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Sonografie (Sonographie), auch Echografie oder umgangssprachlich Ultraschall genannt, ist die Anwendung von Ultraschall als bildgebendes Verfahren zur Untersuchung von organischem Gewebe in der Medizin und VeterinÀrmedizin sowie von technischen Strukturen.
Ein Sonogramm ist ein Bild, das mit Hilfe der Sonografie erstellt wurde. Datei:RyuJin in the womb (heart beating).ogg
Ein wesentlicher Vorteil der Sonografie gegenĂŒber dem in der Medizin ebenfalls hĂ€ufig verwendeten Röntgen liegt in der UnschĂ€dlichkeit der eingesetzten Schallwellen. Auch sensible Gewebe wie bei Ungeborenen werden nicht beschĂ€digt, die Untersuchung verlĂ€uft weitgehend schmerzfrei.
Neben der Herztonwehenschreibung (Kardiotokografie) ist sie ein Standardverfahren in der Schwangerschaftsvorsorge. Eine spezielle Untersuchung der PrÀnataldiagnostik zur Erkennung von Entwicklungsstörungen und körperlichen Besonderheiten ist der Feinultraschall.
Die Sonografie ist das wichtigste Verfahren bei der Differentialdiagnose eines Akuten Abdomens, bei Gallensteinen oder bei der Beurteilung von GefĂ€Ăen und deren DurchlĂ€ssigkeit vor allem an den Beinen. Weiterhin wird sie standardmĂ€Ăig zur Untersuchung der SchilddrĂŒse, des Herzens â dann Echokardiografie oder Ultraschallkardiografie (UKG; Echokardiografie) genannt â, der Nieren, der Harnwege und der Harnblase benutzt. Durch den Einsatz von EchokontrastverstĂ€rkern (Kontrastmittel) ist in geeigneten FĂ€llen eine weitere Verbesserung der Diagnostik möglich.
In der GynĂ€kologie werden mit einer vaginal eingefĂŒhrten Sonde Eierstöcke und GebĂ€rmutter betrachtet.
Die Ultraschallanwendung ist geeignet zur Erstbeurteilung und fĂŒr Verlaufskontrollen, insbesondere bei medikamentösen oder strahlentherapeutischen Behandlungen bösartiger Erkrankungen.
Mit Ultraschall können krebsverdĂ€chtige Herde erkannt und erste Hinweise auf ihre Bösartigkeit gewonnen werden. DarĂŒber hinaus sind ultraschallgesteuerte Biopsien und Zytologien (Entnahmen von Gewebeproben oder freier FlĂŒssigkeit) durchfĂŒhrbar.
Die Aufnahme von Ultraschallbildsequenzen insbesondere in Verbindung mit Kontrastmitteln erlaubt die Beurteilung der Perfusion verschiedener Organe wie z. B. Leber oder Gehirn durch die Verlaufs-Visualisierung des Kontrastmittelniveaus im Blutkreislauf. Dies unterstĂŒtzt z. B. eine frĂŒhzeitige Diagnose eines ischĂ€mischen Schlaganfalls.
Der Grundgedanke der Sichtbarmachung von Strukturen durch Schall geht auf militĂ€rische Anwendungen zurĂŒck. WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges ĂŒbertrug der Franzose Paul Langevin mittels Quarzkristallen erzeugte Ultraschallwellen ins Wasser und entwickelte so ein Verfahren zur Ortung von Unterseebooten. Zu medizinischen Anwendungen eignete sich das Verfahren nicht, denn die IntensitĂ€t der Schallwellen war so stark, dass von ihnen getroffene Fische zerbarsten. Diese Form der Anwendung wurde mit der Entwicklung von ASDIC und Sonar durch US-Amerikaner und Briten im Zweiten Weltkrieg fortgesetzt.
In der Zeit zwischen den Kriegen entwickelten der Russe S. J. Sokoloff und der US-Amerikaner Floyd A. Firestone ultraschallgestĂŒtzte Verfahren zur Aufdeckung von Materialfehlern in Werkstoffen. Eine erste medizinische Anwendung erfolgte 1942 durch den Neurologen Karl Dussik (1908â1968), der einen Seitenventrikel des GroĂhirns mittels A-Mode-Messung darstellte. Er nannte sein Verfahren Hyperfonografie.
Seit dem Ende der 1940er Jahre entwickelte sich die Sonografie gleichzeitig innerhalb verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Erste kardiologische Untersuchungen mittels A-Mode-Messungen wurden durch Wolf-Dieter Keidel vorgenommen, erste M-Mode-artige Messungen fĂŒhrten Inge Edler und Carl Helmut Hertz an der Lund-UniversitĂ€t in Schweden durch. Etwa gleichzeitig wurden von dem EnglĂ€nder John Julian Wild (1914â2009, immigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA), und den US-Amerikanern Douglass H. Howry (1920â1969) und Joseph H. Holmes (1902â1982) erste B-Mode-artige Schnittbilder aus dem Bereich des Halses und des Abdomens erzeugt. Die hierzu angewendete Methode war das Compound-Verfahren, bei dem die Versuchsperson in einer wassergefĂŒllten Tonne saĂ und die Ultraschallsonde auf einer Kreisbahn um sie herumwanderte.
Im selben Zeitraum erfolgten erste Anwendungen in der Augenheilkunde (G. H. Mundt und W. F. Hughes, 1956) sowie der GynĂ€kologie (Ian Donald). Eine erste Anwendung des Dopplerprinzips erfolgte 1959 durch den Japaner Shigeo Satomura (1919â1960), das sich schnell einen Platz in der Angiologie und der Kardiologie erschloss. Farbkodierte Dopplerdarstellungen waren jedoch erst seit den 1980er Jahren mit der VerfĂŒgbarkeit leistungsstarker Rechner möglich.
Ultraschall ist Schall mit einer Frequenz oberhalb der menschlichen Hörgrenze, ab 20 kHz bis 1 GHz. In der Diagnostik verwendet man Frequenzen zwischen 1 und 40 MHz bei einer mittleren SchallintensitĂ€t von 100 mW/cm2. Ein UltraschallgerĂ€t enthĂ€lt eine Elektronik fĂŒr die Schallerzeugung, Signalverarbeitung und -darstellung, auĂerdem Schnittstellen fĂŒr einen Monitor und Drucker sowie fĂŒr Speichermedien oder Videokameras. Per Kabel daran angeschlossen ist eine auswechselbare Ultraschallsonde, auch Schallkopf genannt.
Die Ultraschallwellen werden mit in der Sonde angeordneten Kristallen durch den piezoelektrischen Effekt erzeugt und auch wieder nachgewiesen. Von Bedeutung fĂŒr die Schallausbreitung in einem Material ist die Impedanz, also der Widerstand, der der Ausbreitung von Wellen entgegenwirkt. An der GrenzflĂ€che zweier Stoffe mit groĂem Impedanzunterschied wird der Schall stark reflektiert. Dieser Unterschied ist zwischen Luft und z.B. Wasser besonders stark ausgeprĂ€gt, deshalb wird die Ultraschallsonde immer mittels eines stark wasserhaltigen Gels angekoppelt, damit der Schall nicht von LufteinschlĂŒssen zwischen dem Sondenkopf und der HautoberflĂ€che reflektiert wird.
Die Sonde sendet kurze, gerichtete Schallwellenimpulse aus, die in den Gewebeschichten unterschiedlich stark reflektiert und gestreut werden, was als EchogenitĂ€t bezeichnet wird. Aus der Laufzeit der reflektierten Signale kann die Tiefe der reflektierenden Struktur rekonstruiert werden. Die StĂ€rke der Reflexion wird vom UltraschallgerĂ€t als Grauwert auf einem Monitor dargestellt. So stellen sich Strukturen geringer EchogenitĂ€t als schwarze, Strukturen hoher EchogenitĂ€t als weiĂe Bildpunkte dar. Gering echogen sind vor allem FlĂŒssigkeiten wie Harnblaseninhalt und Blut. Eine hohe EchogenitĂ€t besitzen Knochen, Gase und sonstige stark Schall reflektierende Materialien.
Von den Monitorbildern werden zur Dokumentation Ausdrucke, sogenannte Sonogramme, oder gelegentlich Videoaufnahmen gemacht. Schwangeren wird hĂ€ufig auch ein Bild ihres ungeborenen Kindes ĂŒberlassen.
Ein verwandtes Untersuchungsverfahren ist die Optische KohÀrenztomografie. Sie arbeitet nach einem Àhnlichen Prinzip, jedoch wird dort Licht statt Schall verwendet.
Die Bildgebung mit einem UltraschallgerĂ€t erfolgt nach dem sogenannten Echo-Impuls-Verfahren. Ein elektrischer Impuls eines Hochfrequenzgenerators wird im Schallkopf durch den piezoelektrischen Effekt in einen Schallimpuls â einen kurzen Wellenzug â umgesetzt und ausgesendet. Die Schallwelle wird an InhomogenitĂ€ten der Gewebestruktur teilweise oder vollstĂ€ndig gestreut und reflektiert. Im ersten Fall (teilweise Reflexion/Streuung) verliert der Wellenzug Energie und lĂ€uft mit schwĂ€cherem Schalldruck weiter, solange, bis durch Absorptionseffekte die Schallenergie vollstĂ€ndig in WĂ€rme umgesetzt ist. Ein zurĂŒcklaufendes Echo wird im Schallkopf in ein elektrisches Signal gewandelt. AnschlieĂend verstĂ€rkt eine Elektronik das Signal, wertet dieses aus und kann es auf verschiedene Weise an den Anwender ausgeben, beispielsweise auf einem Monitor (siehe Darstellungsmethoden).
Der darauffolgende Schallimpuls wird bei den zweidimensionalen Verfahren (wie dem am hÀufigsten benutzten B-Mode) durch automatisches mechanisches oder elektronisches Schwenken der schallerzeugenden Sonde in eine leicht andere Richtung ausgestrahlt. Dadurch scannt die Sonde einen gewissen Bereich des Körpers und erzeugt ein zweidimensionales Schnittbild.
Der nĂ€chste Impuls kann erst ausgesendet werden, wenn alle Echos des vorherigen Ultraschallimpuls abgeklungen sind. Somit ist die Wiederholrate abhĂ€ngig von der Eindringtiefe; das ist die maximale Reichweite in das Untersuchungsobjekt hinein. Die Eindringtiefe des Schalls ist umso kleiner, je gröĂer die Frequenz ist. Je gröĂer allerdings die Frequenz, desto höher ist das örtliche Auflösungsvermögen, also die FĂ€higkeit, nahe beieinanderliegende Objekte auseinander halten zu können. Es muss stets die höchste Frequenz gewĂ€hlt werden, die noch eine Untersuchung in der gewĂŒnschten Tiefe ermöglicht.
Beispielsweise liegt das Herz etwa 15 cm tief. Die zu verwendende Frequenz <math>f</math> ist 3,5 MHz (siehe Physikalische Grundlagen, Tabelle 2). Die Laufzeitdifferenz zum Herzen betrÀgt dann
mit <math>c =</math> Schallgeschwindigkeit in Fett/Wasser/Hirn/Muskeln. Bis das Echo wieder am Schallkopf ankommt, vergeht die doppelte Zeit. Die Wiederholrate der einzelnen Impulse (nicht die Bildwiederholrate des kompletten Schnittbilds) ist also <math>f = \tfrac 1{2\Delta t} = 5\,\mathrm{kHz}</math>.
Eine Ultraschalluntersuchung kann je nach Anforderung mit verschiedenen Ultraschallsonden und unterschiedlicher Auswertung und Darstellung der Messergebnisse durchgefĂŒhrt werden, was man als Mode (engl. fĂŒr: Methode, Verfahren) bezeichnet. Die Bezeichnungen in der Raster Ultraschallmikroskopie (engl.: Scanning Acoustic Microscopy, SAM) sind aufgrund der Fokussierung des Strahles leicht unterschiedlich und bezeichnen primĂ€r die unterschiedlichen Dimensionen (A-, B-, C-Scan mode).
Die erste angewandte Darstellungsform war der A-Mode (A steht fĂŒr Amplitudenmodulation). Das von der Sonde empfangene Echo wird in einem Diagramm dargestellt, wobei auf der x-Achse die Eindringtiefe und auf der y-Achse die EchostĂ€rke abgetragen wird. Je höher der Ausschlag der Messkurve, desto echogener ist das Gewebe in der angegebenen Tiefe. Der Name des Modus beruht auf der zeitabhĂ€ngigen VerstĂ€rkung (bis zu 120 dB) der Signalamplitude durch die Auswerteelektronik im UltraschallgerĂ€t (time gain compensation), weil eine gröĂere Laufzeit der Wellen aus tieferen Schichten wegen Absorption zu sehr geringer Signalamplitude fĂŒhrt. Der A-Mode hat heute nahezu keine Bedeutung mehr.
B-Mode (B fĂŒr englisch brightness modulation) ist eine andere Darstellung der Information des Amplituden-Modus, bei der die EchointensitĂ€t in eine Helligkeit umgesetzt wird. Durch mechanisches Bewegen der Sonde ĂŒberstreicht der Messstrahl eine FlĂ€che in einer Ebene ungefĂ€hr senkrecht zur KörperoberflĂ€che. Der Grauwert eines Bildpunktes auf dem Bildschirm ist ein MaĂ fĂŒr die Amplitude eines Echos an dieser Stelle.
Im 2D-Echtzeitmodus, der derzeit hĂ€ufigsten Anwendung des Ultraschalls, wird ein zweidimensionales Schnittbild des untersuchten Gewebes durch automatische Verschwenkung des Messstrahls und Synchronisierung der B-mode-Darstellung in Echtzeit erzeugt. Das Schnittbild wird dabei aus einzelnen Linien zusammengesetzt, wobei fĂŒr jede Linie ein Strahl ausgesendet und empfangen werden muss. Die Form des erzeugten Bildes hĂ€ngt dabei vom eingesetzten Sondentyp ab. Der 2D-Echtzeitmodus kann mit anderen Verfahren wie dem M-Mode oder der Dopplersonografie gekoppelt werden. Je nach Eindringtiefe und Sondentyp können nur einige wenige oder bis zu ĂŒber hundert zweidimensionale Bilder pro Sekunde dargestellt werden.
Eine weitere hĂ€ufig eingesetzte Darstellungsform ist der M- oder TM-Mode (englisch fĂŒr (time) motion). Dabei wird ein Strahl bei einer hohen Impulswiederholungsfrequenz (1000â5000/s) eingesetzt. Die Amplitude des Signals wird auf der vertikalen Achse dargestellt; die von den hintereinander liegenden Impulsen erzeugten EchozĂŒge sind auf der horizontalen Achse gegeneinander verschoben. Diese Achse stellt also die Zeitachse dar.
Bewegungen des Gewebes bzw. der untersuchten Strukturen haben Unterschiede in den einzelnen Impulsechos zur Folge, es lassen sich BewegungsablÀufe von Organen eindimensional darstellen. Die M-Mode-Darstellung ist hÀufig mit dem B- bzw. 2D-Mode gekoppelt.
Ihre Hauptanwendung findet diese Untersuchungsmethode in der Echokardiografie, um Bewegungen einzelner Herzmuskelbereiche und der Herzklappen genauer untersuchen zu können. Die zeitliche Auflösung dieses Modus ist bestimmt durch die maximale Wiederholrate der Schallimpulse und betrĂ€gt schon bei 20 cm Tiefe ĂŒber 3 kHz.
Als weitere Applikation wurde in den letzten Jahren (Anfang des 21. Jahrhunderts) die dreidimensionale Echografie entwickelt. Der 3D-Ultraschall produziert rĂ€umliche Standbilder, und der 4D-Ultraschall (auch genannt Live-3D: 3D plus zeitliche Dimension) lĂ€sst dreidimensionale Darstellung in Echtzeit zu. FĂŒr ein dreidimensionales Bild wird zusĂ€tzlich zum Scan in einer Ebene ein Schwenk der Ebene vollzogen. Der FlĂ€chenscanwinkel wird gleichzeitig mit dem zweidimensionalem Bild abgespeichert. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung einer zweidimensionalen Anordnung von Ultraschallwandlern in einem sogenannten Phased Array (siehe Ultraschallsonde), bei der nicht mechanisch, sondern elektronisch ein Schwenk des Strahles durchgefĂŒhrt wird.
Die Daten werden fĂŒr die Bildverarbeitung und Visualisierung von einem Rechner in eine 3D-Matrix eingetragen. So können dann Darstellungen von Schnittebenen aus beliebigen Blickwinkeln auf das Objekt erzeugt oder virtuelle Reisen durch den Körper gestaltet werden. Um Bewegungsartefakte durch die HerztĂ€tigkeit zu vermeiden, wird die Aufnahme mittels EKG gesteuert.
Die Aussagekraft der Sonografie kann erheblich durch die Anwendung des Dopplereffekts erhöht werden. Man unterscheidet eindimensionale Verfahren (pulsed-wave doppler, continuous-wave doppler; auch als D-mode bezeichnet) von zweidimensionalen, farbkodierten Anwendungen (Farbdoppler â F-mode). Die Kombination B-Bild mit PW-Doppler (Pulsed Wave Doppler) nennt man auch Duplex.[1]
Dopplerverfahren werden benutzt zur Bestimmung von Blutfluss-Geschwindigkeiten, zur Entdeckung und Beurteilung von Herz(klappen)fehlern, Verengungen (Stenosen), VerschlĂŒssen oder Kurzschlussverbindungen (Shunts), siehe Farbkodierte Dopplersonografie.
Der Dopplereffekt tritt immer dann auf, wenn Sender und EmpfĂ€nger einer Welle sich relativ zueinander bewegen. Zur Bestimmung der Blutflussgeschwindigkeit in den BlutgefĂ€Ăen oder im Herzen detektiert man das von den Blutkörperchen (Erythrozyten) reflektierte Echo. Das reflektierte Signal ist um eine bestimmte Frequenz im Vergleich zur vom Schallkopf ausgesandten Frequenz verschoben: die Dopplerfrequenz. Von dem âruhendenâ Sender, dem Schallkopf, geht eine Welle der Frequenz <math>f</math> aus; ein sich bewegendes Teilchen mit der Flussgeschwindigkeit <math>v</math> reflektiert den Schall mit der Frequenzverschiebung <math>\Delta f_1</math>. Die gesamte Frequenzverschiebung (mit <math>\theta=</math> Winkel zwischen Teilchenbahn und Schallstrahl, <math>c</math>: Schallgeschwindigkeit) betrĂ€gt
<math>\Delta f_1 = 2f\tfrac vc \cos\theta</math>.
Aus ihrem Vorzeichen lĂ€sst sich die Flussrichtung rekonstruieren. Bei gegebener Geschwindigkeit ist die Frequenzverschiebung umso gröĂer, je gröĂer die Sendefrequenz <math>f</math> ist. Im Bereich von 2 bis 8 MHz und Flussgeschwindigkeiten von einigen mm/s bis zu 2 m/s ist <math>\Delta f</math> etwa 50 Hz bis 15 kHz. Zur exakten Geschwindigkeitsmessung ist die Bestimmung des Winkels (Doppler-Winkel)zwischen Schallausbreitungsrichtung und Bewegungsrichtung des Erythrozyten (Richtung des BlutgefĂ€Ăverlaufes) notwendig. Da das Doppler-Prinzip winkelabhĂ€nging ist und die Kosinus-Funktion in die Geschwindigkeitsberechnung eingeht, kommt es infolge des sich mit zunehmendem Winkel Ă€ndernden Anstiegs der Cosinusfunktion zu unterschiedlich starken EinflĂŒssen gleicher Winkelmessfehler auf die errechnete Geschwindigkeit. Da sich Bewegungen des Schallkopfes in der RealitĂ€t kaum vermeiden lassen, nehmen die Fehler, die durch diese Variation des Winkels entstehen, ĂŒberproportional zu, wenn der Winkel zwischen Schallausbreitung und GefĂ€Ărichtung untersuchungsbedingt variiert. Daher wird allgemein empfohlen, Aussagen zu Geschwindigkeiten bei Untersuchungen mit einem Doppler-Winkel >60° zu unterlassen. Die AbhĂ€ngigkeit vom Winkel lĂ€sst sich aber eliminieren, beispielsweise durch Verwendung von Stereomessköpfen.
Beim Continuous Wave Doppler (CW-Doppler)-Verfahren arbeiten ein Sender und ein EmpfĂ€nger im Schallkopf gleichzeitig und kontinuierlich. Durch Mischen mit geeigneten Hochfrequenzsignalen und mit elektronischen Filtern lĂ€sst sich aus der zurĂŒckkommenden Welle in der Auswerteelektronik das Spektrum der Dopplerfrequenzen bzw. Geschwindigkeiten und auch die Richtung bestimmen. Nachteil bei diesem Verfahren ist, dass die Gewebstiefe, aus der das Dopplerecho stammt, nicht bestimmbar ist. Andererseits können auch relativ hohe Geschwindigkeiten registriert werden.
Dagegen kann man beim Pulsed Wave Doppler (PW-Doppler) fĂŒr eine ortsselektive Geschwindigkeitsmessung im konventionellen B-Mode das sogenannte Gate festlegen. Es wird dann nur die Geschwindigkeit von Blutteilchen gemessen, die durch dieses Gate flieĂen. Von einem sowohl als Sender als auch als EmpfĂ€nger fungierenden Wandler werden Ultraschall-Signale geringer Dauer ausgeschickt. Die axiale Ortsauflösung ist ein MaĂ fĂŒr das Vermögen des GerĂ€tes, in Ausbreitungsrichtung eines Impulses nahe beieinanderliegende Objekte unterscheiden zu können. Je besser die axiale Ortsauflösung sein soll, desto gröĂer muss die Bandbreite des Sendesignals sein. Ăblicherweise werden daher sehr kurze Impulse von ungefĂ€hr 2â3 WellenzĂŒgen verwendet. Je geringer die Impulsdauer ist, desto unbestimmter ist seine Frequenz und umso gröĂer die Bandbreite. Da kleine Dopplerfrequenzverschiebungen aufgrund des im Signal vorhandenen Signalrauschens an einem einzigen Wellenpaket nicht mehr sichtbar sind, bestimmt man die Dopplerfrequenz mit einem Verfahren unter Benutzung mehrerer verschiedener aufeinanderfolgender Sendepulse. Letztlich misst man dabei immer die Ănderung der Entfernung der im Messvolumen vorhandenen Streupartikel pro Zeiteinheit[2]. Es handelt sich dabei um eine indirekte Messung der Dopplerfrequenz im Zeitbereich. Beim Ăberschreiten einer von der Pulswiederholrate abhĂ€ngigen Grenzgeschwindigkeit kann man die Geschwindigkeit nicht mehr eindeutig zuordnen. Diesen Effekt nennt man Alias-Effekt.
Bei der farbkodierten Dopplersonografie wird fĂŒr einen groĂen Bereich eines konventionellen Ultraschallbildes (Color-Window) die örtliche Dopplerfrequenz (= mittlere Flussgeschwindigkeit) und deren Schwankungsbreite bestimmt. Damit möchte man die Turbulenz der Strömung abschĂ€tzen. Aufgrund der statistischen Bewegungen der Streuteilchen ist die Schwankungsbreite der FlieĂgeschwindigkeit jedoch stets gröĂer als die Turbulenz. Das Ergebnis wird in Falschfarben auf dem B-Bild ĂŒberlagert, also in Farbtönen von rot und blau fĂŒr verschiedene Blutgeschwindigkeit und grĂŒn fĂŒr Turbulenz. Hierbei steht ĂŒblicherweise die Farbe Rot fĂŒr Bewegung auf den Schallkopf zu, wĂ€hrend mit blauen Farbtönen FlĂŒsse weg von der Sonde codiert werden. Bereiche der Geschwindigkeit 0 werden durch die Elektronik unterdrĂŒckt.
Eine spezielle Anwendung ist der Gewebedoppler (auch Tissue-Doppler), bei dem nicht die Blutflussgeschwindigkeiten, sondern die Geschwindigkeit des Gewebes, insbesondere des Myokards gemessen und dargestellt werden. GegenĂŒber den herkömmlichen Dopplerverfahren treten wesentlich geringere Frequenzverschiebungen auf, und daher erfordert diese Untersuchungsmethode besondere GerĂ€temodifikationen. Eine Anwendung des Gewebedopplers sind Strain (ElastizitĂ€t) und Strain Rate (ElastizitĂ€ts-Rate) Imaging: hier wird die KontraktilitĂ€t einzelner Gewebeabschnitte des Herzmuskels gemessen, womit man hofft, bessere Aussagen zur regionalen Wandbewegung machen zu können.[3]
Fortschritte der digitalen Signalverarbeitung mit gesteigerter Rechenleistung eröffneten den UltraschallgerÀten neue Anwendungen. Mittels digitaler Schallwellencodierung ist es möglich, Umgebungsrauschen von der zur Bilderzeugung eingesetzten Schallwelle eindeutig abzugrenzen und damit die Auflösung zu verbessern. Auf Àhnlichen Effekten wie die 3D-Sonografie beruhende Verfahren erlauben das Generieren von Panoramabildern.
Es kam zur Entwicklung weiterer Dopplerverfahren. Der amplituden-codierte Doppler (Powerdoppler) erfasst nicht die Flussgeschwindigkeit, sondern die Menge der bewegten Teilchen und erlaubt somit die Detektion wesentlich langsamerer FlĂŒsse, als es mittels der klassischen Dopplerverfahren möglich ist.
Der Einsatz von sonografischen Kontrastmitteln (KontrastmittelverstĂ€rkter Ultraschall) oder die Darstellung von BlutflĂŒssen im B-Mode verfeinern die Möglichkeiten der GefĂ€Ădiagnostik. Speziell den Kontrastmitteln wird eine steigende Bedeutung zugemessen, da mit ihrer Hilfe Aussagen ĂŒber die DignitĂ€t (Gut- oder Bösartigkeit) von Gewebeneubildungen getroffen werden können.
Die B-Bild-Darstellung konnte Ende der 1990er Jahre noch einmal in kontrast- und rÀumlicher Auflösung mit Tissue Harmonic Imaging (THI) verbessert werden. Dieses Verfahren ist bei heutigen kommerziellen Ultraschallsystemen Standard.
Alle wasserhaltigen, blutreichen Organe sind fĂŒr den Ultraschall gut untersuchbar. Schlecht untersuchbar sind alle gashaltigen oder von Knochen bedeckten Organe, zum Beispiel der Darm bei BlĂ€hungen, die Lunge, Gehirn und das Knochenmark. Manche Organe sind im Normalzustand nur schwierig, im krankhaft vergröĂerten Zustand dagegen ganz gut erkennbar (Blinddarm, Harnleiter, Nebennieren).
Spezielle Sondentypen wie die Endoskopsonde, die in den Körper eingefĂŒhrt werden, machen eine Untersuchung innerer Organe, genannt Endosonografie, möglich. So fĂŒhrt man beispielsweise eine Sonde vaginal ein zur Untersuchung der Eierstöcke, anal zur Durchschallung der Prostata oder oral zur Betrachtung des Magens oder â hĂ€ufiger â des Herzens (TEE).
Gut untersuchbare Organe:
Bedingt oder durch Endoskopsonde, eventuell auch durch die volle Harnblase zugÀnglich:
Schlecht zu untersuchen:
Besonderheiten beim Kind: Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen oder bei Neugeborenen erst einsetzenden Verknöcherung, z.B. ist auch die Fontanelle noch offen, können sehr viel mehr Organe als beim Erwachsenen untersucht werden:
In der GebĂ€rmutter kann das Ungeborene, da noch keinerlei GasĂŒberlagerung vorliegt und die Knochenbildung erst am Anfang steht, nahezu komplett untersucht werden, u.a. auch:
Bei der Bilderzeugung mittels Ultraschall kann es zu Artefakten (Bildfehlern) kommen, die nicht durchweg als störend gelten, sondern auch zusÀtzliche Gewebe- bzw. Materialinformationen liefern können.
Ein sehr charakteristisches Artefakt ist das Speckle-Rauschen, das durch Interferenz der Schallwellen entsteht. Es ist die Ursache fĂŒr die markanten, sich auf kurzer Distanz abwechselnden hellen und dunklen Flecken in Ultraschallbildern.
Ein hĂ€ufiges Artefakt ist die Abschattung (distale Schallauslöschung) hinter stark reflektierenden Objekten mit einer vom ĂŒbrigen Gewebe stark abweichenden Impedanz wie Knochen, Luft oder Konkrementen (Ablagerungen). Bei nahezu senkrechtem Schalleinfall gibt es ein starkes Echo, bei schrĂ€gem Einfall nicht.
Eine distale SchallverstĂ€rkung ist ein ĂŒbermĂ€Ăig hell dargestelltes Gewebe hinter (distal) einer Struktur, die wenig dĂ€mpft. Allgemein wird, um die DĂ€mpfung des Gewebes auszugleichen und zum Beispiel Lebergewebe ĂŒber die gesamte Tiefe homogen darzustellen, mit Hilfe der time gain compensation oder auch depth gain compensation, tiefer liegende Signale zunehmend verstĂ€rkt. Zum Beispiel bei einer Gallenblase in der Leber ist das Lebergewebe deutlich heller als das restliche Lebergewebe, weil Galle weniger dĂ€mpft als Lebergewebe, aber das Gewebe hinter der Gallenblase mit dem gleichen VerstĂ€rkungsfaktor aufgehellt wird wie das umliegende Gewebe.
Bei kreisförmig geschnittenen Objekten können die Randstrahlen weggespiegelt werden; dem Bild fehlen dann die Randstrukturen und es kommt zu Abschattungen (engl.: lateral shadowing).
Bei stark reflektierenden GrenzflÀchen kann es zu Mehrfachreflexionen (Kometenschweifartefakt, auch Ring-Down-PhÀnomen) beziehungsweise zu Spiegelartefakten in Form von virtuellen Bildern von vor der GrenzflÀche befindlichen Objekten kommen.
Objekte können hinter Gebieten mit abweichender Schallgeschwindigkeit verschoben erscheinen.
Am Rand flĂŒssigkeitsgefĂŒllter Organe erzeugt ein wenig fokussierter Impuls beim Auftreffen auf eine schrĂ€g verlaufende GrenzflĂ€che Echos mit geringer StĂ€rke und unscharfer Kontur. Vor allem in flĂŒssigkeitsgefĂŒllten Hohlorganen wie Harn- und Gallenblase können durch dieses Schichtdickenartefakt in Wirklichkeit nicht vorhandene Strukturen vorgetĂ€uscht werden.
UngenĂŒgende Ankopplung des Schallkopfes an die HautoberflĂ€che verursacht das Auftreten mehrerer Echos im gleichen Abstand, ohne dass ein auswertbares Bild entsteht (Reverberationen).
Die Anwendung von Ultraschall ist eine sehr sichere Methode fĂŒr die Bildgebung. Als mögliche Schadensquellen fĂŒr Mensch und Tier kommen die WĂ€rmeerzeugung und Kavitation in Betracht.
Als Kavitation (lat.: cavis, -is = die Höhle) bezeichnet man hier den Effekt, dass in der Unterdruckphase einer Schallwelle im Gewebe HohlrĂ€ume bzw. GasblĂ€schen entstehen, die in der Druckphase kollabieren und eine GewebsschĂ€digung verursachen. Das ist derselbe Effekt, der in einem UltraschallreinigungsgerĂ€t genutzt wird. Je höher die Ultraschallfrequenz ist, desto höhere SpitzendrĂŒcke werden vom Gewebe (bzw. von FlĂŒssigkeiten) toleriert. Verwendet man die diagnostisch interessanten Frequenzen zwischen 2 und 20 MHz, darf zur Vermeidung von Kavitation in reinem entgastem Wasser der Schalldruck maximal 15 MPa betragen. Jedoch sind mit ĂŒblichen Schallköpfen SchalldrĂŒcke ĂŒber 0,5 MPa im (zudem absorbierenden) Gewebe Ă€uĂerst unwahrscheinlich, sodass eine GewebsschĂ€digung durch Kavitation praktisch ausgeschlossen ist.
Das MaĂ an erzeugter WĂ€rme ist abhĂ€ngig von der absorbierten SchallintensitĂ€t und der Impulswiederholfrequenz; die WĂ€rmeabfuhr geschieht durch Blutströmung und WĂ€rmeleitung. FĂŒr gesundes Gewebe ist selbst eine lĂ€ngerfristige Temperaturerhöhung von 1,5 °C unbedenklich. Dennoch sollte die Einwirkzeit begrenzt werden. Die einzelnen Verfahren im Detail:
Im B-Mode ist die eingestrahlte Leistung 1 bis 10 mW und verteilt sich auf ein relativ groĂes Volumen innerhalb einer Einstrahlzeit von unter 1 ”s und einer Impulswiederholfrequenz deutlich unter 5 kHz.
Im (T)M-Mode wird statt eines Volumens eine Linie des Gewebes durchstrahlt, allerdings mit einer geringeren Impulswiederholrate (etwa 1 kHz).
Das Puls-Dopplerverfahren erfolgt auch statisch, allerdings ist die Impulsfolgefrequenz mit bis zu 30 kHz viel höher und eine ĂberwĂ€rmung nicht mehr auszuschlieĂen. Daher muss hierbei Impulsfolge und Sendeschalldruck in angemessenem VerhĂ€ltnis gewĂ€hlt werden und das Personal entsprechend geschult sein.
Beim Continuous Wave Dopplerverfahren wird stĂ€ndig eine Leistung von etwa 10 bis 100 mW in einem kleinen Volumen appliziert, dennoch ist die Gefahr einer lokalen Hyperthermie (ĂberwĂ€rmung) gering, da der Fokussierungsgrad niedrig ist. Wie beim Puls-Doppler sollte die Sendeenergie an die Messtiefe angepasst werden, um die Sicherheit zu erhöhen.
Durch die in der Klinik verwendeten IntensitĂ€ten bzw. durch sorgfĂ€ltige Anpassung und Optimierung der Parameter (Sendeleistung, Impulsfolge, Applikationsdauer) ist eine GesundheitsgefĂ€hrdung so gut wie auszuschlieĂen. Eine Untersuchung der Food and Drug Administration (FDA) der USA ergab folgenden Sicherheitsbereich: Eine SchĂ€digung tritt nicht auf, solange die applizierte IntensitĂ€t mal Einwirkungsdauer unter 50 W·s/cm2 bleibt: <math>Jt\le 50\,\tfrac{\mathrm{Ws}}{\mathrm{cm}^2}</math>, wobei dieses nicht als scharfe Grenze aufgefasst werden sollte.
International gibt es eine Sicherheitsnorm fĂŒr UltraschallgerĂ€te, die allerdings keine Grenzwerte nennt und lediglich die Offenlegung der Schallparameter eines GerĂ€tes fordert, sofern SchalldrĂŒcke unter â1 MPa und IntensitĂ€ten ĂŒber 100 mW/cm2 erreicht werden können.
DarĂŒber hinaus warnt die FDA jedoch vor unnötigen prĂ€natalen Untersuchungen fĂŒr das Erstellen von Bildern oder Videos als âAndenkenâ ohne jede medizinische Indikation (BegrĂŒndung), wie sie von manchen unseriösen GeschĂ€ftemachern und Ărzten angeboten werden. Zwar gibt es keine gesicherten Hinweise auf biologische Effekte, hervorgerufen durch eine Einwirkung gegenwĂ€rtig verwendeter Diagnostikinstrumente, allerdings ist es möglich, dass solche Effekte in der Zukunft vielleicht erkannt werden.
Die Ultraschalldiagnostik wird heute von fast allen medizinischen Fachdisziplinen genutzt. GrĂŒnde liegen in der risikoarmen, nichtinvasiven, schmerzlosen und strahlenexpositionsfreien Anwendung, der hohen VerfĂŒgbarkeit und der schnellen DurchfĂŒhrung. Die Anschaffungs- und Betriebskosten sind im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) geringer. AuĂerdem entfallen aufwendige StrahlenschutzmaĂnahmen und -belehrungen. Eine freie SchnittfĂŒhrung der Sonden erlaubt eine Kontrolle ĂŒber das gewĂŒnschte Schnittbild in Echtzeit. Die Dopplersonografie kann als einzige etablierte Methode FlĂŒssigkeitsströme (vor allem den Blutfluss) dynamisch darstellen. OberflĂ€chennah erreicht die Sonografie die höchste Auflösung aller bildgebenden Verfahren.
Die verwendeten Kontrastmittel verlassen als einzige nicht die Blutbahn. Hiermit wird eine prÀzise Diagnostik insbesondere von LeberverÀnderungen möglich. Die Menge benötigten KontrastverstÀrkers ist mit 1-2 ml um das ca. 100fache kleiner als bei CT und MRT, die bislang bekannten Nebenwirkungen sind wesentlich seltener (Allergie, Auslösung von Herzattacken und AsthmaanfÀllen).
Die standardisierte und nachvollziehbare Dokumentation sonografischer Untersuchungen ist â als Kehrseite der freien SchnittfĂŒhrung â nicht realisierbar.
Das Verfahren hat in tief gelegenen Geweben eine geringere Raumauflösung als die CT und MRT. Auch die Weichteil-Kontrastauflösung kann der bei der MRT unterlegen sein. Gas und Knochen verhindern die Ausbreitung der Ultraschallwellen. Daher ist die Sonografie bei gasgefĂŒllten Organen (Lunge, Darm) und unter Knochen (SchĂ€del, RĂŒckenmark) nicht möglich.
Anders als bei anderen bildgebenden Verfahren gibt es keine standardisierte Ausbildung. Daher bestehen groĂe qualitative Unterschiede in den diagnostischen FĂ€higkeiten der Anwender.
Sonografie als bildgebendes Verfahren in der medizinischen Diagnostik beruht darauf, dass sich Schallwellen in unterschiedlichen Medien verschieden schnell ausbreiten. Sie werden an GrenzflĂ€chen unterschiedlicher Wellenimpedanz teilweise reflektiert, ein anderer Teil breitet sich â oft bei geĂ€nderter Richtung â weiter aus. Vereinfachend kann die Untersuchung beispielsweise eines Menschen mit der einer FlĂŒssigkeit beschrieben werden, in der sich wichtige materialabhĂ€ngige GröĂen in menschlichen Geweben und Wasser sprunghaft Ă€ndern (s. Tabelle 1). Mit steigender Differenz der Wellenimpedanz vergröĂert sich auch der reflektierte Anteil. In weichen Materialien können sich aufgrund der geringen ScherviskositĂ€t nur unpolarisierbare longitudinale Wellen ausbreiten.
| Medium | Schallgeschwindigkeit <math>c</math> in m/s |
Wellenimpedanz <math>Z</math> in kg/m2s |
Dichte <math>\rho</math> in kg/m3 |
|---|---|---|---|
| Luft | 340 | 410 | 1,2 |
| Fett/Wasser/Hirn/Muskeln | 1500 | 1,5·106 | 1000 |
| Knochen (kompakt) | 3600 | 6·106 | 1700 |
Bei einer diagnostischen sonografischen Untersuchung sind folgende Werte fĂŒr Schallparameter ĂŒblich:
Mit der Schallausbreitung gehen wie in der Wellenoptik die PhÀnomene Reflexion, Brechung, Beugung, Streuung und Absorption einher. Reflektierte und gestreute Schallwellen werden als Echos von der Ultraschallsonde registriert, und durch die Auswertung derer StÀrken und Laufzeiten ist eine Abbildung des durchstrahlten Objektes möglich.
FĂŒr die Reflexion unter senkrechtem Einfall des Schalls an glatten GrenzflĂ€chen zwischen Gebieten mit unterschiedlicher Impedanz <math>Z</math> berechnet sich der Reflexionskoeffizient <math>R</math> (also das VerhĂ€ltnis von reflektierter zur einfallender SchallintensitĂ€t) gemĂ€Ă:
Je gröĂer der Impedanzunterschied, desto gröĂer die Reflexion. Im Vergleich zur Optik verhĂ€lt sich hier die Impedanz analog zur Brechzahl. Um beim Ăbergang von schallerzeugender Sonde zum Untersuchungsobjekt möglichst wenig IntensitĂ€t durch Reflexion zu verlieren, soll <math>R</math> klein und damit die Impedanzen von Sonde und Körper angepasst sein. Luft fĂŒhrt zu einer schlechten Einkopplung von Schall in den Körper (vgl. Tabelle 1: die Werte ergeben <math>R\approx 99{,}9\,%</math>), man verwendet daher ein auf Wasser basierendes Gel als Ăbergangsmedium. Aus demselben Grund sind auch luftgefĂŒllte Organe wie Lunge und Magen-Darm-Trakt oder von Knochen umschlossene Gebiete schlecht oder gar nicht fĂŒr Ultraschalluntersuchungen zugĂ€nglich: von auĂen in den Körper gebrachte Schallwellen werden an den GrenzflĂ€chen dieser Organe reflektiert.
Bei rauen und nicht senkrecht zum Ultraschallstrahl angeordneten GrenzflĂ€chen kann trotzdem ein Echo registriert werden, da ein diffuser Strahlungskegel zurĂŒckgestreut wird. Die Streuung an InhomogenitĂ€ten erzeugt fĂŒr eine Gewebestruktur charakteristische Signale aus Gebieten zwischen GrenzflĂ€chen, wodurch Gewebetypen unterscheidbar sind. Je nach Durchmesser <math>a</math> des Streuzentrums Ă€ndert sich die StĂ€rke der Streuung. Im âgeometrischenâ Bereich (fĂŒr <math>a\gg\lambda</math>, mit <math>\lambda</math>: SchallwellenlĂ€nge) ist die Streuung stark, z. B. in GefĂ€Ăen. Sie sind in B-Mode-Bildern heller. Im âstochastischenâ Bereich (<math>a\approx\lambda</math>) wie in der Leber ist die Streuung mittelstark und macht hier etwa 20 % der Gesamtabsorption aus. Im âRayleighbereichâ (<math>a\ll\lambda</math>) ist die Streuung schwach, beispielsweise im Blut.
Eine Absorption von Schallfeldern erfolgt aufgrund Streuung, innerer Reibung, isentroper Kompression sowie Anregung innerer Freiheitsgrade (MolekĂŒlrotation, -schwingung) des schalltragenden Mediums. Die Energie wird dabei in WĂ€rme umgesetzt. Die SchwĂ€chung erfolgt exponentiell mit zunehmender Entfernung <math>x</math> vom Schallkopf: <math>J(x)=J(0)e^{-\mu x}</math>. Der Absorptionskoeffizient <math>\mu</math> ist gewebe- und stark frequenzabhĂ€ngig. Bei 1 MHz liegt er bei 1 dB/cm. Absorption fĂŒhrt zu einer begrenzten Reichweite der Schallwellen, weshalb eine der Eindringtiefe (s. Tabelle 2) angepasste Frequenz gewĂ€hlt werden muss, um ein bestimmtes Objekt zu untersuchen. Mit zunehmender Schallfrequenz nimmt also die Reichweite ab. Da jedoch die Auflösung bei höheren Frequenzen besser ist, wird immer die gröĂtmögliche Frequenz gewĂ€hlt; Signale aus gröĂerer Tiefe mĂŒssen in der Auswerteelektronik mehr verstĂ€rkt werden.
| Frequenz <math>f</math> in Mhz | Eindringtiefe <math>x</math> in cm |
Untersuchungsgebiet |
|---|---|---|
| 1 | 50 | |
| 2â3,5 | 25â15 | Fetus, Leber, Herz, VeterinĂ€rmedizin (GroĂtiere) |
| 3,5 | 15 | Niere, VeterinĂ€rmedizin (groĂe Hunde) |
| 5 | 10 | Gehirn, VeterinĂ€rmedizin (mittelgroĂe Hunde) |
| 7,5 | 7 | SchilddrĂŒse, BrustdrĂŒse, oberflĂ€chliche GefĂ€Ăe, VeterinĂ€rmedizin (kleine Hunde, Katzen) |
| 8â9 | 6 | Prostata (endoskopisch) |
| 10 | 5 | |
| 11â12 | 4â3 | Pankreas (intraoperativ) |
| 7,5â15 | 7â2 | Brustdiagnostik |
| 20 | 1,2 | |
| 21â24 | 1,1â0,9 | Auge, Haut |
| 40 | 0,6 | Haut, GefĂ€Ăe |
Die Erzeugung von Ultraschall und auch der Nachweis zurĂŒckkommender Echos finden zumeist elektromechanisch in einem Wandler statt, der Teil der Sonde ist, und basiert auf dem piezoelektrischen Effekt: In einem piezoelektrischen Material wird durch mechanische Spannung eine elektrische Polarisation, eine Aufladung der OberflĂ€che und damit eine elektrische Spannung erzeugt. Bei Vibration des Materials wird Wechselspannung erzeugt (Nachweis der Schallschwingungen). Umgekehrt schwingen diese Kristalle mechanisch, wenn man eine elektrische Wechselspannung anlegt (Erzeugung von Schallschwingungen). Verwendung finden vor allem Keramiken wie Bariumtitanat, Bleititanat, -zirkonat, -metaniobat. Diese werden polarisierbar gemacht durch starke Erhitzung und anschlieĂende AbkĂŒhlung unter Anlegen einer elektrischen Spannung.
Die Ausbreitung und IntensitÀtsverteilung der abgestrahlten durch Beugung begrenzten Schallwellen lÀsst sich in guter NÀherung aus der Annahme des Huygensschen Prinzips herleiten, dass jeder Punkt der WandleroberflÀche eine Kugelwelle aussendet. Das Ergebnis kann man abhÀngig von der Entfernung <math>z</math> zum Wandler in Bereiche einteilen:
Der Nahbereich ist geprĂ€gt durch starke Interferenzen, die eine sehr inhomogene IntensitĂ€tssverteilung zufolge haben. Im Fernbereich bildet sich eine kontinuierlich aufweitende Strahlkeule. Im Fokalbereich (zwischen Nah- und Fernbereich) ist die IntensitĂ€t gebĂŒndelt und nimmt senkrecht zur Strahlachse ab. Mit <math>D</math>: Wandlerdurchmesser, <math>\lambda</math>: SchallwellenlĂ€nge, liegt er zwischen
wobei der Ausdruck <math>N = (D^2-\lambda^2)/(4 \lambda)</math> bzw. dessen NÀherung <math>N \approx D^2/(4 \lambda)</math> auch als NahfeldlÀnge bezeichnet wird.
Das Beispiel zeigt das durch Simulationsrechnungen ermittelte Schallfeld eines unfokussierten Ultraschallwandlers mit einer Frequenz f = 4 MHz, einem Durchmesser des Schwingers von 10 mm fĂŒr Wasser mit einer Schallgeschwindigkeit von c = 1500 m/s. Angezeigt werden die Amplituden der SchalldrĂŒcke. Die NahfeldlĂ€nge betrĂ€gt N = 67 mm. Man erkennt darin die starke ZerklĂŒftung des Schallfeldes im Nahbereich und das allmĂ€hliche Abklingen des Schalldrucks im Fernbereich[4] [5].
Der Ultraschall kann durch die KrĂŒmmung der WandleroberflĂ€che, durch Verwenden einer akustischen Linse oder - bei entsprechend ausgelegten Mehrkanalwandlern - durch eine geeignete zeitversetzte Ansteuerung der einzelnen Elemente fokussiert werden. GrundsĂ€tzlich erfolgt die Fokussierung dabei auf einen Punkt innerhalb der NahfeldlĂ€nge, der typischerweise im Bereich <math>z=(0,2 \ldots 0,8) \cdot N</math> angestrebt wird. Eine Fokussierung auf weiter entfernte Orte als die NahfeldlĂ€nge ist grundsĂ€tzlich nicht möglich.
Das Beispiel zeigt das durch Simulationsrechnungen ermittelte Schallfeld desselben Ultraschallwandlers wie im vorherigen Abschnitt. Die Fokussierung kommt durch KrĂŒmmung der WandleroberflĂ€che (KrĂŒmmungsradius R = 30 mm) zustande. Angezeigt werden die Amplituden der SchalldrĂŒcke.
Das örtliche Auflösungsvermögen ist ein MaĂ fĂŒr die FĂ€higkeit eines MessgerĂ€ts, nahe beieinanderliegende Objekte getrennt wahrnehmen zu können. Man unterscheidet das Auflösungsvermögen in Richtung der Strahlachse (axial) und senkrecht zur Achse (lateral).
Messtechnisch bestimmt man die laterale Auflösung , indem ein punktförmiges Objekt innerhalb des Fokalbereichs vor dem Schallkopf senkrecht zur Schallausbreitungsrichtung vorbeigeschoben und die Amplitude des Echosignals als Funktion des Ortes (also des Abstandes von der Strahlachse) aufgetragen wird. Die Breite <math>d</math>, bei der die Amplitude des Empfangssignals im Vergleich zum Maximum um 6 dB gesunken ist, beidseitig vom Maximum, nimmt man als ein MaĂ fĂŒr das laterale Ortsauflösungsvermögen. NĂ€herungsweise gilt <math>d=D/3</math> (<math>D</math>: Durchmesser eines kreisförmigen Schallkopfes) im Fokalbereich. AuĂerhalb des Fokalbereichs nimmt die laterale Auflösung mit der Entfernung zum Wandler ab.
Rechnerisch ergibt sich die laterale Auflösung aus der 6dB-Grenze des sogenannten Sende-Empfangs-Feldes, das heiĂt, den Quadraten der fĂŒr die jeweilige Messanordnung berechneten SchalldrĂŒcke. Die Quadrierung der SchalldrĂŒcke berĂŒcksichtigt, dass die Richtwirkung des Ultraschallwandlers sowohl beim Senden, als auch beim Empfang wirksam ist.
Das Beispiel zeigt einen x/y-Schnitt des zuvor beschriebenen Ultraschallwandlers (4 MHz, Schwingerdurchmesser 10mm, NahfeldlÀnge N = 67 mm) im Fokus bei z = 67 mm. Die 6-dB-Grenze ist gelb eingefÀrbt und weist eine Breite von ungefÀhr 2.8mm auf.
Zwei in Schallrichtung hintereinanderliegende Gewebeschichten können gerade noch getrennt wahrgenommen werden, wenn von den GrenzflĂ€chen zwei unterscheidbare Echos ausgehen. HauptsĂ€chlich entscheidend fĂŒr das axiale Auflösungsvermögen sind:
GrundsÀtzlich verbessert sich das Auflösungsvermögen mit steigender Frequenz, und sie verschlechtert sich mit der LÀnge des Anregesignals.
Die LĂ€nge und Form des Anregesignals ist in der medizinischen Messpraxis meist nicht variabel. Typischerweise verwendet man breitbandige Ultraschallwandler und regt sie mit einem kurzen rechteckförmigen Puls an. Die sich daraus ergebenden Echosignale von einer Gewebeschicht weisen etwa 2 oder 3 WellenzĂŒge mit einer allmĂ€hlich steigenden und fallenden EinhĂŒllenden auf. Die Empfangssignale sind komplett unterscheidbar, wenn sie sich zeitlich nicht ĂŒberschneiden. Aufgrund des doppelten Schallweges im Puls-Echo-Verfahren (hin und zurĂŒck), benötigt man bei einem 3 WellenzĂŒge langen Sendesignal somit einen Mindestabstand der Schichten von 1,5 Ultraschall-WellenlĂ€ngen. Bei einem Signal mit einer Frequenz von 5 MHz ergibt sich so beispielsweise eine WellenlĂ€nge von <math>\lambda=0,3</math> mm und damit eine axiale Auflösung von ungefĂ€hr 0,45 mm.
Bei Verwendung von speziell codierten breitbandigen Anregesignalen ist die zeitliche Dauer des Anregesignals nicht alleine ausschlaggebend, da die Echosignale aufgrund ihrer groĂen Bandbreite rechnerisch voneinander getrennt werden können. Ein gĂ€ngiges Verfahren bei der Anregung mit Chirpsignalen besteht beispielsweise darin, dass nicht das Empfangssignal als solches, sondern die Korrelationsfunktion aus Sende- und Empfangssignal ausgewertet wird. Solche Verfahren bieten jedoch nur bei sehr langen Signalen Vorteile und sind derzeitlich hauptsĂ€chlich in der Forschung im Einsatz [6]
Typisch erreichbare Ortsauflösungen je nach Sendefrequenz sind:
| Frequenz: | 2â15 MHz |
| WellenlĂ€nge (in Muskulatur): | 0,78â0,1 mm |
| Eindringtiefe (einfach): | 12â1,6 cm |
| Ortsauflösung lateral: | 3,0â0,4 mm |
| Ortsauflösung axial: | 0,8â0,15 mm |
UltraschallgerĂ€te kosten je nach Ausstattung (zum Beispiel Anzahl der Sonden und Zusatzsoftware) und QualitĂ€t als NeugerĂ€t zwischen 3.000 Euro und 250.000 Euro (Stand Januar 2009). Die GröĂe variiert zwischen PDA-GröĂe, ĂŒber Laptop-Format und -GröĂe zu 200 kg schweren Systemen, die einem schmalen Schreibtisch mit PC auf Rollen Ă€hneln.
Das Gesamtvolumen des Umsatzes in Ultraschall betrĂ€gt weltweit ca. vier Milliarden Dollar (2004) und wĂ€chst jĂ€hrlich um etwa drei bis vier Prozent.[7] Die bedeutsamsten Anbieter sind GE, Philips, Siemens und Toshiba mit Marktanteilen um jeweils zwanzig Prozent. Am stĂ€rksten wachsen die Segmente mit 3D- und 4D-Darstellung. AuĂerdem wĂ€chst stark der Markt fĂŒr GerĂ€te, die in der Hand gehalten werden können; hier ist Sonosite der MarktfĂŒhrer.[8] Es werden etwa genauso viele Systeme in die Segmente Kardiologie und Radiologie abgesetzt wie in die Geburtshilfe.
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Dieser Artikel wurde am 16. April 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |