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Sorbit

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sorbit (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Strukturformel
Strukturformel von Sorbitol
Allgemeines
Name Sorbit
Andere Namen
  • D-(−)-Sorbitol, D-(−)-Sorbit
  • D-(−)-Glucitol, D-(−)-Glucit
  • IUPAC: (2R,3R,4R,5S)-Hexan-1,2,3,4,5,6-hexaol
  • E 420
  • Sorbitolum
Summenformel C6H14O6
CAS-Nummer 50-70-4
PubChem 5780
ATC-Code
DrugBank DB01638
Kurzbeschreibung

farblose, geruchlose, hygroskopische Nadeln mit sĂŒĂŸem Geschmack[1]

Eigenschaften
Molare Masse 182,2 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,49 g·cm−3 (20 Â°C)[2]

Schmelzpunkt

110–112 °C (wasserfrei)[1]

Siedepunkt

295 °C (4,7 hPa)</small>[1]

pKs-Wert

13,57 [3]

Löslichkeit

sehr leicht löslich in Wasser: 2750 g·l−1(30 Â°C)[3]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Gefahrensymbole
R- und S-SĂ€tze R: keine R-SĂ€tze
S: keine S-SĂ€tze
LD50

15,9 g·kg−1 (Ratte, peroral)[3]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Sorbit [zɔrˈbiːt] (der Sorbit, auch das Sorbitol, Glucitol oder Hexanhexol) zĂ€hlt zu den Alditolen (Zuckeralkoholen) und findet in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln (Lebensmittelzusatzstoff E 420) als Zuckeraustauschstoff, TrĂ€gerstoff sowie Feuchthaltemittel Verwendung. Sorbit ist die reduzierte Polyolform der Glucose und kann aus ihr durch katalytische Hydrierung hergestellt werden.[4]

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen und Herstellung

UrsprĂŒnglich wurde Sorbit aus den FrĂŒchten der Eberesche (Vogelbeere, Sorbus aucuparia) gewonnen, die bis zu 12 % Sorbit enthalten. Er kommt aber auch in vielen anderen FrĂŒchten und vor allem in Kernobstsorten vor. ErwĂ€hnenswert hinsichtlich ihres hohen Anteils an Sorbit sind Birnen, Pflaumen, Äpfel, Aprikosen und Pfirsiche. Dagegen enthalten Beeren- und CitrusfrĂŒchte sowie Ananas und Trauben sehr wenig bis gar kein Sorbit.[5]

Die industrielle Herstellung erfolgt aus Mais- und WeizenstĂ€rke. Sorbit wird auf der Basis von Glucose (Traubenzucker) gewonnen. Wie bei allen Produkten, die ĂŒber die StĂ€rkeverzuckerung in Europa erzeugt werden, sind bei Sorbit keine gentechnischen Produkte auf dem Markt, wobei zur Herstellung von Sorbit der Einsatz gentechnisch verĂ€nderter Organismen möglich wĂ€re.

Verwendung und Eigenschaften

Sorbit liefert mit 2,4 kcal/g (10 kJ/g) weniger Kalorien als Haushaltszucker (Saccharose) (17 kJ/g). Seine SĂŒĂŸkraft entspricht etwa 40–60 % im Vergleich zur Saccharose. FĂŒr die Verstoffwechselung im Körper wird kein Insulin benötigt. Daher ist Sorbit zum SĂŒĂŸen von Diabetikerlebensmitteln geeignet und kommt in Deutschland und Österreich in diesen diĂ€tetischen Lebensmitteln zum Einsatz.[6]

In der Lebensmittelherstellung wird Sorbit auch als Feuchthaltemittel eingesetzt, da es hygroskopische Eigenschaften besitzt und somit Lebensmittel (beispielsweise Senf, Mayonnaisen, Toast, Biskuit, Schokoladen- und PralinenfĂŒllungen), Kosmetika und auch Zahncremes vor dem Austrocknen schĂŒtzt.

Da Sorbit im Mund nur wenig abgebaut wird, ist er nur leicht kariogen.[7] Sorbit ist Bestandteil der meisten Zahncremes, die auf dem Markt zu finden sind. Er ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 420 mit Ausnahme von GetrĂ€nken als Zusatz fĂŒr fast alle Lebensmittel in beliebig hoher Menge zugelassen, obwohl aufgenommene Mengen von mehr als 50 g/Tag zu Durchfall, BlĂ€hungen und Bauchschmerzen fĂŒhren können.[8] Jedes Lebensmittel, das mehr als 10 % Sorbit oder andere Polyole enthĂ€lt, muss daher auch den Wortlaut: „...kann bei ĂŒbermĂ€ĂŸigem Verzehr abfĂŒhrend wirken.“ tragen.[9]

Bei der Veresterung von Sorbit mit NitriersÀure entsteht Nitrosorbit, ein gewerblicher Sprengstoff, Àhnlich dem Glycerintrinitrat.

Weiterhin dient Sorbit als ein Zwischenprodukt bei der Synthese von AscorbinsĂ€ure (Vitamin C) aus D-Glucose (Traubenzucker) nach Reichstein, wofĂŒr er zur entsprechenden Ketose, der L-Sorbose, als nĂ€chstes Zwischenprodukt oxidiert wird.

UnvertrÀglichkeit

Bei einer SorbitunvertrĂ€glichkeit (= Sorbitmalabsorption, Sorbitintoleranz) ist die Verwertung von Sorbit im DĂŒnndarm ganz oder teilweise aufgehoben. Ist eine SorbitunvertrĂ€glichkeit diagnostiziert, sollte man Produkte meiden, die Sorbit als Zuckeraustauschstoff enthalten. Besondere Vorsicht ist bei Diabetikernahrungsmitteln und DiĂ€t-/Lightprodukten geboten. Auch ist darauf zu achten, dass in fast allen herkömmlichen Kaugummis und Lutschpastillen Sorbit enthalten ist. Ebenso findet sich in vielen einheimischen Obstsorten, z. B. Pfirsich (0,9 g/100 g), Aprikose (0,82 g/100 g) oder Pflaume (1,4 g/100 g) eine nicht unerhebliche Menge Sorbit. Im Trockenobst ist die Konzentration aufgrund des Wasserverlustes noch höher; so ist die Konzentration etwa in einer getrockneten Aprikose gut fĂŒnf mal so hoch (4,6 g/100 g) wie in einer frischen Frucht.

Menschen mit Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption dĂŒrfen auch keinen Sorbit zu sich nehmen, da er im Stoffwechsel in Fructose umgewandelt wird.[10]

Bei diesen Patienten kann zusÀtzlich zur Fructoseintoleranz eine Sorbitintoleranz vorliegen, was jedoch einer gesonderten medizinischen AbklÀrung bedarf.

Biochemie

Polyolweg von Glucose (1) ĂŒber Sorbit (2) zu Fructose (3).

Im Organismus ist Sorbit Zwischenstufe des außerhalb der Leber vorkommenden Polyolweges und kann sowohl zu Glucose als auch zu Fructose umgewandelt werden. Neben dem Abbau von ĂŒber die Nahrung zugefĂŒhrtem Sorbit wird dieser Weg beschritten, um aus Glucose Fructose zu synthetisieren, vor allem in der BlĂ€schendrĂŒse zur ErnĂ€hrung der Spermien. Das Enzym Aldosereduktase wandelt Glucose unter Verbrauch eines NADPH/H+ in Sorbit um, das Enzym Sorbitdehydrogenase oxidiert Sorbit zu Fructose, diesmal unter Gewinn eines NADH/H+.

Der Stoffwechsel des Sorbits spielt bei der Entstehung einiger SpĂ€tfolgen des Diabetes mellitus eine Rolle. Bei unphysiologisch hohem Glucoseangebot wird der Polyolweg beschritten, dessen Gleichgewicht auf der Seite von Sorbit und Fructose liegt. Da Fructose praktisch nur in der Leber abgebaut wird und Sorbit und Fructose die Zellen nicht verlassen können, akkumulieren sie und verschieben das osmotische Gleichgewicht der Zelle, was letztendlich zur Zellschwellung fĂŒhrt. Insbesondere die Entstehung des Grauen Stars wird auf diesen Mechanismus zurĂŒckgefĂŒhrt, aber er spielt auch bei der diabetischen Mikroangiopathie und Neuropathie eine Rolle.

Therapeutische Anwendung

In hohen Dosen wirkt Sorbit durch seine Wasseranziehungskraft auch als osmotisches Diuretikum. Im Handel erhĂ€ltliche PrĂ€parate sind unter anderem Sorbit Leopold 40%Âź und Sorbit MayrhoferÂź. Derselbe Wirkmechanismus bedingt seine Verwendungsmöglichkeit als Klistier (z. B. Mikroclist-MikroklistierÂź, YalÂź).

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Hermann Römpp, JĂŒrgen Falbe und Manfred Regitz: Römpp Lexikon Chemie. 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1992.
  2. ↑ a b Eintrag zu CAS-Nr. 50-70-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 21. Mai 2008 (JavaScript erforderlich).
  3. ↑ a b c Sorbit bei ChemIDplus
  4. ↑ Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online – Version 3.19. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2011.
  5. ↑ Hans-Dieter Belitz, Werner Grosch und Peter Schieberle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. Springer, Berlin; 6., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage 2008; ISBN 978-3-540-73201-3; S. 842 u. 949.
  6. ↑ G. Eisenbrand (Hrsg.), P. Schreier (Hrsg.): RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage, 2006, Thieme-Verlag, ISBN 978-3-13-736602-7, S. 1084–1085.
  7. ↑ Hans-Dieter Belitz, Werner Grosch und Peter Schieberle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. Springer, Berlin; 6., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage 2008; ISBN 978-3-540-73201-3; S. 892.
  8. ↑ Dienstleistungszentrum LĂ€ndlicher Raum Rheinland-Pfalz (DLR): Newsletter der ErnĂ€hrungsberatung Rheinland-Pfalz (MĂ€rz 06).
  9. ↑ Zusatzstoffe-Online: E 420 - Sorbit. Abgerufen am 17. Oktober 2010.
  10. ↑ Fructoseintoleranz

Siehe auch

Weblinks

  • www.zusatzstoffe-online.de: Sorbit
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