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Die Sommerzeit ist die in den Sommermonaten meist um eine Stunde vorgestellte Uhrzeit einer Zeitzone. Die offizielle Bezeichnung fĂŒr die umgangssprachliche Winterzeit lautet Normalzeit (engl. Standard Time). Auf der SĂŒdhalbkugel findet die Zeitumstellung entsprechend im SĂŒdsommer statt. International spricht man auch von Daylight Saving Time (DST). Die Tage, an denen die Umstellung von Normalzeit auf Sommerzeit bzw. wieder zurĂŒck erfolgt, werden Umschalttage genannt.
In der mitteleuropĂ€ischen Zeitzone ist die Normalzeit die MitteleuropĂ€ische Zeit (MEZ), die Sommerzeit die MitteleuropĂ€ische Sommerzeit (MESZ), auf englisch Central European Summer Time (CEST, britisch) oder Central European Daylight Saving Time (CEDT, CET DST, amerikanisch); auch Middle European Summer Time (MEST) findet sich. MEZ entspricht der Ortszeit auf dem 15. östlichen LĂ€ngengrad, auf dem beispielsweise Görlitz und GmĂŒnd in Niederösterreich liegen; MESZ entspricht der Ortszeit auf dem 30. östlichen LĂ€ngengrad, auf dem beispielsweise Sankt Petersburg liegt.
Die Zeitdifferenz der MitteleuropĂ€ischen Sommerzeit zur Koordinierten Weltzeit (UTC) betrĂ€gt zwei Stunden. Im Jahr 2012 beginnt die Sommerzeit am 25. MĂ€rz 2012 3:00 Uhr MESZ (1:00 Uhr UTC) und endet am 28. Oktober 2012 3:00 Uhr MESZ (1:00 Uhr UTC). Bei der Umstellung im FrĂŒhjahr folgt auf die Sekunde 01:59:59 MEZ die Sekunde 03:00:00 MESZ; im Herbst folgt auf die Sekunde 02:59:59 A MESZ die Sekunde 02:00:00 B MEZ.
Umgangssprachlich spricht man davon, dass man die Uhr im FrĂŒhjahr von 2:00 Uhr MEZ auf 3:00 Uhr MESZ vorstellt und im Herbst von 3:00 Uhr MESZ auf 2:00 Uhr MEZ zurĂŒckstellt.
WĂ€hrend viele Staaten seit der Energiekrise der 1970er-Jahre eine 6- oder 7-monatige Sommerzeit eingefĂŒhrt haben, gibt es mit Namibia und der Republik Irland nur zwei Beispiele einer entgegengesetzten Regelung.[1] Die Bezeichnung Winterzeit wird allerdings vom Sprachgebrauch in Namibia bereits fĂŒr die Normalzeit verwendet. In Irland wird die AbkĂŒrzung IST (= Irish Standard Time) gelegentlich als âIrish Summer Timeâ missdeutet.
Inhaltsverzeichnis |
Die Idee einer saisonalen Zeitumstellung wurde erstmals im Jahre 1784 von Benjamin Franklin in einem Brief ĂŒber âdie Kosten des Lichtesâ an die Herausgeber einer Pariser Zeitschrift erwĂ€hnt, in dem er den hohen Verbrauch an Kerzen kritisierte. Angesichts des humorvollen Charakters des Textes ist allerdings davon auszugehen, dass es sich nicht um einen ernsthaften Vorschlag Franklins handelte.[2]
Sein Vorschlag bezog sich noch auf die Ortszeit, denn bis ins 19. Jahrhundert blieb selbst innerhalb eines Staates einzelnen Landschaften oder StĂ€dten jeweils eine eigene Uhrzeit zugeordnet. Erst 1893 wurde etwa fĂŒr das Deutsche Reich eine einheitliche Zeitzone festgelegt.
Ernsthaft wurde die Idee einer saisonalen Zeitumstellung erstmals im Jahre 1907 von William Willett vorgeschlagen.[3] Trotz Lobbyarbeit konnte er die britische Regierung jedoch nicht zur EinfĂŒhrung der Sommerzeit bewegen.
EingefĂŒhrt wurde die Zeitumstellung erstmals am 30. April 1916 im Deutschen Reich, in Ăsterreich-Ungarn und noch im selben Jahr auch in Irland. Die in Irland damals fĂŒr die Sommerzeit eingefĂŒhrte Bezeichnung âDaylight Saving Timeâ (wörtlich ĂŒbersetzt: âTageslicht sparende Zeitâ) beschreibt den Zweck, nĂ€mlich die Stundenzahl mit nutzbarem Tageslicht zu vergröĂern.
Im Jahr 1975 beschlossen die meisten LĂ€nder der damaligen EuropĂ€ischen Gemeinschaft die EinfĂŒhrung der Sommerzeit. Die Umsetzung erfolgte ab 1977. Nach der Ălkrise 1973 sollte durch eine bessere Nutzung des Tageslichtes Energie gespart werden.
Ende 1994 wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der EuropĂ€ischen Union vereinheitlicht. Die einheitliche Sommerzeit gilt seitdem in allen EU-Mitgliedsstaaten einschlieĂlich ihrer Landesteile, die in der NĂ€he von Europa liegen. Sie gilt jedoch nicht in jenen Landesteilen, die nicht auf dem Gebiet des Kontinents selbst liegen, zum Beispiel in Französisch-Guayana.
In Deutschland gab es eine Sommerzeit erstmals wÀhrend des Ersten Weltkriegs in den Jahren 1916 bis 1918:[4]
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1916[5] (a) | Sonntag, 30. April 1916 | 23:00 MEZ | Sonntag, 1. Oktober 1916 | 1:00 MESZ |
| 1917,[6] 1918[7] | dritter Montag im April | 2:00 MEZ | dritter Montag im September | 3:00 MESZ |
In den Jahren 1919 bis 1939 gab es keine Zeitumstellung. Wieder eingefĂŒhrt wurde die Sommerzeit im Kriegsjahr 1940. UrsprĂŒnglich sollte sie am 6. Oktober 1940 enden,[8] was jedoch vier Tage vor ihrem Ablauf auĂer Kraft gesetzt wurde: âDie [...] durch Verordnung [...] bestimmte Zeitrechnung bleibt bis auf weiters bestehen.â[9] Jedoch wurde die Sommerzeit ab 1942 dreimal durch sogenannte âVerordnungen ĂŒber die WiedereinfĂŒhrung der Normalzeitâ[10][11][12] unterbrochen. Somit ergaben sich in den Kriegsjahren ZeitrĂ€ume, die keinem klaren Schema folgten:[4]
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1940â1942(a) | Montag, 1. April 1940 | 2:00 MEZ[8][9] | Montag, 2. November 1942 | 3:00 MESZ[10] |
| 1943 | Montag, 29. MĂ€rz 1943 | 2:00 MEZ[10] | Montag, 4. Oktober 1943 | 3:00 MESZ[11] |
| 1944 | Montag, 3. April 1944 | 2:00 MEZ[11] | Montag, 2. Oktober 1944 | 3:00 MESZ[12] |
| 1945 | Montag, 2. April 1945 | 2:00 MEZ[12] | (b) | |
1945, unmittelbar nach dem Krieg, und in den folgenden Jahren bestimmten die BesatzungsmĂ€chte die jĂ€hrliche Umstellung auf die Sommerzeit. So gab es die mitteleuropĂ€ische Hochsommerzeit (MEHSZ) sowie gesonderte Regelungen fĂŒr die sowjetische Besatzungszone und Berlin. Die Regelungen der Nachkriegszeit sind im Folgenden dargestellt:[4]
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1945 (Westzonen) | Sonntag, 16. September 1945 | 2:00 MESZ | ||
| 1945 (Sowjetische Zone, Berlin) | Sonntag, 18. November 1945 | 3:00 MESZ(a) | ||
| Donnerstag, 24. Mai 1945 | 2:00 MESZ | Montag, 24. September 1945 | 3:00 MEHSZ(b) | |
| 1946[13] | Sonntag, 14. April 1946 | 2:00 MEZ | Montag, 7. Oktober 1946 | 3:00 MESZ |
| 1947[14] | Sonntag, 6. April 1947 | 3:00 MEZ | Sonntag, 5. Oktober 1947 | 3:00 MESZ[15] |
| Sonntag, 11. Mai 1947 | 3:00 MESZ | Sonntag, 29. Juni 1947 | 3:00 MEHSZ(c) | |
| 1948[16] | Sonntag, 18. April 1948 | 2:00 MEZ | Sonntag, 3. Oktober 1948 | 3:00 MESZ |
| 1949 | Sonntag, 10. April 1949 | 2:00 MEZ | Sonntag, 2. Oktober 1949 | 3:00 MESZ |
Die damaligen Sommerzeitregelungen endeten 1949. Von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Sommerzeit.
Die erneute EinfĂŒhrung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen NachbarlĂ€ndern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ălkrise von 1973 aus energiepolitischen GrĂŒnden die Sommerzeit eingefĂŒhrt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR ĂŒber die EinfĂŒhrung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht auch zeitlich geteilt waren. Die Bundesrepublik und die DDR fĂŒhrten deshalb die Sommerzeit gleichzeitig ein. In der DDR regelte die Zeitordnung[17] in Verbindung mit der fĂŒr das jeweilige Jahr gĂŒltigen Verordnung ĂŒber die EinfĂŒhrung der Sommerzeit (erstmals derjenigen vom 31. Januar 1980) die Umstellung.
1981 wurde der Beginn vorverlegt. 1996 schlieĂlich wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der EuropĂ€ischen Union vereinheitlicht. Damit gilt die Sommerzeit in Deutschland einen Monat lĂ€nger; sie dauert jeweils 30 oder 31 Wochen.
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1980 | Sonntag, 6. April 1980 | 2:00 MEZ | Sonntag, 28. September 1980 | 3:00 MESZ |
| 1981â1995 | letzter Sonntag im MĂ€rz | 2:00 MEZ | letzter Sonntag im September | 3:00 MESZ |
| seit 1996 | letzter Sonntag im MĂ€rz | 2:00 MEZ | letzter Sonntag im Oktober | 3:00 MESZ |
In Ăsterreich-Ungarn wurde 1916 die Sommerzeit eingefĂŒhrt. Sie galt in Ăsterreich bis 1920, mit Ausnahme von 1919, und in Ungarn bis 1919.[18] Gesetzliche Grundlage war bis 1920 die ErmĂ€chtigung der Regierung, wirtschaftliche VerfĂŒgungen auf Grund des Kriegszustands zu treffen. (Cisleithanien: RGBl. 274/1914[19], RGBl. 307/1917[20]; Bosnien und Herzegowina: GVBl. 167/1914[21]. Die gesamtstaatliche Gesetzgebung erfolgte gesondert fĂŒr Cisleithanien, Transleithanien und das zu beiden gehörende Bosnien und Herzegowina. WĂ€hrend sich alle cisleithanischen KronlĂ€nder auf das Reichsgesetzblatt bezogen, sofern sie den Beschluss fĂŒr die Sommerzeit in den LandesgesetzblĂ€ttern wieder veröffentlichten und noch eine AusfĂŒhrungsanweisung hinzufĂŒgten, war dies in Bosnien und Herzegowina nicht der Fall.)
Im Jahre 1918 wurde kurzfristig der Termin der EinfĂŒhrung geĂ€ndert. Zuerst wurde am selben Tag wie in Deutschland[7] beschlossen, die Sommerzeit einzufĂŒhren, jedoch mit anderem Beginn und Ende (Beginn am ersten Montag des April und Ende am letzten Montag des September); dann glich man den Zeitraum an den der verbĂŒndeten Deutschen an (DE: Beschluss: 7. MĂ€rz; Cisleithanien: Beschluss: 7. MĂ€rz, Ausgabe: 9. MĂ€rz, Ănderung: 25. MĂ€rz, Ausgabe: 26. MĂ€rz; Bosnien und die Hercegovina: B: 19. MĂ€rz, A: 22. MĂ€rz, Ă: 26. MĂ€rz, A: 28. MĂ€rz).
Im Jahre 1919 wurde der Beschluss zur EinfĂŒhrung der Sommerzeit nach neun Tagen wieder zurĂŒckgenommen; die Ausgabe der Ănderung erfolgte zwei Tage vor dem geplanten Beginn.[22]
Im Jahre 1920 begann die Sommerzeit wie geplant.[23] Am 28. April beschloss dann der Salzburger Landtag, von der Sommerzeit ab dem 1. Mai wieder Abstand zu nehmen; die Ausgabe erfolgte zwei Tage vor dem Termin. Die Staatsbahnen verkehrten in Salzburg aber weiterhin nach Sommerzeit.[24]
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1916[25][26] (a) (wie DE) | Sonntag, 30. April | 23:00 MEZ | Sonntag, 1. Oktober | 1:00 MESZ |
| 1917[27][28] (wie DE) | Montag, 16. April | 2:00 MEZ | Montag, 17. September | 3:00 MESZ |
| 1918 geplant[29][30] tatsÀchlich (wie DE)[31][32] |
Montag, 15. April |
2:00 MEZ | Montag, 16. September |
3:00 MESZ |
| 1919[33] abgesagt[22] | |
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| 1920[23] 1920 â Salzburg |
Montag, 5. April | 2:00 MEZ | Montag, 13. September Samstag, 1. Mai |
3:00 MESZ 1:00 MESZ[24] |
Nach dem Anschluss galten in Ăsterreich ab 1940 dieselben Regelungen wie im ĂŒbrigen Deutschen Reich (Berliner Zeit). Mit der Ankunft der Alliierten 1945 wurden viele nationalsozialistische Regelungen rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Nach dem Krieg gab es in Ăsterreich noch bis einschlieĂlich 1948 eine Sommerzeit, wobei man sich an Westdeutschland orientierte, aber keine Hochsommerzeit einfĂŒhrte.
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1945 | Montag, 2. April | 2:00 MEZ | in Wien 12. April andernorts spÀtestens 23. April[34] | |
| 1946 (wie DE) | Sonntag, 14. April | 2:00 MEZ[35] | Montag, 7. Oktober | 3:00 MESZ[36] |
| 1947 (wie DE, ohne MEHSZ) | Sonntag, 6. April | 2:00 MEZ[37] | Sonntag, 5. Oktober | 3:00 MESZ[38] |
| 1948 (wie W-DE) | Sonntag, 18. April | 2:00 MEZ[39] | Sonntag, 3. Oktober | 3:00 MESZ[40] |
1976 wurde mit dem ZeitzĂ€hlungsgesetz die Grundlage geschaffen, dass die Regierung per Verordnung wieder eine Sommerzeit einfĂŒhren kann. Als GrĂŒnde fĂŒr die EinfĂŒhrung können die Einsparung von Energie, die Abstimmung mit anderen Staaten und der Erholungsgewinn der Bevölkerung gelten. Die Sommerzeit hat zwischen dem 1. MĂ€rz und dem 31. Oktober zu liegen und an einem Samstag oder Sonntag zu beginnen und zu enden. Damals wurde festgelegt, dass die Uhren bei Beginn von 0 auf 1 Uhr vor und bei Ende von 24 auf 23 Uhr zurĂŒck gestellt werden.[41] Im Jahre 1981 wurde diese genaue Festlegung aufgehoben und der Verordnung ĂŒberlassen.[42] Wie seit 1917 ist beim Beenden die erste der doppelten Stunde als âAâ und die zweite als âBâ zu bezeichnen.
1980 wurde die Sommerzeit wie in Deutschland fĂŒr die Zeit von MĂ€rz bis September wieder eingefĂŒhrt. Seit 1995 wird die jeweilige EU-Richtlinie umgesetzt, und 1996 wurde sie wie in der gesamten EU bis Ende Oktober ausgedehnt.
| Jahr | Beginn der Sommerzeit | Ende der Sommerzeit | ||
|---|---|---|---|---|
| 1980[43] (a) | Sonntag, 6. April | 0:00 MEZ | Samstag, 27. September | 24:00 MESZ |
| 1981â1995[44][45][46][47][48][49][50] | letzter Sonntag im MĂ€rz | 2:00 MEZ | letzter Sonntag im September | 3:00 MESZ |
| 1996â(2016)[50][51][52][53][54] | letzter Sonntag im MĂ€rz | 2:00 MEZ | letzter Sonntag im Oktober | 3:00 MESZ |
In der Schweiz galt in den Jahren 1941 und 1942 die Sommerzeit von Anfang Mai bis Anfang Oktober. 1977 wurde mit einem Gesetz die EinfĂŒhrung der Sommerzeit, gleichzeitig mit den Nachbarstaaten, beschlossen. Dagegen wehrten sich vor allem die Bauern; es wurden Unterschriften fĂŒr ein Referendum gesammelt, und in der Volksabstimmung am 28. Mai 1978 wurde das Sommerzeit-Gesetz deutlich verworfen. Da nun die Schweiz im Sommer 1980 eine âMEZ-Zeitinselâ inmitten sommerzeitfĂŒhrender LĂ€nder war, verabschiedete das Parlament das von der Regierung verlangte Zeitgesetz vom 21. MĂ€rz 1980,[55] auf dessen Grundlage im folgenden Jahr die Sommerzeit wie in den Nachbarstaaten eingefĂŒhrt wurde. Das Gesetz unterstand nach der Verabschiedung durch das Parlament wieder dem fakultativen Referendum. Die fĂŒr ein Referendum notwendigen 50'000 Unterschriften kamen jedoch nicht mehr zustande. Das Gesetz trat am 1. Januar 1981 in Kraft. So wurde eine Wiederholung des 1980 entstandenen Zeitchaos, z. B. auf grenzĂŒberschreitenden FahrplĂ€nen der Eisenbahn, vermieden. Eine (unter anderem von Christoph Blocher) 1982 lancierte Volksinitiative zur Abschaffung der Sommerzeit kam nicht zustande. Seit 1981 gilt daher auch in der Schweiz die gleiche Sommerzeitregelung wie in ihren Nachbarstaaten: von 1981 bis 1995 Ende MĂ€rz bis Ende September, seit 1996 Ende MĂ€rz bis Ende Oktober, mit Umstellung jeweils am Sonntag um 2 Uhr MEZ (1 Uhr UTC). Siehe auch Basler Zeit.
Die Zeitdifferenz der MitteleuropĂ€ischen Sommerzeit zur Koordinierten Weltzeit (UTC) (frĂŒher Greenwich Mean Time, GMT/Universal Time, UT) betrĂ€gt zwei Stunden, wĂ€hrend die MitteleuropĂ€ische Zeit (Normalzeit) um eine Stunde von der UTC abweicht. Im internationalen Sprachgebrauch wird die MESZ auch als Central European Summer Time (CEST), Middle European Summer Time (MEST) oder Central European Daylight Saving Time (CEDT, amerikanisch auch CET DST notiert) bezeichnet.
Die MitteleuropĂ€ische Hochsommerzeit (MEHSZ = UT+3) â auch âdoppelte Sommerzeitâ genannt â war eine Spezial-Zeitzone in den Jahren 1945 und 1947 in Deutschland. Sie entsprach der British Double Summer Time UT+2 als Sommerzeit der War Time UT+1 (WEZ/GMT+1).
Geregelt sind die europĂ€ischen Sommerzeiten (WESZ, MESZ, OESZ) fĂŒr die EU in der Richtlinie 2000/84/EG zur Regelung der Sommerzeit[56] und den ergĂ€nzenden Mitteilungen 2001/C 35/07[57] und 2006/C 61/02.[58] Auch einige assoziierte Staaten, wie die Schweiz, der EuropĂ€ische Wirtschaftsraum auĂer Island und einige andere LĂ€nder, verwenden diese Regelung. Das Verfahren der Sommerzeit wurde im Jahr 2007 bestĂ€tigt.[59]
Nach den Ălkrisen 1973 und 1979/1980 war die seit dem Krieg nicht mehr verwendete Sommerzeit im Laufe der spĂ€ten 1970er in einigen LĂ€ndern wieder eingefĂŒhrt worden. Seitens der EuropĂ€ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wurde mit der Vereinheitlichung der GĂŒltigkeitszeiten begonnen. Die ersten EntwĂŒrfe von 1976 (1976/C79/38, 1976/C131/12) traten dann mit der Richtlinie 1980/737/EWG[60] in Kraft, die sich vorerst auf den Zeitraum 1980â1981 bezog. Es galt die Sommerzeit vom letzten Sonntag im MĂ€rz bis zum letzten Sonntag im September, Zeitumstellung jeweils um 01:00 UTC (02:00 MEZ â 03:00 MESZ), sodass die erste gemeinsame Sommerzeit vom 6. April 1980, 02:00 MEZ bis zum 28. September 1980, 03:00 MESZ dauerte. (Die Schweiz zog ein Jahr spĂ€ter nach.) Diese Regeln wurden vorerst regelmĂ€Ăig wiederfestgesetzt, bis mit der Richtlinie 2000/84/EG eine unbefristet gĂŒltige Regelung getroffen wurde.[61] Die heute gĂŒltige Regel wurde 1996 eingefĂŒhrt.
Folgende Regelung gilt (vgl. § 2 der deutschen Sommerzeitverordnung):
Um die doppelt erscheinenden Stunden von 2 Uhr MESZ bis 3 Uhr MEZ am Ende der Sommerzeit unterscheiden zu können, wird die Stunde vor der Zeitumstellung mit 2A Uhr, die Stunde nach der Umstellung mit 2B Uhr bezeichnet. Eine solche Unterscheidung mit A und B wurde in Deutschland bereits 1917 gemÀà § 3 der Bekanntmachung ĂŒber die Sommerzeit[6] praktiziert. Sie darf nicht verwechselt werden mit der international ĂŒblichen AbkĂŒrzung der Zeitzonen, nach der 2 Uhr MESZ als 0200B und 2 Uhr MEZ als 0200A bezeichnet werden.[62]
In Deutschland wird die Zeitumstellung per Rechtsverordnung bestimmt. § 5 Einheiten- und Zeitgesetz (EinhZeitG) ermĂ€chtigt das Bundeswirtschaftsministerium zum Erlass entsprechender Verordnungen. Bis einschlieĂlich 2001 galt die Zeitverordnung von 1997,[63] bis dann im Jahr 2002 mit § 1 Sommerzeitverordnung die Sommerzeit auf unbestimmte Zeit eingefĂŒhrt wurde.
FĂŒr die technische Umsetzung der Zeitumstellungen ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zustĂ€ndig. Die PTB kontrolliert die impulsgebenden Atomuhren in Braunschweig. Deren Zeit wird mit der Uhr am Langwellensender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt am Main abgeglichen, der von dort Zeitsignale ausstrahlt. Diese gehen unter anderem an alle öffentlichen und privaten Funkuhren, an die Steuertechnik von Kraft- und Umspannwerken, die Uhren der Deutschen Bahn AG, die Fahrsteuerung der U-Bahnen und rund 50.000 Verkehrsampeln.
Die letzte Sommerzeit-Periode in Deutschland begann am 27. MĂ€rz 2011, 02:00 MEZ mit der Umstellung auf 03:00 MESZ und dauerte bis zum 30. Oktober 2011, 03:00 MESZ. Im Jahr 2012 beginnt die Sommerzeit am 25. MĂ€rz 2012 und endet am 28. Oktober 2012.
Die westeuropÀische Zeit und osteuropÀische Zeit werden gleichzeitig mit der mitteleuropÀischen Zeit auf Sommerzeit umgestellt, also um 1:00 Uhr bzw. 3:00 Uhr lokaler Zeit.
Auch in Russland begann und endete die Sommerzeit an denselben Tagen wie in Mitteleuropa. Dort stellte man die Uhr zwar auch um eine Stunde vor, im Ergebnis jedoch um zwei Stunden gegenĂŒber der jeweiligen Zonenzeit, weil die aus Sowjetzeiten fortgeltende so genannte Dekretzeit fĂŒr das ganze Jahr die Addition von einer Stunde zur jeweiligen Zonenzeit vorschreibt. Seit MĂ€rz 2011 wird die Sommerzeit nicht mehr zurĂŒckgestellt.[64][65]
Andere Staaten mit Sommerzeit haben wiederum abweichende Regelungen. In den meisten LĂ€ndern beginnt die Sommerzeit in den Monaten MĂ€rz oder April und endet in den Monaten September, Oktober oder November, in den Staaten auf der SĂŒdhalbkugel umgekehrt.
In den USA wurde die Sommerzeit erstmals wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs verwendet. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurden die Uhren ganzjĂ€hrig vorgestellt (âWar Timeâ).[66] Von 1945 bis 1966 gab es in den USA kein die Sommerzeit betreffendes Bundesgesetz; es bestanden lokal unterschiedliche Regelungen. 1966 wurde sie per Bundesgesetz eingefĂŒhrt.
Am 27. Juli 2005 wurde vom US-Kongress die so genannte Energy Bill (HR6 / Energy Policy Act of 2005 oder Public Law 109-58) beschlossen. Darin wird unter anderem festgelegt, dass ab 2007 die Sommerzeit am zweiten Sonntag im MĂ€rz beginnt und am ersten Sonntag im November endet.[67] Der Kongress behĂ€lt sich allerdings vor, diese Ănderung rĂŒckgĂ€ngig zu machen. Somit gelten seit FrĂŒhling 2007 in den USA und auch in Kanada verĂ€nderte Termine fĂŒr die Sommerzeit (dort âDaylight Saving Timeâ / DST und âHeure avancĂ©eâ / HA genannt). Sie beginnt drei Wochen frĂŒher und endet eine Woche spĂ€ter als bisher; im Jahr 2011 vom 13. MĂ€rz bis 6. November.
In den Bundesstaaten Arizona (mit Ausnahme des Gebietes der DinĂ©, der Navajo Nation Reservation), Hawaii und den meisten amerikanischen AuĂengebieten gibt es keine Sommerzeit, ebenso nicht in der kanadischen Provinz Saskatchewan und dem an Arizona angrenzenden mexikanischen Bundesstaat Sonora.
In Mexiko beginnt die Sommerzeit am ersten Sonntag im April, also eine Woche spĂ€ter als in Europa. Grenznahe Regionen zu den USA haben pragmatischer Weise den seit 2007 ĂŒblichen Umschalttermin des Nachbarlandes ĂŒbernommen.[68] Die Sommerzeit endet am letzten Sonntag im Oktober, demselben Tag wie in Europa. In den USA und Mexiko werden die Uhren nicht wie in Europa gleichzeitig umgestellt, sondern im MĂ€rz/April jeweils um 2:00 Lokalzeit (beispielsweise 10:00 UTC in Kalifornien, 7:00 UTC in New York) vorgestellt, und im Oktober/November um 2:00 lokaler Sommerzeit auf 1:00 Uhr zurĂŒckgestellt.
In ĂquatornĂ€he, also zwischen den Wendekreisen auf 23° 26' nördlicher und sĂŒdlicher Breite, schwankt die TageslĂ€nge zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang im Laufe des Jahres um höchstens 3 Stunden, in Flensburg auf 54° 47âČ N dagegen zwischen 7 Std 13 Min und 17 Std 20 Min, also um 10 Std 7 Min. Eine Sommerzeit ist also mit zunehmender ĂquatornĂ€he umso sinnloser und wird daher von zahlreichen Ă€quatornahen Staaten auch nicht (mehr) praktiziert (s. Karte).
Auch jenseits der Polarkreise auf 66° 34âČ nördlicher und sĂŒdlicher Breite ist eine Sommerzeit nicht sinnvoll, weil dort die Sonne im Sommer ohnehin sehr spĂ€t oder gar nicht untergeht und im Tagesverlauf Ă€uĂerstenfalls eine Höhe von kaum mehr als 47° erreicht.
Die folgenden Listen basieren auf Daten von 2004.
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Die Tageslichtphase liegt in einer spĂ€teren Uhrzeit. Das wird von vielen Menschen als eine VerlĂ€ngerung der Tageslichtzeit empfunden. So ist die Uhrzeit des Sonnenaufgangs im Hochsommer zum Beispiel 4:30 Uhr Sommerzeit statt 3:30 Uhr Normalzeit. Entsprechend verschiebt sich die Uhrzeit des Sonnenuntergangs etwa von 21:00 Normalzeit auf 22:00 Uhr Sommerzeit. Da um 3 und 4 Uhr morgens der GroĂteil der Menschen schlĂ€ft, um 22 Uhr abends aber nicht, und da die heutige Gesellschaft sich eher nach der Uhrzeit als nach der tatsĂ€chlichen Tageszeit richtet, verschiebt sich die mit der Uhrzeit verbundene Wachphase der meisten Menschen mehr in die helle Phase des Tages hinein. So sind die abendlichen FreizeitaktivitĂ€ten lĂ€nger bei Tageslicht und angenehmeren AuĂentemperaturen möglich, was vor allem von jĂŒngeren Menschen als positiv bewertet wird.
Eine der offiziellen BegrĂŒndungen fĂŒr die EinfĂŒhrung der Sommerzeit war die Einsparung von Energie, sie ist allerdings bis heute umstritten. Was die Einsparung in den Haushalten betrifft, so wurde beispielsweise 2008 durch Vergleich des Stromverbrauchs von knapp 224.000 Haushalten in Teilen von Indiana, wo die Sommerzeit teilweise erst 2006 eingefĂŒhrt wurde, festgestellt, dass der Stromverbrauch nach der Umstellung auf die Sommerzeit um ungefĂ€hr 1 Prozent anstieg. Das ursprĂŒnglich verfolgte Ziel der Energieeinsparung konnte also nicht erreicht werden, vielmehr fiel die Energiebilanz sogar ungĂŒnstig aus, da âgeringfĂŒgige Einsparungen im FrĂŒhjahr einem umso stĂ€rkeren Stromverbrauch im SpĂ€tsommer und Herbstâ entgegenstanden. Insbesondere ein erhöhter Heizbedarf in den frĂŒhen Morgenstunden und eine stĂ€rkere Nutzung von Klimaanlagen an den lĂ€ngeren Nachmittagen und warmen Sommerabenden erhöhten insgesamt den Energieverbrauch, wofĂŒr die Einwohner der untersuchten Teile Indianas rund 8,6 Millionen US-Dollar pro Jahr mehr zahlten. Die Verfasser berechneten zudem die Kosten der stĂ€rkeren Umweltverschmutzung fĂŒr die Gesellschaft auf jĂ€hrlich 1,6 bis 5,3 Millionen Dollar.[69][70]
Die Daten dieser Untersuchung bezogen sich allerdings nur auf Privathaushalte. Industrieanlagen und andere Wirtschaftsbereiche wurden nicht einbezogen. Die Verfasser vermuteten aber, dass sich die meisten Unternehmen an normale Arbeitszeiten bei Tageslicht halten und daher weniger von der Sommerzeit-Umstellung betroffen seien als Privathaushalte.
Dass die erwĂŒnschte Energieeinsparung auch in Deutschland durch die saisonale Zeitumstellung nicht erreicht wurde, bestĂ€tigte die Bundesregierung 2005 auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Man wolle aber an der Umstellung festhalten, solange die Mitgliedstaaten der EU nicht gemeinsam die Absicht hĂ€tten, die Sommerzeit abzuschaffen.[71] Das Umweltbundesamt stellte keine positiven Energiespareffekte fest, da die Einsparung an Strom fĂŒr Beleuchtung durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit âĂŒberkompensiertâ werde. Der zunehmende Einsatz von Energiesparlampen wĂŒrde diesen Effekt in Zukunft zudem weiter verstĂ€rken.[72] Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.[73] 2009 wurde ein Alleingang erneut abgelehnt, weil eine einheitliche Zeitregelung âfĂŒr ein reibungsloses Funktionieren des Binnenmarktes unerlĂ€sslichâ sei.[74]
Besonders in den zentral gelenkten Planwirtschaften des Ostblocks wurden in einigen LĂ€ndern leicht gestaffelte Arbeitszeiten (Arbeitsbeginn in den verschiedenen Betrieben 7 bis 9 Uhr) eingefĂŒhrt, um den morgendlichen Stromverbrauch zu senken. Denn fĂŒr die Sicherstellung der Stromversorgung ist nicht nur der Gesamtverbrauch entscheidend, sondern auch die Verbrauchsspitzen, fĂŒr die zusĂ€tzliche KraftwerkskapazitĂ€ten als Reserven benötigt wĂŒrden. Der öffentliche Personentransport und der private Autoverkehr mit den morgendlichen StoĂzeiten wurde so auch etwas verteilt und entlastet.
UnabhÀngig von der Sommerzeit wurde in einigen Branchen und Betrieben schon lange vorher eine unterschiedliche Lage der Arbeitszeit im Sommer und im Winter gehandhabt.
In der DDR wurde Anfang 1969 der gesamte Schulunterricht um 2 Stunden nach hinten verschoben, um Energie zu sparen. Diese Praxis wurde aber bereits nach einer Woche wieder aufgegeben, da die morgendliche Energieeinsparung vom Energieverbrauch in den Nachmittagsstunden wieder zunichte gemacht wurde.
BefĂŒrworter der Sommerzeit argumentieren, es sei fĂŒr die Menschen vorteilhaft, abends lĂ€nger bei Tageslicht die Freizeit gestalten zu können, wodurch ihre ProduktivitĂ€t erhöht werde. Gegner argumentieren, die Anpassung an den neuen Tagesrhythmus dauere mindestens mehrere Tage, sei gesundheitsschĂ€dlich und verringere wĂ€hrend der Umstellungsphase die ProduktivitĂ€t. Es lĂ€gen physiologische Studien vor, nach denen einige zirkadian schwankende Hormonspiegel, Ă€hnlich dem des Stresshormons Kortisol, bis zu viereinhalb Monate brauchten, um sich vollstĂ€ndig den neuen Gegebenheiten anzupassen (bei einstĂŒndiger Zeitumstellung gegen die natĂŒrliche Rhythmik, also nach Art der gĂ€ngigen Sommerzeit). In umgekehrter, ânatĂŒrlicherâ Richtung (also bei Eintritt der âWinterzeitâ) dauere diese Anpassung nur ca. zwei Wochen. Ob allein diese Hormonspiegelschwankungen bereits krankheitsfördernd wirken, ist jedoch nicht belegt.
Der Mittag der heute nicht mehr gebrĂ€uchlichen wahren Ortszeit (WOZ) teilt den Zeitabschnitt zwischen Sonnenauf- und -untergang nahezu symmetrisch: Um 12 Uhr WOZ hat die Sonne ihren höchsten Stand. Der Auf- und Untergang der Sonne liegen in nahezu gleichem Zeitabstand vor bzw. nach diesem Zeitpunkt. Seit der Normierung der Zeit in Zeitzonen kommt es allerdings ohnehin zu Abweichungen von der mittleren Ortszeit von bis zu 36 Minuten im Westen Deutschlands, bis zu 97 Minuten in Galicien (Nordwest-Spanien) und ĂŒber 3 Stunden im Westen Chinas. FĂŒr die MitteleuropĂ€ische Zeit ist der 15. Meridian (15° Ost), der unter anderen durch Görlitz und GmĂŒnd im Waldviertel verlĂ€uft, der Bezugsmeridian. Westlich davon, also abgesehen vom Osten Ăsterreichs fast im ganzen deutschsprachigen Gebiet, erreicht die Sonne ihren Höchststand erst nach 12 Uhr. Dazu kommt noch die jahresperiodische Abweichung der mittleren von der wahren Ortszeit, die sogenannte Zeitgleichung von bis zu 16 Minuten (Anfang November, der Abweichung im Westen des jeweiligen Bezugsmeridians entgegengerichtet; die maximale Abweichung, die sich dort im Sommer hinzuaddieren kann, betrĂ€gt 6,5 Minuten Ende Juli, bei frĂŒhem Beginn der Sommerzeit im MĂ€rz dann auch etwas mehr).
Mit der Sommerzeit vergröĂert sich die Abweichung der gesetzlichen Uhrzeit von der wahren Ortszeit westlich des Bezugsmeridians um eine weitere ganze Stunde.
Alle Uhren mĂŒssen zweimal im Jahr umgestellt werden. Immer mehr Uhren werden heute ĂŒber ein Funksignal (Funkuhr) automatisch gestellt, viele mĂŒssen aber insbesondere in Privathaushalten nach wie vor manuell umgestellt werden. Computeruhren können ebenfalls automatisch ĂŒber eine Funktion des Betriebssystems gestellt werden. Allerdings gibt es Rechnerprogramme mit Echtzeitfunktion, die die Betriebssystemfunktion zur Sommerzeitumstellung nicht nutzen und manuell umkonfiguriert werden mĂŒssen. Das gleiche Problem gibt es auch bei Schaltsekunden.
Bei der Umstellung zunĂ€chst vergessene Uhren können spĂ€ter fĂŒr Verwirrung sorgen. Problematisch können die Ereignisaufzeichnungen von solchen Uhren sein, die von einem autorisierten Personenkreis betreut werden, wenn die Umstellung erst einige Tage spĂ€ter vorgenommen wird und die gespeicherten Zeiten und darauf basierende Auswertungen somit falsch sind.
Psychologen und Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich die Anpassung des chronobiologischen Rhythmus des Organismus als problematisch herausgestellt hat.[75] Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen haben hier offenbar gröĂere Schwierigkeiten.
Ob die Zeitumstellung einen Einfluss auf die Zahl der VerkehrsunfÀlle in der Umstellungsphase hat, ist nicht klar; Untersuchungen dazu kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.[76][77] Die Unfallquote ist wÀhrend der Sommerzeit insgesamt niedriger.[78][79]
Nach einer Studie von Imre Janszky und Rickard Ljung erhöht die Umstellung auf die Sommerzeit das Herzinfarktrisiko.[80]
Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass MilchkĂŒhe ein bis zwei Wochen benötigen, um sich auf die neuen Melkzeiten umzustellen. Besonders bei der Herbst-Zeitumstellung ist der verĂ€nderte Tagesablauf auf den Höfen am lauten Muhen einiger KĂŒhe morgens deutlich zu verfolgen. Bei der FrĂŒhjahrsumstellung ist die Milchleistung einige Tage lang geringer. Die meisten Landwirte verteilen die Zeitumstellung fĂŒr das Melken ĂŒber mehrere Tage, um so das Problem zu mildern.
WĂ€hrend die Zeitumstellung fĂŒr die meisten BĂŒrger sozusagen âim Schlafâ erfolgt, stellt sie verschiedene Einrichtungen vor mehr oder weniger groĂe Probleme. Einrichtungen mit nĂ€chtlichem Bereitschaftsdienst haben mit dem Problem zu kĂ€mpfen, dass entweder der Dienst eine Stunde lĂ€nger oder aber die Ruhezeit eine Stunde verkĂŒrzt ist und somit eventuell nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen genĂŒgt. Daher mĂŒssen hĂ€ufig fĂŒr die Tage der Zeitumstellung eigene DienstplĂ€ne erstellt werden, was zusĂ€tzliche Kosten verursacht.
Bei Umstellung von Normal- auf Sommerzeit verkehren die ZĂŒge mit einer Stunde VerspĂ€tung bis zum Zielbahnhof. Bei den digitalen Uhren der Deutschen Bahn erscheint nach 1:59 Uhr die Anzeige 3:00 Uhr. Das Vorstellen der analogen Bahnhofsuhren erfolgt durch zusĂ€tzliche Halbminutentaktimpulse. Das Umstellen der Analoguhr dauert ca. 5 Minuten.
ZĂŒgen, die wĂ€hrend der Umstellung auf Sommerzeit unterwegs sind (in der Regel GĂŒterzĂŒge, NachtzĂŒge und S-BahnzĂŒge in den BallungsrĂ€umen), fehlt eine Stunde. Wenn möglich, werden GĂŒterzĂŒge vor der planmĂ€Ăigen Abfahrtszeit auf die Reise geschickt, so dass sie ihren Zielort mit nur geringer oder oft auch ohne VerspĂ€tung erreichen. S-BahnzĂŒge, die nur innerhalb dieser Stunde unterwegs wĂ€ren, fallen aus. NachtzĂŒge haben oft fahrplanmĂ€Ăig lĂ€ngere Aufenthalte, die gekĂŒrzt werden können. Wo dies nicht möglich ist, kommen die ZĂŒge an diesem Tag verspĂ€tet ans Ziel.
Im umgekehrten Fall, also beim ZurĂŒckstellen der Uhren im Herbst, ist die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr zweimal vorhanden. ZĂŒge, die in dieser Stunde unterwegs sind, werden in einem geeigneten Bahnhof eine Stunde lang angehalten. Dadurch kommt der Zug laut Fahrplan zwar pĂŒnktlich an, die tatsĂ€chliche Reisezeit erhöht sich aber trotzdem um eine Stunde. Diese Anhalte-Regel wird aber nur bei ZĂŒgen angewandt, die noch eine lĂ€ngere Wegstrecke vor sich haben. ZĂŒge, deren planmĂ€Ăige Abfahrtszeit zwischen zwei und drei Uhr liegt, mĂŒssen zweimal abfahren. Dies erhöht die notwendige Anzahl von Fahrzeugen und Personal. AuĂerdem mĂŒssen fĂŒr diese Zeitumstellung auch deshalb besondere FahrplĂ€ne erstellt werden, weil dieser âdoppelt vorhandeneâ Zug bei identischer Zugnummer zu Fehlermeldungen in der Stellwerkselektronik fĂŒhren wĂŒrde.[81]
Diese Vorgehensweise wird von der Deutschen Bahn, von den Schweizerischen und Ăsterreichischen Bundesbahnen sowie auch von weiteren europĂ€ischen Eisenbahnunternehmen angewandt.
Relativ einfach gestaltet sich die Zeitumstellung allerdings bei Nachtverkehren, die im Stundentakt oder dichter verkehren: Hier kann der Zeitraum von 2 bis 3 Uhr ohne weiteres verdoppelt oder herausgenommen werden.
Die Luftfahrt, die stĂ€ndig ĂŒber mehrere Zeitzonen hinweg fliegt und koordiniert wird, arbeitet immer mit Koordinierter Weltzeit (UTC), die von der Sommerzeit-Umstellung nicht betroffen ist. Es mĂŒssen also keine Flugzeuge irgendwo warten, wie es bei der Eisenbahn der Fall ist. Lediglich die Umrechnung in Ortszeit (Local Time) verschiebt sich um eine Stunde â also die Ein- und Aussteigezeit fĂŒr die Passagiere, die an den FlughĂ€fen in Ortszeit angegeben wird.
Datenaufzeichnungen, die die gesetzliche Zeit als Zeitstempel verwenden, lassen sich nur auswerten, wenn die zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gĂŒltige Sommerzeitregelung bekannt ist.
IT-Systeme mĂŒssen fĂŒr die Umstellung ausgerĂŒstet sein oder gewartet werden.
Verwendet ein Betriebssystem die Koordinierte Weltzeit (UTC) als Systemzeit und fĂŒr gespeicherte Zeitstempel, dann hat die Sommerzeit keine Auswirkungen auf den Betrieb; diese wird nur bei der Berechnung der gesetzlichen Zeit fĂŒr eine benutzerfreundliche Darstellung berĂŒcksichtigt. Es gibt auch Betriebssysteme, welche stattdessen die gesetzliche Zeit als Systemzeit und fĂŒr gespeicherte Zeitstempel verwenden, aber in diesen Zeitstempeln keine Informationen darĂŒber ablegen, ob dies die Normal- oder die Sommerzeit ist. Dadurch gibt es neben dem Stunden-Loch zum Beginn und doppelten Zeitstempeln zum Ende der Sommerzeit ein weiteres Problem: Wie lautet zu gespeicherten Zeitstempeln in Ortszeit die passende Zeitangabe in Koordinierter Weltzeit, und wie werden gespeicherte Zeitstempel (z. B. auf Dateien) bei aktiver Sommerzeit einerseits und bei Normalzeit andererseits angezeigt â und welche der beiden Darstellungen ist korrekt?
Sofern Standards wie die UTC nicht verwendet werden, kommt es bei der Umstellung von Sommerzeit auf normale Zeit zu folgenden Problemen:
Dies kann Auswertungen durcheinanderbringen. Datenbanksysteme mit starker Bindung an Datum und Uhrzeit können inkonsistent werden.
Die Umstellung der Zeit ist meist abhĂ€ngig vom Betriebssystem. Manche brauchen manuelle Eingriffe, andere können die Umstellung automatisch durchfĂŒhren. Dabei erfolgt der Zeitsprung aber nicht immer zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt, sondern passiert âimplementierungsabhĂ€ngigâ vielleicht einige Minuten spĂ€ter.
Komplexe Softwaresysteme können auch eine vom Betriebssystem abweichende âZeitverwaltungâ haben. So gibt es z. B. in neueren SAP-Systemen eine âZeitdehnungâ, bei der von 02:00 MESZ bis 03:00 MEZ die âSAP-Zeitâ langsamer lĂ€uft und dadurch der Zeitsprung ganz vermieden wird. Offen bleibt bei solchen Lösungen jedoch die Koordination mit anderen Systemen, deren Zeit anders verlĂ€uft.
Durch die Ănderung der Sommerzeit in den USA, in Kanada und Brasilien (siehe oben) wurden fĂŒr die Umstellung auf die Sommerzeit im Jahr 2007 Anpassungen fĂŒr viele Softwaresysteme notwendig. FĂŒr von den Herstellern nicht mehr voll gewartete Systeme konnte das zu Problemen bei der automatischen Zeitumstellung fĂŒhren.
Hier ergibt sich durch die Umstellung der Zeitrahmen (sowohl +1h als auch â1h) das Problem der lĂŒckenlosen Ăberwachung und Dokumentation von vitalen Umgebungs-Daten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Raumdruck, Partikelanzahl) in den RĂ€umen verschiedener Reinheitsklassen.
In Verbindung mit den im IT-Bereich auftretenden Schwierigkeiten mĂŒssen weitere, autonom arbeitende ĂberwachungsgerĂ€te installiert werden, was einen zusĂ€tzlichen Aufwand an Arbeitskraft und Logistik zur Folge hat. Dazu kommt der Mehraufwand fĂŒr die Auswertung der aufgezeichneten Daten.
Die Zeitumstellung fĂŒhrt auch zu Problemen in der ReligionsausĂŒbung.
Viele Menschen haben bei der jeweiligen Umstellung ein Problem, zu unterscheiden, wann die Uhren vor- und wann sie zurĂŒckgestellt werden sollen. Es gibt dafĂŒr zahlreiche Merkregeln. Eine davon ist die âStraĂencafĂ©-Faustregelâ: Im FrĂŒhjahr werden die StĂŒhle vor das Lokal gestellt, im Herbst kommen sie zurĂŒck ins Lager. Im amerikanischen Englisch gibt es den Merkspruch âspring forward, fall backâ, was sowohl mit âSpring vor, fall zurĂŒckâ als auch mit âFrĂŒhling vor, Herbst zurĂŒckâ ĂŒbersetzt werden kann.