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Standrecht

Standrecht bezeichnet im Wehrrecht den Zustand, bei dem die von den zivilen Behörden ausgeĂŒbte Gerichtsbarkeit auf den höchsten MilitĂ€rbefehlshaber ĂŒbergeht, dem ein Kriegsgericht zur Seite steht, das so genannte Standgericht.

Die EinfĂŒhrung des Standrechts geht davon aus, dass ein ordentliches Gerichtsverfahren aus Mangel an Zeit oder Gelegenheit nicht durchfĂŒhrbar ist und dass eine Bestrafung des TĂ€ters in Form des „Kurzen Prozesses“ wegen der Bedeutung der Tat – oder als abschreckendes Beispiel fĂŒr andere – unumgĂ€nglich sei.

Durch Standgerichte wurden in der Geschichte zahlreiche Todesurteile gefĂ€llt bzw. deren Vollstreckung veranlasst. Die Vollstreckung erfolgte oft durch Erschießung („standrechtliche Erschießung“) oder durch HĂ€ngen („durch den Strang“).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Deutsches Kaiserreich

Wichtigster Punkt war nicht nur der Übergang der Gerichtsbarkeit auf den kommandierenden MilitĂ€rbefehlshaber in den Armeekorpsbezirken des Deutschen Heeres, sondern die Anwendung des MilitĂ€rstrafrechts auf alle sich im Kommandobezirk aufhaltenden Personen. Nur nach diesem Recht oder einem speziellen Gesetz fĂŒr den Belagerungszustand konnte „Recht gesprochen“ werden (im Deutschen Kaiserreich das Preußische Belagerungsgesetz in der Fassung vom 4. Juni 1851). Nach der ErklĂ€rung des Kaisers Wilhelm II. vom 31. Juli 1914 wurde der Belagerungszustand reichsweit ausgerufen und der Belagerungszustand oder verschĂ€rfte Belagerungszustand trat in Kraft. Hier hatte der kommandierende MilitĂ€rbefehlshaber das Recht, bedeutende Verfassungsartikel außer Kraft zu setzen und auf die Todesstrafe zu erkennen oder Todesurteile durch Standgerichte zu bestĂ€tigen.

Zeit des Nationalsozialismus

Alle Urteile durch Standgerichte in der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Deutschland durch das NS-Unrechtsurteileaufhebungsgesetz im Jahr 1998 pauschal aufgehoben[1], das in seiner letzten Fassung am 30. September 2009 in Kraft trat.

Siehe auch

Literatur

  • Deist, Wilhelm: MilitĂ€r und Innenpolitik im Weltkrieg 1914-1918. I. A. der Kommission fĂŒr Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien und des MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamtes von Matthias, Erich / Meier-Welcker, Hans [Hg.]. Erster Teil, Bd. 1/I, DĂŒsseldorf, 1970.
  • Huber, Ernst Rudolf: Gesetz ĂŒber den Belagerungszustand, i.d.F. vom 4. Juni 1851. In: Preußische Gesetzsammlung 1851, Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. I, Stuttgart, Stand: 19. Februar 2001, S. 451-452.
  • Standrecht u. Belagerungszustand; d. Beratung d. Verfassunggebenden Preuß. Landesversammlung ĂŒber d. Antrag d. Abgeordneten Adolf Hoffmann u. Genossen auf Aufhebung d. Standrechtes u. d. Belagerungszustandes; Verhandlungen vom 14./15./17. u. 19. MĂ€rz 1919 (stenogr. Bericht); Anh.: Das Programm d. Preuß. Regierung ErklĂ€rung d. MinisterprĂ€sidenten Hirsch am 25. MĂ€rz 1919, Preußen: Bibliothek Stein-Berlin. Buchh. VorwĂ€rts, Mikrofiche-Ausg., 1919, ISBN 3628004195.
  • Verordnung betreffend die EinfĂŒhrung Preußischer Militairgesetze im ganzen Bundesgebiete, i.d.F. vom 7. November 1867, Bundes=Gesetzblatt des Norddeutschen Bundes 1867, S. 125-130.
  • Verordnung betreffend ĂŒber die EinfĂŒhrung des Preußischen Militair-Strafrechts im ganzen Bundesgebiete, i.d.F. vom 29. Dezember 1867, Bundes=Gesetzblatt des Norddeutschen Bundes 1867, S. 185.
  • Gesetz ĂŒber den Kriegszustand „Gesetz, betreffend die Verhaftung und AufenthaltsbeschrĂ€nkung auf Grund des Kriegszustandes und des Belagerungszustandes vom 4. Dezember 1916.“ , i.d.F. vom 4. Dezember 1916, Reichsgesetzblatt [RGBl] 1916, S. 1329.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerd Weckbecker: Zwischen Freispruch und Todesstrafe. Die Rechtsprechung der nationalsozialistischen Sondergerichte Frankfurt/Main und Bromberg, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5145-4.
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