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Stefan Aust (* 1. Juli 1946 in Stade) ist ein deutscher Journalist. Er war von 1994 bis 2008 Chefredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel.
Inhaltsverzeichnis |
Aust ist der Sohn eines Landwirts. Nach dem Abitur studierte er wenige Wochen lang Soziologie.[1] Von 1966 bis 1969 arbeitete Aust als Redakteur bei der Zeitung âkonkretâ sowie den âSt. Pauli-Nachrichtenâ. Seit 1970 war er Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks NDR.
Im September 1970 befreite er auf eigene Faust und mit Hilfe eines Aussteigers der RAF, Peter Homann,[2] die Schwestern Bettina und Regine Röhl. Die Zwillinge sind die Töchter von Ulrike Meinhof und des damaligen âkonkretâ-Herausgebers Klaus Rainer Röhl, die von Mitgliedern der Rote Armee Fraktion nach Sizilien verschleppt worden waren. Aust brachte sie zurĂŒck zu ihrem Vater. Nach einer anderen Darstellung entfĂŒhrte Stefan Aust in einer Blitzaktion die beiden Kinder aus Sizilien â die nach Ulrike Meinhofs Willen vor ihrem Vater (aus nicht genau genannten GrĂŒnden) geschĂŒtzt werden mussten und spĂ€ter bei Meinhofs Schwester aufwachsen sollten â und brachte sie zu ihrem Vater, obwohl die AnwĂ€lte Ulrike Meinhofs im schwebenden Sorgerechtsstreit um die Kinder gegen die vorlĂ€ufige Ăbertragung des Aufenthaltsbestimmungsrecht auf Klaus-Rainer Röhl Beschwerde eingelegt hatten.[3]
Nach eigenen Angaben haben Andreas Baader, Horst Mahler und andere einmal versucht, ihn zu ermorden. Er sei allerdings damals vorgewarnt worden und durch einen Hinterausgang nachts entkommen, âso dass Baader & Co. unverrichteter Dinge wieder abziehen musstenâ.[4]
Von 1972 bis 1986 arbeitete er fĂŒr das Fernsehmagazin âPanoramaâ.
Ab Mai 1988 war Aust Chefredakteur fĂŒr das âSpiegel TV Magazinâ. Anfangs kritisch kommentiert, konnte Aust mit Journalen und Dokumentationen eine gewinntrĂ€chtige Verlagsabteilung entwickeln. Zum Chefredakteur des âSpiegelâ wurde Aust am 16. Dezember 1994 ernannt; er schied daher aus der Spiegel-TV-Redaktion aus. Seit Juli 1995 war Aust auch GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Spiegel TV GmbH. Er moderierte die Fernsehsendung regelmĂ€Ăig.
Am 7. Mai 2001 grĂŒndete er gemeinsam mit der Produktionsfirma dctp den mittlerweile durch DMAX ersetzten Spiegel-TV-Ableger XXP. Der Sender XXP wurde an Discovery Channel verkauft. Am 6. Juli 2007 gab er seinen Posten als GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Spiegel TV GmbH ab und wurde stattdessen Herausgeber der Sendung.[5]
Im Oktober 2005 kam es von Seiten zweier Gesellschafter des Blattes (Mitarbeiter KG und Augstein-Erben) zu einem medial viel beachteten Konflikt mit Aust wegen ihm vorgeworfener âQualitĂ€tsmĂ€ngel in der Berichterstattungâ. Er setzte sich unter Verweis auf die Statuten des Magazins, die volle journalistische UnabhĂ€ngigkeit der Redaktion garantieren, durch.[6]
Kritiker hatten Aust schon lĂ€nger vorgeworfen, seine Arbeit mit privaten Interessen zu verquicken. So wurden VorwĂŒrfe laut, er stehe hinter der besonders negativen Berichterstattung des Spiegel ĂŒber die Stromerzeugung durch Windkraft, da Windkraftanlagen Austs eigene Pferdezucht bedroht hĂ€tten. Hintergrund ist, dass Aust einen Artikel der Redakteure Harald Schumann und Gerd Rosenkranz abgelehnt hatte, in dem ĂŒber die Windenergie vergleichsweise positiv berichtet wurde. Kurze Zeit spĂ€ter wurde die Windenergienutzung in einer Titelgeschichte scharf kritisiert (âDer WindmĂŒhlen-Wahnâ, Spiegel 14/2004). Schumann soll Berichten zufolge von âDesinformationâ und âPropagandaâ gesprochen und aus diesem Grund seine KĂŒndigung eingereicht haben.[7][8]
Am 15. November 2007 wurde bekannt, dass die Gesellschafter des Spiegel-Verlags einvernehmlich und auf Initiative der Mitarbeiter-KG beschlossen hatten, Austs Vertrag nicht ĂŒber den 31. Dezember 2008 hinaus zu verlĂ€ngern.[9] Dem 61-JĂ€hrigen seien âschlechter FĂŒhrungsstil und mangelnde Innovationskraftâ zur Last gelegt worden.[10] Am 5. Februar 2008 wurde Aust mit sofortiger Wirkung freigestellt. Seine Stelle traten Mathias MĂŒller von Blumencron, bisher Chefredakteur von Spiegel Online und Georg Mascolo, bis zu diesem Zeitpunkt Leiter des SPIEGEL-HauptstadtbĂŒros Berlin, an.[11] Aust reichte gegen seine KĂŒndigung Klage ein.[12] Am 7. MĂ€rz 2008 gaben Der Spiegel und Aust bekannt, man habe sich auf Grundlage einer auĂergerichtlichen Einigung darauf verstĂ€ndigt, dass Aust mit sofortiger Wirkung nicht mehr in Diensten des Verlages stehe. Ăber Einzelheiten und eine Abfindungshöhe wurde zunĂ€chst nichts bekannt. Der Journalist Hans Leyendecker sprach spĂ€ter von âvier Millionen Abfindung ungefĂ€hrâ, die Aust erhalten habe.[13]
Seit Anfang 2009 ist Aust zur HĂ€lfte an der Agentur agenda media GmbH beteiligt,[14] die unter anderem fĂŒr die WAZ-Mediengruppe Konzepte fĂŒr Print, Fernsehen und Online entwickelt. Vor der Bundestagswahl 2009 produzierte und moderierte Aust mit Sabine Christiansen fĂŒnf Sendungen fĂŒr Sat 1.[15]
Ăber seine Zeit beim Spiegel Ă€uĂert sich Aust im Juni 2011 in einem Interview mit Gentlemenâs Quarterly. âIch habe das 13 Jahre lang gemacht, hab da eine sehr gute Zeit gehabt, aber eigentlich war es zu lang. Es ist eine unglaublich reizvolle Aufgabe, spannend, aber auch ziemlich aufreibend. Zum Schluss etwas unerfreulich, man hĂ€tte meinen Abgang auch eleganter lösen könnenâ [...] âAber am Ende war ich heilfroh, dass ich da raus war.â[16]
Am 16. Juni 2010 gab die ProSiebenSat.1 Media AG bekannt, den Nachrichtensender N24 samt Produktionsgesellschaft an ein Bieterkonsortium verĂ€uĂert zu haben, an dem Aust beteiligt ist.[17]
Aust lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Hamburg-Blankenese. Er betreibt in Armstorf bei Bremervörde einen Reiterhof mit Hannoveraner-GestĂŒt. FĂŒr seine Zuchttiere erzielte er auf einer Pferdeauktion erhebliche Preise.[18] Aust ist ungetauft.[19]
Ab 1980 hat Aust verschiedene BĂŒcher zu meist politischen Themen verfasst:
Zwei seiner BĂŒcher wurden verfilmt: Der Pirat im Jahr 1997 von Regisseur Bernd Schadewald und Der Baader Meinhof Komplex 2008 von Uli Edel.
Aust hat als Autor bzw. Regisseur verschiedener Dokumentationen und Spielfilme gewirkt:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Aust, Stefan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und ehemaliger Chefredakteur des Spiegels |
| GEBURTSDATUM | 1. Juli 1946 |
| GEBURTSORT | Stade, Niedersachsen, Deutschland |