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Der Stichel ist ein Gravierwerkzeug, das im Industriezeitalter aus einem kurzen Holzheft und einem rautenförmig zugeschliffenen Stahlstift besteht. Er dient vorwiegend der Bearbeitung von Holz (Holzstich) oder Metall (Kupferstich oder Stahlstich).
Inhaltsverzeichnis |
Als Stichel werden prähistorische Feuersteingeräte bezeichnet, bei denen durch schmale Längsabschläge an den Arbeitskanten rasch nachschärfbare und stabile Schneiden erzeugt werden. Erste Stichel finden sich im Paläolithikum, in größerer Menge ab dem Jungpaläolithikum und zählen mit den Klingen zu den Leitformen der Steingeräteindustrie.
Der Stichel ist ein Werkzeug mit kurzer fester Spitze. Er wird geschäftet oder ungeschäftet, senkrecht stehend zu einer Fläche gezogen. Im spanabhebenden Verfahren diente er vorzugsweise dazu, Geräte aus Elfenbein, Geweih, Holz oder Knochen herzustellen (Harpunen, Nadeln, Pfeilspitzen). Um Späne aus dem relativ weichen Material zu lösen wurden parallele Rillen ausgefurcht, vertieft und solange unterminiert, bis der Span gelöst werden konnte. Während des Gravettien wurden vor allem Knochen auf diese Weise zerlegt.
Stichel dienten zum Schaben, Schnitzen, Schneiden und Gravieren. Auch Muster wurden mit Sticheln in verschiedene Materialien graviert (z. B. in Knochen). Zur besseren Führung und um mehr Druck ausüben zu können, wurden Stichel vielleicht mit einem Rundholzgriff, Röhrenknochen oder in Geweihzapfen geschäftet. Belege für eine solche Schäftung fehlen jedoch.
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Auf Grund der umfangreichen Stichelfunde kann man auf zahlreiche, nicht erhaltene Holzgegenstände schließen. Die Menge der Stichel steht in Gegensatz zur Zahl der gefundenen Geweih- und Knochenstücke. Es ist daher wahrscheinlich, dass mit den Sticheln vorwiegend Holzobjekte bearbeitet wurden. Stichel weisen oft keine Gebrauchsspuren auf, da sie oft nachgeschärft wurden.
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Der Mittelstichel wird aus einer Klinge in der Stichelschlagtechnik hergestellt: die Spitze entsteht durch 2 Stichelschläge rechts und links neben dem Mittelgrat, der dann die Spitze bildet. Beim Seitenstichel liegt die Spitze an einem Ende der Querschneide. Das Ziel der Herstellung war, laut Stefan Unser, der statisch unübertroffene Mittelstichel. Die anderen Formen stellen seiner Ansicht nach missratene Stücke dar. Dicke Stichel haben Ähnlichkeit mit langen, dünnen Kernsteinen, sind besonders massiv und wurden später auch aus einem Kernstein gearbeitet.
Einige Stichel besitzen chronologischen Leitwert, da sie nur in bestimmten Kulturen bzw. Phasen des Jungpaläolithikums auftreten.[1]
Stichel mit zwei Spitzen oder mit einer retuschierten Bucht sind Mehrzweckwerkzeuge.
Beim Stichel aus einem Abschlag richtet sich die Ausformung der Spitze nach der mehr oder weniger zufällig entstandenen Form' des Abschlags und ist keiner festen Regel unterworfen (zahlreich vertreten finden sich im dänischen Mesolithikum).
Mit Entwicklung des Holz- und Stahlstichs wurde der Stichel schnell zu einem bevorzugten Werkzeug für Künstler und sonstige Bearbeiter dieser Werkstoffe. Er gehörte zur Standardausstattung mittelalterlicher Werkstätten. In der Frühen Neuzeit gehörte der Stichel bei Inquisitions- und Hexenprozessen zum Instrumentarium der peinlichen Befragung; ob auch ein Einsatz als Folterinstrument erfolgte, ist nicht erwiesen; in mehreren Fällen ist in Prozessakten jedoch überliefert, dass die Angeklagten erst nach Androhung des "Stichelns" Geständnisse abgaben.[2]