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St.-Marien-Kirche (Greifswald)

Die St.-Marien-Kirche, im Volksmund auch Dicke Marie genannt, ist die älteste der drei großen Stadtkirchen von Greifswald.

Inhaltsverzeichnis

Baubeschreibung und Geschichte

Wie eine schützende Glucke thront St. Marien über der Stadt

Das genaue Jahr des Baubeginns der Marienkirche ist nicht feststellbar, es wird angenommen, dass nach 1260 mit der Errichtung einer Basilika begonnen wurde. 1275 wurden die Baupläne geändert und das Bauwerk als dreischiffige Hallenkirche ohne Chor weitergeführt. 1280 war der Bau im Wesentlichen abgeschlossen, doch kann man vermuten, dass am Langhaus noch bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts gearbeitet wurde.

Innenansicht von St. Marien

Die St.-Marien-Kirche ist ein 67 Meter langer Backsteinbau mit einem dreistöckigen Turm, der von einem mächtigen Satteldach überdeckt wird. Der Ostgiebel ist als gerade Wand errichtet worden. Er besticht durch seine Schmuckelemente aus schlanken Pfeilern und Spitzbogenblenden, ein gelungenes Beispiel norddeutscher Giebelornamentik. Das Turmuntergeschoss mit seinen bis zu viereinhalb Meter starken Mauern war bereits Anfang des 14. Jahrhunderts fertiggestellt. Es ist heute durch eine Vorhalle verdeckt. Das Mittelgeschoss ist mit Spitzbogenblenden versehen, und der eingerückte Oberteil besitzt Schalllöcher. Den Abschluss bildet ein Zeltdach, das erst 1780 anstelle des vom Krieg 1678 beschädigten Spitzhelm aufgesetzt wurde. Neben der Turmvorhalle besitzt die Marienkirche nur noch die Annenkapelle als Anbau. Sie besitzt ein sechsteiliges Gewölbe mit polygonalen Rippen.

Im Innern gliedern vier Pfeilerpaare, die die flachen Kreuzrippengewölbe tragen, den 21 Meter hohen Raum. An ihnen sind die einzelnen Bauphasen von Ost nach West ablesbar. Während der französischen Besetzung verlor die Kirche den größten Teil ihrer Innenausstattung. Die mittelalterliche Bemalung wurde zwischen 1977 und 1984 wiederhergestellt. Wertvollstes Inventarstück ist die Kanzel von 1587, die von dem Rostocker Kunsttischler Mekelenborg angefertigt wurde. Sie ist reich mit hölzernen Intarsien geschmückt, die Landschaften und Personen darstellen, unter anderem eine Abbildung Luthers.

Der spätgotische Schnitzaltar wurde vermutlich Anfang des 16. Jahrhunderts von einem schwäbischen Künstler hergestellt und gibt die Grablegung Christi wieder. Ein weiterer Altar zeigt die Geburt Christi nach Correggio, kopiert 1806 von Friedrich August von Klinkowström.[1]

Im Innenraum befinden sich auch zahlreiche Grabsteine, von denen der Gedenkstein des Bürgermeisters und Universitätsgründers Heinrich Rubenow von 1462. Neben seiner figürlichen Darstellung erinnert eine Inschrift an seinen gewaltsamen Tod.

1985 gestaltete der Maler Helmut Maletzke die Heldengedenktafel für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen zu einem Mahnmal gegen den Krieg um. Sie befindet sich in der Turmhalle.

Orgel

Marienorgel

Die Marienkirche muss bereits Anfang des 15. Jahrhunderts eine Orgel besessen haben. Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1866 und wurde von dem Stralsunder Orgelbauer Friedrich Albert Mehmel erbaut. Sie ist das größte noch erhaltene Instrument Mehmels. Die Orgel ist genau auf den Raum abgestimmt und hat auch bei voller Kirche ihren typisch satten Raumklang. Das Instrument hat mechanische Schleifladen und insgesamt 37 Register, darunter 5 Extensionen (Pedal).[2]

I Hauptwerk C–
1. Bordun 16′
2. Principal 8′
3. Concertflöte 8′
4. Gemshorn 8′
5. Viola di Gamba 8′
6. Gedackt 8′
7. Hohlflöte 8′
8. Octave 4′
9. Gemshorn 4′
10. Quarte II
11. Mixtur IV-V
12. Cornett IV
13. Trompete 8′
II Oberwerk C–
14. Bordun 16′
15. Principal 8′
16. Rohrflöte 8′
17. Octave 4′
18. Rohrflöte 4′
19. Quinte 22/3
20. Waldflöte 2′
21. Progr. Harm. II-III
22. Oboe 8′
III Fernwerk C–
23. Geigenprincipal 8′
24. Salicional 8′
25. Flauto traverso 8′
26. Geigenprincipal 4′
Pedal C–
27. Principal 16′
28. Subbaß 16′
29. Violon 16′
30. Quinte 102/3
31. Octavbaß 8′
32. Gedackt (aus Nr.28) 8′
33. Violon (aus Nr.29) 8′
34. Quinte (aus Nr.30) 51/3
35. Octavbaß (aus Nr.31) 4′
36. Posaune 16′
37. Trompete (aus Nr.36) 8′

Glocken

Im Turm der Marienkirche hängen drei Glocken. Die Wächterglocke, 1569 von Johannes de Borch gegossen, ist gesprungen und wurde 1981 durch ein Replikat mit einer inhaltlichen wie typographischen Kopie der alten Inschrift ersetzt. Die große Betglocke wurde restauriert und wieder läutbar aufgehängt. Die kleine Glocke dient dem Uhrschlag.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
 
Inschrift
(Übersetzung)
1 Betglocke 1418 Johannes Karl 1610 3000 es1[3] ave regina celorvm mater / regis angelorum / o maria flos virginvm velvt rosa vel lilivm / fvnde preces ad filivm pro salvte fidelivm / o rex glorie veni cvm pace / anno dni mccccxviii (Sei gegrüßt, Königin der Himmel, Mutter des Königs der Engel, o Maria, Blüte der Jungfrauen, wie eine Rose oder Lilie, schütte aus die Gebete vor dem Sohn für das Heil der Gläubigen. O König der Ehren, komm mit Frieden. Im Jahre des Herrn 1418.)
2 Wächterglocke
(Saufglocke)
1981 ges1[4] De Wachter Klocke bin ick genannt, Allen fuchten Broders wohl bekannt, Kroger, wen du horest minen luth, So jach de Geste tom huse uth. 1569. (Die Wächterglocke bin ich genannt, allen feuchten Brüdern wohl bekannt, Krüger, wenn du hörst meinen Laut, so jag‚ die Gäste zum Hause aus.)
I Kleine Glocke 1614 es2 Sit nomen domini benedictum Dinnies Droyse an. Dni 1614. (Der Name des Herrn sei gelobt. Dinnies Droyse, im Jahre des Herrn 1614.)

Einzelnachweise

  1. Michael Lissok: Neuzeitliche Gemäldekopien von Werken Alter Meister in den Kirchen Vorpommerns, in: Wirklichkeit und Wunschbild VIII, Greifswalder Romantikkonferenz, Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1998.
  2. Zur Orgel
  3. Videoaufnahme der Betglocke (Stand: 29. November 2010)
  4. Videoaufnahme der Wächterglocke (Stand: 29. November 2010)

Weblinks

 Commons: Marienkirche, Greifswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.096944444413.3838888889Koordinaten: 54° 5′ 49″ N, 13° 23′ 2″ O

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