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Soziale Netzwerke sind in der Soziologie Netzwerke, mit denen gegebene Interaktionsgeflechte, beispielsweise Bekanntschaftsnetzwerke, abgebildet werden.
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Der Begriff „Soziales Netzwerk“ ist eine Beschreibung sozialer Interaktionen beliebigen Typs und wurde zuerst in der englischen Social Anthropology (vgl. Ethnosoziologie) von J. Clyde Mitchell[1], A. L. Epstein, Bruce Kapferer u. a. (von der Manchester School) benutzt, um lose Selbstorganisationen von einzelnen Zuwanderern in kolonialen Industriestädten (z. B. in Sambia) zu ermitteln und zu erklären. Der Begriff wurde dann nach Europa übertragen, um z. B. informellen Einflussgrößen für eheliche Arbeitsteilung auf die Spur zu kommen (Elizabeth Bott), und in Deutschland zumal von Franz Urban Pappi, Peter Kappelhoff u. a., um Willensbildungen in der Kommunalpolitik zu erschließen (vgl. Stadtsoziologie). Das Nützliche dieses Ansatzes war, dass „soziale Netzwerke“ kein ‚Hauptziel‘ haben, sondern sehr unterschiedliche Ziele einzelner Akteure und durch sie auch einzelner Gruppen verknüpfen. Gerade hierfür fehlte zuvor ein analytischer Begriff. Eine ebenfalls sehr wichtige frühe Anwendung zur Analyse sozialer Netzwerke bestand in der klassischen Moreno-Soziometrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, benannt nach dem Arzt und Psychiater Jacob L. Moreno (1932, 1934). Seine Soziometrie ist besonders für grafische Abbildungen von Netzwerken und Beziehungen bekannt geworden aber auch für Möglichkeiten der Netzwerkintervention in psychosozialer Arbeit oder in der „Netzwerktherapie“ der Integrativen Therapie Hilarion Petzold (1979).
Als Beschreibungskategorien kommen der Umfang und die Dichte des Netzes, die Ziele oder Funktionen (was wollen die Beteiligten?) und die Qualität der Beziehungen in Betracht.
Die Kopfzahl (Größe) des sozialen Netzes einer Person ist jenseits der Kindheit oft relativ gleich bleibend. Anfangs wächst sie mit dem Lebensalter, dann aber wird sie mehr vom Geschlecht und den sozialökonomischen, z.B. beruflichen Bedingungen abhängig, in denen die Beteiligten leben. Personen mit niedrigem Status, geringer Bildung und kleinem Einkommen haben weniger umfängliche Netzwerke, die dann primär aus Familienangehörigen bestehen. Ressourcenreiche Netzwerke mit einer hohen „supportiven Valenz“ fördern Sicherheit und Gesundheit. Netzwerkdiagnostik und Netzwerkarbeit, die Affiliationen etwa zur Nachbarschaft oder Selbsthilfeinitiativen herstellen, werden deshalb besonders bei sozialen Randgruppen, bei Migranten, Drogenabhängigen, Alterspatienten wichtig.
Die Dichte eines sozialen Netzes beschreibt die direkte Verbundenheit zwischen den Netzwerkbeteiligten einer Person. Je „dichter“ ein solches Netzwerk ist (alle kennen einander), desto stärker kontrolliert es diese Person, bietet aber auch verlässliche Netzwerkressourcen; je „loser“ es ist, desto weniger (vgl. Netzwerkarmut).[2]
Das soziale Netzwerk eines Akteurs ist gemäß Definition seine soziale Interaktion zu Einzelnen. Daher hat es direkt keine Ziele.
Ungeachtet der Ziellosigkeit der Netze können sie vermöge ihres Umfangs und ihrer Dichte eine soziale Funktion haben, z. B. bei der Bildung und gesamtgesellschaftlichen Umverteilung „sozialen Kapitals“. Beispiel: Verschwägerungen in traditionalen Gesellschaften oder modernen Oberschichten; Förderung des beruflichen Vorankommens durch „netzwerken“ (Networking).
Die Qualität von sozialen Beziehungen spielt eine entscheidende Rolle in sozialen Netzwerken. Sie reicht von Bekanntschaften, welche nach Mark Granovetter als schwache (weak ties), bis zu intimen und langdauernden Beziehungen, welche als starke Beziehungen (strong ties) bezeichnet werden. Granovetter nennt als Anhaltspunkte zur Einschätzung der Qualität einer Beziehung: 1. den Zeitumfang, den zwei Personen miteinander verbringen; 2. die Intimität, die sie verbindet; 3. die gegenseitige Vertrautheit und 4. die Leistungen (z.B. Informationen oder Gefallen), die die Personen miteinander austauschen.[3]
Ein interessantes Konzept und Beobachtungskriterium der Sozialforschung ist das der Vertrauensperson: Von diesen werden eher Ratschläge gegeben und auch eher angenommen als von weitgehend fremden oder aber von in direkten Autoritätsbeziehungen stehenden Personen. Eine klassische Vertrauensperson ist etwa in matrilinearen Gesellschaften für junge Männer, eher als der Vater, der Oheim (Mutterbruder) oder für junge adlige oder patrizische Frauen in Alteuropa, eher als die Mutter, die Amme[4].
Ältere Personen verlieren durch Tod irgendwann die Vertrauenspersonen, die nicht einfach durch jemand anderen ersetzt werden können. So äußerten ältere Personen mit geringer Bildung und geringem Einkommen signifikant mehr Gefühle der Vereinsamung als besser gestellte Ältere.
Globale soziale Netzwerke, wie sie in Form von Netzgemeinschaften durch die Verwendung von Sozialer Software entstehen, sind hinsichtlich ihrer soziologischen, kulturellen und politischen Folgen noch nicht hinreichend erforscht, während es zu den ökonomischen und nutzungsspezifischen Aspekten bereits eine Reihe von Studien gibt.
Für die Friedensforschung wäre zum Beispiel wichtig, ob solche globalen Sozialen Netzwerke eher dazu führen, neue Feindbilder (z. B. gegenüber Minderheiten) entstehen zu lassen oder ob sie eher dem Frieden dienen, da interessengeleitete, vorgeschobene Begründungen der Machthabenden für Feindseligkeiten durch den weltweiten Austausch von Informationen rasch entlarvt und entkräftet werden können.
In jedem Fall gehen globale Soziale Netzwerke mit einer bislang nicht gekannten Eigendynamik der Meinungsbildung der Weltöffentlichkeit einher.
Soziale Netzwerke können mithilfe von Computerprogrammen erhoben, dargestellt und analysiert werden.
Eine Liste von Softwaretools:
| Name | Link |
|---|---|
| EgoNet | http://sourceforge.net/projects/egonet |
| Gephi | http://gephi.org |
| NodeXL | http://nodexl.codeplex.com/ |
| Pajek | http://vlado.fmf.uni-lj.si/pub/networks/pajek/ |
| R sna package | http://cran.r-project.org/web/packages/sna/index.html |
| UCINET | http://www.analytictech.com/ucinet |
| VennMaker | http://www.vennmaker.com |
| Visone | http://www.visone.info |