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| Steyr | ||
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Ăsterreich | |
| Bundesland: | Oberösterreich | |
| Politischer Bezirk: | Statutarstadt | |
| Kfz-Kennzeichen: | SR | |
| FlĂ€che: | 26,54 kmÂČ | |
| Koordinaten: | 48° 3âČ N, 14° 25âČ O48.0514.4166666667310Koordinaten: 48° 3âČ 0âł N, 14° 25âČ 0âł O | |
| Höhe: | 310 m ĂŒ. A. | |
| Einwohner: | 38.313 (1. JĂ€n. 2011) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1.443,59 Einw. pro kmÂČ | |
| Postleitzahlen: | 4400, 4402, 4403, 4405, 4407, 4451 | |
| Vorwahl: | 07252 | |
| Gemeindekennziffer: | 4 02 01 | |
| NUTS-Region | AT314 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Stadtplatz 27</br>4400 Steyr | |
| Website: | ||
| Politik | ||
| BĂŒrgermeister: | Gerald Hackl (SPĂ) | |
| Gemeinderat: (2009) (36 Mitglieder) |
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| Lage der Statutarstadt Steyr | ||
| Blick ĂŒber die Altstadt vom Turm der Stadtpfarrkirche aus | ||
| (Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria) | ||
Steyr (Oberösterreich) ist als Statutarstadt ein eigener Bezirk und darĂŒber hinaus Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Steyr-Land. Steyr ist die drittgröĂte Stadt Oberösterreichs und die zwölftgröĂte Stadt Ăsterreichs.
Steyr liegt auf 310 m Höhe und ist am Zusammenfluss von Enns und Steyr an der Grenze zu Niederösterreich, im Alpenvorland gelegen. Die Ausdehnung betrĂ€gt von Nord nach SĂŒd 7 km, von West nach Ost 7,3 km. 2,8 % der FlĂ€che sind bewaldet, 11,1 % der FlĂ€che landwirtschaftlich genutzt.
Steyr besteht aus den folgenden acht Katastralgemeinden: Christkindl, Föhrenschacherl, Gleink, Hinterberg, JĂ€gerberg, Sarning, Stein, Steyr. Die Katastralgemeinde Steyr besteht aus den Teilen: Altstadt, Steyrdorf, Tabor, MĂŒnichholz, Ennsdorf, Resthof , Ennsleite.
Neben den Katastralgemeinden gibt es eine Vielzahl von Ortschaften, die ebenfalls zum Stadtgebiet von Steyr gehören.
| Wolfern | Dietach | Haidershofen |
| Sierning | |
Behamberg |
| Garsten | St. Ulrich |
Steyr und seine nĂ€here Umgebung liegen in einem AuslĂ€ufer des pannonischen Klimas, der sich bis in die Welser Heide erstreckt. Aufgrund der schwierigen Topografie mit vielen WasserflĂ€chen und Anhöhen kommt es zu kleinrĂ€umigen Abweichungen mit höheren NiederschlĂ€gen und tieferen Temperaturen.[1] Das Jahresmittel der Lufttemperatur betrĂ€gt 10 °Celsius, das niedrigste Tagesmittel â15 °C, das höchste +33 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer betrĂ€gt 1500 Stunden, die mittlere Niederschlagsmenge 750 mm.[2] Durch heftige NiederschlĂ€ge im Quell- und Einzugsgebiet von Enns und Steyr kommt es im Stadtgebiet immer wieder zu Ăberflutungen.
Im Ballungsraum Steyr lebten - im JÀnner 2010 - 69.766 Menschen. Zum Ballungsraum gehören Steyr und die Gemeinden Dietach (2.830), Wolfern (2.983), Sankt Ulrich bei Steyr (3.049), Sierning (9.106), Garsten (6.618) und in Niederösterreich die Gemeinden Haidershofen (3.576) und Behamberg (3.239).
Offizielle Beschreibung des Stadtwappens: In GrĂŒn ein silberner, rot gewaffneter und gehörnter, flammenspeiender, aufgerichteter Panther. Die Stadtfarben sind GrĂŒn-WeiĂ.
Das zur ursprĂŒnglich blau-weiĂen Gruppe der bajuwarisch-karantanischen âPantherfamilieâ zĂ€hlende Fabeltier ist das signifikante Wappenbild der nach ihrem Leitnamen als Otakare bezeichneten Markgrafen, spĂ€ter Herzöge der Steiermark, die ihren Stammsitz in Steyr hatten.
1160 von Markgraf Ottokar (Otakar) III. von Steyr zu seinem offiziellen Schildwappen gewÀhlt, bildet es noch heute das steiermÀrkische Landeswappen.
Das ursprĂŒngliche Siegel der BĂŒrgerschaft stammt aus dem Jahr 1304. Es zeigt ein Stadttor mit zwei TĂŒrmen, darĂŒber den österreichischen Bindenschild und beiderseits des Tores das Stadtwappen. Die Umschrift lautet: +SIGILLVM CIVIVM IN STIRA.[3]
Zahlreiche Streufunde zeigen, dass die Gegend um Steyr schon in frĂŒhester Zeit besiedelt war, wenn sich auch eine vorgeschichtliche Siedlung im Stadtgebiet nicht nachweisen lĂ€sst. Um 600 v. Chr. wanderten Kelten ein, die als Erste das Eisen des Erzberges abbauten. Der Name Steyr entstammt der keltischen Sprache (Stiria) und bezeichnet den gleichnamigen Fluss. Der griechische Geograph Klaudios Ptolemaios hat in seinem âAtlas der Oikumeneâ (Geographike Hyphegesis) unter Noricum einen Ort âGesodunumâ vermerkt, der von Wissenschaftlern der TU Berlin anhand von transformierten antiken Koordinaten im âRaum von Steyrâ lokalisiert wird.[4]
Die Römer brachten das Eisen, das sie das ânorischeâ nannten, auf der alten EisenstraĂe zu ihrer Schildfabrik nach Lauriacum. Nach der Ăberlieferung stand auf dem Felsen ĂŒber dem Zusammenfluss von Steyr und Enns bereits ein römischer Wachturm, so heiĂt der Bergfried der Styraburg, der in das Barockschloss Lamberg integriert ist, noch heute Römerturm. Bei seiner tatsĂ€chlichen Errichtung im Hochmittelalter dĂŒrften aber Quader des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum verwendet worden sein, wodurch der Turm zu seinem Namen kam. Im Jahr 1297 berichten die Annalen des Stiftes St. Florian ĂŒber einen groĂen Schatzfund bei Steyr (âMaximus Thesaurusâ), wobei dies als erste ĂŒberlieferte Nachricht ĂŒber archĂ€ologische Funde in Ăsterreich gilt.[5] Im Laufe der Jahrhunderte kamen noch einige eher unspektakulĂ€re Kleinfunde hinzu.[6] Bei der Notgrabung im Zuge der Errichtung der Steyrer Nordspange (KG Hinterberg, Stadtteil MĂŒnichholz) wurden durch das Bundesdenkmalamt die Baureste eines Gehöfts ergraben.[7]
Im 6. Jahrhundert wurde das Gebiet von bairischen StĂ€mmen besiedelt und gehörte spĂ€ter zum Rodungsbezirk des 777 vom Bayernherzog Tassilo gegrĂŒndeten Klosters KremsmĂŒnster. Zum Schutze des Reiches gegen die EinfĂ€lle der Ungarn wurden um 900 an der Enns zwei wehrhafte Burgen errichtet, die Burg zu Enns und die Styraburg, die 980 erstmals urkundlich erwĂ€hnt wurde. Die Erbauer der Burg waren die Grafen von Wels-Lambach, die Besitzungen im Traungau und in der Karantanischen Mark (Obersteiermark) hatten.
1055 traten die aus dem Chiemgau stammenden Otakare deren Erbe an. Das Wappentier der Otakare war der weiĂe Panther. Durch Erbschaften und kluge Heiratspolitik â Otakar II. war mit einer Babenbergerin vermĂ€hlt â vergröĂerten sie ihre Besitzungen in der Steiermark betrĂ€chtlich. Hier lag auch der Erzberg, dessen Abbau von den Otakaren intensiv gefördert wurde. Die Machtstellung der Otakare zeigte sich in einer prĂ€chtigen Hofhaltung. Die Styraburg war nicht nur der Schauplatz ritterlichen Lebens, sondern auch Ort der Pflege edler KĂŒnste. In den beiden mittelhochdeutschen Epen Biterolf und Dietleib und König Laurin wird der Burg zu Steyr ein literarisches Denkmal gesetzt. 1180 wurde Otakar IV., der Letzte seines Geschlechtes, von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Herzogsstand erhoben. 1186 vermachte Otakar IV., krank und kinderlos, in feierlichem Erbvertrag auf dem Georgenberg zu Enns Burg und Herrschaft Steyr den Babenbergern â schon 1170 wird Steyr als Urbs âstĂ€dtische Siedlungâ bezeichnet, worauf sich das Stadtrecht zurĂŒckfĂŒhrt.
Steyr verlor seine Bedeutung als Herzogssitz, seine Rolle als Verarbeitungs- und Handelszentrum fĂŒr das Innerberger Eisen blieb jedoch erhalten. Das in Innerberg, dem heutigen Eisenerz, geförderte âSchwarze Metallâ nahm schon im frĂŒhen Mittelalter seinen Weg durch das Tal der Enns zur Donau und lieĂ so eine der Ă€ltesten Industrielandschaften Europas, die Eisenwurzen, entstehen.
BegĂŒnstigt durch seine einmalige verkehrspolitische Lage und seine Bedeutung als Residenz unter den Otakaren, entwickelte sich Steyr zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum dieses frĂŒhmittelalterlichen Industriegebietes. Unter den Babenbergern erfolgte der Aufstieg der Stadt zur Eisenmetropole nördlich der Alpen. Handwerker, vor allem Waffen- und RĂŒstungsschmiede, hatten am FuĂe der Burg Schutz und Lebensraum gefunden.
Nach dem Aussterben der Babenberger 1246 begannen fĂŒr die Stadt schwere Zeiten. In der Zeit vor den Habsburgern wurde Steyr 1254, als Folge des Friedens von Ofen, von seiner Mark (der Steiermark, die damals an Ungarn fiel) und damit von seiner wirtschaftlichen Basis, dem Erzberg, getrennt und zum Land ob der Enns unter dem Böhmenkönig Ottokar II. PĆemysl geschlagen.
Am 23. August 1287 bestĂ€tigte Herzog Albrecht I. der Stadt die alten Rechte im Handel und in der Verarbeitung des Innerberger Eisens. In diesem GroĂen Privileg wurde den Steyrer BĂŒrgern unter anderem das Stapelrecht fĂŒr Holz und Eisen gewĂ€hrt. Drei Tage lang mussten diese Rohstoffe den Steyrer BĂŒrgern zu einem bevorzugten Preis angeboten werden, ehe sie ihren Weg zur Donau fortsetzen durften. Das machte Stadt und BĂŒrger reich und versetzte sie in die Lage, bedeutende KĂŒnstler aus Deutschland, Böhmen und Italien einzuladen, um zu bauen und Kunstwerke zu schaffen. Handelsbeziehungen Steyrer EisenhĂ€ndler mit Deutschland und Osteuropa sind seit 1190 belegt.
Eine besondere Rolle spielte der Handel mit Venedig. Steyr gehörte damals zu jenen neun römisch-deutschen StÀdten, die in Venedig ein eigenes Handelskontor unterhielten. Steyrer Eisenwaren stellten auf dem Venediger Markt begehrte Artikel dar.
Eine groĂe Anzahl von Steyrern bekannte sich im 13. und 14. Jahrhundert zum Waldensertum, einer christlichen Laienbewegung, die von der Inquisition als ketzerisch gebrandmarkt wurde. Steyr war in dieser Zeit der bedeutendste Waldenserort Ăsterreichs. Aus diesem Grund wurde die Stadt mehrmals von der Inquisition heimgesucht. Um zirka 1260 wurden hier erstmals Waldenser entdeckt, Inquisitionsgerichte wurden danach neuerlich 1311 und etwa 1370 abgehalten. Zu den schwersten Verfolgungen kam es zwischen 1391 und 1398 unter dem Inquisitor Petrus Zwicker: Allein im Jahr 1397 wurden nach Angaben des Chronisten Preuenhueber âmehr denn tausend Personen eingezogenâ. Im selben Jahr wurden auf dem Ketzerfriedhof zwischen 80 und 100 Personen verbrannt. Hieran erinnert das 1997 in Steyr errichtete Waldenserdenkmal.[9]
Das rasche AufblĂŒhen der Stadt im 14. Jahrhundert förderte den Zuzug von Handwerkern hauptsĂ€chlich aus NĂŒrnberg. Neben Harnischmachern und Klingenschmieden waren es vor allem Messerer, deren Zunftbrief von 1406 zu den Ă€ltesten Ăsterreichs gehört. Die Steyrer Messerer waren tonangebend im gesamten sĂŒddeutschen Raum. Mitte des 15. Jahrhunderts erreichte die Stadt ihren wirtschaftlichen Höhepunkt. Steyr war damals neben Wien die wohlhabendste und vornehmste Stadt Ăsterreichs.
Die weitreichenden und innigen Handelsbeziehungen Steyrs zu den bedeutendsten Handelszentren Europas machten die Bewohner empfĂ€nglich fĂŒr neue Ideen und Strömungen. Die Lehre Luthers â 1525 vom BarfuĂmönch Calixt in der Stadt verbreitet â wurde von den Steyrern beifĂ€llig aufgenommen. Fast geschlossen traten die BĂŒrger und Handwerker zum neuen Glauben ĂŒber. Am Beginn der Gegenreformation gab es in der Stadt nur mehr 18 katholische Familien. Steyr erlebte in dieser Zeit eine kulturelle BlĂŒte und gehörte zu jenen wenigen StĂ€dten Ăsterreichs, in denen der Meistergesang gepflegt wurde, der erst in den Wirren der Gegenreformation verstummte.
Anfang Juli 1572 suchte das bisher verheerendste Hochwasser die Stadt heim. Als Reaktion darauf wurde 1573 das Neutor am Eingang zum GrĂŒnmarkt als Wasserschutzbau errichtet.[10] An der SĂŒdwand des Wasserturms in ZwischenbrĂŒcken (CafĂ© Werndl) sind Hochwassermarken angebracht. Demnach stand das Hochwasser 1572 deutlich höher als 2002.
Die ersten Anzeichen fĂŒr den Niedergang des Eisenwesens machten sich bemerkbar: Handwerker klagten, dass EisenhĂ€ndler gewinnbringend ins Ausland verkauften und dem ansĂ€ssigen Gewerbe so nur zweitklassige Ware bliebe. 1583 kam es daher zur GrĂŒndung der Eisenhandlungskompanie, die dem unlauteren Handel ein Ende bereiten sollte. Die in sie gesetzten Erwartungen erfĂŒllten sich jedoch nicht. Der Ausbruch des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges, Gegenreformation und der groĂe oberösterreichische Bauernkrieg â zwei seiner Drahtzieher waren Steyrer BĂŒrger â fĂŒhrten zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Die VerpfĂ€ndung Oberösterreichs an Baiern 1620 und die rigorosen MaĂnahmen der Gegenreformation unter Graf Herberstorff, die im Frankenburger WĂŒrfelspiel ihren grausigen Höhepunkt fanden, fĂŒhrten zur Erhebung der Bauern 1626.
Mit 40.000 Bauern kam der FĂŒhrer der AufstĂ€ndischen, Stefan Fadinger, nach Steyr, wo er in Stadtrichter Wolfgang Madlseder und Dr. Lazarus HolzmĂŒller wichtige VerbĂŒndete fand. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden die RĂ€delsfĂŒhrer enthauptet und gevierteilt. Die Einquartierung von Truppen, die dadurch entstehenden Kosten, die katastrophale Wirtschaftslage und der 1625 ergangene Ausweisungsbefehl fĂŒr Protestanten hatte die Auswanderung von 228 Steyrer Familien zur Folge. Viele sahen ihre einzige Hoffnung in der Emigration. Es waren Steyrer Messerer, die die berĂŒhmte Solinger Stahlwarenerzeugung grĂŒndeten. Diese Entwicklung wirkte sich auch fatal auf das Eisenwesen aus. 1620 warteten 300.000 Zentner Stahl in Steyr auf ihre Abnehmer. Um das darniederliegende Eisenwesen zu beleben, kam es 1625 zur GrĂŒndung der Innerberger Hauptgewerkschaft, der Vereinigung von Radmeistern, Hammerherren und EisenhĂ€ndlern zu einem Konzern, aus dem spĂ€ter die Alpine Montangesellschaft hervorgehen sollte.
Von 1625 bis etwa 1630 arbeitete der Historiograph Valentin Preuenhueber an den Annales Styrenses, der ersten Geschichte der Stadt Steyr. Da Preuenhueber jedoch 1629 als Protestant Ăsterreich verlassen musste, dauerte es mehr als hundert Jahre, bis das Werk gedruckt vorlag (NĂŒrnberg 1740).[11]
Mit dem Barock erlebte die Stadt nach der TĂŒrkengefahr ein neues AufblĂŒhen. Der GroĂhandel mit dem Eisen war zwar versiegt, die Verarbeitung des steirischen Eisens wĂ€hrte aber fort. In dieser Zeit entstanden in Steyr einige interessante Bauten, wie die Michaelerkirche oder die Wallfahrtskirche von Christkindl am Rande der Stadt. In der Josefinischen Zeit, die nicht nur durch die Klosteraufhebungen geprĂ€gt wurde, machte sich in Steyr eine wirtschaftliche AufwĂ€rtsbewegung bemerkbar. Durch die Umwandlung von bestehenden Handwerksbetrieben und die GrĂŒndung neuer WerkstĂ€tten wurde der Grundstein fĂŒr die spĂ€tere Industrialisierung der Stadt gelegt.
Am 29. August 1727 wurde Steyr von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht, die nicht nur groĂe Teile der Altstadt, sondern auch die Styraburg mit ihren Giebeln, TĂŒrmen und Erkern vernichtete. Am selben Platz entstand das barocke Schloss Lamberg.
Das gotische âBummerlhausâ am Stadtplatz 32 ist das Wahrzeichen der Stadt
Der Innerberger Stadel am GrĂŒnmarkt 26
Hochwassermarken am Wasserturm in ZwischenbrĂŒcken
In der Zeit der Franzosenkriege wurde die gĂŒnstige Entwicklung der Steyrer Wirtschaft jĂ€h unterbrochen. Innerhalb von zehn Jahren besetzten französische Truppen dreimal die Stadt: 1800, 1805 und 1809. In der heutigen Löwenapotheke wurde am 25. Dezember 1800 der Waffenstillstand zwischen Ăsterreich und Frankreich unterzeichnet, dem 1801 der Friede von LunĂ©ville folgte. Um das Revolutionsjahr 1848 gab es auch in Steyr Krawalle und Unruhen. Als die Stadt am 6. Juni 1849 regierungsfeindlichen Husaren den Durchmarsch gestattete, fĂŒhrte dies zu schweren Verstimmungen mit dem Kaiserhaus. In der Folge bemĂŒhte sich die Stadt um Schadensbegrenzung: Der Gemeinderat beschloss der Errichtung eines Votivaltars in der Stadtpfarrkirche, anlĂ€sslich der Rettung des Kaisers vor dem Attentat 1853. Am 27. September 1857 besichtigte das Kaiserpaar den in der Wiener Minoritenkirche ausgestellten Altar.[12]
Im SpĂ€tsommer 1855 brach in und um Steyr die Cholera aus. Prominentestes Todesopfer war der Waffenproduzent Leopold Werndl.[13] Sein Sohn Josef Werndl begrĂŒndete die Steyrer GroĂindustrie.
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 900-jĂ€hrigen Bestehen besuchte Kaiser Franz Josef I. am 23. August 1880 die Stadt. Nach dem Empfang durch Honoratoren am Bahnhof um sechs Uhr morgens fuhr die Gesellschaft zum Rathaus, vor dem ein Festzug abrollte. Danach wurden die Gewerbeausstellung, die VersuchswerkstĂ€tte und die Werndlsche Waffenfabrik besichtigt.[14] Dem kaiserlichen Besuch gewidmet ist das 1893 enthĂŒllte BĂŒrgerschaftsfenster in der Stadtpfarrkirche. Im Hauptbild empfĂ€ngt der Heilige Dominikus aus der Hand Mariens einen Rosenkranz.[15] Die Inschrift lautet: Gewidmet von der BĂŒrgerschaft SteĂżr zur Erinnerung an die durch die Anwesenheit Sr. k. k. Apostolischen MajestĂ€t Franz Josef I. verherrlichte JubilĂ€umsfeier im August 1880 des 900 jĂ€hrigen Bestandes der Stadt und des 500 jĂ€hrigen des uniformirten BĂŒrgercorps in SteĂżr.
Anton Bruckner suchte Steyr öfters auf und spielte auf der Chrismannorgel in der Stadtpfarrkirche. Ab 1884 verbrachte er mehrere Sommer in der Stadt und komponierte Teile der 8. und 9. Sinfonie, daran erinnert eine Tafel am Alten Pfarrhof.[16] Steyr errichtete 1898 dem Komponisten das erste Denkmal (Brucknerplatz bei der Stadtpfarrkirche).[17]
Bereits im spĂ€ten Mittelalter siedelten sich im Wehrgraben Gewerbebetriebe an und nutzten die Wasserkraft der Steyr. Dazu wurde ein System von KanĂ€len angelegt, das im Wesentlichen bis heute erhalten ist.[18] Im 18. Jahrhundert begannen hier ansĂ€ssige bĂŒrgerliche Meister mit der Erzeugung von SĂ€beln, Bajonetten und Gewehrbestandteilen. 1830 grĂŒndete schlieĂlich Leopold Werndl einen Betrieb, in dem er mit 450 Arbeitern Gewehrbestandteile erzeugte. Dem Sohn, Josef Werndl, gelang der groĂe Schritt vom einfachen Unternehmer zum GroĂindustriellen. In wenigen Jahren baute er die Fabrik seines Vaters zu einer der gröĂten und modernsten Waffenfabriken der Welt aus.[19]
AnlĂ€sslich der Electrischen-Landes-Industrie-Forst und culturhistorischen Ausstellung 1884 (2. August bis 30. September) lieĂ Josef Werndls OEWG einen Teil der Stadt vorĂŒbergehend elektrisch beleuchten. Die benötigte elektrische Energie stammte von Dynamomaschinen in verschiedenen Objekten der Waffenfabrik. Neu daran war, dass dieser Strom nicht nur aus Dampfkraft, sondern auch aus Wasserkraft gewonnen wurde. In der ehemaligen HeindlmĂŒhle in ZwischenbrĂŒcken war eine Turbine installiert, die mit zwei Dynamomaschinen gekoppelt bei durchschnittlich 850 Umdrehungen pro Minute Strom mit 450 Volt und 8 Ampere erzeugte. Werndl baute somit die ersten leistungsfĂ€higen Laufkraftwerke. Am 19. August besuchte Kaiser Franz Josef die Ausstellung, Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie folgten am 19. September.[20]
Ab 1829 wurden die mittelalterlichen Befestigungsanlagen Schritt fĂŒr Schritt geschleift. Als Erstes fiel das Steyrtor in ZwischenbrĂŒcken. FĂŒrst Lamberg lieĂ 1838 die Zwingmauer und das den Schlossberg versperrende Tor abbrechen. Nachdem Anfang Mai 1842 ein Brand groĂe SchĂ€den in den VorstĂ€dten Steyrdorf, Bei der Steyr und Wieserfeld anrichtete,[21] wurde im selben Jahr das Schuhbodentor in der Schuhbodengasse abgetragen. 1843 folgten das ebenfalls abgebrannte Gleinkertor in der Gleinkergasse und das Brittingertor in der Kirchengasse. Im MĂ€rz 1844 verschwand das innere Gilgentor bei der Stadtpfarrkirche und das Frauentor in der Frauengasse 1848. Ein kastellartiges Festungstor auĂerhalb der Stadtpfarrkirche wich 1846 einem Villenbau. Ab 1848 wurde der Graben bei der heutigen Promenade aufgefĂŒllt, dort befand sich auĂerdem eine neun Meter hohe Mauer und der Zwinger. Der heutige Brucknerplatz bei der Stadtpfarrkirche befindet sich an Stelle des Stadtgrabens. Ab Ende Mai 1848 wurde das Wieserfeld planiert. Die Reste des alten Gilgentores existieren seit 1852 nicht mehr und ein Torturm in der Langen Gasse in Ennsdorf (HaratzmĂŒllerstraĂe) seit 1855. Ab Anfang 1857 wurde die Stadtmauer im Bereich des heutigen Ennskais beseitigt, das mĂ€chtige Ennstor in ZwischenbrĂŒcken 1864. 1891 fiel das Ărtltor in der SchlĂŒsselhofgasse.[22] Heute sind von der ehemaligen Befestigung nur noch wenige Reste erhalten, wie etwa das Schnallentor, das Neutor und das Kollertor. Unterhalb der Stadtpfarrkirche und dem altem Pfarrhof befinden sich ein erhaltener Abschnitt der Stadtmauer und ein ehemaliger Wachturm.
Das Ende der Monarchie bewirkte eine Umkehrung der MachtverhĂ€ltnisse. Bis 1918 waren bĂŒrgerlich-deutschnationale Kreise tonangebend â durch das allgemeine freie Wahlrecht wandelte sich Steyr zur sozialistischen Arbeiterstadt.[23] Am 1. JĂ€nner 1909 wurde nach dem Vertrag vom 8. Oktober 1917 die heutige Katastralgemeinde Gleink eingemeindet. Aichet, Wieserfeld, Bei der Steyr und Steyrdorf bildeten den zweiten Stadtbezirk Steyrdorf. Nach Gemeinderatsbeschluss von 21. Juni 1919 wurde Steyr in folgende Bezirke unterteilt: Stadt, Steyrdorf, Stein, Ort, Ennsdorf.[24]
Zwischen 1926 und 1927 lieĂ der Bestattungsverein âDie Flammeâ vom Architekten Franz Koppelhuber das erste oberösterreichische Krematorium errichten. Die Eröffnung war am 26. Juni 1927, Ende 1939 erwarb es die Stadt um 115.000 Reichsmark. Von Koppelhuber stammt auch das Kriegerdenkmal bei der Stadtpfarrkirche.[25][26]
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Ersten Republik verschonten auch Steyr nicht und die Arbeitslosigkeit blieb bis 1938 ein gravierendes Problem. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 verschĂ€rfte die Lage: Zwischen dem 30. Juni 1929 und dem 25. JĂ€nner 1930 entlieĂen die Steyr-Werke, der gröĂte Arbeitgeber, 70 % ihrer Belegschaft. Die finanzielle Lage wurde prekĂ€r: Weder die Abtretung der stĂ€dtischen Polizei an den Bund, noch der Verkauf des Krankenhauses an das Land Oberösterreich konnten daran etwas Ă€ndern: Am 24. Oktober 1931 erklĂ€rte die Gemeinde den Bankrott.[23] Ende November 1932 waren 4359 Personen als arbeitslos gemeldet. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen bĂŒrgerlicher Heimwehr und sozialistischem Schutzbund. Die FebruarkĂ€mpfe 1934 in vielen österreichischen StĂ€dten erfassten auch Steyr, der Widerstand des verbotenen Schutzbundes wurde jedoch durch MilitĂ€r, Bundespolizei und Schutzkorps rasch gebrochen. Am 17. Februar 1934 begannen im KreisgerichtsgebĂ€ude die Prozesse gegen die AufstĂ€ndischen. In der Folge blieb die Stadtleitung bis zum Anschluss Ăsterreichs 1938 bĂŒrgerlich klerikal.[23]
Am 1. April 1935 kamen die Ortschaften Neuschönau, JÀgerberg und Ramingsteg aus der Gemeinde St. Ulrich hinzu. Aus den nicht einbezogenen Teilen JÀgerbergs wurde die neue Katastralgemeinde St. Ulrich gebildet.[24]
Die umfangreichsten Erweiterungen erfolgten 1938. Nach Beschluss vom 15. Oktober kamen folgende Gebiete hinzu: MĂŒnichholz, Hinterberg, Gleink, GrĂŒnberg, Stein, Christkindl und Garsten.[24] Die Wohnungs AG der Reichwerke Hermann Göring errichtete in MĂŒnichholz (Minichholz) 2500 Wohnungen und zog damit einen komplett neuen Stadtteil hoch.[27]
Im Zweiten Weltkrieg erlitt Steyr als Industriestandort und somit als strategisches Bomberziel schwere Zerstörungen und Verluste. Der erste Angriff erfolgte am 23. Februar 1944. Er forderte 15 Tote und 55 Verletzte. Beim zweiten Angriff am 24. Februar starben 212 Menschen, 371 wurden verletzt. Knapp 1000 Bomben wurden auf Steyr abgeworfen. 112 GebÀude wurden dabei zerstört und an die 400 schwer beschÀdigt.
Von 1942 bis 1945 war der Stadtteil MĂŒnichholz Standort fĂŒr das KZ-Nebenlager Steyr-MĂŒnichholz. Dort waren bis zu 3.090 HĂ€ftlinge untergebracht, die in den Steyr-Werken zur RĂŒstungsproduktion herangezogen wurden und fĂŒr den Bau von StraĂen und Luftschutzbunkern in Steyr herhalten mussten.
Am 5. Mai 1945 zogen Amerikaner in Steyr ein, am 9. Mai folgten sowjetische Truppen aus dem Osten. Sie befreiten Steyr nicht nur von der nationalsozialistischen Herrschaft, sondern auch die zahlreichen Zwangsarbeiter in den Lagern rund um die Hermann-Göring-Werke. Durch die zahlreichen FlĂŒchtlinge und Soldaten stieg im Mai 1945 die Bevölkerungszahl auf 103.000 an.
Die Probleme der Stadtverwaltung nach dem Weltkrieg waren vor allem die Beseitigung der BombenschĂ€den sowie die Wiederherstellung und Verbesserung der Infrastruktur. In der langen Steyrer Stadtgeschichte gibt es keinen Zeitabschnitt, der eine so umfangreiche Neugestaltung aufweisen könnte wie dieser. Errichtet wurden zahlreiche Wohn- und Schulbauten, BĂ€der und Sportanlagen, Bildungseinrichtungen, Fernheizwerke, die neuen BrĂŒcken ĂŒber Enns und Steyr und mehrere neue Betriebe.
1972 bis 1978 kam es zu einer erbitterten Auseinandersetzung einer BĂŒrgerinitiative mit der Steyrer Kommunalverwaltung wegen der Erhaltung des historischen Wehrgrabens. WĂ€hrend die BĂŒrgerinitiative die denkmalgerechte Erhaltung des historischen Stadtteiles forderte, plante die Stadt Steyr, sowohl die Gerinne zuzuschĂŒtten als auch zahlreiche bauliche Umgestaltungen vorzunehmen. Der Streit endete nicht zuletzt durch die engagierte UnterstĂŒtzung des Steyrer Kunstprofessors Heribert Mader und zahlreicher Medien mit einem Sieg fĂŒr die Erhalter des Stadtteiles.
1979 erfolgte der Baubeginn des BMW-Motorenwerkes, das seither zum gröĂten Betrieb in Steyr avancierte. 2004 beschĂ€ftigte BMW in Steyr 2800 Mitarbeiter.
Im Jahr 1980 feierte die Stadt ihr 1000-jĂ€hriges Bestehen, zu diesem Anlass wurde Schloss Lamberg seit 1977 restauriert â 1980 beherbergte es die Landesausstellung ĂŒber die Hallstattkultur.[28] Das mehrtĂ€gige Stadtfest am Stadtplatz war ursprĂŒnglich als Event zur 1000-Jahr-Feier gedacht, seitdem wird es jedoch jĂ€hrlich im Juni neu ausgerichtet.[29] Im Herbst eröffnete das in den spĂ€ten 1950ern geschlossene alte Theater an der Promenade neu (siehe auch Abschnitt Theater). Die österreichische Post veröffentlichte am 4. Juni 1980 die Sonderpostmarke Tausend Jahre Steyr mit einem Kupferstich aus dem Jahr 1693.[30]
Ab 1988 begann die Zerteilung und der Verkauf der Steyr-Daimler-Puch AG. Den Beginn machte der schwedische SKF-Konzern, der das angeschlagene Steyrer WĂ€lzlagerwerk ĂŒbernahm. Am 12. September 1989 stimmte der Aufsichtsrat von Steyr-Daimler-Puch dem Verkauf des LKW-Werkes an den deutschen Konzern MAN zu. Auch die deutsche Zahnradfabrik (ZF) und der Magna-Konzern von Frank Stronach kauften sich in Steyr ein.
Die Trollmann-Kaserne am Tabor (RooseveltstraĂe) ist seit 2001 aufgelassen. Das GebĂ€ude wurde 1903 bis 1905 errichtet und nach dem Infanterie-General Ignaz Trollmann benannt. Auf dem GelĂ€nde soll ein Einkaufszentrum entstehen (Stand MĂ€rz 2011).[31]
Im Sommer 2002 verursachten heftige RegenfĂ€lle ein verheerendes Jahrhunderthochwasser: Die Enns stieg am 12. August im Stadtgebiet auf 7.40 m[32] und ĂŒberflutete den Stadtplatz. Der Pegel liegt am Ennskai im Mittel bei 1.50 m, bei 3.10 m tritt der Fluss ĂŒber das Ufer.[33][34]
Mehrere FachhochschulstudiengÀnge sowie Forschungs- und Ausbildungsprojekte sind angesiedelt. Umfangreich sind die AktivitÀten der kommunalen Denkmalpflege, die bestrebt ist, den historischen Stadtkern so authentisch wie möglich zu erhalten.
Juden sind seit dem 14. Jahrhundert in der Stadt nachweisbar: 1371 verbot Herzog Albrecht III. ihnen den Handel mit Wein und Getreide. 1420 wurden Garstner Juden der HostienschÀndung beschuldigt und in Wien gefangen genommen. Das Toleranzpatent Josephs II. brachte 1782 eine rechtliche Besserstellung.[35]
Die Zahl der jĂŒdischen Einwohner blieb im 19. und 20 Jahrhundert relativ gering. 1851 und 1852 lieĂen sich Familien aus Böhmen in der Stadt nieder, 1855 gab es sieben Familien. Die VolkszĂ€hlung 1857 wies 50 Israeliten in 16 Familien aus, die fast ausschlieĂlich Hausier- und Tauschhandel mit rohen Produkten und Waren betrieben. Ein Israelitischer Cultusverein stammt vom 3. November 1870. Ab April 1874 richtete dieser eine eigene jĂŒdische BegrĂ€bnisstĂ€tte am Taborfriedhof ein.[36]
1894 wandelte sich der Cultusverein zur Kultusgemeinde. Diese kaufte am 31. Oktober desselben Jahres eine ehemalige Gastwirtschaft in der BahnhofsstraĂe und richtete darin ein Bethaus ein. Ende 1891 wohnten 174 Israeliten in der Stadt. Ein jĂŒdischer Frauenverein datiert von 1930. Zur Zeit des Anschlusses 1938 gab es in Oberösterreich mit Linz und Steyr zwei israelitische Kultusgemeinden.[37] Im Juli 1938 setzten die ersten Verhaftungen von Steyrer Juden ein. Die Kultusgemeinde wurde am 1. Oktober 1938 von der Gestapo aufgelöst, das Bethaus in der BahnhofstraĂe war schon zuvor âarisiertâ worden und entging so der Zerstörung.[35]
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele jĂŒdische FlĂŒchtlinge in Steyr untergebracht: Das Lager fĂŒr Displaced Persons (DP) in der Artilleriekaserne beherbergte damals durchschnittlich 1800 von ihnen. Zu Beginn 1948 wurde es in die Verwaltung der Kommission der International Refugee Organization (IRO) ĂŒbernommen. Eine neugegrĂŒndete Kultusgemeinde löste sich durch den allmĂ€hlichen Wegzug bald wieder auf â 1959 gab es nur noch fĂŒnf Personen jĂŒdischen Glaubens in Steyr.[37]
Der Steyrer Gemeinderat besteht aus 36 Mitgliedern, welche den Titel Gemeinderat (GemeinderĂ€tin) fĂŒhren. Die Mitglieder werden von allen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern mit ordentlichem Wohnsitz in Steyr, auf eine Dauer von sechs Jahren gewĂ€hlt. Die Sitzungen des Gemeinderates sind öffentlich und finden etwa alle sechs bis acht Wochen im Rathaus statt.
Sitzverteilung der 36 Gemeinderatssitze: Nach den Ergebnissen der letzten Gemeinderatswahl 2009 verteilen sich die Sitze im Steyrer Gemeinderat auf folgende politischen Parteien:
SPĂ 19, ĂVP 8, FPĂ 6, GRĂNE 3,[38]
Stadtsenat: Der Steyrer Stadtsenat besteht aus dem BĂŒrgermeister, drei VizebĂŒrgermeistern und vier weiteren Mitgliedern, die den Titel Stadtrat/StadtrĂ€tin fĂŒhren. Sie alle werden aus der Mitte des Gemeinderates gewĂ€hlt. Die StĂ€rke der politischen Parteien im Stadtsenat richtet sich nach der Zahl der Sitzverteilung im Gemeinderat. Die Sitzungen des Stadtsenates finden in der Regel 14-tĂ€glich statt und sind nicht öffentlich. Den Vorsitz hat der BĂŒrgermeister.
Nach den Ergebnissen der letzten Gemeinderatswahl 2009 verteilen sich die Sitze im Steyrer Stadtsenat auf folgende politische Parteien:
SPĂ 5, ĂVP 2 und FPĂ 1 [39]
Christkindl | Föhrenschacherl * | Gleink | Hinterberg | JĂ€gerberg | Sarning | Stein * | Steyr (AâG, HâR, SâZ)
* FĂŒr diesen Ortsteil ist kein denkmalgschĂŒtztes Objekt ausgewiesen
Steyr zeigt sich durch seinen frĂŒhen Aufschwung, und die bis in die heutige Zeit andauernde wirtschaftliche Entwicklung in seinem Stadtbild vielfĂ€ltig, mit Ensembles von der Gotik bis in die Industrielle Architektur. Der Stadtplatz ist eines der besterhaltenen Altstadtensembles im deutschsprachigen Raum.
Steyr ist Mitglied im Verband Kleine historische StÀdte.
Das Alte Stadttheater (Promenade 3, frĂŒher Berggasse 10) ist ein ehemaliges barockes KlostergebĂ€ude. 1796 wurde es zu einem Theater umgebaut und am 16. Mai mit der Oper Zigeuner von Christian Gottlob Neefe eingeweiht. Der Bau eines gröĂeren Theaters in der Industriehalle im Jahr 1958 (Neues Stadttheater, VolksstraĂe 5) bewirkte die SchlieĂung. Nach Umbauarbeiten, bei denen unter anderem der Eingang zur Promenade verlegt wurde, wird das Haus seit Herbst 1980 wieder bespielt. Es gibt 233 Sitz- und 30 StehplĂ€tze auf der Galerie.[41]
Das Neue Stadttheater wurde 1957/1958 an die 1898 eröffnete Industriehalle angebaut. In der Halle befand sich schon seit 1924 das Volkskino. Das im SchĂŒttbauverfahren errichtete Haus erhielt einen fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse hochmodernen bĂŒhnentechnischen Apparat, so hat die DrehbĂŒhne ĂŒber 11 Meter Durchmesser. Die Eröffnung erfolgte am 27. September 1958 mit Giacomo Puccinis La BohĂšme. Das Haus bietet insgesamt 588 Personen Platz.[42]
Zuerst gab es lediglich Wanderkinos bei Veranstaltungen und groĂen MĂ€rkten. Am GrĂŒnmarkt eröffnete 1908 mit dem Steyrer Biograph das zweite ortsfeste Kino Ăsterreichs (das erste bestand bereits seit 1900 in Wels). Das Biograph schloss 1974. Ab 1924 gab es das Volkskino in der Industriehalle (Stadttheater), 1951 wurde es umgebaut. Ende 1948 eröffnete ein Colosseum Kino in der Mitteren Gasse (verbindet den Wieserfeldplatz mit der SierningerstraĂe). Von 1948 bis 1973 bestand das Kino MĂŒnichholz im gleichnamigen Stadtteil[43][44] und bis 2003 das Zentralkino in der FĂ€rbergasse.[45] Das Cityplexxx am Hermann-Leithenmayr-Platz (Industriehalle) schloss am 26. Januar 2011, am 15. April 2011 eröffnete am selben Ort das City Kino. Es ist das einzige Kino der Stadt.[46] [47] Das Steyr City Kino wurde jedoch nicht umgebaut und daher ist der eigentliche Ersatz des ehemaligen Cityplexxx das in Dietach erbaute Starmovie.
Das LKH Steyr ist ein Schwerpunktkrankenhaus an der SierningerstraĂe 170. Die dortige Schule fĂŒr allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege Steyr bietet unter anderem ein Studium der Pflegewissenschaften sowie eine Ausbildung zu diplomierter Krankenschwester bzw. diplomierten Krankenpfleger.[48] Der Ă€lteste Teil ist der 1916 eröffnete schlossartige Altbau. 1930 ging das Haus von der Stadt Steyr in den Besitz des Landes ĂŒber. Seit 1935 wurde das Krankenhaus nach und nach erweitert, die letzten Schritte waren ein Psychiatrie-Neubau 2005 und Neubauten fĂŒr OrthopĂ€die, HNO, Unfallchirurgie, OP und Verwaltung und Versorgung im Jahr 2006. Seit 2008 ist es ein âLehrkrankenhausâ der Medizinischen UniversitĂ€t Innsbruck.[49]
Steyr liegt an der Rudolfsbahn. Es gibt regelmĂ€Ăigen Zugsverkehr nach Linz (ĂŒber Sankt Valentin, mit Anschluss an die Westbahn) sowie nach Kleinreifling. Der Streckenabschnitt von St. Valentin nach Steyr wurde im Jahr 1868 eröffnet.[50] Die heutige Gestaltung des Hauptbahnhofs mit Ăberbauung der Gleisanlagen (Parkhaus, regionaler Busbahnhof) und ĂŒberdachtem Mittelbahnsteig besteht seit November 1998.[51]
Die 1889 eröffnete und 1982 eingestellte schmalspurige Steyrtalbahn fĂŒhrte von dem am westlichen Stadtrand gelegenen Bahnhof Steyr-Lokalbahn nach GrĂŒnburg, Molln und Klaus, mit einer Zweigstrecke nach Sierning und Bad Hall, sowie in die andere Richtung in das nahe gelegene Garsten mit Anschluss zur Rudolfsbahn. Der Abschnitt von Steyr-Lokalbahn nach GrĂŒnburg ist als Museumsbahn erhalten. ZĂŒge verkehren wĂ€hrend der Sommermonate und in der Adventszeit jeweils an Sam.- Son.- und Feiertagen.[52]
Durch die AutostraĂe B309 (Steyrer StraĂe) ist die Stadt seit Herbst 2010 an die A1 angebunden.[53] Zuvor besaĂ Steyr keinen Anschluss an das hochrangige StraĂennetz. Zu den durch das Stadtgebiet verlaufenden BundesstraĂen gehören die Voralpen StraĂe B122 nach Sattledt sowie die EisenstraĂe (B115) ĂŒber Hieflau, Eisenerz und den PrĂ€bichl-Pass nach Leoben und Traboch.
Postbusse verkehren unter anderem nach Linz, Kirchdorf an der Krems, Amstetten und Wels. FĂŒr den öffentlichen Nahverkehr innerhalb der Stadt ist der Stadtbus Steyr zustĂ€ndig. Von der Vorweihnachtszeit bis Silvester verkehrt jedes Jahr eine Oldtimer-Buslinie zwischen dem Steyrer Stadtplatz und dem Pfarrhof Christkindl. An einzelnen Tagen werden auĂerdem die Katastralgemeinde Gleink (Martinimarkt) und die Nachbargemeinde Garsten (Garstner Advent) angefahren.[54]
Schifffahrt, FlöĂerei und Holztrift auf den FlĂŒssen Enns und Steyr waren fĂŒr die historische Entwicklung der Stadt Steyr von entscheidender Bedeutung. So gelangten Roheisen vom steirischen Erzberg und Holz bzw. Holzkohle fĂŒr den Betrieb der SchmiedehĂ€mmer nach Steyr. FĂŒr die StromaufwĂ€rtsschifffahrt wurden an der Enns bis nach Hieflau ein Treppelweg errichtet. Im Gegenzug wurden vor allem Nahrungsmittel transportiert. Nach der Errichtung der Eisenbahn verlor die Ennsschifffahrt an Bedeutung. Dennoch gab es ca. 100 Jahre lang ein Nebeneinander von Eisenbahn und Schifffahrt bis beim Bau der Kraftwerke um 1960 auch die FlöĂerei auf der Enns ganz eingestellt wurde.[55][56] Vor dem Bau der Kraftwerke war die Enns auch fĂŒr die Sportschifffahrt von groĂer Bedeutung.[57]
Die Schwimmschule (Wehrgrabengasse 61) besteht an diesem Ort seit 1874. Sie war ursprĂŒnglich fĂŒr die Arbeiter der Werndl-Werke und deren Kinder bestimmt. Das Bad ersetzt eine Ă€ltere 1863 eröffnete Anstalt auf dem Kohlanger bei der Wehrgrabenwehr, die 1873 dem Neubau des Objekts VI (6) der Waffenfabrik weichen musste. Nach Renovierungsarbeiten eröffnete das Bad am 20. Mai 1950 neu, weitreichende Modernisierungen stammen aus den Jahren 1960/61.[58] Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Bad schrittweise seit 2002, nachdem das damalige Hochwasser schwere SchĂ€den anrichtete.
â Hauptartikel: Schwimmschule Steyr
Das Stadtbad (HaratzmĂŒllerstraĂe 126) wurde auf dem GelĂ€nde der ehemaligen StegmĂŒhle errichtet und eröffnete am 20. Juni 1959. Am 18. Dezember 1970 eröffnete ein Hallenbad. 1977 wurde das Stadtbad erneuert und 1978 ein Zubau zum Hallenbad errichtet.[58] Die letzten umfangreicheren Sanierungsarbeiten (Hallenbad, Saunabereich, Wasseraufbereitung) stammen aus den Jahren 2005 bis 2008.[59]
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