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Sprünge (engl. jumps oder figure skatings jumps) sind Eiskunstlaufelemente, bei denen sich der Eiskunstläufer von der Eisfläche abhebt und in der Luft um die eigene Achse dreht. Es gibt sechs Grundsprünge, man kann aber über hundert weitere machen, die letzten Endes von den Grundsprüngen abgeleitet sind. Sprünge können mit einfacher, doppelter, dreifacher und sogar vierfacher Rotation ausgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Die meisten EiskunstläuferInnen drehen sich bei den Sprüngen und Pirouetten nach links. Es gibt jedoch einige, die sich nach rechts drehen. Die wenigsten Eiskunstläufer können Sprünge in beiden Drehrichtungen durchführen.
Der Einfachheit halber werden alle Sprünge üblicherweise als „Nach-links-Dreher“ beschrieben.
Charakteristische Merkmale eines richtig durchgeführten Sprunges sind Intensität, d. h. Höhe und Schnelligkeit, und die sich daraus ergebene Sprunglänge.
Ein Sprung besteht aus fünf Phasen:
Bei den Sprungkombinationen unterscheidet man acht Phasen: Einlauf, Absprung, Rotation, Landung und Ausfahrt aus dem ersten Sprung, Absprung, Rotation, Landung und Ausfahrt aus dem zweiten Sprung.
5.Ausgleiten
Sprünge lassen sich nach folgenden Kennzeichen aufteilen:
1. nach den vier Grundfiguren in dem Pflichtlauf
Bei Sprüngen ohne Rotation:
2. nach den Kanten
3. dabei ist der Absprung möglich
4. die Landung ist möglich
5. Nach der Rotation
Durch Kombination diesen Möglichkeiten lassen sich über 130 verschiedene Sprünge durchführen.
Als Sprungelement bezeichnet man:
Einzelsprünge werden sowohl im Einzellauf als auch im Paarlauf durchgeführt. Die heutige Weltklasse in den Herrenwettkämpfen erfordert schon vierfache Sprünge (bis heute sind es Toeloop, Salchow und Flip); bei den Damen werden dreifache Sprünge benötigt. Jedoch fangen einige Damen bereits an, vierfache Sprünge zu zeigen.
Es gibt sechs Grundsprünge. Alle sechs werden rückwärts auswärts gelandet, haben jedoch unterschiedliche Einlauf- und Absprungsphase, nach denen man sie unterscheiden kann.
Die folgenden Beschreibungen gelten für „gewöhnliche“ Eiskunstläufer, die sich nach links drehen; für diejenigen, die sich nach rechts drehen, gelten die Angaben spiegelbildlich.
| Sprung | Standbein | Spielbein | Anmerkungen |
| Toeloop | rechtes Bein, rückwärts auswärts | linker Fuß tippt ins Eis | |
| Flip | linkes Bein, rückwärts einwärts | rechter Fuß tippt ins Eis | |
| Lutz | linkes Bein, rückwärts auswärts | rechter Fuß tippt ins Eis | Fast immer geht dem Lutz eine lange diagonale Rückwärtsgleitung auf dem linken Fuß voran, (von der Mitte des Eises in die Eisbahnecke). |
| Axel | linkes Bein, vorwärts auswärts | rechtes Bein schwingt von hinten nach vorn | Axel ist der einzige, der vorwärts gesprungen ist |
| Rittberger | beide Beine, rückwärts (man verlagert das Gewicht auf das rechte Bein Auswärtskante und springt ab) | kein Schwingen kein Abstechen | das linke Bein ist vor dem rechten Bein verkreuzt |
| Salchow | linkes Bein, rückwärts einwärts | rechtes Bein schwingt um den Körperschwerpunkt herum nach vorn |
Eine Variation ist der Tano-Sprung, bei dem der Eiskunstläufer seinen Arm über den Kopf streckt. Das macht ihn erheblich schwieriger als einen „normalen“ Sprung. Den Namen bekam diese Variation nach dem kalifornischen Eiskunstläufer Brian Boitano, der als erster einen dreifachen Lutz mit gehobenem Arm gesprungen hat.
Es gibt eine Anzahl weiterer Sprünge, die gewöhnlich mit einfacher Drehung durchgeführt werden und meistens als Verbindungselemente in den Sprungfolgen eingesetzt sind. Diese schließen beispielsweise ein:
Ein geworfener Sprung (engl. throw) ist ein paarlaufspezifisches Element. Die Dame führt einen gewöhnlichen Sprung durch, während der Mann ihr bei dem Absprung einen zusätzlichen „Stoß“ gibt. Für einen geworfenen Sprung ist die Höhe und Länge des Sprunges charakteristisch. Die Namen der geworfenen Sprünge sind von den Einzelsprüngen abgeleitet: Wurf-Axel, Wurf-Lutz, Wurf-Salchow, Wurf-Toeloop. Bei den Wettbewerben werden sie doppelt oder dreifach durchgeführt.
Eine Sprungfolge (engl. jump sequence) besteht mindestens aus zwei Sprüngen, zwischen denen ein Fußwechsel erfolgt oder Umdrehungen durchgeführt werden.
Eine Sprungkombination (engl. jump combination) besteht aus mindestens zwei Sprüngen, die unmittelbar nacheinander folgen. Der zweite Sprung wird von der gleichen Kante abgesprungen, auf der der erste Sprung landete (d. h. es gibt keine Umdrehungen oder Fußwechsel zwischen den Sprüngen).
Die Anzahl der Sprünge, Sprungfolgen und Sprungkombinationen ist sowohl im Kurzprogramm als auch in der Kür durch das ISU-Wertungssystem für Eiskunstlauf und Eistanzen bestimmt:
Jedes Sprungelement hat seinen eigenen Grundwert. So hat zum Beispiel ein vierfacher Toeloop den Grundwert 10,3, ein dreifacher Axel 8,5, ein dreifacher Lutz 6, ein dreifacher Flip 5,3, ein dreifacher Rittberger 5,1, ein dreifacher Salchow 4,2, ein dreifacher Toeloop 4,1 und ein doppelter Axel 3,3. Die Preisrichter ordnen dann die Qualität des Sprungelements innerhalb des Bereiches von +3 bis -3. Für jeden Fehler gibt es einen entsprechenden Abzug.
Als Fehler gelten:
Eigentlich dürfte es sie nicht geben. Trotzdem findet man Eiskunstläufer, die einen Sprung „mogeln“, entweder weil sie die Schwierigkeit nicht beherrschen, oder weil sie ihren Einlauf schlecht berechnet haben, oder weil sie sich während der Ausbildung schlechte Gewohnheiten angeeignet haben (abgestumpfter Absprung, aufgerollter Sprung, unvollständige Drehungen, unsichere Landung).
Ein Beispiel: Aus dieser Hinsicht ist Lutz vielleicht der diskutabelste Sprung.
Lutz
„Gemogelter“ Lutz
Vier der sechs Grundsprünge tragen die Namen ihrer Erfinder. Es sind:
| 1882 | Der Norweger Axel Paulsen verwirklicht beim internationalen Wettbewerb des Wiener Eislauf-Vereins den ersten Sprung (noch auf Eisschnelllaufschlittschuhen), der dann auch nach ihm benannt wurde – den Axel. Bis heute gilt er als der schwierigste von allen Grundsprüngen. |
| 1896 | Der Deutsche Gilbert Fuchs, der erste Eiskunstlauf-Weltmeister, zeigt einfache Sprünge, darunter auch den Axel, der jedoch mehr einer Pirouette ähnelt, sog. „aufgerollter“ Axel. |
| 1898 | Der Schwede Ulrich Salchow zeigt zum ersten Mal seinen Sprung Salchow. |
| 1910 | Der Deutsche Werner Rittberger erfindet den Rittberger. |
| 1913 | Der Wiener Alois Lutz führt den nach ihm benannten Lutz aus. |
| 1916 | Die Deutsche Charlotte Oelschlägel, Eiskunstläuferin der Berliner Eisballettkompanie, steht als erste Dame den einfachen Axel. Anfang der 1920er Jahre schafft den einfachen Axel bei den Amateuren die Österreicherin Herma Szabó (und nicht die oftmals erwähnte Sonja Henie). |
| 1920 | Bei den Olympischen Spielen in Antwerpen springt die Amerikanerin Theresa Weld als erste Damen den einfachen Salchow. |
| 1925 | Der Österreicher Karl Schäfer schafft als Erster den doppelten Rittberger. |
| 1928 | Der Doppelte Salchow wird von dem Schweden Gillis Grafström und dem Kanadier Montgomery Wilson gesprungen. |
| 1934 | Bei der Weltmeisterschaft in Helsinki stellen die Deutschen Maxi Herber und Ernst Baier als erstes Sportpaar einen nebeneinander gesprungenen einfachen Axel vor. |
| 1944 | Der Amerikaner Richard Button führt den ersten doppelten Lutz durch. |
| 1948 | Richard Button präsentiert während den Olympischen Winterspielen in St. Moritz den ersten doppelten Axel. |
| 1952 | Bei den Olympischen Winterspielen in Oslo führt Richard Button drei doppelte Axel nacheinander durch. |
| Richard Button springt den ersten dreifachen Rittberger. | |
| Obwohl mehrere Damen den doppelten Axel bereits geschafft haben, zeigt ihn bei einem Wettkampf als Erste die Amerikanerin Tenley Albright erfolgreich bei den Olympischen Winterspielen in Oslo. | |
| 1960 | Die Amerikaner David, Hayes Alan Jenkins und Ronald Robertson schaffen den dreifachen Salchow und den dreifachen Rittberger. |
| 1962 | Donald Jackson führt den ersten dreifachen Lutz durch. |
| 1963 | Den ersten dreifachen Rittberger durchgeführt von einer Dame zeigt die Österreicherin Helli Sengstschmid. |
| 1969 | Das russische Sportpaar Irina Rodnina und Alexei Ulanow schafft bei der Europameisterschaft in Garmisch-Partenkirchen als Erstes einen nebeneinander durchgeführten doppelten Axel. |
| 1974 | Bei der Weltmeisterschaft in München versucht der Amerikaner Gordon McKellen eine Kombination „einfacher Axel – doppelter Axel – dreifacher Axel“, stürzte jedoch bei dem letzten Sprung. Diese ungewöhnliche Kombination verwirklicht er aber bei der Schlussgalavorstellung. |
| 1977 | Die Schweizerin Denise Biellmann führt eine Sprungkombination „doppelter Axel – Euler – dreifacher Salchow“ durch. |
| 1978 | Der Kanadier Vern Taylor schafft bei der Weltmeisterschaft in Ottawa den ersten dreifachen Axel. |
| Denise Biellmann zeigt als erste Dame den dreifachen Lutz | |
| 1979 | Die Jugoslawin Sanda Dubravčić ist die erste Dame, die eine Sprungkombination „doppelter Axel – dreifacher Toeloop“ schafft. |
| 1980 | Der Kanadier Brian Orser zeigt bei der Weltmeisterschaft in Dortmund den dreifachen Axel |
| 1984 | Alexander Fadejew beherrschte bei der Weltmeisterschaft in Budapest die Sprungkombination „dreifacher Axel – doppelter Toeloop“. |
| 1986 | Der Tschechoslowake Jozef Sabovčík probiert als Erster den „vierfachen Toeloop“. Jedoch berührt sein freier Fuß das Eis und der Sprung wird somit nicht als solcher gewertet. |
| 1988 | Der Kanadier Kurt Browning führt als Erster erfolgreich den vierfachen Toeloop bei der Weltmeisterschaft in Budapest durch und damit auch den ersten Vierfachsprung überhaupt. |
| 1989 | Bei der Weltmeisterschaft in Paris schafft die Japanerin Midori Ito als Erste den dreifachen Axel. |
| 1991 | Die Französin Surya Bonaly probiert als erste Dame im Wettbewerb den vierfachen Toeloop bei der Weltmeisterschaft in München, bekommt ihn aber nicht als solchen gewertet. |
| 1997 | Der Kanadier Elvis Stojko verwirklicht bei einem ISU-Grand-Prix die erste Sprungkombination „vierfacher Toeloop – dreifacher Toeloop“. |
| 1998 | Der junge Amerikaner Timothy Goebel führt den ersten vierfachen Salchow beim Finale des ISU Junior Grand-Prix in Lausanne durch. |
| 1998 | Der Russe Alexei Jagudin führt bei der Europameisterschaft in Mailand eine Sprungfolge „dreifacher Axel und dreifacher Toeloop“ durch. Bei demselben Turnier verwirklicht sein Landsmann Jewgeni Pljuschtschenko die gleiche Sprungkombination wie Elvis Stojko 1997: „vierfacher Toeloop – dreifacher Toeloop“. |
| 1999 | In der Zeitspanne von 90 Sekunden schafft Timothy Goebel bei Skate America drei vierfache Sprünge in seiner Kür: vierfacher Salchow in einer Kombination mit dreifachem Toeloop, ein zweiter vierfacher Salchow und schließlich einen vierfachen Toeloop. |
| 2000 | Beim Grand-Prix-Finale verwirklicht Timothy Goebel eine unglaubliche Sprungkombination: „vierfacher Salchow – dreifacher Toeloop – dreifacher Rittberger“. Der Russe Jewgeni Pljuschtschenko schafft auch eine schwierige Sprungkombination: „vierfacher – dreifacher – doppelter Toeloop“. |
| 2011 | Der US-Amerikaner Brandon Mroz landet als erster einen vierfachen Lutz, u. a. bei der NHK Trophy. |