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Sozialistische Stadt ist ein Begriff aus der Planungstheorie und der Stadtbaugeschichte zur Bezeichnung des kulturgenetischen Stadttypus des Sozialismus. Ausgehend vom Gesellschaftsmodell des Sozialismus schlugen sich bestimmte städtebauliche Vorstellungen in den Städten der Sowjetunion und der seit 1945 unter dem Einflussbereich des Sozialismus stehenden Staaten nieder, die innerhalb dieser Zeitspanne wechselten. Damit steht sie in der Tradition der Idealstadt.
Inhaltsverzeichnis |
Die sozialistische Stadtplanung beruhte wie das in nichtsozialistischen Staaten Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete Planungsverständnis auf den Prinzipien der städtebaulichen Moderne, deren Leitbilder 1933 in der Charta von Athen festgehalten wurde. Diese beinhalteten nicht nur die Ablehnung der dichten gründerzeitlichen Stadt, sondern einen radikalen Bruch mit allen städtebaulichen Traditionen. Diese „revolutionäre“ Schaffung einer völlig neuen Ordnung entsprach nicht nur den zahlreichen idealistischen Utopien der Zwischenkriegszeit, sondern war auch Ausdruck der Nähe vieler Protagonisten der Moderne zu sozialistischen Ideen.
Die Übertragung der sozialistischen Idee auf ein Stadtmodell hatte zwei wichtige ideologische Grundlagen:
Die übrigen Leitlinien des sozialistischen Städtebaus entsprachen weitgehend dem weltweiten Planungsverständnis der Moderne, etwa die Schaffung von wohnungsnahen Grünflächen, von „gesunden“ Wohnungen für alle Stadtbewohner, die räumliche Trennung der Stadtfunktionen und der Ausbau der Verkehrsachsen.
Zu den Spezifika, wie sie in den 16 Grundsätze des Städtebaus festgelegt waren, gehörte jedoch die pathetische Überhöhung der neuen Gesellschaftsordnung, die im Stadtentwurf Ausdruck fand. Im Gegensatz etwa zu den nüchternen Stadtzentren des westdeutschen Nachkriegs-Wiederaufbaus waren große Aufmarschplätze für Massenveranstaltungen, repräsentative Bauwerke der Parteiorgane oder monumentale Denkmäler für sozialistische „Helden“ wichtige Bestandteile eines „sozialistischen“ Stadtzentrums.
Wichtige Charakteristika waren zum einen eine zentral gelegene breite Straße für Aufmärsche und (militärische) Paraden, z.B. die Karl-Marx-Allee (früher: Stalinallee) in Berlin sowie eine städtebauliche Höhendominante[1], die von der „Sieghaftigkeit des Sozialismus“ zeugen konnte, beispielsweise der Berliner Fernsehturm oder die Hochhäuser der Universitäten Leipzig (bei Fertigstellung höchstes Gebäude Deutschlands, heute City-Hochhaus) und Jena (heute Jentower).
Dem Leitbild der „sozialistischen Stadt“ liegt eine Bevorzugung neuer Bauwerke zugrunde, die den sozialistischen Aufbau repräsentieren sollen. Damit ging oft eine Vernachlässigung des historischen Gebäudebestands einher. Zum einen waren etwa Altbauwohnungen im Vergleich zu modernen Neubauwohnungen gering geschätzt, zum anderen stand der historische Gebäudebestand oft für eine Zeit und ein Gesellschaftsmodell, das als zu überwinden angesehen wurde. Dementsprechend kam es nicht zu einer Pflege der Struktur erhaltener alter Innenstädte, sondern oft zu einer bewussten Veränderung. Dem lag oft ein eigener Kulturbegriff zugrunde, der auch einen wenig rücksichtsvollen Umgang mit – nach anderem Kulturbegriff – denkmalwerten Bauwerken mit sich brachte.
Gebaute Symbole der „alten Ordnung“ wie Kirchen (Leipzig) oder Schlösser (Berlin) wurden teilweise mutwillig zerstört, neue Kirchen wurden selten gebaut.
Der ideologische Gehalt des Städtebaus nahm jedoch seit den 60er Jahren aus ökonomischen Gründen immer weiter ab; die Vernachlässigung historischer Bausubstanz oder die berüchtigte Plattenbauweise hatten zumindest in den späteren Jahrzehnten eher wirtschaftliche als politische Gründe: der Neubau eines Wohngebiets war aufgrund der industriellen Vorfertigung identischer Wohneinheiten preiswerter realisierbar als die aufwendige Sanierung vorhandener Altbauten. An einigen touristisch besonders exponierten Orten wurde spätestens in den 80er Jahren auch in die Erhaltung historischer Bauwerke investiert, selbst dann, wenn es sich um Monumente „bürgerlicher“ Kultur handelte. Bekannte Beispiele waren der Wiederaufbau der Dresdner Semperoper oder des Berliner Doms. In benachbarten sozialistischen Staaten wie der CSSR oder Polen begann dies sogar noch früher, bekannt ist hier vor allem die Rekonstruktion bürgerlicher Altstädte, etwa in Warschau oder Danzig.
Während in der Sowjetunion schon kurz nach der Oktoberrevolution mit dem Bau völlig neuer Städte begonnen wurde, blieben Neugründungen in den anderen sozialistischen Ländern Osteuropas eine Ausnahme. In den kriegszerstörten Städten der DDR, Polens und der westlichen UdSSR stand der Wiederaufbau nach den neuen Prinzipien im Vordergrund. Ab den 60er Jahren wurden in kleinerem Rahmen in neu errichteten Industriezentren Wohnstädte geschaffen, die sich aber nicht wesentlich von den am Rand großer Städte entstehenden Trabantenstädten unterschieden, die wiederum keine spezifisch osteuropäische Erscheinung waren. Lediglich bestimmte Einrichtungen, wie etwa die zahlreichen Kulturhäuser, lassen sich hier als Unterschied zu westeuropäischen Siedlungen der gleichen Epoche nennen.
Unter den sozialistischen Städten lassen sich deshalb drei Typen unterscheiden:
1. Wiederaufbau kriegszerstörter Stadtzentren
Städte über 200.000 Einwohner
Kleinere Städte
2. Satellitenstädte am Rand von Großstädten
3. Neue Industrie- und Wohnstädte, meist in Nachbarschaft bestehender Kleinstädte