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| Repubblica Sociale Italiana Italienische Sozialrepublik 1943â1945 | |||||
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| Amtssprache | Italienisch | ||||
| Hauptstadt | de jure Rom de facto SalĂČ (spĂ€ter Mailand) | ||||
| Regierungssitz | SalĂČ (1943â1944) Mailand (1944â1945) | ||||
| Staatsform | Republik (Diktatur) | ||||
| Regierungsform | Faschistisches Einparteiensystem | ||||
| Staatsoberhaupt und Regierungschef | FĂŒhrer und Staatschef Benito Mussolini | ||||
| FlĂ€che | ca. 167.600 kmÂČ (1943) ca. 98.500 kmÂČ (Ende 1944) | ||||
| Einwohnerzahl | ca. 26,6 Mio. (1943) ca. 17,3 Mio. (Ende 1944) | ||||
| WĂ€hrung | de jure Republikanische Lira de facto Italienische Lira | ||||
| GrĂŒndung | 12. September 1943 | ||||
| Existenzzeitraum | 1943â1945 | ||||
| Nationalhymne | Giovinezza | ||||
| Nationalfeiertag | 23. September (StaatsgrĂŒndung 1943) | ||||
| Zeitzone | UTC+1 MEZ UTC+2 MESZ (MĂ€rz bis Oktober) | ||||
| Kfz-Kennzeichen | I bzw. spÀter auch RSI | ||||
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Die Italienische Sozialrepublik (amtliche deutsche Ăbersetzung von Repubblica Sociale Italiana, RSI), auch Sozialrepublik Italien, war ein faschistischer Staat in Norditalien unter der militĂ€rischen Protektion des Deutschen Reichs, der sich von seinem Territorium her auf das deutsche Besatzungsgebiet beschrĂ€nkte. Die Bezeichnung Republik von SalĂČ (Repubblica di SalĂČ) ist jedoch auch weit verbreitet. Der Staat bestand zwischen dem 23. September 1943 und dem 25. April 1945 und fĂŒhrte den Zweiten Weltkrieg bis zum Ende auf Seiten Deutschlands und der AchsenmĂ€chte weiter. Die Hauptstadt war SalĂČ am Gardasee (ab 1944 Mailand), Staatschef der am 25. Juli 1943 abgesetzte diktatorische MinisterprĂ€sident Italiens, Benito Mussolini. Die Republik, welche den zweiten und letzten faschistischen Staat in Italien darstellte, hörte in der Nacht vom 2. Mai 1945 auf zu existieren, als die am 29. April jenes Jahres unterzeichnete Kapitulation der deutschen und republikanisch-italienischen StreitkrĂ€fte im Norden des Landes wirksam wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Am 10. Juli 1943 hatte mit der Operation Husky die alliierte Invasion Siziliens begonnen. Am 22. Juli wurde Palermo eingenommen. Daraufhin sprach am 25. Juli 1943 der GroĂe Faschistische Rat (Gran Consiglio dell' Fascismo) als höchstes Staatsorgan Benito Mussolini das Misstrauen aus und setzte ihn damit praktisch als ihren FĂŒhrer (Il Duce) ab. Als Mussolini den italienischen König Viktor Emanuel III. aufsuchte, um nun seine Demission vom Amt des MinisterprĂ€sidenten einzureichen, lieĂ dieser ihn verhaften, ĂŒbernahm selbst wieder den Oberbefehl ĂŒber die StreitkrĂ€fte und beauftragte Marschall Pietro Badoglio mit der Bildung einer neuen MilitĂ€rregierung. Marschall Badoglio erklĂ€rte sogleich die Nationale Faschistische Partei (Partito Nazionale Fascista, PNF) und alle ihre Gliederungen per Gesetz fĂŒr aufgelöst. Damit war das faschistische Regime in Italien nunmehr endgĂŒltig zusammengebrochen. Am 8. September 1943 schloss er als Nachfolger Mussolinis im Amt des MinisterprĂ€sidenten einen einseitigen Waffenstillstand mit den Alliierten (Waffenstillstand von Cassibile). Daraufhin erfolgte die Besetzung Norditaliens und weiterer Teile des Landes durch die deutsche Wehrmacht, um ein endgĂŒltiges Abfallen Italiens von der âAchseâ zu verhindern.
Deutschen FallschirmjĂ€gern in Begleitung einiger SS-MĂ€nner unter SS-HauptsturmfĂŒhrer Otto Skorzeny gelang es am 12. September des Jahres 1943, Mussolini mit dem Unternehmen Eiche aus seiner Haft auf dem Gran Sasso in den Abruzzen zu befreien. Um Italien weiterhin an die AchsenmĂ€chte zu binden und die kriegswichtigen Industriegebiete Norditaliens nicht zu verlieren, setzte Adolf Hitler am 23. September 1943 Benito Mussolini als Staatschef der neu gegrĂŒndeten Italienischen Sozialrepublik ein.
Der abgesetzte Diktator machte sich von MĂŒnchen aus sofort an die Arbeit, um die Faschistische Partei (Partito Nazionale Fascista, PNF) zu reorganisieren, die zwischenzeitlich aufgrund der zurĂŒckliegenden Ereignisse aufgelöst worden war. Nachdem Mussolini wieder an das ursprĂŒngliche Parteiprogramm der Fasci italiani di combattimento von 1919 Hand angelegt hatte und dabei um einige Elemente mit AffinitĂ€t an republikanische sowie in geringerem MaĂe an sozialistische Inhalte abĂ€nderte, proklamierte er am 17. September ĂŒber den Sender MĂŒnchen (ein Sender, der in einem groĂen Teil Nord- und Mittelitaliens gut zu empfangen war) die unmittelbar bevorstehende GrĂŒndung des neuen faschistischen Staates an.
Die Italienische Sozialrepublik wurde an jenem 23. September 1943 mit sechs Tagesbefehlen ausgerufen. Der neue faschistische Staat auf italienischem Boden wurde anfĂ€nglich lediglich vom Deutschen Reich und vom Japanischen Kaiserreich anerkannt, spĂ€ter auch von den mit den AchsenmĂ€chten verbĂŒndeten Staaten wie Bulgarien, Finnland, Mandschukuo, RumĂ€nien, Slowakei und Ungarn. Als einzige neutrale Staaten erkannte die Republik San Marino und die Schweiz den neuen Staat an. Auch der Vatikan erkannte die RSI nach kurzem Zögern diplomatisch an.
Die konstituierende Sitzung der neuen Regierung fand noch in der deutschen Botschaft in Rom statt. Benito Mussolini, der sich noch in Deutschland befand und folglich nicht persönlich anwesend war (er wurde von Alessandro Pavolini vertreten), wurde zum Staatsoberhaupt, Vorsitzender des Ministerrats und AuĂenminister ernannt. Die neu gegrĂŒndete âRepublikanische Faschistische Parteiâ (Partito Fascista Repubblicano, PFR) wurde nunmehr von Alessandro Pavolini gefĂŒhrt.
Eine der ersten auĂenpolitischen Handlungen, wenn nicht gar die erste ĂŒberhaupt, bestand darin, dem weiter bestehenden Königreich Italien im SĂŒden des Landes den Krieg zu erklĂ€ren. Das Königreich Italien im SĂŒden unter König Viktor Emanuel III. und der Protektion der Alliierten erkannte die RSI offiziell nicht an, reagierte jedoch auf die KriegserklĂ€rung der RSI, was einer De-facto-Anerkennung gleichkam.
Am 27. September 1943 bezog die Regierung der RSI wie vorgesehen den neuen Sitz in SalĂČ am Gardasee; die weiteren behördlichen Einrichtungen etablierten sich meist in Orten der unmittelbaren Nachbarschaft. Die Wahl dieses Gebiets war weniger durch die landschaftliche Schönheit als durch die strategisch gĂŒnstige Lage bedingt, was als sehr wichtig betrachtet wurde. In der NĂ€he befanden sich zahlreiche Waffenfabriken (darunter auch Beretta in Gardone Val Trompia) und auch Stahlwerke bzw. stahlverarbeitende Industrie, welche weiter fĂŒr die RSI als auch die Deutschen produzierten. Als vorteilhaft wurde auch die NĂ€he zu Mailand angesehen, ein wichtiges industrielles Zentrum, wie auch die NĂ€he zur deutschen Grenze. Das Gebiet war auch durch den Bogen der Alpen abgeschirmt und war hinreichend von Frankreich und dem Adriatischen Raum entfernt. SalĂČ (und auch Mailand) lagen damit im Herzen des letzten Gebiets in Italien, das noch in der Lage war zu produzieren und Handel zu treiben, wenn auch letzteres oft vorwiegend mit dem Deutschen Reich.
Die RSI beanspruchte das gesamte Gebiet Italiens einschlieĂlich der italienischen Inseln, wobei im Nordwesten im GroĂen und Ganzen die Grenzen von 1940 galten, dem Jahr des Kriegseintritts des Landes an der Seite Deutschlands. Im Norden und Nordosten jedoch annektierte das GroĂdeutsche Reich die Provinzen SĂŒdtirol, Trentino und Belluno sowie Udine, Görz, Triest, Pula und Fiume. Faktisch umfasste das Staatsgebiet die italienische Halbinsel nur soweit, wie sie von Truppen der Wehrmacht besetzt war. Zu Beginn lag die Frontlinie sĂŒdlich von Rom. Die Hauptstadt Italiens war gemÀà Mussolinis Wunsch aufgrund der NĂ€he zur Front nicht mehr Regierungssitz, wurde jedoch de jure als Hauptstadt der RSI angesehen. In den sogenannten Operationszonen innerhalb des Staatsgebietes der RSI wurde die Verwaltung nicht von Behörden der RSI ausgeĂŒbt.
Die Gebiete am Alpenhauptkamm waren schon am 12. September 1943 von den Deutschen in den Operationszonen Alpenvorland (SĂŒdtirol, Trentino und Belluno) und Adriatisches KĂŒstenland (Provinzen Udine, Görz, Triest, Pula und Fiume) zusammengefasst worden. Sie standen unter deutscher MilitĂ€rverwaltung, gehörten aber formell weiterhin zur Sozialrepublik Italien. An ihrer Spitze standen die Gauleiter der angrenzenden deutschen Reichsgaue Tirol und KĂ€rnten, Franz Hofer und Friedrich Rainer, die direkt Hitler unterstellt waren. SpĂ€ter kam noch die Operationszone Nordwest-Alpen an der Schweizer und französischen Grenze hinzu. Die Bildung der Operationszonen galt allgemein als Vorstufe einer spĂ€teren Annexion, um die deutsche Grenze bis an das Mittelmeer zu verschieben. Die Planer orientierten sich dabei an den alten Grenzen von Ăsterreich-Ungarn. Als ZugestĂ€ndnis sollte die Stadt Venedig und Umland dagegen nach Kriegsende der Republik angeschlossen werden, fĂŒr Triest waren ebenfalls Sondervereinbarungen zugesagt worden.
Rainer unterstellte PrĂ€fekte und BĂŒrgermeister deutschen âBeraternâ und legte Vorschriften fĂŒr den Einsatz der örtlichen italienischen, slowenischen und kroatischen Milizen fest, die unter verschiedenen Namen fĂŒr die Besatzer tĂ€tig wurden. Verschiedene VerbĂ€nde der faschistischen Miliz wurden in den Dienst der SS gestellt (in diesem Fall erhielten sie anstelle ihres Namens Republikanische Nationalgarde die Bezeichnung Gebietsverteidigungsmiliz), hinzu kamen auĂerdem verschiedene Polizeieinheiten, die unter anderem fĂŒr Verhaftungen eingesetzt wurden.
Mit der fortschreitenden Befreiung durch die alliierten Truppen bestand ab Ende 1944 das Staatsgebiet der RSI nur noch aus dem nördlichen Teil Italiens. In den letzten Kriegsmonaten verringerte sich der unter faschistischer Kontrolle stehende territoriale Machtbereich durch regionale AktivitÀten von Partisanen zusÀtzlich.
Die Sozialrepublik Italien konstituierte sich weiterhin als faschistischer Einparteienstaat. Nachdem die Partito Nazionale Fascista (PNF) aufgelöst worden war, grĂŒndete Mussolini eine neue faschistische Partei â die Partito Fascista Repubblicano (PFR; âRepublikanische Faschistische Parteiâ). Das höchste Staatsorgan war der Ministerrat der Sozialrepublik (Consiglio dei Ministri), wobei Mussolini sowohl Staatsoberhaupt, Regierungschef als auch AuĂenminister war und faktisch eine unbeschrĂ€nkte MachtfĂŒlle innehatte.
Der Staat hatte aufgrund des Fehlens einer Verfassung (gleiches galt jedoch auch fĂŒr das Königreich Italien) den Status eines stabilisierten de facto-Regimes und wurde praktisch nur auf Basis der Exekutive regiert. Eine Verfassung, ursprĂŒnglich vom Deutschen Reich gefordert, wurde zwar ausgearbeitet, jedoch weder von einer reprĂ€sentativen Versammlung verhandelt noch verabschiedet. Am 13. Oktober 1943 wurde die unmittelbar bevorstehende Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung bekanntgegeben, die eine solche ausarbeiten sollte, in der die Staatsgewalt vom Volke ausginge. Aber schon nach der ersten Sitzung die am 14. November 1943 in Verona stattfand, wurde die FortfĂŒhrung von Mussolini verschoben, da er sich entschlossen hatte, ebendiese Versammlung erst wieder nach dem Krieg einzuberufen. Trotzdem wurde mit seiner Billigung der Entwurf einer Verfassung ausgearbeitet, die nach dem Krieg als Basis dienen oder bei Zustimmung einfach angenommen werden sollte.
WĂ€hrend Italien vorher ein zumindest formell gleichberechtigter VerbĂŒndeter Deutschlands war, der immer noch â in gewissen Grenzen â eine eigenstĂ€ndige Politik betreiben konnte, war die Republik von SalĂČ eher ein Marionettenstaat. Einige Gesetze der Judengesetzgebung des GroĂdeutschen Reichs, die vor dem Jahre 1943 vom italienischen faschistischen Regime nicht ĂŒbernommen worden waren, wurden nun eingefĂŒhrt.
Dennoch muss die Sozialrepublik Italien als ein tatsĂ€chlich handlungsfĂ€higer Staat angesehen werden, denn im Inneren hatte die RSI weitestgehend freie Hand. Sie besaĂ auch die typischen Merkmale eines Staates wie z. B. eigene WĂ€hrung, Postwesen, Kraftfahrzeugkennzeichen (diese blieben auch nach 1945 gĂŒltig), Rundfunk, Briefmarken, Gesetzgebung, öffentliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Allerdings waren die meisten Institutionen teilweise oder vollstĂ€ndig militĂ€risch strukturiert, so etwa auch die Feuerwehr (Vigili del Fuoco, V.d.F.; meist jedoch Pompieri genannt), die stets bewaffnet war und dessen Personal jedweden Dienstgrads mit einem Gewehr auf dem RĂŒcken ihren EinsĂ€tzen nachging. Es gab eine eigene Polizeitruppe (Guardia Nazionale Repubblicana, G.N.R.) neben der nach wie vor bestehenden Finanzwache (Guardia di Finanza, G.d.F.) und einer weiteren kleineren Polizeitruppe mit dem Namen Polizia Repubblicana, P.R.; letztere aus der Pubblica Sicurezza hervorgegangen und vorwiegend in den StĂ€dten zu finden (VorgĂ€nger der heutigen Polizia di Stato). Ebenfalls verfĂŒgte die RSI ĂŒber einen eigenen Geheimdienst. Die Sozialrepublik kannte die Organisation der Carabinieri allerdings nicht, denn diese wurde von Anbeginn auf Befehl von Mussolini aufgelöst und durch die GNR ersetzt. Die Polizei des Italienischen Afrikas (Polizia dell' Africa Italiana, P.A.I.) aus Libyen sowie Italienisch-Ostafrika bestand formal weiter, obwohl Italien seine Kolonien bereits eingebĂŒĂt hatte und die Reste dieser Institution in die G.N.R. oder andere VerbĂ€nde integriert wurden.
Der forcierte staatliche Militarismus zeigte sich nicht nur durch die hĂ€ufigen AufmĂ€rsche und MilitĂ€rparaden, er wirkte sich in praktisch allen Bereichen des öffentlichen Lebens aus. Durchweg alle öffentlichen Bediensteten waren uniformiert, und auch an den Schulen waren Uniformen Pflicht. Im MĂ€rz 1944 wurden bei einem Streik der StraĂenbahn- und Obus-Arbeiter der MailĂ€nder Verkehrsbetriebe (ATM Milano) die Fahrer und Schaffner von Soldaten und Schwarzhemden ersetzt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Weitere Ă€hnliche EinsĂ€tze des MilitĂ€rs gab es auch in der Folgezeit, damit die Kriegsproduktion trotz allem weiterlaufen konnte.
Das Regime der Italienischen Sozialrepublik war in jeder Hinsicht radikaler und kompromissloser als jenes des faschistischen Italiens vor dem Jahre 1943 und fiel durch besonders harte, repressive Verfolgung von tatsĂ€chlichen und bzw. oder potenziellen politischen Gegnern sowie Partisanen auf. So wurde die Presse scharf zensiert und in einer ehemaligen ReismĂŒhle in Triest ein Konzentrationslager fĂŒr Regimegegner errichtet (Risiera di San Sabba). AuĂerdem wurden, soweit man ihrer habhaft werden konnte, jene Faschisten verhaftet, die im Juli 1943 im GroĂen Faschistischen Rat gegen Mussolini gestimmt hatten. Sie wurden in Scheinprozessen verurteilt und durch ErschieĂen hingerichtet (u. a. der ehemalige AuĂenminister Galeazzo Ciano und Marschall Emilio De Bono). Manche Historiker bezeichnen das Regime der RSI angesichts der verĂ€nderten Tatsachen manchmal auch als âradikalfaschistischâ. Bei den italienischen Partisanen hatte die RSI in Anspielung darauf den Spitznamen La fascistissima Repubblica (âDie allerfaschistischste Republikâ).
Die Deutschen hegten wegen Badoglios Waffenstillstand mit der Anti-Hitler-Koalition vom September 1943 noch groĂes Misstrauen gegen alle Organe der neuen italienischen Regierung im Norden. Deren im Laufe der Zeit immer geringere Effizienz, welche in erster Linie auf die wirtschaftliche Situation, die zunehmende KriegsmĂŒdigkeit der Bevölkerung und die erstarkende Befreiungsbewegung zurĂŒckging, fĂŒhrte dazu, dass die oberste deutsche MilitĂ€rverwaltungsbehörde unter dem General der Infanterie Rudolf Toussaint mit ihren MilitĂ€rkommandaturen immer hĂ€ufiger die Exekutive ĂŒbernahm. Die besetzten Gebiete wurden nach Möglichkeit fĂŒr die deutsche Kriegswirtschaft ausgebeutet. Von groĂer Bedeutung war die Verwendung der italienischen MilitĂ€rinternierten (diesen Status hatten die gefangen genommenen italienischen Soldaten nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 erhalten) als Zwangsarbeiter, sofern diese nicht in die neuen StreitkrĂ€fte der RSI eingegliedert worden waren. Im Sommer 1944 waren mehr als 420.000 von ihnen im Zwangsarbeitereinsatz, zum Teil wurden sie auch zur Arbeit nach Deutschland deportiert. Auch beim festungsmĂ€Ăigen Ausbau der 270 km langen Gotenlinie von Viareggio am Ligurischen Meer nach Pesaro an der Adria wurden 50.000 italienische Zwangsarbeiter durch die Wehrmacht und die Organisation Todt eingesetzt.
Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen gewann die Judenverfolgung in Italien eine neue Dimension. Bereits im September des Jahres 1943 kam es zu einem Massaker der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler an jĂŒdischen Familien, die sich an den Lago Maggiore (Langensee) geflĂŒchtet hatten. Im Oktober und November folgten âJudenaktionenâ in mehreren groĂen StĂ€dten; im jĂŒdischen Ghetto in Rom wurden mehr als 1.200 Menschen verhaftet. Die RSI setzte den Verfolgungen nichts entgegen. Am 14. November 1943 erklĂ€rte die neue Partito Fascita Repubblicano in ihrem Manifest die Juden zu Feinden. Damit verloren sie de facto ihre Staatsangehörigkeit und die letzten verbliebenen Rechte. Zwei Wochen spĂ€ter verfĂŒgte der neue Innenminister Guido Buffarini Guidi die Einweisung aller Juden in Konzentrationslager und den Einzug ihres Vermögens durch den Staat. Die Juden wurden nun von den italienischen SicherheitskrĂ€ften verhaftet, in Lager transportiert und dann den Deutschen ĂŒbergeben, die ihre Deportation organisierten. Die meisten Transporte gingen nach Theresienstadt, zum Teil auch nach Auschwitz. Kaum ein Jude kehrte zurĂŒck. Viele Verhaftungen waren nur möglich, weil es viele Denunzianten gab. Allerdings konnten auch viele Juden untertauchen. In Rom sollen mehr als 4.000 Juden im Vatikan und in Einrichtungen der katholischen Kirche Zuflucht gefunden haben.[1]
Die Partisanenbewegung gewann, angespornt durch die Siege der Alliierten im SĂŒden, zunehmend an Bedeutung. Ende des Jahres 1944 wurde sie auf 150.000 KĂ€mpfer geschĂ€tzt, die zeitweilig immer gröĂere Gebiete von den Faschisten befreite. Sie kĂ€mpften anfangs nur in Abteilungen, spĂ€ter organisierten sie sich zu Brigaden und Divisionen. Im MĂ€rz 1944 lieferten sie sich mehrtĂ€gige Gefechte mit Wehrmacht und SS im Piemont, im April bei Valsesia, im Mai in Venetien. Durch offensive Operationen schufen die Partisanen mehrere befreite Gebiete in TĂ€lern der Alpen und des Apennin, zwischen Genua und Piacenza, zwischen Savona und San Remo, in der Hochebene des Cansiglio und im Friaul. Von den deutschen Truppen als auch denen der RSI wurden die Befreiungsbewegungen durch wahllosen Massenterror, Stand- und Sondergerichte bekĂ€mpft. Im Herbst 1944 fĂŒhrten deutsche Truppen eine Operation gegen die Partisanenbrigade Stella Rossa im Apennin durch, dabei ermordeten sie in Marzabotto 1.830 Menschen, darunter 500 Kinder, zerstörten 800 Wohnungen, 9 Kirchen, 5 Schulen, die Papierfabrik und die ReismĂŒhle. Es gelang ihnen auch, das Gebiet der Partisanenrepublik Ossola (dt. Eschental) und das befreite Gebiet in der Carnia einzunehmen. Seit Mitte Februar 1945 kam es zu einer breiten Streikbewegung. ZunĂ€chst in Ligurien, dann in Turin und Mailand. Dort brach der Behördenapparat praktisch zusammen. Im MĂ€rz und April gingen die Partisaneneinheiten zu einer breiten Offensive ĂŒber. Am 18. April 1945 begann der Generalstreik in Turin, der von Aktionen der Partisanen unterstĂŒtzt wurde. Nahezu ganz Norditalien wurde vom Aufstand erfasst. Partisanen befreiten viele Orte noch vor der Ankunft der alliierten Truppen. Am 21. April wurden die deutschen Truppen in Bologna von den US-Amerikanern geschlagen, wobei sich an den heftigen StraĂenkĂ€mpfen auch Partisanen beteiligten und diese spĂ€ter anschlieĂend in der Stadt paradierten. Am 25. April, dem spĂ€teren Tag der Befreiung, flĂŒchtete der italienischen Diktator Benito Mussolini vor den Alliierten aus SalĂČ. Am gleichen Tag kapitulierten die deutschen Truppen in Genua vor Partisanenbrigaden und AufstĂ€ndischen. Mailand wurde am nĂ€chsten Tag von Partisanen befreit, die Gefechte um Turin dauerten bis zum 28. April. Auch in Venedig siegten am 28. April die AufstĂ€ndischen. Bis zum 3. Mai waren die Gebiete Piave, Tarvisio und das Friaul befreit. Bevor die deutschen Truppen am 28. April des Jahres 1945 vor den Alliierten kapitulierten (Waffenstillstand von Caserta), hatten bereits viele Wehrmachtsdivisionen vor Partisaneneinheiten die Waffen gestreckt. Am 2. Mai 1945 trat die Kapitulation in Kraft. Im Hinterland von Triest hielten die KĂ€mpfe zwischen italienischen SS-Truppen und Partisanen noch bis zum 5. Mai 1945 an.
Wann genau die RSI aufhörte zu existieren, lĂ€sst sich nicht eindeutig auf einen Tag festlegen. Meist â auch von offizieller Seite Italiens â wird der 25. April 1945 genannt, was als das politische Ende der RSI angesehen wird. An jenem Tag begann der Staat sich langsam aufzulösen, als Mussolini die Regierungsvollmachten an den Finanzminister Domenico Pellegrini Giampietro ĂŒbergab und daraufhin sein Hauptquartier in Mailand verlieĂ, um ĂŒber die Schweiz nach Deutschland zu fliehen bzw. mit einem letzten Aufgebot aus Schwarzhemden und Waffen-SS im Gebirge einen nach seinen Vorstellungen mythischen Endkampf zu fĂŒhren. Am 26. April wurde Mussolini von Partisanen aus einem deutschen Konvoi heraus gefangengenommen und am 28. April des Jahres 1945 erschossen. Die Sozialrepublik Italien hörte formell auf zu existieren, als die Kapitulation der eigenen und der deutschen StreitkrĂ€fte in Norditalien vom 29. April 1945 in der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1945 um 4:30 Uhr wirksam wurde, was faktisch auch das Ende der RSI als Staat bedeutete.
Die Flagge der Sozialrepublik war die bekannte italienische Trikolore, bei der jedoch das Wappen des Hauses Savoyen durch einen relativ groĂen grauen Adler mit ausgebreiteten Schwingen ersetzt wurde, der ein goldfarbenes LiktorenbĂŒndel zwischen den Krallen hielt. Diese Flagge wurde praktisch zu allen AnlĂ€ssen verwendet, vor allem aber auch als Kriegsflagge, sowohl an Kasernen als auch im Feld. Die formell ebenfalls existierende Zivilflagge (Trikolore ohne Hoheitszeichen in der Mitte â entspricht der Flagge der spĂ€teren bis heute bestehenden Republik ab 1948) spielte fast keine Rolle und wurde dagegen fast gar nicht öffentlich gezeigt â war jedoch mit gezacktem Goldrand eines der Hoheitszeichen der republikanischen LuftstreitkrĂ€fte (A.N.R.).
| Staatschef | Benito Mussolini | 1943â1945 | ||
| AuĂenminister | Benito Mussolini | 1943â1945 | ||
| Verteidigungsminister | Marschall Rodolfo Graziani | 1943â1945 | ||
| Innenminister | Guido Buffarini-Guidi | 1943â1945 | Valerio Zerbine | 1945 |
| Justizminister | Antonino Tringali-Casanova | 1943 | Pietro Pisenti | 1943â1945 |
| Finanzminister | Domenico Pellegrini Giampietro | 1943â1945 | ||
| Industrieminister | Silvio Gai | 1943 | Angelo Tarchi | 1943â1945 |
| Minister fĂŒr öffentliche Arbeiten | Ruggero Romano | 1943â1945 | ||
| Kommunikationsminister | Augusto Liverani | 1943â1945 | ||
| Arbeitsminister | Giuseppe Spinelli | 1945* | ||
| Minister fĂŒr nationale Erziehung | Carlo Alberto Biggini | 1943â1945 | ||
| Minister fĂŒr Volkskultur | Fernando Mezzasoma | 1943â1945 | ||
| FĂŒhrer des PFR | Alessandro Pavolini | 1943â1945 | ||
| GeneralsekretĂ€r des PFR | Achille Starace | 1943â1945 |
*) Das Ministerium fĂŒr Arbeit wurde erst im Jahre 1945 geschaffen.
Die RSI war militĂ€risch zum groĂen Teil vom Deutschen Reich abhĂ€ngig, verfĂŒgte aber auch ĂŒber eigene StreitkrĂ€fte mit allen Truppengattungen. Zusammen hatten alle regulĂ€ren bewaffneten VerbĂ€nde der RSI eine PersonalstĂ€rke von ca. 780.000 Mann. Neu waren im Gegensatz zu frĂŒher die militĂ€rischen Insignien an den Uniformen, so wurden die Stellette genannten Sterne mit einem Gladio (Gladius) â ein kurzes doppelschneidiges Schwert aus der Zeit des Römischen Reiches â in einem Lorbeerkranz ersetzt. Diese weiterhin eng mit dem Deutschen Reich verbĂŒndeten StreitkrĂ€fte wurden auf deutsch ârepublikanisch-italienische StreitkrĂ€fteâ bzw. (meist nach dem Krieg) als ârepublikanisch-faschistische StreitkrĂ€fteâ genannt. In Italien selbst wurden Angehörige der regulĂ€ren StreitkrĂ€fte auf dem Gebiet der RSI als Militi bezeichnet, in SĂŒditalien dagegen meist abwertend als Repubblichini. Angehörige der italienischen SS hieĂen offiziell Legionari (auf Deutsch âLegionĂ€reâ). Die vor allem halbmilitĂ€rischen VerbĂ€nde der RSI, oftmals zusammen mit deutschen Truppen an der Jagd auf Partisanen beteiligt, wurden inoffiziell â wenn auch erst in der Nachkriegszeit in signifikantem MaĂe â als Nazifascisti (âNazifaschistenâ) bezeichnet.
Diverse Einheiten der RSI-LandstreitkrĂ€fte, teilweise in Deutschland ausgebildet, waren fĂŒr ihre auĂerordentlich brutale KampffĂŒhrung berĂŒchtigt. Dieser fielen zahlreiche Partisanen zum Opfer, sie konnte selbst den Alliierten Schwierigkeiten bereiten. Meistens waren die LandstreitkrĂ€fte der RSI jedoch an eher kleineren Operationen beteiligt und traten selten in gröĂeren VerbĂ€nden gegen die Alliierten an, da die Deutschen ihnen trotz offensichtlicher fanatischer Entschlossenheit anfangs noch nicht voll vertrauten. Auf Anregung Mussolinis wurden zwei italienische Waffen-SS-Divisionen zur Aufstellung vorgesehen, wobei tatsĂ€chlich jedoch nur eine, die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS (italienische Nr. 1), auch aufgestellt wurde. Italienische SS-Soldaten waren auch in einigen anderen Divisionen zu finden, so z. B. in der 24. Waffen-Gebirgs-(KarstjĂ€ger-)Division der SS sowie in kleiner Zahl auch in einigen anderen. Letztere Einheit wurde vor allem gegen kommunistische Partisanen im Hinterland von Triest und Istrien eingesetzt. Die Aktionen gegen italienische Partisanen arteten zu barbarischem, politisch oft undifferenziertem Massenterror vornehmlich gegen die Zivilbevölkerung aus. Bei EinsĂ€tzen gegen jugoslawische Partisanen (Slavocomunisti genannt) kam es zu Ă€uĂerst gewalttĂ€tigen Exzessen mit MassenerschieĂungen sowie sinnlosen Zerstörungen groĂen AusmaĂes.
Das Esercito Nazionale Repubblicano (ENR) unter Marschall Rodolfo Graziani, deren Kern zunĂ€chst jene italienischen Soldaten bildeten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, hatte eine PersonalstĂ€rke von insgesamt 600.000 Mann. Darin waren auch drei voll gepanzerte VerbĂ€nde sowie die Alpini-Division Monterosa enthalten. Die RSI-Armee wurde zumeist gegen Partisanen eingesetzt, kĂ€mpfte aber auch zeitweise gegen die Alliierten. Ihre Feuertaufe erlebte die RSI-Armee 1944 bei den KĂ€mpfen in Anzio-Nettuno, wo sie sich bei relativ geringen Verlusten ĂŒberraschend gut bewĂ€hrte, auch wenn es letztlich nicht gelang, die Landung der Alliierten zurĂŒckzuwerfen. Die einzige wirklich groĂ angelegte offensive Operation war ein Gegenangriff eines Regiments in den Apenninen gegen US-amerikanische Einheiten im Winter 1944. Die Truppen der RSI erwiesen sich dabei als taktisch geschickt und sehr aggressiv, was fĂŒr die Alliierten eine Ăberraschung darstellte. Die Soldaten waren zum Teil in Deutschland ausgebildet worden und verfĂŒgten neben den eigenen auch ĂŒber deutsche Waffen, der Fahrzeugpark war dagegen vorwiegend italienischer Herstellung.
Die Aviazione Nazionale Repubblicana (A.N.R.) operierte oftmals unabhĂ€ngig von der deutschen Luftwaffe eigenstĂ€ndig und erfolgreich gegen die alliierten BomberverbĂ€nde. Anfangs bestand ihre AusrĂŒstung praktisch nur aus italienischen Maschinen, spĂ€ter erhielt sie jedoch auch in zunehmendem MaĂe deutsche Jagdflugzeuge. Die Bomber und Transportflugzeuge der ANR waren gröĂtenteils deutschen Luftwaffeneinheiten zugeteilt und flogen auch TransporteinsĂ€tze an der Ostfront. Von allen TeilstreitkrĂ€ften erwies sich (wie schon in der Zeit vor 1943) die Luftwaffe als die erfolgreichste. Es gab in Italien nunmehr zwei italienische LuftstreitkrĂ€fte, aber zu KampfeinsĂ€tzen gegeneinander kam es nicht, da die Aviazione Cobelligerante del Sud (engl. AbkĂŒrzung: ICBAF) und die ANR völlig andere Einsatzgebiete bzw. -schwerpunkte hatten. Um die Mitte des Jahres 1944 waren die alliierten BomberverbĂ€nde wegen der stĂ€ndigen Angriffe der ANR in Norditalien gezwungen, die AnflĂŒge in Richtung Deutschland von Nordafrika aus einzustellen (wie auch die RĂŒckflĂŒge), so dass Norditalien nicht lĂ€nger ein Drehkreuz alliierter Bombenangriffe war. Die republikanische Luftwaffe war insgesamt gesehen die Teilstreitkraft, die den Alliierten den stĂ€rksten Widerstand entgegensetzte. Ihren endgĂŒltig letzten Luftkampf hatte die ANR indes höchstwahrscheinlich am frĂŒhen Nachmittag des 28. April 1945, jenem Tag, an dem Mussolini starb. Eine Gruppe fĂŒnf soeben neu ausgelieferter Messerschmitt Bf 109 K-4 (die letzte und schnellste zum Einsatz gekommene Version der Bf 109) griff ĂŒber Bergamo einen Verband von US-amerikanischen B-26-Bombern an und schoss ohne eigene Verluste mehrere Maschinen ab.
Die Marina Nazionale Repubblicana (M.N.R.) â verkĂŒrzt auch Marina Repubblicana (M.R.) genannt â war im Gegensatz zum Zustand der frĂŒheren Regia Marina, nicht zuletzt mangels schwerer Einheiten, wesentlich kleiner und besaĂ im Grunde nur noch Schnellboote sowie kleinere Kampfschiffe und U-Boote. In den Werften befanden sich neben einigen leichteren Einheiten noch der schwere Kreuzer Bolzano (ex RN Bolzano) in Reparatur, dieser gelangte jedoch bis Kriegsende nicht mehr zum Einsatz. Das Ă€ltere Schlachtschiff Conte di Cavour (ex RN Conte di Cavour) blieb in Triest zur Reparatur in deutscher Hand (sie war bei der Besetzung Italiens am 9. September 1943 zur deutschen Beute erklĂ€rt worden). Die MNR verfĂŒgte andererseits aber auch ĂŒber einige spezialisierte Einheiten wie Kampfschwimmer (inkl. Torpedoreiter) und Marineinfanterie. Diese MarĂł genannten Soldaten der Decima MAS (Xa MAS) bzw. der Division San Marco unter der FĂŒhrung von Junio Valerio Borghese waren in der Folge auch infanteristisch am Kampf gegen die Alliierten und Partisanen beteiligt. AuĂer im Mittelmeer war die Marine der RSI auch im Schwarzen Meer gegen die Sowjetunion aktiv, wobei sie dort zahlreiche Minen legte und es ihr gelang, mehrere sowjetische Kriegsschiffe und U-Boote zu versenken.
Eine weitere regulĂ€re militĂ€rische Organisation, die im Jahre 1944 vor allem aufgrund der schwierigen personellen Lage entstand, war das Korps der weiblichen Helferinnen, genannt Servizio Ausiliario Femminile (verkĂŒrzt auch nur Servizio Ausiliario). Die Ausiliarie sollten â ganz Ă€hnlich den deutschen Wehrmachthelferinnen â dazu dienen, die StreitkrĂ€fte aller Waffengattungen sowie FlaK- und Luftschutzeinheiten zu unterstĂŒtzen.
Neben den regulĂ€ren StreitkrĂ€ften gab es noch einige weitere kleinere bewaffnete paramilitĂ€rische Kampfeinheiten, die zum Teil einen eher geringen militĂ€rischen Wert hatten, dafĂŒr jedoch stĂ€rker politisch orientiert waren. Einzig die Schwarzen Brigaden fanden auch als Kampftruppen Verwendung.
Die Brigate Nere gingen aus einer Idee von Alessandro Pavolini hervor, der eine âFaschistische Armeeâ der Partei mit stark politischem Einschlag schaffen wollte. Diese VerbĂ€nde wurden durch einen Erlass vom 30. Juni 1944 als Ersatz fĂŒr die sog. Schwarzhemden gebildet und nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944, das Mussolini persönlich sehr naheging, erheblich verstĂ€rkt. Sie waren mehr oder weniger die letzte âSchöpfungâ bewaffneter Kampfeinheiten der Republik. Sie kĂ€mpften nicht nur gegen die Alliierten und gegen italienische Partisanen, sondern verfolgten und ermordeten auch tatsĂ€chliche und vermeintliche politische Gegner sowie Zivilisten, deren Bekenntnis zum Faschismus ihnen zweifelhaft erschien. LegendĂ€r war auch ihre BrutalitĂ€t, die Guardia Nazionale Repubblicana registrierte zahlreiche FĂ€lle von PlĂŒnderungen, DiebstĂ€hlen, Raub, illegalen Festnahmen sowie Gewalt gegen Personen und Sachen, konnte jedoch nur selten etwas dagegen unternehmen. Die Schwarzen Brigaden trugen oft zu ihrer italienischen Armeeuniform ein schwarzes Oberteil sowie den Totenkopf auf ihren Abzeichen. Ihre PersonalstĂ€rke lag bei ca. 78.000 Mann.
Die Autonome Legion Ettore Muti, benannt nach dem 1943 ermordeten SekretĂ€r der PNF und berĂŒhmten Bomber-Piloten der Regia Aeronautica Ettore Muti, war ein kleinerer in Mailand stationierter Kampfverband, der vor allem gegen WiderstandskĂ€mpfer und Partisanen der Resistenza im Raum Mailand und Umgebung eingesetzt wurde.
Die eigentlich im September 1943 aufgelöste Organisation der Schwarzhemden, frĂŒher auch Faschistische Miliz bzw. in der offiziellen italienischen AbkĂŒrzung M.V.S.N. genannt, entstand kurze Zeit vor dem Ende der RSI in kleinem Umfang neu, war nun jedoch eine mehr politisch als militĂ€risch geprĂ€gte Kampfeinheit, die auch zu verschiedenen ArbeitseinsĂ€tzen (vor allem um die Wirkung von Streiks zu neutralisieren) herangezogen wurde.
Die faschistische Jugendorganisation WeiĂe Flamme war in etwa vergleichbar mit der deutschen Hitler-Jugend, wenn auch weit mehr militĂ€risch als ideologisch ausgerichtet. Allerdings ist ĂŒber eventuelle KampfeinsĂ€tze der Fiamme Bianche nur wenig bekannt.