Islam eine gemeinsame, großangelegte MilitĂ€roffensive, um TFG und AMISOM endgĂŒltig zu besiegen. Zusammen hatten die Islamisten ungefĂ€hr 8000 KĂ€mpfer. AMISOM hatte inzwischen fast die SollstĂ€rke von 8000 Mann erreicht. Auch das TFG hatte 2010 ungefĂ€hr 3000 eigene Soldaten zur VerfĂŒgung, dank MilitĂ€rhilfe der USA und Training (auch durch private MilitĂ€runternehmen), das vornehmlich mit Geldern von EU-LĂ€ndern bezahlt wurde. Die Offensive geriet rasch ins Stocken. Die GrĂŒnde waren die militĂ€rische StĂ€rke des Gegners und Spannungen innerhalb des islamistischen Lagers. Hizbul Islam zerfiel zusehends. Viele ihrer Truppen desertierten, einige liefen zum TFG ĂŒber. Im Dezember 2010 wurden die Reste von Hizbul Islam offiziell in al-Shabaab integriert. Dies sorgte innerhalb von al-Shabaab fĂŒr Unruhe.

    Der UNO-Sicherheitsrat gewĂ€hrte im Dezember 2010 die Erhöhung der maximalen TruppenstĂ€rke von AMISOM um 4000 auf 12.000 Soldaten. Ab Februar 2011 gingen das TFG und AMISOM, unterstĂŒtzt von ASWJ-Einheiten und Teilen der Ă€thiopischen und kenianischen Armee, gegen al-Shabaab vor. Die HauptkampfplĂ€tze waren Mogadischu, die Region Gedo in Westsomalia und Teile Zentralsomalias. Al-Shabaab war angeschlagen und verlor zunehmend an RĂŒckhalt in der Bevölkerung. Ein Grund dafĂŒr war die unbefriedigende Reaktion der al-Shabaab-FĂŒhrung um Emir Ahmed Abdi Godane auf die sich seit Monaten zuspitzende DĂŒrre in Somalia. Als der Hunger begann, weigerte sich al-Shabaab, internationale Hilfe zuzulassen. Die Hungersnot wurde vom Sprecher der Gruppe im Juli 2011 als westliche Propaganda dargestellt. Im August 2011 mussten sich al-Shabaab aus Mogadischu zurĂŒckziehen. Auch in anderen Teilen SĂŒd- und Zentralsomalia geriet al-Shabaab in BedrĂ€ngnis. Es gelang dem TFG und seinen UnterstĂŒtzern bis Mitte 2011 jedoch nicht, al-Shabaab entscheidend zu schlagen.

    Intervention Kenias

    Zwei Bataillone der kenianischen StreitkrĂ€fte (Kenya Defence Forces; KDF) mit rund 2400 Soldaten marschierten in der Operation Linda Nchi (deutsch: Verteidigt die Nation) am 16. Oktober 2011 in Somalia ein, um Al Shabaab zu bekĂ€mpfen. Die kenianischen Truppen rĂŒckten auf Afmadow und die fĂŒr al-Shabaab wirtschaftlich und finanziell wichtige Hafenstadt Kismayu im SĂŒden Somalias zu. Auch die kenianische Luftwaffe flog EinsĂ€tze gegen Stellungen der al-Shabaab, u.a. gegen ein Ausbildungslager in Jilib. Auslöser fĂŒr die MilitĂ€raktion waren EntfĂŒhrungen von AuslĂ€ndern in Kenia. Bis Februar 2012 konnte die kenianische Armee rund 110 km tief nach Somalia vordringen und kontrolliert nach eigenen Angaben eine FlĂ€che von 95.000 kmÂČ.

    Politik

    → Hauptartikel: Politik Somalias
    Flagge Somalias seit 1960, heute nur von der Übergangsregierung verwendet
    Karte der politischen Lage in Somalia
    (24. Mai 2014)

    Somalia hat seit 1991 keine im gesamten Land anerkannte nationale Regierung. Im Norden streben Teile des Landes ganz offen nach UnabhĂ€ngigkeit (Somaliland) oder haben sich zu autonomen Teilstaaten Somalias erklĂ€rt (Puntland und Galmudug). In weiten Teilen im SĂŒden und Zentrum von Somalia herrschten zumindest bis vor kurzem lokale Clans, Kriegsherren, islamistische Gruppen oder unklare VerhĂ€ltnisse. In der Region Himan & Heeb bildet der ehemalige IT-Berater Mohamed Aden eine Art informelle Regierung.[27]

    Die Übergangsregierung Somalias ist international anerkannt und reprĂ€sentiert das Land in den Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und anderen internationalen Organisationen. Seit ihrem Bestehen 2004 hat sie sich im Land selbst aber noch nicht durch die Schaffung von Ruhe und Ordnung und die Bereitstellung von Dienstleistungen ausgezeichnet. Im Gegenteil, die Übergangsregierung ist intern seit Jahren zerstritten, und ihren AnfĂŒhrern wird immer wieder vorgeworfen, korrupt zu sein und sich auf Kosten der eigenen Bevölkerung an auslĂ€ndischer Hilfe zu bereichern. Seit Anfang 2011 sieht es zum ersten Mal so aus, als ob die Übergangsregierung die Macht in Mogadischu und Teilen SĂŒdsomalias ĂŒbernehmen könnte – bisher aber nur mit massiver militĂ€rischer Hilfe von AMISOM, Kenia und Äthiopien. Ob der mögliche militĂ€rische Sieg ĂŒber al-Shabaab schon eine wirkliche Wende fĂŒr Somalia nach ĂŒber zwanzig Jahren Staatslosigkeit und BĂŒrgerkrieg bedeutet, ist fraglich. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich in kurzzeitige Interventionsmaßnahmen – gegen die Terroristen und die Piraten – verrannt und interveniert nun gegen den Hunger, ohne ein wirkliches Konzept zu haben.[28]

    Somalia wird oft als „gescheiterter Staat“ bezeichnet. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex 2010 von Transparency International liegt es auf dem letzten Platz;[29] gemĂ€ĂŸ Mo Ibrahim Foundation ist es das am schlechtesten regierte Land Afrikas.[30] BezĂŒglich Pressefreiheit steht das Land laut Reporter ohne Grenzen auf 159. Stelle von 169 Staaten.[31] Anfang 2012 tauchte erstmals die Idee auf, Somalia in eine Bundesrepublik zu verwandeln. Dazu sehen weitere politische Reformen vor, dass die autonomen Regionen Puntland und Galmudug Bundesstaaten werden und das Parlament verkleinert wird, wobei aber 54 Abgeordnete der Clans dort vertreten sind.[32]

    Innere Sicherheit

    Die Sicherheitslage in Somalia ist aufgrund des anhaltenden BĂŒrgerkrieges und der PiratenĂŒberfĂ€lle vor der KĂŒste schlecht. Die SicherheitskrĂ€fte sind nicht in der Lage, die KriminalitĂ€t nachhaltig zu bekĂ€mpfen. Das deutsche AuswĂ€rtige Amt (AA) hat fĂŒr Somalia eine Reisewarnung ausgegeben und ihre Botschaft geschlossen (Stand: September 2012). AuslĂ€nder werden immer wieder Opfer von MordanschlĂ€gen und EntfĂŒhrungen, in medizinischen oder kriminalitĂ€tsbedingten NotfĂ€llen ist keine ausreichende Infrastruktur zur Versorgung vorhanden.[33]

    Hungerkrise 2011

    Mitte 2011 sind mehr als drei Millionen Menschen und damit mindestens ein Drittel der Bevölkerung Somalias auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. Die Notlage betrifft allerdings nur SĂŒdsomalia. Hier fielen der Krieg zwischen den islamistischen al-Shabaab-Milizen einerseits und der Übergangsregierung und den Truppen der AMISOM andererseits ab Anfang 2011 mit dem Höhepunkt einer DĂŒrre zusammen. Viele internationale Hilfsorganisationen hatten Somalia aufgrund der anhaltenden Unsicherheit schon lĂ€nger verlassen. Andere waren, wie das WelternĂ€hrungsprogramm (WFP), von den Islamisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten hinausgedrĂ€ngt worden. Al-Shabaab warf dem WFP vor, die UmsĂ€tze der somalischen Bauern zu drĂŒcken und Hilfe an Forderungen westlicher Politik zu binden. TatsĂ€chlich leisteten die USA ab 2009 ihre BeitrĂ€ge fĂŒr Hilfsorganisationen nur noch, wenn sichergestellt war, dass Leistungen nicht den „Terroristen“ zugutekommen. Krieg, Fanatismus und ausbleibender Regen fĂŒhrten zu einer Hungerkatastrophe, die viele Somalis das Leben kostete oder zu FlĂŒchtlingen im benachbarten Kenia machte. Die Lage im weitgehend friedlichen Nordsomalia, wo mit Somaliland und Puntland zwei de facto autonome Staatsgebilde bestehen, ist weit weniger dramatisch.

    Einem Bericht der FAO zufolge starben zwischen Oktober 2010 und April 2012 258.000 Menschen an den Folgen der Nahrungsmittelknappheit im Land.[34]

    Menschenrechte

    Mitarbeiter von humanitĂ€ren Organisationen, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger nehmen bei ihrer Arbeit in Somalia große Risiken auf sich und laufen unter anderem Gefahr, entfĂŒhrt oder ermordet zu werden. Auch 2009 wurden gravierende MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸe, einschließlich Kriegsverbrechen, nicht bestraft.
    Der UN-GeneralsekretĂ€r, der unabhĂ€ngige UN-Experte fĂŒr die Menschenrechtssituation in Somalia und der Beauftragte des UN-GeneralsekretĂ€rs fĂŒr die Menschenrechte Binnenvertriebener sprachen in ihren Berichten von MenschenrechtsverstĂ¶ĂŸen, einschließlich der Rekrutierung von Kindern fĂŒr den bewaffneten Kampf. Appelle aus dem Ausland und von KrĂ€ften in Somalia, Verbrechen im Sinne des Völkerrechts endlich strafrechtlich zu ahnden, blieben wirkungslos.
    Alle am laufenden somalischen BĂŒrgerkrieg beteiligten Parteien haben in den letzten Jahren schwerste Menschen- und Kriegsrechtsverbrechen begangen. Äthiopische Truppen, die Armee der Übergangsregierung, AMISOM und die islamistischen Milizen Al Shabaab und Hizbul islam haben ihre Waffen unterschiedslos im dicht besiedelten Gebiet (in Mogadischu) eingesetzt. Zudem wurden die Feinde der jeweiligen Seite oft erbarmungslos verfolgt und VerdĂ€chtige ohne rechtliches Verfahren eliminiert. Alle Kriegsparteien haben schwerste Übergriffe auf die Zivilbevölkerung SĂŒdsomalias begangen. Frauen wurden massenweise vergewaltigt und MĂ€nner, Jugendliche und sogar Kinder von allen Parteien im Krieg zwangsrekrutiert.[35][36] Al-Shabaab-Milizen sind zusĂ€tzlich fĂŒr die Tötungen und Bestrafungen von Menschen verantwortlich, die sich ihrer Auslegung des islamischen Rechts nicht beugten. In den von ihnen kontrollierten Landesteilen war ein dramatischer Anstieg öffentlicher Hinrichtungen, darunter auch Steinigungen, zu verzeichnen. Gleiches galt fĂŒr die Zwangsamputation von Gliedmaßen und Auspeitschungen. Al-Shabaab-Milizen schĂ€ndeten auch GrĂ€ber fĂŒhrender Geistlicher der islamischen Sufi-Gemeinschaft. Außerdem mussten sich Frauen nach bestimmten Regeln kleiden und durften sich nicht frei bewegen.[37][38] Auch die Situation vieler Kinder bereitet Sorgen. Dadurch, dass das Bildungssystem marode ist, haben die Kinder kaum die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Die HĂ€lfte aller Kinder zwischen fĂŒnf und 14 Jahren mĂŒssen arbeiten.[39][40] SchĂ€tzungen zufolge gibt es ca. 70.000 Kindersoldaten, die von verschiedenen Milizen unter Waffen gehalten werden.[41] In einer ErklĂ€rung der UNICEF wurde bekannt gegeben, dass in Somalia der Einsatz von Kindern ansteigt. Kinder ab neun Jahren werden mittlerweile rekrutiert. Die Kindersoldaten werden oft geschlagen oder gar exekutiert, wenn sie von der gegnerischen Seite gefangen genommen werden.[42]

    Die Lage der Menschenrechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen ist in Somalia sehr schlecht. Nach Angaben der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) wird die Todesstrafe fĂŒr gleichgeschlechtliche Beziehungen bzw. homosexuelle Handlungen verhĂ€ngt.[43]

    Verwaltungsgliederung

    → Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Somalias

    Das Land ist offiziell in 18 Regionen eingeteilt. Diese Einteilung hat seit dem Zerfall des Staates jedoch nur beschrÀnkte praktische Bedeutung:

    Wirtschaft

    → Hauptartikel: Wirtschaft Somalias
    Bauer in Gabiley, Nordost-Somalia/Somaliland
    Somali mit Ziegenherde nahe Beledweyne (Belet Uen), Dezember 1993

    Somalia gehört zu den Àrmsten und am wenigsten entwickelten LÀndern der Welt, wobei die politische Lage die Erhebung genauer Wirtschaftsdaten schwierig macht.

    SchĂ€tzungsweise rund 70 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Ein Großteil davon lebt als Nomaden oder Halbnomaden mit Kamelen, Schafen und Ziegen, in fruchtbareren Gebieten auch mit Rindern. Ackerbau wird vor allem an den FlĂŒssen Jubba und Shabelle und zwischen diesen beiden FlĂŒssen in SĂŒdwestsomalia betrieben, daneben auch in kleineren Gebieten Nordsomalias. Vieh und Bananen sind wichtige ExportgĂŒter.

    Des Weiteren werden Fisch, Mais, Hirse und Zucker fĂŒr den inlĂ€ndischen Bedarf angebaut oder hergestellt. Der kleine industrielle Sektor, der hauptsĂ€chlich landwirtschaftliche NutzgĂŒter produziert, betrĂ€gt nur 10 % des BIP. Viele Fabriken wurden wegen des BĂŒrgerkriegs geschlossen.[4] Ein Großteil der somalischen Bevölkerung ist auf GeldĂŒberweisungen von Verwandten im Ausland angewiesen, sodass im Dienstleistungssektor GeldĂŒberweisungsinstitute – die meist nach dem informellen Hawala-System funktionieren – mit stetiger Nachfrage rechnen können.

    2008 war auch Somalia infolge von hoher Inflation, Trockenheit, verschlechterter Sicherheitslage sowie globalen Faktoren von steigenden Nahrungsmittelpreisen betroffen.[44] Die Vereinten Nationen gingen im Juni 2008 davon aus, dass in den Folgemonaten bis zu 3,5 Mio. Menschen von Nahrungsmittelhilfe abhÀngen könnten. Damit wurde die Situation als noch dramatischer eingeschÀtzt als in Darfur.

    Teile der Wirtschaft profitieren von dem Zustand ohne funktionierende Regierung und damit ohne staatliche Steuern und Regulierungen. So gilt das Telekommunikationssystem (siehe z. B. NationLink) als gĂŒnstiger und zuverlĂ€ssiger als in den Nachbarstaaten. Da keinerlei staatliche Regulierung vorhanden ist, können aber auch AktivitĂ€ten wie GeldfĂ€lschung, die Piraterie vor der somalischen KĂŒste oder der ökologisch problematische Holzkohleexport weitgehend ungestört stattfinden.

    Entwicklungszusammenarbeit

    Die unsichere politische Lage erschwert vor allem in SĂŒd- und Zentralsomalia die TĂ€tigkeit internationaler Hilfsorganisationen, die hier vorwiegend in der humanitĂ€ren Hilfe tĂ€tig sind. UN-Organisationen wie UNICEF und das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen liefern humanitĂ€re Hilfe.[45] Im stabileren Norden (Somaliland und Puntland) wird auch (Wieder-)Aufbau betrieben, dies vor allem mithilfe der GeldĂŒberweisungen von Auslands-Somaliern, aber auch durch internationale Organisationen. Wegen des sichereren Umfeldes fließt die internationale Hilfe fĂŒr Somalia vermehrt in diese nördlichen Gebiete.

    Einheimische Organisationen engagieren sich in diversen Bereichen.

    Mitte 2008 töteten radikale Islamisten mehrere auslĂ€ndische und einheimische Helfer, die sie der „Spionage“ verdĂ€chtigten.[46]

    Piraterie

    Somalia liegt in unmittelbarer NĂ€he wichtiger internationaler Schifffahrtswege. Zugleich besteht seit Anfang der 1990er Jahre keine wirksame KĂŒstenwache. Unter diesen UmstĂ€nden hat sich die Piraterie vor der KĂŒste Somalias zu einem profitablen GeschĂ€ft und einer Gefahr fĂŒr die internationale Schifffahrt entwickelt. Somalische Fischer, BĂŒrgerkriegskĂ€mpfer und GeschĂ€ftsleute nehmen auslĂ€ndische Schiffsbesatzungen in Geiselhaft, um Lösegeld zu erpressen oder rauben sie aus. Als Ursache fĂŒr diese Piraterie gilt auch das illegale Eindringen europĂ€ischer und asiatischer Fangflotten in somalische GewĂ€sser, wodurch einheimische Fischer ihre Lebensgrundlage verloren und zum Teil auf Piraterie umstiegen.

    So stellt die Regierung der teilautonomen Region Puntland laut einem Artikel von IRIN[47] fest, dass die illegale Fischerei durch fremde Fangflotten seit der PrĂ€senz von auslĂ€ndischen Kriegsschiffen an somalischen KĂŒsten noch zugenommen hat und fordert, dass die Kriegsschiffe auch auslĂ€ndische Fischer kontrollieren.

    Staatshaushalt

    Weil der Staat Somalia faktisch nicht existent ist, gibt es derzeit auch keinen Haushalt fĂŒr den Gesamtstaat. Die Staatsverschuldung betrug 1993 1,9 Mrd. US-Dollar oder 189 % des BIP.[48] Die Staatsverschuldung wurde 2013 auf ca. 2,2 Mrd. USD (IWF)[49] bzw. 3,2 Mrd. USD beziffert.[50] Die Schulden sollen im Rahmen der HIPC-Initiative erlassen werden.

    Kultur

    Die Kultur Somalias ist vom Nomadentum, dem Islam und (mĂŒndlich ĂŒberlieferter) Dichtung geprĂ€gt.

    KĂŒche

    Typisches somalisches Canjeero

    Die somalische KĂŒche variiert von Region zu Region, insbesondere vom Norden des Landes zum SĂŒden, und enthĂ€lt EinflĂŒsse von den traditionellen KĂŒchen der Somali, Äthiopier, und mit Abstrichen der Jemeniten, Perser, TĂŒrken, Inder und Italiener.

    Zum FrĂŒhstĂŒck gibt es meist Tee und pfannkuchenartiges Brot, welches Canjeero genannt wird. Als Mittagessen wird oft ein gekochtes Hauptgericht auf Reisbasis gekocht, welches hĂ€ufig mit KreuzkĂŒmmel, Kardamom, GewĂŒrznelken oder Salbei verfeinert wird. Eine abgewandelte Form der italienischen Pasta wird ebenfalls hĂ€ufig gegessen. Als GetrĂ€nk dazu gibt es hĂ€ufig FruchtsĂ€fte oder Limonaden. Das Abendessen gibt es meist erst gegen 21 Uhr, in der Zeit des Ramadan sogar erst gegen 23 Uhr. Die beliebteste Abendspeise der Somali nennt sich Cambuulo und besteht hauptsĂ€chlich aus gekochten Adzukibohnen, Butter und Zucker. Die Kochzeit der Bohnen kann bis zu fĂŒnf Stunden betragen. Als GetrĂ€nk wird abends vor allem mit Kardamom gewĂŒrzte Milch getrunken. Zwischendurch werden neben vielen FrĂŒchten und SĂŒĂŸwarenspezialitĂ€ten wie Halva vor allem spezielle somalische Samosa gereicht.[51]

    Musik

    K’naan, der wohl bekannteste KĂŒnstler des Landes

    Musikalisch zeichnet sich das Land vor allem durch die traditionelle somalische Folklore aus. Beim ersten Hören weist die somalische Musik durchaus Ähnlichkeiten mit derer umliegender Gebiete wie Äthiopien, dem Sudan oder Arabien auf, aber beim genaueren Zuhören erkennt man die speziellen somalischen Melodiestile.[52] Eine bekannte somalische SĂ€ngerin war Magool (1948–2004). Neben Maryam Mursal (*1950) ist Magools Neffe K’naan (*1978), der mit Wavin’ Flag in zahlreichen internationalen Charts Platz 1 erreichte, der wohl bekannteste lebende somalische Musiker.

    Literatur

    Im Land gab es seit langem viele MĂ€rchen und Volksgeschichten, welche oft von Generation zu Generation weitergegeben wurden und hĂ€ufig eine Verbindung zum Islam besaßen. In den 1960er Jahren förderten die beiden Periodika Sahan (dt. etwa „AufklĂ€rung“) und Horseed (dt. etwa „Vorhut, Avantgarde“) die Niederschrift der reichen, bis dahin jedoch ausschließlich mĂŒndlichen traditionellen Literatur. Die moderne Literatur entwickelte sich erst nach der Verschriftung der somalischen Sprache. Von da an veröffentlichten verschiedene somalische Autoren Romane, welche zum Teil weltweit erschienen, so auch der somalische Romancier Nuruddin Farah, der mit Werken wie Maps (1986) zu einem der bedeutendsten afrikanischen Schriftsteller der Gegenwart wurde. Ein weiterer populĂ€rer somalischer Autor war Farah Mohamed Jama Awl, der vor allem durch sein Buch Ignorance is the enemy of love (1974/1982 englisch) berĂŒhmt wurde.[53]

    Siehe auch

     Portal: Somalia – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Somalia

    Literatur

    • Somalia. Aufstehen oder untergehen in Ruinen
 Inamo, Herbst 2012
    • Hatem Elliesie: Statehood and Constitution Building in Somalia: Islamic Responses to a Failed State. In: Rainer Grote / Tilmann J. Roeder (Eds.), Constitutionalism in Islamic Countries: Between Upheaval and Continuity, Oxford University Press, Oxford 2012, S. 537–565. ISBN 978-0-199759-88-0.
    • Ioan M. Lewis: Understanding Somalia and Somaliland: Culture, History and Society, 2008, ISBN 978-1-85065-898-6 (englisch).
    • Ali Jimale Ahmed (Hrsg.): The Invention of Somalia, Red Sea Press 1995, ISBN 978-0-932415-99-8.
    • Jutta Bakonyi: Land ohne Staat – Wirtschaft und Gesellschaft im Krieg am Beispiel Somalias, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-593-39528-9.
    • Dieter H. Kollmer, Andreas MĂŒckusch (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte: Horn von Afrika. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-76397-6.
    • Abdirizak Sheikh, Mathias Weber: Kein Frieden fĂŒr Somalia? 2. Aufl. Frankfurt 2010, ISBN 978-3-934517-11-0.
    • Michael Birnbaum: Krisenherd Somalia. Heyne Verlag, MĂŒnchen 2002, ISBN 978-3-453-86109-1.
    • Said S. Samatar: Somalia – Nation in Search of a State. 1987, ISBN 978-0-86531-555-6.
    • Jasmin Touati: Politik und Gesellschaft in Somalia (1890-1991), Hamburg 1997, ISBN 3-928049-45-3
    • Markus Virgil Höhne und Virginia Luling (Hrsg.): Milk and peace, drought and war: Somali culture, society and politics (Essays in honour of I.M. Lewis). London 2010, ISBN 1-84904-045-1.
    • Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Krieg und Frieden. Strategien der friedlichen Konfliktaustragung auf internationaler und lokaler Ebene Hamburg 2002, ISBN 3-928049-84-4.
    • Maria Brons: Society, Security, Sovereignty and the State in Somalia. From Statelessness to Statelessness? International Books, Utrecht 2001, ISBN 978-90-5727-038-3

    Weblinks

     Wiktionary: Somalia â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
     Commons: Somalia â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
     Wikinews: Portal:Somalia â€“ in den Nachrichten
     Wikivoyage: Somalia â€“ ReisefĂŒhrer
     Wikimedia-Atlas: Somalia â€“ geographische und historische Karten

    Einzelnachweise

    1. ↑ a b c The Transitional Federal Charter of the Somali Republic
    2. ↑ a b Paul Moreira: {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Somalia - Chaos am Horn von Afrika}} Somalia und die GiftmĂŒllmafia{{#invoke:Zitation|Endpunkt|titel=Somalia und die GiftmĂŒllmafia}} In: {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Dokumentarfilm}} arte.TV, {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
    3. ↑ UNEP: After the Tsunami – Rapid Environmental Assessment (PDF; 781 kB), Somalia
    4. ↑ a b CIA World Fact Book zu Somalia
    5. ↑ Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [[Vorlage:Toter Link/{{#invoke:URLutil|getHost|1=http://bevoelkerungsstatistik.de/wg.php?x=&men=gpro&lng=de&dat=32&geo=-188&srt=npan&col=aohdq&geo=-1}}]]bevölkerungsstatistik.de zur Bevölkerung afrikanischer Staaten (2010)
    6. ↑ BBC News: Half of Somalis need aid, says UN, 25. August 2009
    7. ↑ UNHCR: Number of displaced in Somalia tops 1 million mark
    8. ↑ Catherine Besteman: Unraveling Somalia – Race, Violence, and the Legacy of Slavery, University of Pennsylvania Press 1999, ISBN 978-0-8122-1688-2
    9. ↑ David D. Laitin: Politics, Language, and Thought: The Somali Experience, University of Chicago Press 1977, ISBN 978-0-226-46791-7
    10. ↑ derStandard.at: Hintergrund: Verwaltung, Steuern, Schulen, MĂŒll-Entsorgung: Keine
    11. ↑ The Constitution of the Republic of Somaliland/Chapter One
    12. ↑ Somali Convert from Islam Whipped in Public
    13. ↑ a b UNICEF Somalia: Statistics, abgerufen am 7. November 2013.
    14. ↑ http://apps.who.int/ghodata/?vid=18300&theme=country
    15. ↑ http://apps.who.int/ghodata/?vid=61530
    16. ↑ http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/SOM.html
    17. ↑ UNICEF Schweiz [www.unicef.ch/sites/default/files/attachments/unicef_fgm_umfrage_2012.pdf Weibliche GenitalverstĂŒmmelung in der Schweiz]
    18. ↑ U.S. Department of State: I. Laws/Enforcement in Countries where FGM is Commonly Practiced (2001)
    19. ↑ dpa-Meldung, in: Ärzte Zeitung, 2. November 2005
    20. ↑ WHO: Somalia is again polio-free
    21. ↑ Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen Krieg und Frieden. Strategien der friedlichen Konfliktaustragung auf internationaler und lokaler Ebene, Institut fĂŒr Afrika-Kunde 2002, ISBN 3-928049-84-4
    22. ↑ BBC News: Somali government seeks control
    23. ↑ [2]
    24. ↑ BBC News: Living in Somalia’s danger zone
    25. ↑ PDF bei webarchive.ssrc.org
    26. ↑ Sheikh/Weber: „Kein Frieden fĂŒr Somalia?“ Frankfurt 2010, S.135–139
    27. ↑ Der gefĂ€hrlichste Auftrag der Welt, in: Die Zeit, 28. Februar 2011
    28. ↑ Markus Virgil Höhne: Somalia zwischen BĂŒrgerkrieg und Hungerkatastrophe, BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik 09/2011, S. 18-22
    29. ↑ http://www.transparency.org/policy_research/surveys_indices/cpi/2010/results
    30. ↑ Mo Ibrahim Foundation: Ibrahim Index of African Governance
    31. ↑ rsf.org: Worldwide Press Freedom Index 2007
    32. ↑ Konferenz in London – Hilfe fĂŒr die Bundesrepublik Somalia, faz.net, 22. Februar 2012, zuletzt abgerufen am 7. November 2013
    33. ↑ AuswĂ€rtiges Amt: Reisewarnung fĂŒr Somalia Zugriff am 30. September 2012
    34. ↑ Spiegel Online: Uno-Bericht zu Somalia: 258.000 Menschen sterben bei Hungerkatastrophe vom 2. Mai 2013.
    35. ↑ [3] Human Rights Watch
    36. ↑ [4] Human Rights Watch
    37. ↑ Jahresbericht 2010 Amnesty International
    38. ↑ http://www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/somalia-girl-stoned-was-child-13-20081031
    39. ↑ http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/afrika/somalia
    40. ↑ U.S: Department of labor (PDF; 7,9 MB) Report 2007
    41. ↑ Gesellschaft fĂŒr bedrohte Völker Kindersoldaten in Somalia stehen zwischen allen Fronten
    42. ↑ UN verurteilen Einsatz von Kindersoldaten
    43. ↑ Entwicklungszusammenarbeit zur StĂ€rkung der Menschenrechte von Homo- und Transsexuellen Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an den deutschen Bundestag (PDF; 66 kB) Entwicklungszusammenarbeit zur StĂ€rkung der Menschenrechte von Homo- und Transsexuellen vom 12. Oktober 2010
    44. ↑ IRIN News: Somalia: Harder times ahead as dry conditions, insecurity persist
    45. ↑ Karten zur PrĂ€senz internationaler Organisationen in Somalia
    46. ↑ taz.de: Helfer im Visier von Islamisten
    47. ↑ Somalia: Livelihoods - and lives - at risk in Puntland, in: IRIN News, 24. August 2009
    48. ↑ Atlapedia
    49. ↑ Recognition of Somali government opens way to debt negotiations. In: Jubilee Debt Campaign. 1. Mai 2013, abgerufen am 26. August 2013.
    50. ↑ Richard Lough, Louise Heavens: IMF help puts Somalia on road to debt relief. In: reuters.com. Reuters, 24. Juni 2013, abgerufen am 7. November 2013.
    51. ↑ Ali, Barlin: Somali Cuisine, AuthorHouse 2007. ISBN 1-4259-7706-5.
    52. ↑ http://en.wikipedia.org/wiki/Music_of_Somalia
    53. ↑ http://www.marabout.de/chronik/laender/somalia.htm

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